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Dienstag, 24. Juni 2014

Günter Goebel alias Guy Gilbert alias Georges Günter, DON-Akteur

 
Günter Goebel, Jahrgang 1931, ist nach eigener Aussage in Darmstadt aufgewachsen. [Witzigerweise verläuft vor dem Darmstädter Hauptbahnhof eine Goebelstrasse.] Als ich ihn kennenlernte, erzählte er, er sei früher Ralleys gefahren. Je nach Bedarf bezeichnete er sich als .... Journalist, Sportreporter, (Chef)Redakteur, Werbemann, Public Relations Experte, Geschäftsmann, Verleger, Fotograf, Repräsentant für Fotografen und Filmproduzent ...... Eine besondere Qualifikation habe ich ihm für keinen dieser Berufe zugestanden. Seine 'Schreibe' war indiskutabel; von Werbung hatte er keine Ahnung. Seine ausserordentlichen Fähigkeiten lagen auf dem Gebiet des quirligen, überall mitmischenden Geschäftsmannes. Seine Fähigkeit, Arbeit zu delegieren (anderen zuzuschieben), war genial. Über das, was er in jungen Jahren tatsächlich gelernt und gearbeitet hatte, hat er mir gegenüber nie gesprochen.

Günter Goebel lernte ich (Jens M. A. Reimer) 1967 kennen. Von Oktober 1967 bis März 1969 war ich mit Unterbrechungen in seiner Werbeagentur Pressag AG angestellt - in der Münchner Thierschstr. 23. Unter anderem gründete ich für ihn die creativ-gruppe-pressag.

Nach dieser Zeit als Pressag-Angestellter - ab 1970 - übertrug er mir (diskret) Nebenjobs: Zunächst sollte ich heterosexuelle Pornomagazine betexten [da war er sich immer noch nicht über meine sexuelle Ausrichtung sicher], später schrieb ich auch Erzählungen für homosexuelle Magazine.

Dadurch kam ich in Kontakt u.a. mit DON und mit dem Darmstädter Druckereibesitzer Henry Ferling, woraus sich zunächst eine sporadische Mitarbeit und später die Redaktionsübernahme von DON und ADAM entwickelte.

Bis etwa 1980 erhielt ich regelmässig Aufträge von Goebel; u.a. entwickelte ich für ihn zwei schwule Pornomagazine: 1976 HOM OH! und 1978 BOY OH! BOY. Ende 1980 trennten sich unsere Wege.

Günter Goebel fuhr lange Zeit - parallel - zwei Vorzeige-Nobelkarossen, einen Mercedes-Benz und einen Jaguar mit Züricher Kennzeichen (!). Siehe Abbildung in diesem schöngefärbten Artikel über Guy Gilbert der DON-Ausgabe 5/1976, Seite 32.

Erst Ende der 90er Jahre erfuhr ich, dass er gestorben sei. (Wann???)

Günter Goebel war bisexuell, hat sich dazu aber nie 'bekannt'. Ich wusste von zwei Ehen; d.h. zwei seiner Ehefrauen habe ich persönlich kennengelernt. Seine schwule Neigung, d.h. sein Interesse für junge Männer, galt als Tabu. Seine sporadischen Jungmännerbegleiter pflegte er anderen Menschen als 'Neffen' vorzustellen. In DON und allen anderen schwulen Objekten, die er in den Folgejahren herausgegeben hat, trat er (wenn überhaupt) nie mit seinem richtigen Namen auf.

Den Titel des homosexuellen Magazins DON kaufte/übernahm Günter Goebel Ende 1971. Die von ihm als Herausgeber verantwortete erste Ausgabe erschien im Januar 1972 in der Pressag AG, Vaduz, Lichtenstein.

Das war eine jener vielfältigen Mini-Firmen, die ausschliesslich ihm gehörten (dazu später mehr). Die letzte von ihm verantwortete DON-Ausgabe erschien im Dezember 1972. Als Redakteur stand sein Pseudonym Guy Gilbert allerdings noch bis Heft 12/1976 im Impressum, wie auch sein Kürzel GG (das er grundsätzlich als Unterschrift verwendete) unter einigen Beiträgen. In seinen Jahren bei/mit dem schwulen Magazin ADAM lautete sein Pseudonym Georges Günter.

Zwischenbemerkung: Nach der ersten Reform des § 175 StGB im September 1969 hat sich kein Homosexueller getraut - weder bekennender, noch ungeouteter - eine Zeitschrift für Homosexuelle zu gründen, zu finanzieren und zu verlegen. Ob DU & ICH, him oder DON, alle wesentlichen, ab 1969 erstmals auftauchenden Homo-Magazine wurden von (mehr oder weniger) heterosexuellen Geschäftsleuten finanziert und herausgegeben. Diese Leute glaubten, einen neuen, und wie sie vermuteten lukrativen Markt, erschliessen zu können ... die aber auch - das muss anerkennend erwähnt werden - den Mut hatten, sich über die damals noch extreme gesellschaftlich-moralische Ächtung der Homosexuellen und eine in der Gesellschaft extrem verbreitete homophobe Stimmung hinwegzusetzen.

Günter Goebel jonglierte etwa zwei Jahrzehnte lang mit einem Netz von Minifirmen, die alle von ihm gegründet und unter seiner ausschliesslichen Regie agierten: Unter anderem der Apollon Verlag in Vlissingen/Niederlande, die Pressag AG in Vaduz/Fürstentum Liechtenstein, die Pressag GmbH in München, die Bifipress AG in Frankfurt/Main, die Druck- und Verlags AG in München usw. Ein wesentlicher Zweck dieses Firmen'netzes', verstreut über mehrere Länder, war das Manövrieren mit Steuern. Längere Zeit war Straßburg/Frankreich sein Hauptwohnsitz; auch Sitz mancher seiner "Firmenniederlassungen". Anfang der 80er Jahre wurde er in München wg. Steuerhinterziehung angeklagt und es kam zum Prozess, bei dem er seinen langjährigen, eckart-treuen Münchner Buchhalter Fred H. als Erfinder dieses Firmenspinnennetzes und Alleinverantwortlichen denunzierte. Das berichtete der mir, als ich schon keinen Kontakt mehr zu Günter Goebel hatte.

Extrem ausgeprägt war das pekuniäre Interesse des Geschäftsmannes Goebel, der versuchte mit allen und allem Geschäfte zu machen. So begann er etwa Mitte der 70er Jahre als Erster deutsche schwule Porno-Filme im Format Super-8 zu produzieren. Abgesehen vom Sex mit jungen Männern interessierten ihn weder das Thema Homosexualität, noch die Probleme von Homosexuellen; von homosexueller Emanzipation ganz zu schweigen. Wenn er - z.B. in DON 4/1972 - sogar persönlich mit Bild auftaucht (dort aber namentlich nicht genannt wird, auch nicht mit einem seiner Pseudonyme), dann deshalb, weil er sich darin sonnte, als  'Verleger' und 'Chefredakteur' zu agieren und angesprochen zu werden.

Ich erwähne all dies keineswegs, um den Mann schlecht zu machen, sondern weil nur so die Inhalte und die Qualität der zahlreichen von ihm herausgegebenen Homo-Publikationen nachvollziehbar und verständlich werden. Schliesslich habe ich jahrelang freiberuflich für ihn und mit ihm gearbeitet. Dabei konnte ich mich immer auf ihn - besonders in finanziellen Dingen - und er sich auf mich verlassen.

Zu seinen Funktionen als Verleger und Chefredakteur muss man allerdings wissen, dass es sich bei DON, ADAM und einer Reihe weiterer schwuler Bildermagazine ausschliesslich um auflagenschwache Zeitschriften gehandelt hat. DON überschritt in den Jahren 1970 bis 1984 niemals die Marke von 12.000 verkauften Exemplaren; ausgenommen einige Sonderhefte, die im Verlag des Henry Ferling erschienen. In der Redaktionszeit von Gerd Talis ist die verkaufte DON-Auflage sogar auf unter 7.000 Exemplare abgestürzt. Allerdings musste grundsätzlich - mindestens! - die doppelte Auflage gedruckt werden, denn die Zeitschriftenvertriebe verlangten die volle Bestückung im gesamten Netz des Handels. Das heisst, 40 bis 50% Remittenden (Hefte, die der Handel als unverkauft zurückgibt) waren die Regel (vergleiche Vorwort zu DON 3/73). Im Bahnhhofsbuchhandel, wo der schwule Käufer als anonyme Person auftrat, verkauften sich homosexuelle Publikationen sehr viel besser, als im Zeitungsladen oder im Kiosk um die Ecke.


Günter Goebel (rechts) mit vermutlich einem 'Neffen' (links) und Michael Holm (Mitte), Sekretär des schwedischen Reichsverband für sexuelle Gleichberechtigung und Chefredakteur der Schwulenzeitschrift REVOLT, bei einem Treffen in Schweden. In dem DON-Artikel der Ausgabe 4/1972, Seite 4, wird ausschliesslich der Name Michael Holm genannt.
Günter Goebel hatte nur mässige Beziehungen zur schwulen Szene, folglich auch nur minimale Kontakte zu homosexuellen Autoren, Fotografen, Grafikern usw. Ausserdem war er höchst ungerne bereit, für Texte, Fotos, Zeichnungen und Gestaltung überhaupt etwas zu zahlen. Unter seiner Ägide druckte man bevorzugt die von Lesern eingeschickten Geschicht(ch)en (die Leser schätzten sich glücklich, wenn ihre Elaborate gedruckt wurden), übernahm Artikel aus anderen Zeitungen und Zeitschriften, Magazinen oder Büchern, und er war froh, dass er in dem schwulen Journalisten Johannes Werres einen regelmässigen Lieferanten für bi- und homosexuelle Artikel und Meinungen, Kritiken und 'News' hatte.

Bilder, Fotos und Illustrationen wurden (auch vom späteren Verleger Henry Ferling) ohne besondere Ansprüche an das Material zu stellen, gerne 'pfundweise' zu Schnäppchenpreisen eingekauft, egal wie oft und wo diese Abbildungen bereits veröffentlich worden waren. Viele Fotos tauchten, über die Jahrgänge verteilt, immer wieder in den Publikationen von Goebel und Ferling auf. Gerne wurde auch kostenloses Firmenmaterial (siehe TOM men’s shop, Zürich, der Link führt zu Details über Thomas Wetzel in DON 4/1978) verwendet, was mit entspr. Reklame-Artikeln "honoriert" wurde.


DON Vorwort Ausgabe 6/1975
Das Layout der Hefte wurde viele Jahre lang u.a. von den Setzern der Druckerei des Henry Ferling - Pardon! - zusammengeschustert. Fehlten die Anreisserzeilen auf der Titelseite oder das Vorwort auf Seite 3, ergänzte sie der Druckereiinhaber noch schnell persönlich. Solange Günter Goebel für die Inhalte von DON und ADAM zuständig war, waren 90% der in diesen Heften auftauchenden Namen von Redakteuren und Autoren frei erfunden.


PS. Die Aufnahme von Günter Goebel, am Anfang dieses Posts, habe ich im Oktober 1968 (da war er 37 Jahre alt) in den Räumen der Werbeagentur Pressag AG in der Münchner Thierschstrasse von ihm gemacht.

Mittwoch, 29. Februar 2012

DON - The German Gay Magazine 1972 (Heft 9 bis 12)


DON 9/72 erscheint im September 1972.

Man registriert den 5. Verlags = Herausgeber-Wechsel des Jahres 1972:

Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229 und - gleichbleibend - HF-Druck, D-61 Darmstadt, Kleyerstrasse, der für die Druckerei Henry Ferling steht. Deren Inhaber Henry Ferling ist möglicherweise schon jetzt an dem Objekt beteiligt; er wird es mit Ausgabe 1/1974 ganz übernehmen. Wobei - wie schon früher erwähnt - alle diese Kleinstfirmen - à la Bifipress AG - einen einzigen Inhaber hatten: Günter Goebel.

Gleichbleibend die Redaktionsleitung: Guy Gilbert = Günter Goebel und John Mytery möglicherweise Hans Möstl (?), Frankfurt/Main (Details bei DON 2/1972) und die Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229.

Titelfoto (natürlich von) TOM men's shop, Zürich (Details bei DON 7/1972).


Links: Da man eine "Reportagefahrt" machte und wegen der "Festtage" (welche Festtage bietet der August?) kann eine komplette Heftseite nur mit einem Riesen-Briefumschlag und einer (unbeantworteten) 17-zeiligen Leseranfrage bestückt werden. Zur Erinnerung: Das Magazin kostete damals "satte" 6,- DM

Rechts: Da es niemanden gibt, der sich in der Redaktion des Homo-Magazins mit dem Thema Homosexualität auskennt, muss erneut ein Artikel (Homosexualität besteht nicht) aus dem schwedischen Schwulenmagazin 'Revolt' herhalten. Nebenbei: in dilettantischer Übersetzung.


"Interessanten Neuigkeiten aus unseren Kreisen"

Sanremo: In Sanremo (Riviera) fand der '1. internationale Kongress für Sexualforschung' statt. GN ** berichtet anstelle von Inhalten und Themen, in prosaischer Ausführlichkeit über (linke) störende Demonstranten ("sonst erschöpften sich Argumente wie Vokabular in der Sterotypie ideologischer Phrasen")

Braunschweig: "Rund 250 Besucher nahmen ... an einer öffentlichen Veranstaltung teil, bei der der Film >Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern ... < von Rosa von Praunheim vorgeführt und diskutiert wurde ... " Wesentlich an der Veranstaltung scheint dem Verfasser die Erwähnung eines Leserbriefes an die Braunschweiger Zeitung " ... Der Briefschreiber war jedoch der Meinung, der Film sei seinerzeit zu Recht vom Fernsehen vom Programm abgesetzt worden ... "

Rotterdam: "Nach Den Haag hat nun auch Rotterdam ... einen besonderen Klub für homophile Jugendliche. Der Apollo-Klub geniesst ... das wachsende Vertrauen kommunaler und kirchlicher Instanzen ... "

Kopenhagen: "Die Organisation [Forbundet af '48] trägt ihren Namen nach dem Gründungsjahr 1948 ... Für das kleine Land dürfte die Zahl von 3.000 Mitgliedern beachtlich sein. Etwa 2.000 bis 2.5000 davon wohnen in der Hauptstadt, der Rest auf dem Lande und in anderen Städten. Es gibt ... Zweigklubs ... in Aarhus, Aalborg und Odense ... "

München: "Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie führt z.Z. eine Untersuchung an Homosexuellen durch, die die Ergebnisse einer amerikanischen Untersuchung des Testosteron-Spiegels im Blut untersuchen soll. Diese Untersuchung ... wollte nachweisen, dass Homosexuelle lediglich einen anderen Hormonspiegel hätten als Heterosexuelle ... "

Buchbesprechung "Vom Wesen und Wert der Freundschaft", Professor Ignace Lepp, Arena-Verlag Würzburg

Einen Etat für einen professionellen schwulen Nachrichtendienst hat es nie gegeben (weder bei DON, noch bei anderen schwulen Periodika). Wer immer für Aktualitäten zuständig war, sammelte Neuigkeiten, vornehmlich aus Hetero-Medien, aber auch aus Homo- und Schwulenpublikationen. Oder worauf ihn - bspw. DON-Leser - aufmerksam machten. Veröffentlicht wurde dann, was er - nach eigenem Geschmack, politischer Einstellung und eigenen Interessen - für berichtenswert hielt. Entweder wurden Nachrichten/Aktualitäten einfach abgeschrieben oder der ursprüngliche Text wurde neu formuliert oder der ursprüngliche Text wurde mit der eigenen Meinung bzw.r Kommentaren verwässert.

Diese Art der "Nachrichtenbeschaffung" betrieben u.a. die auf dieser Doppelseite permanent erwähnten GAY NEWS (z.T. auch ** GNG), ein sogenannter homosexueller Nachrichtendienst von Johannes Werres (= aus den Medien gesammelte schwule Themen).


Links: K. Ortloff (Der Hosenkauf) war ein laienhafter, aber bei den DON-Verlegern Goebel und Ferling besonders beliebter Vielschreiber von Homo-Story-Banalitäten. Als ich mich 1976 intensiver um DON zu kümmern begann konnte ich seine 'Werke' nur mit Mühe aus dem Heft verbannen.

Rechts (Bärte, Krieg und Sexualität): Die Würdigung sowie das Kurzinterview mit dem Verhaltensforscher Dr. Willhart S. Schlegel (Abb. links) stammen aus der Feder seines Freundes, Mitarbeiters und 'Propagandabeauftragten' Johannes Werres.

Dr. Schlegel, dessen Beiträge ich erst bei meiner späteren Redaktionsübernahme aus DON verbannen konnte, propagierte "...gegenüber Homosexualität und Päderastie Duldsamkeit ..." und beschäftigte sich schwerpunktmässig mit dem Zusammenhang von "Körperbautyp", Sexualität und speziell "homosexuellem Erleben". Die Zusammenhänge von "Körperbautypen", Kopfform und Rasse waren bekanntlich während der NS-Zeit eine "besonders beliebtes" Forschungsfeld.  Schlegel ist in Wikipedia nur mit seinen Büchern aufzufinden. Eine Vorstellung von Schlegels Gedankenwelt gibt ein Artikel, der am 3.4.1964 in DIE ZEIT erschien "Gesetz und Gesellschaft ächten sie" - und auch heute noch abrufbar ist.

Aus diesem Grund heisst es im DON-Eintrag bei Wikipedia " ... der nicht nur in Schwulenkreisen umstrittene Hamburger Arzt Dr. Willhart S. Schlegel ..."

Willhart Siegmar Schlegel, Pseudonyme Roger de Saint-Privat und Rolf, 1912-2001, Arzt, sexualkundlicher Autor, Dichter. (Spannender!) Auszug aus "Mann für Mann: biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum, Teil 1", LIT Verlag Münster:




DON 10/72 erscheint im Oktober 1972.

Herausgeber = Verlag bleibt nun bis Jahresende die Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229, und HF-Druck. Alles weitere wie DON 5/1972.


Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch? Typologische Rückschlüsse von seinem Verhalten auf seinen Typ - von Johannes Werres.

Ich zitiere (spasseshalber! von "Bibelforscher" Werres) den 10. und 11. Absatz:

" ... Aufgrund der Tatsache, dass Jesus die Qualen und Anstrengungen eines umfangreichen, Kraft und Blut kostenden Martyriums mindestens einen ganzen Tag lang hat ertragen können, ehe er starb, dass er kilometerweit ein schweres Kreuz (genauer: einen seiner beiden Balken) hat schleppen können, ohne schon vorher zu sterben, müssen wir annehmen, dass er eine starke Konstitution besass, d.h. in bezug auf den Stellenwert im Rahmen der zweiten von W. S. Schlegel entwickelten asthenisch-athletischen Variationsreihe gehörte er zweifellos dem Typ des Athleten, und nicht des Asthenikers an. Das bedeutete in sexueller Hinsicht aber auch, dass er triebstark war, also eine grosse Potenz besass ... "


Pit liebt harte Männer. Der feucht-schwüle Courths-Mahler-Erguss ist unterzeichnet mit dem Kürzel G.G., das üblicherweise für Günter Goebel steht.
"... Er atmete den herben Schweiss des muskulösen Mannes ein. 'Toll', stöhnte Peter und presste seine Lippen auf Rainers Mund. Der Mund des Boxers war leicht geöffnet. Die Zungen berührten sich. Der Graphiker liess jetzt seinen wilden Wünschen freien Lauf. Mit erregt zitternden Händen knöpfte Peter das Hemd des Boxers auf. Dicht gekräuselte Haare kamen zum Vorschein. 'Du bist schön', stöhnte Peter ... Peter merkte, wie sich der Körper des Freundes verkrampfte. Alle Muskeln verhärteten sich. Es war soweit ... "



DON war für Sie auf Rhodos ... könnte problemlos in der (natürlich heterosexuellen) 'Apothekenrundschau' erscheinen. 60% des Beitrages dürften aus einem Reiseführer o.ä. abgeschrieben worden sein.


DON 11/72 erscheint im November 1972.

Herausgeber, Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


DON will seinen Umfang um 4 Seiten und den Preis von 6,- DM um satte 33% auf 8,- DM erhöhen (der STERN kostet zu dieser Zeit 1,50 DM). Die Begründung, inkl. Selbstbeweihräucherung und Konkurrenzanrempeln (beides war/ist in schwulen Medien gang und gäbe) lautete (man beachte die journalistische Fabulierkunst des Autors):

"Endlich sind wir mal richtig zufrieden mit unserer Arbeit. Die letzte Ausgabe Nr. 10 war gut, wie wir jeden Tag gesagt und geschrieben bekommen, und auch das Novemberheft, das wir Euch heute vorlegen, muss sich nicht verstecken vor allem, was sonst noch auf dem Zeitschriftenmarkt ist ... Wir haben in der Redaktion einen stark gewachsenen Aufwand, die Druckerei will eine Erhöhung für Papier, und so weiter ... Dass wir uns von Ausgabe zu Ausgabe in Text- und Bildteil gesteigert haben (Anmerkung: man beachte das Qualitätsfoto der gegenüberliegenden Farbseite), werdet Ihr uns sicher zuerkennen, und dieser Qualitätsstand muss gehalten, wenn möglich noch erhöht werden, das würden wir Euch versprechen! ... wir Euch um weitere Treue und Freundschaft bitten, auch wenn DON mal eine Packung Zigaretten mehr kosten sollte ..."


Details zu Dr. Schlegel siehe DON 9/1972. Aus der Tatsache, dass in dem ohnehin textarmen Magazin (DON 8/1972 = 52 Seiten, davon 40 Seiten Fotos) die Bisexualität mit schöner Regelmässigkeit thematisiert wird - hier über fast 2 Seiten - könnte man den Schluss ziehen, dass der Verleger und Redaktionsleiter Günter Goebel neben Homosexuellen auch bisexuelle Männer als Leser gewinnen wollte.

Günter Goebel - wie schon früher angemerkt - war zwar bisexuell (zwei seiner Ehefrauen hatte ich kennengelernt), allerdings ein "ungeouteter" Bisexueller,  der seine Jungmännerbegleitungen grundsätzlich als "Neffen" vorstellte und mit homosexuellen Neigungen höchst ungerne in Verbindung gebracht werden wollte. Das allerdings war nicht der Grund für den bisexuellen Schwerpunkt im Heft.

Goebel selbst, der sich auch als Journalist und Redakteur bezeichnete, hatte zu homosexuellen Themen nicht die geringste Beziehung. Ausser zu Johannes Werres und dessen Freund hatte er auch kaum Verbindungen zu Homosexuellenkreisen, schon gar nicht zu Homosexuellen, die als qualifizierte Autoren für ein schwules Magazin in Frage kamen. Wobei man allerdings einräumen muss, dass  qualifizierte (schwule) Autoren, von Redakteuren ganz zu schweigen, zu jener Zeit vor einer Mitarbeit an einer Homo-Zeitschrift noch (weit) zurückschreckten. Daraus resultiert auch DONs damalige Konzeptionslosigkeit. Auf die Gründe für Goebels - und folgend Henry Ferlings - Engagement bei DON werde ich später noch ausführlich zu sprechen kommen.


Hier eine weitere Doppelseite als typisches Beispiel dafür, wie man Seiten "zu füllen" pflegte. Bei der linken Seite handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um eine bezahlte Anzeige vom 'Cabinet Erotica'.


Von 1969 bis 1974 gab es die sozial-liberale Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt. Interessant an der "Schutzaltersenkung" ist weniger deren Billigung durch CDU/CSU (es handelte sich keineswegs um ein homospezifisches Problem, vielmehr ging es um die längst fällige allgemeine Schutzaltersenkung), sondern der Verweis von CDU-Rollmann auf den "Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Reform des Strafrechtes" durch die sozial-liberale Bundesregierung: ... eine weitere Reform des § 175 ist nicht vorgesehen ...


DON 12/72 erscheint im Dezember 1972.

Herausgeber, Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.

Auf dem - ausnahmsweise - relativ attraktiven "Titelboy" wird die geistige Inhaltsarmut des Magazins herausgestellt: Spitzenbilder, Groß-Farbbild, Viel zu lesen. Und auf der Rückseite der Nummer 11/1972 wieder ein an Peinlichkeit schwer zu überbietendes Foto.


Bei dem Autor Richard Lang des Beitrags "Das Kind muss einen Namen haben" handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Pseudonym. Dieser Name, soweit ich recherchierte, taucht nur dieses eine Mal in DON auf. Ich tippe auf Johannes Werres (?), darauf deuten (die pastorale) Diktion und (die anti-linke) Tendenz des Artikels. Wohl handelt es sich um eine dezidierte Analyse der verschiedenen Bezeichnungen für Homosexuelle, andererseits ist dies geschickt mit einer Agitation gegen "ausgesprochen linksgerichtete Gruppen" verwoben. " ... Diejenigen, die sauber und anständig sein wollen, die Ethik und Niveau in ihr Leben bringen wollen, halten das Wort [schwul] für einen Schlag in das Gesicht jedweden ehrlichen Wollens und Bemühens ..."

Richtig ist, dass geschätzte 95% aller Homosexuellen das Wort schwul zu diesem Zeitpunkt heftig ablehnte. Auch ich hatte jahrelang grosse Probleme damit. Das rührte nicht zuletzt daher, dass die Wortschöpfer, und das waren tatsächlich linke Schwulengruppen, nicht die geringste Chance hatten, Sinn und Zweck ihrer Wortwahl zu erklären und zu verbreiten. Typisch dafür steht der o.g. Beitrag, in dem das Wort schwul zwar verdammt, aber jegliche Begründung seiner Geburtshelfer verschwiegen wird. In diesem Zusammenhang sei an den schwarzen US-Bürgerrechtler Stokely Carmichael erinnert, der 1966 den Begriff "Black Power" prägte und an den in Folge aufkommenden Begriff "Black Is Beautiful". Bis zu diesem Zeitpunkt galt "black" in den USA als Schimpfwort, während die Bürgerbewegung der Afroamerikaner das 'beleidigende Wort' mit Stolz und bewusst als Auszeichnung gegenüber den Weissen benutzte.



Über zweieinhalb Jahrzehnte lang bildeten Herz-Schmerz-Jammer-Leserbriefe, wie hier der erste von E. Sch., die mit Abstand größte Zahl von Zuschriften an die DON-Redaktion: Suche einen wirklich wahren und treuen Freund, Kinderheim, Schlosserlehre, Fluchtversuch aus der DDR, Einsamkeit, Gasvergiftung...

Auch der letzte Brief ist sehr typisch: "Lob zur Gestaltung! Ließ andere Zeitschriften ganz fallen. Politische Beiträge lese ich in jder Zeitung. Aber nun zur Kritik. Eure Modelle sollten nicht auf fast allen Bildern so sehr posieren! Und dann laßt Bilder weg, denen man schon von weitem die Tunte ansieht! Davon laufen schon genug in natura rum."


Rico ist das Pseudonym von Heinz Liehr (siehe Lebenspartner von Johannes Werres). Das Paar lebte seit 1968 im eleganten Kronberg im Taunus (bei Frankfurt/Main). Rico war ein emsiger Homogeschichtenschreiber.

Donnerstag, 16. Februar 2012

DON - The German Gay Magazine 1972 (Heft 1 bis 4)


DON 1/72 erscheint im Januar 1972.

Im Vergleich mit allen bisher erschienenen Titelseiten unterscheidet sich diese - antiquierter Schriftzug, ausgeschnippeltes Titelfoto und amateurhaftes Layout - geradezu schauderhaft.

[Erinnert sei daran, dass die Jugendzeitschrift twen - mit dem 'revolutionären' Layout von Willy Fleckhaus - die die Optik deutschsprachiger Illustrierten/Magazine/Zeitschriften nachhaltig positiv beeinflusste - von 1959 bis 1971 auf dem Markt war.]

Übernommen hat das Objekt die Pressag AG, Vaduz, Lichtenstein. Der Inhaber dieser Firma und neue DON-Herausgeber wird mit den 12 DON-Ausgaben des Jahres 1972 fünfmal den Verlag - Firmennamen und Firmensitz - wechseln.

Verantwortlich für den Inhalt sind Karel von Swoll und Hans Milus. Die Redaktionsleitung haben Guy Gilbert und John Mytery, Frankfurt/Main. Hinter diesen vier exotisch klingenden Namen sind samt und sonders frei erfunden (Pseudonyme), und dahinter verbirgt sich eine einzige Person (nämlich der Inhaber der Pressag AG, ursprünglich eine Münchner Werbeagentur, Günter Goebel).


Während in der Ausgabe DON 3-4/1971 noch 4 prall gefüllte Seiten mit kostenlosen Kontaktanzeigen (gesetzt im kleinen Schriftgrad) erschienen sind, muss das Magazin jetzt aufs Neue um Kontaktinserenten werben. Bei den Fotos handelt es sich um reine 'Füllbilder', oben links eines von Sven Swede.


Erstmals erscheinen in DON auch 'richtige' Frontalakte. Schwerpunkt des Artikels ist (natürlich) die Penisgrösse von Farbigen.


Beginnend in den 60er Jahren veröffentlicht der Holländer Wim Kock unter dem Namen Dorus (Doppelseiten oben und unten) in zahlreichen schwulen Magazinen stark realistische erotische Zeichnungen junger Männer, die sich durch muskulöse Körper und deutlich angeschwollene Schwänze auszeichnen; zumeist typische Homo-Szenen, in die sich der Betrachter hineinfantasieren kann. Im Internet habe ich bislang nichts über Wim Kock alias Dorus gefunden. (Wer weiss etwas?)


Typisch für die Zeit: Beatlesfrisuren, hauteng anliegende Jeans, die so hüfttief geschnitten sind, dass der Poritzenansatz sichtbar ist, extrabreite Gürtel, freiliegender Bauch, auch Dank zu knapp geschnittener Shirts und sexy Minislips.


Unscharfe, falsch belichtete Amateurfotos, wie diese (aufgenommen von Herausgeber Günter Goebel in einer seiner Wohnungen), schlecht reproduziert und deshalb miserabel im Druck, sind im Jahrgang 1972 die Regel. Nach dem Motto: möglichst billig. Siehe folgende Titelseite, die farblich im Originaldruck schlimmer aussieht.
 

DON 2/72 erscheint im Februar 1972. Herausgeber ist jetzt der Apollon Verlag, Vlissingen, Holland.
Die Redaktionsleitung behalten Guy Gilbert und John Mytery, Frankfurt/Main (wie gesagt, beide Namen sind Pseudonyme). Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt/Main 70, Postfach 700 229.

Guy Gilbert ist Günter Goebel (†), Kürzel GG, bisexuell, Journalist, Redakteur, Fotoagent, Hans-Dampf-in-allen-Gassen, Inhaber diverser, oft wechselnder Mini-Firmen, u.a. der Werbeagentur Pressag AG u.a. in München (siehe 1. Eintrag bei DON 1/72), der Bifipress AG in Frankfurt/Main (siehe Redaktionsanschrift) usw. Ausführliches im Goebel-Link.

Hinter dem Pseudonym John Mytery könnte es sich - Dank gleicher Frisuren - um einen von Goebels jugendlichen 'Begleitern' handeln. Oder um Hans John (in DON 12/1975 und 8/1976) = Hans Möstl bzw. Johann Möstl, Fotograf, 1972 = 23 Jahre alt. In DON wird er als 'Bildredakteur' bzw. 'Chef der Bilder' vorgestellt. Welche Rolle er bei dem Homo-Magazin tatsächlich spielte ist unbekannt. Möstl gründete 1986 in Frankfurt/Main den heterosexuellen Porno-Verlag Oftly. Seine Pornoproduktion / Pornoversand Oftly Goldwin GmbH sitzt heute in Österreich.


Knut schreibt: "Immer mehr schätzt der Homophile sexy Unterwäsche..." Die Slips stammen z.T. aus dem Züricher TOM men's shop, mit dem DON (hier der Herausgeber Günter Goebel) ab der April-Ausgabe eine lange PR-Zusammenarbeit startet. Dazu später mehr.


Der Artikel links - über den 'Homoparagraphen' 213 des norwegischen Gesetzbuches - stammt aus dem seinerzeit hervorragenden schwedischen Schwulenmagazin Revolt, mit dem DON ab der Mai-Ausgabe eine Zusammenarbeit - sogar "Vereinigung" - starten möchte. Rechts eine Leseprobe aus dem schwulen Sience-Fiction-Roman "Freunde auf Alpha Centauri".


Während in den 70er Jahren in diversen US-Magazinen bereits attraktive, sexy und sehr erotische männliche Nacktmodelle präsentiert werden, ist es in Deutschland (West) noch bis Ende der 80er Jahre verdammt schwer, überhaupt Jungen und Männer als Aktmodelle für ein schwules Magazin zu gewinnen. Nicht nur dass massive Hemmungen und Ängste bestehen, in einer schwulen Zeitschrift veröffentlicht zu werden, werden angesichts kleiner Druckauflagen nur lächerlich kleine Modell-Honorare bezahlt, die keinen Anreiz sind, die Hosen herunter zu lassen.

Hinzu kommt ein Qualitätsproblem: Da die meisten Profi-Labore die Filmentwicklung und Abzüge männlicher Aktfotos ablehnen (so wie auch Druckereien 'Schweinkram' à la DON nicht drucken wollen), wurden diese Arbeitsschritte meist von Amateuren und Autodidakten ausgeführt.

Professionelle deutsche Fotografen, die sich schwerpunktmässig dem Männerakt verschrieben hatten, waren zu jener Zeit eine Rarität. Deshalb stammen die meisten in DON veröffentlichten Aktaufnahmen von Amateuren oder fotografischen Autodidaken.

Das Schwulenmagazin him hingegen, dem im St. Pauli Verlag Helmut Rosenberg bis 1979 ein bedeutender Foto-Etat zur Verfügung stand, bot zu dieser Zeit bereits reizvoll attraktive Fotostrecken, die allerdings überwiegend im Ausland eingekauft wurden.


Der Beitrag rechts ist ein Nachdruck aus dem Buch "Intime Küsse" aus dem Stephenson-Verlag, Flensburg (Uhse!), entnommen.

Mit Nachdrucken, sog. Zusammenarbeit, PR-Geschichten und Billig-Fotos sucht Herausgeber Günter Goebel - bis Heft 12/1972 (bis Heft 1/1974 ist er noch Redaktionsleiter) die Initial- und Redaktionskosten des Objektes auf dem niedrigstmöglichen Niveau zu halten.


DON 3/72 erscheint im März 1972 im Apollon Verlag, Vlissingen, Holland, Postbus 122. Redaktionsleitung: Guy Gilbert und John Mytery, Frankfurt/Main. Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229


"Liebe DONS! ... wir sind fast beschämt, so viel Anerkennung und Lob von Euch zu erhalten ... Unsere ersten beiden 1972er Ausgaben sind ausverkauft, wir haben jetzt bei 3 die Auflage beträchtlich erhöht und können uns als eine der auflagengrössten Zeitschriften unserer Art im deutschen Sprachgebiet bezeichnen ..."

Hier beginnt DON mit dem, was von der gesamten schwulen Presse bis zum heutigen Tag schamlos betrieben wird: hemmungslose Übertreibung, Lug und Trug in Sachen Auflagenzahlen.

Dafür liefern obige Vorwortzeilen (unfreiwillig) den Beweis:

In den 70er Jahren noch benötigte ein Magazin wie DON gut 4 Wochen Produktionszeit: Satz, Fahnenabzüge, Korrekturlesen, Layout, Repros von Fotos und Illustrationen anfertigen, Fahnenabzüge zur Endkontrolle, Montagen und Druckfilme fertigen, Druck des Vierfarbteils, Druck des Schwarzweissteils, Buchbinderei (Falzen, Zusammentragen der Druckbogen, Heften, Beschnitt), Verpacken, Auslieferung an den Pressegrosshandel, Verteilung an die einzelnen Verkaufsstellen ... Von Terminproblemen, die bei so vielen Arbeitsschritten ebenso permanent wie automatisch auftreten, ganz zu schweigen.

Das heisst: Mindestens 3 Wochen bevor das neue Heft im Handel lag, musste es druckreif sein und durfte auf keinen Fall mehr verändert werden. Laut Vorwort soll aber bereits eine Woche, nachdem DON 3/72 ausgeliefert worden war, die gesamte Auflage von DON 2/72 ausverkauft sein.

Aber auch das ein Ding der Unmöglichkeit: Denn Remittenden (= unverkaufte Exemplare) rechnete der Vertrieb frühestens ab der vierten Woche nach Auslieferung eines Heftes ab. Denn ein Monatsmagazin wird normalerweise auch einen Monat lang im Zeitschriftenhandel angeboten.

Frei erfundene, schwindelerregende Verkaufsauflagenzahlen sind eines jener vielen Märchen, die sich um die gesamte deutsche Schwulenpresse ranken.


Hier beginnt nun auch in DON, womit der Brite John D. Stamford bereits im Jahr 1967 angefangen hatte (Spartacus Magazin) - Reisetipps für Homosexuelle - hier Amsterdam.

In den vier Bildern wird einer von Guy GilbertsGünter Goebels jugendlichen 'Begleitern' (er stellte solche 'Begleiter' grundsätzlich als 'Neffe' vor) präsentiert, der auch als Unterhosen- und Nacktmodell agierte. Möglicherweise handelt es sich bei ihm auch um den im Impressum erscheinenden John Mytery?

Die komplette Story des John D. Stamford sowie des Spartacus bis 1998 (Stamfords Tod) ist hier nachzulesen:

1. Teil: Die GANZE Geschichte vom SPARTACUS, von seinem Gründer John D. Stamford und ...
2. Teil: Die GANZE Geschichte ...
3. Teil: Die GANZE Geschichte ...
4. Teil: Die GANZE Geschichte ...
5. Teil: Die GANZE Geschichte ...
6. Teil: Die GANZE Geschichte ...
Fazit: Bruno Gmünder, John D. Stamford und der Spartacus ...


Der (links) kritische Bericht über die Hörfunksendung 'Homosexuelle in Deutschland' (NDR/WDR) stammt von Norbert Weissenhagen, eines von zahllosen Pseudonymen von Johannes Werres (der Link führt zu Werres-Details). Hier handelt es sich um Werres ersten 'Auftritt' in DON.

Rechts ein weiterer Nachdruck, diesmal aus Wochenend, dem bildreichen Sex- und Erotikblättchen aus dem Heinrich Bauer Verlag.


1972 begann DON damit - in stetig steigender Zahl - herzerweichende, rührselige, überwiegend seichte Homo-Geschichten zu veröffentlichen, was mit 9 Geschichten im Heft (DON 6/1974) seinen Höhepunkt erreichte, und weshalb DER SPIEGEL seinerzeit DON als 'homosexuelle Gartenlaube' bezeichnete. Die meisten dieser Geschichten stammten aus dem Kreis der Leser und mussten manchmal bis 'zur Bewusstlosigkeit des jeweiligen Redakteurs' überarbeitet werden; von Rechtschreib- und Interpunktionsfehlern ganz zu schweigen. Solche Beiträge wurden mit einem Belegheft und einem lächerlichen Betrag honoriert.

Wesentlich für Herausgeber und Redaktion war: Billig!


DON 4/72 erscheint im April 1972 im Apollon Verlag, Vlissingen, Holland, Postbus 122. Redaktionsleitung: Guy Gilbert und John Mytery, Frankfurt/Main. Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229


Das Interview mit Michael Holm (Bildmitte), Sekretär des (schwedischen) Reichsverbandes für sexuelle Gleichberechtigung, Gründer und Chefredakteur des schwedischen Schwulenmagazins Revolt, führte Guy Gilbert = Günter Goebel (rechts, hier erstmals in DON abgebildet) und John Mytery, wobei -Dank gleicher Frisur - es unklar ist, ob es sich um Hans John = Hans Möstl oder einen von Goebels jugendlichen 'Begleitern' (links) handelt.

Guy Gilbert ist Günter Goebel (†), Kürzel GG, bisexuell, Journalist, Redakteur, Fotoagent, Hans-Dampf-in-allen-Gassen, Inhaber diverser, oft wechselnder Mini-Firmen, u.a. der Werbeagentur Pressag AG u.a. in München (siehe 1. Eintrag bei DON 1/72), der Bifipress AG in Frankfurt/Main (siehe Redaktionsanschrift) usw. Ausführliches steht im Goebel-Link.


Eine von vielen PR-(Werbe)-Seiten, hier von Mc Gregor. Die scheinbar redaktionellen Doppelseiten bedeuteten kostenloses Bildmaterial und kostenlose Texte. Ob der Modemacher damals wirklich wusste, wo sein Material veröffentlicht wurde, möchte ich stark bezweifeln.


Dies ist der zweite Beitrag (von zahlreichen, die folgen sollten) von Johannes Werres (1923-1990) in DON. Die Geschichte von Johannes Werres, Pseudonym u.a. Jack Argo, hat verdienstvollerweise die Webseite "Es geht um Liebe. Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte" veröffentlicht. Sie bezieht sich aber weitgehend auf dessen Mitarbeit bei der homosexuellen schweizer Zeitschrift Der Kreis und ist daher unvollständig.

Werres, er selbst bezeichnete sich als 'Aktivist der ersten Stunde', war Journalist, gebildet und schreibbegabt, bemühte  sich allerdings - zumindest in Schwulenpublikationen - sein extrem einseitiges stockkonservatives Weltbild und Gedankengut zu verbreiten. In Günter Goebel fand er einen politisch und schwulen-politisch total desinteressierten, obendrein den Magazininhalt betreffend völlig unkritischen Herausgeber, in dessen Objekten Werres seine Einseitigkeit uneingeschränkt und unkommentiert publizieren konnte. Goebel war froh, dass ihm überhaupt jemand Beiträge mit schwuler Thematik lieferte.

Der obige - unpolitische (!) - Beitrag beschäftigt sich mit "homosexuellen Grössen der Geschichte" - hier speziell König Ludwig II. - und der bewussten Unterdrückung und Verfälschung ihrer sexuellen Neigung (nicht nur) durch die Geschichtsschreibung.


Das ist die erste Anzeige in DON von  TOM men’s shop, Zürich, (der Link führt zu Details über Thomas Wetzel in DON 4/1978), der Beginn einer "wunderbaren Freundschaft" (und den Geschäftchen) zwischen dem DON-Herausgeber Guy Gilbert = Günter Goebel und dem Geschäftsinhaber Thomas Wetzel, einem Berliner, der 1949 in die Schweiz kam und 1957 eine erste winzige Boutique in der Züricher Mühlebachstrasse 9 eröffnete.