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Donnerstag, 3. Juli 2014

Henry Ferling, DON-Verleger


Henry Ferling, * 4.3.1913 - ?, Druckereibesitzer in Darmstadt, verheiratet mit Herma Ferling, eine Tochter, engagiertes FDP-Mitglied, Verleger der beiden schwulen Magazine DON (ab Heft 1/1973 bis Heft 7+8/1984) und ADAM (ab Heft 15/1977 bis 50/1984) (beide 1984 verkauft an Kurt-Joachim Foerster), siedelte 1984 auf seinen Altersruhesitz in Miami Beach, Florida.

Ich gehe davon aus, dass DON, spätestens mit der Ausgabe 1/1972, bereits in der Darmstädter Druckerei des Henry Ferling hergestellt wurde. Im Mai 1972 taucht der HF-Druck (die Druckerei des Henry Ferling) als Mitherausgeber im Impressum auf.

Henry Ferling, ein im besten Sinne liberaler, immer ausgleichender, ungemein sympathischer Druckermeister, war Besitzer eines kleinen Hauses mit angeschlossener mittelgrosser Druckerei im 'Gewerbegebiet Südwest' von Darmstadt. Das Wort 'liberal' bekommt hier eine besondere Bedeutung, insofern es in den 70er und 80er Jahren verdammt schwer war, überhaupt eine Druckerei zu finden, die bereit war, Publikationen mit homosexueller Thematik zu drucken (so etwas galt als Pornographie und 'Schweinkram').

Henry Ferlings Interesse an der Zeitschrift DON, an seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Günter Goebel, sein Kauf des Titels (Ende 1972) und dem Bemühen weitere Homo-Publikationen in den Markt zu bringen, bestand darin, seine Firma mit eigenen, regelmässig erscheinenden Druckobjekten von schwankenden Auftragslagen unabhängiger zu machen. Die eigenen Zeitschriften boten Sicherheit für eine gleichmässig ausgelastete Druckerei, zumal man Teile der eigenen Objekte in auftragsschwachen Zeiten z. B. vorab produzieren konnte.

Und obwohl Ferling selbst nicht die geringste Beziehung zum Thema Homosexualität hatte und weder Erfahrungen als Grafiker/Layouter, noch als Journalist oder Verleger besass, hat er ab DON 1/1973 - schwerpunktmässig bis zur Ausgabe 11/1975 - das Heft teilweise gestaltet, Fotos ausgesucht, Texte ausgesucht und redigiert, aber auch selber Vorworte und manch einen Text geschrieben. Selbst nach meinem Eintritt in die Redaktion ab Heft 12/1975 und meinen Bemühungen um Neuausrichtung, um qualifiziertere Autoren, Fotografen  und ein modernes Layout, mischte er gerne (still und leise) in fast allen Bereichen mit.

Um eine Zeitschrift wirtschaftlich betreiben und dem Leser zu einem vertretbaren Preis anbieten zu können, ist sie auf kommerzielle Anzeigen angewiesen. Darauf setzten auch die Herausgeber ihre Hoffnungen, der ab 1969 neu auf dem Markt erscheinenden schwulen Periodika. Allerdings hofften sie Jahrzehnte lang vergeblich auf Anzeigenkunden von Markenherstellern, Modefirmen, Dienstleistungsanbietern usw. Nahezu alle veröffentlichten Inserate stammten aus der Szene: von schwulen Bars, Saunen, Sex-Shops, Ferienhäusern, Versandgeschäften, Callboys oder später z.B. Telefonsexanbietern. Um Anzeigenpräsenz zu demonstrieren, wurden alle schwule Zeitschriften mit Eigenanzeigen gefüllt. Kurt-Joachim Foerster und Bruno Gmünder beispielsweise, setzten ihre Periodika exzessiv als Reklametrommeln für den Verkauf eigener Angebote (Druckwerke, Sex-Toys, Porno...) ein.

Keiner von beiden, weder Günter Goebel, noch Henry Ferling, hatten je ein verlegerisches Konzept für die Zeitschrift DON, geschweige denn für eine einzelne Ausgabe. Goebels Interesse für den Markt schwuler Publikationen, Kenntnisse über Konkurrenzsituation und Zielgruppe (bzw. mögliche Zielgruppen) waren gleich null - von den Erwartungen, Interessen und Bedürfnissen seiner Zielgruppe ganz zu schweigen. Ferlings Interesse wurde nur kurzfristig geweckt, wenn man ihn damit konfrontierte. Beide 'träumten' von 2-3 Millionen homosexuellen Männern im Land (BRD West) und waren überzeugt, dass ein gewisser Prozentsatz davon potentielle Käufer ihrer Blätter sein müssten.

So lange Henry Ferling über die Inhalte von DON selber entschied, wurde das Magazin "aus der Schublade heraus" gemacht. Das heisst: Was sich in vier Wochen an Texten und Bildern angesammelt hatte, wurde in die nächste zu produzierende Ausgabe gesteckt. Am augenscheinlichsten zeigt sich diese Ideen- und Konzeptlosigkeit in der 'Bebilderung'; besonders auf den oft regelrecht verkaufsabträglichen Titelseiten. Aber auch an der Vielzahl schwuler (und schwülstiger) Geschichten oder Nachdrucken aus Zeitschriften und Büchern. Je mehr schreibende Leser, Möchtegernschreiber und tatsächliche Autoren Manuskripte an den Verlag geschickt hatten, desto mehr von diesem Material wurde in das aktuell zu produzierende Heft hineingestopft. Da man - konzeptionslos - die Verkaufsauflage auch auf Dauer nie spürbar hochschrauben konnte, brachte man anstelledessen immer wieder neue, zusätzliche Homo-Titel auf den Markt - beispielsweise ADONIS und ADAM - die nicht nur mit ähnlichen schwulen Magazinen anderer Verlage konkurrierten, sondern zu allem Überfluss auch noch den eigenen Objekten Konkurrenz machten.

* In den vier Jahren von Januar 1976 bis Dezember 1979 hat Henry Ferling die Redaktion, Konzeption und Gestaltung von DON komplett mir (Jens M. A. Reimer) übertragen.

* In den drei Jahren 1980 bis Ende 1982 lag die Gesamtverantwortung bei Gerd Talis (= Gerhard Friede); jene Jahre, in denen die Verkaufsauflage bis an die Schmerzgrenze (unter 7.000 verkaufte Exemplare) abrutschte.

* Auf dringenden Wunsch Ferlings übernahm ich ab 1983 sukzessive erst wieder die Gestaltung und Bebilderung, letztendlich dann auch die Redaktion. Da ich im Impressum nicht mehr erscheinen wollte, wurde dort ein 'Redaktions-Team' genannt.

* Der Übergang zu Dorin Popa war fliessend, der 1984 die Redaktion der letzten DON-Ausgaben in der Ferling-Ära verantwortete.

Am 4. März 1984 feierte Henry Ferling seinen 71. Geburtstag. Die Übergabe der Druckerei an einen Nachfolger war geregelt. Anfang Februar 84 hatten er mit seiner Frau in Florida Urlaub gemacht und dort auch ihren künftigen Alterssitz organisiert. Nur für seine beiden Verlagsobjekte hatte er noch keinen Käufer gefunden. Das chaotische Ende wird in "Wie das DON-Magazin vom Ferling-Verlag zum Foerster-Verlag kam" kurz beschrieben.

Der obige "Abschiedstext" war einer der typisch ferlingschen Alleingänge. Dazu habe ich (Jens M. A. Reimer) ihm schriftlich mitgeteilt:

" ... Ich kenne Herrn Foerster nicht. Ich habe ihn auch nie kennengelernt. Und ich verspüre auch kein Verlangen, ihn kennenzulernen. D.h. Ich war nie ein Freund von Kurt-Joachim Foerster, und ich pflege mir meine Freunde selber auszusuchen ... " 

Bitterer Nachgeschmack

In einem Ferling-Brief (19.4.1984) an mich schreibt er u.a.: 

" ... wie sehr ich Ihr Können, Ihre Leistungen für DON und ADAM als von niemandem als von Ihnen allein erbringbar ansah und ansehe ... "

"... Herr Reimer, eine Tätigkeit in einem solchen engagierten Ausmaß zu solchen 'Honorarsätzen' kann man nicht einmal seinem besten Freund zumuten ... "

" ... ich Ihnen ausdrücklich bestätigen, mit welch bewundernswerter Akribie Sie Ihre Tätigkeit stets ausübten, wie Sie in bei unserem Verhältnis kaum nötig gewesener Sorgfalt Kosten aufgliederten, wie Sie mit über alles Mass hinaus im Verkehr mit Autoren den ramponiert gewesenen Ruf des Verlags korrekt und seriös wieder herstellten ... "

Billiges Wortgeklingel 

Henry Ferling hat immer korrekt meine (niedrig kalkulierten) Rechnungen bezahlt. Und anlässlich geschäftlicher Besprechungen durfte ich dreimal in seinem Haus übernachten. 

Das war's.

Nur was im jeweiligen Heft gedruckt stand, wurde auf Zentimeter, Heller und Pfennig abgerechnet. D.h. Henry Ferling hat NIE einen einzigen Pfennig für Redaktionskosten (Telefon, Porto, Schreibarbeiten ...), nie für redaktionell notwendige Reisen (u.a. zu ihm, zu Fotografen und Recherchen, Übergabe an Nachfolger Talis ... ), nie den immensen Zeitaufwand für Autoren und Fotografen (Suche, Korrespondenz, Abrechnungen, Belegversand ... ) bezahlt - - - geschweige denn auch nur nachgefragt, wie man denn trotz all dieser Ausgaben zurechtkomme.

Henry Ferling hat mir persönlich nie ein Geschenk, eine Flasche Wein, eine Sondergratifikation oder (was in der Branche vermutet und herumgetratscht wurde) eine kostenlose Anzeige für unseren Top-Versand ......... zukommen lassen.

Vielmehr hat Henry Ferling versucht, dem "treuen Freund" (Formulierung im Schreiben vom 19.4.84) die beiden Titel DON und ADAM zunächst für die originelle Fantasiesumme 160.000,- DM anzudrehen, über die er am 5.3.1984 an Dorin Popa schreibt: 

           „... niemand würde mir DON abkaufen, wenn er sieht, dass auch jetzt noch die monatlichen Erlöse nur die Druck-, Honorar- und Vertriebskosten decken ... nicht solche für den Büroapparat, eine normal bezahlte kaufmännische Kraft, geschweige denn vielleicht 500 Mark im Monat für den Verleger ... “

Henry Ferling hat sich von dem "treuen Freund" (der sich viel zu oft uneigennützig für seine beiden Verlagsobjekte engagierte, der ihn in vielen Dingen beriet, Ausarbeitungen für ihn machte, neue Redakteure, Autoren und Fotografen an Land zog, Verlagsanzeigen und -prospekte kostenlos für ihn gestaltete ... )

- - - weder verabschiedet 
- - - noch seine Florida-Adresse verraten 
- - - geschweige denn jemals ein Lebenszeichen aus den USA geschickt.

Dienstag, 13. Mai 2014

Wie das DON-Magazin vom Ferling Verlag zum Foerster Verlag kam.

Am 4. März 1984 feierte der Druckereibesitzer und Verleger der beiden schwulen Magazine DON und ADAM seinen 71. Geburtstag.

Schon länger träumte Henry Ferling davon  "... in einem Bungalow in Miami ... das Boot vor der Haustür anzuwerfen oder über die Strasse zum Golfplatz zu gehen ..."

Die Übergabe der Druckerei an einen Nachfolger ist längst geregelt. Anfang Februar 1984 hatten er und seine Frau Herma in Florida Urlaub gemacht und dort auch ihren künftigen Alterssitz organisiert. Nur für seine beiden Verlagsobjekte hatte Ferling noch keinen Käufer gefunden. Vier lange Jahre hatte er versucht, mir die beiden Titel zu verkaufen, besser gesagt: unterzujubeln - siehe folgend.




27.4.1984 Brief Jens M. A. Reimer an Henry Ferling
  
„... Dass Sie des Kaufinteressenten Reimer verlustig gegangen sind, das haben Sie sich ja nun wirklich in hohem Masse selbst zuzuschreiben. Innerhalb von 4 Jahren haben Sie mir die beiden Titel [DON und ADAM] a) für 160.000 DM, b) für 120.000 DM, c) für 80.000 DM, d) für 60.000 DM und e) für 20.000 DM angeboten ... und ... mir Unterlagen und 'Belege' geboten, die mehr Verwirrung und Verunsicherung denn Überzeugung boten ... "

5.3.1984, Brief Henry Ferling an Dorin Popa (DON-Redaktion)

„... niemand würde mir DON abkaufen, wenn er sieht, dass auch jetzt noch die monatlichen Erlöse nur die Druck-, Honorar- und Vertriebskosten decken ... nicht solche für den Büroapparat, eine normal bezahlte kaufmännische Kraft, geschweige denn vielleicht 500 Mark im Monat für den Verleger ... “

Anmerkung: Druckereibesitzer Ferling unterschlägt auch hier (wie er es immer tat), warum er Zeitschriften wie DON und ADAM überhaupt verlegt hat. Es ging ihm einzig und alleine um die sichere Auslastung seiner Druckerei, die optimale Disponierbarkeit von Maschinen und Mitarbeitern sowie die Dauer-Einkommensquelle der Magazine als (nicht schlecht kalkulierte!) Druckobjekte.

„Nun hat sich mein ... Entscheid ergeben, grössere Teile des Jahres in Florida zu verbringen. Der Zufall wollte es, dass mich beim Rückflug in Miami der seit Jahren gut geschäftlich bekannte Verleger des Konkurrenzmagazins ADONIS ... begrüsste ... Das löste die Gegenfrage aus, ob ich den Verlag nicht verkaufen wolle, meine natürliche spontane Gegenantwort war klar ... rief Herr Foerster kurze Zeit später wieder hier an und erbat einige Informationen ... ob er ... auf die ungestörte Fortsetzung der Tätigkeit der beiden Redaktionen zählen könne“
 
2.4.1984, Brief Dorin Popa an Henry Ferling

„Ich habe mich entschlossen, die redaktionelle Arbeit für DON nicht weiterzuführen ... würde ich zur Not die Ausgabe 7/8 noch betreuen“

4.4.1984, Brief Henry Ferling an Jens M. A. Reimer (bis August 84 ADAM-Redaktion)

„... Foerster hat meinen Vertrag (vom 28.3.) seit Anfang letzter Woche dort. Rief zwei Tage später an: alles ok und akzeptiert ...“ (siehe Kurt-Joachim Foerster)

Montag, 21. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 4)


DON 4/1984 erscheint im April 1984 im Verlag Henry Ferling, Darmstadt. Die Redaktionsleitung mit Dorin Popa sitzt in Herrsching am Ammersee. Mitarbeiter sind Peter Thaler (der Name sagt mir nichts mehr) und Achim Ehlert (= Ejo Eckerle).

Ab dieser April-Ausgabe habe ich die Mitarbeit an dem schwulen Magazin eingestellt. D.h. nach 11jährigem Engagement (inkl. einer dreieinhalb-jährigen Unterbrechung während der Talis-Redaktionszeit), das ergibt summa summarum 90 DON-Ausgaben.

Dass ich im Juli 1983 (als Michael Albert) noch einmal voll eingestiegen bin (neues Layout, mit neuen Autoren und Fotografen) ist nur als Freundschaftsdienst für den Menschen Henry Ferling zu verstehen, der nach den dramatischen Auflagenverlusten in der Ära Talis ziemlich rat- und hilflos war.


" ... Sämtliche Sanyassins Berlins waren in die bewegungseigene Disco >Far Out< geladen worden ... 'Einschneidende Massnahmen' seien zu beratschlagen ... es ging um AIDS! Nach Lederclubs und Gesundheitsorganisationen hatte sich nun auch Bhagwan Shree Rajneesh eine Meinung zu dieser lebensbedrohenden Krankheit gemacht ... die Sanyassins wären als promiskuive Bevölkerungsgruppe ähnlich gefährdet wie die Schwulen etwa ... Lösung: Man transzendiert den Sex, trockenbumsen ist angesagt ... Lösung: Präser und Gummihandschuhe ... Kein Wort über Ansteckungstheorien und Forschungsergebnisse, keine konkreten Informationen konnten die Anhänger mit ins Bett nehmen ... "


Aufnahmen von meinem Freund Tony Patrioli, Mailand, dessen Webseite ich HIER empfehle.


Tom of Finland: " ... die erste bundesdeutsche Ausstellung von Toms Original-Zeichnungen ... Galerie Janssen * ... "
                                                  * gegründet Ende der 70er Jahre von Volker Janssen und auch im Jahr 2014 immer noch an gleicher Stelle.

Zivildienst: " ... aufgrund der Vorkommnissse der letzten Zeit geht die Selbstorganisation der Zivildienstleistenden davon aus, dass viele Schwule sich für den Zivildienst entscheiden, um der schwulenfeindlichen, männerstrotzenden Bundeswehr zu entgehen ... auch im Zivildienst nicht ihrer Orientierung entsprechend leben, da viele heterosexuelle Kollegen ... die Diskriminierung genauso praktizieren wie bei der Truppe ... "

Frankfurt: "Die >Klappe<, das schwule Filmprogramm in Frankfurt, sucht Amateurfilme von Schwulen und Lesben ... für das Filmfest ist der September '84 vorgesehen ... "

AIDS: "Zur Vermeidung von AIDS-Übertragungen durch Bluttransfusionen und -präparate wird die Münchner Gesundheitsbehörde künftig die Urinproben von Blutspendern auf erhöhte Neopterinwerte untersuchen ... "

AIDS: "Affen-AIDS, in seinen Symptomen dem AIDS bei Menschen ähnlich, wird durch ein sogenanntes Retrovirus ausgelöst ... Forscher der University of California ... entdeckten diesen bisher unbekannten Erreger ... "

Rosa Winkel: "Am Institut für Erziehungswissenschaften in Münster wird eine Dissertation über das Schicksal der Homosexuellen im Dritten Reich erarbeitet ... Angesichts der vollkommen ungesicherten Materiallage .... bittet das Institut um Unterstützung ... "



Linke Seite: "Die Zeit der Muskelmänner scheint angebrochen zu sein. Selbst der grösste Trendverweigerer kann seine Augen nicht vor dem neuen Männerkult verschliessen, der in Filmen vorgehechelt, auf Plakaten vorgeführt und in Zeitschriften vorgeschrieben wird. Nicht selten wird dabei dieser Sport-Appeal ins schwul-geile Eck gedrängt ... "

Rechte Seite: "Mann-Sein heisst die Devise. Stark, muskulös und schön ... Die Schwulen haben es inzwischen begriffen und bevölkern eifrig die zahlreichen Bodybuilding-Studios. Ein neuer Typus Mann hat sich in unseren Köpfen festgesetzt. Er scheint direkt den amerikanischen Hochglanzprodukten aus der COLT- und FALCON-Schmiede entsprungen ... "


Foto Mike Arlen, London


"Die 34. ... 'Berlinale' ... hatten diesmal nicht so viel Schwules im Film anzubieten wie im vergangenen Jahr. Der sehr literarische, umstrittene Streifen >Giarres< von Reinhard von der Marwitz wurde genauso abgelehnt, wie die Filmgroteske >Der Sprinter< und die sehr amerikanisch wirkende Komödie >Crash< von Rüdiger Tuchel und Christian Sievers, über ein Filmteam und unerfüllte (schwule) Liebe. Diese Filme wurden ebenso wie Lothar Lamberts >Paso Doble< nur auf der Messe gezeigt ... Olaf Stüben sah sich für die DON-Leser auf der Berlinale um ... "


"Schwules Kino - meist hört man mehr darüber, als man tatsächlich zu sehen bekommt. Abgedrängt in Spätvorstellungen führen schwule Filme immer noch ein Gettodasein  ... Was man an schwulen Filmen gemeinhin zu sehen bekommt, sind immer die ewig gleichen Streifen, bis zum Erbrechen ... Diese Situation war für die beiden Frankfurter Bert Tonak und Michael Kloss der entscheidende Auslöser, es mit einem schwulen Kinoprogramm zu versuchen ... "


Eine ziemlich wahre Geschichte: Im Libanonfeldzug 1982 zwang Israel die PLO zum vollständigen Rückzug. 10 Wochen lang wurde der Westen Beiruts von den Israelis belagert und in Schutt und Asche gelegt. Der junge Libanese Ahmed, der einen guten Job in einem Textilhandelsbüro gehabt hatte, musste fliehen - nach Deutschland. Zwei Jahre lang durfte er als Asylant hier keine Beschäftigung annehmen ...

Samstag, 19. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 3). Dorin Popa übernimmt nun offiziell die Redaktionsleitung.


DON 3/1984 erscheint im März 1984.

Ab der Ausgabe 1/1972 übernahm der Druckereibesitzer Henry Ferling den Druckauftrag für das 'Homo-Magazin' DON.
Ab der Ausgabe 1/1973 übernahm er das monatlich erscheinende Objekt auch als Verleger.

Am 4. Februar 1984 feierte Ferling seinen
71. Geburtstag. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Nachfolgeregelung für seine Druckerei und sein Übersiedlung nach Florida (in den Ruhestand) bereits geregelt.

Ungeklärt war noch, wann er wem und zu welchen Bedingungen die beiden Magazine DON und ADAM übergeben würde. (In einem späteren Post dazu mehr.) Umso verwunderlicher war, dass er mich ab Anfang 1983 neue Autoren und einen neuen Redaktionsleiter für DON suchen liess, um dann - auf meinen Vorschlag - ab der Ausgabe 1/1984 - Dorin Popa die Redaktionsleitung zu übergeben und (erst) im Impressum des obigen März-Heftes Popas Herrschinger Adresse als neue Redaktionsanschrift zu verkünden.

Titelfoto und Rücktitel der Februar-Ausgabe: Gambera, Sizilien.


Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner, General Günter Kießling 
und der "schriststellernde Schauspieler" Alexander Ziegler


Diener im königlichen Buckingham-Palast, "in einer Kette der Perversionen hineingezogen".

"Die Amerikanerin Jaen Gochos wollte etwas über Ehen in Erfahrung bringen, in denen der Mann homosexuell ist. Sie gab entsprechende Anzeigen in Zeitungen auf und wurde mit >Tausenden von Briefen und Telefonaten< förmlich überschüttet .. "

"Pro Familia Duisburg e.V. beabsichtigt, einen Gesprächskreis für verheiratete homosexuelle Männer anzubieten... "

"Bundespräsident Rainer Barzel lehnte es ab, eine kleine Anfrage der grünen nach dem Sexualleben der Bundesregierung weiterzuleiten ... "
Richtig: Rainer Barzel war damals Präsident des Deutschen Bundestages

Mary & Gordy "... Der ehemalige Elektronikstudent Georg Preusse (Mary) und Ex-Koch Reiner Kohler (Gordy) machen mit prickelnden Liedern wie >Hello Dolly< ... nun auch playback konkurrenzlos Stimmung."


Homosexualität in der Bundeswehr. der Fall 'Kießling'.
"Die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung e.V. stellte uns folgende Presse-Erklärung zur Verfügung ... Wegen der anhaltenden Aktualität veröffentlichen wir die für den Vorstand der DGSS vom Vorsitzenden, Prof. Dr. Ernest Bornemann und Michael Lindner (Hauptmann a.D:) unterzeichnete Erklärung ..."


"Der Berliner Fotograf Rolf Fischer hat über einen längeren Zeitraum hinweg schwule Paare und Singles mit seiner Kamera zuhasue besucht. Die dabei entstandenen Aufnahmen versuchen den Blick auf das private Normale und das private Spezifische ... "

Wie (prominente) Schwule wohnen ... ein Thema, das später in anderen Schwulenmagazinen - u.a. in männer aktuell - gerne 'nachgearbeitet' wurde.




Aufnahmen des Fotografen (der Gay Community in San Francisco) Robert Pruzan, 1946 (Seattle) bis 1992 (San Francisco), der mit 46 Jahren an AIDS starb.

Montag, 14. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 1)


DON 1/1984 erscheint im Januar 1984 im Verlag Henry Ferling, Darmstadt. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" aus: Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M.A. Reimer), Achim Ehlert (= Ejo Eckerle) und neu Dorin Popa *.

* Dorin Popa, Jahrgang 1961, übernimmt mit der Januar-Ausgabe die Redaktionsleitung (und den Umbruch) von DON, erscheint in dieser Funktion jedoch erst im Impressum der März-Ausgabe.

(" ... Richtig gelernt habe ich den Journalismus nie. Kein Studium, keine Journalistenschule, kein Volontariat, sondern vom Gymnasium an einfach gemacht. Weshalb ich nun schon über dreißig Jahre im Printbereich arbeite... " Dorin Popa im September 2012)

Das Titelbild zeigt Ryuichi Sakamoto in dem Film >Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence<. Die exakte Übersetzung des japanischen Filmtitels lautet: >Fröhliche Weihnachten auf dem Schlachtfeld<.


"Mit diesen mehr oder minder fröhlichen Schnappschüssen aus dem schwulen San Francisco wünschen wir - die DON-Macher - Ihnen allen ein mehr oder weniger fröhliches 1984 ..."


Wien: "Grund zur Sorge besteht für die Rosa-Lila-Villa, das Wohn- und Kommunikationszentrum Wiener Homosexueller. Nachdem während des Papstbesuchs ein Transparent >Jesus liebt auch Schwule und Lesben< verkündete, und zuvor noch ganze fünf Beschwerden aus der Nachbarschaft ... im Rathaus eingetrudelt waren, beschloss die Gemeinde den Abriss des Zentrums ... "

Berlin: "Auch nach Gründung eines >Instituts für Sexualwissenschaft e.V.< ... sieht die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft das Vermächtnis Hirschfelds, aus den verbliebenen Mitteln seiner Stiftung einen Lehrstuhl für Sexualwissenschaft an der Berliner Universität einzurichten, als nicht erfüllt an ... "

Münster: " ... Einen neuen Aspekt der Person und der Kunst Fassbinders offenbart eine ihm gewidmete Skulptur des Bildhauers Richard Serra. Eigens für den Innenhof des Westfälischen Landesmuseums konzipiert, besteht das Kunstwerk aus drei hohen Stahlplatten ... " 

Peter Schult: "DIE GRÜNEN im Bundestag unterstützen das Gnadengesuch des an Krebs erkrankten Peter Schult ... dass jede längere Inhaftierung im krassen Missverhältnis zu seinen Straftaten und zu seiner nur noch kurzen Lebenserwartung stünde, fordern sie für den ... Todkranken Haftverschonung ... "


Bundeswehr 1   "Ob man nun seine Lust, vor anderen zu paradieren, von der Sub auf den Kasernenhof verlegen will oder staatsbürgerliche Pflichten zu erfüllen trachtet: Der Dienst an der Waffe kann für den Schwulen zum Schrecken werden, der im Selbstmord endet. Denn zu oft erwarten den Wehrpflichtigen oder den zeitsoldaten, auf dem Karriereweg vom Rotarsch zum Lametta-Träger, Vorurteile und Unterdrückung, Schikanen und Benachteiligung. trotz aller Phrasen vom 'Bürger in Uniform' ... "


Bundeswehr 2 "Die Paraderolle des schwulen Soldaten scheint der ehemalige Bundeswehr-Hauptmann Michael Lindner * gepachtet zu haben, der in kaum einem Artikel oder Buch zu diesem Thema ungehört bliebt - zuletzt in einem lesenswerten Beitrag des rororo-Bands >Unbändig männlich<. DON möchte einmal die Erfahrungen anderer hören und unterhielt sich mit Franz und Stefan über ihr Schwulsein vor, während und nach der Dienstzeit in oliv ... "

* Der Link leitet zu einem ZEIT-Artikel vom Januar 1984. Im Internet gibt es eine Reihe weiterer Artikel zu dem Thema und dem Hauptmann in diesen Jahren.


"Aids, der unbekannte, lebensgefährliche Killer, gegen den bisher noch kein Kraut gewachsen ist, hat sich einen festen Platz in den Medien erobert. Nach reisserischen Presseberichten, aber auch bemüht sachlichen Darstellungen ... von denen man das nicht unbedingt erwartet hätte, z.B. dem STERN, kommt jetzt der Run der Bücher. Während Rowohlt, rosa Winkel und angeblich auch Goldmann noch am Werkeln sind, liegt bereits die erste akribische Bestandsaufnahme dieser Seuche vor ... "


Satire: "Gefühle bringen die Männer oft zum Waschsalon. Der eine weiss nicht, was er tun soll, der andere zerfliesst vor Sehnsucht. Was eine Begegnung anrichten kann, in der ein junger romantischer Mann seine heimlichen Sehnsüchte nachts erfüllt bekommt, kann sich niemand vorstellen - aber knipsen! Lesen Sie, wie das gigantische Feuer der Liebe durch den Waschsalon tobt, wie eine überschäumende Liebe beim Hauptwaschgang den Damm der Gefühle sprengt ... "


Alle Jahre wieder ... heisst es für den Großstadtschwulen "Nach Hause!" ... zurück in die piefige Provinzstadt, in der er einst aufwuchs, in der ihn die Erinnerungen und die Eltern erwarten: "Weihnachten, Neujahr, Tage des trauten Beisammenseins, Rückkehr an die vertrauten Stätten der Kindheit. Und wenn sich die Dämmerung über dem Markt senkt, steigen die alten Ängste und Leidenschaften auf ... "


Mein Fotomodell; siehe DON  11/1983, Titel und Innenseite 2