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Dienstag, 8. April 2014
DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 11).
DON 11/1983 erscheint im November 1983. Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam".
Helmut Kohls Losung von der 'geistig-moralische Wende' zeigt Wirkung [seit dem 6.3.1983 ist Kohl Bundeskanzler]. Sozialökonomen fordern, dass der Versicherte die Behandlung für 'Selbstbeschädigungen wie Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Lungen- und Bronchialkrebs, Sportunfälle und Geschlechtskrankheiten' künftig selber zahlen soll. Aus dem Ministerium des Ministers Blüm verlautete, dass man der Idee grundsätzlich zustimme .... Beängstigende Aussichten angesichts des akuten Aids-Dramas und der zunehmenden Aids-Panikmache.
Guido Vael antwortet (für den VSG e.V. ?) auf den Artikel >Widerwärtiger als 'soziallästig'< im September-DON. Er attestiert der Ausdrucksweise des Artikels/Autors 'Menschenverachtung'.
Zeitgleich schwappt zu diesem und anderen kontroversen September-Artikeln eine Leserbriefwelle in die DON-Redaktion, deren Verfasser mit Ausdrücken wie 'Rufmord ... Dreckschleuder ... Schwule in den Dreck ziehen ... Schmierenblatt ... ' munter um sich werfen. Dazu die Redaktion:
"... es macht den Anschein, dass DON seine Münchener Leserschaft im September veracht- wenn nicht verzwölffacht hat. Denn in diesem Monat rauschte ein wahrer Sturzbach empörter Lerserbriefe [von Uli Grünert, Georg Cruse, Alfi von Wiedersperg, Thomas Kylau...] auf uns hernieder. Zu 90 Prozent aus München. Der Schein trügt! Denn die Brieflawine aus München wurde inszeniert ... Uns tut es leid um manch interessanten Gedanken in Münchener Briefen, der es gelohnt hätte, ihn einer breiten Leserschicht bekanntzumachen. Aber an einer ferngesteuerten Inszenierung werden wir uns nicht beteiligen ... "
Die Karikatur stammt von dem bekannten Cartoonisten Rudi Hurzlmeier, der zur gleichen Zeit auch für ADAM Karikaturen zeichnete.
Berlin Museum: "Nach Auffassung des Berliner Museumsdirektors Rolf Bothe hat ein Stadtmuseum die Aufgabe >Aspekte der verdrängten Geschichte einer Minderheit darzustellen und ins allgemeine Bewusstsein zu rücken<. Bothe plant, zusammen mit verschiedenen Gruppen, für 1984 im Berlin Museum die Ausstellung >Homosexuelle Männer und Frauen in Berlin 1850-1950; Geschichte, Alltag, Kultur< ... Es soll die in ihrer Art bisher umfangreichste werden ... Wegen dieses Ausstellungsvorhabens werde die Leitung des 'Berlin Museum' teilweise anonym angegriffen ... warum der Innensenator solche Ausstellung nicht verbiete und warum öffentliche Gelder dafür ausgegeben werden ... "
Peter Schult, 1928-1984: " ... Schult, der derzeit wegen homosexueller Vergehen nach § 175 in Berlin Plötzensee einsitzt ... immer wieder schoss er aus der Gefängniszelle heraus auf die Justizbehörden, in Artikeln und Buchbeiträgen ... Peter Schult ist schwer an Lungenkrebs erkrankt. Er hat nur noch ein bis zwei Jahre zu leben. Dass es soweit kommen konnte, ist nach Schults Ansicht ... Schuld der bayerischen Justizbehörden. Bei frühzeitiger Behandlung des Krebses hätte Schult gute Überlebenschancen gehabt ... Das Krankheitsbild wurde bereits im Juni 1981 von der Anstaltsärztin im Münchner Gefängnis Stadelheim entdeckt ... Die Befunde bleiben bis auf den heutigen Tag verschwunden ... "
Eine ziemlich wahre Geschichte über ein Wochenende zwischen Lust und Frust ... eine Disco- und Kneipentour zwischen Angst und Hoffnung. Und eine Analyse. Oder: Der ganz normale schwule Wahnsinn.
" ... Die Mechanismen von Sprachlosigkeit, Verklemmung und unterdrückter Gier funktionieren überall in der Sub*. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das Wort 'Kommunikation' ist in der schwulen Szene ein Fremdwort. Und in einigen Läden wird das schwule Schweigen durch dröhnende Musik forciert ... Allabendlich senkt sich weltweit die alles Ursprüngliche, Spontane und Menschliche abwürgende Atmosphäre schwuler Amüsierbetriebe über ihre Besucher. Es ist wie eine ansteckende Krankheit ... Da unterwerfen wir uns tagsüber total einer heterosexuellen Umwelt. Hier dürfen wir nicht. Um uns dann abends und nachts in das Korsett einer homosexuellen Frustkultur zu zwängen ... wo wir uns angeblich ausleben können, machen wir uns das Leben sozusagen selbst und gegenseitig zur Qual ... "
* schwule Subkultur
Doppelseitenbilder oben Trocadero und Kleist-Casino Berlin. Doppelseitenbilder unten: Ali Baba und Mrs. Henderson München.
KLAR & WAHR, eine Zeitschrift zum besseren Verständnis, herausgegeben von einem 'Ambassador College' in Bonn, ist kostenlos, weil sie "durch Zehnten und Opfer der Mitglieder der Weltweiten Kirche Gottes und anderer getragen wird", beschäftigt sich auf 4 Seiten mit dem Thema AIDS.
"Was die Homosexuellen vergessen haben, schreibt der Autor Donald D. Schroeder, ist, dass Gott der Schöpfer des menschlichen Lebens und der menschlichen Geschlechtlichkeit ist. Er hat die Ehe eingesetzt und hat Gesetze in Kraft treten lassen, die gesunde und treue Ehe- und Sexualbeziehungen zwischen Mann und Frau regeln. Der Mensch will sich über Gottes Gesetze hinwegsetzen. Das geht aber nicht. Sie lassen nicht mit sich spassen ... Die einzig sichere Lösung für diese oder andere gesellschaftliche und sexuelle Unglücke ist Vorbeugen. Und das heisst, nach Gottes Gesetzen ... ein reines und seuchenfreies Geschlechtsleben führen ... Der Autor versucht, durch irreführende und falsche Auslegung von Bibeltexten, seinen Lesern weiszumachen, dass es homosexuelle Praktiken waren, die Gottes Zorn erregten ... Er liess ein katastrophales Strafgericht [Sodom] über sie kommen und löschte ihr Leben aus ... Was seinerzeit eine grosse Feuerbrunst besorgte, nämlich die Ausrottung der Perversen, besorgt heute AIDS ... "
Fortsetzung von DON 10/1983: Textauszüge aus "Handbuch der gesamten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellungen", Band III, Die Homosexualität des Mannes und des Weibes von Sanitätsrat Dr. med Magnus Hirschfeld, 2. Auflage, Louis Marcus Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1920.
"Längst gibt es mehr, als die althergebrachte Subkultur der Bars und Kneipen, der Saunen und Parks. In immer mehr Städten erlebt die schwule Szene ihr 'Coming out'. Heraus aus der sexuell geprägten Abkapselung. Hinein in Kultur und Kirchen, in Medien, Politik und manch anderen öffentlichen Bereich. Das Paradebeispiel ungeheurer Szenenvielfalt ist Berlin. Wir aber beginnen mit München ... Es geht darum eine interessante Entwicklung zu veranschaulichen ... "
München 1983: geschätzte 60.000 schwule Mitbürger, ca. 52 Bars, Diskotheken, Cafés, acht Klappen, vier Saunen, zwei Sexshops ... vier Aktionsgruppen mit unterschiedlicher Zielsetzung (HALT = Homosexuelle Alternative, HuK = Homosexuelle und Kirche, VSG ....) ... der Englische Garten, schwule Autoren, die schwule Buchhandlung 'Sodom', ungeniert schwule Kontaktanzeigen in der 'Münchner Stadtzeitung', schwules Theater ...
Die Aufnahmen zeigen: die 'Deutsche Eiche', das Rumford Denkmal im Englischen Garten, den Buchladen 'Sodom', den Eingang zum 'Verein für sexuelle Gleichberechtigung'.
Satire - Die Politiker und AIDS:
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Freitag, 28. März 2014
DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 9).
DON 9/1983 erscheint im September 1983. Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist wieder die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam".
Schwul & seriös. Wer ist das? "1982 erschien ein neues Magazin am schwulen Pressehimmel - TORSO. Man durfte gespannt sein, denn man werde alles anders und viel besser machen, schrieb TORSO ... Bedenklich stimmte von Anfang an, dass Michael Föster [Verleger und Chefredakteur in einer Person] ... so vollmundig Ansprüche formulierte. Unter anderem, TORSO sei 'schwul und seriös'. Betroffen machte, dass er sich wiederholt mit pauschaler Geringschätzung über alles ausliess, was jemals vor TORSO erschienen und was neben TORSO auf dem Markt ist ... er hatte nicht bedacht, dass einer, der die Latte so hoch anlegt, daran auch gemessen wird ... "
Anmerkung: TORSO wurde ursprünglich von Michael Föster, Theo Düppe, Bruno Gmünder und Christian von Maltzahn ins Leben gerufen, erschien jedoch niemals im Bruno Gmünder Verlag, was in der gmünderschen Verlagsgeschichte (Wikipedia) nach wie vor fälschlich behauptet wird. Im Dezember 1983 erschien, nach nur 16 Ausgaben, die letzte TORSO-Nummer.
Detaillierte Recherchen zu dieser kurzlebigen schwulen Publikation und ihrer 'Erfinder' finden sich im Blog brunoleaks (Stichworte TORSO, Michael Föster)
Schwules Sexualleben in den sog. Klappen (d.h. in öffentlichen Pissoirs, WCs, Urinalen...) hat mich drei Jahrzehnte lang auf die Palme gebracht, weshalb ich hier - zwischen Artikel-Vorspann und Textbeginn - folgende Sechs-Punkt-Zeilen eingeschoben habe:
"Der Autor entschuldigt sich von vornherein für die Vielzahl deftiger Ausdrücke in diesem Beitrag. Er ist der Ansicht, dass man diesem anrüchigen Kapitel schwulen Verhaltens nicht mit vornehmen Formulierungen gerecht werden kann."
"Solange Klappen-Kontakte als etwas 'Normales' gelten, solange Pissoir- und Fäkalbudenadressen in schwulen Reiseführern aufgelistet werden und Schwulengruppen sich für das schwanzgeile Klappenpublikum einsetzen ... solange werden Homosexuelle von der Gesellschaft in eine perverse Ecke geschoben. Alle Homosexuellen! Auf Kosten jener verschwindend kleinen Minderheit, die sich vom Urin- und Fäkaldunst öffentlicher Aborte angezogen fühlt ... "
" ... Guido Vael, vertrat jahrelang den VSG, eine Schwulengruppe, die allem Anschein nach ein sehr intimes Verhältnis zum Toilettensex zu haben scheint. Eben dieser Verein hat schon mehrfach in der Münchner Öffentlichkeit gegen gewisse Polizeipraktiken von sich reden gemacht. Zum Beispiel, wenn Beamte auf ihren Klappenkontrollfahrten schwule Pinkelbrüder verwarnten. Wohlgemerkt, der VSG vertrat - öffentlich - die Interessen schwulen Fäkalbudenbesucher. Und auch in dem jüngsten Fall zieht man nicht etwa beschämt den Kopf ein, sondern macht aus den 'Stachus-Schwulen' auch noch bedauernswerte Verfolgte, indem man sagt, solche CSU-Ausdrücke bewegten sich >an der Grenze zur Volksverhetzung< ... "
Anmerkung: Dieser dreiseitige Klappensex-Artikel führte zu einer heftigen Kontroverse zwischen DON (in der Person des Autors Jens M. A. Reimer) und dem VSG. Bei den fünf abgebildeten 'Häuschen' handelt es sich um die seinerzeit von Klappenschwulen meistfrequentierten Münchner Bedürfnisanstalten.
AIDS: "Nach Auffassung von Bundesgesundheitsminister Heiner Geißler stellt AIDS keine Gefahr für die Empfänger von Blutkonserven des Deutschen Roten Kreuzes dar ** ... Die Bedeutung des Blutspendens überwiege bei weitem das 'minimale Restrisiko', das für den Empfänger von Bluttransfusionen bestünde ... Geißler bat die Homosexuellen zwar um eine 'gewisse Zurückhaltung', aber Zustände, wie sie zur Zeit in Amerika herrschten, kenne man hier noch nicht ... "
** Anmerkung: Eine typische Politiker-Sprechblase, die sich in Folge als tödlicher Unsinn herausstellen sollte.
Diskussionsverbot für Homosexualität: "Der Präsident der Giessener Justus-Liebig-Universität, Prof. Karl Alewell, verbot dem Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) zwei Diskussionsveranstaltungen zum Thema Homosexualität ... Ein solches Thema ... falle nicht in den Aufgabenbereich der Studentenschaft ... Eine zweite Podiumsdiskussion ... verbat sich Prof. Karl Alewell, weil der Veranstaltungstag (Fronleichnam) ein gesetzlich geschützter kirchlicher Feiertag sei ... "
Die König-Ludwig-Richard-Wagner-Karikatur ist von dem bekannten Cartoonisten Rudi Hurzlmeier, der zur gleichen Zeit auch für ADAM Karikaturen zeichnete.
Neben Christa Meves und Gerhard Naujokat profilierte sich Monsignore Prof. phil. et theol. Georg Siegmund (1903 - 1989) in den Nachkriegsjahrzehnten als einer der führenden katholischen Homophoben, der als frommer Christenmensch gegen Schwule (soziale Infektion, Perverse, widernatürliche Unzucht usa.) hetzte was das Zeug hielt und so für eine Stabilisierung des homophoben Fundaments der römisch-katholischen Kirche - und damit der westdeutschen Gesellschaft ingesamt - verantwortlich ist. Mit 24 promovierte Siegmund zum Doktor der Philosophie, mit 25 erhielt er die Priesterweihe.
Siemund: "Wer es unternimmt, das 'Tabu Homosexualität' abzubauen, reisst damit eine wichtige Barriere der Menschlichkeit nieder und wird mitschuldig an der Erkrankung der Gesellschaft."
DER SPIEGEL 50/1980 erwähnt Siegmund als christlichen Verteidiger der Teufelsaustreibung in Zusammenhang mit einem dadurch ausgelösten Todesfall.
" ... In Erinnerung an 'Stonewall' begehen Lesbierinnen und Schwule alljährlich ... den 'Christopher Street Liberation Day' ... 1979 demonstrierten bereits 125.000 Menschen in New York ... " DON veröffentlicht vom 'Gay & Lesbian Pride March' 1983 4 Seiten Momentaufnahmen.
"Woche für Woche schmiert sich ein gewisser Robert N. Tanner in 'Wochenend' durch die schwulen Sündenpfuhle, aus denen die 'Lustseuche' AIDS herausdampft ... Seit Monaten schon wälzt das überaus schwulenfeindliche Skandalblatt 'Wochenend' mit einer kaum zu überbietenden Perfidität die >Gefahr durch die neue tödliche Lustseuche<, AIDS ... aus ..."
Das Farbfoto stammt von Jens M. A. Reimer
"Sind Schwulengruppe nur eine Fortsetzung der alten Sub-Mentalität und Sexfixiertheit unter Homosexuellen? Oder sind auch andere Ansätze denkbar? Werner und Ernst von der Gruppe HALT ** zeigen am Beispiel des Münchner Schwulenvereins VSG auf, warum junge Homosexuelle von diesem Szenetreiben angewidert sind. Zugleich diskutieren sie Möglichkeiten, wie schwule Emanzipation, Engagement und Sexualität in neue Bahnen gelenkt werden können ... "
In diesem Zwiegespräch rechnen Werner und Ernst knüppelhart mit dem VSG ab.
** Erläuterung: 1982 gab es interne Querelen zwischen der Führung und den jüngeren Mitgliedern im VSG. Der Vorstand schloss die Theater- und Jugendgruppe nach Kritik aus dem Verein aus. Diese gründeten als Reaktion eine eigene Gruppe, die HALT (Homosexuelle Alternative),
Ein einmalig grossartiger Beitrag von DON-Autor Wenzel Böhmak (= Pseudonym) über das 'Forum', über den Verleger Egmont Fassbinder (Vetter des grossen Rainer Werner Fassbinder) vom rosa Winkel Verlag und einem Abstecher Bömaks ins schwule Berlin.
Neben Böhmak, Fassbinder und dem Autor Wolfgang von Wangenheim auch in Göttingen anwesend: Prof. Dr. Popp von der Gesamthochschule Siegen, Autor Ullrich-Enderwitz, das Verleger-Paar Bruno Gmünder und Christian von Maltzahn, Raoul Hübner ("Blickwechsel - Mit Schwulen in Barcelona") ...
Dienstag, 18. Februar 2014
DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 5)
DON 5/1983 erscheint im Mai 1983. Die Redaktionsleitung hat offiziell noch Gerd Talis (Heidelberg).
Die Bildauswahl, der Umbruch und grosse Teile des Inhalts werden bereits von jenem "Autorenteam" gestaltet, das offiziell erst im Impressum des Juli-Heftes erscheint.
Siehe auch Blog-Eintrag DON 2/1983: In 3 Jahren Talis-Redaktion verlor DON 40% seiner Verkaufsauflage. Henry Ferling zieht Konsequenzen.
"Mir flattern zunehmend Briefe auf den Schreibtisch ... von Vierzehn-, Fünfzehnjährigen. Einer von ihnen ist Dirk, der mir mitteilt, ich sei ... 'die letzte Hoffnung' für ihn. Der Hilferuf eines Jugendlichen, der die Partnerbeziehung zu einem Erwachsenen braucht und sucht, der aber gleichzeitig Angst hat ... den Partner in juristische Schwierigkeiten zu bringen ... 'Hier am Bahnhof gibt es einen Homo-Strich', schreibt er, 'doch der interessiert mich nicht' ... Aus den ... Briefen geht klar hervor, dass die Behauptung, immer und stets seines es die Erwachsenen, welche die Initiative ergriffen und 'sich an die Jugendlichen heranmachen', dummes Geschwätz ist ... wir werden ohne eine umfassende Reform des gesamten Sexualstrafrechts gar nicht mehr auskommen ... "
Mai 1983: An prominenter Stelle - Seite 5 - klärt DON seine Leser kurz, knapp und allgemein verständlich vom aktuellen Wissensstand über AIDS auf.
DONs Leserbrief-Kuriositäten:
In fast allen DON-Jahren spielten sich auf den Leserbriefseiten gerne auch interne Auseinandersetzungen zwischen Verlag und Redaktion ab. Wer immer Zugriff auf die Leserbriefe selbst, und/oder auf die Satzmanuskripte der Leserbriefseiten hatte, versuchte seine persönliche Meinung (mit der er abgeblitzt war oder die er offiziell nicht äussern wollte) in einem Leserbrief von 'XY aus Z' auf den vordersten Seiten allen am Objekt Beteiligten unter die Nase zu reiben. Manchmal gab sich so ein Pseudo-Leserbriefschreiber nicht einmal die Mühe, seinen Schreibstil zu variieren, anhand dessen er leicht identifizierbar war.
Ich (Blog-Autor) habe das manchmal gemacht, Verleger Henry Ferling (zugleich Druckereibeseitzer) - der immer als Letzter Zugriff auf den Heftinhalt hatte - machte das ganz gerne, und hier haben wir einen ganz typischen Fall:
Aufgrund der horrenden Auflageneinbussen hatte Henry Ferling dem Heidelberger Gerd Talis die DON-Redaktion (zum Redaktionsschluss des Juni-Heftes 1983) gekündigt. Siehe oben, Zeilen unter der Mai-Titelseite.
Verliert DON sein Gesicht?
"Lieber Herr Talis, da ich langjähriger Leser Ihres Heftes bin, möchte ich Ihnen heute einmal meine Meinung über DON schreiben.
In den letzten Monaten ist mir oft aufgefallen, dass der DON dem Magazin ADAM (ich bin auch ADAM-Leser) immer ähnlicher wird. Die Art der Überschriften und die Aufmachung der Fotos [was immer das bedeutet?] sind fast genau wie bei ADAM geworden! Ich meine, dass jedes Magazin doch seinen eigenen Stil haben sollte! [Allerdings machte ich - neben ADAM - erst seit der März-Ausgabe auch wieder den Umbruch für DON.]
Der Bartmann vom Titelbild, der auch im Inneren des Aprilheftes öfter auftaucht, hat mir nun gar nicht gut gefallen. [Ab der März-Ausgabe besorgte ich auch wieder die Bildauswahl für DON.]
Die Boy-Zeichnungen in DON 4/83 sind zwar recht gut gelungen, ich muss aber bemerken, dass ähnliche Zeichnungen bereits in der ADAM-Ausgabe 42 .... erschienen sind. Theoretisch hätte ich also nur ein einziges Heft zu kaufen brauchen. [Tatsächlich hatte uns 'Dietmar' regelmässig Serien gezeichnet, die allerdings thematisch völlig unterschiedlich waren.]
Zum Schluss möchte ich feststellen, dass DON auch weiterhin ein ernstzunehmendes Magazin [hier erinnert der Schreiber an seinen eigenen, seriösen Journalismus, im Gegensatz zu dem nicht ernstzunehmenden ADAM] bleiben sollte (es gibt genügend andere mit pornographischen Ansätzen). [mit diesem 'Seitenhieb' meint der Schreiber ADAM, ein Magazin, das er amüsanterweise selber konsumiert.] Ein Magazin mit seiner eigenen Art und nicht Kopie oder Abklatsch eines anderen Heftes. Mit besten Grüssen P. T. in M."
Schwuler Multimillionär: "... Der ehemalige Polizeischüler Peter Kraus (19) hat ... den 43-jährigen Multimillionär Paul Schuchter ermordet. Er tat es 'aus Ekel' (wie er zu Protokoll gab), was ihn aber nicht hinderte, dem Mann die ganze Wohnungseinrichtung zu zertrümmern und alles mitzunehmen, was an Geld- und Wertsachen abzutransportieren war. Das Mordopfer ... nannte sich 'Konsul' und führte an seinem Jaguar unberechtigt ein Diplomatenkennzeichen ... "
Lesben-Heirat: "Zwei Frauen sind Mitte März in den Niederlanden von einem Priester nach dem Eheritus der römisch-katholischen Kirche getraut worden. Die 25-jährige ... Ria Bultena und ihre 19-jährige Freundin Harmanna Kalsbek ... gaben sich vor dem katholischen Priester ... das Jawort ... "
Soziallästige Personen: " ... In Bayerns Metropole ist das zweite Geschoss unter dem 'Stachus' solch ein bevorzugter Platz. Dort geben sich Stadtstreicher, Alkoholiker und andere Drogenabhängige ein Stelldichein, und - weil eine ausgedehnte Toilettenanlage vorhanden ist - auch bestimmte Homosexuelle. Um die Sache 'ordnungspolitisch in den Griff zu bekommen', stellte die Münchner CSU-Stadtratsfraktion einen entsprechenden Antrag, in dem sie die genannten Kreise zunächst pauschal als 'soziallästige Personen' bezeichnete. Gegen diese veröffentlichte Schwulen-Diffamierung erhoben der Journalist Ralf Succo und VSG-Chef Guido Vael Strafanzeige wegen Beleidigung. Münchens Oberstaatsanwalt ... hat der Strafanzeige ... nicht stattgegegen ... Gegen diesen Ablehungsbescheid haben die beiden Antragsteller ... Beschwerde eingelegt."
"Die FDP auf der Suche nach Wählerstimmen kann sich einer Minderheit sicher sein: der Päderasten ... "
Zu Zeiten des Franz-Josef Strauß gehörten die Sudel-Kampagnen der CSU gegen andere Parteien, Politiker und u.a. gegen Schwule zum ganz normalen CSU-Alltag. Aber auch heute noch schmeisst die CSU hin und wieder mit Dreck - siehe: Alexander Dobrindt (CSU) versucht - unmittelbar vor der Bundestagswahl 2013 - Jürgen Trittin und Volker Beck als "Kinderfreunde" zu enttarnen.
Rechte Seite, 17, Autor Michael Albert (= Jens M. A. Reimer)
"Der BAYERNKURIER ist das Sprachrohr der CSU. Besser gesagt, des Herrn Franz-Josef Strauß. Sitz der Redaktion ist die CSU-Zentrale ... Der Artikel 'Werben um Kinderverderber' erschien einen Tag vor der Wahl ... dass Pastor Gerhard Naujokat, einer der entsetzlichsten Homosexuellen-Hetzer, als Experte für dieses Thema aufgeboten wird, ist auch kein Wunder ... [Artikel-Autor Wolfgang Johannes Müller] sagt, dass '20.000 bis 25.000 Fälle homosexuellen Missbrauchs an Kindern alljährlich vor den Gerichten der Bundesrepublik verhandelt werden' ... Man braucht nur das Statistische Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland aufzuschlagen. Für das Jahr 1979 nennt es beim § 175 eintausendfünfhundertdreizehn 'bekanntgewordene Straftaten'. Tatsächlich verurteilt wurden 1979 nur 148 Personen ... Aus den amtlichen Zahlen 'bekanntgewordener Fälle' produziert CSU-Müller eine 1.500-prozentige Steigerung ... Im Licht der Fakten wird deutlich, was 'christliche' Politiker unter Moral, Ethik und Pressefreiheit verstehen. Da wird mit Lug und Trug diffamiert, da werden Homosexuelle in einen Topf mit päderastischen Straftätern gerührt ..."
Zeichnungen von Dietmar (siehe 'Leserbrief' oben: Verliert DON sein Gesicht?)
"Männerhygiene ist bei zunehmender sexueller Emanzipation nötiger denn je. Eines der wichtigsten Handbücher für die Hygiene, welche gleichgeschlechtliche Sexualpraltiken erfordern, ist das 'Sumpf Fieber' (Verlag rosa Winkel). Darin werden aber beispielsweise Analerkrankungen nur sehr pauschal abgehandelt ... Um hier zu helfen und weiter aufzuklären, hat ein DON-Leser, der Naturheilkunde selber praktiziert, einen ausführlichen Beitrag verfasst ... "
Unzucht mit Kindern: "Von diesem Aspekt bürgerlicher Zwangsmoral handelt die profunde Abhandlung des Dozenten für Sozialpädagogik Karl-Heinz I. Kerscher ... >Emanzipatorische Sexualpädagogik und Strafrecht< (Luchterhand...). Das Taschenbuch ... enthält ... geradezu sensatiobelle Ansichten über Kinder- und Jugendsexualität... "
Entstellte Engel: " ... eröffnet Joachim S. Hohmann (der Link führt zu DON 3/1977) mit seiner Sammlung 'Entstellte Engel' jetzt ... zeitgenössischen Autoren den Weg in den regulären Buchhandel ... wie Klaus Mann, Alexander Ziegler, Erich Lifka, und Guido Bachmann. Den auf 350 Seiten zusammengetragenen Erzählungen, Romanauszügen und Gedichten ist eines gemeinsam: der in ihnen zum Ausdruck kommende Wunsch zu lieben und geliebt zu werden ... "
Lust und Depression: " ... zwei Taschenbücher, die im Kösel-Verlag, München, erschienen sind und die ganze Spannweite der Gefühle aufzeigen, mit denen sich eine Vielzahl Homosexueller fast täglich herumzuschlagen hat ... Alexander Lowen, ein Schüler vom Wilhelm Reich, hat die beiden je etwa 300 Seiten starken Bücher verfasst ... "
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Mittwoch, 29. Januar 2014
DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 12)
DON 12/1982 erscheint im Dezember 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.
offenbar muss gespart werden. In DON erscheinen - anstelle von Farbfotos - plötzlich wieder sog. Duoton- oder Duplex-Bilder - Graustufenfotos, die zusammen mit einer Schmuckfarbe gedruckt werden - wie das Magazin sie etwa zehn Jahre zuvor oft druckte.
Der Juso-Bundeskongress "fordert die SPD-Bundestagsfraktion zur Mitarbeit auf, dass im Grundgesetzt (Artikel 3) neben den dort schon erwähnten Diskriminierungsverboten die 'sexuelle Neigung' mitaufgenommen, dass der § 175 StGB ersatzlos gestrichen und jede Art von Homoregistrierung bei Polizei und anderen Behörden abgeschafft wird."
Anmerkung: Am 1. 10. 1982 wird Bundeskanzler Helmut Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvortum gestürzt. Hans-Dietrich Genscher und seine FDP hatten - nur 2 Jahre nachdem die Bürger eine rot-gelbe Koalition (zusammen 53,5%) gewählt hatten - die Seite gewechselt und von der SPD zu CDU/CSU "rübergemacht". Helmut Kohl wird Bundeskanzler.
Gay Community News: "Nach 10 Jahren aktivster Arbeit sind jetzt die Redaktions- und Vertriebsräume der homosexuellen Wochenzeitung in Boston (USA) durch Brandstiftung zerstört worden ... "
Münchens Verein für sexuelle Gleichberechtigung (VSG) "betreut auch homosexuelle Strafgefangene im bayerischen Raum ... Diesem Strafgefangenen wurden vom VSG auch Homo-Zeitschriften zugeschickt - nur erhielt er sie nicht ... Der VSG bekam ... Bescheid, die Amberger Anstalt habe die Blätter zu den Effekten des Knastinsassen genommen ... Ambergs Knastleitung konterte, der Strafgefangene habe erklärt >dass er auf die Aushändigung der Zeitschriften keinen Wert lege< ... Dem VSG liegt inzwischen eine Erklärung des Strafgefangenen vor, nach der ihm ... mitgeteilt worden sei, die ihm zugesandten Zeitschriften seien >verboten< ... Wer sich ... erinnert weiss noch, dass vor zwei Jahren Karlheinz A. Barwasser seinen Kampf um Aushändigung schwuler Zeitschriften ... gegen die Justizbehörden des Landes NRW 'gewonnen' hatte ... "
John D. Stamford, "der Herausgeber des 'Spartacus International Gay Guides', läutete die Sturmglocken. >Piraten sind am Werk< ... sie machen Raubdrucke vom 'Spartacus' und verkaufen sie unter Preis. Als Sitz dieser Druck-Piraten hat Stamford den berüchtigten Londoner Stadtteil Soho ausfindig gemacht ... "
Für Interessenten: Die GANZE Geschichte (in 7 Teilen) vom SPARTACUS International Gay Guide, von seinem Gründer John D. Stamford und wie Bruno Gmünder das Schnäppchen seines Lebens machte:
1. Teil: Die GANZE Geschichte vom SPARTACUS, von seinem Gründer John D. Stamford und ...
2. Teil: Die GANZE Geschichte ...
3. Teil: Die GANZE Geschichte ...
4. Teil: Die GANZE Geschichte ...
5. Teil: Die GANZE Geschichte ...
6. Teil: Die GANZE Geschichte ...
Fazit: Bruno Gmünder, John D. Stamford und der Spartacus ...
"DON-Verleger Henry Ferling hatte Hans-Georg Behrs mit 'Ein Herz für Schwule' überschriebene Ironie-Geschichte bei der Lektüre des Magazins 'Titanic' so lustig gefunden, dass er spontan beschloss, sie - mit Genehmigung des Autors - in den September-DON zu übernehmen. Kleine Seitenhiebe, meinte er, würden die schwulen Leser schon vertragen können, soviel Selbstironie brächten sie auf. Dem war nicht so, wie wir durch Leserzuschriften belegen können. Viele hielten die Behr-Story für eine 'echte Verarschung'. Als DON-Autor trat Gelang auf den Plan: 'Das kann so nicht stehen bleiben", sagte er und schrieb seine köstliche Erwiderung 'Ein Herz für Normale' (vgl. DON 11). Jetzt hält DON-Autor Wenzel Böhmak den Heteros ihr Selbstverständnis vor: 'Erbarmen mit den Nullbumsern!' ruft er, wo er doch eigentlich hart, aber gerecht, mit ihrem stelzigen Männlichkeitsgehabe zu Gericht geht ... "
Sehr persönliche Anmerkung: Für den Otto Normalmensch bleibt, die läppisch niedrigen Verkaufsauflagen von Satirezeitschriften belegen das, knüppelharte Satire à la Titanic ein Buch mit sieben Siegeln. Schlimmer noch, bekommt er davon etwas zu sehen oder zu lesen, flippt er komplett aus. Insofern konnte ein in DON nachgedruckter Titanic-Artikel über Schwule nur zu Ausschlag und Erbrechen der DON-Leser führen.
Männer.Liebe. "Der Rowohlt-Verlag hat sich schon häufig um schwule Literatur verdient gemacht. Neuerdings bringt er dazu auch noch solide gemachte Lebenshilfe .. " 382 Seiten, von Matthias Frings und Elmar Kraushaar, ein 'Handbuch für Schwule und alle, die es werden wollen', ein Bestseller, der hier erstaunlich - wie nebenbei - nur kurz erwähnt wird.
Hamburg ahoi! "Über 300 Seiten 'stark' ist der jetzt im Verlag rosa Winkel, Berlin, erschienene 'schwule Lotse durch die Hansestadt' ... hat auch einen 'Sonderteil: Sylt' - trotzdem kostet ... zehn Mark. Und es macht Spass, in dem ... mit viel Liebe gemachten band zu lesen ... Geschichten und Geschichte Hamburgs ... "
Die Potenzklinik. "Für 25 Mark bekommt man vom Albino-Verlag, Berlin ... Bruce Elliot verfasste ... boshaft-komische Geschichte eines verheirateten Psychiaters, der keinen mehr hochbekommt und deshalb .... heimlich eine 'Potenzklinik' aufsucht ... seine sexuelle 'Erlösung' findet der Psychiater in den Armen eines kräftigen Hafenarbeiters ... "
Rechtsratgeber für Schwule: Recht Schwul. "Recht war bisher eher gegen als für Homosexuelle. Noch heute hält die Angst, als 'Schwule' bekannt zu werden, viele davon ab, sich zu wehren, wenn ihnen Unrecht widerfährt. Die Juristen der Gruppe 'SchwIPs', Richter und Jurastudenten, Rechts- und Staatsanwälte, rücken der Rechtsunsicherheit der Homosexuellen ... zu Leibe und zeigen ... wie man sein gutes Recht erhält ... " Verlag rosa Winkel, Berlin, DM 19,80.
Bestgehütetes Geheimnis: Sexueller Kindesmissbrauch. "Ein Buch, das sich vor unangenehmen Wahrheiten nicht scheut, ist Florence Rushs im sub rosa Frauenverlag, Berlin ... Den über 300 Seiten merkt man an: Es ist ein Buch der Frauenbewegung. Und die geht auch mit allen pädosexuellen Bestrebungen hart ins Gericht ... "
" ... war die 'Belletristik' in Halle 6 versammelt. Hierhin gehören auch die drei Homo-Verlage ... rosa Winkel, Foerster und Albino - alle interessanterweise in Berlin (West) ansässig. Egmont Fassbinder (oberes Foto rechts) ... Foerster-Verlag (Kurt-Joachim Foerster im mittleren Bild, rechts) (damals noch nicht so fett), welcher das Homo-Antiquariat Feucht (Rainer G. Feucht, Bildmitte) und den Pan-Verlag mit dem 'gay journal' zu Gast hatte. Sehr exquisit Stand und Verlag von Albino, wo die Neuerscheinung des Zarah-Leander-Buches ein besonderes Interesse fand ... "
Anmerkung: Der 1981 gegründete Bruno Gmünder Verlag („Wir sind homo, wir machen homo und wir wollen dem Homo zum Buch verhelfen.“) war nicht auf der Buchmesse vertreten.
Sonntag, 18. August 2013
DON - The German Gay Magazine 1980 (Hefte 6 + 7)
DON 6/1980 erscheint im Juni 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.
DON-Autor Wenzel Böhmak nennt den vom rechten Mob ermordeten deutschen Reichsaussenminister Walther Rathenau (1867 bis 1922) - fast schon zärtlich - "Homoerotiker". Der zeitlebens unbeweibte, kinderlose Jude, Industrielle, Schriftsteller und liberale Politiker (DDP) hat tatsächlich - und daran erinnert Böhmak - zahlreiche deutliche Hinweise darauf hinterlassen, dass er sich nach "Jünglingen verzehrte". In dem umfangreichen Wikipedia-Eintrag, offensichtlich von heterosexuellen Autoren verfasst, existiert ein Privatleben Rathenaus nicht.
"Milieubezogene Straftaten steigen an", befürchtet die Münchner Kripo, die argwöhnt, dass "München immer mehr zum Treffpunkt der Homosexuellen in Europa" wird. Sechs ermordete Homosexuelle in etwas mehr als einem Jahr.
Unter der Überschrift "Aus dem Milieu kommt keine Hilfe" veröffentlich die 'tz' am 20.3.1980 eine Klage der Münchner Kripo: "... Denn die Homos zeigen sich, wenn es um die Mitarbeit für die Kripo geht, zugeknöpft bis oben hin. Sie sind aus falscher Scham nicht bereit, uns zu unterstützen, klagt Hauptkommissar Fichtner die fast völlig ausbleibende Mitarbeit aus dem Homosexuellen-Milieu. Dirnen, sagt er, sind da wesentlich kooperativer ..."
U.a. die DON-Redaktion und der Münchner VSG (Verein für sexuelle Gleichberechtigung) beschweren sich bei dem sowohl naiven, als auch Schwule verunglimpfenden Kriminalkommissar, der Homosexuelle mit Prostituierten vergleicht und klären den Mann erstmal auf, WARUM Schwule lieber/besser den Mund halten.
Anmerkung: 1980 ist es - auch in der Presse - noch üblich, Schwule einem (grundsätzlich negativ besetzten) Milieu zuzuordnen. Siehe auch kriminelles Milieu, Rotlichtmilieu, proletalisches Milieu. NICHT jedoch kapitalistisches Milieu, heterosexuelles Milieu, christliches Milieu ...
Andy Müller versucht alles, um ein Interview mit Gary Numan (nicht schwul) - britischer Musiker und Pionier des Elektropop - zu bekommen und schafft es dann tatsächlich noch.
DON 7/1980 erscheint im Juli 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.
In einem wundervollen Beitrag erinnert Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) an den schwulen jüdischen Journalisten, Dichter und Schriftsteller Eugen Luwig Gattermann (1886 bis 1933), der viele Jahre intimer Freund von Adolf Brand war (Herausgeber von 'Der Eigene'), befreundet mit Dr. Magnus Hirschfeld und dem UFA-Regisseur Wilhelm Dieterle, musste sich in seinen letzten Jahren vor dem braunen Mob verstecken. Im Internet findet man den Namen Gattermann nur bei ein paar Buchversendern und Antiquariaten (und falsche Biographie-Angaben).
Grösser ging's (Bild) wohl nicht: Lolli pop's, "der erste deutschsprachige Gay-Spielfilm mit
Al Parker, auf 70 Min. Video-Cassette, (für ein Vermögen von) DM 220,-, von Herzog-Film, München"
Al Parker war ab Ende 70er und in den 80er Jahren einer DER schwulen US-amerikanischen Pornodarsteller, -regisseure und -produzenten.Und Lollipop's wohl eher ein saftig-schwuler Porno.
Höhe ca. 17cm aus Massiv Manila-Holz, liebevoll bis ins kleinste Detail handgearbeitet. Das "kleine Kunstwerk" aus der "Collection H" (Homo?) kostete schlappe DM 38,50.
Der Aschenbecher als Anmache: "Als das Gespräch auf den Aschenbecher kam, hörte es auf, belanglose Konversation zu sein."
(Schier unbegreiflicher) Abdruck aus dem "Lesebuch" von Joachim S. Hohmann (der Link führt zu DON 3/1977)
Hier werden von einem (gleichgeschlechtlich sexuell zu kurz gekommenen?) bisexuellen Pädagogen, Soziologen, Wissenschaftler und habilitierten Hochschullehrer (Joachim S. Hohmann) "die" Homosexuellen in vier angebliche Schwulen-Typen unterteilt und auf das Unerträglichste durch den Dreck gezogen.
Lutz Landwehr über die nicht existenten Bürgerrechte von Minderheiten (Schwule, Lesben, Schwarze, südamerikanische Farbige ...) in dem vielgepriesenen Land der Freiheit mit den 'unbegrenzten Möglichkeiten', für das Deutsche noch ein Visum benötigen (Dienstanweisung für die diplomatischen Auslandsvertretungen: "Wo Grund zu der Annahme besteht, dass der Visa-Bewerber homosexuell sein könnte, ist das Visum zu verweigern"). Präsident ist 1980 der Demokrat Jimmy Carter.
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