Posts mit dem Label HF-Druck werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label HF-Druck werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 3. Juli 2014

Henry Ferling, DON-Verleger


Henry Ferling, * 4.3.1913 - ?, Druckereibesitzer in Darmstadt, verheiratet mit Herma Ferling, eine Tochter, engagiertes FDP-Mitglied, Verleger der beiden schwulen Magazine DON (ab Heft 1/1973 bis Heft 7+8/1984) und ADAM (ab Heft 15/1977 bis 50/1984) (beide 1984 verkauft an Kurt-Joachim Foerster), siedelte 1984 auf seinen Altersruhesitz in Miami Beach, Florida.

Ich gehe davon aus, dass DON, spätestens mit der Ausgabe 1/1972, bereits in der Darmstädter Druckerei des Henry Ferling hergestellt wurde. Im Mai 1972 taucht der HF-Druck (die Druckerei des Henry Ferling) als Mitherausgeber im Impressum auf.

Henry Ferling, ein im besten Sinne liberaler, immer ausgleichender, ungemein sympathischer Druckermeister, war Besitzer eines kleinen Hauses mit angeschlossener mittelgrosser Druckerei im 'Gewerbegebiet Südwest' von Darmstadt. Das Wort 'liberal' bekommt hier eine besondere Bedeutung, insofern es in den 70er und 80er Jahren verdammt schwer war, überhaupt eine Druckerei zu finden, die bereit war, Publikationen mit homosexueller Thematik zu drucken (so etwas galt als Pornographie und 'Schweinkram').

Henry Ferlings Interesse an der Zeitschrift DON, an seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Günter Goebel, sein Kauf des Titels (Ende 1972) und dem Bemühen weitere Homo-Publikationen in den Markt zu bringen, bestand darin, seine Firma mit eigenen, regelmässig erscheinenden Druckobjekten von schwankenden Auftragslagen unabhängiger zu machen. Die eigenen Zeitschriften boten Sicherheit für eine gleichmässig ausgelastete Druckerei, zumal man Teile der eigenen Objekte in auftragsschwachen Zeiten z. B. vorab produzieren konnte.

Und obwohl Ferling selbst nicht die geringste Beziehung zum Thema Homosexualität hatte und weder Erfahrungen als Grafiker/Layouter, noch als Journalist oder Verleger besass, hat er ab DON 1/1973 - schwerpunktmässig bis zur Ausgabe 11/1975 - das Heft teilweise gestaltet, Fotos ausgesucht, Texte ausgesucht und redigiert, aber auch selber Vorworte und manch einen Text geschrieben. Selbst nach meinem Eintritt in die Redaktion ab Heft 12/1975 und meinen Bemühungen um Neuausrichtung, um qualifiziertere Autoren, Fotografen  und ein modernes Layout, mischte er gerne (still und leise) in fast allen Bereichen mit.

Um eine Zeitschrift wirtschaftlich betreiben und dem Leser zu einem vertretbaren Preis anbieten zu können, ist sie auf kommerzielle Anzeigen angewiesen. Darauf setzten auch die Herausgeber ihre Hoffnungen, der ab 1969 neu auf dem Markt erscheinenden schwulen Periodika. Allerdings hofften sie Jahrzehnte lang vergeblich auf Anzeigenkunden von Markenherstellern, Modefirmen, Dienstleistungsanbietern usw. Nahezu alle veröffentlichten Inserate stammten aus der Szene: von schwulen Bars, Saunen, Sex-Shops, Ferienhäusern, Versandgeschäften, Callboys oder später z.B. Telefonsexanbietern. Um Anzeigenpräsenz zu demonstrieren, wurden alle schwule Zeitschriften mit Eigenanzeigen gefüllt. Kurt-Joachim Foerster und Bruno Gmünder beispielsweise, setzten ihre Periodika exzessiv als Reklametrommeln für den Verkauf eigener Angebote (Druckwerke, Sex-Toys, Porno...) ein.

Keiner von beiden, weder Günter Goebel, noch Henry Ferling, hatten je ein verlegerisches Konzept für die Zeitschrift DON, geschweige denn für eine einzelne Ausgabe. Goebels Interesse für den Markt schwuler Publikationen, Kenntnisse über Konkurrenzsituation und Zielgruppe (bzw. mögliche Zielgruppen) waren gleich null - von den Erwartungen, Interessen und Bedürfnissen seiner Zielgruppe ganz zu schweigen. Ferlings Interesse wurde nur kurzfristig geweckt, wenn man ihn damit konfrontierte. Beide 'träumten' von 2-3 Millionen homosexuellen Männern im Land (BRD West) und waren überzeugt, dass ein gewisser Prozentsatz davon potentielle Käufer ihrer Blätter sein müssten.

So lange Henry Ferling über die Inhalte von DON selber entschied, wurde das Magazin "aus der Schublade heraus" gemacht. Das heisst: Was sich in vier Wochen an Texten und Bildern angesammelt hatte, wurde in die nächste zu produzierende Ausgabe gesteckt. Am augenscheinlichsten zeigt sich diese Ideen- und Konzeptlosigkeit in der 'Bebilderung'; besonders auf den oft regelrecht verkaufsabträglichen Titelseiten. Aber auch an der Vielzahl schwuler (und schwülstiger) Geschichten oder Nachdrucken aus Zeitschriften und Büchern. Je mehr schreibende Leser, Möchtegernschreiber und tatsächliche Autoren Manuskripte an den Verlag geschickt hatten, desto mehr von diesem Material wurde in das aktuell zu produzierende Heft hineingestopft. Da man - konzeptionslos - die Verkaufsauflage auch auf Dauer nie spürbar hochschrauben konnte, brachte man anstelledessen immer wieder neue, zusätzliche Homo-Titel auf den Markt - beispielsweise ADONIS und ADAM - die nicht nur mit ähnlichen schwulen Magazinen anderer Verlage konkurrierten, sondern zu allem Überfluss auch noch den eigenen Objekten Konkurrenz machten.

* In den vier Jahren von Januar 1976 bis Dezember 1979 hat Henry Ferling die Redaktion, Konzeption und Gestaltung von DON komplett mir (Jens M. A. Reimer) übertragen.

* In den drei Jahren 1980 bis Ende 1982 lag die Gesamtverantwortung bei Gerd Talis (= Gerhard Friede); jene Jahre, in denen die Verkaufsauflage bis an die Schmerzgrenze (unter 7.000 verkaufte Exemplare) abrutschte.

* Auf dringenden Wunsch Ferlings übernahm ich ab 1983 sukzessive erst wieder die Gestaltung und Bebilderung, letztendlich dann auch die Redaktion. Da ich im Impressum nicht mehr erscheinen wollte, wurde dort ein 'Redaktions-Team' genannt.

* Der Übergang zu Dorin Popa war fliessend, der 1984 die Redaktion der letzten DON-Ausgaben in der Ferling-Ära verantwortete.

Am 4. März 1984 feierte Henry Ferling seinen 71. Geburtstag. Die Übergabe der Druckerei an einen Nachfolger war geregelt. Anfang Februar 84 hatten er mit seiner Frau in Florida Urlaub gemacht und dort auch ihren künftigen Alterssitz organisiert. Nur für seine beiden Verlagsobjekte hatte er noch keinen Käufer gefunden. Das chaotische Ende wird in "Wie das DON-Magazin vom Ferling-Verlag zum Foerster-Verlag kam" kurz beschrieben.

Der obige "Abschiedstext" war einer der typisch ferlingschen Alleingänge. Dazu habe ich (Jens M. A. Reimer) ihm schriftlich mitgeteilt:

" ... Ich kenne Herrn Foerster nicht. Ich habe ihn auch nie kennengelernt. Und ich verspüre auch kein Verlangen, ihn kennenzulernen. D.h. Ich war nie ein Freund von Kurt-Joachim Foerster, und ich pflege mir meine Freunde selber auszusuchen ... " 

Bitterer Nachgeschmack

In einem Ferling-Brief (19.4.1984) an mich schreibt er u.a.: 

" ... wie sehr ich Ihr Können, Ihre Leistungen für DON und ADAM als von niemandem als von Ihnen allein erbringbar ansah und ansehe ... "

"... Herr Reimer, eine Tätigkeit in einem solchen engagierten Ausmaß zu solchen 'Honorarsätzen' kann man nicht einmal seinem besten Freund zumuten ... "

" ... ich Ihnen ausdrücklich bestätigen, mit welch bewundernswerter Akribie Sie Ihre Tätigkeit stets ausübten, wie Sie in bei unserem Verhältnis kaum nötig gewesener Sorgfalt Kosten aufgliederten, wie Sie mit über alles Mass hinaus im Verkehr mit Autoren den ramponiert gewesenen Ruf des Verlags korrekt und seriös wieder herstellten ... "

Billiges Wortgeklingel 

Henry Ferling hat immer korrekt meine (niedrig kalkulierten) Rechnungen bezahlt. Und anlässlich geschäftlicher Besprechungen durfte ich dreimal in seinem Haus übernachten. 

Das war's.

Nur was im jeweiligen Heft gedruckt stand, wurde auf Zentimeter, Heller und Pfennig abgerechnet. D.h. Henry Ferling hat NIE einen einzigen Pfennig für Redaktionskosten (Telefon, Porto, Schreibarbeiten ...), nie für redaktionell notwendige Reisen (u.a. zu ihm, zu Fotografen und Recherchen, Übergabe an Nachfolger Talis ... ), nie den immensen Zeitaufwand für Autoren und Fotografen (Suche, Korrespondenz, Abrechnungen, Belegversand ... ) bezahlt - - - geschweige denn auch nur nachgefragt, wie man denn trotz all dieser Ausgaben zurechtkomme.

Henry Ferling hat mir persönlich nie ein Geschenk, eine Flasche Wein, eine Sondergratifikation oder (was in der Branche vermutet und herumgetratscht wurde) eine kostenlose Anzeige für unseren Top-Versand ......... zukommen lassen.

Vielmehr hat Henry Ferling versucht, dem "treuen Freund" (Formulierung im Schreiben vom 19.4.84) die beiden Titel DON und ADAM zunächst für die originelle Fantasiesumme 160.000,- DM anzudrehen, über die er am 5.3.1984 an Dorin Popa schreibt: 

           „... niemand würde mir DON abkaufen, wenn er sieht, dass auch jetzt noch die monatlichen Erlöse nur die Druck-, Honorar- und Vertriebskosten decken ... nicht solche für den Büroapparat, eine normal bezahlte kaufmännische Kraft, geschweige denn vielleicht 500 Mark im Monat für den Verleger ... “

Henry Ferling hat sich von dem "treuen Freund" (der sich viel zu oft uneigennützig für seine beiden Verlagsobjekte engagierte, der ihn in vielen Dingen beriet, Ausarbeitungen für ihn machte, neue Redakteure, Autoren und Fotografen an Land zog, Verlagsanzeigen und -prospekte kostenlos für ihn gestaltete ... )

- - - weder verabschiedet 
- - - noch seine Florida-Adresse verraten 
- - - geschweige denn jemals ein Lebenszeichen aus den USA geschickt.

Samstag, 19. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 3). Dorin Popa übernimmt nun offiziell die Redaktionsleitung.


DON 3/1984 erscheint im März 1984.

Ab der Ausgabe 1/1972 übernahm der Druckereibesitzer Henry Ferling den Druckauftrag für das 'Homo-Magazin' DON.
Ab der Ausgabe 1/1973 übernahm er das monatlich erscheinende Objekt auch als Verleger.

Am 4. Februar 1984 feierte Ferling seinen
71. Geburtstag. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Nachfolgeregelung für seine Druckerei und sein Übersiedlung nach Florida (in den Ruhestand) bereits geregelt.

Ungeklärt war noch, wann er wem und zu welchen Bedingungen die beiden Magazine DON und ADAM übergeben würde. (In einem späteren Post dazu mehr.) Umso verwunderlicher war, dass er mich ab Anfang 1983 neue Autoren und einen neuen Redaktionsleiter für DON suchen liess, um dann - auf meinen Vorschlag - ab der Ausgabe 1/1984 - Dorin Popa die Redaktionsleitung zu übergeben und (erst) im Impressum des obigen März-Heftes Popas Herrschinger Adresse als neue Redaktionsanschrift zu verkünden.

Titelfoto und Rücktitel der Februar-Ausgabe: Gambera, Sizilien.


Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner, General Günter Kießling 
und der "schriststellernde Schauspieler" Alexander Ziegler


Diener im königlichen Buckingham-Palast, "in einer Kette der Perversionen hineingezogen".

"Die Amerikanerin Jaen Gochos wollte etwas über Ehen in Erfahrung bringen, in denen der Mann homosexuell ist. Sie gab entsprechende Anzeigen in Zeitungen auf und wurde mit >Tausenden von Briefen und Telefonaten< förmlich überschüttet .. "

"Pro Familia Duisburg e.V. beabsichtigt, einen Gesprächskreis für verheiratete homosexuelle Männer anzubieten... "

"Bundespräsident Rainer Barzel lehnte es ab, eine kleine Anfrage der grünen nach dem Sexualleben der Bundesregierung weiterzuleiten ... "
Richtig: Rainer Barzel war damals Präsident des Deutschen Bundestages

Mary & Gordy "... Der ehemalige Elektronikstudent Georg Preusse (Mary) und Ex-Koch Reiner Kohler (Gordy) machen mit prickelnden Liedern wie >Hello Dolly< ... nun auch playback konkurrenzlos Stimmung."


Homosexualität in der Bundeswehr. der Fall 'Kießling'.
"Die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung e.V. stellte uns folgende Presse-Erklärung zur Verfügung ... Wegen der anhaltenden Aktualität veröffentlichen wir die für den Vorstand der DGSS vom Vorsitzenden, Prof. Dr. Ernest Bornemann und Michael Lindner (Hauptmann a.D:) unterzeichnete Erklärung ..."


"Der Berliner Fotograf Rolf Fischer hat über einen längeren Zeitraum hinweg schwule Paare und Singles mit seiner Kamera zuhasue besucht. Die dabei entstandenen Aufnahmen versuchen den Blick auf das private Normale und das private Spezifische ... "

Wie (prominente) Schwule wohnen ... ein Thema, das später in anderen Schwulenmagazinen - u.a. in männer aktuell - gerne 'nachgearbeitet' wurde.




Aufnahmen des Fotografen (der Gay Community in San Francisco) Robert Pruzan, 1946 (Seattle) bis 1992 (San Francisco), der mit 46 Jahren an AIDS starb.

Dienstag, 20. März 2012

DON - The German Gay Magazine 1973 (Heft 1 bis 4)


DON 1/73 erscheint im Januar 1973. Untertitel "Magazin für Freunde".

Herausgeber ist ab jetzt HF-Druck, 61 Darmstadt, Kleyerstrasse. HF-Druck, bis zur Ausgabe 1/1974 noch genant zurückhaltend, steht für die Druckerei des Henry Ferling, der das Magazin nun bis 1984 verlegen wird.

Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


Inhalt, Druck- und Fotoqualität auf bescheidenstem Niveau: Von den insgesamt 52 Seiten des Magazins sind 34 Seiten (nahezu ausschliesslich) ganzseitige Fotos = 65 % des Heftes. Hinzu kommen 3 Seiten Kontaktanzeigen und 6 (sechs!) Geschichten. Sowohl für die Fotos ...


... als auch für die Geschichten (zumeist geschrieben von Lesern) werden lächerliche Honorare gezahlt. Es ist das Jahr, in dem 'Der Spiegel' u.a. DON als "homosexuelle Gartenlaube" bezeichnet.


Die Geschichten werden überwiegend auf ausschliesslich textgefüllten Doppelseiten zusammengepresst.


Die Druckqualität, insbesonders der Schwarz-Weiss-Fotos, ist überwiegend kümmerlich. Hier ein Doppelseitenbeispiel für Aufnahmen, in denen nahezu sämtliche Grau(zwischen)töne fehlen.


"DON besuchte die neue Sudfass Sauna ... Wir fanden in gepflegtem Rahmen unter guten Freunden Atmosphäre und Spannung ... "

Dem Inhaber der Sudfass Sauna in Pulheim bei Köln - "eine wahre Stätte der Erholung und Entspannung" - gehörte zuvor die Sudfass Sauna in Frankfurt/Main (siehe DON 6/1972).


DON 2/73 erscheint im Februar 1973. Untertitel "Magazin für Freunde".
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


"Über 600 Gäste umjubelten bei der Jahres-Club-Veranstaltung des 'Club Amsterdam' in Frankfurt ... Zarah Leander ... Genau 12 Minuten dauerten die Ovationen am Schluss und immer wieder ertönte der Ruf 'Zarah, Zarah' ... Fast ein Drittel der Gäste kam im Fummel ... Manches Kostüm war erst am Vortage aus Paris, Berlin oder Wien eingeflogen worden ... Viele Blumensträusse gab es für Zarah Leander, die ob des dankbaren Publikums ganz gerührt war ..."

Der verzückte Autor dieser Leander-Lobhudelei war Guy Gilbert (= Günter Goebel)

Dass Sara Stina Hedberg ihren Karrierehöhepunkt zwischen 1936 bis Ende 1942 in Deutschland (die grösste Diva des 3. Reich) in vollen Zügen genoss - als die Nazis u.a. alle jüdischen Künstler aus Deutschland vertrieben hatten,  Juden zu Hunderttausenden verfolgt, interniert und ermordet wurden und Homosexuelle im KZ landeten - hat die selbst nach Kriegsende weiter (von der Adenauer-Regierung) unterdrückten schwulen Fans herzlich wenig interessiert.


Im krassen Gegensatz zu den überwiegend seichten, rührseligen Geschichten stehen die Sach-Beiträge u.a. von Johannes Werres und die seitenweis ausgetragenen Kontroversen um die darin vertretenen Ansichten, hier von einem Rüdiger Funiok S.J. (?) ... die der auf Nacktbilder fixierte DON-Käufer wahrscheinlich schnell überblätterte.


Immer öfter wagt man sich (auch) bei DON, Aufnahmen von männlichen Modellen mit mehr oder weniger starken "Schwellungen" zu drucken. Das war seinerzeit ein ziemlich gefährlicher Versuch die Verkaufsauflage zu steigern, da alle Homo-Publikationen von offiziellen und selbsternannten Sittenwächtern argwöhnisch kontrolliert wurden, und manch eine Ausgabe nicht selten schon wegen eines minimalen genitalen Erregungsgrades zensiert und mit Verkaufsverbot belegt wurde (Pornographie... jugendgefährdend...)


Erfreuliche Vielfalt? In diesen Jahren beschäftigt sich der Autor Norbert Weissenhagen (= Johannes Werres) permanent mit der homosexuellen Szene, hier mit den 26 nach 1969 entstandenen 'homophilen deutschen Organisationen', dem IHWO ("den einen zu bürgerlich, den anderen zu rechts"), Hauptsitz Hamburg, dem s.d.h. = Schutzbund Deutscher Homophiler, Gründer Heinz Reber, Berlin u.a. 

Weissenhagen/Werres bedauert, dass sich die zahlreichen "Gruppen und Grüppchen ... noch nicht mit dem HSM in Verbindung gesetzt haben (wie die Arbeitsgemeinschaft der Bisexuellen, die DON ins Leben rief)". Am Artikelende wird nämlich der "Arbeitskreis für Bisexuelle und verheiratete Homosexuelle (i.Gr.)" von Rico (= Heinz Liehr, Lebenspartner von Johannes Werres). Anschrift dieses Arbeitskreises ist 6242 Kronberg, Mainblick 15, der Wohnsitz des Trios Werres/Liehr/Dr. Schlegel).


Da sich die mit Abstand meisten Leserbriefe in ermüdender Wiederholung mit den nackigen Fotomodellen (zu jung, zu alt, zu athletisch, zu dick... ) beschäftigten **, wurden selbst in meinen DON-Zeiten nicht wenige Leserzuschriften frei erfunden. Welche Briefe echt und welche von der Redaktion dazugedichtet wurden, ist im Nachhinein natürlich nicht mehr zu klären. Auffällig häufig stehen - in DON wie anderen Homo-Magazinen - Leserjubelbriefe wie

"... Ich lese alle Zeitschriften für uns - von denen ich DON den Vorzug gebe ... Ihr Farbfoto des Mannes mit Bart und Bierglas in den Händen und tätowierter Brust in der letzten Nummer war einfach toll..."

" ... schon lange bin ich Leser von him, du + ich und partner. Nahm neulich am Bahnhof Eure DON, weil keine andere da war. Wie dankbar bin ich, DON in die Hände bekommen zu haben! Kaum kann ich es erwarten ..." 

" ... ich freue mich, daß ich DON kennenlernte. Fotografisch und drucktechnisch hervorragend ... Die Mehrkosten wird jeder wohl gerne entrichten ..."

"... mit Abschluß von 12/72 will ich Euch gratulieren! Habe jede Ausgabe bewundert, Eure Kraft und Ehrlichkeit. Bei uns in Holland gibt es auch viele Hefte, aber alle sind fantasielos oder pervers ..."

** Eine Antwort der Redaktion (scheinbar von der Putzfrau formuliert?):
" ... Was die Modelle anlangt: jedes Bild, das wir bringen, ist ausgewählt aus 6-10 verschiedenen Aufnahmen. Und da nicht jeder an sich gut aussehende Typ fotografiert ebenso gut wirkt, müssen wir zwangsläufig hin und wieder schon einmal einen Jungen in einer anderen Szene bringen, wenn sich zeigt, dass unser Material für die Bildauswahl der nächsten Nummer nicht in vollem Umfang den Anforderungen entspricht, die ihr mit Recht stellt. Ehe wir ein technisch oder ästhetisch unzureichendes Foto in die Druckerei geben, tauschen wir es dann lieber, gegen eines das besser ist, auch wenn ihr den gleichen Jungen schon mal saht. Jedes Heft ist eine Auswahl des besten aus ca. 80-90 Fotos, von denen die Hälfte wir selber machen ... Du siehst, wir sind ganz ehrlich ..."


DON 3/73 erscheint im März 1973. Untertitel "Magazin für Freunde".
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


"Liebe Freunde! Mit nun 15 Ausgaben von DON international in unserem Verlag blicken wir nicht ganz ohne Befriedigung zurück. 780 Seiten wollten gestaltet sein: Bilder waren auszuwählen, Textbeiträge zu redigieren, ein ausgewogenes Gleichgewicht jedes Heftinhalts herzustellen hinsichtlich der Berücksichtigung möglichst vieler Interessen. Immer war unser Leitgedanke dabei, uns auf einer Linie zu bewegen, die uns ... nicht mit Porno-Zeitschriften vergleichen lässt ..."

In diesem Vorwort wird - indirekt - zugegeben, dass die Remittenden-Quote nach wie vor etwa um die 50% liegt:

" ... immer erst nach genau 90 Tagen feststeht, wie eine DON-Nummer wirklich bei Euch angekommen ist: Wenn die Rücklieferungen nicht verkaufter Exemplare alle beim Vertrieb zurückgelaufen sind! Die Traumgrenze, nur 30% der gelieferten Hefte nach 60-90 Tagen wiederzubekommen, ist noch nicht erreicht ..."



Der Erotic-Shop in der Kölner Norbertstrasse bietet hier neben neckischem und "apartem" Penisverhüllungsschmuck (ursprünglich wohl vor die Muschi gedacht) ein Homo-Hörspiel auf Langspielplatte, "die müde Gesellschaften in Schwung bringt", einen Herrenmaskuliner "mit besonders grossem Innendurchmesser", einen Vibrator mir Penisüberzug, ein Kunstglied "naturgetreu nachgebildet", Sexkapseln "für den Mann zur Erhaltung und Steigerung der sexuellen Leistungsbereitschaft" und 4 Trink-Ampullen "Sex-Tonikum für moderne Menschen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit".


Jedes Foto dieser Doppelseite musste für diesen Post einzeln bearbeitet werden, um sie hier überhaupt sichtbar zu machen, dermassen unterschiedlich war deren Aufnahme- und Druckqualität.

Die homojournalistische Sprache 1973 ist noch schwer verklemmt. Von Homosexuellen ist noch keine die Rede. Der Club Savoy, die "Sauna für den Herrn ... ist von Freunden für Freunde" geschaffen. Sie ist "Freizeitwert"  ... "ungefähr ein Drittel kommt wegen der Gesundheit. Die anderen kommen wegen des Luxus, dabei so mancher, der mehr Interesse an jungen männlichen Gästen hat, als an seiner Gesundheit". Die ausschliesslich jugendlichen, angeblichen "Gäste" wurden wohl eher (als Fotomodelle) zu Werbezwecken herangeschafft.




DON 4/73 erscheint im April 1973. Untertitel "Magazin für Freunde".
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


Hinweise auf TOM Zürich und seinen Inhaber Thomas Wetzel findest du bei  TOM men’s shop, Zürich, (der Link führt zu Details in DON 4/1978).
 

Linker Beitrag "Splendid isolation" oder warum in der Schweiz die Lesbierinnen für sich bleiben wollen ist von Jack Argo (= Johannes Werres), der sozusagen die 'homopolitische' Linie des Magazins DON in den Jahren alleine bestimmte, in denen Günter Goebel Herausgeber und/bzw. Redaktionsleiter war. Siehe DON 4/1972, vorletzter Text.


Die Les Humphries Singers waren eine Gesangsgruppe, die von dem damals in Hamburg lebenden Engländer Les Humphries (1940-2007) (Bild) im Jahr 1969 gegründet wurde. Von Manuel Thaler ("Jeder Sonnenstrahl ist ein Versprechen") und Lynsey de Paul ("Sugar Me") habe selbst ich noch nie etwas gehört.


Das Mittelseitenfoto, ein über zwei Farbseiten (die damals für viel Geld produziert wurden) aufgeblasener 'Rückenakt mit kopflosem Zweitmodell'.

Eine Filmkritik in der "Frankfurter Neue Presse" (damals konservatives Gegenstück zur links-liberalen "Frankfurter Rundschau") zu Rosa von Praunheims "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt"

Kommentiert wird das in DON (natürlich) von Johannes Werres, der den Film übrigens noch weit schärfer verrissen hat, als hier  "... Es liegt mir fern, den Film Rosa von Praunheims in der vorliegenden Form zu entschuldigen; in diesem Punkt gebe ich der Kritik A. völlig recht. Das fängt beim Namen "Rosa" an und hört beim Neomarxismus auf ...", um anschliessend die damals weit verbreitete Homosexuellen-Sicht des Rudolf Andersch 'auseinanderzupflücken', wobei er - Thema verfehlt - komplett in das Thema Bisexualität ausweicht.



Sonntag, 4. März 2012

1969. Neuanfang für schwule Magazine. Hintergründe, Internas, Privates.


Interessierte Blogbesucher haben sicherlich schon die vielfach kritische, oft sogar negative Kommentierung der Inhalte, Bebilderung und Gestaltung (mehr oder weniger verwundert/entrüstet) registriert. Dies geschieht jedoch nicht aus Bosheit, sondern hat Gründe, die einer Erläuterung bedürfen:

Über den bzw. die ersten Verleger des schwulen Magazins SUNNY / DON (1970 und 1971) habe ich früher nichts erfahren und konnte auch jetzt nichts in Erfahrung bringen. (Ich bin für jeden Hinweis dankbar.)

Tatsache ist, dass die beiden anderen schwulen Magazine heterosexuellen Verlegern gehörten:
DU & ICH (erstmals Oktober 1969) unter Gründungsherausgeber Egon-Manfred Strauss (Hannover) und him (erstmals April 1970) Helmut Rosenberg, Verleger der  St. Pauli Nachrichten (Hamburg).

Diese beiden Publikationen hatten von Beginn an schwule Chefredakteure: Udo Erlenhardt bei DU & ICH (Details bei DON Oktober 1970) und Hans Eppendorfer (dies war der allseits bekannte Künstlername von Hans-Peter Reichelt) bei him. Beide standen mit ihren echten Namen im jeweiligen Impressum.

Günter Goebel (†) kaufte den Titel DON Ende 1971

Ausführliches zu dieser Personalie bei
Die DON-Akteure (1)  Günter Goebel

Henry Ferling übernahm den Titel DON Ende 1973.

Ausführliches zur Personalie des Verlegers:
Die DON-Akteure (4) Henry Ferling



Mittwoch, 29. Februar 2012

DON - The German Gay Magazine 1972 (Heft 9 bis 12)


DON 9/72 erscheint im September 1972.

Man registriert den 5. Verlags = Herausgeber-Wechsel des Jahres 1972:

Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229 und - gleichbleibend - HF-Druck, D-61 Darmstadt, Kleyerstrasse, der für die Druckerei Henry Ferling steht. Deren Inhaber Henry Ferling ist möglicherweise schon jetzt an dem Objekt beteiligt; er wird es mit Ausgabe 1/1974 ganz übernehmen. Wobei - wie schon früher erwähnt - alle diese Kleinstfirmen - à la Bifipress AG - einen einzigen Inhaber hatten: Günter Goebel.

Gleichbleibend die Redaktionsleitung: Guy Gilbert = Günter Goebel und John Mytery möglicherweise Hans Möstl (?), Frankfurt/Main (Details bei DON 2/1972) und die Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229.

Titelfoto (natürlich von) TOM men's shop, Zürich (Details bei DON 7/1972).


Links: Da man eine "Reportagefahrt" machte und wegen der "Festtage" (welche Festtage bietet der August?) kann eine komplette Heftseite nur mit einem Riesen-Briefumschlag und einer (unbeantworteten) 17-zeiligen Leseranfrage bestückt werden. Zur Erinnerung: Das Magazin kostete damals "satte" 6,- DM

Rechts: Da es niemanden gibt, der sich in der Redaktion des Homo-Magazins mit dem Thema Homosexualität auskennt, muss erneut ein Artikel (Homosexualität besteht nicht) aus dem schwedischen Schwulenmagazin 'Revolt' herhalten. Nebenbei: in dilettantischer Übersetzung.


"Interessanten Neuigkeiten aus unseren Kreisen"

Sanremo: In Sanremo (Riviera) fand der '1. internationale Kongress für Sexualforschung' statt. GN ** berichtet anstelle von Inhalten und Themen, in prosaischer Ausführlichkeit über (linke) störende Demonstranten ("sonst erschöpften sich Argumente wie Vokabular in der Sterotypie ideologischer Phrasen")

Braunschweig: "Rund 250 Besucher nahmen ... an einer öffentlichen Veranstaltung teil, bei der der Film >Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern ... < von Rosa von Praunheim vorgeführt und diskutiert wurde ... " Wesentlich an der Veranstaltung scheint dem Verfasser die Erwähnung eines Leserbriefes an die Braunschweiger Zeitung " ... Der Briefschreiber war jedoch der Meinung, der Film sei seinerzeit zu Recht vom Fernsehen vom Programm abgesetzt worden ... "

Rotterdam: "Nach Den Haag hat nun auch Rotterdam ... einen besonderen Klub für homophile Jugendliche. Der Apollo-Klub geniesst ... das wachsende Vertrauen kommunaler und kirchlicher Instanzen ... "

Kopenhagen: "Die Organisation [Forbundet af '48] trägt ihren Namen nach dem Gründungsjahr 1948 ... Für das kleine Land dürfte die Zahl von 3.000 Mitgliedern beachtlich sein. Etwa 2.000 bis 2.5000 davon wohnen in der Hauptstadt, der Rest auf dem Lande und in anderen Städten. Es gibt ... Zweigklubs ... in Aarhus, Aalborg und Odense ... "

München: "Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie führt z.Z. eine Untersuchung an Homosexuellen durch, die die Ergebnisse einer amerikanischen Untersuchung des Testosteron-Spiegels im Blut untersuchen soll. Diese Untersuchung ... wollte nachweisen, dass Homosexuelle lediglich einen anderen Hormonspiegel hätten als Heterosexuelle ... "

Buchbesprechung "Vom Wesen und Wert der Freundschaft", Professor Ignace Lepp, Arena-Verlag Würzburg

Einen Etat für einen professionellen schwulen Nachrichtendienst hat es nie gegeben (weder bei DON, noch bei anderen schwulen Periodika). Wer immer für Aktualitäten zuständig war, sammelte Neuigkeiten, vornehmlich aus Hetero-Medien, aber auch aus Homo- und Schwulenpublikationen. Oder worauf ihn - bspw. DON-Leser - aufmerksam machten. Veröffentlicht wurde dann, was er - nach eigenem Geschmack, politischer Einstellung und eigenen Interessen - für berichtenswert hielt. Entweder wurden Nachrichten/Aktualitäten einfach abgeschrieben oder der ursprüngliche Text wurde neu formuliert oder der ursprüngliche Text wurde mit der eigenen Meinung bzw.r Kommentaren verwässert.

Diese Art der "Nachrichtenbeschaffung" betrieben u.a. die auf dieser Doppelseite permanent erwähnten GAY NEWS (z.T. auch ** GNG), ein sogenannter homosexueller Nachrichtendienst von Johannes Werres (= aus den Medien gesammelte schwule Themen).


Links: K. Ortloff (Der Hosenkauf) war ein laienhafter, aber bei den DON-Verlegern Goebel und Ferling besonders beliebter Vielschreiber von Homo-Story-Banalitäten. Als ich mich 1976 intensiver um DON zu kümmern begann konnte ich seine 'Werke' nur mit Mühe aus dem Heft verbannen.

Rechts (Bärte, Krieg und Sexualität): Die Würdigung sowie das Kurzinterview mit dem Verhaltensforscher Dr. Willhart S. Schlegel (Abb. links) stammen aus der Feder seines Freundes, Mitarbeiters und 'Propagandabeauftragten' Johannes Werres.

Dr. Schlegel, dessen Beiträge ich erst bei meiner späteren Redaktionsübernahme aus DON verbannen konnte, propagierte "...gegenüber Homosexualität und Päderastie Duldsamkeit ..." und beschäftigte sich schwerpunktmässig mit dem Zusammenhang von "Körperbautyp", Sexualität und speziell "homosexuellem Erleben". Die Zusammenhänge von "Körperbautypen", Kopfform und Rasse waren bekanntlich während der NS-Zeit eine "besonders beliebtes" Forschungsfeld.  Schlegel ist in Wikipedia nur mit seinen Büchern aufzufinden. Eine Vorstellung von Schlegels Gedankenwelt gibt ein Artikel, der am 3.4.1964 in DIE ZEIT erschien "Gesetz und Gesellschaft ächten sie" - und auch heute noch abrufbar ist.

Aus diesem Grund heisst es im DON-Eintrag bei Wikipedia " ... der nicht nur in Schwulenkreisen umstrittene Hamburger Arzt Dr. Willhart S. Schlegel ..."

Willhart Siegmar Schlegel, Pseudonyme Roger de Saint-Privat und Rolf, 1912-2001, Arzt, sexualkundlicher Autor, Dichter. (Spannender!) Auszug aus "Mann für Mann: biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum, Teil 1", LIT Verlag Münster:




DON 10/72 erscheint im Oktober 1972.

Herausgeber = Verlag bleibt nun bis Jahresende die Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229, und HF-Druck. Alles weitere wie DON 5/1972.


Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch? Typologische Rückschlüsse von seinem Verhalten auf seinen Typ - von Johannes Werres.

Ich zitiere (spasseshalber! von "Bibelforscher" Werres) den 10. und 11. Absatz:

" ... Aufgrund der Tatsache, dass Jesus die Qualen und Anstrengungen eines umfangreichen, Kraft und Blut kostenden Martyriums mindestens einen ganzen Tag lang hat ertragen können, ehe er starb, dass er kilometerweit ein schweres Kreuz (genauer: einen seiner beiden Balken) hat schleppen können, ohne schon vorher zu sterben, müssen wir annehmen, dass er eine starke Konstitution besass, d.h. in bezug auf den Stellenwert im Rahmen der zweiten von W. S. Schlegel entwickelten asthenisch-athletischen Variationsreihe gehörte er zweifellos dem Typ des Athleten, und nicht des Asthenikers an. Das bedeutete in sexueller Hinsicht aber auch, dass er triebstark war, also eine grosse Potenz besass ... "


Pit liebt harte Männer. Der feucht-schwüle Courths-Mahler-Erguss ist unterzeichnet mit dem Kürzel G.G., das üblicherweise für Günter Goebel steht.
"... Er atmete den herben Schweiss des muskulösen Mannes ein. 'Toll', stöhnte Peter und presste seine Lippen auf Rainers Mund. Der Mund des Boxers war leicht geöffnet. Die Zungen berührten sich. Der Graphiker liess jetzt seinen wilden Wünschen freien Lauf. Mit erregt zitternden Händen knöpfte Peter das Hemd des Boxers auf. Dicht gekräuselte Haare kamen zum Vorschein. 'Du bist schön', stöhnte Peter ... Peter merkte, wie sich der Körper des Freundes verkrampfte. Alle Muskeln verhärteten sich. Es war soweit ... "



DON war für Sie auf Rhodos ... könnte problemlos in der (natürlich heterosexuellen) 'Apothekenrundschau' erscheinen. 60% des Beitrages dürften aus einem Reiseführer o.ä. abgeschrieben worden sein.


DON 11/72 erscheint im November 1972.

Herausgeber, Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


DON will seinen Umfang um 4 Seiten und den Preis von 6,- DM um satte 33% auf 8,- DM erhöhen (der STERN kostet zu dieser Zeit 1,50 DM). Die Begründung, inkl. Selbstbeweihräucherung und Konkurrenzanrempeln (beides war/ist in schwulen Medien gang und gäbe) lautete (man beachte die journalistische Fabulierkunst des Autors):

"Endlich sind wir mal richtig zufrieden mit unserer Arbeit. Die letzte Ausgabe Nr. 10 war gut, wie wir jeden Tag gesagt und geschrieben bekommen, und auch das Novemberheft, das wir Euch heute vorlegen, muss sich nicht verstecken vor allem, was sonst noch auf dem Zeitschriftenmarkt ist ... Wir haben in der Redaktion einen stark gewachsenen Aufwand, die Druckerei will eine Erhöhung für Papier, und so weiter ... Dass wir uns von Ausgabe zu Ausgabe in Text- und Bildteil gesteigert haben (Anmerkung: man beachte das Qualitätsfoto der gegenüberliegenden Farbseite), werdet Ihr uns sicher zuerkennen, und dieser Qualitätsstand muss gehalten, wenn möglich noch erhöht werden, das würden wir Euch versprechen! ... wir Euch um weitere Treue und Freundschaft bitten, auch wenn DON mal eine Packung Zigaretten mehr kosten sollte ..."


Details zu Dr. Schlegel siehe DON 9/1972. Aus der Tatsache, dass in dem ohnehin textarmen Magazin (DON 8/1972 = 52 Seiten, davon 40 Seiten Fotos) die Bisexualität mit schöner Regelmässigkeit thematisiert wird - hier über fast 2 Seiten - könnte man den Schluss ziehen, dass der Verleger und Redaktionsleiter Günter Goebel neben Homosexuellen auch bisexuelle Männer als Leser gewinnen wollte.

Günter Goebel - wie schon früher angemerkt - war zwar bisexuell (zwei seiner Ehefrauen hatte ich kennengelernt), allerdings ein "ungeouteter" Bisexueller,  der seine Jungmännerbegleitungen grundsätzlich als "Neffen" vorstellte und mit homosexuellen Neigungen höchst ungerne in Verbindung gebracht werden wollte. Das allerdings war nicht der Grund für den bisexuellen Schwerpunkt im Heft.

Goebel selbst, der sich auch als Journalist und Redakteur bezeichnete, hatte zu homosexuellen Themen nicht die geringste Beziehung. Ausser zu Johannes Werres und dessen Freund hatte er auch kaum Verbindungen zu Homosexuellenkreisen, schon gar nicht zu Homosexuellen, die als qualifizierte Autoren für ein schwules Magazin in Frage kamen. Wobei man allerdings einräumen muss, dass  qualifizierte (schwule) Autoren, von Redakteuren ganz zu schweigen, zu jener Zeit vor einer Mitarbeit an einer Homo-Zeitschrift noch (weit) zurückschreckten. Daraus resultiert auch DONs damalige Konzeptionslosigkeit. Auf die Gründe für Goebels - und folgend Henry Ferlings - Engagement bei DON werde ich später noch ausführlich zu sprechen kommen.


Hier eine weitere Doppelseite als typisches Beispiel dafür, wie man Seiten "zu füllen" pflegte. Bei der linken Seite handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um eine bezahlte Anzeige vom 'Cabinet Erotica'.


Von 1969 bis 1974 gab es die sozial-liberale Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt. Interessant an der "Schutzaltersenkung" ist weniger deren Billigung durch CDU/CSU (es handelte sich keineswegs um ein homospezifisches Problem, vielmehr ging es um die längst fällige allgemeine Schutzaltersenkung), sondern der Verweis von CDU-Rollmann auf den "Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Reform des Strafrechtes" durch die sozial-liberale Bundesregierung: ... eine weitere Reform des § 175 ist nicht vorgesehen ...


DON 12/72 erscheint im Dezember 1972.

Herausgeber, Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.

Auf dem - ausnahmsweise - relativ attraktiven "Titelboy" wird die geistige Inhaltsarmut des Magazins herausgestellt: Spitzenbilder, Groß-Farbbild, Viel zu lesen. Und auf der Rückseite der Nummer 11/1972 wieder ein an Peinlichkeit schwer zu überbietendes Foto.


Bei dem Autor Richard Lang des Beitrags "Das Kind muss einen Namen haben" handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Pseudonym. Dieser Name, soweit ich recherchierte, taucht nur dieses eine Mal in DON auf. Ich tippe auf Johannes Werres (?), darauf deuten (die pastorale) Diktion und (die anti-linke) Tendenz des Artikels. Wohl handelt es sich um eine dezidierte Analyse der verschiedenen Bezeichnungen für Homosexuelle, andererseits ist dies geschickt mit einer Agitation gegen "ausgesprochen linksgerichtete Gruppen" verwoben. " ... Diejenigen, die sauber und anständig sein wollen, die Ethik und Niveau in ihr Leben bringen wollen, halten das Wort [schwul] für einen Schlag in das Gesicht jedweden ehrlichen Wollens und Bemühens ..."

Richtig ist, dass geschätzte 95% aller Homosexuellen das Wort schwul zu diesem Zeitpunkt heftig ablehnte. Auch ich hatte jahrelang grosse Probleme damit. Das rührte nicht zuletzt daher, dass die Wortschöpfer, und das waren tatsächlich linke Schwulengruppen, nicht die geringste Chance hatten, Sinn und Zweck ihrer Wortwahl zu erklären und zu verbreiten. Typisch dafür steht der o.g. Beitrag, in dem das Wort schwul zwar verdammt, aber jegliche Begründung seiner Geburtshelfer verschwiegen wird. In diesem Zusammenhang sei an den schwarzen US-Bürgerrechtler Stokely Carmichael erinnert, der 1966 den Begriff "Black Power" prägte und an den in Folge aufkommenden Begriff "Black Is Beautiful". Bis zu diesem Zeitpunkt galt "black" in den USA als Schimpfwort, während die Bürgerbewegung der Afroamerikaner das 'beleidigende Wort' mit Stolz und bewusst als Auszeichnung gegenüber den Weissen benutzte.



Über zweieinhalb Jahrzehnte lang bildeten Herz-Schmerz-Jammer-Leserbriefe, wie hier der erste von E. Sch., die mit Abstand größte Zahl von Zuschriften an die DON-Redaktion: Suche einen wirklich wahren und treuen Freund, Kinderheim, Schlosserlehre, Fluchtversuch aus der DDR, Einsamkeit, Gasvergiftung...

Auch der letzte Brief ist sehr typisch: "Lob zur Gestaltung! Ließ andere Zeitschriften ganz fallen. Politische Beiträge lese ich in jder Zeitung. Aber nun zur Kritik. Eure Modelle sollten nicht auf fast allen Bildern so sehr posieren! Und dann laßt Bilder weg, denen man schon von weitem die Tunte ansieht! Davon laufen schon genug in natura rum."


Rico ist das Pseudonym von Heinz Liehr (siehe Lebenspartner von Johannes Werres). Das Paar lebte seit 1968 im eleganten Kronberg im Taunus (bei Frankfurt/Main). Rico war ein emsiger Homogeschichtenschreiber.