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Mittwoch, 10. April 2013

DON - The German Gay Magazine 1978 (Hefte 9 + 10)


Die beiden Ausgaben erscheinen im September bzw. Oktober 1978. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


Satire über Schwule: Schöne schwule Welt. Text und Zeichnungen von DON-Autor Stefan Trossbach.



" ... Unsere Überlegung, zukünftig mehr DON-Seiten in Farbe zu drucken, liess einen Leser gar argwöhnen, dann werde DON wohl ein 'Fleischmarkt' ... mir ist schleierhaft, wie man aus meiner August-Frage, bei unserem gegenwärtigen Niveau (dem von vielen Seiten Beifall bezeugt wird, und für das sich die DON-Macher ernsthaft einsetzen), solche das Sexuelle betreffenden Schlussfolgerungen ableiten kann. Seit eh und jeh sind rund 50 Prozent einer DON-Ausgabe bebildert. Und diesen Prozentseatz werden wir auch beibehalten ... wir wollen, dass die schönsten Sachen der Welt - die Nackten und der Sex - in DON ihren Stellenwert haben und behalten ... reizvoll, appetitlich und ästhetisch ... Wir wünschen uns für die Zukunft, dass auch die letzten Anzeigentexte, die allzu eindeutig unter die Gürtellinie zielen, aus DON verschwinden. Denn in DON soll der Homosexuelle als Mensch im Vordergrund stehen. Und nicht das Geschlechtsteil ... Wenn jemand ausschliesslich auf Geschlechtsteile fixiert ist, bitte, dann inseriere er in den entsprechenden Heften. Wir möchten auf diese Texte gut und gerne verzichten ... Deshalb braucht unser Kontaktanzeigenteil keinesfalls wie ein Ehevermittlungs-Anzeigenblatt aussehen ... wir wollen in DON - soweit ein Magazin das vermag - den Kontakt von mensch zu Mensch fördern. Aber nicht die Vermittlung von Geschlechtsteilen ... "


linke Seite
" ... Diesmal geht es um den Gaumenkitzel, und unser Buchvorkoster würde sich freuen, wenn Sie daran Geschmack finden. Erinnern Sie sich? Der Buchkommentator hatte sich im August-DON die freche Bemerkung nicht verkneifen können, dass ihm die Bücherflut zum Theme Homosexualität langsam zum Halse heraushinge ... Hier jedoch werden wir Ihnen zeigen, dass es noch Bücher gibt, für die sich das Baumfällen lohnt. Zum Beispiel für die Köstlichkeiten aus dem Verlag Hölker ... 22 dieser Kochbuchtitel sind schon erschienen ... zu jedem Buch gibt es die passende Schürze. Das edle Papier ist witzigerweise mit Fettflecken bereits bedruckt ... Mittendrin stösst man auf ein Lorbeerblatt oder es kann passieren, hält man das Buch schräg, dass eine Prise Kümmelkrümel herausrieselt ..."

rechte Seite: Foto Jean-Daniel Cadinot.
Zwei saubere Homos aus Wrexen
wagten's abwexelnd in den Gewäxen
der dörflichen Gärten,
wobei sie erklärten:
"Im Bett tut das immer so klexen!"


Satire über Schwule, angelehnt an eine damalige Fernseh-Serie: Zeichnungen von DON-Autor Stefan Trossbach.

Moderator: Verehrte Damen und Herren, heute Abend begrüssen wir den Homosexuellen Baldemar Maria Piefke. Wir haben ihn eben aus einer städtischen Latrine abgeholt; er weiss also nicht, wo mit wir ihn überraschen ... und hier ist er ... Baldemar Maria Piefke (grosser Beifall braust auf) unser prominenter Homosexueller (Beifall will nicht enden) ...

Samstag, 9. Februar 2013

DON - The German Gay Magazine 1978 (Heft 4)


DON 4/78 erscheint im April 1978. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


Über schwule Kontaktanzeigen und den schwulen Fetisch ‘Jugend’
„ ... 32jähriger sicht Freund bis maximal 25 ... Das ist Homo-Realität. Wir sind auf Jugend fixiert. Jung... jünger... jünger gehts nicht mehr ... wenn Sie das mal ganz sachlich durchdenken, dann werden auch Sie zugeben müssen, dass diese Anzeigenwünsche ziemlicher Nonsense sind. Denn nach Adam Riese dürfte - wenn der Wunschmann immer jünger sein muss - kein Leser Kontakt zu einem anderen Leser finden ... Als Krönung dieser Methode glit das Wörtchen ‘maximal’. Da heisst es dann beispielsweise ‘über 23 zwecklos’ ... dann wundern sich die Inserenten, warum die Inserate ihren Zweck verfehlen ... viele als Bedingung gestellten Anzeigenwünsche sind die Quelle von Enttäuschung ... der Sinn solcher Anzeigen kann es doch nicht sein, dass unsere Setzer beschäftigt werden ... Die Anzeigen sollen helfen Kontakte zu knüpfen. Von Mensch zu Mensch ... „


Leuchtreklame: Das Kettchen mit dem Blinker um den Hals sagt Ihrem Gegenüber mit bis zu 10 Buchstaben was Sache ist. Für die sprachlose Atmosphäre in unseren Homobars eine wahrhaft leuchtende Idee.

Londoner Mütter bereiteten einer Organisation von Pädophilen, die sich dafür einsetzt, dass die Sexualität mit Kindern legalisiert wird, einen Empfang mit faulen Eieren, weichen Tomaten und Stinkbomben. Bereits zwei Wochen zuvor hatten die Pädophilen eine geplante Versammlung in einem Londoner Hotel absagen müssen, weil das Hotel-Personal in den Streik zu treten drohte.

Am 1. April 1978 existiert ‘Das andere Ufer’, Berlins erste unverkrampfte Homokneipe, ein Jahr. Am 27. April 1973 startete die DAH eine bundesweite Unterschriftensammlung zur totalen Abschaffung des § 175. Am 29. April 1972 formierten sich 300 Homosexuelle in Münster zur ersten Schwulendemo der Bundesrepublik Deutschland.

Spitze Slips. „Er stand im PLAYBOY - der TOM ... In der Züricher Preyergasse entsteht hautnahe Mode - im wahrsten Sinne des Wortes. Tom Wenzel, 43 [TOM men’s Shop, TOM Hosenschopf....], schneidert Herrenunterwäsche nach Mass. Ob Nerz, Goldnappa, Netz, Nylon oder Spitze, ob mit oder ohne Frontnaht, Reissverschluss, Sichtfenster oder - in zu kleinen Fällen - künstlicher Vergrösserung ... Seit Männer nicht nur auf Sakkos, Hosen und Socken achten, sondern sich auch für die eigene Unterwäsche interessieren, läuft sein Laden. Selbst bei Preisen zwischen 30 und 200 Mark pro Kreation ...“

Anmerkung: Thomas Wetzel, 1930-1985, Berliner in Zürich. Der Schlußsatz über Wetzels Leben von Ernst Ostertag lautet "... Tom führte ein äusserst aktives Nachtleben. Doch an allen Enden brennen, das ging nicht auf lange Zeit. Er verlor die Kontrolle und seine Kreativität. Er starb, völlig ausgebrannt, viel zu früh..."

Die erste TOM men's shop Anzeige erschien in DON 1972, der Beginn einer "wunderbaren Freundschaft" (und den Geschäftchen) des DON-Herausgebers Guy Gilbert = Günter Goebel mit TOM = Thomas Wetzel (das ist der richtige Name, entweder im Playboy falsch geschrieben oder von dort falsch übertragen), dem Berliner, der 1949 in die Schweiz kam und 1957 eine erste winzige Boutique in der Züricher Mühlebachstrasse 9 eröffnete. Der 2. Wetzel-Link führt zur Schweizer Schwulengeschichte, wo Wetzel häufiger erwähnt wird.

Hubert Prinz zu ..., Sohn von Ira Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg (offenbar bis heute -2014- unverheiratet...), lässt sich brustfrei fotografieren, als Illustration zu einem Interview seiner Fürstenmutter in Andy Warhols Zeitschrift ‘Interview’ ... während Peter Nocke, 22, Europas erfolgreichster Schwimmer, Bronze bei der Olympiade in Montreal, sich von Nazi-Verherrlichungs-Bildhauer Arno Breker poertraitieren lässt.


Ein offener Brief an Joachim S. Hohmann (der Link führt zu DON 3/1977) Chefredakteur des Homo-Magazins MANN:
„ ...In Ihrem Leitartikel zu MANN 2/1978 nehmen Sie (ausgerechnet) den DON-Appell zu mehr Gemeinsamkeit der engagierten Homosexuellen (‘Ende der Ohnmacht’ in DON 11/1977) zum Anlass, sich mit einer Art journalistischem Duckmäusertums auseinanderzusetzen. Sie zitieren folgende DON-Passage > ... Da gibt es eine grosse deutsche Homozeitschrift, deren Chefredakteur in Gefägnissen wegen homosexueller Delikte lange und schwer gelitten hat, und der daraus schlussfolgernd seit Jahren seine Tausende von Lesern in Selbstbemitleidung einlullt und ihnen immer wieder auftischt, wie bedauernswert und unterdrückt sie doch seien ...< und stellen dieser Aussage eine Reihe von Diskriminierungsfällen ... gegenüber. Diese Gegenüberstellung veranlasst Sie zu dem Schluss, dass viele (gemeint ist natürlich DON) vor der bitteren Repressions-Realität ins unbesorgt-muntere Unterhaltsame flüchten ... dass unsere Redaktion die bitteren Tatsachen verschleiert und ihren Lesern ein Homoparadies auf Erden vorgaukelt ... “



DON-Verleger  Henry Ferling macht einen Test: Bei einem ihm bekannten Zeitschriftenkiosk/Tabakwarenhändler, in einer Haupstrasse Darmstadts, darf er 10 aktuelle DON-Hefte zwischen Capital, Brigitte und Stern plazieren. 

„ ... Noch nach 5 Wochen lagen die 10 DONs fein säuberlich an der gleichen Stelle, an der man sie einsortiert hatte. Im Gegensatz dazu gehen die DONs in der Buchhandlung von Darmstadts Hauptbahnhof weg wie warme Semmeln. Im gleichen Zeitraum .... hatte der Bahnhofsbuchhändler seine Bezugsauflage zum wiederholten Mal erhöht. Das gleiche Phänomen beobachten wir und die anderen Verleger von Homo-Zeitschriften in allen Teilen des Bundesgebietes. Denn gut 2/3 aller DONs werden in Bahnhöfen, Hauptbahnhöfen und Spezialläden verkauft ... Schreiben Sie uns doch bitte einmal, was Sie eigentlich daran hindert, eine Homozeitschrift im nächsten besten Zeitschriftenladen zu verlangen. Wo ist denn da der Hemmschuh? Dass die anderen Kunden in dem Laden mit dem Finger auf Sie zeigen und sagen >igittigittigitt< ...“


 Modell-Adressen: „ ... Obwohl wir ausdrücklich in jedem DON darauf hinweisen (siehe Impressum), dass wir grundsätzlich keine Adressen von Modellen in DON vermitteln, stapeln sich die ‘Adressenwünsche’ in unserer Redaktion ... „

Kleider-Pakete: Wir empfehlen DON-Lesern, die sich immer modisch aktuell kleiden, ihre noch perfekten, aber ‘unmodischen’ Klamotten nach Bethel, jener 1872 von Bodelschwingh gegründeten Anstalt für Epileptiker, zu schicken.

Erinnerung daran, sich für ein Paten-Kind in der Dritten Welt zu engagieren: „DON-Redakteur Jens hat Nachwuchs bekommen! Ein Junge! Er heisst Kruparao Pathakoti, ist 12 Jahre alt und lebt in Süd-Indien ... Sie erinnern sich unseres vorweihnachtlichen Vorschlages >Ihr Patenkind in Afrika<? ... „


 Der Nibbel, satirisches Gedicht von DON-Autor Stefan Troßbach

Sex-Report. Freunde tauschen. Ein schwules Phänomen: Auch viele eng befreundete/liierte Schwule leben keineswegs monogam, sondern betreiben permanenten Partnerwechsel. Die sexuellen Spielarten sind variationsreich. Der häufigste Fall (in einer stabilen Partnerschaft) ist, dass das Freundespaar gemeinsam ausgeht/loszieht, um gemeinsam einen Dritten als Sexpartner abzuschleppen (siehe auch Kontaktanzeigen). Lebt ein älterer Schwuler mit einem jungen Mann in einer festen Beziehung, kommt es nicht selten vor, dass der Jüngere loszieht (losgeschickt wird) um einen attraktiven Knaben als Dritten (und Vierten) in das Bett des älteren Partners zu locken („ ... Freundespaar, vitaler 48er und Zwanziger, echtes Vater-Sohn-Verhältnis, sucht einen hübschen Bengel, maximal 20, der mit uns ein Spiel treibt ...“)

Sonntag, 3. Juni 2012

DON - The German Gay Magazine 1974 (Heft 9 bis 12)


DON 9/74 erscheint im September 1974.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972

Die auf der Titelseite annoncierten "brandneuen Wunschanzeigen" (Kontaktgesuche) bringen es In diesem Heft, wie im ganzen Jahrgang, (komprimiert) auf 2 bis höchstens 3 volle DON-Seiten.


" ... Boys und Männer von 17 bis 70 sieht man hier und keiner von ihnen bleibt lange allein. Denn das wäre ja eine Beleidigung für Italiens Männerwelt. Verlässt ein Tourist sein Hotel und hält er womöglich noch einen Reiseführer in der Hand, so kommt das einem Startschuss für die vielen glutäugigen Jünglinge in der unmittelbaren Umgebung gleich. Sie werden auf Sie zukommen und sofort ein Gespräch beginnen, auch dann, wenn Sie keine Figur wie Bernd Clüver oder Michael Schanze haben. Italienische Männer haben eine sehr empfindsame Seele und werden immer zärtlich sein. Sie versprechen Ihnen alles ... "

Der Beitrag vermittelt zwar keine Fakten, wohl aber schwule Wunschträume. Der junge homosexuelle Italiener des Jahres 1974 ist immer noch extrem (katholisch) verklemmt. Vor glutäugigen römischen Jünglingen, die spontan auf Touristen zukommen, wenn sie das Hotel verlassen, sollte man sich - auch heute noch - eher in Acht nehmen!


Autor Norbert Weissenhagen = Johannes Werres über sinkende Nachwuchszahlen in "Westdeutschland", Verdammung von Homosexualität, weil sie Fortpflanzung ausschliesst und Spekulationen über " ... Homosexualität ist sogar in einigen Fällen ein natürliches Ventil oder Regulativ, wenn Überbevölkerung eine zu grosse Dichte erzeugt, das biologische Gleichgewicht gestört ist und unerträgliche Aggressionen auftreten ... "



Wohl meine erste in DON veröffentlichte Story - Michael Albert = Jens M. A. Reimer. Das Pseudonym habe ich bis Ende 1975 verwendet. In der DON-Ausgabe 12/1975 erschien erstmals mein richtiger Name im Impressum.





DON 10/74 erscheint im Oktober 1974.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972


Der Autor dieses Vorworts, Rolf v. Lindenau (Pseudonym), ist der Verleger Henry Ferling persönlich. Ferling schrieb öfter Vorworte, die meist mit "Ihre DON-Redaktion" abschlossen.

Es geht um eine Justiz-Posse: Auf einige Seiten eines Bonner Telefonbuchs wurde "Aktionsgruppe Homosexualität", plus eine Telefonnummer, gestempelt. Die Bundespost erstattete Strafanzeige wegen "gemeinschädlicher Sachbeschädigung", ein Straftatbestand den das StGB übrigens nicht kennt. Daraufhin setzte die Bonner Staatsanwaltschaft die gesamte Justizmaschinerie in Gang. Und weil der Inhaber der Rufnummer die 'Tat' verneinte, folgten Einvernehmungen, Observierung seines Wohnhauses, Befragungen von Vermieterin und Nachbarn. Dann wurden die Namen und Adressen aller Gruppenmitglieder verlangt und nach Weigerung - aus Gewissensgründen - zwecks Erzwingung der Aussage, eine Beugestrafe verhängt usw. usw.

Fazit "... Unter dem 22.7.1974 hat der uns allen als verständnisvoller Mitgestalter bei der Reform des neuen Sexualstrafrechts bekannte SPD-MdB Frhr. Ostmann v.d. Leye einen langen Brief an den nordrhein-westfälischen Justizminister Dr. Posser geschrieben ..."

Im PS. des Vorwortes heisst es: "Das Material zu unserem Bericht verdanken wir Herrn RA Dr. Dr. Westerwelle, Bonn." Wie vorher schon einmal erwähnt, war Ferling FDP-Mitglied. Guido Westerwelle war zu diesem Zeitpunkt 12 1/2 Jahre alt. Bei dem RA Dr. Dr. handelte es sich also um Guidos Vater.


Johannes Werres, hier als Herausgeber von 'Gay News', schreibt an den Bundesinnenminister Prof. Dr. Maihofer (FDP). Aufhänger ist der Mord an einem älteren Schwulen.


Autor Michael Albert = Jens M. A. Reimer. Nach meiner ersten Geschichte, siehe DON 9/1974, bat mich Verleger Ferling permanent um neue Stories.



DON 11/74 erscheint im November 1974.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Text- und Bildredaktion Guy Gilbert (= Günther Goebel) und John Mytery  (= Hans Möstl ?) c/o Bifipress AG, Vaduz/Lichtenstein (Goebel wechselt mal wieder seinen Standort)


Ausführlicheres über den Autor Thomas Wagner, einen katholischen Theologen, steht bei DON 5/1974.


Der Diktion nach vermute ich, war der Autor dieses Darmstädter Homolokal-Portraits (gelegen im Zentrum) DON-Verleger Henry Ferling selbst. Der liebenswürdige Familienvater besass Haus und Druckerei in einem Darmstädter Industriegebiet (nahe dem Hauptbahnhof).


Malerische Weihnachts-Geschenk-Idee, siehe hierzu "Michelangelo Ölportraits" bei DON 7/1974.


DON 12/74 erscheint im Dezember 1974.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Text- und Bildredaktion Guy Gilbert und John Mytery c/o Bifipress AG, Vaduz/Lichtenstein, siehe DON 11/1974


Diese DON-Ausgabe enthält sage und schreibe 8 Geschichten unterschiedlicher Längen.


"Haben auch Sie etwas gegen diese Prophetenbärte, wie sie die Urenkel Karl Marx' heut wieder tragen, in der Hand den marxistischen Katechismus, auf den Lippen das imperative Mandat - diese Jünglinge, die so finster autoritär aussehen wie ihre Grossväter? Finden Sie einen solchen Sauerkrautbart ästhetisch? ... "

Dieser kurze Text über eine Abneigung gegen 'unästhetische Marxistenbärte', verdeutlicht, wie die Homo-Publikation DON in den Jahren 1972 bis Ende 1974 von einer politischen Einäugigkeit - bis hinein in den unterhaltenden Teil - geradezu durchdrungen ist. Folgerichtig stammt dieser Bart-Beitrag auch nicht von einem Sebastian, sondern von dem in diesem Blog immer wieder kritisch erwähnten, den gesamten DON-Inhalt dominierenden Autor Johannes Werres.


Etwa ab dieser Ausgabe beginnt der Verleger/Drucker Henry Ferling, Teile des Inhalts auf farbigem, ungestrichenem Papier (weich und voluminös) zu drucken, das für den Bilderdruck völlig ungeeignet ist. Ob das bewusst gemacht wurde oder um Papierreste aufzubrauchen, ist mir nicht bekannt.

Freitag, 3. Februar 2012

DON - The German Gay Magazine 1971 (Hefte 1 bis 3/4)


DON 1/71 erscheint im Januar 1971 - weiter im Kölner Ilion-Verlag GmbH - Chefredakteur bleibt Gerhard R. August.

Die Titelbilder der Jahrgänge 1970 und 71 sind professionell und zielgruppenadäquat ausgesucht, bzw. (folgend) grafisch interessant gestaltet. Bemerkenswert ist das deshalb, weil ab 1972 die Titelbildqualität und damit das äussere Erscheinungsbild des Magazins extrem abfällt.


Noch erscheinen keine Aktfotos. Die Bildkommentare sind verschämt zweideutig formuliert.


Ob Namens- und vor allen Dingen die Berufsangabe des Autors - Studienrat Dr. Ernst Lange - echt sind, scheint mir im Jahre Eins nach der ersten halbherzigen Reform des §175 ziemlich fragwürdig - ist jedoch nicht mehr zu klären.  

"Jahrhundertelang tobte der erbitterte Kampf des Christentums gegen den Eros" ** beginnt die kritische Auseinandersetzung, endet dann jedoch in pastoralem Salbadern: "Die Erotik muss wieder Teil der menschlichen Ganzheitsstruktur werden, transponiert in religiöse Kategorien, in der Erlösung und Schöpfung mit einander in Einklang stehen, eimündend in das elementare Sein: Die Liebe."

** Anmerkung: tatsächlich tobte - und tobt immer noch - das Christentum gegen jegliche Form menschlicher Sexualität


Auch die aus Heft 12/70 fortgesetzte schwule Comic-Story "Donnie & Mike" (Aufstieg und Fall des Knaben Donnie) traut sich noch keine Frontalnacktheit zu. Nur die verstärkt skizzierten Hosenbeulen signalisieren, worum es tatsächlich geht.


"Homophil gleich geisteskrank?" ist der erste engagiert kritische Beitrag in DON zum Thema Homosexualität. Bei den (kommentarlosen) Aufnahmen zu "Gay Liberation" handelt es sich um Szenen von Schwulen-Demonstrationen in den USA (vgl. DON 5/70)


DON 2/71 erscheint im Februar 1971 - Ilion-Verlag GmbH, Köln - Chefredakteur Gerhard R. August.


Erste Versandhändleranzeigen, die Nackedeibilder und -heftchen anbieten (Apollo Versand, Hamburg, Solo Versand, Berlin). In allen Homo-Publikationen der 70er bis 90er Jahre zählen solche Versender zu den wichtigsten Anzeigenkunden.


Beate Uhse (1919-2001) hatte bereits 1951 mit vier Angestellten das „Versandhaus Beate Uhse“ gegründet, das Kondome und Bücher zum Thema „Ehehygiene“ anbot. Der Prospektausschnitt des Jahres 1971 (inkl. "Herren-Vibrator") deutet an, dass sich die Uhse beizeiten auch für das schwule Käuferpotential interessierte. Für die ersten (seinerzeit heiss begehrten) Männer-Aktbildbände "Nackter Apoll" und "Söhne der Sonne" standen ihre Söhne Klaus und Ulrich sowie Stiefsohn Dirk Rotermund Modell.

Mit speziellen Katalogseiten und speziellen Abteilen in den Sex-Shops versuchte Beate Uhse immer wieder auch Homosexuelle als Kunden zu gewinnen, was jedoch nie wirklich funktionierte, während ihr Stiefsohn Dirk Rotermund mit seiner Sex-Firma Orion 1998 den schwulen Top-Versand (Karlsfeld b. München) übernahm, der jedoch bereits 2005 geschlossen und 2007 liquidiert wurde.


"...in den drei Tagen können Sie sich alles erlauben ... Karneval war und ist das Knutsch- und Bumsfestival des moralischen Abendlandes ... die 'normalsten' Männer laufen im Fummel herum und niemals sonst siehtr man so viel süsse Knaben, deren nackte Beine aus superkurzen Miniröckchen hervorgucken ... Übrigens, wenn Sie auf Ausländer stehen, fahren Sie am besten zum Meenzer Karneval..."

Die Leser der ersten DON-Jahrgänge werden grundsätzlich mit 'Sie' angesprochen.


Noch immer kein Frontalakt. Dafür den durch und durch heterosexuellen 'Lederkerl' Mario Adorf in seiner Rolle als 'Dandy' in der Komödie "Die Herren mit der weissen Weste".


DON 3-4/71 erscheint im April 1971. Es ist die letzte Ausgabe der Ilion-Verlag GmbH, Köln, unter Chefredakteur Gerhard R. August. Bis zum Wiedererscheinen im Januar 1972 vergehen 8 Monate.


"Seriöser älterer Herr sucht netten Freund bis 23 Jahre... Wer möchte verwöhnt werden und braucht finanzielle Hilfe für die Berufsausbildung (Studium)? D 344"

DON entdeckt die schwulen Kontaktanzeigen, anfangs noch kostenlos, die zu diesem Zeitpunkt längst schon in einigen heterosexuellen Publikationen - z.B. St. Pauli Nachrichten (seit 1968) - gang und gäbe waren.


"Kein Geheimdienst kann auf sie verzichten, und keiner tut es. Sie sind klug wie die Schlangen, geborene Schauspieler, Intriganten par excellence, gefeit gegen weibliche Reize, voller List und Tücke, misstrauisch und feindlich gegen ihre normale Umwelt, besser organisiert als die Freimaurer und Schlüsselfiguren in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst!" So charakterisierte Ostdeutschlands Spionagechef General Markus Wolf die Homosexuellen..."

Dieser dummdreisten  Anhäufung von Homo-Klischees folgt dann eine Story über Kim Philby, der 30 Jahre lang zugleich als britischer Geheimagent und sowjetischer Spion agierte - allerdings nicht im geringsten schwul war.


Dieser Beitrag nimmt die 1972 in München stattfindenden Olympischen Sommerspiele auf die schwule Schippe. Es ist das erste Mal in DON, dass ein bedeutendes heterosexuelles Ereignis schwul-ironisch persifliert wird.


Diese Doppelseite ist vermutlich einer jener Versuche, Anzeigenfülle zu demonstrieren, um Firmen u.ä. zum Inserieren zu animieren:

Der DON-Verlag versucht sich mit einem schwulen Reisedienst und sucht Foto-Modelle ("wenn sie gut aussehen, jung, männlich und sexy sind"), eine "Interessenvereinigung Deutscher Homophiler" ("nur gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen") sucht Mitglieder, "Hermes" und "Agentur-Köpke" aus Berlin sowie der "euro-club-saarbrücken" vermitteln Schwulenkontakte, und "Mike Iversen" aus Dänemark bietet u.a. die "Fotoserie Lehrer mit 2 Schülern, 11 und 12 Jahre" für damals satte 20 DM.


Gedichte (linke Seite) erscheinen in jeder DON-Ausgabe.

Den ersten neun - grafisch liebevoll gestalteten - Ausgaben mangelt es nahezu ganz an Aktualität und hilfreichen Informationen für Schwule. Anstelledessen werden drei Themen (nach bzw. aus entsprechenden Büchern) über mehrere Ausgaben breit ausgewalzt: Die Geschichte der erotischen Kunst, Probleme der Pubertät und - mit Schwerpunkt auf Heterosexualität - "So trieb man's damals".

Zwischen Mai und Dezember 1971 erscheint keine DON-Ausgabe mehr. Unbekannt ist, ob der Kölner Ilion-Verlag das Objekt (gewinnbringend) veräusserte oder pleite machte.