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Freitag, 11. Juli 2014

Gerd Talis, richtig: Gerhard Friede, DON-Akteur


Hinter dem Pseudonym Gerd Talis verbarg er vor der gesamten schwulen Branche - permanent und konsequent - seine Identität. Tatsächlich heisst/hiess (?) der Journalist, Verleger und Sex-Shop-Betreiber in der Heidelberger Dreikönigstrasse 2, Tel. 06221 - 13704: Gerhard Friede, geboren am 19. Februar 1934.



In DON 1/1980 stellt sich ein Gerd Talis (Foto DON 9/1982) als der neue 'Magazin-Macher' vor:

"  ... Vor zehn  Jahren arbeitete ich als Südeuropa-Korrespondent für Presse und Rundfunk in Spanien, als ich u.a. von dem mir bis dahin unbekannten 'Nachseptember-Magazin' [= DU & ICH] um einen Bericht über 'Warme Orte an Europas Südküste' gebeten wurde. Bei nächster Gelegenheit schaute ich mir die Redaktion davon in Deutschland an - um bald darauf mit dem gesamten Team nach Köln überzusiedeln; wir bereiteten von dort aus die Fortführung eines Magazins vor, das den Namen 'Sonny' trug. 'Sonny' aber ist der Vorgänger Ihres DON ... Mir persönlich ging es damals jedoch um etwas anderes: Die Homosexuellen in Deutschland sollten durch ein Nachrichtenblatt regelmässig über emanzipatorische Vorgänge in aller Welt unterrichtet, dadurch den sogenannten Heterosexuellen gleichzeitig die Furcht vor der (eigenen) Homosexualität genommen werden: 1972 entstand das Monatsblatt 'gay journal' ... Womit wir beim Programm wären. Wir möchten DON zu einem wirklichen Forum der Homosexuellen machen ... Tausend Dinge bewegen uns, mit denen keiner alleine fertig wird. Artikulieren wir uns also, kommen wir zum Gespräch! Im DON. Wir brauchen diese 'Arbeit an uns' ... Ihr Gerd Talis"

In dieser Vorstellung gibt Gerd Talis kaum Privates oder Berufliches von sich preis. Und bis heute weiss ich über ihn nur, dass er u.a. in Karlsruhe einen Sex-Shop betrieb. Oft las ich sein zwar ungemein laienhaft produziertes gay journal, in dem ich jedoch seine 'Schreibe' ebenso gut fand, wie seine Gedanken, die Ausgewogenheit seiner Argumente und sein schwules Engagement. Aus diesen Gründen empfahl ich ihn Henry Ferling als meinen Nachfolger. Bereits Anfang 1979 hatte ich dem DON-Verleger gesagt, dass ich (Jens M. A. Reimer) die DON-Redaktion spätestens zum Jahresende abgeben müsse, da mir meine zahllosen 'Jobs' über den Kopf wuchsen.

Am 10. Oktober 1979 transportierte ich persönlich die kompletten Redaktionsunterlagen zu einem gewissen Gerd Talis nach Heidelberg. Ich erinnere mich nur, dass das Treffen kurz, knapp, kühl und erstaunlich unpersönlich war.

Die (einzige deutsche) schwule Zeitung gay journal erschien monatlich zwischen Februar 1972 und September 1987, also auch in jenen drei Jahren, in denen Gerd Talis das DON von A bis Z machte; d.h. Redaktion, Beiträge, Umbruch, Bildauswahl, Autoren- und Fotografen-Kontakte usw.

Abb. oben die Null-Nummer - unten letzte die Ausgabe, hier steht "12. Jahrgang", obwohl inzwischen 16 Jahre vergangen sind.

Interessant ist das Impressum, denn die Zeitung erschien im pan publications Lothar Gassel Verlag und Vertrieb, später nur Pan Verlag. Redaktion: Gerd Talis, Lothar Gassel (???), Georg Rotheisen (= Pseudonym von Erich Lifka - Link zu DON 5/1980), Nathan Schalom (???), Urs Kent (= wahrscheinlich Johannes Werres). Agenturen: GP (gaypress) [= Gerd Talis] und GNG (Gay News Germany) [= Johannes Werres]. Letzterer war auch regelmässig mit persönlich signierten Kommentaren, Leserbriefen u.a. im Blatt vertreten.


Es gibt Stimmen, die vermuten, Gerd Talis und Lothar Gassel seien damals ein und dieselbe "Person" gewesen (???).

Auch unter der Heidelberger Talis-Adresse Dreikönigstrasse 2 gab es einen "Gay Shop", der regelmässig im gay journal Anzeigen schaltete.

Welche Weltbedeutung Talis seiner kleinen Zeitung beimass, zeigt sich in dieser immer wieder im Blatt erschienenen halbseitigen Anzeige, wo er sich nicht genierte, das gay journal mit seinerzeit führenden Schwulenzeitungen - wie Advocate - zu vergleichen.

Der sog. Gerd Talis begann seine DON-Tätigkeit mit der Januar-Ausgabe 1980. Schon im zweiten Halbjahr 1980 begann die Verkaufsauflage spürbar abzubröckeln. In den Folgejahren rutschte sie kontinuierlich weiter ab. Beginnend im Jahr 1981 entwickelte sich zwischen dem Verleger Ferling und dem Blattmacher Talis ein heftiger Briefwechselstreit über haufenweis Probleme (ich besitze davon alle Kopien, da ich mit Ferling engen Kontakt pflegte).

Der sog. Talis war ein hervorragender Journalist, aber vom Blattmachen hatte er null Ahnung. Vor allen Dingen verschwendete er nicht den geringsten Gedanken an die Erwartungen, Bedürfnisse und Interessen der Leser/Kunden/Käufer. Sein o.g. 'Programm': "...Wir möchten DON zu einem wirklichen Forum der Homosexuellen machen ..." interessierte die Schwulen herzlich wenig.

Im dritten Talis-Jahr, nachdem die Verkaufsauflage um 40% auf knapp 7.000 Exemplare abgesackt war, zog Verleger Henry Ferling endlich die Reissleine. Es war eine bittere Trennung.

Abb. Im Juli 1980 bei der Veranstaltung "Parteien auf dem Prüfstand" in der Bonner Beethovenhalle. Von links: Hans-Peter Reichelt (him applaus), Wolfgang Selitsch (der eigentlich Fotograf war, hier Chefredakteur DU & ICH) und der sog. Gerd Talis (DON und gay journal)

Gerd Talis war einer von mehreren Mitautoren in dem von Joachim S. Hohmann herausgegebenen Buch "Pädophile heute", erschienen 1980 im Foerster Verlag.

Auch hat Gerd Talis "Homo-Literatur" geschrieben: "Heisser Sommer" (siehe Personalie am Anfang dieses Blogs) erschien 1976 im (eigenen???) Pan-Verlag und gehört offenbar zu einer Buchreihe "Homo-book-hit No. 4"

Im Verzeichnis von "Deutsche National Bibliothek" findet sich sein Name als Übersetzer bei  dem Sex-Roman "Heisser Saft für feurige Lenden", von Wade Graham, Star-Verlag 1972, in der Reihe "Jet-Sex, Nr. 2"

Mittwoch, 9. Juli 2014

Jens M. A. Reimer, DON-Akteur



Jens M.A. Reimer, 15.10.1943, Forst/Lausitz (Foto 1976)

Berliner Jahre 1944 bis 1967:

Mittlere Reife, 3 Jahre Schriftsetzerlehre im Ullstein-Haus, 2 Jahre Volontariat im Cornelsen Verlag (Herstellung, Kalkulation, Buchgestaltung, Schulbuch-
redaktion), 6 Semester Studium Werbewirtschaft und Marketing an der Akademie für Graphik, Druck und Werbung, Abschluss staatl. gepr. Werbewirt.

Münchener Jahre 1967 bis 1996:

1967-1971 Etatdirektor und Kreativer in den Werbeagenturen "creativ-gruppe-pressag ag" (1967 - 69) und "Busskamp & Koch GmbH & Co." (1969 - 71)



Ab Ende 1971 bis 1990 selbständiger Kreativer, Ideengeber und Entwickler für Werbekonzeptionen, Texter und PR-Berater, u.a. in den Bereichen Maschinenbau, Unterhaltungselektronik, Damenmode & Herrenmode, Sportartikel, Süsswaren und Lebensmittel, Schreib- und Zeichentechnik, Einzelhandel ...

1976 bis 1996 Top-Versand, Gründung,
Mitinhaber (50%) und Geschäftsführer der
TOP MAN Brendel & Reimer GmbH,
erst Unterpfaffenhofen, dann München, dann Karlsfeld bei München.

   Marke TOP MAN

   Tätigkeitsbereiche: Produktsortiment, Kollektionsgestaltung, Produkt- und Stoff-Einkauf, Fashiondesign, die komplette Anzeigen- und Katalogwerbung, Katalogfotografie ... 

Abbildung: Top-Versand-Werbung im
STERN 1/1992, ganze Seite 109


Ab 1972 Autor, zunächst unter den Pseudonymen Michael Albert und Gerry Gregor, später auch Layout/Gestaltung/Grafik, für DON und ADAM

1976-1979 und der Jahrgang 1983 Chefredakteur, Autor und Gesamtgestaltung von DON für den Ferling Verlag, Darmstadt, des  Henry Ferling

1978-1984 zunächst Autor und Teile der Gestaltung/Layout ... ab 1980 Chefredakteur, Autor und Gesamtgestaltung von ADAM für den Ferling Verlag, Darmstadt, des  Henry Ferling

1976-1980 Entwicklung, Redaktion und Gesamtgestaltung der schwulen Magazine HOM OH! und boy oh! boy, beide für die Bild + Druck GmbH, Frankfurt/Main, des Günter Goebel


1985-1990 Verlag BodyArt GmbH, München. Gründung, Mitinhaber (50%) und Geschäftsführer. Herausgabe von Aktbildbänden und Magazinen *, komplett in Eigenarbeit, in grossen Teilen auch selber fotografiert.

* Konzeption, Reaktion und Gesamtgestaltung des schwulen Fotomagazins BODY
 
* Konzeption, Reaktion und Gesamtgestaltung des schwulen Magazins PLAYGAY

Alle in diesem Post genannten Titel siehe auch Wikipedia: Liste von Magazinen für homosexuelle Männer



1996 Rückkehr nach Berlin:


1996 bis 2009 Reimer Publishing, Konzeption, Redaktion, Autor und Gesamtgestaltung des schwulen satirisch-politisch-pornographischen Magazins BUDDY

Von 2009 bis Ende 2016 erschien es weiter in der TSM Media GmbH, Köln.

Fundorte u.a.

gay-history.blogspot.com die Geschichte des deutschen Homo-Magazins DON, 1970-1984

history-gay.blogspot.com die Geschichte des deutschen Homo-Magazins ADAM, 1972-1984

Donnerstag, 3. Juli 2014

Henry Ferling, DON-Verleger


Henry Ferling, * 4.3.1913 - ?, Druckereibesitzer in Darmstadt, verheiratet mit Herma Ferling, eine Tochter, engagiertes FDP-Mitglied, Verleger der beiden schwulen Magazine DON (ab Heft 1/1973 bis Heft 7+8/1984) und ADAM (ab Heft 15/1977 bis 50/1984) (beide 1984 verkauft an Kurt-Joachim Foerster), siedelte 1984 auf seinen Altersruhesitz in Miami Beach, Florida.

Ich gehe davon aus, dass DON, spätestens mit der Ausgabe 1/1972, bereits in der Darmstädter Druckerei des Henry Ferling hergestellt wurde. Im Mai 1972 taucht der HF-Druck (die Druckerei des Henry Ferling) als Mitherausgeber im Impressum auf.

Henry Ferling, ein im besten Sinne liberaler, immer ausgleichender, ungemein sympathischer Druckermeister, war Besitzer eines kleinen Hauses mit angeschlossener mittelgrosser Druckerei im 'Gewerbegebiet Südwest' von Darmstadt. Das Wort 'liberal' bekommt hier eine besondere Bedeutung, insofern es in den 70er und 80er Jahren verdammt schwer war, überhaupt eine Druckerei zu finden, die bereit war, Publikationen mit homosexueller Thematik zu drucken (so etwas galt als Pornographie und 'Schweinkram').

Henry Ferlings Interesse an der Zeitschrift DON, an seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Günter Goebel, sein Kauf des Titels (Ende 1972) und dem Bemühen weitere Homo-Publikationen in den Markt zu bringen, bestand darin, seine Firma mit eigenen, regelmässig erscheinenden Druckobjekten von schwankenden Auftragslagen unabhängiger zu machen. Die eigenen Zeitschriften boten Sicherheit für eine gleichmässig ausgelastete Druckerei, zumal man Teile der eigenen Objekte in auftragsschwachen Zeiten z. B. vorab produzieren konnte.

Und obwohl Ferling selbst nicht die geringste Beziehung zum Thema Homosexualität hatte und weder Erfahrungen als Grafiker/Layouter, noch als Journalist oder Verleger besass, hat er ab DON 1/1973 - schwerpunktmässig bis zur Ausgabe 11/1975 - das Heft teilweise gestaltet, Fotos ausgesucht, Texte ausgesucht und redigiert, aber auch selber Vorworte und manch einen Text geschrieben. Selbst nach meinem Eintritt in die Redaktion ab Heft 12/1975 und meinen Bemühungen um Neuausrichtung, um qualifiziertere Autoren, Fotografen  und ein modernes Layout, mischte er gerne (still und leise) in fast allen Bereichen mit.

Um eine Zeitschrift wirtschaftlich betreiben und dem Leser zu einem vertretbaren Preis anbieten zu können, ist sie auf kommerzielle Anzeigen angewiesen. Darauf setzten auch die Herausgeber ihre Hoffnungen, der ab 1969 neu auf dem Markt erscheinenden schwulen Periodika. Allerdings hofften sie Jahrzehnte lang vergeblich auf Anzeigenkunden von Markenherstellern, Modefirmen, Dienstleistungsanbietern usw. Nahezu alle veröffentlichten Inserate stammten aus der Szene: von schwulen Bars, Saunen, Sex-Shops, Ferienhäusern, Versandgeschäften, Callboys oder später z.B. Telefonsexanbietern. Um Anzeigenpräsenz zu demonstrieren, wurden alle schwule Zeitschriften mit Eigenanzeigen gefüllt. Kurt-Joachim Foerster und Bruno Gmünder beispielsweise, setzten ihre Periodika exzessiv als Reklametrommeln für den Verkauf eigener Angebote (Druckwerke, Sex-Toys, Porno...) ein.

Keiner von beiden, weder Günter Goebel, noch Henry Ferling, hatten je ein verlegerisches Konzept für die Zeitschrift DON, geschweige denn für eine einzelne Ausgabe. Goebels Interesse für den Markt schwuler Publikationen, Kenntnisse über Konkurrenzsituation und Zielgruppe (bzw. mögliche Zielgruppen) waren gleich null - von den Erwartungen, Interessen und Bedürfnissen seiner Zielgruppe ganz zu schweigen. Ferlings Interesse wurde nur kurzfristig geweckt, wenn man ihn damit konfrontierte. Beide 'träumten' von 2-3 Millionen homosexuellen Männern im Land (BRD West) und waren überzeugt, dass ein gewisser Prozentsatz davon potentielle Käufer ihrer Blätter sein müssten.

So lange Henry Ferling über die Inhalte von DON selber entschied, wurde das Magazin "aus der Schublade heraus" gemacht. Das heisst: Was sich in vier Wochen an Texten und Bildern angesammelt hatte, wurde in die nächste zu produzierende Ausgabe gesteckt. Am augenscheinlichsten zeigt sich diese Ideen- und Konzeptlosigkeit in der 'Bebilderung'; besonders auf den oft regelrecht verkaufsabträglichen Titelseiten. Aber auch an der Vielzahl schwuler (und schwülstiger) Geschichten oder Nachdrucken aus Zeitschriften und Büchern. Je mehr schreibende Leser, Möchtegernschreiber und tatsächliche Autoren Manuskripte an den Verlag geschickt hatten, desto mehr von diesem Material wurde in das aktuell zu produzierende Heft hineingestopft. Da man - konzeptionslos - die Verkaufsauflage auch auf Dauer nie spürbar hochschrauben konnte, brachte man anstelledessen immer wieder neue, zusätzliche Homo-Titel auf den Markt - beispielsweise ADONIS und ADAM - die nicht nur mit ähnlichen schwulen Magazinen anderer Verlage konkurrierten, sondern zu allem Überfluss auch noch den eigenen Objekten Konkurrenz machten.

* In den vier Jahren von Januar 1976 bis Dezember 1979 hat Henry Ferling die Redaktion, Konzeption und Gestaltung von DON komplett mir (Jens M. A. Reimer) übertragen.

* In den drei Jahren 1980 bis Ende 1982 lag die Gesamtverantwortung bei Gerd Talis (= Gerhard Friede); jene Jahre, in denen die Verkaufsauflage bis an die Schmerzgrenze (unter 7.000 verkaufte Exemplare) abrutschte.

* Auf dringenden Wunsch Ferlings übernahm ich ab 1983 sukzessive erst wieder die Gestaltung und Bebilderung, letztendlich dann auch die Redaktion. Da ich im Impressum nicht mehr erscheinen wollte, wurde dort ein 'Redaktions-Team' genannt.

* Der Übergang zu Dorin Popa war fliessend, der 1984 die Redaktion der letzten DON-Ausgaben in der Ferling-Ära verantwortete.

Am 4. März 1984 feierte Henry Ferling seinen 71. Geburtstag. Die Übergabe der Druckerei an einen Nachfolger war geregelt. Anfang Februar 84 hatten er mit seiner Frau in Florida Urlaub gemacht und dort auch ihren künftigen Alterssitz organisiert. Nur für seine beiden Verlagsobjekte hatte er noch keinen Käufer gefunden. Das chaotische Ende wird in "Wie das DON-Magazin vom Ferling-Verlag zum Foerster-Verlag kam" kurz beschrieben.

Der obige "Abschiedstext" war einer der typisch ferlingschen Alleingänge. Dazu habe ich (Jens M. A. Reimer) ihm schriftlich mitgeteilt:

" ... Ich kenne Herrn Foerster nicht. Ich habe ihn auch nie kennengelernt. Und ich verspüre auch kein Verlangen, ihn kennenzulernen. D.h. Ich war nie ein Freund von Kurt-Joachim Foerster, und ich pflege mir meine Freunde selber auszusuchen ... " 

Bitterer Nachgeschmack

In einem Ferling-Brief (19.4.1984) an mich schreibt er u.a.: 

" ... wie sehr ich Ihr Können, Ihre Leistungen für DON und ADAM als von niemandem als von Ihnen allein erbringbar ansah und ansehe ... "

"... Herr Reimer, eine Tätigkeit in einem solchen engagierten Ausmaß zu solchen 'Honorarsätzen' kann man nicht einmal seinem besten Freund zumuten ... "

" ... ich Ihnen ausdrücklich bestätigen, mit welch bewundernswerter Akribie Sie Ihre Tätigkeit stets ausübten, wie Sie in bei unserem Verhältnis kaum nötig gewesener Sorgfalt Kosten aufgliederten, wie Sie mit über alles Mass hinaus im Verkehr mit Autoren den ramponiert gewesenen Ruf des Verlags korrekt und seriös wieder herstellten ... "

Billiges Wortgeklingel 

Henry Ferling hat immer korrekt meine (niedrig kalkulierten) Rechnungen bezahlt. Und anlässlich geschäftlicher Besprechungen durfte ich dreimal in seinem Haus übernachten. 

Das war's.

Nur was im jeweiligen Heft gedruckt stand, wurde auf Zentimeter, Heller und Pfennig abgerechnet. D.h. Henry Ferling hat NIE einen einzigen Pfennig für Redaktionskosten (Telefon, Porto, Schreibarbeiten ...), nie für redaktionell notwendige Reisen (u.a. zu ihm, zu Fotografen und Recherchen, Übergabe an Nachfolger Talis ... ), nie den immensen Zeitaufwand für Autoren und Fotografen (Suche, Korrespondenz, Abrechnungen, Belegversand ... ) bezahlt - - - geschweige denn auch nur nachgefragt, wie man denn trotz all dieser Ausgaben zurechtkomme.

Henry Ferling hat mir persönlich nie ein Geschenk, eine Flasche Wein, eine Sondergratifikation oder (was in der Branche vermutet und herumgetratscht wurde) eine kostenlose Anzeige für unseren Top-Versand ......... zukommen lassen.

Vielmehr hat Henry Ferling versucht, dem "treuen Freund" (Formulierung im Schreiben vom 19.4.84) die beiden Titel DON und ADAM zunächst für die originelle Fantasiesumme 160.000,- DM anzudrehen, über die er am 5.3.1984 an Dorin Popa schreibt: 

           „... niemand würde mir DON abkaufen, wenn er sieht, dass auch jetzt noch die monatlichen Erlöse nur die Druck-, Honorar- und Vertriebskosten decken ... nicht solche für den Büroapparat, eine normal bezahlte kaufmännische Kraft, geschweige denn vielleicht 500 Mark im Monat für den Verleger ... “

Henry Ferling hat sich von dem "treuen Freund" (der sich viel zu oft uneigennützig für seine beiden Verlagsobjekte engagierte, der ihn in vielen Dingen beriet, Ausarbeitungen für ihn machte, neue Redakteure, Autoren und Fotografen an Land zog, Verlagsanzeigen und -prospekte kostenlos für ihn gestaltete ... )

- - - weder verabschiedet 
- - - noch seine Florida-Adresse verraten 
- - - geschweige denn jemals ein Lebenszeichen aus den USA geschickt.

Dienstag, 24. Juni 2014

Günter Goebel alias Guy Gilbert alias Georges Günter, DON-Akteur

 
Günter Goebel, Jahrgang 1931, ist nach eigener Aussage in Darmstadt aufgewachsen. [Witzigerweise verläuft vor dem Darmstädter Hauptbahnhof eine Goebelstrasse.] Als ich ihn kennenlernte, erzählte er, er sei früher Ralleys gefahren. Je nach Bedarf bezeichnete er sich als .... Journalist, Sportreporter, (Chef)Redakteur, Werbemann, Public Relations Experte, Geschäftsmann, Verleger, Fotograf, Repräsentant für Fotografen und Filmproduzent ...... Eine besondere Qualifikation habe ich ihm für keinen dieser Berufe zugestanden. Seine 'Schreibe' war indiskutabel; von Werbung hatte er keine Ahnung. Seine ausserordentlichen Fähigkeiten lagen auf dem Gebiet des quirligen, überall mitmischenden Geschäftsmannes. Seine Fähigkeit, Arbeit zu delegieren (anderen zuzuschieben), war genial. Über das, was er in jungen Jahren tatsächlich gelernt und gearbeitet hatte, hat er mir gegenüber nie gesprochen.

Günter Goebel lernte ich (Jens M. A. Reimer) 1967 kennen. Von Oktober 1967 bis März 1969 war ich mit Unterbrechungen in seiner Werbeagentur Pressag AG angestellt - in der Münchner Thierschstr. 23. Unter anderem gründete ich für ihn die creativ-gruppe-pressag.

Nach dieser Zeit als Pressag-Angestellter - ab 1970 - übertrug er mir (diskret) Nebenjobs: Zunächst sollte ich heterosexuelle Pornomagazine betexten [da war er sich immer noch nicht über meine sexuelle Ausrichtung sicher], später schrieb ich auch Erzählungen für homosexuelle Magazine.

Dadurch kam ich in Kontakt u.a. mit DON und mit dem Darmstädter Druckereibesitzer Henry Ferling, woraus sich zunächst eine sporadische Mitarbeit und später die Redaktionsübernahme von DON und ADAM entwickelte.

Bis etwa 1980 erhielt ich regelmässig Aufträge von Goebel; u.a. entwickelte ich für ihn zwei schwule Pornomagazine: 1976 HOM OH! und 1978 BOY OH! BOY. Ende 1980 trennten sich unsere Wege.

Günter Goebel fuhr lange Zeit - parallel - zwei Vorzeige-Nobelkarossen, einen Mercedes-Benz und einen Jaguar mit Züricher Kennzeichen (!). Siehe Abbildung in diesem schöngefärbten Artikel über Guy Gilbert der DON-Ausgabe 5/1976, Seite 32.

Erst Ende der 90er Jahre erfuhr ich, dass er gestorben sei. (Wann???)

Günter Goebel war bisexuell, hat sich dazu aber nie 'bekannt'. Ich wusste von zwei Ehen; d.h. zwei seiner Ehefrauen habe ich persönlich kennengelernt. Seine schwule Neigung, d.h. sein Interesse für junge Männer, galt als Tabu. Seine sporadischen Jungmännerbegleiter pflegte er anderen Menschen als 'Neffen' vorzustellen. In DON und allen anderen schwulen Objekten, die er in den Folgejahren herausgegeben hat, trat er (wenn überhaupt) nie mit seinem richtigen Namen auf.

Den Titel des homosexuellen Magazins DON kaufte/übernahm Günter Goebel Ende 1971. Die von ihm als Herausgeber verantwortete erste Ausgabe erschien im Januar 1972 in der Pressag AG, Vaduz, Lichtenstein.

Das war eine jener vielfältigen Mini-Firmen, die ausschliesslich ihm gehörten (dazu später mehr). Die letzte von ihm verantwortete DON-Ausgabe erschien im Dezember 1972. Als Redakteur stand sein Pseudonym Guy Gilbert allerdings noch bis Heft 12/1976 im Impressum, wie auch sein Kürzel GG (das er grundsätzlich als Unterschrift verwendete) unter einigen Beiträgen. In seinen Jahren bei/mit dem schwulen Magazin ADAM lautete sein Pseudonym Georges Günter.

Zwischenbemerkung: Nach der ersten Reform des § 175 StGB im September 1969 hat sich kein Homosexueller getraut - weder bekennender, noch ungeouteter - eine Zeitschrift für Homosexuelle zu gründen, zu finanzieren und zu verlegen. Ob DU & ICH, him oder DON, alle wesentlichen, ab 1969 erstmals auftauchenden Homo-Magazine wurden von (mehr oder weniger) heterosexuellen Geschäftsleuten finanziert und herausgegeben. Diese Leute glaubten, einen neuen, und wie sie vermuteten lukrativen Markt, erschliessen zu können ... die aber auch - das muss anerkennend erwähnt werden - den Mut hatten, sich über die damals noch extreme gesellschaftlich-moralische Ächtung der Homosexuellen und eine in der Gesellschaft extrem verbreitete homophobe Stimmung hinwegzusetzen.

Günter Goebel jonglierte etwa zwei Jahrzehnte lang mit einem Netz von Minifirmen, die alle von ihm gegründet und unter seiner ausschliesslichen Regie agierten: Unter anderem der Apollon Verlag in Vlissingen/Niederlande, die Pressag AG in Vaduz/Fürstentum Liechtenstein, die Pressag GmbH in München, die Bifipress AG in Frankfurt/Main, die Druck- und Verlags AG in München usw. Ein wesentlicher Zweck dieses Firmen'netzes', verstreut über mehrere Länder, war das Manövrieren mit Steuern. Längere Zeit war Straßburg/Frankreich sein Hauptwohnsitz; auch Sitz mancher seiner "Firmenniederlassungen". Anfang der 80er Jahre wurde er in München wg. Steuerhinterziehung angeklagt und es kam zum Prozess, bei dem er seinen langjährigen, eckart-treuen Münchner Buchhalter Fred H. als Erfinder dieses Firmenspinnennetzes und Alleinverantwortlichen denunzierte. Das berichtete der mir, als ich schon keinen Kontakt mehr zu Günter Goebel hatte.

Extrem ausgeprägt war das pekuniäre Interesse des Geschäftsmannes Goebel, der versuchte mit allen und allem Geschäfte zu machen. So begann er etwa Mitte der 70er Jahre als Erster deutsche schwule Porno-Filme im Format Super-8 zu produzieren. Abgesehen vom Sex mit jungen Männern interessierten ihn weder das Thema Homosexualität, noch die Probleme von Homosexuellen; von homosexueller Emanzipation ganz zu schweigen. Wenn er - z.B. in DON 4/1972 - sogar persönlich mit Bild auftaucht (dort aber namentlich nicht genannt wird, auch nicht mit einem seiner Pseudonyme), dann deshalb, weil er sich darin sonnte, als  'Verleger' und 'Chefredakteur' zu agieren und angesprochen zu werden.

Ich erwähne all dies keineswegs, um den Mann schlecht zu machen, sondern weil nur so die Inhalte und die Qualität der zahlreichen von ihm herausgegebenen Homo-Publikationen nachvollziehbar und verständlich werden. Schliesslich habe ich jahrelang freiberuflich für ihn und mit ihm gearbeitet. Dabei konnte ich mich immer auf ihn - besonders in finanziellen Dingen - und er sich auf mich verlassen.

Zu seinen Funktionen als Verleger und Chefredakteur muss man allerdings wissen, dass es sich bei DON, ADAM und einer Reihe weiterer schwuler Bildermagazine ausschliesslich um auflagenschwache Zeitschriften gehandelt hat. DON überschritt in den Jahren 1970 bis 1984 niemals die Marke von 12.000 verkauften Exemplaren; ausgenommen einige Sonderhefte, die im Verlag des Henry Ferling erschienen. In der Redaktionszeit von Gerd Talis ist die verkaufte DON-Auflage sogar auf unter 7.000 Exemplare abgestürzt. Allerdings musste grundsätzlich - mindestens! - die doppelte Auflage gedruckt werden, denn die Zeitschriftenvertriebe verlangten die volle Bestückung im gesamten Netz des Handels. Das heisst, 40 bis 50% Remittenden (Hefte, die der Handel als unverkauft zurückgibt) waren die Regel (vergleiche Vorwort zu DON 3/73). Im Bahnhhofsbuchhandel, wo der schwule Käufer als anonyme Person auftrat, verkauften sich homosexuelle Publikationen sehr viel besser, als im Zeitungsladen oder im Kiosk um die Ecke.


Günter Goebel (rechts) mit vermutlich einem 'Neffen' (links) und Michael Holm (Mitte), Sekretär des schwedischen Reichsverband für sexuelle Gleichberechtigung und Chefredakteur der Schwulenzeitschrift REVOLT, bei einem Treffen in Schweden. In dem DON-Artikel der Ausgabe 4/1972, Seite 4, wird ausschliesslich der Name Michael Holm genannt.
Günter Goebel hatte nur mässige Beziehungen zur schwulen Szene, folglich auch nur minimale Kontakte zu homosexuellen Autoren, Fotografen, Grafikern usw. Ausserdem war er höchst ungerne bereit, für Texte, Fotos, Zeichnungen und Gestaltung überhaupt etwas zu zahlen. Unter seiner Ägide druckte man bevorzugt die von Lesern eingeschickten Geschicht(ch)en (die Leser schätzten sich glücklich, wenn ihre Elaborate gedruckt wurden), übernahm Artikel aus anderen Zeitungen und Zeitschriften, Magazinen oder Büchern, und er war froh, dass er in dem schwulen Journalisten Johannes Werres einen regelmässigen Lieferanten für bi- und homosexuelle Artikel und Meinungen, Kritiken und 'News' hatte.

Bilder, Fotos und Illustrationen wurden (auch vom späteren Verleger Henry Ferling) ohne besondere Ansprüche an das Material zu stellen, gerne 'pfundweise' zu Schnäppchenpreisen eingekauft, egal wie oft und wo diese Abbildungen bereits veröffentlich worden waren. Viele Fotos tauchten, über die Jahrgänge verteilt, immer wieder in den Publikationen von Goebel und Ferling auf. Gerne wurde auch kostenloses Firmenmaterial (siehe TOM men’s shop, Zürich, der Link führt zu Details über Thomas Wetzel in DON 4/1978) verwendet, was mit entspr. Reklame-Artikeln "honoriert" wurde.


DON Vorwort Ausgabe 6/1975
Das Layout der Hefte wurde viele Jahre lang u.a. von den Setzern der Druckerei des Henry Ferling - Pardon! - zusammengeschustert. Fehlten die Anreisserzeilen auf der Titelseite oder das Vorwort auf Seite 3, ergänzte sie der Druckereiinhaber noch schnell persönlich. Solange Günter Goebel für die Inhalte von DON und ADAM zuständig war, waren 90% der in diesen Heften auftauchenden Namen von Redakteuren und Autoren frei erfunden.


PS. Die Aufnahme von Günter Goebel, am Anfang dieses Posts, habe ich im Oktober 1968 (da war er 37 Jahre alt) in den Räumen der Werbeagentur Pressag AG in der Münchner Thierschstrasse von ihm gemacht.

Samstag, 19. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 3). Dorin Popa übernimmt nun offiziell die Redaktionsleitung.


DON 3/1984 erscheint im März 1984.

Ab der Ausgabe 1/1972 übernahm der Druckereibesitzer Henry Ferling den Druckauftrag für das 'Homo-Magazin' DON.
Ab der Ausgabe 1/1973 übernahm er das monatlich erscheinende Objekt auch als Verleger.

Am 4. Februar 1984 feierte Ferling seinen
71. Geburtstag. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Nachfolgeregelung für seine Druckerei und sein Übersiedlung nach Florida (in den Ruhestand) bereits geregelt.

Ungeklärt war noch, wann er wem und zu welchen Bedingungen die beiden Magazine DON und ADAM übergeben würde. (In einem späteren Post dazu mehr.) Umso verwunderlicher war, dass er mich ab Anfang 1983 neue Autoren und einen neuen Redaktionsleiter für DON suchen liess, um dann - auf meinen Vorschlag - ab der Ausgabe 1/1984 - Dorin Popa die Redaktionsleitung zu übergeben und (erst) im Impressum des obigen März-Heftes Popas Herrschinger Adresse als neue Redaktionsanschrift zu verkünden.

Titelfoto und Rücktitel der Februar-Ausgabe: Gambera, Sizilien.


Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner, General Günter Kießling 
und der "schriststellernde Schauspieler" Alexander Ziegler


Diener im königlichen Buckingham-Palast, "in einer Kette der Perversionen hineingezogen".

"Die Amerikanerin Jaen Gochos wollte etwas über Ehen in Erfahrung bringen, in denen der Mann homosexuell ist. Sie gab entsprechende Anzeigen in Zeitungen auf und wurde mit >Tausenden von Briefen und Telefonaten< förmlich überschüttet .. "

"Pro Familia Duisburg e.V. beabsichtigt, einen Gesprächskreis für verheiratete homosexuelle Männer anzubieten... "

"Bundespräsident Rainer Barzel lehnte es ab, eine kleine Anfrage der grünen nach dem Sexualleben der Bundesregierung weiterzuleiten ... "
Richtig: Rainer Barzel war damals Präsident des Deutschen Bundestages

Mary & Gordy "... Der ehemalige Elektronikstudent Georg Preusse (Mary) und Ex-Koch Reiner Kohler (Gordy) machen mit prickelnden Liedern wie >Hello Dolly< ... nun auch playback konkurrenzlos Stimmung."


Homosexualität in der Bundeswehr. der Fall 'Kießling'.
"Die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung e.V. stellte uns folgende Presse-Erklärung zur Verfügung ... Wegen der anhaltenden Aktualität veröffentlichen wir die für den Vorstand der DGSS vom Vorsitzenden, Prof. Dr. Ernest Bornemann und Michael Lindner (Hauptmann a.D:) unterzeichnete Erklärung ..."


"Der Berliner Fotograf Rolf Fischer hat über einen längeren Zeitraum hinweg schwule Paare und Singles mit seiner Kamera zuhasue besucht. Die dabei entstandenen Aufnahmen versuchen den Blick auf das private Normale und das private Spezifische ... "

Wie (prominente) Schwule wohnen ... ein Thema, das später in anderen Schwulenmagazinen - u.a. in männer aktuell - gerne 'nachgearbeitet' wurde.




Aufnahmen des Fotografen (der Gay Community in San Francisco) Robert Pruzan, 1946 (Seattle) bis 1992 (San Francisco), der mit 46 Jahren an AIDS starb.

Montag, 3. Februar 2014

In 3 Jahren Talis-Redaktion verlor DON 40% seiner Verkaufsauflage. Henry Ferling zieht Konsequenzen.

Da mir die Aufgaben unserer expandierenden Firma Top-Versand über den Kopf wuchsen, bat ich 1979 den Verleger Henry Ferling, die DON-Rdaktion abgeben zu können. Da Ferling keinen Nachfolger wusste, empfahl ich ihm Gerd Talis (= Gerhard Friede), Verleger, Redakteur und Journalist des Gay Journal, den ich selbst zwar nicht kannte, dessen journalistische Qualitäten, seine Unabhängigkeit und sein Engagement ich jedoch schätzte.

Die DON-Redaktion wurde nach Heidelberg verlegt, Talis begann seine DON-Tätigkeit mit der Januar-Ausgabe 1980, während ich nun nur noch das zweimonatlich erscheinende ADAM machte.

Schon im zweiten Halbjahr 1980 begann DONs Verkaufsauflage spürbar abzubröckeln. In den Folgejahren rutschte sie kontinuierlich weiter ab. Beginnend im Jahr 1981 entwickelte sich zwischen Ferling und Talis - über meherere Probleme - ein heftiger Briefwechselstreit (von dem ich alle Kopien besitze, da ich mit Ferling engen Kontakt pflegte). Im Februar bat Henry Ferling einen (befreundeten) bekannten Journalisten, Redakteur und Zeitschriftenverleger um eine 'Analyse' der letzten drei DON-Jahrgänge und der Redaktionskosten.

Wie ein Aussenstehender die Situation bei DON beurteilte, steht in den folgenden 5 Briefseiten. Kurz darauf erfolgte - notgedrungen - die Trennung von dem sehr verbitterten Gerd Talis (= Gerhard Friede) .


Sonntag, 12. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 7)


DON 7/1982 erscheint im Juli 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Kommentar des Blog-Schreibers:

Kein Mensch kannte damals einen Sänger Joachim Schönig (erste Ankündigungszeile auf dem Titel). Und der Mann ist bis heute unbekannt geblieben. Ich erwähne das, weil der Verleger Henry Ferling zu diesem Zeitpunkt (endlich) über den Redakteur und DON-Magazinmacher Gerd Talis nachzudenken beginnt. **

Ziel der Titelseite (Bild und Text) ist es, Interessenten aufmerksam und neugierig zu machen, das Heft anzupreisen und eine Kaufentscheidung herbeizuführen - kurz - die "Verkaufe".

Und was sehen wir auf dem DON-Titelbild?

Einen etwa 20jährigen, relativ gewöhnlich aussehenden jungen Mann mit nacktem Oberkörper, der über die Kamera hinweg in die Luft starrt (den Käufer nicht anblickt). Das Modell ist laienhaft ausgeleuchtet (frontal geblitzt?), die Farben des Fotos - und damit die Druckqualität - sind schlecht.

Die leicht ins Graugrün tendierende Hautfarbe des Modells und die (Schwule interessierende) männliche Nacktheit werden komplett von Titelzeilen überdeckt und "zerstückelt".

Die obersten drei Inhaltsangaben sind nichtssagend: ein Sänger, den keiner kennt - ein unbekannter Herzog, über den nichts ausgesagt wird - ein Brief aus Paris. Es folgt eine weitere Bla-Bla-Zeile.

Höchstens noch der Hinweis auf 120 Kontaktanzeigen kann Schwule interessieren.

** Die Verkaufsauflage von DON sinkt und sinkt.


Der FAZ-Artikel vom 10. Juni 1982 (unten) beginnt ... " ... Zu mehr Toleranz gegenüber den Homosexuellen hat das Organ des Zentralrates der Jugendorganisation FDJ, die in Ost-Berlin erscheinende >Junge Welt< aufgerufen. Das Blatt wendet sich gegen eine Diskriminierung von Homosexuellen, und es beklagt, dass Homosexualität in der DDR immer noch von vielen als unmoralisch und als krankhaft angesehen werde ... "

Mit dem Beitrag darüber nimmt DON den Beitrag in der DDR-Jugendzeitung nicht etwa den Faden auf und beschäftigt sich etwas ausführlicher mit der Situation der Schwulen in der DDR, sondern nimmt das zum Anlass, sich (zum hundertsten Mal) mit der nicht viel besseren Situation der Homosexuellen im 'Westen' - also in der BRD - zu beschäftigen.


Typische Fotos des Studio VISA 2000 (Niederlande),
beide knabenhaft, links peinlich, rechts erregend grosskalibrig.


US-Moral: "Homosexuelle haben es ... schwer, als Ausländer die US-Staatsangehörigkeit zu erhalten ... (der) Engländer Richard Longstaff (hatte) in seinem Einwanderungsersuchen die Frage, ob er einen 'guten moralischen Charakter' habe, mit 'ja' beantwortet ... (ein Richter) warf dem Engländer vor, er habe als Homosexueller den Einwanderungsantrag wissentlich gefälscht, weil er sich darin nicht als 'Psychopath' bekannt gab ... Der auch wegen seiner homosexuellen Neigungen weltweit bekannte Krupp-Erbe Arndt von Bohlen und Halbach durfte mit seinem auf 160 Millionen Mark geschätztem Vermögen anstandslos in die USA einwandern ... "

Homo-Kosumenten: "DER SPIEGEL vermittelt in seiner Ausgabe vom 10. Mai 1982 ... die neuesten Erkenntnisse eines New Yorker Managers: Dieser meint, da Homosexuelle weder Frau noch Kinder zu unterhalten hätte, könnten sie mehr Geld für sich ausgeben. Daraus resultiere auch, dass jetzt Amerikas Industrie die Homos als kaufkräftige Konsumenten entdeckt hätte ... "

Alexander Zieglers Film >Die Konsequenz< sollte am 21. Mai im Abendprogramm der ARD noch einmal ausgestrahlt werden. Daraus wurde nichts, da sich der Intendant des Bayerischen Rundfunks weiter verweigerte.

Poppers-Warnungen: "In den USA werden jetzt die Auswirkungen von Poppers wissenschaftlich untersucht. Ärzte haben auf die zunehmende Gesundheitsgefährdung hingewiesen ... längst haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die genannten Nitrite bei Tieren Krebs verursachen ... Poppe5s ist auch unter den Markenbezeichnungen >Rush<, >Locker Room< und >Hardware< ... in Umlauf ... "


Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre kam das Airliner-Geschäft mit den Bumsbombern so richtig in Gang. Scharen überwiegend mittelalterlicher und älterer Männer flogen zum Kindersex-Vergnügen u.a. nach Bangkok. Der Traum, zum Schnäppchenpreis mehr oder weniger willige kleine Jungs und Mädels vögeln zu können, wurde wahr.

Diese schweizer Gohl-Reisen-Anzeige, mit dem vielversprechenden Werbe-Foto eines schätzungsweise 12- bis 13jährigen, also minderjährigen Thaiboys, bietet zwei Wochen Bangkok in einem diskreten Hotel "For gays and boyfriends only!", "Gelegenheit einige der hübschesten Thaiboys kennenzulernen" und "viel Toleranz und Diskretion in einer ungezwungenen und luxuriösen Urlaubsatmosphäre".

Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang an den schwulen Vorreiter auf dem Gebiet des Knabensex-Tourismus, dem Engländer John D. Stamford und seinem Spartacus International Gay Guide:

Eine Zusammenfassung der haarsträubenden Stamford-Spartacus-Geschichte steht im  
7. Teil des Blogs brunoleaks. Für Neugierige folgen hier auch die Links zum
1. Teil
2. Teil
3. Teil
4. Teil
5. Teil
6. Teil


München von hinten kritisiert der Autor als lauen Aufguss des schwulen Bucherfolgs Berlin von hinten: "Es ist, als hätte man in Berlin seinen Traumboy gefunden und versuchte nun mit aller Gewalt, dieses Erfolgserlebnis in München zu wiederholen. Dass daraus leicht Krampf wird, zeigt das >Reise- und Lesebuch München von hinten< ... Trifft der Versuch, deutsche Grossstädte über ein und denselben Kamm, den schwulen nämlich, zu scheren, ins Leere, dann erst recht ... dieses Scheren auch noch unter der vorgegebenen Schablone eines einmal erfolgreichen Buchtitels ... "

Frühlings Erwachen: ">Zur sozialen und sexuellen Befreiung< verlegt die libertäre Assoziation e.V. in Hamburg eine hochinteressante Textreihe ... gleichen ... Namens. Heft 1 ... brachte Texte aus der >Weltbühne< ... mit Beiträgen zu >Homosexualität und Faschismus< und über Ernst Röhm (von Kurt Tucholsky) ... Heft 2 ... befasst sich ... hauptsächlich mit der >Situation der Homosexuellen in der Weimarer Republik und im deutschen Faschismus< ..." Heft 3 beschäftigt sich mit Pier Paolo Pasolini.

Ein Ziegenbock soll Hitlers Schniedl abgebissen haben: Dietrich Güstrow, Strafverteidiger im Dritten Reich, schildert in >Tödlicher Alltag< (Verlag Severin und Siedler, Berlin) u.a. den Fall seines Mandanten Eugen Wasner, einst Schulkamerad von Adolf Hitler im österreichischen Leonding bei Linz. "... Der etwas naive, redselige und dickköpfige Mann hatte an der Ostfront seinen Kameraden in der Kompanie ... gesagt: 'Ach der Adolf, der ist ja deppert schon von klein auf, wo ihm doch ein Ziegenbock den halben Zippedäus abgebissen hat ... Ich bin doch selbst dabei gewesen. Eine Wette hat er gemacht, der Adi, dass er einem Ziegenbock ins Maul pinkeln würde ... " Wasner endete 1943 wegen der Erzählung auf dem Schafott. Der Bub, der bei Durchführung der Wette dem Ziegenbock den Stock aus dem Maul gezogen hatte, war bereits 1938 auf mysteriöse Weise gestorben.


Beitrag von Wenzel Böhmak (= Pseudonym)

Mittwoch, 20. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Heft 12)


DON 12/1981 erscheint im Dezember 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Der schon mehrfach hier erwähnte Homo-Lore-Roman-Schreiber Walter Hilbrecht war in San Francisco und gibt jede Menge ordentlicher Besucher-Tipps. Allerdings auf dem Niveau eines sauber verfassten Schüleraufsatzes.

San Francisco: "Sommer und Winter - Tag und Nacht: Interessantes für jeden Geschmack" ...

Der eklatante Niveauunterschied von DON-Beiträgen - in Sprache, Stil und Intellekt (extrem schwankend zwischen 'Frau im Spiegel' und 'Frankfurter Rundschau') - wird für das Magazin zu einem echten Problem, da es die einst homogene Zielgruppe langsam aber sicher aufreibt.



Rosenstrauss "... für besondere politische Leistungen auf dem Gebiet der homosexuellen Emazipation erhält für die gesamte parlamentarische Versammlung des Europarates deren Präsident, Frau Simone Veil ... für das stetige Vorantreiben der Diskussion um ersatzlose Streichung des Sonderparagraphen 175 StGB in Bonn erhält die politische Referentin der Friedrich Naumann-Stiftung, Frau Renate Augstein-Thalacker ... für couragiertes Auftreten im Namen der homosexuellen Emanzipation erhält der nordirische Gay Jeffrey Dudgeon ... "

Buchmesse Frankfurt " ... hat gezeigt: Homo-Bücher sind von dort nicht mehr wegzudenken! Was vor Jahren noch als Wagnis angesehen wurde, hat sich inzwischen voll etabliert - die beiden grossen deutschen Homo-Buchverlage, der Foerster-Verlag und der Verlag rosa Winkel (beide Berlin) hatten dieses Jahr in Frankfurt starkfrequentierte Stände aufgeschlagen ... Kurt-Joachim Foerster bezeichnete darum diese Buchmesse ... als 'Durchbruch ins allgemeine Sortiment'. 1981 sei man erstmals weit über die bisherige 'Repräsentationsübung' hinausgedrungen ..."

Herbert Wehner, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, hat gegenüber Weisses Kreuz (Evangelischer Fachverband für Sexualethik und Seelsorge Weißes Kreuz e. V.)" ... brieflich zum Ausdruck gebracht, dass er den Zielen der Homosexuellen-Organisationen keinerlei Chancen einräume."


Im Schwulenbuchladen Sodom beschlagnahmte die Münchner Polizei Arbeitshefte für die Sekundarstufe "Prostitution, Pornographie", das Buch "Sexualität" von Prof. Ernst Bornemann, den (Kinder-Nackedei)-Fotoband "Zeig mal!" von Will McBridge und "Wider die linken Spiesser - für eine sexuelle Revolution/Ich liebe Jungs" von Peter Schult und Olaf Stüben. Beschlagnahmt wurden auch Schults Erzählung "Eiszeit", in der er seine Probleme als alternder Päderast beschreibt, und das Münchner (linke) "Blatt", das die Geschichte nachgedruckt hatte, samt Konfiszierung der Abonnentenkartei.

Bornemann, McBridge, Schult, Stüben ... waren Teil der von Alice Schwarzer (schon 1980) bezeichneten "Kinderfreunde-Connection" ("ein Netz von Wissenschaftlern und Autoren, die den Sex von Erwachsenen mit Kindern verharmlosen, ja propagieren"). Alle waren pädophil bzw. engagierten sich für Pädosex oder publizierten freizügig zum Thema. Also jenem brisanten Stoff, der im Wahlkampf des Jahres 2013 vom CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wieder hochgekocht wurde, mit dem einzigen Ziel, den Grünen zu schaden.

Der Autor des obigen "polemischen Beitrags", Olaf Stüben, wird auch in dem SPIEGEL-Artikel "Moralische Irrfahrt" (vom 30.09.2013) erwähnt: " ... In der Zeitung arbeitete zudem der bekennende Pädosexuelle Olaf Stüben, der im November 1979 den Beitrag "Ich liebe Jungs" veröffentlichte, das "Manifest eines Pädophilen", wie die "taz" zwei Jahrzehnte später einräumte ... "


Unerträgliche 'Buchbesprechung" von Wenzel Böhmak (= Pseudonym). Der kommentiert ganz begeistert ein paar Äusserungen in Sachen Homosexualität des 'schwer rechtslastigen Hetero Franz Schönhuber' (1923-2005), die in dessen Autobiographie "ICH WAR DABEI" 1981 erschienen.

Aufgrund dieses Buches wurde Schönhuber fristlos aus dem Bayerischen Rundfunk entlassen (ihm wurde Rechtsextremismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen). In Folge gründete er Die Republikaner (REP) und trat häufiger in rechtsextremen politischen Kreisen auf. Zur Bundestagswahl 2005 trat er in Dresden als Direktkandidat für die NPD an.

Geistreiche Besprechung des Romans "Zum Greifen nah" des offen schwulen, schwarzen Autors James Baldwin (1924-1987) von Ulrich Arthur Lehmann.

Urs Kent (= Johannes Werres) über den 1981 in der rororo-panther-Reihe des Rowohlt-Verlag erschienenen ersten Ratgeber von Schwulen für Menschen im Coming Out: "SCHWUL - NA UND?" von Thomas Grossmann, " ... das dem Leser Mut machen will, die eigene Sexualität ehrlich zu entdecken und offen zum Entdecken zu stehen ... ". Im Internet findet sich eine Auflagenangabe "mittlerweile sind 76.000 Exemplare im Umlauf", leider ohne ein Bezugsdatum.

"Nach den noch etwas laienhaften Versuchen von 'Brühwarm' und den leicht über die Stränge des guten Geschmacks schlagenden Darbietungen des 'Hamburger Tuntenchors' nun die professioneller werdenden Gruppen 'Trio Infernal' und 'Familie Schmidt' ... "

Letztere begann mit Corny Littmann und Gunter Schmidt als Zwei-Mann-Show. 7 Jahre später, 1988, eröffnete Littmann dann das berühmte Privattheater Schmidt Theater.