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Donnerstag, 26. Juni 2014

Johann Möstl, DON-Akteur


Als Günter Goebel DON übernahm, taucht im Impressum der Nr. 1/1972 erstmals der Name John Mytery unter "Redaktionsleitung" auf. Er erschien dort 3 Jahre lang bis DON 3/1975, während er sich in DON 4/1975 in Hans John verwandelte. Hans John war das DON-Pseudonym von Hans Möstl, genauer Johann Möstl, geboren 1949, aus der Steiermark/Österreich stammend.

Der Name Hans John stand (aus unerfindlichen Gründen) bis zum Ende der DON-Ära von Gerd Talis (Ausgabe 2/1983) unter "Bildredaktion" im DON-Impressum.


In >Pornopedia< ist zu lesen: "Johann Möstl ist ein Produzent und Regisseur. Er ist Inhaber der österreichischen Produktions- und Vertriebsfirma Oftly Goldwin GmbH. [Siehe goldwinsex.com ... "bietet ein großes und hoch Qualitative Angebot an Hardcore Produktionen".] Johann ist gelernter Fotografenmeister. Zunächst arbeitete er in der Werbe- und Touristikbranche, bevor er u.a. für [die - Achtung! - deutschen Hetero-Softporno-Blätter] Sexy, Schlüsselloch [Abb.], Wochenend, Praline und St. Pauli Nachrichten fotografierte und darüber schließlich in die Erotikbranche kam."

In DON 5/1975 (links) wird Hans John als 'Bildredakteur' bzw. 'Chef der Bilder' vorgestellt. Ob und welche Aufgaben er bei dem Homo-Magazin tatsächlich hatte, war mir immer ein Rätsel.  

Möstl, der scheinbar nicht schwul ist, gründete 1986 in Frankfurt/Main den heterosexuellen Porno-Verlag Oftly. Seine heterosexuelle Pornoproduktion inklusive Pornoversand Oftly Goldwin GmbH sitzt heute in Österreich, Austrasse 17 bzw. Filbingstr. 2, A-5330 Fuschl am See.

Fuschl am See, Kurt-Joachim Foersters zeitweiliger "Alterssitz", ist übrigens die gleiche Adresse, von wo aus Foerster die Reste seines schwulen Porno-Unternehmens leitet(e) (FoersterMedia Austria GmbH, Filblingstr. 2, 5330 Fuschl am See/Österreich - auch FMA GmbH, A 5330 Hof bei Salzburg/Österreich)

"Liebe DONs! Ich bin der Hans und die Kollegen von der Redaktion halten es für gut, wenn ich mich als der zuständige "Chef für Bilder' noch mal an dieser Stelle vernehmen lasse. Als kurze Einführung: Berufsfotograf, 26 Jahre alt oder jung - wie man es sehen will - von Österreich "eingewandert" ... Viele Wochen des Jahres bin ich nicht in Deutschland. Malta, Californien, Kenia, Bangkok, Singapur hiessen einige Ziele der zurückliegenden Monate. Es war Arbeit für DON und die Sondernummer "Reisetips für Homotrips", aber natürlich müssen die Brötchen verdient werden und alles Bildmaterial was nicht für DON geeignet ist, gebe ich an grosse Illustrierte. Zwei Kollegen arbeiten daheim für uns, hin und wieder bekommt man auch mal ein gutes Bild angeboten. Leicht ist es nicht, in jeder Ausgabe neue, gute, interessante Typen im Bild zu bringen, bitte glauben Sie mir das. Aber so wie die anderen Freunde in der Redaktion, so gilt eben auch mein Interesse vor allem der Arbeit in DON, ich hoffe, dass man es merkt. Aber ich bemühe mich, noch besser zu werden ... " 

Dieser Text strotzt nicht nur von Übertreibungen, sondern ist eine Vernebelung der Tatsache, dass das in den DON-Ausgaben jener Jahre veröffentlichte Fotomaterial zu 80-85% aus einer Vielzahl privater, kommerzieller und laienfotografischer  Quellen stammte, von denen kaum je eine im DON-Impressum genannt wurde.


Hans John / Johann Möstl in DON 7/1976
Nur ein Beispiel: Hans John behauptet, weltweit herumzureisen, um Fotos für DON zu schiessen, während er quasi die Reste "an grosse Illustierte" (siehe oben, Schmuddel-Blättchen à la Praline, St. Pauli Nachrichten...) geben würde. Allerdings erscheinen in den entsprechenden DON-Reiseberichten (Malta usw.) nur läppische 4 bis 6 Schwarzweiss-Fotos.

Ob und welche männlichen Aktfotos von dem Fotografen Hans John in DON veröffentlicht wurden, ist mir unbekannt. Ich (Jens M. A. Reimer) habe knapp 40 Jahre lang eine Vielzahl schwuler Magazine gemacht und hatte zwei Verlage, die schwule Foto-Publikationen produzierten. In diesen 40 Jahren habe ich mit gut und gerne 25 Fotografen zusammengearbeitet. Nie im Leben habe ich wissentlich ein männliches Aktfoto eines Fotografen Johann Möstl, alias Hans John, zu Gesicht bekommen.

Warum das Möstl-Märchen vom 'DON-Bildredakteur' acht Jahre lang per Impressum-Eintrag permanent wiederholt wurde, auch das wird ein ewiges Rätsel bleiben. Möglicherweise hat er in den 70er Jahren beim DON-Layout mitgewirkt, denn in ADAM erscheint der Name Hans Moestl (oe!) unter "Layout" im Impressum der Ausgabe 12/1977. Möglich wäre auch, dass er als Kameramann die ersten deutschen Schwulenpornos im Auftrag Günter Goebel filmte (?).

Mittwoch, 30. Oktober 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Hefte 3 bis 5)


DON 3/1981 erscheint im März 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Den ganzen Textriemen, der da unter "DON Kurzreisen nach London" steht, nennt man Schleichwerbung (§ 4, 3 UWG; als redaktioneller Inhalt gestaltete Werbeanzeige), eine Spezialität des Günter Goebel, der nun wieder in DON 'mitmischt', siehe folgend 'Tommys Brief-Box:


Für einen Profi schnell durchschaubar: Alle diese angeblichen "Leserbriefe/fragen" sind frei erfunden und die Antworten aus sexualkundlichen Artikeln oder Abhandlungen abgeschrieben (zuständig ist das "DON Postfach, 6 Frankfurt 700229, des Günter Goebel). Sämtliche Fragen betreffen banale oder sonderbare sexuelle Themen: Haben Südländer grössere Potenz ... was ist ein Säurespritzer ... gibt es ein Buch der Liebeskunst für Homosexuelle ... 


Autor dieser Geschichte: H.-A. Hütt


DON 4/1981 erscheint im April 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Das farbverfälschte Foto ist nicht durch eine schlechte Kopie entstanden, sondern entspricht dem Original-Druck.


Einer von zahlreichen brillanten Essays, die Gerd Talis anstelle von Vorworten in DON veröffentlichte. Ausgehend vom 'Internationalen Jahr der Behinderten', das gleichzeitig auch 'Preußen-Jahr' ist, entwickelt er über verschiedene Perspektiven (behinderte Schwule, homosexueller Jugend- und 'Schönheits'wahn, preußische Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Liebe, Schnüffelmanie der Justiz...) einen interessanten Gedankengang hin zur 'widernatürlichen Unzucht der Gleichgeschlechtlichen', dem 'Kampf gegen die Perversion' und der Forderung den § 175 endlich aus dem Strafgesetzbuch zu streichen.


Für die Bildredaktion zeichnen im Impressum nach wie vor "Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Johann Möstl), beide Frankfurt/Main" verantwortlich. Bei den drei Aufnahmen handelt es sich um laienhaft  kopierte (abgekupferte) COLT-Fotos.


Das erotisch "aufregende" Großposter für's Homo-Zimmer ... (mit Schrankwand)

Diese DON-Ausgabe wurde mit sieben (!), teilweise ellenlangen Homo-Geschichten (u.a. von Walter Hilbrecht, Karl-Heinz Barwasser, Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) und K.R. Adam) aufgefüllt.


Grandiose, ausgewogen-begeisterte Filmkritik von jemandem, der sich Tassilo nennt (Gerd Talis?)

 Taxi zum Klo (1980), Hauptdarsteller, Autor und Regisseur Frank Ripploh (1949-2002)
"... Homosexuelle sind: Sexbesessene, Tunten, Exhibitionisten, Genitalfixierte, HWG-ler, Kinderverführer, Bindungsunfähige, Sadomasochisten, Abortstammgäste usw. Und wie erscheinen sie in diesem Film? Sie erscheinen als: sexbesessen, tuntig, exhibitionistisch, genitalfixiert, promisk, kinderverführerisch, bindungsunfähig, brutal, pornointeressiert, abortstammgästig usw. ... "


DON 5/1981 erscheint im Mai 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg. 

Das Titelseitenfoto zeichnet sich durch totale Unschärfe aus.


"Warum verstecken wir uns? sagte mir neulich ein Bekannter, mit dem ich über die trüben Aussichten der Homo-Emanzipation 1981 sprach ... es gehört gar nicht so viel Mut dazu, sich zu seiner Vorliebe für Gleichgeschlechtliches zu bekennen; mehr Menschen, als Sie meinen und vermuten, haben homosexuelle Bedürfnisse, und das ist normal und gut so ... Beginnen Sie selbst mit dem Durchbruch! ... Sie werden sehen, dass Ihre Befürchtungen sich nicht erfüllen. Erleben Sie Ihr Coming out  - und Ihr Alltag wird leichter ..."

Drei Aspekte sind interessant. Gerd Talis, ein offen schwul lebender schwuler Journalist und Medienmacher, vermeidet auch 1981 das Wort schwul ... er benutzt häufig die Bezeichnung Gleichgeschlechtliche und er spricht den DON-Leser nach wie vor mit Sie an, wie er es in einer Schwulengruppe oder Schwulenbar nie täte.


Wenzel Böhmak (= Pseudonym) beschäftigte sich über viele Jahre in DON mit (schwul)-historischen Themen, zumeist in lockerer Erzählweise, hier - SS, Nazis, Arbeitslager, schwule Beziehung Pole/deutscher Capo, Heinrich Himmler - sogar in Form einer Geschichte.

Anmerkung: Lesenswert ist das Buch "Die Brüder Himmler, eine deutsche Familiengeschichte", geschrieben von Heinrichs Enkelin Katrin Himmler, 2007 erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag.


Die ursprünglich 6 bis 8 Seiten DON'S NEWS sind auf 2 bis 3 Seiten zusammengeschrumpft: Befruchtung durch Transsexuellen ... Tote Frau war ein Mann ... US-amerikanische 'Nationalsozialistische Liga' ... Misshandlung und Missbrauch von Jugendlichen im indischen Knast ... Homos in Israel haben es schwerer (als in der Bundesrepublik) ... Chicagoer Polizeichef fordert 'Einfühlungsvermögen in Gay-Fragen' ... Englischer Vikar erklärt Blackburn zum 'zweiten Sodom und Gomorrha' (wg. eines Gay-Abends in einem Nachtclub) ... Die sexuelle Revolution hat keine bessere Aufklärung gebracht ... 


Sowohl die linke COQ-Anzeige, als auch die ganzseitige Macho-Toys-Anzeige bieten (ungeniert) Pornographie * an, was selbst bis heute (2013) gesetzlich verboten ist und nach wie vor strafrechtlich verfolgt wird (§184, Verbreitung pornographischer Schriften). Seinerzeit wurden auch Verlage, die solche Werbung veröffentlichten, strafrechtlich verfolgt.

* COQ International und Showboy. COLT Men, Olympus, Spurs sowie 2 COLT-Filme (Gunnar und Lars zeigen, was Lust und Homosex ist. Laden Sie sich ein zu dieser einmaligen Orgie ... COLT-Modelle bei heisser Homo-Action)

Montag, 27. August 2012

DON - The German Gay Magazine 1976 (Heft 7 bis 8)


DON 7/76 erscheint im Juli 1976.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973
Redaktion, Bildredaktion, Leserbetreuung siehe DON 12/1975


Wenn ich hier zum wiederholten Mal sage, dass auch dieses Vorwort nicht von Guy GilbertGünter Goebel verfasst wurde, komme ich mir langsam ziemlich fies vor. Aber dass da "Herzlichst Ihr Guy Gilbert" drunter steht, hat wahrscheinlich folgenden Grund: Das erste Thema  - Engagement für Minderheiten und die "ekelerregende Art" von Journalisten "einem sensationslüsternen Leserkreis einen schwulen Sündenpfuhl aufzutischen" - stammt von mir, während der letzte Absatz - "Sicherstellung" von DON bei kleinen Kiosbesitzern - von dem Verleger  Henry Ferling ergänzt wurde.


Um Käufer zu angeln und zu halten ging man - bei den marktrelevanten Homo-Zeitschriften (DU&ICH, him, ADAM und DON) - bei der Bildauswahl gerne bis dicht an die gesetzlich zulässige Schwellungsgrenze. Das Modell mit leichter "Schwellung" war seinerzeit ein recht bekannter Kölner (Düsseldorfer?) Callboy, der seiner Kundschaft u.a. auch hübsche Türkenbuben zur "Unterhaltung" bot. Bekannt geworden ist er auch durch Mitwirkung in den ersten deutschen Schwulenpornos (Super-8-Filme); unter der "Regie" des Produzenten Günter Goebel.


Eine Übersetzung aus dem (heterosexuellen) 'San Francisco Chronicle' (seit 1880 Nordkaliforniens auflagenstärkste Zeitung), in dem  die Autorin Ruth Stein über Anstrengungen staatlicher, kirchlicher und vor allem auch homosexueller Organisationen berichtet, junge Prostituierte (14-18 Jahre), zumeist heterosexuelle Jungs, die von zuhause ausgerissen waren, zu ihren Familien zurückzubringen und wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Folgende Abbildung, linke Spalte = Schluss der Übersetzung, die vermutlich von Johannes Werres stammt.


Manuskripte mit Homo-Geschichten machten den Verleger  Henry Ferling besonders glücklich. Diese DON-Ausgabe war mal wieder mit fünf solcher Stories aufgefüllt.


Ich fantasiere über eine "Transvestitenpille" und "Lutschmäuse" in Hinterindien, informiere über Virilismus (eine ausgeprägte Androgenisierung der weiblichen Körper- und Geschlechtsmerkmale, welche sich deutlich maskulin verändern) und "Greg", die 181 cm grosse aufblasbare, elektronisch aktive Männerpuppe, über Scherzartikel, Gebäck und Aschenbecher in Penisform sowie den 'locking butt plugger' für Herren und Sklaven 'for that unendurable ecstasy'.


Über den Österreicher Hans John = Hans Möstl = Johann Möstl, der hier in einem Portrait vorgestellt wird, steht schon etwas beim Vorwort zu DON 5/1975. Und obwohl obiger Text ganz offensichtlich von mir stammt, muss ich zugeben, dass ich Möstl weder persönlich kennengelernt habe, noch jemals eine Ahnung davon hatte, was er bei DON eigentlich machte bzw. zu dem Magazin beigetragen hat.

Einige Aktfotos in DON mögen von dem "Fotografen und Filmer" stammen, die Masse der Bebilderung zwischen 1972 und 1976 stammte aus unterschiedlichsten Quellen, z.T. von Bildagenturen sowie von zahlreichen Laien- und Semiprofi-Fotografen. "Hans fotografiert zwar hauptberuflich für DON", wie es im obigen Text heisst, ist gelogen. Möstl fotografierte hauptsächlich  nackte Mädchen.

Warum das Möstl-Märchen vom 'DON-Bildredakteur' über mehrere Jahre und per Impressums-Eintrag permanent wiederholt wurde, war mir immer ein Rätsel. Möglicherweise hat er in diesen Jahren auch beim Layout mitgewirkt (wie bei ADAM). Ich vermute, er war u.a. jener Kameramann, der für Günter Goebel die ersten deutschen Schwulenpornos (Super 8) filmte (?).


Linke Seite: Hier beginnt meine längere Auseinandersetzung mit der Münchner Schwulengruppe VSG (= Verein für sexuelle Gleichberechtigung, im Artikel fälschlich VGS) und der ...

">Emanzipation< heisst das Organ der homosexuellen Aktionsgruppen von München, Nürnberg, Stuttgart, Tübingen und Würzburg, das wir unseren Lesern im Mai-Heft empfohlen haben, und mit dessen Ausgabe 2/76 sich unser Redakteur Jens hier einmal kritisch euseinandersetzt:
Was ich nicht mag, ist das Wort >Einseitigkeit<. In allen Lebensbereichen. Und schon gar nicht im homosexuellen bereich. Denn eben diese Einseitigkeit wird uns von anderen vorgeworfen. Das Emazipations-Heft ist engagiert und in mehreren Passagen hilfreich informierend. Aber der überwiegende Teil ist - einseitig. Von Leuten gemacht, die scheinbar eine das Gesichtsfeld einengende homosexuelle Brille tragen ... "

Besonders auf die Palme hatte mich der Emanzipations-Artikel "Freund und Helfer, Deine Klappe" gebracht. Der Autor fordert Freizügigkeit und Gleichheit und meinte - das Recht auf schwulen Geschlechtsverkehr in öffentlichen Bedürfnisanstalten. Davon wird in folgenden DON-Ausgaben noch die Rede sein.

Als einseitig kritisiere ich auch den 6seitigen Beitrag zur "Erklärung des Vatikan", ein Papier, das neben der Verdammung von Homosexualität, gleichermassen diskriminierend Onanie, vorehelichen Geschlechtsverkehr und überhaupt menschliche Liebesbeziehungen (soweit sie nicht in der Ehe stattfanden) verurteilte.

Nicht minder sauer reagiere ich auf einen Nachdruck aus dem REVOLT Schwulenmagazin "Gespräch in Berlin (DDR)", der die Homosexuellen in der DDR - einseitig - quasi als Märtyrer darstellt, wobei ich aus der Erfahrung des im Westteil aufgewachsenen Berliners doch am eigenen Leib erfahren hatte, dass die Zustände in Ost-Berlin längst liberaler gehandhabt wurden, als im bundesrepublikanisch geprägten West-Berlin.

Rechte Seite: Der Verfasser des Beitrags "Das Holz, aus dem die Superstars geschnitzt sind" (der nullkommanichts mit Homosexualität zu tun hat), ist angeblich Kurt-Joachim Foersters. Nun hat sich dieser Mann wahrlich nicht als Autor einen Namen gemacht. Und da ich tatsächliche 'Ergüsse' Foersters kenne, halte ich es für ausgeschlossen, dass  dieser flott und flüssig formulierte Artikel, der obendrein eine profunde Kenntnis von Filmgeschichte und Schauspielern voraussetzt, aus Foersters Feder stammt.


DON 8/76 erscheint im August 1976.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973
Redaktion, Bildredaktion, Leserbetreuung siehe DON 12/1975


"Lieber Leser! Dieser Tage bekamen wir eine bittere Pille verschrieben. Dr. T. M. aus Berlin hatte über uns diagnostiziert: .., die Stories sind stilistisch allesamt grauenhaft, läppisch, künstlich munter, tunrig, kitschig, oberflächlich, voll Lüge, unerotisch und ohne Substanz. Die Fotos zeigen unappetitliche, ungepflegte und törichte Gestalten ... Raritäten der Geschmacklosigkeit ... primitiver Geilheit ... zum Kotzen eitel und nichts als schwul ... DON existiert von der Not und Einsamkeit vieler Schwuler und nicht weil es grossartig ist. Oh, Eitelkeit! Selbst Ihre Kritik ist selbstgefällig ..."

Selbstverständlich wehre ich mich gegen diese undifferenzierte, deftig-polemische Kritik: "... Dr. T.M. möchte DON im Stil von Westermanns Monatesheften sehen ... Viel scheint Dr. T.M. vom Menschen allerdings selbst nicht zu halten, haut er mit seiner Kritik doch nicht nur unserer Redaktion das Magazin um die Ohren, sondern diskriminiert damit zehntausende (!) von DON-Lesern. Wie wahr sagt doch Helmut Schmidt: Hochschulabsolventen sollen sich endlich das Elitedenken abschminken. ..."

Allerdings erinnere ich mich, diese Leserkritik ganz bewusst auf prominenter Vorwortseite plaziert zu haben, und zwar nicht nur um damit auf eine DON Leserumfrage überzuleiten (siehe weiter unten "Wie es Euch gefällt"), sondern weil sie meiner (ganz privaten) DON-Beurteilung nicht ganz so unähnlich war. 

Mit nicht gar so drastischen Worten hatte ich in den zurückliegenden Monaten gegenüber  Henry Ferling wieder und wieder argumentiert, dass mit diesem Bildmaterial (das Farbfoto neben obigem Vorwort illustriert Dr. T. M's. Mängelliste hervorragend!) und diesen Inhalten keine Auflagensteigerung zu erreichen sei. Darum geht es einem Verleger doch schliesslich. Der Leserbrief des Dr. T. M. - er war ja nicht der einzige, der sich sehr kritisch über DON ausliess - kam mir gerade recht, um ihn allen die DON (ohne Ziel und Richtung) machten, "um die Ohren zu hauen".




6 Jahre nach dem berühmten "Schwulen-Aufstand" in der New Yorker Christopher Street beschreibt DON-Autor Patrick Schneider erstmals (!) in dem Schwulenmagazin DON was sich damals zugetragen und wie es sich auf die Schwulenbewegung, zunächst in den USA, letztendlich aber auch in weiten Teilen der westlichen Welt auszuwirken begann. Die negative Überschrift ist für mich, da ich den ganzen Beitrag nicht mehr vorzuliegen habe, nicht nachvollziehbar.


Meine Idee, der Mai-Ausgabe einen Fragebogen beizufügen und so die Heft-Käufer DON beurteilen zu lassen, hatte - siehe obige Anmerkungen zum Vorwort - nur einen einzigen Grund: ich wollte den Verleger dazu bewegen, der Zeitschrift eine neue Richtung und eine neue Optik geben. Sowohl die Ausarbeitung der Fragen, vor allem jedoch die Auswertung (und Analyse) der Antworten bedeuteten für mich, wie es eingangs heisst, eine "Heidenarbeit", bei der ich übrigens von keinem unterstützt wurde (und schon gar nicht von dem links abgebildeten Johann Möstl).

Exakte Zahlen erinnere ich selbstverständlich nicht mehr, aber dass wir 876 ausgefüllte Fragebogen erhielten, ist eine (masslose) Übertreibung. Dass ich die Umfrageergebnisse - im Sinne des Magazins - manipuliert habe, da bin ich ziemlich sicher. Ich kann jedoch nicht mehr sagen, bei welchen und wievielen Fragethemen und - wenn ja - wie dezent oder stark. Insofern sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu geniessen.

Die sowohl im Vorwort als auch hier eingangs zitierten Negativ-Kritiken waren mit Sicherheit Ausnahmen. Wer regelmässig (sehr viel!) Geld für eine Zeitschrift ausgibt, schreibt nicht 'das Blatt ist Mist'. Das grosse Problem solcher Umfragen ist, dass ihre Ergebnisse nicht repräsentativ sind. In der Mehrzahl beteiligen sich nämlich aktive Menschen (ausfüllen, Briefumschlag, Briefmarke, Briefkasten), vor allem auch solche, die entweder sehr begeistert sind oder endlich mal ihre Kritik loswerden wollen.




Dienstag, 31. Juli 2012

DON - The German Gay Magazine 1975 (Heft 11 bis 12)


DON 11/75 erscheint im November 1975.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Bild, Anzeigen, Leserbetreuung und Text wie DON 4/1975

Das Heft enthält nur noch 2 Seiten Kontaktanzeigen.


"Liebe DON-Leser! Vergangene Woche sassen wir ... im Hausgarten unseres Verlegers beisammen, sieben Mann hoch, das ganze Redaktionsteam. Wir sollten mal nach den guten Verkaufssteigerungsraten von DON Bilanz ziehen und diskutieren, wie wir weiter machen. Offenbar ist der Durchbruch gelungen, DON vom Image eines "konservativen" Blattes zu befreien, das uns wohl jahrelang anhaftete. Wir meinen, frischer, freier, aktueller geworden zu sein und bei den Bildmodellen eine glückliche Hand bewiesen zu haben. Die Leserpost ist zu einem noch nie dagewesenen Prozentsatz zustimmend positiv und lobend. Das macht natürlich Spass und spornt an. Es ging dann weiter darum, wie man am besten auf diesem Wege fortfährt. Neue Konzepte wurden besprochen, neue Ideen durchdiskutiert, Anregungen von Ihnen erörtert ...
Übrigens haben wir uns auch ein wenig Selbstlob gegönnt über die Idee, im Mai unseren ersten REISE-DON als Sondernummer herausgebracht zu haben, der sich als grosser Schlager erwiesen hat und uns ermutigte, jetzt eine zweite Nummer anzubieten ... Wir waren die ersten, die den Mut für eine solche Sache aufbrachten.
Wenn wir jetzt darüber nachdenken, wie DON einmal war, wenn wir alte Ausgaben zur Hand nehmen - dann meinen wir, Sie sollten mal einen Freund, der aus verstaubtem Urteil DON als "konservativ" oder als "Gartenlaube unter den Monatszeitschriften" bezeichnet, einige neue Ausgaben zeigen. Denn sicher wollen Sie sich doch nicht als unkritischen Allerweltstyp einstufen lassen, weil Ihnen DON gefällt ..."
Es grüsst Sie herzlich Ihr Guy Gilbert

* Bei allem Respekt, aber so etwas zu schreiben war "Redaktionsleiter" Guy Gilbert = Günter Goebel weit überfordert. Der Text stammt von Verleger  Henry Ferling.

* Tatsächlich fand dieses (übrigens erstes und letztes) Treffen (dieser Art) nicht "vergangene Woche", sondern am 14. August 1975 statt. Ich war (auf eigene Kosten) nach Frankfurt/M. geflogen - entgegen dem Rat meines Arztes (und trat deshalb erst am folgenden Montag den dringenden Krankenhausaufenthalt an). Wer diese "sieben Mann" waren, erinnere ich nicht mehr. Das DON-"Redaktionsteam" war ja nur ein Fantasiegebilde.

* Schon zwei Jahre zuvor hatte DER SPIEGEL geschrieben: "... Die Spannung zwischen missionarischem Selbstverständnis der Redaktion und roten Zahlen im Verlag spiegelt sich in den Homo-Heften wieder: Mal ähneln sie dänischer Porno-Produktion, mal deutscher Gartenlaube. Und der ewige Streit, ob es tunlicher sei, sich der Gesellschaft anzupassen oder ihr zu trotzen, führt zu permanentem Eiertanz der Redaktionen ..." Der spannende (!) Artikel "Homosexuelle - Befreit - aber geächtet", SPIEGEL-Titel 11/1973 - Bekennt, dass ihr anders seid - ist im Internet abrufbar. Mehr dazu auch hier, beim Vorwort von DON 5/1973.

Während den Verleger Ferling, der DON Anfang 1972 übernommen hatte, vier Jahre lang weder Inhalt, noch "Richtung" des Magazins besonders interessierten, war dem "Redakteur" Guy Gilbert = Günter Goebel sowie allen anderen der Textteil schnurzpiepegal, Hauptsache man konnte das Bilderheft mit ein paar Buchstaben auffüllen. Das besorgte - nachhaltig imagebildend, eifrigst und von niemandem beeinträchtigt - der hier im Blog immer wieder erwähnte rechtskonservative Johannes Werres (u.a. unter einer Vielzahl von Pseudonymen). Über viele Monate hinweg hatte ich Henry Ferling immer wieder beschworen, auf diesen Autor weitgehendst zu verzichten.

* Ich wiederhole mich: Die beiden Sonderausgaben >Reise-Tipps für Homo-Trips< wurden, auf Wunsch des Verlegers Henry Ferling, komplett von mir geschrieben und gestaltet ... allerdings hatte ich mir mehr als 90% (!) der beschriebenen Reiseziele durch Berge von Reiseführern, Bildbänden und Reisemagazinen angelesen - - - d.h. die hatte ich nie zuvor besucht!!!

* "Neue Konzepte wurden besprochen" ist eine sehr ambitionierte, um nicht zu sagen amüsante Bemerkung: Bis zu diesem Sommertag im Jahre 1975 hatte es nämlich nie ein DON-Konzept (o.ä.) gegeben.  ...



Keine Ahnung, wessen Pseudonym Georg Gay ist.
"Viermal, so berichtet der SPIEGEL (33/75), wurde ein junger Mann zu Haftstrafen verurteilt, weil er etwas mit minderjährigen Jungen hatte. Danach versuchten Psychiater seinen Sexualtrieb umzuleiten. Als auch das nicht den gewünschten 'Erfolg' brachte, kam er auf den Tisch: mittels Stromstoss wurde ein Stückchen seines Gehirns zerstört. Die 'Heilung' besteht darin, dass der Sexualtrieb stark gedämpft wird, die homosexuelle Ausrichtung bleibt unverändert, der junge Mann kann sie nur nicht mehr ausleben. Er ist ein Wrack.
Jemand, der sich besonders auf dem Felde der Gehirnchirurgie hervortut, ist der Göttinger Professor Fritz Douglas Roeder. Er hält Homosexualität nach wie vor für eine Krankheit ... und behandelt vor allem Homosexuelle, die unter ihrem Triebleben 'leiden und deshalb beim Arzt Hilfe suchen' und 'deren Verhalten sich nicht mehr mit der Ausübung ihres Berufes und mit ihren Aufgaben in der gemeinschaft vereinbaren lässt' (Roeder lt. SPIEGEL) ..."

Mehr über den Neurochirurg Fritz Douglas Roeder, der mit der sog. 'Schmorsonde' Sexualtäter und Homosexuelle 'kurierte', ist in SPIEGEL 18/1980 nachzulesen.


Briefkastenonkel Tommy (Brauner) = Jens M. A. Reimer. Während der Verleger Ferling und ich bereits die Worte homosexuell bzw. Homosexueller verwendeten, bleibt Johannes Werres - hier im letzten Absatz von Gay News Germany - unverrückbar bei homophil. Unter Freunden, in schwulen Bars und Kneipen sprach damals kein Mensch von Homophilen.

"Die Haarlemer Sittenpolizei hat den 37jährigen Joop L. M. de K. festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, in seinem Haus am Haarlemse Herensingel 157 eine grosse Anzahl minderjähriger Jugendlicher zur Prostition gezwungen zu haben ... Er bot ihnen Taschengeldaufbesserung, in Wiklichkeit verdienten die Jungen ... zwischen 300 und 400 Gulden pro Mal; einen grossen Teil davon steckte Joop in seine Tasche ... Er liess von den Schäferstündchen Fotos anfertigen ... damit bedrohte und erpresste er seine minderjährigen Zwangsstricher ..."


Für Deutschland, nehme ich an, dürfte das die Premiere für schwule Kreuzfahrten gewesen sein. Der Anzeigentext ist so seriös formuliert, dass er für jede Hetero-Kreuzfahrt hätte werben können.


DON 12/75 erscheint im Dezember 1975.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
NEU > Redaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel), Frankfurt/Main und Jens M. A. Reimer, München. Bildredaktion: Hans John (= Hans Möstl). Leserbetreuung: Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer). Anzeigen: Hilde Malzbender (die existierte tatsächlich in Darmstadt)


Mein erstes Vorwort in DON, in dem ich mit dem Aufruf zum Organspende-Ausweis bewusst einen anderen Akzent setzen wollte. Im Nachhinein jedoch wird mir bewusst, dass ich mich damit um alle wirklich wichtigen Themen, die Schwulen damals noch heftig unter den Nägeln brannten  - Emanzipation, Diskriminierung, Selbstbewusstsein, Coming Out usw. - herumgedrückt habe. Die Notwendigkeit diese Probleme gerade in einem Magazin für Schwule zu behandeln, war in meinem Denken noch längst nicht angekommen.


Bildreihe von links: Günter Goebel, Jens M. A. Reimer, Hans/Johann Möstl.
In dieser Dezember-Ausgabe bestreite ich - inkl. der Geschichte "Auf Mutters Matratze" [mein erstes (sehr unerfreuliches) schwules Sexerlebnis] - bereits über die Hälfte des Textbeiträge ... u.a. den Organspendeaufruf (unter den Portraits), Tommy's Tipps und Tricks, Weihnachtsbasar ...


Freitag, 13. Juli 2012

DON - The German Gay Magazine 1975 (Heft 5 bis 6)


DON 5/75 erscheint im Mai 1975.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Bild, Anzeigen, Leserbetreuung und Text wie DON 4/1975



In den April- und Mai-Ausgaben stellen sich erstmals (!) zwei Menschen mit Bild vor, die DON (angeblich) machen. Hier: Hans John (Pseudonym) = Hans Moestl.

Hans Möstl bzw. Johann Möstl, Fotograf, * 1949. In DON wird er als 'Bildredakteur' bzw. 'Chef der Bilder' vorgestellt. Ob und welche Aufgaben er bei dem Homo-Magazin tatsächlich wahrgenommen hat ist unbekannt. Möstl gründete 1986 in Frankfurt/Main den heterosexuellen Porno-Verlag Oftly. Seine heterosexuelle Pornoproduktion / Pornoversand Oftly Goldwin GmbH sitzt heute in Österreich.

"Liebe DONs! Ich bin der Hans und die Kollegen von der Redaktion halten es für gut, wenn ich mich als der zuständige "Chef für Bilder' noch mal an dieser Stelle vernehmen lasse. Als kurze Einführung: Berufsfotograf, 26 Jahre alt oder jung - wie man es sehen will - von Österreich "eingewandert" ... Viele Wochen des Jahres bin ich nicht in Deutschland. Malta, Californien, Kenia, Bangkok, Singapur hiessen einige Ziele der zurückliegenden Monate. Es war Arbeit für DON und die Sondernummer "Reisetips für Homotrips", aber natürlich müssen die Brötchen verdient werden und alles Bildmaterial was nicht für DON geeignet ist, gebe ich an grosse Illustrierte. Zwei Kollegen arbeiten daheim für uns, hin und wieder bekommt man auch mal ein gutes Bild angeboten. Leicht ist es nicht, in jeder Ausgabe neue, gute, interessante Typen im Bild zu bringen, bitte glauben Sie mir das. Aber so wie die anderen Freunde in der Redaktion, so gilt eben auch mein Interesse vor allem der Arbeit in DON, ich hoffe, dass man es merkt. Aber ich bemühe mich, noch besser zu werden ... "

Offensichtlich hatte Verleger Henry Ferling die 'Macher' gebeten, sich endlich einmal in DON zu outen, denn mit Alexander Ziegler (für DU & ICH) und Rüdiger Morisse (für him) verkörperten real existierende Personen die beiden Zeitschriften der homosexuellen Konkurrenz.

Ich bezweifle allerdings, dass obiger Vorwort-Text aus der Feder des Hans/Johann Möstl stammt, wie ich auch den Inhalt für eine (um es vorsichtig auszudrücken) masslose Übertreibung halte.

Beispiel: 'Hans John' behauptet - um Fotos für DON! zu schiessen - überall in der Welt herumzureisen, während er sozusagen die Reste "an grosse Illustrierte" gäbe. In den entsprechenden DON-Reiseberichten (Malta usw.) erscheinen aber jeweils nur maximal 4 - 7 Schwarzweiss-Fotos, die offensichtlich 'vor Ort' gemacht wurden.

Das in den DON-Ausgaben dieser Jahre veröffentlichte Akt-Fotomaterial hingegen stammte zum weit überwiegenden Teil aus den unterschiedlichsten (auch privaten) Quellen, von denen keine einzige jemals im DON-Impressum genannt wurde. Ob und welche männlichen Akte von dem Fotografen 'Hans John' stammen, ist unbekannt.


Bei "Jungen für Geld" handelt es sich keineswegs um einen eigenständigen DON-Bericht. Am Schluss steht: Nach >Panorama< Nr. 5 vom 31. Januar 1975, frei bearbeitet und übersetzt von Johannes Werres.

Panorama, niederländische Illustrierte
< hier die Nr. 32 aus dem Jahr 1975


Autor Norbert Weissenhagen (Pseudonym) = Johannes Werres

Im Nachhinein erst fällt auf, dass der konservative Johannes Werres, wenn er gegen 'die Linken' zu Felde zog, sich überaus häufig hinter einem seiner vielen Pseudonyme versteckte:

"Von 300 Homosexuellen, die zum ersten internationalen Kongress für die Rechte der Homosexuellen nach Edinburgh in Schottland angereist kamen, waren nur 50 Frauen ... Dennoch vermochte es diese Minderheit, die Mehrheit um den Finger zu wickeln. Die Frauenthematik beherrschte einen mehrheitlich von Männern vorbereiteten Kongress. Mit seltsam irrationalen Argumenten warfen die Frauen den Männern vor, sie flüchteten in jeder Bedrängnis in ihren priviligierten Raum der Männerrolle zurück. 
Dennoch wurde zum Schluss eine Resolution der sozialistischen Arbeitsgruppe angenommen, derzufolge die Unterdrückung der schwulen Männer sehr eng zusammenhänge mit der aller Frauen und der Ausbeutung von Arbeitern durch die herrschende Klasse.
Diese theoretischen Behauptungen erschweren eine klare Sicht der wirklichen gegebenheiten und verstellen den Weg zu einer Lösung der Homosexuellenfrage. Es ist eben nicht so, wie die Linken behaupten, dass alle Menschen biologisch gleich seien ... das trifft auch auf homosexuelle Männer und Lesbierinnen zu ..."


1975 hatte die Insel Lanzarote sowenig mit schwuler Lust gemein, wie heute (2012). Dies ist dann auch eher eine der regelmässigen Werbungen des Günter Goebel (Bifipress AG, Frankfurt/Main) für Express-Flugreisen (Frankfurt/Main).

Die Aufnahmen zeigen übrigens zwei der ersten Darsteller in deutschen Homo-Porno-Produktionen (Super 8mm), mit denen Günter Goebel auf Lanzarote einen der ersten schwulen Pornos drehte.


DON wird immer 'internationaler'! Hier haben wir es sogar mit einem marokkanischen Autor,  "unserem Mitarbeiter in Tanger, Kouran Moussah", zu tun ... :-)


In dem "Leser"-Beitrag geht es mitnichten um Homos, sondern um einen pauschalen Total-Verriss schwuler Bars. Ich vermute, dass ihn der Verleger deshalb mit "DON-Leser als Autoren" etikettierte.


DON 6/75 erscheint im Juni 1975.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Bild, Anzeigen, Leserbetreuung und Text wie DON 4/1975


Hier erscheint - in Bild und Text (?) das zweite Mal innerhalb von 3 Jahrgängen - der einstige DON-Herausgeber und bis 1976 DON-Redaktionsleiter Guy Gilbert (Pseudonym) = Günter Goebel. Details bei Günter Goebel



Details zu dem Autor Thomas Wagner, einem katholischen Theologen, stehen bei DON 5/1974


linke Seite: Leserfrage- und Redaktionsantwortspiel à la 'BRAVOs Dr. Sommer'



von Asgar Stein - Wer war das? Und gab es ihn überhaupt?
"Zunächst einmal ist es lobenswert zu nennen, wenn eine Zeitschrift sich bemüht, die Vorurteile gegenüber Homosexuellen abbauen zu helfen. Dies vor allem, wenn es sich um eine Jugendzeitschrift handelt. >Bravo< hat in der Vergangenheit einige zaghafte Versuche gemacht und sich des Themas Homosexualität angenommen. Den jüngsten Versuch lasen wir in der Musikzeitschrift >Pop< ..."

Dass ein Thema wie Homosexualität in heterosexuellen Publikumszeitschriften (noch sparsam!) auftauchte, war der sog. Sexwelle - Auftauchen Ende der 60er Jahre zu verdanken (Aufklärungsfilme, Oswald Kolle, sexuelle Freizügigkeit der 68er, 1. Reform des § 175, freizügigere Bilder in der Werbung und auf den Titelseiten der Zeitschriften ...). Allerdings wurde es noch viele Jahre herrlich verkrampft und verklemmt behandelt. Typisch dafür - wie im obigen Beitrag beschrieben - war das Fazit all dieser Artikel: Fürchtet Euch nicht, homosexuelle Kontakte in der Pubertät sind ganz normal. Das ist nur eine Übergangsphase. Von Schwulsein, Diskriminierung und Coming Out war noch keine Rede.