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Dienstag, 3. September 2013

DON - The German Gay Magazine 1980 (Heft 9)


DON 9/1980 erscheint im September 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Ein sehr persönlicher Bericht des DON-Autors Andy Müller, der am 12. Juli 1980 in der Bonner Beethovenhalle die Veranstaltung >die Parteien auf dem Prüfstand< besucht hat, die letztendlich im Chaos unterging ... siehe den Bericht von Hans Hack am Ende dieses Blogs.

Details:  
" ... Zunächst aber traf man sich im Foyer, wo ein schwuler Mini-Markt aufgebaut war. Dabei 'glänzte' die Berliner Eisenherz-Buchhandlung ganz entgegen ihrem eigentlichen Sortiment mit einem breit gefächerten Angebot schwuler Pornos, offenbar um allen bisher Uneingeweihten einmal deutlich vor Augen zu führen, wofür sie sich da einsetzen ... "

" ... die Damen und Herren Indianer gaben sich erneut die Ehre. Das liess die sattsam bekannte Show erwarten, mit der diese Gruppen ihr Anliegen an den Mann / die Frau / die Kinder zu bringen versuchten ... " 
(Anmerkung: Die Indianerkommune war ein Zusammenschluss von Menschen, die sich selbst als „Kinderrechtekommune“ bezeichneten.)


DON illustriert seine anspruchsvollen Inhalte nun wieder mit laienhaften Ausschussfotos.


links oben:
Da der DON-Verleger Henry Ferling FDP-Mitglied war, nehme ich an, dass er die von einem Peter Kraemer aus Essen verantwortete Wahlwerbe-Anzeige kostenlos abdruckte: "Wir haben uns entschlossen, am 5. Oktober 1980 F.D.P. zu wählen und bitten Euch das gleiche zu tun. Unsere Gründe ... Wir haben uns davon überzeugt, dass die F.D.P. die einzige der im Bundestag vertretenen Parteien ist, die sich ausdrücklich für unsere Interessen einsetzt ... "

Anmerkung: 1980 trat der homophobe Bayerische Ministerpräsident Franz-Joseph Strauß (1915-1988), CSU, als Bundeskanzler-Kandidat von CDU/CSU als Herausforderer von Bundeskanzler Helmut Schmidt an. Gegenüber der Bundestagswahl von 1976 verlor die Union - Dank Strauß - gut 4% der Stimmen.

rechts oben bis Schluss:
Satire von Jens M. A. Reimer - Franz-Josef ist mein Mann - über einen fiktiven Briefwechsel zwischen Jens und Franz-Joseph Strauß, der in einer fast schon gegenseitigen Liebeserklärung sein Happy End findet.


Hans Hack berichtet über das Desaster der am 12. Juli 1980 in der Bonner Beethovenhalle stattfindenden Veranstaltung >die Parteien auf dem Prüfstand<.


Alle 10 Aufnahmen wurden bei dieser Veranstaltung aufgenommen. Teilnehmende Politiker, Medienvertreter und Redakteure der deutschen Schwulenpresse bei der anschliessenden Diskussion im kleinen Kreis.

Rechts oben: Hans Peter Reichelt (= Hans Eppendorfer, 1942-1999) (him applaus), Wolfgang Selitsch (DU + ICH, der Name wird über DU + ICH in Wikipedia unterschlagen), Gerd Talis (= Gerhard Friede) (DON und gay jourmal)
Rechts unten im Kreis u.a.: Hans Peter Reichelt, Günter Verheugen (F.D.P.), Gerd Talis, Friedrich Rahardt (CDU, Bürgerschaftsabgeordneter in Hamburg), Wolfgang Selitsch.

Donnerstag, 8. August 2013

DON - The German Gay Magazine 1980 (Hefte 4 + 5)


* Aktion '80: Wir fordern mehr als Schutz und Duldung
* Schwarzes Leder: Männlichkeitssymbol oder Tuntenkluft?
* Sportdress und Uniform: Kein Schutz vor Männerliebe

DON 4/1980 erscheint im April 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Die Ausgabe enthält bereits wieder 24 ganzseitige Aktfotos, darunter auch banalste Laien-Aufnahmen, die ganzseitig 'aufgeblasen' werden, 4 Homo-Geschichten, 2 Bücher-Seiten, 6 Seiten Kontakte (tatsächlich sind es komprimiert nur 2,5 Kontakte-Seiten), immerhin noch 3 Seiten DON News und jetzt auch wieder eine Anzeige des Foerster Versand (siehe Kurt-Joachim Foerster)


Die vier grossen 'Publikumsblätter' der deutschen Homophilen-Presse (sogar 1980 noch verwenden selbstbewusste schwule Journalisten das antiquierte Wort 'homophil') haben sich zum ersten Mal zu einer grossen Aktion zusammengetan: DU & ICH, DON, gay journal und him/applaus.

Die Leser dieser vier Publikationen wollen - via Unterschriftenaktion - an die vier zum nächsten Bundestag kandidierenden Parteien 9 Forderungen stellen. Linke Seite = Forderungskatalog mit Unterschriften-Coupon u.a. mit der Hauptforderung, dass die Erkenntnisse der Sexualforschung (dreier Nachkriegsjahrzehnte) in Sachen Homosexualität erstens überhaupt einmal der breiten Öffentlichkeit vollumfänglich und verständlich bekannt gemacht werden und zweitens schnellstens Eingang finden in die Gesetzgebung.

U.a. auch "die Forderung nach Wiedergutmachung an jenen, die allein wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Orientierung zu Verfolgten der Nazi-Gesetzgebung ins KZ" gekommen sind.


Dass nach 11 Jahren, in denen mehrere schwule (mehr oder minder engagierte und aufklärerische) Publikationen am Kiosk käuflich sind und DON in den vergangenen 5 Jahren vielfältige Leseraufklärung betrieben hat, nun so ein Artikel erscheint - "Wir wollen versuchen begründete wissenschaftliche Antworten zu geben" - ist einigermassen verblüffend.


Schwule und Leder
" ... Überall auf dem Erdball gibt es Bars und Clubs, in denen dem leder, seiner Symbolik, seinen fetischistischen Begleiterscheinungen gehuldigt wird. In den teil dunkel-düsteren, teils grellbeleuchteten Bars ... dominiert das Juchten-Odeur, reizen schweisstreibende Spiele die Sinne der Beteiligten zum Zerspringen. Diese starken Männer sind in schwarzes Leder eingeklemmt von Kopf bis Fuss. Sie lieben ihre enganliegende Lederkluft ... "


* Wir zwei: Bilanz einer Beziehung
* Dreiklang: Formen der Beziehung
* Zurück nach Olympia: Kann der Sport zur Renaissance der Homoerotik beitragen?

Was ich glaubte, überwunden und abgehakt zu haben - nämlich Bubi-Bilder auf dem DON-Titel - wird ab Januar 1980 unter Gerd Talis wiederbelebt.

DON 5/1980 erscheint im Mai 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Ein ebenso exzellenter wie spannender Report über das schwule Coming out in Italien, Gewalt gegen italienische Homosexuelle, die erste Schwulen-Demo in Rom, die verkrustete Einstellung der italienischen Gesellschaft (selbst der kommunistischen Partei!) - Dank der allmächtigen katholischen Herrschaft über das ganze Land, die homofeindliche Gesetzgebung, die erste Schwulengruppe -  FUORI - in Turin ...


Vier ungeklärte Morde an Homosexuellen in München, die jeweils um die Sylvester-Zeit verübt wurden: Josef Brunner 1978, Georg Less und Gunnar Kirchmair 1979, Rudolf Wedenik 1980. DON fragt, wer zur Aufklärung dieser Fälle in irgendeiner Weise beitragen könne?


Bubis, siehe meine Bemerkung zur Titelseite.


Links unten eine Anzeige für den Sommer-Katalog des Top-Versand mit (links) dem bundesweit bekannten Callboy "Schwanzstar Dieter, Karlsruhe" (links) als Unterhosen-Model.

"Aus dem Leben eines Homos" ist eine ganz ausserordentliche Würdigung für den schwulen österreichischen Schriftsteller, Journalisten und Übersetzer Erich Lifka (auch als Theo Blankensee, Dr. Eberhard Klostermann, Georg Rotheisen, Hans Hagen, Karheinz Santner) (1924 - 2007) anlässlich des Erscheinens von >Freundesliebe - Aus dem Leben eines Homophilen< (inkl. Besprechung), erschienen 1980 im Foerster-Verlag (siehe Kurt-Joachim Foerster).

Erich Lifka, der als literarischer Autor vor allem mit Gedichten und Erzählungen hervorgetreten ist, war einer der aktivsten schwulen Autoren nach dem Zweiten Weltkrieg. Zahlreiche Beiträge von ihm erschienen auch in DON und ADAM.


Lifkas Wikipedia-Eintrag (Link oben) ist informativ. Die Abbildung ist Teil eines mehrseitigen Beitrags "Mein Name ist Erich Lifka. In Moskau kennt man mich." in "Invertito - Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten, 15, jg. 2013" vom Männerschwarm Verlag.

Weitere Quellen: Erich Lifka, Der Kreis
und Fundstücke bei schwulengeschichte.ch

Dienstag, 9. Oktober 2012

DON - The German Gay Magazine 1977 (Heft 3 bis 4)


DON 3/77 erscheint im März 1977. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976

Man beachte die Ankündigung "Lupenscharfe Buntfotos"


Vorsicht Leder: " ... noch immer ist der Homophile ein bevorzugtes Objekt für Nepper, Schlepper und Bauernfänger. Die DON-Redaktion hat es sich zur Aufgabe, bekanntgewordene Fälle ... zu veröffentlichen. Nunmehr werden wir diese Aufgabe weiter fassen ... indem wir undurchsichtige Angebote, fragwürdige Anzeigen, Prospekte und Publikationen oder uns bekannt werdende Fälle selbst auf ihren Ehrlichkeitsgehalt überprüfne und unsere Leser vom Ergebniss unterrichten ..." Im aktuellen Fall geht es um die 'internationale Organisation Interchain' aus Effretikon/Schweiz, die "passende Partner" vermittelt.

The Persian Boy "... ist der Titel von Mary Renaults Roman über Alexander den Grossen und seinen Liebhaber Bagoas. Für die vorgesehene Verfilmung suchen die Filmemacher in der amerikanischen homophilen Kultur-Zeitschrift 'after Dark' nach einem Jüngling, der die Rolle des Liebhabers übernehmen soll ... Schauspieler wie Peter O'Toole, Riochar Harries, Max von Sydnow und Michael York waren im Gespräch."

Bangkok ist 'out'. "Die Freizügigkeit Thailands, von der besonders homophile Reisende schwärmen, ist vorbei. Einer unser Fotoredakteure war am Jahresende dort und berichtete von rigorosen Massnahmen der Militärregierung und unschönen Reisevorkommnissen. Unser Fotomann: >Nicht mehr empfehlenswert!< "



" ... Der Rosa Winkel gilt heute als Symbol der internationalen 'Schwulenbewegung'. Und er wurde Titel eines Films von Dr. Christiane Schmerl (31), Peter Recht (25), und Detlef Stoffel (26), produziert von der Fakultät für Soziologie an der Universität Bielefeld ... Im ersten Teil werden die Unmenschlichkeit, das Elend und die Massenvernichtung Homosexueller während der Dritten Reiches bewusst gemacht ... Im zweiten Teil ... wird anhand von vier Beispielen die heutige Diskriminierung und Existenzbedrohung Homosexueller aufgezeigt ...

... Rechtsanwalt Otto Jänisch, Saarbrücken, der erst nach erheblichen Schwierigkeiten und einer Pressekampagne als Anwalt zugelassen wurde. Damalige Stellungnahme der saarländischen Anwaltskammer: Die etwaige Unterhaltung homosexueller Beziehungen lässt den Bewerber nicht würdig erscheinen, den Beruf eines Rechtsanwalts auszuüben ...

... Werner Janik, Mitglied einer Bonner 'schwulen Emanzipationsgruppe', der von zwei Gerichten verurteilt wurde, weil er sich weigerte, die Namen von Mitgliedern seiner Aktionsgruppe vor Gericht zu nennen ...

Der Schüler Olav Meyer-Sievers, den die Hamburger Polizei aus dem bett seines Freundes holte ...

Und der Lehrer Reinhard Koepp, der aus dem Westberliner Schuldienst entlassen wurde, weil er sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte und bis heute mit Berufsverbot belegt ist, obwohl Schüler und Eltern für ihn auf die Barrikaden gingen ... "

Anmerkung: DON verwendet nach wie vor und bis zum Überdruss das Wort homophil, setzt das Wort schwul in Anführungszeichen und benutzt dann (aus Versehen?) hin und wieder auch das Wort homosexuell.


Yachtkreuzfahrt von Mofalcone entlang der italienischen und jugoslawischen Adriaküste zur Insel Rab und bis Zadar. 14 Tage Halbpension DM 1175, Eigenanreise.

Kreuzen durch die griechische Inselwelt der Kykladen mit dem Hauptziel Mykonos. 14 Tage, ausser einem Abschiedsessen wird über Verpflegung nichts erwähnt, 14 Tage inkl. Linienflug ab Frankfurt DM 1800.

Als Vermittler agiert der 'DON-Reisedienst', die Postfachadresse dürfte dem einstigen DON-Inhaber und -Redakteur Günter Goebel gehören, der jetzt noch unter Bildredaktion im Impressum genannt wird.


'Neununzwanzig schwule Geschichten', Joachim S. Hohmann, Foerster-Verlag (siehe folgend Kurt-Joachim Foerster) ...
"Was dem HiFi-Hörer die Langspielplatte, ist dem Homo-Leser der neue 'Hohmann'. Ein Mini-Taschenbuch mit 29 Singels - und noch kürzer: Manche der Stories absolviert man in weniger als 90 Lesesekunden. Aber jede für sich ein erzählerisches Bravourstückchen, ein Cocktail aus Erotik, Porno und Überraschung. Trotzdem: Alle 29 zusammen hinterlassen einen selten faden Nachgeschmack. 'Schwul' steht wieder einmal für ein einzigartiges Sammelsurium von Bums, Backen, Brustnippeln, Fick, Fack und Fäkalien, Loch, Lustknaben und Latrine ... Also genau jene schwule Kollektion, die uns Homophile in den Augen anderer so sündhaft auszeichnet. Nach 29 Stoßvariationen fragt man sich unwillkürlich: Sind wir das wirklich? ... "

Prof. Dr. Dr. Joachim Stephan Hohmann, Pseudonym Angelo Leopardi, 1953-1999, Schriftsteller, Pädagoge, Soziologe, Kulturhistoriker, Lyriker und Hochschullehrer ...

Hier geht es ausschliesslich um Hohmanns schwule Aktivitäten und seine vielfältigen Publikationen zur Homosexualität und Pädophilie, also all das, was im Wikipedia-Eintrag offensichtlich ganz bewusst unter den Teppich gekehrt wird, während heterosexuell-selbstverständlich auf eine hinterbliebene "Ehefrau und vier Kinder" hingewiesen wird.

Denn Hohmann war nicht nur Chefredakteur des schwulen Magazins MANN (um 1978) --- Mitarbeiter und Autor zahlloser Beiträge in schwulen Publikationen (rechts "unter uns", Vorläufer von ADAM unter uns, Ausgabe Mai/Juni 1977) --- einer der wichtigsten Autoren des schwulen Foerster Verlag des Kurt-Joachim Foerster ("einer seiner ältesten Freunde") --- Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher zu den Themen Homosexualität und Pädophilie --- sowie - als Angelo Leopardi - Autor pädophiler Aufreiz-Literatur wie "Das Knaben-Brevier" oder "Der Lieblingsschüler, Billy the Kid und andere Boy-Stories", aber bspw. auch das "Handbuch der schwulen Lust".

In DON-Ausgaben werden u.a. vorgestellt und kommentiert "Homosexualität & Subkultur", 1976, Andreas Achenbach (DON 6/1977)

"Pädophilie, Liebe mit Kindern" mit einem Hohmann-Nachwort aus der Sicht des Pädagogen: "... So liegt es beinahe ausschliesslich am Pädophilen selbst, ob er das Vorurteil vom reifen Lustmolch einlöst oder sich als ehrlicher Pädophiler, als Freund und Beschützer der Kinder erweist ..." (DON 4/1979)


"Mein Lesebuch", 1979, Foerster (DON 7/1980)

"Der Eigene", 1981, Reprint, Foerster (DON 8/1981)

"Entstellte Engel, Homosexuelle schreiben", 1983, Fischer TB (DON 5/1983) ...


DON 4/77 erscheint im April 1977. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


"Lieber Leser! Der Emanzipationskessel kocht. Nicht mehr auf Sparflamme, denn jetzt wird eingeheizt. Jetzt wird Dampf gemacht. So weit - so gut. Wer aber denkt darüber nach, ob dieser Kessel nicht einmal überkochen und uns allen um die Ohren fliegen könnte? Wer darf denn den Dreck hinterher zusammenkehren, den beispielsweise ein gewisser Holger Mischwitzky ausstreut? Dieser - bekannter unter dem Namen Rosa von Praunheim - brachte unter dem Titel 'Sex und Karriere' eine illustrierte Autobiographie heraus. Darin greift Holger, Rosa oder wie immer Sie wollen, bekannt für geniale, originelle, provozierende und kitschigschöne Kreativität, ins Vollsaftige. Das beginnt bei der detaillierten Beschreibung seiner Hämorrhoiden und endet längst nicht beim Faustfick. Werner Schroeter, sein Rivale um den Titel der 'Queen of Underground' dazu im SPIEGEL: 'Leider werden viele traurige deutsche Bücherwürmer das bunte und oft groteske Werk wie einen lecken Eimer Scheisse fallen lassen, denn hier mischen sich Gestank und Blütenduft wie selten einmal' ... 
Ich frage mich nur, ob sich alle Homophilen den Rosa-Stöpsel aufpfropfen lassen, so ganz widerstandslos? him applaus präsentiert Rosa in seiner März-Ausgabe mit dessen Busenfreund Peggy beim Show-Fick (Unanständiges sauber durchgestrichen). du und ich druckt in seiner März-Ausgabe zwei geil triefende Seiten aus dem neuen Praunheim-Schocker ab, um dann, noch etwas benommen von den deftigen Details, zu kommentieren: 'Trotzdem, lieber Rosa, etwas weniger wäre mehr' ... 
Unbestritten scheint mir die Tendenz - und die ist menschenverachtend. Rosa, Robin Hood der Verfolgten und Unterdrückten? Rosa, Bombe auf's Establishment? Rosa - uns Vorbild? 
Ich habe vor mir die verzweifelten Zeilen eines 16-jährigen zu liegen, die Briefe eines wegen Homosexualität gekündigten Angestellten und eines 34-jährigen, der sich nach einem Menschen sehnt. Wann beginnen für sie rosa Zeiten? Herzlichst Ihr Jens"

Sehr persönliche Anmerkung: "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt", halte ich für die einzige emanzipatorische schwule Leistung des Rosa Holger Mischwitzky von Praunheim. Der Rest war ist und bleibt - für mich - ein publizitätsgeiler, narzistischer, sich selbstbefriedigender Kreativ-Dilettant, der ohne seine spezielle sexuelle Orientierung als harmlos-mittelmässiger Knallkopf ntergegangen wäre.


"Vor genau vierzig Jahren (=1937) erschien im Eher-Verlag (Zentralverlag der NSDAP) ein Buch des Chefredakteurs der berüchtigten Wochenschrift der SS >Das Schwarze Korps<, Gunter d'Alquen, mit dem Titel >Auf Hieb und Stich<. Zur Erinnerung an die grausame Ideologie jener Zeit zitieren wir heute aus den Seiten ab 164 ..."



Durch den schwulen Kakao gezogen werden:
Johannes Werres

Fridman Meysenburg, der im Februar-Heft von SPONTAN die Frage stellt (und selbstverständlich beantwortet) "Wollen Schwule das lesen?"

Die homosexuellen Aktionsgruppen Süddeutschlands mit ihrer Publikation EMANZIPATION, die "freien Klappenverkehr" forderten (grundgesetzlich verbriefte Rechte auch um und in öffentlichen Toiletten)

Alexander Ziegler, "... Lockenschopf, Schauspieler und Chefredakteur, kämpft in seiner Zeitschrift du und ich nicht nur für die Homosexuellen, sondern auch für den schweizerischen Uhrenumsatz..."



Freitag, 28. September 2012

DON - The German Gay Magazine 1976 (Heft 11 bis 12)


DON 11/76 erscheint im November 1976. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


Das Bildmaterial beginnt - vor allem die drucktechnische Wiedergabe - besser zu werden. Auf dieser Seite, wie auch den beiden folgenden, sind zumeist türkische Jungs abgebildet, die für den Kölner (Düsseldorfer?) Callboy tätig waren. Er selbst ist in der Mitte des farbigen Bar-Bildes zu sehen; Details bei DON 7/1976, zweite Seiten-Reproduktion.

Ich vermute (?), der Fotograf war Manfred Rudat (Wohnsitz damals u.a. Düsseldorf), der viele Homo- und Homopornomagazine mit Bildmaterial versorgte und technisch sehr gute Schwarzweissaufnahmen und Farbfotos bot.

Auf den folgenden Seiten erscheinen erstmals wiederholt US-Modelle = Fotos aus den USA: linke Seite "Wer streitet", Rückseite von Titel 12/1976, linke Seite neben DON-Vorwort, linke Seite neben "Buch-Kritik" ...


Die Pedro-Story war, wie vieles in DON, frei erfunden. "Pedro" war kein Spanier, sondern Türke ... siehe obigen Text.




Es tauchen immer wieder Autoren-Namen auf, hier Gunnar Friedrich, auf die ich mir keinen Reim machen, also auch nicht sagen kann, ob es sich um ein Pseudonym handelt.


DON 12/76 erscheint im Dezember 1976. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


Bei DON melden sich vier Ärzte, die sich bereiterklären DON-Lesern Ratschläge zu geben und DON-Beiträge zur Gesundheit auf medizinische Richtigkeit zu überprüfen / DON sucht unter seinen Lesern noch einen Anwalt, der bereit ist Lesern und bei juristischen Themen zu helfen / Viele Leserbriefe erreichen die Länge von Kurzromanen / "In dieser Ausgabe lesen Sie Michael Alberts vorerst letzte DON-Geschichte ... Im neuen Jahr weht ein neuer Story-Wind: Gerry Gregor wird Sie erstmals im Januar zum Lesen verführen... " Diese Passage ist kurios und 'witzig', denn beide Pseudonyme hatte ich mir zugelegt, als ich für DON vor Jahren zu schreiben begann. / him heisst jetzt him applaus und versteht sich als "kulturelles Forum für Minderheiten" / In Österreich wird gleichgeschlechtliche Liebe und die Herausgabe von Homo-Zeitschriften immer noch mit Freiheitstrafe bedroht. Trotzdem hat sich in Wien eine erste 'Initiativgruppe Homosexualität' gegründet.

Die Werbung des Gala-Verlages für ein neues Homobuch wird mit folgenden Versprechungen angekündigt: >"... Mit seinem ersten Buch legt Rico di Positano zwölf Geschichten als Proben seines Könnens vor. Sie haben wenig mit Protzereien über Potenz und Promiskuität zu tun. Vielmehr bringen sie Freude am Sex und an der Schönheit männlicher Körper. Seit das Gefühl in der erotischen Literatur wieder 'in' und die Pornowelle verebbt ist, fliessen Geschichten aus dem Leben wie ein breiter Strom dahin .... Rico di Positano will zum Kern des Menschentyps HOMO vorstossen..." Und gestossen wird dann auch; Seite für Seite. Bis zum Bums auf der Mülltonne. Hier wird dem Käufer literarische Erotik in die Augen gestreut, und tatsächlich übertrifft sich Herr Positano zwölfmal in der typischen Potenz-Akrobatik: Anfassen, ausziehen, bums, bums, abspritzen ... Wenn das der 'Kern des Menschentyps HOMO' sein soll, dann Gutenacht. Wer hätte etwas gegen Pornographie, zumal wenn sie, wie in diesem Buch 'Unten ohne' knackig geschrieben ist. Aber man soll doch nicht den Käufer für dumm verkaufen, und ihm unter einem literarischen Deckmäntelchen ein Onanierbuch anbieten. Eine andere homophile Zeitschrift verstieg sich sogar in ihrer Rezension zu den Worten 'regt zum Nachdenken an' und setzte 'Unten ohne' auf den ersten Platz ihrer 'Bestsellerliste' ... <

Rico di Positano oder Rico (auch Autor von Geschichten in DON) = Heinz Liehr (mehr bei seinem Lebenspartner Johannes Werres)


HOM begann in jenen Jahren die schärfsten aller Herren-Unterhosen auf den Markt zu bringen. Die relativ dünnen HOM-Stoffe enthielten einen hohen Lycra-Anteil, waren folglich sehr dehnbar und liessen Geschlecht und Po optisch hervorragend herausbeulen.

Der DON-Verlag schrieb die "Créateurs de sous-vêtements masculins et lingerie masculine" wiederholt an, schickte Muster-Exemplare, bot Kollektionsvorstellungen im Heft und hoffte irgendwann auf einen Anzeigenauftrag. Damals jedoch genierten sich u.a. die Markenhersteller noch ganz gewaltig, in irgendeiner Form in einer schwulen Zeitschrift in Erscheinung zu treten. DONs Musterhefte, hiess es, waren samt und sonders im Hause HOM 'verschwunden' und mit Verweis auf die Pariser Werbeagentur schob man dann irgendwann die homossexuelle Peinlichkeit beiseite.


Die schwulen Publikationen damals erschienen mir alle zu ernst, staubtrocken - kurz - völlig humorlos. Dabei gab es gerade über Schwule, über die schwule Szene und bspw. die kommerziellen Angebote für Homosexuelle jede Menge Komisches, Irrsinniges und Amüsantes. Als ich mit DON 9/1976 begann die Heft-Inhalte festzulegen, begann ich auch regelmässig amüsante Kuriositäten aus der schwulen Szene, der Community und vom schwulen Markt einzubauen. Ralf König trat erst 1984 mit SchwulComix in der Szene in Erscheinung.


Die Buchbesprechung von Alexander Zieglers "Die Konsequenz" überliess ich ganz bewusst Ingo Leander, erschienen in dem Müchner Schwulenblatt Emanzipation 5/1976. Es ist ein ebenso intelligenter wie drastischer Total-Verriss. Ein paar Satzbrocken: "Der süßsaure Sirup der unfreiwillig komischen Darstellung dieser Romanze ... fader Stil ... platte Kalendersprüche ... das Unerträgliche an dem Buch ... >Träume sind Illusionen, und Illusionen sind nicht greifbar<, schwafelt Alexander, >Wegweiser, die dir etwas zeigen, wenn du alleine oder verzweifelt bist ... Aber du darfst nie versuchen, diesen Lichtern, die deine Dunkelheit aufhellen, zu folgen.<"

Schauspieler Alexander Ziegler war schliesslich 'Chefredakteur' des homophilen Konkurrenzblattes DU & ICH, und es hätte nicht gut ausgesehen, wenn ein Redakteur dem anderen Schreib-Unfähigkeit attestiert.


Details zu dem (regelmässigen) Autor Thomas Wagner, einem katholischen Theologen, stehen bei DON 5/1974