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Donnerstag, 17. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 2)


DON 2/1984 erscheint im Februar 1984 im Verlag Henry Ferling, Darmstadt. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" aus: Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M.A. Reimer), Achim Ehlert (= Ejo Eckerle) und Dorin Popa.

Titelseitenfoto Mike Arlen, London


Quick-Reporter Peter Franz steigt hinab in den "Seuchensumpf" Berlin.

"Wenn QUICK ... seinen Lesern Homosexuelles auftischt, dann dampft es mächtig aus der schwulen Klischee- und Zerrbildküche. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der homosexuellen Minderheit hat in diesem bunten Illu-Blatt noch nie stattgefunden. Die 2,5 Millionen bundesdeutschen Schwulen existieren für die QUICK-Redaktion nur dann, wenn man mit ihnen Leser aufgeilen kann. Oder wenn sich mit ihnen ein Schocker fabrizieren lässt. Wie jetzt vor Weihnachten. Da hat es QUICK wieder einmal fertiggebracht, antischwulen Sprengstoff mit tränenverschmierter Druckerschwärze hochgehen zu lassen ... "

Anmerkung: Die Illustrierte QUICK, 1946 bis 1992, gehörte ab 1966 zu dem volksverblödenden Journaille-Repertoire des Hamburger Heinrich Bauer Verlag


"Tanztheater und Travestie, Feiern und Diskussionen, Fassbinder-Drama und Unbekanntes stand Ende Dezember im experimentierfreudigen Frankfurter Theater am Turm auf dem Programm. Unter Leitung von Elmar Kraushaar mischten sich Männer, Frauen, Nichtschwule, Bewegungsprominenz und schillerndes Unbekanntes zu einem Potpourri homosexueller Künste ... "


Fortsetzung der Serie ab DON 10/1983: Textauszüge aus "Handbuch der gesamten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellungen", Band III, Die Homosexualität des Mannes und des Weibes von Sanitätsrat Dr. med Magnus Hirschfeld, 2. Auflage, Louis Marcus Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1920.

Farbfoto: Gambera, Sizilien


Hirschfeld: " ... Manche Urninge bedienen sich zu ihrer Verständigung der Anschlagsäule, wo sie mit Bleistift nur dem Eingeweihten verständliche Zeichen und Zeitbestimmungen hinkritzeln. Häufiger aber leistet, wenn auch wohl fast stets unbewusst, die Presse den Urningen Mittlerdienste. In manchen Blättern findet man fast täglich mehrere Inserate, die homosexuellen Zwecken dienen ... Älterer Herr, kein Damenfreund, sucht Bekanntschaft mit Gleichgesinnten .... Älterer Junggeselle wünscht gleichgesinnten Anschluss ... Junggeselle, gut. Ges., sucht freundschaftl. Verkehr m. led. gleichges. Herrn in älteren Jahren ... "

Die Karikatur stammt von dem bekannten Cartoonisten Rudi Hurzlmeier, der zur gleichen Zeit auch für ADAM Karikaturen zeichnete.


Die Kießling-Affaire, von 1983 bis 26. März 1984, in deren homophober Drecksbrühe u.a. das >Amt für Sicherheit der Bundeswehr<, die Kölner Kriminalpolizei, die Kölner Schwulenkneipen >TomTom< und >Café Wüsten<, der Verteidigungsminster Manfred Wörner (CDU), der schwule Schauspieler Alexander Ziegler und der Stricher Achim Müller mitmischten.

"Monate vor der freiwillig vorgeschlagenen vorzeitigen Pensionierung musste Vier-Sterne-General Günter Kießling am 30. Dezember in Bonn die Entlassungsurkunde entgegennehmen. Ohne jedes militärische Zeremoniell wurde er, einer der höchsten deutschen Offiziere, aus dem Dienst entlassen. Als 'Sicherheitsrisiko', das die deutsche Presse nach verschiedenen Andeutungen in der mutmasslichen Homosexualität Kießlings begründet zu sehen glaubte ..."

Montag, 14. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 1)


DON 1/1984 erscheint im Januar 1984 im Verlag Henry Ferling, Darmstadt. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" aus: Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M.A. Reimer), Achim Ehlert (= Ejo Eckerle) und neu Dorin Popa *.

* Dorin Popa, Jahrgang 1961, übernimmt mit der Januar-Ausgabe die Redaktionsleitung (und den Umbruch) von DON, erscheint in dieser Funktion jedoch erst im Impressum der März-Ausgabe.

(" ... Richtig gelernt habe ich den Journalismus nie. Kein Studium, keine Journalistenschule, kein Volontariat, sondern vom Gymnasium an einfach gemacht. Weshalb ich nun schon über dreißig Jahre im Printbereich arbeite... " Dorin Popa im September 2012)

Das Titelbild zeigt Ryuichi Sakamoto in dem Film >Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence<. Die exakte Übersetzung des japanischen Filmtitels lautet: >Fröhliche Weihnachten auf dem Schlachtfeld<.


"Mit diesen mehr oder minder fröhlichen Schnappschüssen aus dem schwulen San Francisco wünschen wir - die DON-Macher - Ihnen allen ein mehr oder weniger fröhliches 1984 ..."


Wien: "Grund zur Sorge besteht für die Rosa-Lila-Villa, das Wohn- und Kommunikationszentrum Wiener Homosexueller. Nachdem während des Papstbesuchs ein Transparent >Jesus liebt auch Schwule und Lesben< verkündete, und zuvor noch ganze fünf Beschwerden aus der Nachbarschaft ... im Rathaus eingetrudelt waren, beschloss die Gemeinde den Abriss des Zentrums ... "

Berlin: "Auch nach Gründung eines >Instituts für Sexualwissenschaft e.V.< ... sieht die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft das Vermächtnis Hirschfelds, aus den verbliebenen Mitteln seiner Stiftung einen Lehrstuhl für Sexualwissenschaft an der Berliner Universität einzurichten, als nicht erfüllt an ... "

Münster: " ... Einen neuen Aspekt der Person und der Kunst Fassbinders offenbart eine ihm gewidmete Skulptur des Bildhauers Richard Serra. Eigens für den Innenhof des Westfälischen Landesmuseums konzipiert, besteht das Kunstwerk aus drei hohen Stahlplatten ... " 

Peter Schult: "DIE GRÜNEN im Bundestag unterstützen das Gnadengesuch des an Krebs erkrankten Peter Schult ... dass jede längere Inhaftierung im krassen Missverhältnis zu seinen Straftaten und zu seiner nur noch kurzen Lebenserwartung stünde, fordern sie für den ... Todkranken Haftverschonung ... "


Bundeswehr 1   "Ob man nun seine Lust, vor anderen zu paradieren, von der Sub auf den Kasernenhof verlegen will oder staatsbürgerliche Pflichten zu erfüllen trachtet: Der Dienst an der Waffe kann für den Schwulen zum Schrecken werden, der im Selbstmord endet. Denn zu oft erwarten den Wehrpflichtigen oder den zeitsoldaten, auf dem Karriereweg vom Rotarsch zum Lametta-Träger, Vorurteile und Unterdrückung, Schikanen und Benachteiligung. trotz aller Phrasen vom 'Bürger in Uniform' ... "


Bundeswehr 2 "Die Paraderolle des schwulen Soldaten scheint der ehemalige Bundeswehr-Hauptmann Michael Lindner * gepachtet zu haben, der in kaum einem Artikel oder Buch zu diesem Thema ungehört bliebt - zuletzt in einem lesenswerten Beitrag des rororo-Bands >Unbändig männlich<. DON möchte einmal die Erfahrungen anderer hören und unterhielt sich mit Franz und Stefan über ihr Schwulsein vor, während und nach der Dienstzeit in oliv ... "

* Der Link leitet zu einem ZEIT-Artikel vom Januar 1984. Im Internet gibt es eine Reihe weiterer Artikel zu dem Thema und dem Hauptmann in diesen Jahren.


"Aids, der unbekannte, lebensgefährliche Killer, gegen den bisher noch kein Kraut gewachsen ist, hat sich einen festen Platz in den Medien erobert. Nach reisserischen Presseberichten, aber auch bemüht sachlichen Darstellungen ... von denen man das nicht unbedingt erwartet hätte, z.B. dem STERN, kommt jetzt der Run der Bücher. Während Rowohlt, rosa Winkel und angeblich auch Goldmann noch am Werkeln sind, liegt bereits die erste akribische Bestandsaufnahme dieser Seuche vor ... "


Satire: "Gefühle bringen die Männer oft zum Waschsalon. Der eine weiss nicht, was er tun soll, der andere zerfliesst vor Sehnsucht. Was eine Begegnung anrichten kann, in der ein junger romantischer Mann seine heimlichen Sehnsüchte nachts erfüllt bekommt, kann sich niemand vorstellen - aber knipsen! Lesen Sie, wie das gigantische Feuer der Liebe durch den Waschsalon tobt, wie eine überschäumende Liebe beim Hauptwaschgang den Damm der Gefühle sprengt ... "


Alle Jahre wieder ... heisst es für den Großstadtschwulen "Nach Hause!" ... zurück in die piefige Provinzstadt, in der er einst aufwuchs, in der ihn die Erinnerungen und die Eltern erwarten: "Weihnachten, Neujahr, Tage des trauten Beisammenseins, Rückkehr an die vertrauten Stätten der Kindheit. Und wenn sich die Dämmerung über dem Markt senkt, steigen die alten Ängste und Leidenschaften auf ... "


Mein Fotomodell; siehe DON  11/1983, Titel und Innenseite 2

Samstag, 12. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 12)


DON 12/1983 erscheint im Dezember 1983. Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam".

Illustation der Titelseite: Roger Payne


"Die neue Diskussion erinnert an dunkle Zeiten. Damals forderten die Nationalsozialisten von der deutschen Familie erhöhte Produktionsanstrengungen. Nachwuchsproduktion! Dem Führer und der Partei zuliebe. Frisch aufbereitet hat das Thema Heiner Geißler; CDU-Generalsekretär und Familienminister. Er, der schon Pazifisten ("haben Auschwitz erst möglich gemacht") und SPD ("fünfte Kolonne Moskaus") entsetzliche Feindetiketten aufklebte, hat jetzt einen neuen Volksfeind ausgemacht: Die Kinderlosen. Sie betrieben in Wahrheit die Entvölkerung der Bundesrepublik durch Nichtvermehrung ... Statt Kinder in die Welt zu setzen, verjubeln sie ihre Knete und lassen sich im Alter die Rente von anderer Leute Kinder zahlen ... Zu den hinterhältigsten 'Argumenten' der Schwulengegener ... gehört jenes: Dass Homosexuelle schon allein deshalb 'nutzlos' wären, weil sie den Sex nur um der lieben Lust willen betreiben, ergo keinen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen (Nachwuchs)-Nutzen  produzieren ... "

Anmerkung: Dr. Heiner Geißler, Jahrgang 1930, ein Mann der heute den altersweisen lieben Polit-Opa miemt, war in den Jahren 1977 bis 1989 als Generalsekretär der CDU (unter Helmut Kohl) einer der fürchterlichsten Hetzer und Demagogen, den die Bundesrepublik Deutschland hervorgebracht hat.   

Farbfoto. Der Beginn meiner Laufbahn als Laienfotograf, 1975 oder 76: Gerhard, 187cm, Lehrling aus München, mein allererstes Akt-Modell (mit Katze Minna als Beisitzerin).


"Dieser Beitrag wurde ursprünglich für ein Buch verfasst, das Herrn Müller und Frau Schulze - also die ganz gewöhnlichen Heterosexuellen - über Homosexualität informieren sollte. Es handelt von den Ursachen und Folgen der Verfolgung, Verurteilung und Aburteilung homosexuell orientierter Menschen in den letzten 3.000 Jahren. Einerseits soll dieser Beitrag der Auffrischung unseres eigenen gedächtnisses dienen und uns ein paar Fakten für Auseinandersetzungen in die Hand geben, andererseits kann er Ihren heterosexuellen Eltern, Freunden oder Bekannten auch die Augen öffnenen ..."


Fortsetzung von DON 10+11/1983: Textauszüge aus "Handbuch der gesamten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellungen", Band III, Die Homosexualität des Mannes und des Weibes von Sanitätsrat Dr. med Magnus Hirschfeld, 2. Auflage, Louis Marcus Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1920.

" ... unter den internationalen Bühnenstädten ist während der Festspielzeit vor allem Bayreuth ein sehr beliebter Sammelplatz von Uraniern, die teils allein, teils mit ihren Freunden dahin kommen. Besonders soll auf sie die 'Männeroper' Parsifal eine grosse Wirkung und Anziehungskraft ausgeübt haben ... Auch die Volksbäder, Schwimmhallen und Brausebäder bilden nicht selten Treffpunkte Homosexueller; doch werden sie weniger zwecks sexueller Betätigung aufgesucht, als um sich am Anblick sympathischer Gestalten zu weiden ... Bezeichnend war, dass in einem der ersten Berliner Lichtluftbäder in der aufgehängten Badeordnung ein Paragraph enthalten war, welcher lautete: >Homosexuelle Herren werden ersucht, sich ihre Anlage nicht merken zu lassen.< ...."


Frankfurter Buchmesse 1983 mit einem Gemeinschaftsstand der Arbeitsgemeinschaft schwuler Verlage, der die Gay Men's Press, die Rimbaud Presse und die Verlage Gmünder, Pusteblume und Rosa Winkel vereinigt, aufgelockert durch die Postkarten der Edition Richard Hermes.

Aussen vor eine Einzelkoje des Albino-Verlag, der mit >Die Potenzklinik< für einen kleinen Skandal sorgte, während unserem Berichterstatter dort eher seine Zarah-Leander-Biographie und französische Kunstbände weiterer Nazi-Stars, wie Arno Breker und italienischer Bildhauer mit faschistischen Herrenmenschenskulpturen sauer aufstossen.


siehe Titelankündigung - Klappensex: Schwule Autoren laben sich an Latrinenthemen. Nach den Auseinandersetzungen zwischen dem Münchner VSG e.V. und DON über schwulen Geschlechtsverkehr in öffentlichen Pissoirs, hat sich dieser Autor einmal in der umfangreichen schwulen Klappen-Literatur gesuhlt. Sein Fazit:

" ... Ich habe den schweren Verdacht, dass gerade diejenigen, die so locker ihre Abort-Artikel runterreissen, die grössten Probleme mit sich und ihrer Sexualität haben. Sie dokumentieren nicht sexuelle Befreiung, sondern die totale Unfähigkeit mit Menschen klarzukommen. Die Erlösung von heterosexuellen Normen betreiben sie mit ihrem Unterleib. Und das verkaufen sie ihren schwulen Mitmenschen als Weg zur Selbstverwirklichung. Es ist schon faszinierend, wie sich Emanzipation ihrer Meinung nach entwickelt: Aus dem Dunst von Urin und Fäkalien ... "

Rechte Seite: Anzeige des Top-Versand, München, für seinen 24seitigen Herbst-Winter-Prospekt



siehe Titelankündigung. USA: Ist dieses Gay-Life wirklich so nachahmenswert? Anhand zahlloser US-amerikanischer Magazine und Zeitungen, Zeitschriften und Publikationen beschäftigt sich Niels Mauermann mit der grassierenden Kommerzialisierung des schwulen Lebens in den Vereinigten Staaten, und dem Aufstieg einer regelrechten Schwulen-Industrie.

Freitag, 4. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 10).


DON 10/1983 erscheint im Oktober 1983. Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist wieder die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam".

Jetzt erst, sieben Monate nachdem Gerd Talis die DON-Redaktion abgeben musste, stehen die tatsächlichen Mitarbeiter des (neuen) "Autorenteams" im Impressum: Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M.A. Reimer), Achim Ehlert (= Ejo Eckerle*) und Werner Wanke.

* Ejo Eckerle: freier Autor, Reportagen für Presse und TV, Buchautor, gründete mit Dirk Ludigs das Schwulenmagazin FRONT (2007 bis 8.1.2009)

Das Titelfoto dieser Ausgabe (Gay Pride Parade 1983, San Francisco) stammt von meinem Freund Robert Pruzan, 1950-1992, US-amerikanischer schwuler Fotograf und Fotojournalist, San Francisco. Trotz umfangreichen Angaben zu Bildautor und Erwerb der Bildrechte durch DON verweigern die freiwilligen Wikipedia-Prüfer die Abbildung der Titelseite in Wikipedias DON-Eintrag, während das mehrfach kontaktierte Archiv der Gay and Lesbian Historical Society of Northern California, in dem Roberts gesamter Nachlass aufbewahrt wird, (typisch US-amerikanisch) nicht zu reagieren pflegt.



"Das erste prominente AIDS-Opfer heisst Klaus Nomi. Ein akustisch ebenso wie optisch bizarrer Sänger, der gerade zum internationalen Durchbruch angesetzt hatte. Der gelernte Konditor absolvierte in Berlin ein paar Semester Musikhochschule und eine Gesangsausbildung ... Der 36jährige ... starb Anfang August in New York. Er ist einer von bisher über 600 amerikanischen Opfern der entsetzlichen Seuche Aids.... "


Foto links Jens M. A. Reimer


Provokante Beiträge in den letzten beiden DON-Ausgaben haben Betroffene und Sich-betroffen-Fühlende so provoziert, dass Verlag und Redaktion eine Woge empörter und gekränkter Lesebriefe erreichte. Auch hagelte es Gegendarstellungen (dazu weiter unten mehr).

Ironisch, aber irgendwie doch ziemlich sauer:
"Als aufgeweckt gute Schwule danken wir Dir recht herzlich für Dein mutiges Engagement für unsere Sache. Weg mit den 'schwanzgeilen Triebbrüdern', Peter Schult in die Hände der Polizei ... die Sub' raus aus der Schwulenbewegung. Wir warten gespannt auf das nächste Heft! Beste Grüsse von den drei schwanzgeilen Triebbrüdern und vom Prinz-Eisenherz-Buchladen in Berlin. Peter, Horst und Stefan"

"Ich bin betroffen, bestürzt und traurig! Wie kann eine Schwulenzeitschrift ... diesen Anti-Schwulen-Ausbruch veröffentlichen? ... Der Autor diffamiert die Schwulen, die auf Klappen gehen, als 'geile Böcke', die 'ihr Unwesen' treiben. Es ist völlig falsch von einer 'verschwindend kleinen Minderheit' der Klappenschwulen zu reden. Ich weiss das aus eigener und anderer Erfahrung ... Mir scheint dieses Machwerk nur verständlich als interne Streiterei um Marktanteile der Schwulenzeitungen ... Es ist traurig, wenn DON-Autoren meinen, im Gauweiler CSU-Stil sich selbst beurteilen zu müssen ... " Dr. Gustl Agstmann, München


Die ca. 120 Vorwort-Zeilen in DON 9/1983 über die 'schwule und seriöse' Homo-Zeitschrift TORSO beantwortet TORSO-Herausgeber Michael Föster mit einer ca. 140 zeiligen Gegendarstellung. Immerhin "... ist er seit nahezu 20 Jahren als Redakteur tätig. Journalismus ist sein Beruf ..."

Wie schon früher erwähnt, erschienen von der Schwulenzeitschrift TORSO sage und schreibe 16 Ausgaben, und in Google/Wikipedia hat Redakteur und Journalist Michael Föster nullkommanull Spuren hinterlassen; ausgenommen in Brunoleaks (Alles was Sie über den berühmten schwulen Verleger [Bruno Gmünder] noch nicht wussten, aber schon lange mal wissen wollten).




"Nur tröpfchenweise drangen bisher Berichte aus der DDR zu uns und in die schwulen Publikationen. Meist waren es Berichte aus der Szene (bevorzugt Kontakt-Tipps). Selten wurde über die Situation der Homosexuellen, manchmal über das Verhältnis von Staat und Gesellschaft zu Schwulen berichtet (in der Regel gesehen durch die einseitige West-Brille). In jüngster Zeit mehren sich die Zeichen vorsichtig tastender Emanzipationsversuche, ohne dass der Staat bisher darauf Einfluss genommen hat ... Unser Mitarbeiter ist ... durch die DDR gereist, war auf Kirchentagen und hat mit engagierten Homosexuellen gespräche geführt. Sein Bericht erscheint in zwei Teilen ... "


"In der Öffentlichkeit hört man viel von den GRÜNEN. Über interne Auseinandersetzungen, über ungewöhnliche Aktionen, über Programme, Engagement und Querelen. Kaum etwas hört und liest man über ein Engagement der GRÜNEN für homosexuelle Bürger. Ein Punkt, der ... im Wahl- bzw. Bundesprogramm steht. Darüber hat DON mit Gerd Wolter gesprochen, ein Grüner und Mitbegründer des 'Landesarbeitskreis Homosexuelle und Transsexuelle in Bayern' ... "


"Zur Rechtfertigung ihrer antischwulen Haltung ... zum Beweis für Sünde und Abartigkeit ... zur Verteidigung christlicher Schwulenverfolgung durch die Jahrhunderte ... zur Rechtfertigung des Berufsverbots für Schwule in den Kirchen ... zur Verteidigung des § 175 ... berufen sich Katholiken und Protestanten in ungewohnt trauter Einigkeit auf die Bibel. Genauer gesagt auf das 'Alte Testament'. Und hier auf das 'Gesetz', die sog. fünf Bücher Mose. Was dort in zwei Sätzen ... steht, gilt nach wie vor als Maßstab, Richtschnur und Rechtfertigung. Oder besser gesagt, als die Wurzel allen Übels der Verdammung, Diskriminierung und Verfolgung homosexuell orientierter Menschen ... "


Textauszüge aus "Handbuch der gesamten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellungen", Band III, Die Homosexualität des Mannes und des Weibes von Sanitätsrat Dr. med Magnus Hirschfeld, 2. Auflage, Louis Marcus Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1920.

Farbfoto  Jens M. A. Reimer


Kochen von hinten. Schwule Rezepte. Mit liebevoll von mir arrangierten Foodfotos.

Pimmelloni
Abgeschnetzle's Gemächt. / Wird's Dir dabei schlecht, / so tu' doch was trinken - / nicht zuviel, sonst Du stinken! / Gemächt vorher walken, / dann wird's zu 'nem Balken. / Das Häutchen verkürzen, / mit Pfeffer gut würzen, / im Backofen garen, / mit Fett nur nicht sparen. / Nach anderthalb Stunden / wird's köstlich Dir munden. / Dazu einen Wein, / ein staubiger soll's sein. / Danach noch Likör, / sonst kotzt sich's so schwer.


Dr. Gustl Agstmann, 1947 - 1.1.1998, starb an den Folgen von Aids, Schriftsteller und Sachbuchautor.

" ... Weiss Gott, eine bewegte Biographie ... Angstmann kam 1947 in München zur Welt. Aufgewachsen ist er im traditionellen Arbeiterstadtteil Haidhausen. Er wurde Facharbeiter, 1971 holte er an einem Abendgymnasium sein Abitur nach. Anschliessend studierte Angstmann Pädagogik, Psychologie und Soziologie an der Universität München. >Ein ganz normaler Mann< lautet der Titel seines ersten Buches ... Er schreibt an gegen die unbarmherzige Normierung einer unbarmherzigen Subkultur, die ihn zur Vergewaltigung seiner eigenen Gefühlswelt zwingt ... weit stärker in der Wolle gefärbt ist Angstmanns erst kürzlich erschienenes zweites Buch >Der Stotterer< ... Gustl Angstmann, der ehemalige Klosternovize, das Anstaltskind, kommt im Stotterer zu Wort ... "

Samstag, 1. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 1)


DON 1/1983 erscheint im Januar 1983. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


BAP " ... Begonnen hatte alles ... als ein gewisser Wolfgang Niedecken im Vorprogramm eines Kölner Gastspiels ... mit eigenen Songs auftrat. Dieser Wolfgang Niedecken war eigentlich Maler und betrieb die Singerei ... nebenbei. Doch seine Lieder, die voller Witz, Hintersinn und Poesie ... das sympathische und ungeschminkte Auftreten der Gruppe ... 
... ein kleiner, ins Hochdeutsche übersetzter Auszug aus ... 'Kristallnacht' ..."

... In der Ruhe vor dem Sturm, was ist das?
Ganz klammheimlich verlässt jemand die Stadt.
Honoratioren incognito hasten vorbei,
wenn die Volksseele, allzeit bereit,
Richtung Siedepunkt, wütet und schreit:
Heil, Halali! Und grenzenlos geil nach Vergeltung brüllt, 
zitternd vor Neid in der Kristallnacht.
Doch die, die alles, was anders ist stört,
die mit dem Strom schwimmen, wie es sich gehört,
für die Schwule Verbrecher sind,
für die Ausländer Aussatz sind,
die brauchen jemand, der sie verführt ...


Nackt-Frühstück. "Ein Amerikaner aus Nebraska will jetzt sein Recht aufs Nacktsein einklagen. Douglas Metzger hatte beim Frühstücken nackt in seiner Wohnung gesessen, als ... Polizisten an seiner Tür klingelten ... Das Gericht hatte ... Douglas zu einer Geldstrafe ... verurteilt ... Das Bezirksgericht bestätigte den Schuldspruch ... "

Witwenrente. "Der kalifornische ... Smith (34) lebte 5 Jahre lang mit seinem Freund zusammen. Dann war sein Lebensgefährte ... ums Leben gekommen. Smith hatte daraufhin Witwenrente beantragt. Sie ist ihm jetzt bewilligt worden ... "

GAY, SEX, CIA ... "Weil dort niemand solche Auto-Nummer haben will, sind im US-Bundesstaat Colorado tausend Kfz.-Schilder mit der Buchstabenkombination GAY wieder ... eingestampft worden ... Derzeit in den Reagan-USA alle unerwünschten Buchstaben-Kombinationen ausgemerzt werden ... "

Spanien. " ... Zu den Institutionen, die bisweilen noch abseits der Menschenrechte stehen, wird die 'Guardia Civil' gezählt, von der jetzt wieder 3 Angehörige vor Gericht gestellt wurden, weil sie 3 Homos auf brutale Weise ermordet haben ... "
(Anmerkung: 1975 starb Diktator Francisco Franco. 1978 wurde Spanien parlamentarische Monarchie)

San Francisco. "350.000 Dollar hat der Bürgermeister ... Frau Dianne Feinstein, zur Förderung städtischer Gesundheitseinrichtungen für die Homos der Stadt zur Verfügung gestellt ... "

Zeig Mal! ">Show me!<, das grossformatige >Bilderbuch für Kinder und Eltern<, darf in New York ab sofort nicht mehr in den Buchläden ausgestellt und verkauft werden ... fällt das reich mit Fotografien nackter Kinder ** versehene Buch dort unter eine Bestimmung, welche 'die Förderung sexueller Praktiken bei Kindern unter 16 Jahren' verbietet ... "

(** Empfehlenswert nachzulesen Zeig Mal und Fotograf Will McBride)


Linke Seite:

Der moralisierende Gerd Talis (= Gerhard Friede) zum xten Mal über "... Durch Selbstprofilierungssucht werden wir zersplittert bis hin zum politischen Chaos ... Die schwule Gegnerschaft hat uns nichts eingebracht ... wir können nichts erreichen, wenn wir wie Abziehbilder des antihomosexuellen Voururteils auftreten ... weshalb ich alle 'Männer in Amt und Würden' bitte, den Leitartikel vom November-DON ... "

Der DON-Redaktionsleiter schreibt nicht für die DON-Leserschaft, sondern wendet sich an Schwule, die dieses Magazin so gut wie nie je zur Hand nehmen. Vgl. meine Anmerkungen zu "Eine grosse Familie" in DON 9/1982 ...
... und die Verkaufsauflage von DON sinkt weiter.

Rechte Seite:
Urs Kent über Dr. Magnus Hirschfeld. "Im Buch der und des Offiziellen steht das neue Jahr ganz im Zeichen von Martin Luther ... am 6. Mai 1933 brannten in allen grossen Städten des Deutschen Reiches ganz besondere Scheiterhaufen ... So ging vor 50 Jahren auch das Werk eines Mannes in Flammen auf ... des weit über Europa hinaus bekannten Sexualwissenschaftlers Dr. Magnus Hirschfeld. Denn Hirschfeld war Jude, war Homosexueller und war Freigeist ..."

Die lesenswerte Hirschfeld-Würdigung ist mit mehreren Seitenhieben gegen die "eindeutig links bis ultra-links angesiedelte Schwulenbewegung" (Schwulenbewegung in Anführungsstrichen) garniert, weshalb ich hinter Urs Kent Johannes Werres als den tatsächlichen Autor vermute. Für diese Annahme habe ich aber bis dato keinen Beleg.


Karlheinz A. Barwasser schreibt die Geschichte eines heterosexuellen jungen Mannes, der sich plötzlich - körperlich - zu einem älteren Mann hingezogen fühlt.


"Im Herbst des Jahres 1982 erlebten wir die Öffnung zum Bösen hin: die grenznahe niederländische Stadt Enschede hatte den >konktrollierten< Verkauf von hasch und Marihuana (sogenannten >weiche< Drogen) an niederländische Jugendliche freigegeben ... "

Auch in diesen ebenso namenlosen, wie engagierten Beitrag sind heftige Seitenhiebe gegen "die Linken" eingeflochten, weshalb ich auch hier Johannes Werres als Autor vermute.

Die rechtsseitige Schwänze- und Ärsche-Bildersammlung - betitelt "Jahresausblick" - dürfte in diesem sich texlich so seriös gebenden Magazin als redaktionelle "Perle" gelten.

Sonntag, 18. August 2013

DON - The German Gay Magazine 1980 (Hefte 6 + 7)


DON 6/1980 erscheint im Juni 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


DON-Autor Wenzel Böhmak nennt den vom rechten Mob ermordeten deutschen Reichsaussenminister Walther Rathenau (1867 bis 1922) - fast schon zärtlich - "Homoerotiker". Der zeitlebens unbeweibte, kinderlose Jude, Industrielle, Schriftsteller und liberale Politiker (DDP) hat tatsächlich - und daran erinnert Böhmak - zahlreiche deutliche Hinweise darauf hinterlassen, dass er sich nach "Jünglingen verzehrte". In dem umfangreichen Wikipedia-Eintrag, offensichtlich von heterosexuellen Autoren verfasst, existiert ein Privatleben Rathenaus nicht.


"Milieubezogene Straftaten steigen an", befürchtet die Münchner Kripo, die argwöhnt, dass "München immer mehr zum Treffpunkt der Homosexuellen in Europa" wird. Sechs ermordete Homosexuelle in etwas mehr als einem Jahr.

Unter der Überschrift "Aus dem Milieu kommt keine Hilfe" veröffentlich die 'tz' am 20.3.1980 eine Klage der Münchner Kripo: "... Denn die Homos zeigen sich, wenn es um die Mitarbeit für die Kripo geht, zugeknöpft bis oben hin. Sie sind aus falscher Scham nicht bereit, uns zu unterstützen, klagt Hauptkommissar Fichtner die fast völlig ausbleibende Mitarbeit aus dem Homosexuellen-Milieu. Dirnen, sagt er, sind da wesentlich kooperativer ..."

U.a. die DON-Redaktion und der Münchner VSG (Verein für sexuelle Gleichberechtigung) beschweren sich bei dem sowohl naiven, als auch Schwule verunglimpfenden Kriminalkommissar, der Homosexuelle mit Prostituierten vergleicht und klären den Mann erstmal auf, WARUM Schwule lieber/besser den Mund halten.

Anmerkung: 1980 ist es - auch in der Presse - noch üblich, Schwule einem (grundsätzlich negativ besetzten) Milieu zuzuordnen. Siehe auch kriminelles Milieu, Rotlichtmilieu, proletalisches Milieu. NICHT jedoch kapitalistisches Milieu, heterosexuelles Milieu, christliches Milieu ...


Andy Müller versucht alles, um ein Interview mit Gary Numan (nicht schwul) - britischer Musiker und Pionier des Elektropop - zu bekommen und schafft es dann tatsächlich noch.



DON 7/1980 erscheint im Juli 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


In einem wundervollen Beitrag erinnert Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) an den schwulen jüdischen Journalisten, Dichter und Schriftsteller Eugen Luwig Gattermann (1886 bis 1933), der viele Jahre intimer Freund von Adolf Brand war (Herausgeber von 'Der Eigene'), befreundet mit Dr. Magnus Hirschfeld und dem UFA-Regisseur Wilhelm Dieterle, musste sich in seinen letzten Jahren vor dem braunen Mob verstecken. Im Internet findet man den Namen Gattermann nur bei ein paar Buchversendern und Antiquariaten (und falsche Biographie-Angaben).


Grösser ging's (Bild) wohl nicht: Lolli pop's, "der erste deutschsprachige Gay-Spielfilm mit  
Al Parker, auf 70 Min. Video-Cassette, (für ein Vermögen von) DM 220,-, von Herzog-Film, München"

Al Parker war ab Ende 70er und in den 80er Jahren einer DER schwulen US-amerikanischen Pornodarsteller, -regisseure und -produzenten.Und Lollipop's wohl eher ein saftig-schwuler Porno.

Höhe ca. 17cm aus Massiv Manila-Holz, liebevoll bis ins kleinste Detail handgearbeitet. Das "kleine Kunstwerk" aus der "Collection H" (Homo?) kostete schlappe DM 38,50.

Der Aschenbecher als Anmache: "Als das Gespräch auf den Aschenbecher kam, hörte es auf, belanglose Konversation zu sein."


(Schier unbegreiflicher) Abdruck aus dem "Lesebuch" von Joachim S. Hohmann (der Link führt zu DON 3/1977)

Hier werden von einem (gleichgeschlechtlich sexuell zu kurz gekommenen?) bisexuellen Pädagogen, Soziologen, Wissenschaftler und habilitierten Hochschullehrer (Joachim S. Hohmann) "die" Homosexuellen in vier angebliche Schwulen-Typen unterteilt und auf das Unerträglichste durch den Dreck gezogen.


Lutz Landwehr über die nicht existenten Bürgerrechte von Minderheiten (Schwule, Lesben, Schwarze, südamerikanische Farbige ...) in dem vielgepriesenen Land der Freiheit mit den 'unbegrenzten Möglichkeiten', für das Deutsche noch ein Visum benötigen (Dienstanweisung für die diplomatischen Auslandsvertretungen: "Wo Grund zu der Annahme besteht, dass der Visa-Bewerber homosexuell sein könnte, ist das Visum zu verweigern"). Präsident ist 1980 der Demokrat Jimmy Carter.