Posts mit dem Label Michael Holm werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Michael Holm werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 24. Juni 2014

Günter Goebel alias Guy Gilbert alias Georges Günter, DON-Akteur

 
Günter Goebel, Jahrgang 1931, ist nach eigener Aussage in Darmstadt aufgewachsen. [Witzigerweise verläuft vor dem Darmstädter Hauptbahnhof eine Goebelstrasse.] Als ich ihn kennenlernte, erzählte er, er sei früher Ralleys gefahren. Je nach Bedarf bezeichnete er sich als .... Journalist, Sportreporter, (Chef)Redakteur, Werbemann, Public Relations Experte, Geschäftsmann, Verleger, Fotograf, Repräsentant für Fotografen und Filmproduzent ...... Eine besondere Qualifikation habe ich ihm für keinen dieser Berufe zugestanden. Seine 'Schreibe' war indiskutabel; von Werbung hatte er keine Ahnung. Seine ausserordentlichen Fähigkeiten lagen auf dem Gebiet des quirligen, überall mitmischenden Geschäftsmannes. Seine Fähigkeit, Arbeit zu delegieren (anderen zuzuschieben), war genial. Über das, was er in jungen Jahren tatsächlich gelernt und gearbeitet hatte, hat er mir gegenüber nie gesprochen.

Günter Goebel lernte ich (Jens M. A. Reimer) 1967 kennen. Von Oktober 1967 bis März 1969 war ich mit Unterbrechungen in seiner Werbeagentur Pressag AG angestellt - in der Münchner Thierschstr. 23. Unter anderem gründete ich für ihn die creativ-gruppe-pressag.

Nach dieser Zeit als Pressag-Angestellter - ab 1970 - übertrug er mir (diskret) Nebenjobs: Zunächst sollte ich heterosexuelle Pornomagazine betexten [da war er sich immer noch nicht über meine sexuelle Ausrichtung sicher], später schrieb ich auch Erzählungen für homosexuelle Magazine.

Dadurch kam ich in Kontakt u.a. mit DON und mit dem Darmstädter Druckereibesitzer Henry Ferling, woraus sich zunächst eine sporadische Mitarbeit und später die Redaktionsübernahme von DON und ADAM entwickelte.

Bis etwa 1980 erhielt ich regelmässig Aufträge von Goebel; u.a. entwickelte ich für ihn zwei schwule Pornomagazine: 1976 HOM OH! und 1978 BOY OH! BOY. Ende 1980 trennten sich unsere Wege.

Günter Goebel fuhr lange Zeit - parallel - zwei Vorzeige-Nobelkarossen, einen Mercedes-Benz und einen Jaguar mit Züricher Kennzeichen (!). Siehe Abbildung in diesem schöngefärbten Artikel über Guy Gilbert der DON-Ausgabe 5/1976, Seite 32.

Erst Ende der 90er Jahre erfuhr ich, dass er gestorben sei. (Wann???)

Günter Goebel war bisexuell, hat sich dazu aber nie 'bekannt'. Ich wusste von zwei Ehen; d.h. zwei seiner Ehefrauen habe ich persönlich kennengelernt. Seine schwule Neigung, d.h. sein Interesse für junge Männer, galt als Tabu. Seine sporadischen Jungmännerbegleiter pflegte er anderen Menschen als 'Neffen' vorzustellen. In DON und allen anderen schwulen Objekten, die er in den Folgejahren herausgegeben hat, trat er (wenn überhaupt) nie mit seinem richtigen Namen auf.

Den Titel des homosexuellen Magazins DON kaufte/übernahm Günter Goebel Ende 1971. Die von ihm als Herausgeber verantwortete erste Ausgabe erschien im Januar 1972 in der Pressag AG, Vaduz, Lichtenstein.

Das war eine jener vielfältigen Mini-Firmen, die ausschliesslich ihm gehörten (dazu später mehr). Die letzte von ihm verantwortete DON-Ausgabe erschien im Dezember 1972. Als Redakteur stand sein Pseudonym Guy Gilbert allerdings noch bis Heft 12/1976 im Impressum, wie auch sein Kürzel GG (das er grundsätzlich als Unterschrift verwendete) unter einigen Beiträgen. In seinen Jahren bei/mit dem schwulen Magazin ADAM lautete sein Pseudonym Georges Günter.

Zwischenbemerkung: Nach der ersten Reform des § 175 StGB im September 1969 hat sich kein Homosexueller getraut - weder bekennender, noch ungeouteter - eine Zeitschrift für Homosexuelle zu gründen, zu finanzieren und zu verlegen. Ob DU & ICH, him oder DON, alle wesentlichen, ab 1969 erstmals auftauchenden Homo-Magazine wurden von (mehr oder weniger) heterosexuellen Geschäftsleuten finanziert und herausgegeben. Diese Leute glaubten, einen neuen, und wie sie vermuteten lukrativen Markt, erschliessen zu können ... die aber auch - das muss anerkennend erwähnt werden - den Mut hatten, sich über die damals noch extreme gesellschaftlich-moralische Ächtung der Homosexuellen und eine in der Gesellschaft extrem verbreitete homophobe Stimmung hinwegzusetzen.

Günter Goebel jonglierte etwa zwei Jahrzehnte lang mit einem Netz von Minifirmen, die alle von ihm gegründet und unter seiner ausschliesslichen Regie agierten: Unter anderem der Apollon Verlag in Vlissingen/Niederlande, die Pressag AG in Vaduz/Fürstentum Liechtenstein, die Pressag GmbH in München, die Bifipress AG in Frankfurt/Main, die Druck- und Verlags AG in München usw. Ein wesentlicher Zweck dieses Firmen'netzes', verstreut über mehrere Länder, war das Manövrieren mit Steuern. Längere Zeit war Straßburg/Frankreich sein Hauptwohnsitz; auch Sitz mancher seiner "Firmenniederlassungen". Anfang der 80er Jahre wurde er in München wg. Steuerhinterziehung angeklagt und es kam zum Prozess, bei dem er seinen langjährigen, eckart-treuen Münchner Buchhalter Fred H. als Erfinder dieses Firmenspinnennetzes und Alleinverantwortlichen denunzierte. Das berichtete der mir, als ich schon keinen Kontakt mehr zu Günter Goebel hatte.

Extrem ausgeprägt war das pekuniäre Interesse des Geschäftsmannes Goebel, der versuchte mit allen und allem Geschäfte zu machen. So begann er etwa Mitte der 70er Jahre als Erster deutsche schwule Porno-Filme im Format Super-8 zu produzieren. Abgesehen vom Sex mit jungen Männern interessierten ihn weder das Thema Homosexualität, noch die Probleme von Homosexuellen; von homosexueller Emanzipation ganz zu schweigen. Wenn er - z.B. in DON 4/1972 - sogar persönlich mit Bild auftaucht (dort aber namentlich nicht genannt wird, auch nicht mit einem seiner Pseudonyme), dann deshalb, weil er sich darin sonnte, als  'Verleger' und 'Chefredakteur' zu agieren und angesprochen zu werden.

Ich erwähne all dies keineswegs, um den Mann schlecht zu machen, sondern weil nur so die Inhalte und die Qualität der zahlreichen von ihm herausgegebenen Homo-Publikationen nachvollziehbar und verständlich werden. Schliesslich habe ich jahrelang freiberuflich für ihn und mit ihm gearbeitet. Dabei konnte ich mich immer auf ihn - besonders in finanziellen Dingen - und er sich auf mich verlassen.

Zu seinen Funktionen als Verleger und Chefredakteur muss man allerdings wissen, dass es sich bei DON, ADAM und einer Reihe weiterer schwuler Bildermagazine ausschliesslich um auflagenschwache Zeitschriften gehandelt hat. DON überschritt in den Jahren 1970 bis 1984 niemals die Marke von 12.000 verkauften Exemplaren; ausgenommen einige Sonderhefte, die im Verlag des Henry Ferling erschienen. In der Redaktionszeit von Gerd Talis ist die verkaufte DON-Auflage sogar auf unter 7.000 Exemplare abgestürzt. Allerdings musste grundsätzlich - mindestens! - die doppelte Auflage gedruckt werden, denn die Zeitschriftenvertriebe verlangten die volle Bestückung im gesamten Netz des Handels. Das heisst, 40 bis 50% Remittenden (Hefte, die der Handel als unverkauft zurückgibt) waren die Regel (vergleiche Vorwort zu DON 3/73). Im Bahnhhofsbuchhandel, wo der schwule Käufer als anonyme Person auftrat, verkauften sich homosexuelle Publikationen sehr viel besser, als im Zeitungsladen oder im Kiosk um die Ecke.


Günter Goebel (rechts) mit vermutlich einem 'Neffen' (links) und Michael Holm (Mitte), Sekretär des schwedischen Reichsverband für sexuelle Gleichberechtigung und Chefredakteur der Schwulenzeitschrift REVOLT, bei einem Treffen in Schweden. In dem DON-Artikel der Ausgabe 4/1972, Seite 4, wird ausschliesslich der Name Michael Holm genannt.
Günter Goebel hatte nur mässige Beziehungen zur schwulen Szene, folglich auch nur minimale Kontakte zu homosexuellen Autoren, Fotografen, Grafikern usw. Ausserdem war er höchst ungerne bereit, für Texte, Fotos, Zeichnungen und Gestaltung überhaupt etwas zu zahlen. Unter seiner Ägide druckte man bevorzugt die von Lesern eingeschickten Geschicht(ch)en (die Leser schätzten sich glücklich, wenn ihre Elaborate gedruckt wurden), übernahm Artikel aus anderen Zeitungen und Zeitschriften, Magazinen oder Büchern, und er war froh, dass er in dem schwulen Journalisten Johannes Werres einen regelmässigen Lieferanten für bi- und homosexuelle Artikel und Meinungen, Kritiken und 'News' hatte.

Bilder, Fotos und Illustrationen wurden (auch vom späteren Verleger Henry Ferling) ohne besondere Ansprüche an das Material zu stellen, gerne 'pfundweise' zu Schnäppchenpreisen eingekauft, egal wie oft und wo diese Abbildungen bereits veröffentlich worden waren. Viele Fotos tauchten, über die Jahrgänge verteilt, immer wieder in den Publikationen von Goebel und Ferling auf. Gerne wurde auch kostenloses Firmenmaterial (siehe TOM men’s shop, Zürich, der Link führt zu Details über Thomas Wetzel in DON 4/1978) verwendet, was mit entspr. Reklame-Artikeln "honoriert" wurde.


DON Vorwort Ausgabe 6/1975
Das Layout der Hefte wurde viele Jahre lang u.a. von den Setzern der Druckerei des Henry Ferling - Pardon! - zusammengeschustert. Fehlten die Anreisserzeilen auf der Titelseite oder das Vorwort auf Seite 3, ergänzte sie der Druckereiinhaber noch schnell persönlich. Solange Günter Goebel für die Inhalte von DON und ADAM zuständig war, waren 90% der in diesen Heften auftauchenden Namen von Redakteuren und Autoren frei erfunden.


PS. Die Aufnahme von Günter Goebel, am Anfang dieses Posts, habe ich im Oktober 1968 (da war er 37 Jahre alt) in den Räumen der Werbeagentur Pressag AG in der Münchner Thierschstrasse von ihm gemacht.

Samstag, 18. Februar 2012

DON - The German Gay Magazine 1972 (Heft 5 bis 8)


DON 5/72 erscheint im Mai 1972.

Herausgeber ist jetzt wieder die Pressag AG, Vaduz, Lichtenstein (Details bei DON 1/1971) und - neu / zusätzlich - HF-Druck, D-61 Darmstadt, Kleyerstrasse.

HF-Druck steht für die Druckerei Henry Ferling. Deren Inhaber Henry Ferling ist möglicherweise schon jetzt an dem Objekt beteiligt; er wird das Magazin mit der Ausgabe 1/1974 ganz übernehmen.

Gleich geblieben ist die Redaktionsleitung: Guy Gilbert = Günter Goebel und John Mytery möglicherweise Hans Möstl (?), Frankfurt/Main (Details bei DON 2/1972) ...

... als auch die Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229.

Zusätzlich im Impressum: Redaktion Schweden Michael Holm (Details bei DON 4/1972), wobei von Holm bzw. Revolt künftig höchst selten mal ein Beitrag erscheint. Dem Herausgeber Günter Goebel lag wohl eher daran, den Eindruck von "Internationalität" vorzugaukeln.


Mit "Demnächst vereinigt mit REVOLT" (Originalschriftzug) bekommt die DON-Unterzeile "International" erst einen rechten Sinn. Allerdings handelt es sich um eine Luftblase, denn die "Vereinigung" hat nie stattgefunden.


Bei dem rechten Bild handelt es sich um einen zu jener Zeit recht bekannten Kölner Callboy, der in den ersten Goebelschen - und damit ersten deutschen - Homoporno-Produktionen (Super 8) eine spritzige Rolle spielte.


Hier erscheinen die ersten, sozusagen aktuellen Nachrichten, was bisher in DON kaum Thema war. Sie dürften von Johannes Werres stammen (der damals Aktualitäten in heterosexuellen und schwulen Medien sammelte, die Homosexuelle betrafen bzw. interessierten: GNG = Gay News Germany und Boy Love News), obwohl nur ein einziger Absatz mit dem Kürzel JW gekennzeichnet ist.




DON 6/72 erscheint im Juni 1972.

Herausgeber ist jetzt mal ausnahmsweise die Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229, die bisher nur Redaktionsadresse war. Alles weitere wie DON 5/1972.

Die "Redaktion Schweden" und das "Vereinigungs-Signet mit REVOLT" sind wieder verschwunden. Das Magazin bleibt dennoch DON "International"...


... zumal jetzt ein Schweizer namens 'Udo' als Autor auftaucht (Salü, liebe DON-Leser). 

Das rechte Foto stammt von Sven Swede (Pseudonym), über den - ausser ein paar 'Vintage' Photos leider gar nichts im Internet zu finden ist. Swede veröffentlichte seine scharfen Schwarzweissfotos (phototechnisch perfekt) mit höchst attraktiven schwedischen Jünglingen, zuerst nur in REVOLT und anderen skandinavischen Magazinen und vermarktete Fotoabzüge auf dem Versandweg.


Abgesehen von Leserbriefen erhielt die DON-Redaktion bis weit in die 80er Jahre regelmässig Zuschriften sehr persönlichen, bedrückenden, dramatischen und verzweifelten Inhalts. Die meisten Briefe kamen aus Kleinstädten und der Provinz von jungen, verängstigten Homosexuellen, die mit ihrer Situation, ihrer Umwelt und deshalb mit dem Leben nicht zurechtkamen.

Die Nazis, beide 'christlichen' Kirchen, aber auch die Nachkriegsmedien sowie samt und sonders alle bundesdeutschen Nachkriegspolitiker, hatten in den Jahren von 1933 bis 1969 in Sachen Unterdrückung, Verfolgung und Hass-Säen "ganze Arbeit" geleistet. Nur verhältnismässig wenige Großstadtschwule hatten sich im Jahr 1972 - Dank der wiedererstandenen Szene - von solch innerer Zerrissenheit freigestrampelt. Unter der Mehrheit der Homosexuellen herrschte nach wie vor ein Klima von Angst, Bewusstseinsspaltung und Unterdrückung. Angst vor Eltern, Familie, Schule, Lehrherren, Arbeitgebern, Kirche (und dem lieben Gott), Bundeswehr... mithin der gesamten Gesellschaft. Ein gewaltiges Problem, das das Homo-Magazin DON bislang weder aufgegriffen, noch als Kernthema einer schwulen Publikation begriffen hatte.

Die Seite "Leser schütten ihr Herz aus" ist - zugegeben - ein erster Versuch, wobei sich mir eher der Eindruck aufdrängt, dass man froh war, den Textteil des Heftes endlich mit etwas Homospezifischem auffüllen zu können. Verborgen bleibt, wer und was das für ein "Fachmann" war, der sich hier des Lesers angenommen hat.


Erstmals enthält DON (à la Playboy) vier farbige Innenseiten, mit Ganzakt über die beiden Seiten der Heftmitte.


Ausgerechnet ein Ausländer - hier der Schwede Michael Holm von Revolt - ist derjenige, der das Homo-Magazin DON mit einem aktuellen, engagiert schwulenpolitischen Beitrag bereichert.


Zu den speziellen Hobbies des bisexuellen Herausgebers Guy Gilbert = Günter Goebel zählte das Saunen (die schwule Szene - Treffpunkte, Bars und Kneipen - mied er eher). Deshalb stellt er in DON regelmässig schwule Saunen vor. Übrigens existiert in Frankfurt/Main noch heute eine Sudfass-Sauna - seit 1981 - das ist allerdings ein heterosexueller Puff.


DON 7/72 erscheint im Juli 1972. Herausgeber: Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229 und HF-Druck, D-61 Darmstadt, Kleyerstrasse, der für die Druckerei Henry Ferling steht. Deren Inhaber Henry Ferling ist möglicherweise schon jetzt an dem Objekt beteiligt; er wird es mit Ausgabe 1/1974 ganz übernehmen. Redaktionsleitung: Guy Gilbert = Günter Goebel und John Mytery möglicherweise Hans Möstl (?), Frankfurt/Main (Details bei DON 2/1972). Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229.


Die meisten Amateuraufnahmen der Jahrgänge 72 bis 74 waren nicht nur fototechnisch minderwertig und selbst die Bildausschnitte (wie hier) unprofessionell, obendrein waren die abgebildeten Personen nicht selten (um es galant auszudrücken) unattraktiv und wirkten eher lusttötend.


Eigenständige Texte und Beiträge sind Mangelware in DON. Und so wurden die Seiten regelmässig mit Übernahmen oder Nachdrucken aufgefüllt, wo immer man sie finden konnte, wenn sie nur irgendeinen Bezug zur Homosexualität hatten (dieser hier aus einer ungenannten niederländischen Publikation) (Details bei DON 2/72). Zwar signalisiert die Überschrift ein schwules Thema (Homophile/r ist die damals in DON gebräuchliche Bezeichnung), tatsächlich jedoch beschäftigt sich der Beitrag mit Bisexuellen.


Zwar erschienen auch schon im ersten DON-Jahrgang Aufnahmen von TOM men's shop, aber mit den Fotos auf diesen beiden rechten Seiten beginnt eine über viele DON-Jahre anhaltende TOM-Bilderflut, ebenso wie eine permanente TOM-Höschen-PR. Der DON Herausgeber und Redaktionsleiter Guy Gilbert = Günter Goebel erhielt das Bildmaterial kostenlos von TOM = Thomas Wetzel. Anfangs handelte es sich um Bilder aus den kommerziellen TOM-Prospekten. (vgl. Hinweis bei DON 4/1972) Und da man es nicht so genau nahm bzw. nie einen Überblick hatte, wurden die gleichen Fotos wiederholt bzw. die gleichen Modelle in zahlreichen Variationen veröffentlicht.

Ich erwähne das (ebenso wie das Textmaterial betreffend), weil der DON-Käufer den für damalige Zeiten stolzen Preis von DM 6,- für ein nur 52-seitiges Heft im Format etwa DIN A4 bezahlte... das Vierfache, was man im Jahr 1972 für die Illustrierte STERN (1,50 DM) bezahlte.


DON 8/72 erscheint im August 1972.

Das ist jetzt der 4. Verlags-Wechsel im Jahr 1972 - Pressag AG, Vaduz, Lichtenstein - wobei der Alleininhaber dieser Firmen immer Günter Goebel ist. Alles weitere wie DON 5/1972.


Alle Fotos Tom men's shop; Details zu dem Thema siehe DON 7/1972.


In diesen Jahren machte sich keiner Gedanken darüber, welche Leser die Zeitschrift eigentlich erreichen, ansprechen oder gar zu gewinnen dachte. Will sagen: Das Homo-Magazin DON war komplett konzeptionslos. Was an Fotos und Texten gerade greifbar war, wurde in die nächste Ausgabe 'gepackt'. Typisch dafür ist diese höchst anspruchsvolle Buchbesprechung in einem eher akademisch-wissenschaftlichen Jargon (Martin Hoffmann, Die Welt der Homosexuellen, Beschreibung einer diskriminierten Minderheit) von Johannes Werres, die im krassem Gegensatz zu den banalen, anspruchlosen DON-Geschichten und ebenso banalen Aktfotos steht.


Das DON-Magazin entwickelt sich - hier sogar schon mit deutlichen Schwellungen - zum Erotik-Bilderheft. Bei einem Umfang von 52 Seiten beinhalten 40 Seiten Fotos = 77% des Inhalts, während ...


... Homo-Geschichtchen die restlichen Seiten dominieren.

Donnerstag, 16. Februar 2012

DON - The German Gay Magazine 1972 (Heft 1 bis 4)


DON 1/72 erscheint im Januar 1972.

Im Vergleich mit allen bisher erschienenen Titelseiten unterscheidet sich diese - antiquierter Schriftzug, ausgeschnippeltes Titelfoto und amateurhaftes Layout - geradezu schauderhaft.

[Erinnert sei daran, dass die Jugendzeitschrift twen - mit dem 'revolutionären' Layout von Willy Fleckhaus - die die Optik deutschsprachiger Illustrierten/Magazine/Zeitschriften nachhaltig positiv beeinflusste - von 1959 bis 1971 auf dem Markt war.]

Übernommen hat das Objekt die Pressag AG, Vaduz, Lichtenstein. Der Inhaber dieser Firma und neue DON-Herausgeber wird mit den 12 DON-Ausgaben des Jahres 1972 fünfmal den Verlag - Firmennamen und Firmensitz - wechseln.

Verantwortlich für den Inhalt sind Karel von Swoll und Hans Milus. Die Redaktionsleitung haben Guy Gilbert und John Mytery, Frankfurt/Main. Hinter diesen vier exotisch klingenden Namen sind samt und sonders frei erfunden (Pseudonyme), und dahinter verbirgt sich eine einzige Person (nämlich der Inhaber der Pressag AG, ursprünglich eine Münchner Werbeagentur, Günter Goebel).


Während in der Ausgabe DON 3-4/1971 noch 4 prall gefüllte Seiten mit kostenlosen Kontaktanzeigen (gesetzt im kleinen Schriftgrad) erschienen sind, muss das Magazin jetzt aufs Neue um Kontaktinserenten werben. Bei den Fotos handelt es sich um reine 'Füllbilder', oben links eines von Sven Swede.


Erstmals erscheinen in DON auch 'richtige' Frontalakte. Schwerpunkt des Artikels ist (natürlich) die Penisgrösse von Farbigen.


Beginnend in den 60er Jahren veröffentlicht der Holländer Wim Kock unter dem Namen Dorus (Doppelseiten oben und unten) in zahlreichen schwulen Magazinen stark realistische erotische Zeichnungen junger Männer, die sich durch muskulöse Körper und deutlich angeschwollene Schwänze auszeichnen; zumeist typische Homo-Szenen, in die sich der Betrachter hineinfantasieren kann. Im Internet habe ich bislang nichts über Wim Kock alias Dorus gefunden. (Wer weiss etwas?)


Typisch für die Zeit: Beatlesfrisuren, hauteng anliegende Jeans, die so hüfttief geschnitten sind, dass der Poritzenansatz sichtbar ist, extrabreite Gürtel, freiliegender Bauch, auch Dank zu knapp geschnittener Shirts und sexy Minislips.


Unscharfe, falsch belichtete Amateurfotos, wie diese (aufgenommen von Herausgeber Günter Goebel in einer seiner Wohnungen), schlecht reproduziert und deshalb miserabel im Druck, sind im Jahrgang 1972 die Regel. Nach dem Motto: möglichst billig. Siehe folgende Titelseite, die farblich im Originaldruck schlimmer aussieht.
 

DON 2/72 erscheint im Februar 1972. Herausgeber ist jetzt der Apollon Verlag, Vlissingen, Holland.
Die Redaktionsleitung behalten Guy Gilbert und John Mytery, Frankfurt/Main (wie gesagt, beide Namen sind Pseudonyme). Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt/Main 70, Postfach 700 229.

Guy Gilbert ist Günter Goebel (†), Kürzel GG, bisexuell, Journalist, Redakteur, Fotoagent, Hans-Dampf-in-allen-Gassen, Inhaber diverser, oft wechselnder Mini-Firmen, u.a. der Werbeagentur Pressag AG u.a. in München (siehe 1. Eintrag bei DON 1/72), der Bifipress AG in Frankfurt/Main (siehe Redaktionsanschrift) usw. Ausführliches im Goebel-Link.

Hinter dem Pseudonym John Mytery könnte es sich - Dank gleicher Frisuren - um einen von Goebels jugendlichen 'Begleitern' handeln. Oder um Hans John (in DON 12/1975 und 8/1976) = Hans Möstl bzw. Johann Möstl, Fotograf, 1972 = 23 Jahre alt. In DON wird er als 'Bildredakteur' bzw. 'Chef der Bilder' vorgestellt. Welche Rolle er bei dem Homo-Magazin tatsächlich spielte ist unbekannt. Möstl gründete 1986 in Frankfurt/Main den heterosexuellen Porno-Verlag Oftly. Seine Pornoproduktion / Pornoversand Oftly Goldwin GmbH sitzt heute in Österreich.


Knut schreibt: "Immer mehr schätzt der Homophile sexy Unterwäsche..." Die Slips stammen z.T. aus dem Züricher TOM men's shop, mit dem DON (hier der Herausgeber Günter Goebel) ab der April-Ausgabe eine lange PR-Zusammenarbeit startet. Dazu später mehr.


Der Artikel links - über den 'Homoparagraphen' 213 des norwegischen Gesetzbuches - stammt aus dem seinerzeit hervorragenden schwedischen Schwulenmagazin Revolt, mit dem DON ab der Mai-Ausgabe eine Zusammenarbeit - sogar "Vereinigung" - starten möchte. Rechts eine Leseprobe aus dem schwulen Sience-Fiction-Roman "Freunde auf Alpha Centauri".


Während in den 70er Jahren in diversen US-Magazinen bereits attraktive, sexy und sehr erotische männliche Nacktmodelle präsentiert werden, ist es in Deutschland (West) noch bis Ende der 80er Jahre verdammt schwer, überhaupt Jungen und Männer als Aktmodelle für ein schwules Magazin zu gewinnen. Nicht nur dass massive Hemmungen und Ängste bestehen, in einer schwulen Zeitschrift veröffentlicht zu werden, werden angesichts kleiner Druckauflagen nur lächerlich kleine Modell-Honorare bezahlt, die keinen Anreiz sind, die Hosen herunter zu lassen.

Hinzu kommt ein Qualitätsproblem: Da die meisten Profi-Labore die Filmentwicklung und Abzüge männlicher Aktfotos ablehnen (so wie auch Druckereien 'Schweinkram' à la DON nicht drucken wollen), wurden diese Arbeitsschritte meist von Amateuren und Autodidakten ausgeführt.

Professionelle deutsche Fotografen, die sich schwerpunktmässig dem Männerakt verschrieben hatten, waren zu jener Zeit eine Rarität. Deshalb stammen die meisten in DON veröffentlichten Aktaufnahmen von Amateuren oder fotografischen Autodidaken.

Das Schwulenmagazin him hingegen, dem im St. Pauli Verlag Helmut Rosenberg bis 1979 ein bedeutender Foto-Etat zur Verfügung stand, bot zu dieser Zeit bereits reizvoll attraktive Fotostrecken, die allerdings überwiegend im Ausland eingekauft wurden.


Der Beitrag rechts ist ein Nachdruck aus dem Buch "Intime Küsse" aus dem Stephenson-Verlag, Flensburg (Uhse!), entnommen.

Mit Nachdrucken, sog. Zusammenarbeit, PR-Geschichten und Billig-Fotos sucht Herausgeber Günter Goebel - bis Heft 12/1972 (bis Heft 1/1974 ist er noch Redaktionsleiter) die Initial- und Redaktionskosten des Objektes auf dem niedrigstmöglichen Niveau zu halten.


DON 3/72 erscheint im März 1972 im Apollon Verlag, Vlissingen, Holland, Postbus 122. Redaktionsleitung: Guy Gilbert und John Mytery, Frankfurt/Main. Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229


"Liebe DONS! ... wir sind fast beschämt, so viel Anerkennung und Lob von Euch zu erhalten ... Unsere ersten beiden 1972er Ausgaben sind ausverkauft, wir haben jetzt bei 3 die Auflage beträchtlich erhöht und können uns als eine der auflagengrössten Zeitschriften unserer Art im deutschen Sprachgebiet bezeichnen ..."

Hier beginnt DON mit dem, was von der gesamten schwulen Presse bis zum heutigen Tag schamlos betrieben wird: hemmungslose Übertreibung, Lug und Trug in Sachen Auflagenzahlen.

Dafür liefern obige Vorwortzeilen (unfreiwillig) den Beweis:

In den 70er Jahren noch benötigte ein Magazin wie DON gut 4 Wochen Produktionszeit: Satz, Fahnenabzüge, Korrekturlesen, Layout, Repros von Fotos und Illustrationen anfertigen, Fahnenabzüge zur Endkontrolle, Montagen und Druckfilme fertigen, Druck des Vierfarbteils, Druck des Schwarzweissteils, Buchbinderei (Falzen, Zusammentragen der Druckbogen, Heften, Beschnitt), Verpacken, Auslieferung an den Pressegrosshandel, Verteilung an die einzelnen Verkaufsstellen ... Von Terminproblemen, die bei so vielen Arbeitsschritten ebenso permanent wie automatisch auftreten, ganz zu schweigen.

Das heisst: Mindestens 3 Wochen bevor das neue Heft im Handel lag, musste es druckreif sein und durfte auf keinen Fall mehr verändert werden. Laut Vorwort soll aber bereits eine Woche, nachdem DON 3/72 ausgeliefert worden war, die gesamte Auflage von DON 2/72 ausverkauft sein.

Aber auch das ein Ding der Unmöglichkeit: Denn Remittenden (= unverkaufte Exemplare) rechnete der Vertrieb frühestens ab der vierten Woche nach Auslieferung eines Heftes ab. Denn ein Monatsmagazin wird normalerweise auch einen Monat lang im Zeitschriftenhandel angeboten.

Frei erfundene, schwindelerregende Verkaufsauflagenzahlen sind eines jener vielen Märchen, die sich um die gesamte deutsche Schwulenpresse ranken.


Hier beginnt nun auch in DON, womit der Brite John D. Stamford bereits im Jahr 1967 angefangen hatte (Spartacus Magazin) - Reisetipps für Homosexuelle - hier Amsterdam.

In den vier Bildern wird einer von Guy GilbertsGünter Goebels jugendlichen 'Begleitern' (er stellte solche 'Begleiter' grundsätzlich als 'Neffe' vor) präsentiert, der auch als Unterhosen- und Nacktmodell agierte. Möglicherweise handelt es sich bei ihm auch um den im Impressum erscheinenden John Mytery?

Die komplette Story des John D. Stamford sowie des Spartacus bis 1998 (Stamfords Tod) ist hier nachzulesen:

1. Teil: Die GANZE Geschichte vom SPARTACUS, von seinem Gründer John D. Stamford und ...
2. Teil: Die GANZE Geschichte ...
3. Teil: Die GANZE Geschichte ...
4. Teil: Die GANZE Geschichte ...
5. Teil: Die GANZE Geschichte ...
6. Teil: Die GANZE Geschichte ...
Fazit: Bruno Gmünder, John D. Stamford und der Spartacus ...


Der (links) kritische Bericht über die Hörfunksendung 'Homosexuelle in Deutschland' (NDR/WDR) stammt von Norbert Weissenhagen, eines von zahllosen Pseudonymen von Johannes Werres (der Link führt zu Werres-Details). Hier handelt es sich um Werres ersten 'Auftritt' in DON.

Rechts ein weiterer Nachdruck, diesmal aus Wochenend, dem bildreichen Sex- und Erotikblättchen aus dem Heinrich Bauer Verlag.


1972 begann DON damit - in stetig steigender Zahl - herzerweichende, rührselige, überwiegend seichte Homo-Geschichten zu veröffentlichen, was mit 9 Geschichten im Heft (DON 6/1974) seinen Höhepunkt erreichte, und weshalb DER SPIEGEL seinerzeit DON als 'homosexuelle Gartenlaube' bezeichnete. Die meisten dieser Geschichten stammten aus dem Kreis der Leser und mussten manchmal bis 'zur Bewusstlosigkeit des jeweiligen Redakteurs' überarbeitet werden; von Rechtschreib- und Interpunktionsfehlern ganz zu schweigen. Solche Beiträge wurden mit einem Belegheft und einem lächerlichen Betrag honoriert.

Wesentlich für Herausgeber und Redaktion war: Billig!


DON 4/72 erscheint im April 1972 im Apollon Verlag, Vlissingen, Holland, Postbus 122. Redaktionsleitung: Guy Gilbert und John Mytery, Frankfurt/Main. Redaktionsanschrift: DON-Redaktion, c/o Bifipress AG, 6000 Frankfurt 70, Postfach 700 229


Das Interview mit Michael Holm (Bildmitte), Sekretär des (schwedischen) Reichsverbandes für sexuelle Gleichberechtigung, Gründer und Chefredakteur des schwedischen Schwulenmagazins Revolt, führte Guy Gilbert = Günter Goebel (rechts, hier erstmals in DON abgebildet) und John Mytery, wobei -Dank gleicher Frisur - es unklar ist, ob es sich um Hans John = Hans Möstl oder einen von Goebels jugendlichen 'Begleitern' (links) handelt.

Guy Gilbert ist Günter Goebel (†), Kürzel GG, bisexuell, Journalist, Redakteur, Fotoagent, Hans-Dampf-in-allen-Gassen, Inhaber diverser, oft wechselnder Mini-Firmen, u.a. der Werbeagentur Pressag AG u.a. in München (siehe 1. Eintrag bei DON 1/72), der Bifipress AG in Frankfurt/Main (siehe Redaktionsanschrift) usw. Ausführliches steht im Goebel-Link.


Eine von vielen PR-(Werbe)-Seiten, hier von Mc Gregor. Die scheinbar redaktionellen Doppelseiten bedeuteten kostenloses Bildmaterial und kostenlose Texte. Ob der Modemacher damals wirklich wusste, wo sein Material veröffentlicht wurde, möchte ich stark bezweifeln.


Dies ist der zweite Beitrag (von zahlreichen, die folgen sollten) von Johannes Werres (1923-1990) in DON. Die Geschichte von Johannes Werres, Pseudonym u.a. Jack Argo, hat verdienstvollerweise die Webseite "Es geht um Liebe. Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte" veröffentlicht. Sie bezieht sich aber weitgehend auf dessen Mitarbeit bei der homosexuellen schweizer Zeitschrift Der Kreis und ist daher unvollständig.

Werres, er selbst bezeichnete sich als 'Aktivist der ersten Stunde', war Journalist, gebildet und schreibbegabt, bemühte  sich allerdings - zumindest in Schwulenpublikationen - sein extrem einseitiges stockkonservatives Weltbild und Gedankengut zu verbreiten. In Günter Goebel fand er einen politisch und schwulen-politisch total desinteressierten, obendrein den Magazininhalt betreffend völlig unkritischen Herausgeber, in dessen Objekten Werres seine Einseitigkeit uneingeschränkt und unkommentiert publizieren konnte. Goebel war froh, dass ihm überhaupt jemand Beiträge mit schwuler Thematik lieferte.

Der obige - unpolitische (!) - Beitrag beschäftigt sich mit "homosexuellen Grössen der Geschichte" - hier speziell König Ludwig II. - und der bewussten Unterdrückung und Verfälschung ihrer sexuellen Neigung (nicht nur) durch die Geschichtsschreibung.


Das ist die erste Anzeige in DON von  TOM men’s shop, Zürich, (der Link führt zu Details über Thomas Wetzel in DON 4/1978), der Beginn einer "wunderbaren Freundschaft" (und den Geschäftchen) zwischen dem DON-Herausgeber Guy Gilbert = Günter Goebel und dem Geschäftsinhaber Thomas Wetzel, einem Berliner, der 1949 in die Schweiz kam und 1957 eine erste winzige Boutique in der Züricher Mühlebachstrasse 9 eröffnete.