Posts mit dem Label Franz-Josef Strauß werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Franz-Josef Strauß werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 18. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 5)


DON 5/1983 erscheint im Mai 1983. Die Redaktionsleitung hat offiziell noch Gerd Talis (Heidelberg).

Die Bildauswahl, der Umbruch und grosse Teile des Inhalts werden bereits von jenem "Autorenteam" gestaltet, das offiziell erst im Impressum des Juli-Heftes erscheint.

Siehe auch Blog-Eintrag DON 2/1983: In 3 Jahren Talis-Redaktion verlor DON 40% seiner Verkaufsauflage. Henry Ferling zieht Konsequenzen.


"Mir flattern zunehmend Briefe auf den Schreibtisch ... von Vierzehn-, Fünfzehnjährigen. Einer von ihnen ist Dirk, der mir mitteilt, ich sei ... 'die letzte Hoffnung' für ihn. Der Hilferuf eines Jugendlichen, der die Partnerbeziehung zu einem Erwachsenen braucht und sucht, der aber gleichzeitig Angst hat ... den Partner in juristische Schwierigkeiten zu bringen ... 'Hier am Bahnhof gibt es einen Homo-Strich', schreibt er, 'doch der interessiert mich nicht' ... Aus den ... Briefen geht klar hervor, dass die Behauptung, immer und stets seines es die Erwachsenen, welche die Initiative ergriffen und 'sich an die Jugendlichen heranmachen', dummes Geschwätz ist ... wir werden ohne eine umfassende Reform des gesamten Sexualstrafrechts gar nicht mehr auskommen ... "

Mai 1983: An prominenter Stelle - Seite 5 - klärt DON seine Leser kurz, knapp und allgemein verständlich vom aktuellen Wissensstand über AIDS auf.



DONs Leserbrief-Kuriositäten:
In fast allen DON-Jahren spielten sich auf den Leserbriefseiten gerne auch interne Auseinandersetzungen zwischen Verlag und Redaktion ab. Wer immer Zugriff auf die Leserbriefe selbst, und/oder auf die Satzmanuskripte der Leserbriefseiten hatte, versuchte seine persönliche Meinung (mit der er abgeblitzt war oder die er offiziell nicht äussern wollte) in einem Leserbrief von 'XY aus Z' auf den vordersten Seiten allen am Objekt Beteiligten unter die Nase zu reiben. Manchmal gab sich so ein Pseudo-Leserbriefschreiber nicht einmal die Mühe, seinen Schreibstil zu variieren, anhand dessen er leicht identifizierbar war.

Ich (Blog-Autor) habe das manchmal gemacht, Verleger Henry Ferling (zugleich Druckereibeseitzer) - der immer als Letzter Zugriff auf den Heftinhalt hatte - machte das ganz gerne, und hier haben wir einen ganz typischen Fall:

Aufgrund der horrenden Auflageneinbussen hatte Henry Ferling dem Heidelberger Gerd Talis die DON-Redaktion (zum Redaktionsschluss des Juni-Heftes 1983) gekündigt. Siehe oben, Zeilen unter der Mai-Titelseite.

Verliert DON sein Gesicht?
     "Lieber Herr Talis, da ich langjähriger Leser Ihres Heftes bin, möchte ich Ihnen heute einmal meine Meinung über DON schreiben.
     In den letzten Monaten ist mir oft aufgefallen, dass der DON dem Magazin ADAM (ich bin auch ADAM-Leser) immer ähnlicher wird. Die Art der Überschriften und die Aufmachung der Fotos [was immer das bedeutet?] sind fast genau wie bei ADAM geworden! Ich meine, dass jedes Magazin doch seinen eigenen Stil haben sollte! [Allerdings machte ich - neben ADAM - erst seit der März-Ausgabe auch wieder den Umbruch für DON.]
     Der Bartmann vom Titelbild, der auch im Inneren des Aprilheftes öfter auftaucht, hat mir nun gar nicht gut gefallen. [Ab der März-Ausgabe besorgte ich auch wieder die Bildauswahl für DON.]
     Die Boy-Zeichnungen in DON 4/83 sind zwar recht gut gelungen, ich muss aber bemerken, dass ähnliche Zeichnungen bereits in der ADAM-Ausgabe 42 .... erschienen sind. Theoretisch hätte ich also nur ein einziges Heft zu kaufen brauchen. [Tatsächlich hatte uns 'Dietmar' regelmässig Serien gezeichnet, die allerdings thematisch völlig unterschiedlich waren.]
     Zum Schluss möchte ich feststellen, dass DON auch weiterhin ein ernstzunehmendes Magazin [hier erinnert der Schreiber an seinen eigenen, seriösen Journalismus, im Gegensatz zu dem nicht ernstzunehmenden ADAM] bleiben sollte (es gibt genügend andere mit pornographischen Ansätzen). [mit diesem 'Seitenhieb' meint der Schreiber ADAM, ein Magazin, das er amüsanterweise selber konsumiert.] Ein Magazin mit seiner eigenen Art und nicht Kopie oder Abklatsch eines anderen Heftes. Mit besten Grüssen P. T. in M."


Schwuler Multimillionär: "... Der ehemalige Polizeischüler Peter Kraus (19) hat ... den 43-jährigen Multimillionär Paul Schuchter ermordet. Er tat es 'aus Ekel' (wie er zu Protokoll gab), was ihn aber nicht hinderte, dem Mann die ganze Wohnungseinrichtung zu zertrümmern und alles mitzunehmen, was an Geld- und Wertsachen abzutransportieren war. Das Mordopfer ... nannte sich 'Konsul'  und führte an seinem Jaguar unberechtigt ein Diplomatenkennzeichen ... "

Lesben-Heirat: "Zwei Frauen sind Mitte März in den Niederlanden von einem Priester nach dem Eheritus der römisch-katholischen Kirche getraut worden. Die 25-jährige ... Ria Bultena und ihre 19-jährige Freundin Harmanna Kalsbek ... gaben sich vor dem katholischen Priester ... das Jawort ... "

Soziallästige Personen: " ... In Bayerns Metropole ist das zweite Geschoss unter dem 'Stachus' solch ein bevorzugter Platz. Dort geben sich Stadtstreicher, Alkoholiker und andere Drogenabhängige ein Stelldichein, und - weil eine ausgedehnte Toilettenanlage vorhanden ist - auch bestimmte Homosexuelle. Um die Sache 'ordnungspolitisch in den Griff zu bekommen', stellte die Münchner CSU-Stadtratsfraktion einen entsprechenden Antrag, in dem sie die genannten Kreise zunächst pauschal als 'soziallästige Personen' bezeichnete. Gegen diese veröffentlichte Schwulen-Diffamierung erhoben der Journalist Ralf Succo und VSG-Chef Guido Vael Strafanzeige wegen Beleidigung. Münchens Oberstaatsanwalt ... hat der Strafanzeige ... nicht stattgegegen ... Gegen diesen Ablehungsbescheid haben die beiden Antragsteller ... Beschwerde eingelegt."


"Die FDP auf der Suche nach Wählerstimmen kann sich einer Minderheit sicher sein: der Päderasten ... "

Zu Zeiten des Franz-Josef Strauß gehörten die Sudel-Kampagnen der CSU gegen andere Parteien, Politiker und u.a. gegen Schwule zum ganz normalen CSU-Alltag. Aber auch heute noch schmeisst die CSU hin und wieder mit Dreck - siehe: Alexander Dobrindt (CSU) versucht - unmittelbar vor der Bundestagswahl 2013 - Jürgen Trittin und Volker Beck als "Kinderfreunde" zu enttarnen.

Rechte Seite, 17, Autor Michael Albert (= Jens M. A. Reimer)

"Der BAYERNKURIER ist das Sprachrohr der CSU. Besser gesagt, des Herrn Franz-Josef Strauß. Sitz der Redaktion ist die CSU-Zentrale ... Der Artikel 'Werben um Kinderverderber' erschien einen Tag vor der Wahl ... dass Pastor Gerhard Naujokat, einer der entsetzlichsten Homosexuellen-Hetzer, als Experte für dieses Thema aufgeboten wird, ist auch kein Wunder ... [Artikel-Autor Wolfgang Johannes Müller] sagt, dass '20.000 bis 25.000 Fälle homosexuellen Missbrauchs an Kindern alljährlich vor den Gerichten der Bundesrepublik verhandelt werden' ... Man braucht nur das Statistische Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland aufzuschlagen. Für das Jahr 1979 nennt es beim § 175 eintausendfünfhundertdreizehn 'bekanntgewordene Straftaten'. Tatsächlich verurteilt wurden 1979 nur 148 Personen ... Aus den amtlichen Zahlen 'bekanntgewordener Fälle' produziert CSU-Müller eine 1.500-prozentige Steigerung ... Im Licht der Fakten wird deutlich, was 'christliche' Politiker unter Moral, Ethik und Pressefreiheit verstehen. Da wird mit Lug und Trug diffamiert, da werden Homosexuelle in einen Topf mit päderastischen Straftätern gerührt ..."


Zeichnungen von Dietmar (siehe 'Leserbrief' oben: Verliert DON sein Gesicht?)


"Männerhygiene ist bei zunehmender sexueller Emanzipation nötiger denn je. Eines der wichtigsten Handbücher für die Hygiene, welche gleichgeschlechtliche Sexualpraltiken erfordern, ist das 'Sumpf Fieber' (Verlag rosa Winkel). Darin werden aber beispielsweise Analerkrankungen nur sehr pauschal abgehandelt ... Um hier zu helfen und weiter aufzuklären, hat ein DON-Leser, der Naturheilkunde selber praktiziert, einen ausführlichen Beitrag verfasst ... "


Unzucht mit Kindern: "Von diesem Aspekt bürgerlicher Zwangsmoral handelt die profunde Abhandlung des Dozenten für Sozialpädagogik Karl-Heinz I. Kerscher ... >Emanzipatorische Sexualpädagogik und Strafrecht< (Luchterhand...). Das Taschenbuch  ... enthält ... geradezu sensatiobelle Ansichten über Kinder- und Jugendsexualität... "

Entstellte Engel: " ... eröffnet Joachim S. Hohmann (der Link führt zu DON 3/1977) mit seiner Sammlung 'Entstellte Engel' jetzt ... zeitgenössischen Autoren den Weg in den regulären Buchhandel ... wie Klaus Mann, Alexander Ziegler, Erich Lifka, und Guido Bachmann. Den auf 350 Seiten zusammengetragenen Erzählungen, Romanauszügen und Gedichten ist eines gemeinsam: der in ihnen zum Ausdruck kommende Wunsch zu lieben und geliebt zu werden ... "

Lust und Depression: " ... zwei Taschenbücher, die im Kösel-Verlag, München, erschienen sind und die ganze Spannweite der Gefühle aufzeigen, mit denen sich eine Vielzahl Homosexueller fast täglich herumzuschlagen hat ... Alexander Lowen, ein Schüler vom Wilhelm Reich, hat die beiden je etwa 300 Seiten starken Bücher verfasst ... "

Dienstag, 3. September 2013

DON - The German Gay Magazine 1980 (Heft 9)


DON 9/1980 erscheint im September 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Ein sehr persönlicher Bericht des DON-Autors Andy Müller, der am 12. Juli 1980 in der Bonner Beethovenhalle die Veranstaltung >die Parteien auf dem Prüfstand< besucht hat, die letztendlich im Chaos unterging ... siehe den Bericht von Hans Hack am Ende dieses Blogs.

Details:  
" ... Zunächst aber traf man sich im Foyer, wo ein schwuler Mini-Markt aufgebaut war. Dabei 'glänzte' die Berliner Eisenherz-Buchhandlung ganz entgegen ihrem eigentlichen Sortiment mit einem breit gefächerten Angebot schwuler Pornos, offenbar um allen bisher Uneingeweihten einmal deutlich vor Augen zu führen, wofür sie sich da einsetzen ... "

" ... die Damen und Herren Indianer gaben sich erneut die Ehre. Das liess die sattsam bekannte Show erwarten, mit der diese Gruppen ihr Anliegen an den Mann / die Frau / die Kinder zu bringen versuchten ... " 
(Anmerkung: Die Indianerkommune war ein Zusammenschluss von Menschen, die sich selbst als „Kinderrechtekommune“ bezeichneten.)


DON illustriert seine anspruchsvollen Inhalte nun wieder mit laienhaften Ausschussfotos.


links oben:
Da der DON-Verleger Henry Ferling FDP-Mitglied war, nehme ich an, dass er die von einem Peter Kraemer aus Essen verantwortete Wahlwerbe-Anzeige kostenlos abdruckte: "Wir haben uns entschlossen, am 5. Oktober 1980 F.D.P. zu wählen und bitten Euch das gleiche zu tun. Unsere Gründe ... Wir haben uns davon überzeugt, dass die F.D.P. die einzige der im Bundestag vertretenen Parteien ist, die sich ausdrücklich für unsere Interessen einsetzt ... "

Anmerkung: 1980 trat der homophobe Bayerische Ministerpräsident Franz-Joseph Strauß (1915-1988), CSU, als Bundeskanzler-Kandidat von CDU/CSU als Herausforderer von Bundeskanzler Helmut Schmidt an. Gegenüber der Bundestagswahl von 1976 verlor die Union - Dank Strauß - gut 4% der Stimmen.

rechts oben bis Schluss:
Satire von Jens M. A. Reimer - Franz-Josef ist mein Mann - über einen fiktiven Briefwechsel zwischen Jens und Franz-Joseph Strauß, der in einer fast schon gegenseitigen Liebeserklärung sein Happy End findet.


Hans Hack berichtet über das Desaster der am 12. Juli 1980 in der Bonner Beethovenhalle stattfindenden Veranstaltung >die Parteien auf dem Prüfstand<.


Alle 10 Aufnahmen wurden bei dieser Veranstaltung aufgenommen. Teilnehmende Politiker, Medienvertreter und Redakteure der deutschen Schwulenpresse bei der anschliessenden Diskussion im kleinen Kreis.

Rechts oben: Hans Peter Reichelt (= Hans Eppendorfer, 1942-1999) (him applaus), Wolfgang Selitsch (DU + ICH, der Name wird über DU + ICH in Wikipedia unterschlagen), Gerd Talis (= Gerhard Friede) (DON und gay jourmal)
Rechts unten im Kreis u.a.: Hans Peter Reichelt, Günter Verheugen (F.D.P.), Gerd Talis, Friedrich Rahardt (CDU, Bürgerschaftsabgeordneter in Hamburg), Wolfgang Selitsch.

Mittwoch, 24. Juli 2013

DON - The German Gay Magazine 1979 (Heft 12). Jens M. A. Reimer - Abschied von DON.


Nach 48 Ausgaben, während derer ich die DON-Redaktion alleine leitete, für das Magazin schrieb, fotografierte und recherchierte ... mit Autoren und Fotografen, Lesern und Politikern, Vereinen und Medien korrespondierte ... die Gestaltung, den Umbruch und die komplette Abrechnung machte ... nehme ich mit dieser Dezember-Ausgabe 1979 (zunächst einmal) Abschied von DON ... weiter: siehe letzte Doppelseite in diesem Post.

Typisch Verleger Ferling: In diesem letzten, komplett von mir konzipierten, gestalteten und verantworteten Heft, steht im Impressum bereits Gerd Talis als 'Redaktionsleitung'.

DON-Verlag Henry Ferling. Herausgeber Henry Ferling, Darmstadt. Redaktionsleitung Gerd Talis (= Gerhard Friede). DON-Redaktion: Dreikönigstrasse 2, 6900 Heidelberg. Ständige Redaktionsmitarbeiter: Jens M. A. Reimer, Andy Müller, Urs Kent, Tommy Brauner (= Pseudonym für Jens Reimer) und Stefan Troßbach (also die ganze "alte" Mannschaft).


"Franz-Josef Strauß ist kein 'Homosexuellen-Fresser'. Auch seine gelegentlichen Ausfälle gegen  die 'warmen Brüder' sollten nicht zu bierernst genommen werden. Vollblutbayern sind emotionsgeladen und lassen ihren Dampf gerne in alle Richtungen ab ... Bleibt die Frage, die viele Homosexuelle sich stellen, seit der bayerische Ministerpräsident zum Kanzlerkandidaten der Union gekürt wurde: Was bringt uns eine eventuelle CDU/CSU-Regierung ... Die Aussagen von CDU und CSU in den letzten Jahren waren ebenso unverbindlich und nebulös, wie die von SPD und (mit gewissen Einschränkungen) von F.D.P. ... verflüchtigen sich die Politiker in Allgemeinplätze, wie >verpflichtet, der Diskriminierung von Minderheiten entgegenzuwirken< ... 
... Eine (gar nicht so abwegige) Alternative hiesse: 'Lasst Strauß ran!' Eine Regierung Strauß/Dregger könnte ... bewirken: Endlich einmal würden manchem Homosexuellen die Augen geöffnet, welche Freiheiten uns die 70er Jahre tatsächlich beschert haben ..."


Diesen Text übernahmen wir mit freundlicher Genehmigung des NDR. Wie uns der Redakteur der Abteilung Jugendfunk, Rainer Wulff, dazu mitteilte, wurde er zweimal im Rahmen der 'Internationalen Hitparade' ausgestrahlt. Die Sendung erbrachte ungewöhnlich viele, ausschliesslich positive Zuschriften und Manuskriptanfragen ein, unter anderem von Lehrern, die den Beitrag als Diskussionsgrundlage über Homosexualität verwenden wollten.


DON-Autor Andy Mueller testet für DON-Leser die britische Homo-Hauptstadt und berichtet von einer Spritztour in die homosexuelle Provinz, nach Exeter. Dieser ganz private Reisebericht liest sich locker-flockig und angenehm unschwul (und so ganz ohne Homotreff-Tipps).


Roland-Armin Adler über Transsexuelle: informativ, aufklärend, nachdenkenswert.


Was mir an den sog. Normalen aufgefallen ist ... Als Gipfel von Normalität gilt das Münchner Oktoberfest, die grösste Sauferei (Drogen-Party) der Welt ... dass 90% sich ein Leben ohne Fernseher nicht mehr vorstellen können, 81% drei Wochen in der gleichen Bettwäsche liegen, 77% täglich ihr Horoskop lesen ... dass von dem Latrinenblatt BILD an jedem Wochentag 4,961 Millionen Exemplare verkauft werden und im Parlament nur 5% weibliche Abgeordnete sitzen ... dass 70% der Bundesbürger Homosexuelle für krank halten, 68% in Homosexuellen Kinderschänder vermuten und 50% Angst haben, dass Homosexuelle die 'Volkskraft' schwächen (STERN 1978)

... und was in der Homosexuellenszene als 'normal' angsehen wird.


Mit der nächsten, der Januar-Ausgabe 1980, wird Gerd Talis (= Gerhard Friede) (Heidelberg) die DON-Redaktion übernehmen. Talis war Mitbegründer der deutschen Homo-Zeitung 'gay journal' (er machte sie viele Jahre ganz alleine), Journalist, ein Kenner der Szene und in den schwulen Medien gut vernetzt. Der DON-Verleger Henry Ferling und ich hatten ihn ausgewählt, weil er journalistisch ein Profi war (obwohl ich über seinen Background nie etwas erfahren habe), eine eigene Meinung hatte, die er hervorragend vertrat, und in seiner eigenen Zeitung ausgewogen berichtete.

Die heute im Web auftauchende Seite gayjournal.de hat nichts mit der von Talis herausgegebenen Zeitung zu tun!

Die folgenden 38 Ausgaben - bis zum Februarheft 1983 - werden von Gerd Talis gemacht, über dessen Wirken danach ich nichts weiss und über den heutzutage - ausser Erwähnungen im Blog BRUNOLEAKS sowie im DON-Eintrag bei Wikipedia - kein einziges Wort in Web zu finden ist.

Die im obigen Artikel genannten Gründe für mein Ausscheiden waren vorgeschoben. Tatsächlich geriet der 1976 von Jürgen Brendel und Jens M. A. Reimer gegründete Top-Versand 1979 erstmals in eine geschäftliche Aufschwungphase (links der erste "Katalog" 1979, ein 20seitiges Heft), die mich zwang, neue Prioritäten zu setzen.

Ausserdem schrieb, gestaltete und fotografierte ich auch weiterhin die jeweils zweitmonatlich erscheinenden Magazine ADAM (Verlag Henry Ferling), HOM OH! und boy oh! boy (die beiden Letztgenannten Pornomagazine für Günter Goebel).

Donnerstag, 11. Juli 2013

DON - The German Gay Magazine 1979 (Heft 9)


"Ich trinke Jägermeister, weil 175 warme Brüder menschlich normaler sind als ein kalter Krieger": Der Rücktitel von DON 8/1979 zeigt die erste von zahlreichen Nachahmungen (obige Aufnahme m.E. Manfred Rudat ?) der seinerzeit viel beachteten Jägermeister-Kampagne "Ich trinke Jägermeister weil ... Jägermeister. Einer für alle".

Hier findet sich die schwule ADAM-Persiflage auf jene Kultkampagne: "Meiner für alle" - "Ich trinke Tommy's, weil..."

Da DON immer mehr aktuelle Sachthemen bringt, lasse ich Nackedeibildseiten jetzt weitgehend weg. 

DON 9/1979 erscheint im September 1979.


34 Jahre nach Kriegsende machen sie wieder von sich reden: In dem ZDF-Beitrag 'Schwarze Kluft und Knobelbecher' vom 3. Juli  erklärte ein Vertreter rechtsradikaler Gruppen "Asoziale und Homosexuelle kämen in ein Arbeitslager bzw. in ein Umerziehungslager".

" ... Solchen Leuten räumen die Medien wieder Platz ein. Das wird mit der notwendigen Aufklärung gerechtfertigt ... Aber komisch: Wieviel Platz haben die Medien, seit Bestehen dieser Republik, der Aufklärung über Homosexualität oder gar der damaligen Vernichtung von Homosexuellen eingeräumt? ..."

" ... jeder Homosexuelle müsste bei solcher Äusserung zusammenzucken. Aber allem Anschein nach reagiert unsereins nur mit einem Achselzucken. Vieles spricht dafür, dass auch wir das grösste Homosexuellen-Pogrom der Neuzeit total verdrängt haben. Einen Hinweis darauf gibt die Reaktion auf unsere Juni-Umfrage ... Nicht einmal 30 Zuschriften auf die DON-Umfrage über Schwulenlisten stehen ... im Monatsdurchschnitt 30 Meinungsbriefe über DONs Nacktmodelle gegenüber ... "


1979 setzte sich der homohetzende Franz-Josef Strauß in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit 135:102 Stimmen als Kanzlerkandidat der CDU/CSU gegen den von Helmut Kohl favorisierten niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht durch und trat damit bei der Bundestagswahl 1980 als Herausforderer von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) an.

" ... Und nun stellen Sie sich einmal .... vor: Irgendwann, sagen wir einmal morgen Abend, so gegen halbsechs, da klingelt es an Ihrer Türe ... Umringt von grimmigen, schwerbewaffneten Spezialisten der GSG9 tritt DER KANDIDAT auf Ihrem Abtreter auf der Stelle, einen Strauss Wicken in der Hand, einfach nett und sympathisch ... 'Ja, Grüss Gott, Herr Wonnemann ... Mei, kannt'i a bisserl nei'komma zu Eahna? ... Wissen S', mi daad halt interessieren, was jetzt nacha Sie von der Homosexuellen-Emanzipation halt'n daad'n ...' Sie werden gleich merken, dass es dem Kandidaten sichtlich schwerfällt, Ihren Freund nicht einen warmen Bruder ... zu titulieren ... "


"Mit den Schwulen-Listen [siehe Rosa Liste] ist das wie mit dem Ungeheuer von Loch-Ness: Unheimlich. Niemand hat sie je gesehen, niemand in der Hand gehabt und doch tauchen sie immer wieder auf ... Das kuriose ist nur, dass solche Meldungen und Vermutungen immer wieder auf den Seiten ganz 'normaler' Presseerzeugnisse auftauchen ... Am 18. Mai ging daher die [oben] links unten abgedruckte Anfrage an die Innenminister der 11 Bundesländer und an Präsident Dr. Herold vom Bundeskriminalamt ... "

Das Handbuch der Kriminalistik sah noch 1978 die Führung von Homosexuellenkarteien als notwendige Maßnahme zur Wahrnehmung der polizeilichen Sicherungsaufgaben an. Eintragungen im Strafregister wurden nach 1969 tatsächlich gelöscht. Die polizeilichen Datensammlungen wurden allerdings nicht oder nur teilweise vernichtet.

Der IGVP-Skandal: Für die Polizeibehörden Bayerns, Thüringens und Nordrhein-Westfalens waren Homosexuelle eine besondere Tätergruppe. Die Ermittler verwendeten ein Computerprogramm mit einem speziellen Register für Schwule und Lesben, ihre Treffpunkte wurden als potenzielle Tatorte klassifiziert.


Wolfgang, 25, von mir fotografiert, möchte durch diese Veröffentlichung im Raum Köln/Düsseldorf einen Freund finden ... (siehe oben, neben 'Neonazis und Nackte')


Über die Selbstunterdrückung der Schwulen
" ... Im Februar-DON haben wir einen Leserbrief von Wolfgang Müller, 21, Wolfsburg, abgedruckt, der sich selbst als radikale Emanze bezeichnet. Darin hatte Wolfgang der Redaktion angelastet, dass DON 'von der Verklemmtheit seiner Leser lebt' und - mit Zielrichtung auf diese 'verklemmten' Leser - diesen Spiessertum, Materialismus, Selbstverleugnung und totale Anpassung an die gesellschaftlichen Normen vorgeworfen. In unserer Anmerkung zu diesem Brief hiess es damals u.a. 'Der selbstbewusste Autor wird gebeten, sich einmal den Kopf darüber zu zerbrechen, wie er weniger selbstbewussten Homosexuellen Mut machen kann, anstelle ihnen derart ans Bein zu pinkeln'. Was bei diesem Kopfzerbrechen herausgekommen ist, präsentieren wir hier ..."


Anna Rheinsberg: "Liebe Leser! Ich schreibe hin und wieder für DON. Bis jetzt waren meine Beiträge Erzählungen. Vielleicht hat sich der eine oder andere von Ihnen gewundert, warum ausgerechnet eine Frau für ein homosexuelles Magazin schreibt ... Ich will Ihnen einmal erzählen, wie es dazu gekommen ist, dass ich mit homosexuellen Männern Kontakt bekam. Den Ausschlag gab ein Jugendfreund ... "


Homolulu, das erste internationale Homosexuellen-Treffen in Frankfurt am Main, 23. bis 29. Juli 1979, Sonderbericht unseres Mitarbeiters Andy Müller

Donnerstag, 28. März 2013

DON - The German Gay Magazine 1978 (Heft 7)


DON 7/78 erscheint im Juli 1978. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


" ... Einige Leser haben sich ganz mächtig über jene Anzeige aufgeregt, die Alexander Ziegler gegen Gerhard Löwenthal erstattet hat. Also für den Erstgenannten sind wir nun wirklich nicht zuständig ... Und mit dem Zweitgenannten haben wir uns sowohl im Mai, als auch in diesem Heft beschäftigt. Allerdings auf unsere Weise. Johannes Werres argwöhnte, weil es uns an anderem Stoff mangele. Richtig jedoch ist, dass uns erst Werres den Zündstoff geliefert hat: Ein obskures Telefoninterview, zu dem sich Gerhard Löwenthal seit drei Monaten und Reinhard Appel (Chefredakteur ZDF) seit drei Monaten nicht äussern (wollen, können, dürfen...). Auch die CSU >hat nicht die Absicht< sich zu einem erneuten Antihomo-Zitat ihres Parteivorsitzenden zu äussern. Selbst Johannes Werres, der Homosexuelle seit Jahren von der Liebe der CDU/CSU für unsereins zu überzeugen versucht, fühlt sich für die diskriminierenden Strauss- und Löwenthal-Zitate >nicht besonders kompetent<. Der Chefredakteur einer anderen grossen Homozeitschrift meinte zwar, jedes Wort über Werres wäre zuviel, denn damit würden wir ihm einen neuerlichen Publizitätsrummel bescheren. Mag sein. Wir meinen aber, dass die DON-Leser einmal erfahren sollten, wer Werres ist, der seit Jahren in Teilen der Homopresse eine unwidersprochene Meinungsmache betreibt ... " (siehe letztes Doppelseitenbild "Strauss, Löwenthal, Werres")


"Als homosexuellen Otto-Normal-Verbraucher (so widersinnig das auch klingen mag) haben mich einige der Sommermodelle im Mai-DON so sehr angemacht, dass selbst mein Zeichenstift vor Kreativität zu zittern begann ... " Créationen und Erläuterungen von DON-Autor Stefan Trossbach (Details zu Stefan Trossbach siehe DON 10/1977, der auch den folgenden Beitrag "Auf Männerfang in Gerolstein", über das Münchener Theaterfestival '78 verfasst hat)


"Arndt von Bohlen und Halbach bat ihn, sein Drehbuch, in dem ein junges Mädchen die Hauptrolle spielt, für einen 'hübschen Jüngling' umzuschreiben. Roger Peyrefitte wirft er vor, den Homosexuellen Europas einen Bärendienst erwiesen zu haben, indem dieser das Privatleben des Papstes in der Öffentlichkeit breittrat. Österreich klagt er an, in Bezug auf Homosexuelle eines der rückständigsten, repressivsten und inhumansten Länder der Welt zu sein. Die Schweiz nennt er ein 'Scheissland'. Und seinen Landsleuten wirft er vor, egoistisch, spiessig, obrigkeitshörig und sexualfeindlich zu sein ... Das neue Buch >Kein Recht auf Liebe<, erschienen 1978, dürfte das interessanteste, lesenswerteste und agressivste sein, das Ziegler bisher zu Papier gebracht hat ... Selbst wenn man mit einigen Anschauungen und Interpretationen des Autors nicht einverstanden ist, selbst wenn es Kritisches zu vermerken gibt: Dieses Buch ist zu empfehlen. Es ist der beste Ziegler den es je gab ... Interessant ist auch, wie weit der Buchautor Alexander Ziegler auf den Kurs einiger deutscher Schwulengruppen eingeschwenkt ist (Schwulengruppen, mit denen sich der Chefredakteur Ziegler nie auseinandergesetzt hat). Auf den Kurs von Provokation, Konfrontation und Schwarzmalerei. Unter totaler Negierung der positiven Entwicklungen hierzulande. Die Zusammenballung negativer, bedrückender Beispiele wirkt so dick aufgetragen, dass man sich quasi ins Mittelalter zurückversetzt sieht, als Homosexuelle noch für Pest und Rattenplagen verantwortlich gemacht wurden ... "


Als sich der Top-Versand (oben rechts) noch "das kleinste Versandhaus der Welt" nannte und ganz seriöse Badehosen anbot...


Die Februar-Ausgabe 1978 der DDR-Zeitschrift >Deine Gesundheit< veröffentlichte auf dem Titelbild Albrecht Dürers homosexuell korrigiertes Bild 'Adam und Eva'. " ... Herausgeber dieser Zeitschrift ist eine staatliche Institution, das 'Nationale Komitee für Gesundheitserziehung der Deutschen Demokratischen Republik' ... Anzumerken ist, dass die Zeitschrift ... allgemeinverständlich und für breite Leserschichten geschrieben ist, dass sie an jedem Zeitschriftenstand der DDR ausliegt ... und ... dass es dieses Blatt bestimmt nicht nötig hat, seine Verkaufsauflage durch Knalleffekt-Themen hochjubeln zu müssen ... Wir fragen uns jedenfalls: Eine Publikations unseres Bonner Gesundheitsministeriums, die nicht allein aufklärt, sondern unsere Gesellschaft geradezu auffordert, das Verhältnis gegenüber den Homosexuellen zu korrigieren, die dafür plädiert, mit dazu beizutragen, dass Homosexuelle feste Partnerschaften eingehen zu können ... muss das für uns in der Bundesrepublik eine unerreichbare Fata Morgana bleiben? ... "


"Eine Vorbemerkung: Die Politik von DON war und ist es, sich aus politischen Auseinandersetzungen herauszuhalten. Wir bemühen uns um Neutralität. Und so wird es zukünftig auch bleiben. Trotzdem gibt es hin und wieder Themen, bei denen auch wir die politischen Aspekte  nicht einfach ausklammern können. So im Herbst 1976, als wir die vier Parteien vor der Bundestagswahl befragten. So im vergangenen Herbst, als wir uns mit den (linken) Schwulengruppen auseinandersetzten. So auch heute, wenn wir auf die (rechten) Herren Strauss, Löwenthal und Werres zu sprechen kommen. Wir wollen ganz unmissverständlich darauf hinweisen, dass wir politische Standpunkte respektieren. In dem folgenden Beitrag geht es also nicht um die politische Anschauung, sondern um Personen und um die Form, in der sie ihre Anschauungen vertreten. Jens  Reimer ... " (siehe auch Vorwort dieser Ausgabe)

Samstag, 8. September 2012

DON - The German Gay Magazine 1976 (Heft 9 bis 10)


 DON 9/76 erscheint im September 1976.
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973

NEU - Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (=  Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), zuständig nur für Textbeiträge, Manuskripte, Leserbriefe und -anfragen.
Sitz der DON-Redaktion ist ab jetzt (zunächst einmal bis Ende 1979) mein Büro in München: Rottmannstrasse 9, 8000 München 2

Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Johann Möstl), DON-Bildredaktion, c/o Foto- und Presse-Studio GmbH, Postfach 700366, 6000 Frankfurt 70


Offener Brief an alle Träger politischer Mandate in der Bundesrepublik ... "Sie reden von Freiheit, Demokratie, Liberalismus, alle sind für Humanität, gegen Diskriminierung, alle wollen sie die Rechte des Einzelnen wahren, alle versprechen sich der Minderheiten annehmen zu wollen. Jetzt, zu Zeiten des vWahlkampfes, gehen solche Sprüche in Menge auf uns nieder. Wem aber soll man in unserem Land noch glauben?
Da lässt sich ein studierter Mann des Rechts, ein Leitender Oberstaatsanwalt, nach einer Beschwerde von uns, von einer >Zentralstelle zur Bekämpfung unzüchtiger und jugendgefährdender Schriften, Abbildungen und Darstellungen< ein Gutachten machen. Diese >Zentralstelle< befindet, DON sei nicht als >pornografisch< einzustufen, aber es erwecke wegen seiner >auf Verharmlosung der Homosexualität gerichteten Tendenz schwere Bedenken< ... Wir müssen mit energischen Protesten einer auf diese klammheimliche Tour ausgeübten Pressezensur, einer Unterdrückung des Rechts auf freie Meinungsäusserung und einer Unterminierung rechtsstaatlichen Denkens begegnen ..."

Wir schreiben September 1973, exakt 4 Jahre nach der ersten Reform des § 175.

Tatsächlicher Autor dieses Offenen Briefs war R.v.Lindenau = Verleger  Henry Ferling


Die Bundestagswahl 1976 sollte am 3. Oktober 1976 stattfinden. Am 6. Mai 1974 hatte Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) (wg. der Guillaume-Affaire) seinen Rücktritt erklärt. Spitzenkandidaten waren Bundeskanzler Helmut Schmidt für die SPD. Für die Unionsparteien trat erstmals der CDU-Vorsitzende und Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Helmut Kohl, an.

"... 1) Welche Schritte wird die CSU ... unternehmen, um die herrschenden Vorurteile in der Bevölkerung weiter abzubauen und damit den Homosexuellen ihre Ängste, den psychologischen Druck, das Doppelrollenspiel und die teilweise diskriminierenden Auswüchse der Exekutive und im Berufsleben zu nehmen?
2) Welche Schritte wird die CSU ... unternehmen, um die Diskriminierung Homosexueller im öffentlichen Dienst - hier speziell der Lehrer - und in der Bundeswehr abzubauen?
3) Welche Schritte wird die CSU ... unternehmen um Jugendliche im Rahmen des Sexualkundeunterrichts auch über jene Sexualformen aufzuklären, die nicht den hergebrachten, genormten Moralvorstellungen entsprechen?
4) Welche Schritte wird die CSU ... unternehmen, um ehemalige KZ-Häftlinge, die aufgrund ihrer homosexuellen Veranlagung in KZ's leiden mussten, endlich durch materielle Hilfen zu entschädigen?
5)  ... Ist die CSU ... willens, den (Anm. von der SPD/FDP-Koalition) beschrittenen Weg zur Integration der Homosexuellen in unsere Gesellschaft weiter zu gehen und dieses Bestreben auch mit konkreten Zusagen zu dokumentieren? ..."


SPD: Keine Antwort. CDU betrachtet das angesprochene Problem "als persönliche Angelegenheit jedes einzelnen". Die CSU fühlt sich "dem Grundsatz verpflichtet der Diskriminierung von Minderheiten entgegenzuwirken, soweit diese nicht die freiheitlich-demokratische Ordnung in Frage stellen." Allein die seinerzeit schwulenpolitisch wahrhaft engagierte FDP antwortet ausführlich und relativ konkret.

Die SPD gewinnt 42,6%, CDU 38%, CSU 10,6% und die FDP 7,9%. Schmidt bleibt Kanzler; Genscher Aussenminister. Der bisherige Oppositionsführer Karl Carstens (CDU) wird neuer Bundespräsident.

Bei der Wahl 1980 tritt die Union dann mit dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß als Kanzlerkandidat an und verliert erneut massiv an Stimmen.


Ausführliche Anmerkungen zu unserer Leser-Umfrage stehen bei DON 8/76


Jens M. A. Reimer: Im Rahmen der Serie "Wer macht DON?" schreibe ich ein Portrait über mich selbst. Das Bild zeigt mich (33) auf der Dachterrasse meiner Wohnung am Münchner Stiglmaierplatz mit Siamkatze "Minna" (1973-1989). Zu jener Zeit lebte ich - nach Kindheit, Schule, Lehre, Volontariat und Studium in Berlin - bereits 10 Jahre in München und war schon 5 Jahre als Werbetexter, Konzeptionist und PR-Berater selbständig. 6 Jahre zuvor (1970) begann ich Beiträge für schwule Publikationen zu veröffentlichen.


"Vieles, was wir im Laufe dieses Jahres in Sachen Alter veröffentlicht haben, betraf Probleme, Ängste, Nöte und die negativen Seiten des älter werdenden Homosexuellen. Natürlich war uns von vornherein klar, dass dies eine recht einseitige Betrachtungsweise ist. Deshalb haben wir aus den zahlreichen Briefen und beiträgen unserer Leser einen herausgegriffen, der das Thema positiv behandelt. Dieser Leserbeitrag zeigt vor allen Dingen, dass man mit Einsicht, Einfühlungsvermögen und Verstand die seelischen belastungen des Homophilen beim Älterwerden meistern kann."



DON 10/76 erscheint im Oktobber 1976.
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973
Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau, Tommy Brauner (Details bei DON 9/1976)

Bildredaktion: Guy Gilbert und Hans John (Details bei DON 9/1976)


Da die aktuelle DON-Ausgabe bereits 7-10 Tage vor Monatsbeginn in den Zeitungskiosken angeboten wurde und die Bundestagswahl am 3. Oktober stattfand, konnte ich in diesem Vorwort noch einmal zum Mitwählen auffordern. Thematisiert werden .... erneut der Offene Brief unseres Verlegers, unsere an die Parteivorsitzenden gerichteten Fragen und die Partei-Antworten (siehe oben, DON 9/76) ... die in der ablaufenden Legislaturperiode von der SPD-FDP-Regierung haufenweis gezimmerten Gesetze zur "inneren Sicherheit" (in jenem Herbst hatte die hannoversche Verfassungsschutzbehörde die Organisation zur Hilfe für politische Gefangene "Amnesty international" als "staatsabträglich" bezeichnet) ... und die daraus folgernde "Sorge um den kleinen Freiraum, den Homosexuelle im letzten Jahrzehnt gewannen".

" ... Lasen Sie es unlängst im STERN? Der liess ein demoskopisches Institut unter den deutschen Frauen umfragen, wie sie über die Homosexualität wohl dächten. Sei sie eine Krankheit, ein Laster, eine Angewohnheit ... oder eine ganz natürliche Sache? Die Zahlen stammen also von 1976, die in Klammern stammt von der gleichen Umfrage vor 13 Jahren. Es hielten für eine Krankheit 46 (40), Laster 20 (46), Angewohnheit 14 (11) ... und nun kommt es: für eine natürliche Sache hielten sie 20 % der befragten Frauen - 13 Jahre zuvor urteilten nur 3 % so ... "


"Es war einmal ein schöner junger Prinz. Der war von edlem Wuchs, hatte goldblonde Locken und märchenhafte Pfirsichkugeln. Er war zärtlich und leidenschaftlich zugleich, konnte traumhaft küssen und verführte viele hübsche junge Burschen aus dem gemeinen Volk. Und da er noch nicht gestorben ist, hat er exklusiv für DON seinen gräflichen Slip abgestreift und seine königlichen Köstlichkeiten unserer Kamera präsentiert ... Wer träumte nicht davon, nur einmal den Duft seines königlichen Schlafgemaches einzuatmen? Von seinem güldenen Tellerchen zu essen? Oder gar sein Zepter anzuschauen ... "


Details zu dem (regelmässigen) Autor Thomas Wagner, einem katholischen Theologen, stehen bei DON 5/1974

"In den folgenden Teilen dieser meiner zweiten Serie in DON geht es um die katholische Moraltheologie. Diese wird in weiten Teilen bestimmt durch die kirchliche Tradition, die in Fragen der Sexualmoral bis zu den Kirchenvätern zurückreicht. Besonders deutlich wird diese Tradition gerade in der letzten offiziellen katholischen verlautbarung, der >Erklärung zu einigen Fragen der Sexualethik<, die Ende Dezember 1975 von der Kongregation für die Glaubenslehre - dem früheren Hl. Offizium, der Inquisitionsbehörde also - herausgebracht und am 15.1.1976 veröffentlicht wurde ..."



Die erste Anzeige des Top-Versand * in DON.

* Brendel & Reimer GmbH, gegründet am 10.08.1976 in Unterpfaffenhofen b. München, mit meinem (heterosexuellen) Geschäftspartner Jürgen Brendel, gestartet als "das kleinste Versandhaus der Welt", später TOP MAN Brendel & Reimer GmbH.

Die kommerziellen Anzeigen in DON (und ADAM) erhielt ich keineswegs als "Gratifikation" vom Verleger, vielmehr wurde mir jeder einzelne Anzeigenpreis vom Honorar abgezogen.


Ob es den Reiseberichterstatter Robert Mittenbühler tatsächlich gegeben hat, weiss ich nicht. Der Bericht ist lebendig und aus "homoerotischer" Perspektive geschrieben. Obendrein enthält er eine ganze Reihe von Kontakt-Tipps. Auf das seinerzeit von Pädophilen bevorzugte "Knabenparadies Malaysia" geht der Autor nicht ein.