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Donnerstag, 6. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 3)


DON 3/1983 erscheint im März 1983. Die Redaktionsleitung hat noch Gerd Talis (Heidelberg).

Teile des Inhalts werden jedoch bereits von jenem "Autorenteam" gestaltet, das offiziell erst im Impressum des Juli-Heftes erscheint. Die Bebilderung ist Gerd Talis bereits entzogen worden.

Siehe auch vorhergehenden Blog-Eintrag vom 3.2.2014: In 3 Jahren Talis-Redaktion verlor DON 40% seiner Verkaufsauflage. Henry Ferling zieht Konsequenzen.



Die Fotos der Titelseite (Modell in Top-Man-Klamotten), der Mittelseiten (Modell Werner, München) und linke Farbseite (Modell Karlheinz, Köln) wurden von Jens M. A. Reimer gemacht.

Rechte Seite: "Marcel Fugère wurde 1938 in Quebec (Canada) geboren, studierte Tanz und war bis 1970 damit in London, Montreal, Dortmund und Wuppertal erfolgreich.. Nach einer einjährigen Indien-Reise beschloss er Fotograf zu werden ... Bei uns veröffentlichte er u.a. Reportagen und Fotoserien im 'Stern', im 'Spiegel' und im 'Zeit-Magazin' ... Erstmals ist eine gute Auswahl von ...Portrait- und Aktaufnahjmen in der Galerie Janssen, Pariser Str. 45, Berlin 15, zu sehen."


AHA, Berlin: "... Seit Jahren bemühe sich Berlins grösster Schwulenverein um die Anerkennung von Gemeinnützigkeit ... Ende 1982 erber erhielt die Gruppe einen ablehnenden Bescheid ... In der Begründung ... wird der AHA vorgeworfen, die von ihr geforderte Entkriminalisierung menschlicher Sexualität bedeute eine >Preisgabe schutzwürdiger Rechtsgüter< ... "

Schwule Ritter: " ... das burgen- und sagenreiche mittlere Ruhrtal ... Ruine Hardenstein ... eine >erschröckliche< Sage von einer >sündigen Liebe zweier Ritterburschen< ... Wenemar, der älteste Sohn des Burgherrn auf Hardenstein, sei der warmherzige Busenfreund des jungen, bildschönen Knappen Diethart ... gewesen ... "

Gai Pied"... ist Frankreis Homo-Zeitung 'Gai Pied' zu Europas grösstem und häufigst erscheinenden Homosexuellenblatt geworden. Mit einer Auflage von 70.000 Exemplaren hat es die bisher in Europa führenden 'Gay News' (London) weit überrundet ... "

Herpes: "Ein Impfstoff gegen die 'Bläschenkrankheit', die von Viren verursachte und sexuell übertragbare Herpes, soll jetzt ... erprobt werden ... "

Junge Union: "Auch Teile der 'Jungen Union' verlangen [Zusatzbemerkung: nun endlich!] die Streichung des § 175 StGB im Rahmen einer Neuordnung des Sexualstrafrechts ... "

Rosa Listen: "Der innenpolitische Sprecher der Freien Demokraten, Burkhard Hirsch, hat sich ... beschwert, dass die Polizei des CDU-geführten Bundeslandes Niedersachsen eine 'Punkerkartei' angelegt habe ... In fataler Weise wird mit der 'Punkerkartei' eine von Vorurteilen bestimmte Richtung fortgesetzt, die sich auch in Baden-Württemberg bei der Erstellung von 'rosa Listen' wiederfindet ... " 

Indonesien: "Sprechen Sie Indonesisch? Dann können Sie die 'Gaya Hidup Ceria' lesen, das neue Nachrichtenblatt der Homogruppe 'Lamda Indonesia'. Dete Oetomo (Foto) ist dort Redakteur ... "



Gay Man / MANN: "Ein erster Schock auf dem Homo-Porno-Markt in Deutschland: Die Zeitschrift 'Gay Man' aus Schweden (Revolt-Verlag) hat mit ihrer 90. Nummer im November 1982 das Erscheinen eingestellt. Übrig bleiben auf diesem Sektor 'Cock' (COQ), 'Hom oh!' und 'Boy-oh-Boy!'. ... 'Gay Man' hiess ursprünglich 'Mann', und als eine deutsche, gleichnamige Modezeitschrift protestierte, 'Man International' ... 'Gay Man' war keineswegs von vornherein als reine Porno-Postille angelegt ... "

Anmerkung: Über den schwedischen Revolt-Verlag (Revolt Press) und seine schon frühzeitig herausgegebenen Schwulen-Publikationen - auch in Deutsch, unter Mitarbeit schwuler Autoren aus Deutschland - findet sich leider nichts im Internet. Gay Man / Mann / Man International bot neben umfangreichen seriösen Informationen und Berichten sowie guter Schwulenliteratur immer auch explizit rattengeiles Bildmaterial, denn neben Dänemark (Freigabe 1966 bzw. 1968) war Schweden das zweite europäische Land, in dem Pornographie freigegeben wurde.



Die Märchenklappe, Felix Rexhausen (1932 - 1992): "Endlich hat Felix Rexhausen (51), der Hamburger Autor, seine vielen hintergründigen Homo-Storys zu einem Buch zusammengestellt und als 'Gesammelte Werke Band I' unter dem Titel 'Märchenklappe' im Verlag rosa Winkel, Berlin, herausgebracht ... "

Bibliographie zur Homosexualität, Verzeichnis des deutschsprachigen nichtbelletristischen Schrifttums zur weiblichen und männlichen Homosexualität aus den Jahren 1466 bis 1975, Manfred Herzer: "... zum Thema Homosexualität sind Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Sachbüchern geschrieben worden; ihr Inhalt ist stets zugleich ein Spiegel, in dem das Thema die 'Problematik', jeweils zur Entstehungszeit des Buches gesehen wurde. Manfred Herzer hat sich der ... Mühe unterzogen, Autoren und Titel dieser Riesenmenge an Sachbüchern zu orten ... beim Verlag rosa Winkel, Berlin, erschienen ... "

Rosa Winkel / Rosa Listen. Homosexuelle und 'gesundes Volksempfinden' von Auschwitz bis heute, Hans-Georg Stümke und Rudi Finkler "... sind die Autoren dieses sage und schreibe 512 Seiten starken Werkes, und man muss dem Rowohlt-Verlag ... ein grosses Verdienst zumessen ... Es beginnt mit der Geschichte des Aufbruchs eines 'Dritten Geschlechts' in der zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik ...[bis zur] ... gegenwärtigen Situation in der Bundesrepublik ... mit zahlreichen Beispielen, Zitaten, Belegen, Gerichtsurteilen bis in die jüngste Zeit ... "

Italia Gay 1983 " ... dem unterhaltsamen Reiseführer durch den 'warmen Stiefel'. Die 250 Seiten ... erinnern ... stark den den deutschsprachigen 'Gay Model Guide': Geschichten, Informationen, Daten, Adressen ... Anzeigen, Fotos ... Grafica Nouva, Torino ... "


Der Autorenname, Dr. Gerhard Wildfang, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Pseudonym. Der Beitrag beschäftigt sich mit "der Aufrichtung des männlichsten aller Glieder". Er beginnt bei den alten Ägyptern und endet bei den "heutzutage feilgebotenen, frei-verkäuflichen Fleischeslustpillen und Scharfmachertropfen ... das ganze hirnlose Brimborium ... "

Freitag, 8. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Heft 9)


DON 9/1981 erscheint im September 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Ausgangspunkt seiner September-Überlegungen ist das 'Forschungsergebnis' des Hormonforschers Professor Günter Dörner (DDR): " ... Homosexualität beruht auf Hormonstörungen, die beim Ungeborenen allein schon durch eine gestresste Mutti hervorgerufen werden können. Dies will Döner festgestellt haben. Seine Experimente mit Ratten hätten es so bestätigt. Nach seinem Rattenspiel zog Dörner ganze zwanzig homosexuelle Männer zum 'wissenschaftlichen' Vergleich heran ... folglich auch kann man Homosexualität dadurch verhindern, indem man der Mutter während der Schwangerschaft mittels Spritzen zu einem 'ordentlichen' Hormonhaushalt verhilft ... Medizinische Perverslinge haben ... in unserer Zeit versucht, Homosexuelle durch Spritzen zu 'heilen' ... "


1961 wurde in der Berliner Marburger Strasse das Travestietheater Chez nous gegründet (tatsächlich existierte es von 1958 bis 2008). " ... Heute darf der Chef Tomas Schneider stolz auf den 20. Geburtstag hinweisen, auf ein Publikum, das von A(lice und Ellen Kessler) bis Z(arah Leander) reicht ... Die diesjährige Gastspielreise ... zwischen Westerland in Schleswig-Holstein und Waging am See in Oberbayern [wurde] kaum etwas ausgelassen ... Yvana zeichnete auch für die Choreographie verantwortlich ... Erotik ja, Frivolität ja, Schmunzeln ja, aber Verzicht auf schrilles Tuntengehabe ... "


Die Bebilderung der Wien-Präsentation mutet wie aus einem Reiseführer um die Jahrhundertwende (1900) an. Auch die Erfahrungen des schwulen Besuchers im schwulen Wien lesen sich eher deprimierend, und das obwohl Homosexualität zwischen Erwachsenen in Österreich bereits 10 Jahre zuvor (1971) legalisiert wurde. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass auch nur ein Einziger nach lesen dieses Reiseberichts sowas wie 'Lust auf Wien' verspürt haben dürfte.


Europas Homos trafen sich in Bologna - anlässlich des 1. Jahrestags des faschistischen Attentats auf den Hauptbahnhof von Bologna, hatte der Statdrat zu einem viertägigen 'Treffen der Jugend aus ganz Europa gegen Terrorismus und Gewalt' eingeladen.

Angesichts der Ermordung des schwulen 26jährigen Johannes Bügner durch Neonazis fordert die 'Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft e.V.' (AHA, Berlin) Bundesinnenminister Gerhart Baum (F.D.P.) in einem offenen Brief zum Handeln auf.

Englische Polizei veranstaltet Razzia bei der königlichen Luftwaffe (Royal Air Force, RAF) in Hinblick auf homosexuelle Aktitäten.

Der kalifornische Designer Van-Martin Rowe zeigt seine 14-teilige Kollektion 'bisexuelle Mode', "... die von Männern und Frauen gleichermassen getragen werden kann."

State Senator Joseph Sevanio kündigt für seinen (amerikanischen) Bundesstaat Louisiana einen Gesetzentwurf zur Ächtung aller schwulen  Lehrer an.

"In einem Schreiben von Ende Januar 1981 macht der Berliner Senator für Gesundheit und Umweltschutz seine Kollegen in den anderen Bundesländern auf eine Schädigung der gesundheit nach verwendung von Poppers aufmerksam ... Die chemische Untersuchung dieser Erzeugnisse zeigt, dass sie Isobutylnitrit enthalten ... Wegen der potentiellen Giftigkeit ... sind diese Mittel geeignet, selbst bei bestimmungsmässiger und vorhersehbarer Verwendung ... die menschliche Gesundheit zu beeinträchtigen, wenn nicht sogar zu schädigen ..."


Eine Geschichte über den homoerotischen japanischen Dichter Yukio Mishima (1925 als Hiraoka Kimitake, bis 1970), wunderbar erzählt von Wenzel Böhmak (= Pseudonym) und seiner grossen Leidenschaft, dem 22 Jahre jüngeren Morita, mit dem er gemeinsam rituellen "romantischen Selbstmord" begang, heisst es hier ... Tatsächlich machte der Schauplatz – das Zentrum der militärischen Streitmacht in Tokio – die Tat zu einem klar politisch motivierten Akt.


Diese Seite steht beispielhaft für die Lieblosigkeit von Gestaltung, Typographie und Bebilderung in den DON-Jahren von Gerd Talis.

Montag, 29. Juli 2013

DON - The German Gay Magazine 1980 (Hefte 1, 2, 3). Gerd Talis übernimmt die Redaktion.


Der neue DON-Redakteur, Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) soll neben dem Aufbau des Gesamtinhalts sowie eigenen Beiträgen auch den Heft-Umbruch/Layout und die Foto-Auswahl übernehmen, ferner Autoren und Fotografen pflegen und gewinnen..

Bei Talis DON-Start, der nach den Vorstellungen und Wünschen des Verlegers Henry Ferling ein fliessender Übergang - und kein Neuanfang - sein soll, ist bemerkenswert, dass der neue Redakteur mit kaum einem DON-Autor und DON beliefernden Fotografen zusammenarbeiten wird.

DON 1/1980 erscheint im Januar 1980. Die Aufzählung der 'Redaktionsmitarbeiter' ist (ausser Urs Kent **) frei erfunden.

DON-Verlag Henry Ferling. Herausgeber Henry Ferling, Darmstadt. Redaktionsleitung Gerd Talis. DON-Redaktion: Dreikönigstrasse 2, 6900 Heidelberg. Ständige Redaktionsmitarbeiter: Jens Reimer, Andy Müller,  Urs Kent **, Tommy Brauner (= Pseudonym für Jens Reimer) und Stefan Troßbach.

** Urs Kent ist eines der zahlreichen Pseudonyme von Johannes Werres

Sofort wird wieder die alte DON-Masche praktiziert, fehlenden Inhalt durch mehr oder weniger schlichte, schwüle und schwafelige Homo-Geschichten zu ersetzen - in dieser Ausgabe sind es bereits 3 Stories, in den Ausgaben der nächsten Jahre sind es im Durchschnitt 5 Homogeschichten. Und sofort wieder - in fast jeder Ausgabe - mit dabei, der Homo-Lore-Roman-Schreiber Walter Hilbrecht, den ich mit Müh und Not aus DON verbannt hatte, nachdem ich Verleger Ferling um ein Hilbrecht-Finale geradezu angefleht hatte.

Das von dem Grafik-Laien Gerd Talis verantwortete Layout entwickelt sich schnell wieder in die optische Richtung eines Krankenkassenmitteilungsblattes.


" ... wollen Sie sicher wissen, wer hier der für DON neue Gesprächspartner ist ... Wie kam es zum 'Kopfwechsel', wer ist der Neue ... ? ... Vor zeh  Jahren arbeitete ich als Südeuropa-Korrespondent für Presse und Rundfunk in Spanien, als ich u.a. von dem mir bis dahin unbekannten 'Nachseptember-Magazin' [= DU & ICH] um einen Bericht über 'Warme Orte an Europas Südküste' gebeten wurde. Bei nächster gelegenheit schaute ich mir die Redaktion davon in Deutschland an - um bald darauf mit dem gesamten Team nach Köln überzusiedeln; wir bereiteten von dort aus die Fortführung eines Magazins vor, das den Namen 'Sonny' trug. 'Sonny' aber ist der Vorgänger Ihres DON ... Mir persönlich ging es damals jedoch um etwas anderes: Die Homosexuellen in Deutschland sollten durch ein Nachrichtenblatt regelmässig über emanzipatorische Vorgänge in aller Welt unterrichtet, dadurch den sogenannten Heterosexuellen gleichzeitig die Furcht vor der (eigenen) Homosexualität genommen werden: 1972 entstand das Monatsblatt 'Gay Journal' ... Gewisse Schwierigkeiten aber, die gerade durch die Doppel-Redaktion entstehen, wollen wir nicht verschweigen ... Womit wir beim Programm wären. Wir möchten DON zu einem wirklichen Forum der Homosexuellen machen ... Tausend Dinge bewegen uns, mit denen keiner alleine fertig wird. Artikulieren wir uns also, kommen wir zum Gespräch! Im DON. Wir brauchen diese 'Arbeit an uns' ... Ihr Gerd Talis"


" ... Die Woge, die derzeit im Westen der USA entsteht, bedeutet uns nichts Gutes. Gemeint ist die zunehmend an Bedeutung gewinnende homosexuellenfeindliche Einstellung breiter amerikanischer gesellschaftsschichten, an der die Gays dort selber schuld sind. Denn sie haben - wie unser gerade aus San Francisco zurückgekehrter Mitarbeiter Wolfgang Malade betroffen feststellt, zu früh zu hoch gereizt. Ist schon eine gewisse Art homosexueller Selbstdarstellung, auf Demonstrationen etwa, peinlich, so wird den Nicht-Gays in den Homozentren Kaliforniens die umsichgreifende 'Verschwulisierung' allmählich unerträglich ... Nach dem amerikanischen Vorbild der Harlem- und China-Towns haben sich auch ganze Schwulen-Städte und Stadtviertel gebildet. Lokalisierbar dort nimmt jetzt Mord und Totschlag rasant zu ... "


"Die Briefberge zu den von DON aufgegriffenen Fragen nach der Legalität gewisser behördlicher Massnahmen gegen Homosexuelle nehmen zu. Erfreulicherweise ist festzustellen, dass es bei den Untersuchungen der 'Listen von Loch Ness' oder der Kripo als 'Stammgast in Homokneipen' nicht bei DON-Aktivitäten blieb. DON-Leser, Landtags- und Bundestagsabgeordnete haben sich dieser Themen angenommen. Einige DON-Leser wurden selbst mit Datenproblemen konfrontiert ... So entstand ein ganzes Netz von brieflichem Hin und Her - nur herausgekommen ist dabei (noch) nicht viel .... "

Antwort der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherung e.V., Bonn
Antwort des Innenminsterium Baden-Württemberg
Antwort des Senators für Inneres der Freien Hansestadt Bremen in Sachen Lokal 'Bienenkorb'


DON 2/1980 erscheint im Februar 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= gerhard Friede) befindet sich in Heidelberg.

Diese Ausgabe enthält bereits wieder fünf Homo-Geschichten.


Collage zum Fasching 'Geht doch mal als...'


Zum Titelthema 'Bei uns ist immer Karneval'
"Wo immer auf diesem Planeten Menschen närrische Feste feiern, mischt sich in den Mummenschanz der bunten Zelte und Wagen, der lockenden Karussells und Schaubuden der epikureische Lebenswille der Jugend ... So ist auch hier zum Karneval vieles erlaubt, was sonst dem strengen Verdikt des Biedermanns zum Opfer fiele ... "


Ob "Das nachstehende Protokoll" echt ** oder eine Parodie ist, ist 33 Jahre später nicht mehr festzustellen... "entnahmen wir den Akten des Kleingärtnervereins Köln-Wahn e.V. betreffend die sog. 'Detlev-Affaire'. Einheimische werden sich erinnern, welches Rauschen sie letztes Jahr im Wald der Boulevardblätter hervorrief, beweist dieser Skandal doch u.a. auch, wie rasch Spass in Ernst umschlagen kann, und dass man es mit dem Humor nicht so wörtlich nehmen darf, wenn die Bundesrepublik gerade ihre 'Tollen Tage' hat."

** Anfangs werden Klarnamen und eine Kölner Adresse genannt, ferner der 'Kleingärtnerverein Köln-Wahn e.V.' und der 'Kappesköpp e.V.'

Es fällt auf, dass sich die neue Redaktion in Sachen Aktfotos wieder aus den DON-Kisten mit uralten, bereits mehrfach veröffentlichter und abgelegter Fotos bedient - z.B. die beiden Sofa-Knaben von TOM men’s shop, Zürich, (der Link führt zu Details über Thomas Wetzel in DON 4/1978) aus dem Jahr 1975.



DON 3/1980 erscheint im März 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Auch diese Ausgabe enthält wieder fünf Homo-Geschichten.


"Wir wollen uns nichts vormachen, lieber Leser: Wir haben uns in zehn Jahren sogenannter homophiler Emanzipation ganz schön an die Bequemlichkeit gewöhnt. Es wurde genascht, wo es etwas zu naschen gab. Jeder hat versucht, etwas von 'seinem Recht' zu bekommen. Man tat nichts dafür, man liess es sich servieren. Servieren von einem Staat, einer gesellschaft - von einem imaginären Gegenüber, das man auf Schritt und Tritt dabei ertappt, wie es wieder Gemeines, Hinterhältiges gegen die homosexuelle 'Minderheit' ausheckt und ausführt. Trotz dieser Steine ... über die man ... mit Gepolter stolpert, hängt man ... an dem Tropf, dessen Inhalt mit dem Schlagwort 'Liberalisierung' nezeichnet ist ... man konsumiert ... passt man sich dem allgemeinen Trend doch lieber an. Dem Trend der Konsum-Gesellschaft. Da wird der Partner zur Wegwerfware, man rafft, will immer mehr ... "


Zur Ankündigung auf dem Titel "Klasse-Stories": Es setzt nun wieder das ein, was ich in meinen vier DON-Jahren mit Müh' und Not beendet hatte: Noch freie Seiten werden mit Homo-Geschichten aufgefüllt (hier von Peter Sterr). Das steigert sich in Talis-Zeiten von Jahr zu Jahr.


"Die Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft (AHA, gegründet 1974 in West-Berlin) organisiert ein Diskussionsforum zur Bundestagswahl und ruft dafür die Schwulen zur Zusammenarbeit auf ... " Am 12. Juli 1980 sollen in der Bonner Beethovenhalle >die Parteien auf dem Prüfstand< stehen. Die AHA erwartet dazu Anregungen, Vorschläge und Initiativen aus dem ganzen Bundesgebiet ... "Sektiererisches Einzelkämpfertum kann auf die Dauer nicht erfolgreich sein."
(Bundestagswahl am 5.10.1980 mit CDU-CSU-Kanzlerkandidat Franz-Josef Strauß)

Don-Dikussion:  " ... dass man in der Bundesrepublik mit ca. 3 Millionen ausschliesslich homosexuell Orientierten rechnet. Einige Zehntausend kaufen Magazine der Homo-Presse. Sie gehören dazu ... Aber gehören Sie auch zu einer Schwulen-Gruppe? Schreiben Sie ... warum Sie bei solch einer Gruppe mitmachen, warum Sie sich fernhalten, solche Gruppen gar ablehnen ... "
Es folgen erste Leserbeiträge.


"Tunten spielen sich nach vorn. Wer den Film des WDR über die IHB gesehen hat, wer Augenzeuge des Homoluluspektakels auf Rankfurts Strassen war, wer sieht, wie sich vor allem in den Homo-Gruppen ... die Tunten nach vorn spielen, dem wird angst und bange um die Zukunft der gesamten 'Minorität' ... dass der Eindruck entsteht, die Homosexuellen bestehn nur aus Tunten ... dieses Bild vom Homosexuellen erzeugt in den breiten Massen einen falschen Eindruck und kann verheerende Folgen für uns alle haben. Den Warnern, wie mir uns meinen Freunden, wird von den Tunten ungerechterweise Tuntenhass vorgeworfen ... "

Mit Mitarbeiter/Autorennamen wie Wolfgang Malade (1/1980) oder Peter Sterr und Hans Daniel (3/1980) kann ich bis heute nichts anfangen.