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Freitag, 11. Juli 2014

Gerd Talis, richtig: Gerhard Friede, DON-Akteur


Hinter dem Pseudonym Gerd Talis verbarg er vor der gesamten schwulen Branche - permanent und konsequent - seine Identität. Tatsächlich heisst/hiess (?) der Journalist, Verleger und Sex-Shop-Betreiber in der Heidelberger Dreikönigstrasse 2, Tel. 06221 - 13704: Gerhard Friede, geboren am 19. Februar 1934.



In DON 1/1980 stellt sich ein Gerd Talis (Foto DON 9/1982) als der neue 'Magazin-Macher' vor:

"  ... Vor zehn  Jahren arbeitete ich als Südeuropa-Korrespondent für Presse und Rundfunk in Spanien, als ich u.a. von dem mir bis dahin unbekannten 'Nachseptember-Magazin' [= DU & ICH] um einen Bericht über 'Warme Orte an Europas Südküste' gebeten wurde. Bei nächster Gelegenheit schaute ich mir die Redaktion davon in Deutschland an - um bald darauf mit dem gesamten Team nach Köln überzusiedeln; wir bereiteten von dort aus die Fortführung eines Magazins vor, das den Namen 'Sonny' trug. 'Sonny' aber ist der Vorgänger Ihres DON ... Mir persönlich ging es damals jedoch um etwas anderes: Die Homosexuellen in Deutschland sollten durch ein Nachrichtenblatt regelmässig über emanzipatorische Vorgänge in aller Welt unterrichtet, dadurch den sogenannten Heterosexuellen gleichzeitig die Furcht vor der (eigenen) Homosexualität genommen werden: 1972 entstand das Monatsblatt 'gay journal' ... Womit wir beim Programm wären. Wir möchten DON zu einem wirklichen Forum der Homosexuellen machen ... Tausend Dinge bewegen uns, mit denen keiner alleine fertig wird. Artikulieren wir uns also, kommen wir zum Gespräch! Im DON. Wir brauchen diese 'Arbeit an uns' ... Ihr Gerd Talis"

In dieser Vorstellung gibt Gerd Talis kaum Privates oder Berufliches von sich preis. Und bis heute weiss ich über ihn nur, dass er u.a. in Karlsruhe einen Sex-Shop betrieb. Oft las ich sein zwar ungemein laienhaft produziertes gay journal, in dem ich jedoch seine 'Schreibe' ebenso gut fand, wie seine Gedanken, die Ausgewogenheit seiner Argumente und sein schwules Engagement. Aus diesen Gründen empfahl ich ihn Henry Ferling als meinen Nachfolger. Bereits Anfang 1979 hatte ich dem DON-Verleger gesagt, dass ich (Jens M. A. Reimer) die DON-Redaktion spätestens zum Jahresende abgeben müsse, da mir meine zahllosen 'Jobs' über den Kopf wuchsen.

Am 10. Oktober 1979 transportierte ich persönlich die kompletten Redaktionsunterlagen zu einem gewissen Gerd Talis nach Heidelberg. Ich erinnere mich nur, dass das Treffen kurz, knapp, kühl und erstaunlich unpersönlich war.

Die (einzige deutsche) schwule Zeitung gay journal erschien monatlich zwischen Februar 1972 und September 1987, also auch in jenen drei Jahren, in denen Gerd Talis das DON von A bis Z machte; d.h. Redaktion, Beiträge, Umbruch, Bildauswahl, Autoren- und Fotografen-Kontakte usw.

Abb. oben die Null-Nummer - unten letzte die Ausgabe, hier steht "12. Jahrgang", obwohl inzwischen 16 Jahre vergangen sind.

Interessant ist das Impressum, denn die Zeitung erschien im pan publications Lothar Gassel Verlag und Vertrieb, später nur Pan Verlag. Redaktion: Gerd Talis, Lothar Gassel (???), Georg Rotheisen (= Pseudonym von Erich Lifka - Link zu DON 5/1980), Nathan Schalom (???), Urs Kent (= wahrscheinlich Johannes Werres). Agenturen: GP (gaypress) [= Gerd Talis] und GNG (Gay News Germany) [= Johannes Werres]. Letzterer war auch regelmässig mit persönlich signierten Kommentaren, Leserbriefen u.a. im Blatt vertreten.


Es gibt Stimmen, die vermuten, Gerd Talis und Lothar Gassel seien damals ein und dieselbe "Person" gewesen (???).

Auch unter der Heidelberger Talis-Adresse Dreikönigstrasse 2 gab es einen "Gay Shop", der regelmässig im gay journal Anzeigen schaltete.

Welche Weltbedeutung Talis seiner kleinen Zeitung beimass, zeigt sich in dieser immer wieder im Blatt erschienenen halbseitigen Anzeige, wo er sich nicht genierte, das gay journal mit seinerzeit führenden Schwulenzeitungen - wie Advocate - zu vergleichen.

Der sog. Gerd Talis begann seine DON-Tätigkeit mit der Januar-Ausgabe 1980. Schon im zweiten Halbjahr 1980 begann die Verkaufsauflage spürbar abzubröckeln. In den Folgejahren rutschte sie kontinuierlich weiter ab. Beginnend im Jahr 1981 entwickelte sich zwischen dem Verleger Ferling und dem Blattmacher Talis ein heftiger Briefwechselstreit über haufenweis Probleme (ich besitze davon alle Kopien, da ich mit Ferling engen Kontakt pflegte).

Der sog. Talis war ein hervorragender Journalist, aber vom Blattmachen hatte er null Ahnung. Vor allen Dingen verschwendete er nicht den geringsten Gedanken an die Erwartungen, Bedürfnisse und Interessen der Leser/Kunden/Käufer. Sein o.g. 'Programm': "...Wir möchten DON zu einem wirklichen Forum der Homosexuellen machen ..." interessierte die Schwulen herzlich wenig.

Im dritten Talis-Jahr, nachdem die Verkaufsauflage um 40% auf knapp 7.000 Exemplare abgesackt war, zog Verleger Henry Ferling endlich die Reissleine. Es war eine bittere Trennung.

Abb. Im Juli 1980 bei der Veranstaltung "Parteien auf dem Prüfstand" in der Bonner Beethovenhalle. Von links: Hans-Peter Reichelt (him applaus), Wolfgang Selitsch (der eigentlich Fotograf war, hier Chefredakteur DU & ICH) und der sog. Gerd Talis (DON und gay journal)

Gerd Talis war einer von mehreren Mitautoren in dem von Joachim S. Hohmann herausgegebenen Buch "Pädophile heute", erschienen 1980 im Foerster Verlag.

Auch hat Gerd Talis "Homo-Literatur" geschrieben: "Heisser Sommer" (siehe Personalie am Anfang dieses Blogs) erschien 1976 im (eigenen???) Pan-Verlag und gehört offenbar zu einer Buchreihe "Homo-book-hit No. 4"

Im Verzeichnis von "Deutsche National Bibliothek" findet sich sein Name als Übersetzer bei  dem Sex-Roman "Heisser Saft für feurige Lenden", von Wade Graham, Star-Verlag 1972, in der Reihe "Jet-Sex, Nr. 2"

Dienstag, 1. Juli 2014

Johannes Werres, DON-Akteur


Johannes Werres, rechts, * 12.9.1923 (in Köln?) bis1990 (Positano/Italien? siehe folgenden Bio-Auszug)

... mit Lebenspartner Heinz Liehr, 1921-1990 (? siehe folgenden Bio-Auszug), links, ursprünglich "Intimfreund" von Dr. Willhart S. Schlegel (1912-2011).

Werres und Liehr haben sich 1958 kennengelernt. Die Aufnahme oben ist von 1989, aufgenommen in Positano, wohin die beiden 1984 übersiedelten. Foto im Archiv von Schwules Museum, Berlin


Ergänzung: Die in obiger Biographie erwähnte Frankfurter Neue Presse wurde 1946 als konservativer Gegenpart zur links-liberalen Frankfurter Rundschau gegründet.

Weder sein richtiger Name, noch eines seiner zahllosen Pseudonyme, standen jemals im Impressum des homosexuellen Magazins DON. Johannes Werres, Pseudonyme Hans Daniel, Jack, Jack Argo, Norbert Weissenhagen, Julius Wiesenbach, Hans Heinz Bär, Gay Guy, Hans Daniels, Bode Reinholt, das Kürzel JW ... und ... Urs Kent? Georg Gay? Klaus Ohnehage? Alexander? Jochen Freimuth? F. Isenberger? Richard Lang?

Und dennoch hat dieser radikal anti-linke Homosexuelle - der sich in DON-Vorworten als Meinungs- und Wortführer der Redaktion ausgab und u.a. als "wissenschaftlicher Mitarbeiter" von Dr. Willhart S. Schlegel sehr spezielle homo"wissenschaftliche" Erkenntnisse verbreitete - von den Herausgebern Günter Goebel und Henry Ferling total unbeeinflusst und ohne einen einzigen Widerpart im Blatt - über 3 Jahrgänge hinweg, dem Magazin DON mit konsequent einseitiger, konservativ-bourgeoiser, römisch-katholisch geprägter Meinungsmache seinenn Stempel aufgedrückt. Das dadurch entstandene stockkonservative Image klebte DON auch noch in vielen Nach-Werres-Jahren an.


Nach meinem ersten Abschied von DON, als ich (Jens M. A. Reimer) Anfang 1980 die Redaktion an Gerd Talis (= Gerhard Friede) (Heidelberg, siehe auch gay journal) übergab, liess dieser erneut Johannes Werres seine krankhaften Aversionen gegen alles 'Linke' in DON verbreiten. Das ging so bis 1983, als Talis die Redaktion entzogen wurde.

Beide Namen - Johannes Werres und Heinz S. F. Liehr - stehen allerdings ab 12/1977 als Autoren im Impressum von unter uns (kurz darauf unter uns ADAM

Meine Suche nach Johannes Werres führte zunächst zu den Artikeln von Ernst Ostertag auf der Webseite "Es geht um Liebe", Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte (siehe Verzeichnisse/Personenregister) - führte aber auch nicht weiter. Durch zufällige Eingabe des Namens Hans Heinz Bär stiess ich auf einer Google "Books-Ergebnisseite" auf die obige Kurzbiographie. Sie bestätigt meinen Verdacht, dass Johannes Werres seine schwulen und schwulenpolitischen Beiträge mit immer neuen Autoren-Namen garnierte, und seinem markanten Schreibstil zufolge - gepaart mit mehr oder minder heftigen Ausfällen gegen 'Linke' - nicht nur die hier oben aufgeführten.

Werres selbst bezeichnete sich als (homosexueller) 'Aktivist der ersten Stunde'. Er war Journalist und Übersetzer, gebildet, schreibbegabt und verbreitete in mehreren Schwulenpublikationen sein extrem einseitig wertkonservatives Weltbild und Gedankengut. In dem 'Redaktionsleiter', Günter Goebel, fand er einen politisch und schwulen-politisch total desinteressierten Textabnehmer, wie überhaupt Goebel textliche Inhalte der von ihm herausgegebenen Publikationen grundsätzlich nicht interessierten (Hauptsache war, dass die Seiten gefüllt wurden).

Werres schrieb u.a. für die Päderastenzeitschrift Pikbube des Helmut W. Bendt, die erstmals 1970 erschien und nach mehreren Indizierungsanträgen 1974 eingestellt wurde.

Warum auch (ab Heft 1/1973) der Darmstädter Druckereibesitzer und Verleger Henry Ferling, Familienvater und sehr engagiertes liberales FDP-Mitglied, Werres-Texte bis ins Jahr 1974 (meinem beginnenden DON-Engagement) unbesehen druckte, habe ich nie verstanden.


Ergänzend zu der obigen Biographie: Etwa ab 1958 lebte "das Kleeblatt" Werres, Schlegel und Liehr zusammen in Hamburg. Ab 1963 (?) in der grossen Villa mit Garten des Konstitutionsbiologen und Neurologen Dr. Willhart S. Schlegel im 'vornehmen' Kronberg, Luftkurort im Hochtaunus bei Ffm. (Abb.)

1984 - nach 26jährigem Gemeinschaftsleben - wurden Werres und sein Lebenspartner Heinz Liehr (Pseudonym Rico), der erotisch schwülstige Homogeschichten auch für DON schrieb, aus der Kronberger Villa herausgeworfen (Schlegel hatte sich einen jüngeren Liebhaber zugelegt). Beide siedelten nach Positano/Italien um.


Das 25-seitige Original seines selbst getippten Lebenslaufes kann man - in seinem Nachlass - in Schwules Museum Berlin lesen.

Der Leser wird sich fragen, warum ich Johannes Werres schwul-journalistisches Wirken in diesem Blog immer wieder despektierlich kommentiere. Nicht etwa weil er ein Meinungsmacher und -manipulator von einzigartig konservativer Einäugigkeit war, unfähig und unwillig sich mit anderen Meinungen und Weltanschauungen auch nur ansatzweise ernsthaft auseinanderzusetzen, sondern weil er - so wie er sich auch in zahllosen DON-Beiträgen artikulierte - alle seine vermeintlich "linken Gegner" diffamierte und zu Deppen stempelte. Beispiele dafür bietet dieses Blog in grosser Zahl.

Alle Blog-Einträge werden - soweit Neues entdeckt wird - ergänzt bzw. korrigiert.


Johannes Werres als Soldat, Foto: Schwules Museum Berlin.



Dieses Foto (Quelle: http://schwulengeschichte.ch/services/bildergalerie/teil-4/) mit der Bildunterschrift: "KREIS-Herbstfest vom 1.10.1955: "Die Entscheidung" (Game of Fools), Theaterstück von James Fugaté / James Barr, 1922-1995. Darsteller v.l.n.r: André Méan; Kari Schwytter; Karl Meier = Rolf, 1897-1974; Röbi Rapp; Richard Frick; "Wolf"; Eduard Meyer = André und sitzend Johannes Werres = Jack Argo, 1923-1990.
Fotograf: Edmund Mos"

In der Aufzählung der Darsteller steht "Wolf" (dritter von rechts) für Heinz Liehr.

Mehr über Der KREIS (Homosexuellenzeitschrift, Schweiz)

Dienstag, 24. Juni 2014

Günter Goebel alias Guy Gilbert alias Georges Günter, DON-Akteur

 
Günter Goebel, Jahrgang 1931, ist nach eigener Aussage in Darmstadt aufgewachsen. [Witzigerweise verläuft vor dem Darmstädter Hauptbahnhof eine Goebelstrasse.] Als ich ihn kennenlernte, erzählte er, er sei früher Ralleys gefahren. Je nach Bedarf bezeichnete er sich als .... Journalist, Sportreporter, (Chef)Redakteur, Werbemann, Public Relations Experte, Geschäftsmann, Verleger, Fotograf, Repräsentant für Fotografen und Filmproduzent ...... Eine besondere Qualifikation habe ich ihm für keinen dieser Berufe zugestanden. Seine 'Schreibe' war indiskutabel; von Werbung hatte er keine Ahnung. Seine ausserordentlichen Fähigkeiten lagen auf dem Gebiet des quirligen, überall mitmischenden Geschäftsmannes. Seine Fähigkeit, Arbeit zu delegieren (anderen zuzuschieben), war genial. Über das, was er in jungen Jahren tatsächlich gelernt und gearbeitet hatte, hat er mir gegenüber nie gesprochen.

Günter Goebel lernte ich (Jens M. A. Reimer) 1967 kennen. Von Oktober 1967 bis März 1969 war ich mit Unterbrechungen in seiner Werbeagentur Pressag AG angestellt - in der Münchner Thierschstr. 23. Unter anderem gründete ich für ihn die creativ-gruppe-pressag.

Nach dieser Zeit als Pressag-Angestellter - ab 1970 - übertrug er mir (diskret) Nebenjobs: Zunächst sollte ich heterosexuelle Pornomagazine betexten [da war er sich immer noch nicht über meine sexuelle Ausrichtung sicher], später schrieb ich auch Erzählungen für homosexuelle Magazine.

Dadurch kam ich in Kontakt u.a. mit DON und mit dem Darmstädter Druckereibesitzer Henry Ferling, woraus sich zunächst eine sporadische Mitarbeit und später die Redaktionsübernahme von DON und ADAM entwickelte.

Bis etwa 1980 erhielt ich regelmässig Aufträge von Goebel; u.a. entwickelte ich für ihn zwei schwule Pornomagazine: 1976 HOM OH! und 1978 BOY OH! BOY. Ende 1980 trennten sich unsere Wege.

Günter Goebel fuhr lange Zeit - parallel - zwei Vorzeige-Nobelkarossen, einen Mercedes-Benz und einen Jaguar mit Züricher Kennzeichen (!). Siehe Abbildung in diesem schöngefärbten Artikel über Guy Gilbert der DON-Ausgabe 5/1976, Seite 32.

Erst Ende der 90er Jahre erfuhr ich, dass er gestorben sei. (Wann???)

Günter Goebel war bisexuell, hat sich dazu aber nie 'bekannt'. Ich wusste von zwei Ehen; d.h. zwei seiner Ehefrauen habe ich persönlich kennengelernt. Seine schwule Neigung, d.h. sein Interesse für junge Männer, galt als Tabu. Seine sporadischen Jungmännerbegleiter pflegte er anderen Menschen als 'Neffen' vorzustellen. In DON und allen anderen schwulen Objekten, die er in den Folgejahren herausgegeben hat, trat er (wenn überhaupt) nie mit seinem richtigen Namen auf.

Den Titel des homosexuellen Magazins DON kaufte/übernahm Günter Goebel Ende 1971. Die von ihm als Herausgeber verantwortete erste Ausgabe erschien im Januar 1972 in der Pressag AG, Vaduz, Lichtenstein.

Das war eine jener vielfältigen Mini-Firmen, die ausschliesslich ihm gehörten (dazu später mehr). Die letzte von ihm verantwortete DON-Ausgabe erschien im Dezember 1972. Als Redakteur stand sein Pseudonym Guy Gilbert allerdings noch bis Heft 12/1976 im Impressum, wie auch sein Kürzel GG (das er grundsätzlich als Unterschrift verwendete) unter einigen Beiträgen. In seinen Jahren bei/mit dem schwulen Magazin ADAM lautete sein Pseudonym Georges Günter.

Zwischenbemerkung: Nach der ersten Reform des § 175 StGB im September 1969 hat sich kein Homosexueller getraut - weder bekennender, noch ungeouteter - eine Zeitschrift für Homosexuelle zu gründen, zu finanzieren und zu verlegen. Ob DU & ICH, him oder DON, alle wesentlichen, ab 1969 erstmals auftauchenden Homo-Magazine wurden von (mehr oder weniger) heterosexuellen Geschäftsleuten finanziert und herausgegeben. Diese Leute glaubten, einen neuen, und wie sie vermuteten lukrativen Markt, erschliessen zu können ... die aber auch - das muss anerkennend erwähnt werden - den Mut hatten, sich über die damals noch extreme gesellschaftlich-moralische Ächtung der Homosexuellen und eine in der Gesellschaft extrem verbreitete homophobe Stimmung hinwegzusetzen.

Günter Goebel jonglierte etwa zwei Jahrzehnte lang mit einem Netz von Minifirmen, die alle von ihm gegründet und unter seiner ausschliesslichen Regie agierten: Unter anderem der Apollon Verlag in Vlissingen/Niederlande, die Pressag AG in Vaduz/Fürstentum Liechtenstein, die Pressag GmbH in München, die Bifipress AG in Frankfurt/Main, die Druck- und Verlags AG in München usw. Ein wesentlicher Zweck dieses Firmen'netzes', verstreut über mehrere Länder, war das Manövrieren mit Steuern. Längere Zeit war Straßburg/Frankreich sein Hauptwohnsitz; auch Sitz mancher seiner "Firmenniederlassungen". Anfang der 80er Jahre wurde er in München wg. Steuerhinterziehung angeklagt und es kam zum Prozess, bei dem er seinen langjährigen, eckart-treuen Münchner Buchhalter Fred H. als Erfinder dieses Firmenspinnennetzes und Alleinverantwortlichen denunzierte. Das berichtete der mir, als ich schon keinen Kontakt mehr zu Günter Goebel hatte.

Extrem ausgeprägt war das pekuniäre Interesse des Geschäftsmannes Goebel, der versuchte mit allen und allem Geschäfte zu machen. So begann er etwa Mitte der 70er Jahre als Erster deutsche schwule Porno-Filme im Format Super-8 zu produzieren. Abgesehen vom Sex mit jungen Männern interessierten ihn weder das Thema Homosexualität, noch die Probleme von Homosexuellen; von homosexueller Emanzipation ganz zu schweigen. Wenn er - z.B. in DON 4/1972 - sogar persönlich mit Bild auftaucht (dort aber namentlich nicht genannt wird, auch nicht mit einem seiner Pseudonyme), dann deshalb, weil er sich darin sonnte, als  'Verleger' und 'Chefredakteur' zu agieren und angesprochen zu werden.

Ich erwähne all dies keineswegs, um den Mann schlecht zu machen, sondern weil nur so die Inhalte und die Qualität der zahlreichen von ihm herausgegebenen Homo-Publikationen nachvollziehbar und verständlich werden. Schliesslich habe ich jahrelang freiberuflich für ihn und mit ihm gearbeitet. Dabei konnte ich mich immer auf ihn - besonders in finanziellen Dingen - und er sich auf mich verlassen.

Zu seinen Funktionen als Verleger und Chefredakteur muss man allerdings wissen, dass es sich bei DON, ADAM und einer Reihe weiterer schwuler Bildermagazine ausschliesslich um auflagenschwache Zeitschriften gehandelt hat. DON überschritt in den Jahren 1970 bis 1984 niemals die Marke von 12.000 verkauften Exemplaren; ausgenommen einige Sonderhefte, die im Verlag des Henry Ferling erschienen. In der Redaktionszeit von Gerd Talis ist die verkaufte DON-Auflage sogar auf unter 7.000 Exemplare abgestürzt. Allerdings musste grundsätzlich - mindestens! - die doppelte Auflage gedruckt werden, denn die Zeitschriftenvertriebe verlangten die volle Bestückung im gesamten Netz des Handels. Das heisst, 40 bis 50% Remittenden (Hefte, die der Handel als unverkauft zurückgibt) waren die Regel (vergleiche Vorwort zu DON 3/73). Im Bahnhhofsbuchhandel, wo der schwule Käufer als anonyme Person auftrat, verkauften sich homosexuelle Publikationen sehr viel besser, als im Zeitungsladen oder im Kiosk um die Ecke.


Günter Goebel (rechts) mit vermutlich einem 'Neffen' (links) und Michael Holm (Mitte), Sekretär des schwedischen Reichsverband für sexuelle Gleichberechtigung und Chefredakteur der Schwulenzeitschrift REVOLT, bei einem Treffen in Schweden. In dem DON-Artikel der Ausgabe 4/1972, Seite 4, wird ausschliesslich der Name Michael Holm genannt.
Günter Goebel hatte nur mässige Beziehungen zur schwulen Szene, folglich auch nur minimale Kontakte zu homosexuellen Autoren, Fotografen, Grafikern usw. Ausserdem war er höchst ungerne bereit, für Texte, Fotos, Zeichnungen und Gestaltung überhaupt etwas zu zahlen. Unter seiner Ägide druckte man bevorzugt die von Lesern eingeschickten Geschicht(ch)en (die Leser schätzten sich glücklich, wenn ihre Elaborate gedruckt wurden), übernahm Artikel aus anderen Zeitungen und Zeitschriften, Magazinen oder Büchern, und er war froh, dass er in dem schwulen Journalisten Johannes Werres einen regelmässigen Lieferanten für bi- und homosexuelle Artikel und Meinungen, Kritiken und 'News' hatte.

Bilder, Fotos und Illustrationen wurden (auch vom späteren Verleger Henry Ferling) ohne besondere Ansprüche an das Material zu stellen, gerne 'pfundweise' zu Schnäppchenpreisen eingekauft, egal wie oft und wo diese Abbildungen bereits veröffentlich worden waren. Viele Fotos tauchten, über die Jahrgänge verteilt, immer wieder in den Publikationen von Goebel und Ferling auf. Gerne wurde auch kostenloses Firmenmaterial (siehe TOM men’s shop, Zürich, der Link führt zu Details über Thomas Wetzel in DON 4/1978) verwendet, was mit entspr. Reklame-Artikeln "honoriert" wurde.


DON Vorwort Ausgabe 6/1975
Das Layout der Hefte wurde viele Jahre lang u.a. von den Setzern der Druckerei des Henry Ferling - Pardon! - zusammengeschustert. Fehlten die Anreisserzeilen auf der Titelseite oder das Vorwort auf Seite 3, ergänzte sie der Druckereiinhaber noch schnell persönlich. Solange Günter Goebel für die Inhalte von DON und ADAM zuständig war, waren 90% der in diesen Heften auftauchenden Namen von Redakteuren und Autoren frei erfunden.


PS. Die Aufnahme von Günter Goebel, am Anfang dieses Posts, habe ich im Oktober 1968 (da war er 37 Jahre alt) in den Räumen der Werbeagentur Pressag AG in der Münchner Thierschstrasse von ihm gemacht.

Samstag, 1. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 1)


DON 1/1983 erscheint im Januar 1983. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


BAP " ... Begonnen hatte alles ... als ein gewisser Wolfgang Niedecken im Vorprogramm eines Kölner Gastspiels ... mit eigenen Songs auftrat. Dieser Wolfgang Niedecken war eigentlich Maler und betrieb die Singerei ... nebenbei. Doch seine Lieder, die voller Witz, Hintersinn und Poesie ... das sympathische und ungeschminkte Auftreten der Gruppe ... 
... ein kleiner, ins Hochdeutsche übersetzter Auszug aus ... 'Kristallnacht' ..."

... In der Ruhe vor dem Sturm, was ist das?
Ganz klammheimlich verlässt jemand die Stadt.
Honoratioren incognito hasten vorbei,
wenn die Volksseele, allzeit bereit,
Richtung Siedepunkt, wütet und schreit:
Heil, Halali! Und grenzenlos geil nach Vergeltung brüllt, 
zitternd vor Neid in der Kristallnacht.
Doch die, die alles, was anders ist stört,
die mit dem Strom schwimmen, wie es sich gehört,
für die Schwule Verbrecher sind,
für die Ausländer Aussatz sind,
die brauchen jemand, der sie verführt ...


Nackt-Frühstück. "Ein Amerikaner aus Nebraska will jetzt sein Recht aufs Nacktsein einklagen. Douglas Metzger hatte beim Frühstücken nackt in seiner Wohnung gesessen, als ... Polizisten an seiner Tür klingelten ... Das Gericht hatte ... Douglas zu einer Geldstrafe ... verurteilt ... Das Bezirksgericht bestätigte den Schuldspruch ... "

Witwenrente. "Der kalifornische ... Smith (34) lebte 5 Jahre lang mit seinem Freund zusammen. Dann war sein Lebensgefährte ... ums Leben gekommen. Smith hatte daraufhin Witwenrente beantragt. Sie ist ihm jetzt bewilligt worden ... "

GAY, SEX, CIA ... "Weil dort niemand solche Auto-Nummer haben will, sind im US-Bundesstaat Colorado tausend Kfz.-Schilder mit der Buchstabenkombination GAY wieder ... eingestampft worden ... Derzeit in den Reagan-USA alle unerwünschten Buchstaben-Kombinationen ausgemerzt werden ... "

Spanien. " ... Zu den Institutionen, die bisweilen noch abseits der Menschenrechte stehen, wird die 'Guardia Civil' gezählt, von der jetzt wieder 3 Angehörige vor Gericht gestellt wurden, weil sie 3 Homos auf brutale Weise ermordet haben ... "
(Anmerkung: 1975 starb Diktator Francisco Franco. 1978 wurde Spanien parlamentarische Monarchie)

San Francisco. "350.000 Dollar hat der Bürgermeister ... Frau Dianne Feinstein, zur Förderung städtischer Gesundheitseinrichtungen für die Homos der Stadt zur Verfügung gestellt ... "

Zeig Mal! ">Show me!<, das grossformatige >Bilderbuch für Kinder und Eltern<, darf in New York ab sofort nicht mehr in den Buchläden ausgestellt und verkauft werden ... fällt das reich mit Fotografien nackter Kinder ** versehene Buch dort unter eine Bestimmung, welche 'die Förderung sexueller Praktiken bei Kindern unter 16 Jahren' verbietet ... "

(** Empfehlenswert nachzulesen Zeig Mal und Fotograf Will McBride)


Linke Seite:

Der moralisierende Gerd Talis (= Gerhard Friede) zum xten Mal über "... Durch Selbstprofilierungssucht werden wir zersplittert bis hin zum politischen Chaos ... Die schwule Gegnerschaft hat uns nichts eingebracht ... wir können nichts erreichen, wenn wir wie Abziehbilder des antihomosexuellen Voururteils auftreten ... weshalb ich alle 'Männer in Amt und Würden' bitte, den Leitartikel vom November-DON ... "

Der DON-Redaktionsleiter schreibt nicht für die DON-Leserschaft, sondern wendet sich an Schwule, die dieses Magazin so gut wie nie je zur Hand nehmen. Vgl. meine Anmerkungen zu "Eine grosse Familie" in DON 9/1982 ...
... und die Verkaufsauflage von DON sinkt weiter.

Rechte Seite:
Urs Kent über Dr. Magnus Hirschfeld. "Im Buch der und des Offiziellen steht das neue Jahr ganz im Zeichen von Martin Luther ... am 6. Mai 1933 brannten in allen grossen Städten des Deutschen Reiches ganz besondere Scheiterhaufen ... So ging vor 50 Jahren auch das Werk eines Mannes in Flammen auf ... des weit über Europa hinaus bekannten Sexualwissenschaftlers Dr. Magnus Hirschfeld. Denn Hirschfeld war Jude, war Homosexueller und war Freigeist ..."

Die lesenswerte Hirschfeld-Würdigung ist mit mehreren Seitenhieben gegen die "eindeutig links bis ultra-links angesiedelte Schwulenbewegung" (Schwulenbewegung in Anführungsstrichen) garniert, weshalb ich hinter Urs Kent Johannes Werres als den tatsächlichen Autor vermute. Für diese Annahme habe ich aber bis dato keinen Beleg.


Karlheinz A. Barwasser schreibt die Geschichte eines heterosexuellen jungen Mannes, der sich plötzlich - körperlich - zu einem älteren Mann hingezogen fühlt.


"Im Herbst des Jahres 1982 erlebten wir die Öffnung zum Bösen hin: die grenznahe niederländische Stadt Enschede hatte den >konktrollierten< Verkauf von hasch und Marihuana (sogenannten >weiche< Drogen) an niederländische Jugendliche freigegeben ... "

Auch in diesen ebenso namenlosen, wie engagierten Beitrag sind heftige Seitenhiebe gegen "die Linken" eingeflochten, weshalb ich auch hier Johannes Werres als Autor vermute.

Die rechtsseitige Schwänze- und Ärsche-Bildersammlung - betitelt "Jahresausblick" - dürfte in diesem sich texlich so seriös gebenden Magazin als redaktionelle "Perle" gelten.

Sonntag, 19. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 9)


DON 9/1982 erscheint im September 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Gerd Talis (= Gerhard Friede) lädt hier noch einmal zum >Zehnjährigen< seiner schwulen Zeitung gay journal ein (siehe auch DON 8/1982) - wohl deshalb erscheint auf dieser Seite erstmals ein aktuelles Foto von ihm.

Wiederholt habe ich in diesem Blog den jounalistischen Qualitäten des Gerd Talis (= Gerhard Friede) Lob gezollt. Auch in "Eine grosse Familie" sind seine Gedanken, Argumentation und 'Schreibe' ausgezeichnet.

Nachdem ich durch die Arbeit an diesem Blog zahlreiche Talis-Vorworte direkt nacheinander gelesen habe, fällt mir auf, dass der schwule Journalist wie ein nervender Wanderprediger oft mit ein und demselben Thema unterwegs ist - in dem immer ähnlichen Jammertenor: Die nicht existente Gemeinschaft der Homosexuellen. Die uneinige, zersplitterte Homo-Bewegung. Es gibt in Deutschland auch 1982 keine grosse schwule Familie, keine 'gay society', klagt Talis.

Das ist richtig. Zeigt aber auch, wie wenig sich der Redakteur mit seinen DON-Lesern und deren Erwartungen identifiziert. Denn in ihrer überwältigenden Mehrheit interessieren die sich  (wie die Masse der Schwulen) weder für die Schwulenbewegung, noch für einen gemeinsamen 'Kampf' um Gleichberechtigung. Und wenn man ihnen das allzu penetrant vorsetzt (vorhält?), dann verabschieden sie sich  ...

... was sich an DONs stetig weiter sinkender Verkaufsauflage ablesen lässt. Ein Thema, über das bald noch zu berichten sein wird.


"Dieser Artikel erschien in der Juli-Ausgabe des Satiremagazins TITANIC. Wir fanden ihn so locker, listig und lästig, dass wir uns gleich an den Autor (österreichischer Journalist und Sachbuchautor, heterosexuell) Hans-Georg Behr (u.a. Verfasser des bei Econ erschienenen >Weltmacht Droge<) herangemacht haben. Behr gab uns freundlicherweise die Genehmigung zum Nachdruck.

Weil wir selbst von Verlag und Redaktion gewisse Lesehemmungen hatten, erlauben Sie uns, Ihnen zwei wichtige Erkenntnisse mit auf den Leseweg zu geben: Vergessen Sie bitte nicht schon nach der ersten Hälfte Ihre gute Kinderstube. Lesen Sie bis zum Ende! Da bietet Behr Möglichkeiten, sich wieder abzuregen. Und verfolgen Sie sehr aufmerksam, wieviele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Behr auf die schwule Schippe nimmt, ohne dass nur ein einziger Name fällt.

Ob Behr nun die schiere Ga´lle über Schwule kippt ... oder ob er dem schwulen Volk peinliche Wahrheiten vor den Latz knallt... darüber, so hoffen wir, wird in DON eine hitzige Leserdiskussion entbrennen.

DON-Redaktion"


"In ... der >Weltbühne<, erschien am 26. April 1932 ... ein Artikel von Kurt Tucholsky über Ernst Röhm, den Hauptmann der Reichswehr, den Staabschef der SA und Freund Adolf Hitlers. ... 'Durch die radikale Links-Presse', so kritisierte ... Tucholsky, 'gehen seit einiger Zeit Anschuldigungen, Witze, Hiebe auf den Hauptmann Röhm ... Doch wollen mir die Witze über Röhm nicht gut schmecken. Seine Veranlagung widerlegt den Mann gar nicht ... Wir bekämpfen den schändlichen Paragraphen Hundertfünfundsiebzig, wo wir nur können, also dürfen wir auch nicht in den Chor jener mit einstimmen, die einen Mann deshalb ächten wollen, weil er homosexuell ist ...' "


Was hat die HuK mit der Nato zu tun? Von Leserbriefschreiber Johannes Werres

"Der Koordinationskreis der erstmals 1980 in Berlin an die Öffentlichkeit getretenen 'Kirche von unten' mit seinen 43 Gruppen, von der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Hochschul- und Studentengemeinden über den 'Bensberger Kreis' katholischer Intellektueller und die 'Christen für den Sozialismus' bis zur Arbeitsgemeinschaft 'Homosexuelle und Kirche' möchte das traditionsreiche Treffen der katholischen Laien (den Katholikentag) am 4. September in Düsseldorf zu einem Tribunal über den NATO-Doppelbeschluss 'umfunktionieren', liest man in der WELT am 8. Juni 1982.

Da fragt man sich doch allen Ernstes: Was hat die Homosexualität mit der Nato zu tun? Wozu müssen die katholischen Homosexuellen sich hinter sachfremde Zielsetzungen stellen und vor den Karren linker (sozialistischer) Bestrebungen spannen lassen? Sind denn die Ziele der Homosexuellen innerhalb der katholischen Kirche so unwichtig geworden oder haben sie sich gar bereits erledigt, dass man jetzt schon zu anderen Themen übergeht?

Ganz abgesehen davon, dass beileibe nicht alle Katholiken oder Homosexuellen diesen hirnverbrannten Unsinn der sogenannten Friedensbewegung mitmachen wollen - weshalb und wozu werden hier wieder einmal mehr lohnenswerte Ziele mit sachfremden, völlig abseits liegenden Thematiken verquickt und verraten? Schuster bleib bei deinen Leisten! HuK, befasse dich intensiv und ausschliesslich mit dem Thema, für das zu kämpfen du angetreten bist, mit der Integration der Homosexuellen in die Kirche(n) und mit der ständigen Diskussion mit den Theologen beider Konfessionen. Ich habe über diese Tätigkeit bislang noch sehr wenig zu hören bekommen.
.........
Ich spreche im Namen der 'schweigenden Mehrheit' und verbitte mir mit den meisten Homosexuellen eine solche Verquickung und Identifizierung. Homosexuelle sind an sich friedliebend, auch wenn sie ihr Vaterland verteidigen. Johannes Werres"
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PS. Die Fragestellung ist durchaus berechtigt. Aber für Johannes Werres gibt es kein Thema auf dieser Welt, in dem er nicht die bösen, irren Linken (Sozialisten) unterzubringen versteht.


Die Photoshop-Korrekturen dieses Doppelseiten-Fotos will Google - trotz aller mir bekannter Tricks - um's Verrecken nicht annehmen.

Praktisches Studium: " ... Um die Theorie aus den Psychologiekursen durch lebende Beispiele zu untermauern, machte Professor Singer (kalifornische Staatsuniversität, Long Beach) mit seinen Studenten ausgedehnte Lehrausflüge in Kontaktbars, Homolokale und Partnertauschclubs. Dort hielten sich seine Studenten >bei der Selbsterfahrung tüchtig ran, denn für persönliche Erfahrungsberichte bekommen wir die besten Noten< ... "

Arsch versohlen. 40jähriger Staatsanwalt in Kleve wurde handgreiflich: " ... Jugendliche mussten die Hosen runterlassen, dann versohlte der Ankläger ihnen den nackten Hintern. Sechs solcher >Erziehungsfälle< gab der Strafverfolger ... freimütig zu ...wird nun auch untersucht, ob der >Erziehungs-Abart strafbare sexuelle Komponenten< zugrunde liegen."

Strichjungen: " ... der Staat züchtet sich seine >Unterwelt< zu einem Grossteil selber. Jugendheime, sogenannte Erzeihungsstätten, zu Bismarcks Zeiten eine soziale Errungenschaft, sind auch heute noch Plätze für den Nachwuchs in der mann-männlichen Prostitution ... "

Überflutung des Marktes mit jugendgefährdenden Darstellungen: "Jetzt erheben sich Forderungen, eine freiwillige Selbstkontrolle des grossen Videokassettenmarktes durch hersteller und Vertreiber einzurichten. Angesichts des zunehmenden Angebots von Pornographie, sadistischen Sexualdarstellungen und Brutalität dürfte dieser Markt nicht sich selbst überlassen sein ... "

Südamerikanische Homos: " ... Wenn man in rio sich die Jacke 'nur etwas schwul' über die Schultern hängt, kann man allerdings gleich - 'wegen Homo-Verdachts' - von der Polizeistreife angehalten, befragt und 'aufgeklärt' werden ... ansonsten ist man relativ frei, sogar in nichthomosexuellen Lokalen nimmt an einer Umarmung und entsprechenden Liebkosungen kein Mensch Anstoss ... In Argentinien dagegen herrscht die schärfste Homo-Verfolgung, die man sich denken kann. Und die gibt Anlass zu Erpressungen und Beraubungen von Seiten der Zivilpolizei (!) ... "

Rechts unten, grau unterlegt, das Gay-Weekend-Programm in Heidelberg anlässlich des 10jährigen Jubiläums der Schwulenzeitung Gay Journal von Gerd Talis (= Gerhard Friede).

Mittwoch, 20. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Heft 12)


DON 12/1981 erscheint im Dezember 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Der schon mehrfach hier erwähnte Homo-Lore-Roman-Schreiber Walter Hilbrecht war in San Francisco und gibt jede Menge ordentlicher Besucher-Tipps. Allerdings auf dem Niveau eines sauber verfassten Schüleraufsatzes.

San Francisco: "Sommer und Winter - Tag und Nacht: Interessantes für jeden Geschmack" ...

Der eklatante Niveauunterschied von DON-Beiträgen - in Sprache, Stil und Intellekt (extrem schwankend zwischen 'Frau im Spiegel' und 'Frankfurter Rundschau') - wird für das Magazin zu einem echten Problem, da es die einst homogene Zielgruppe langsam aber sicher aufreibt.



Rosenstrauss "... für besondere politische Leistungen auf dem Gebiet der homosexuellen Emazipation erhält für die gesamte parlamentarische Versammlung des Europarates deren Präsident, Frau Simone Veil ... für das stetige Vorantreiben der Diskussion um ersatzlose Streichung des Sonderparagraphen 175 StGB in Bonn erhält die politische Referentin der Friedrich Naumann-Stiftung, Frau Renate Augstein-Thalacker ... für couragiertes Auftreten im Namen der homosexuellen Emanzipation erhält der nordirische Gay Jeffrey Dudgeon ... "

Buchmesse Frankfurt " ... hat gezeigt: Homo-Bücher sind von dort nicht mehr wegzudenken! Was vor Jahren noch als Wagnis angesehen wurde, hat sich inzwischen voll etabliert - die beiden grossen deutschen Homo-Buchverlage, der Foerster-Verlag und der Verlag rosa Winkel (beide Berlin) hatten dieses Jahr in Frankfurt starkfrequentierte Stände aufgeschlagen ... Kurt-Joachim Foerster bezeichnete darum diese Buchmesse ... als 'Durchbruch ins allgemeine Sortiment'. 1981 sei man erstmals weit über die bisherige 'Repräsentationsübung' hinausgedrungen ..."

Herbert Wehner, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, hat gegenüber Weisses Kreuz (Evangelischer Fachverband für Sexualethik und Seelsorge Weißes Kreuz e. V.)" ... brieflich zum Ausdruck gebracht, dass er den Zielen der Homosexuellen-Organisationen keinerlei Chancen einräume."


Im Schwulenbuchladen Sodom beschlagnahmte die Münchner Polizei Arbeitshefte für die Sekundarstufe "Prostitution, Pornographie", das Buch "Sexualität" von Prof. Ernst Bornemann, den (Kinder-Nackedei)-Fotoband "Zeig mal!" von Will McBridge und "Wider die linken Spiesser - für eine sexuelle Revolution/Ich liebe Jungs" von Peter Schult und Olaf Stüben. Beschlagnahmt wurden auch Schults Erzählung "Eiszeit", in der er seine Probleme als alternder Päderast beschreibt, und das Münchner (linke) "Blatt", das die Geschichte nachgedruckt hatte, samt Konfiszierung der Abonnentenkartei.

Bornemann, McBridge, Schult, Stüben ... waren Teil der von Alice Schwarzer (schon 1980) bezeichneten "Kinderfreunde-Connection" ("ein Netz von Wissenschaftlern und Autoren, die den Sex von Erwachsenen mit Kindern verharmlosen, ja propagieren"). Alle waren pädophil bzw. engagierten sich für Pädosex oder publizierten freizügig zum Thema. Also jenem brisanten Stoff, der im Wahlkampf des Jahres 2013 vom CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wieder hochgekocht wurde, mit dem einzigen Ziel, den Grünen zu schaden.

Der Autor des obigen "polemischen Beitrags", Olaf Stüben, wird auch in dem SPIEGEL-Artikel "Moralische Irrfahrt" (vom 30.09.2013) erwähnt: " ... In der Zeitung arbeitete zudem der bekennende Pädosexuelle Olaf Stüben, der im November 1979 den Beitrag "Ich liebe Jungs" veröffentlichte, das "Manifest eines Pädophilen", wie die "taz" zwei Jahrzehnte später einräumte ... "


Unerträgliche 'Buchbesprechung" von Wenzel Böhmak (= Pseudonym). Der kommentiert ganz begeistert ein paar Äusserungen in Sachen Homosexualität des 'schwer rechtslastigen Hetero Franz Schönhuber' (1923-2005), die in dessen Autobiographie "ICH WAR DABEI" 1981 erschienen.

Aufgrund dieses Buches wurde Schönhuber fristlos aus dem Bayerischen Rundfunk entlassen (ihm wurde Rechtsextremismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen). In Folge gründete er Die Republikaner (REP) und trat häufiger in rechtsextremen politischen Kreisen auf. Zur Bundestagswahl 2005 trat er in Dresden als Direktkandidat für die NPD an.

Geistreiche Besprechung des Romans "Zum Greifen nah" des offen schwulen, schwarzen Autors James Baldwin (1924-1987) von Ulrich Arthur Lehmann.

Urs Kent (= Johannes Werres) über den 1981 in der rororo-panther-Reihe des Rowohlt-Verlag erschienenen ersten Ratgeber von Schwulen für Menschen im Coming Out: "SCHWUL - NA UND?" von Thomas Grossmann, " ... das dem Leser Mut machen will, die eigene Sexualität ehrlich zu entdecken und offen zum Entdecken zu stehen ... ". Im Internet findet sich eine Auflagenangabe "mittlerweile sind 76.000 Exemplare im Umlauf", leider ohne ein Bezugsdatum.

"Nach den noch etwas laienhaften Versuchen von 'Brühwarm' und den leicht über die Stränge des guten Geschmacks schlagenden Darbietungen des 'Hamburger Tuntenchors' nun die professioneller werdenden Gruppen 'Trio Infernal' und 'Familie Schmidt' ... "

Letztere begann mit Corny Littmann und Gunter Schmidt als Zwei-Mann-Show. 7 Jahre später, 1988, eröffnete Littmann dann das berühmte Privattheater Schmidt Theater.

Sonntag, 3. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Hefte 6 bis 7)


DON 6/1981 erscheint im Juni 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Drei der sieben 'Leserbriefe' sind Informationen/Verlautbarungen von Homosexuellen-Gruppen.

Aus der Reihe fällt ein 'Leserbrief' von Kurt-Joachim Foerster (der sich hier als Berliner bezeichnet). Der schwule (Porno)Versender (ab 1975) und Verleger (ab 1977) hat "Kataloge gewälzt", um den DON-Lesern einen Preisvergleich für (schwule) Reisen von Swing Tours Reisen, Mainz und Man Tours, Berlin, dezidiert vorzurechnen "den ich Ihnen nicht vorenthalten will".

Warum?



Das ist die Kurzgeschichte von him / him applaus, vom Mai 1970 bis zum April 1981, von dem Sex-Verleger Helmut Rosenberg, den Chef/Redakteuren Udo Erlenhardt, Dieter-Michael Specht, Hans-Peter Reichelt und Michael Hartleben. Geschrieben hat sie Johannes Werres und zwar unter einem seiner unzähligen Pseudonyme: Urs Kent. Schon das ist erstaunlich, denn der Autor (der nie je in him etwas veröffentlicht hat / veröffentlichen durfte?) schreibt diesen Beitrag informativ, sachlich und (ausnahmsweise mal) ohne Häme. Ebenso erstaunlich ist, dass der gegenwärtige DON-Macher Gerd Talis, der Hans-Peter Reichelt persönlich kannte, das Ende dieses ausgezeichneten und in seiner Bebilderung unvergleichlichen Schwulenmagazins nicht selber kommentiert.


Das Farbfoto - Hund mit Halberektion - ist eine typische Mike Arlen Aufnahme.


Meyers Grosses Universal Lexikon (die 15 Bände erschienen von 1981–86) "galt als ein Werk, das auf liberaler Grundlage und in erzieherioscher Absicht fortschrittliches Wissen und aufgeklärte Geisteshaltung förderte." Während der Artikel über Homosexualität "von wohltuender Abgewogenheit geprägt ist", sind Einträge über Perversion, Transvestismus, Masochismus und Sadismus noch alten Denkschemen (gesundes Volksempfinden) verhaftet.

Top-Versand-Anzeige: "V-Body, aufregender Body & Playdress, auch als Slip-Hemd-Kombination tragbar oder zu Jeans als Muskelhemd (siehe links). Superelastisch, lackschwarz, feuchtglänzender Wet-Look (83% Perlon und 17% Lycra, gechintzt), mit rotem Top-Man-Zeichen (Flockprägung) ..."

In der Anzeige modeln Laien. Die im Katalog 1981/82 posierenden Profi-Models durften nicht in schwulen Magazin-Anzeigen erscheinen.


"Das deutsche Nachrichten-Magazin beschäftigte sich in seiner Ausgabe Nr. 16 vom 13. April 1981 gleich zweimal mit 'unserem' Thema ... die Beiträge 'Verfall und Untergang' auf den Seiten 87-91 sowie 'Zug abgefahren' (246-251) ... Wir zitieren uns wesentlich erscheinende Abschnitte hier nochmals ... "

Dank Digitalisierung können beide Artikel online im SPIEGEL-Archiv nachgelesen werden.



DON 7/1981 erscheint im Juli 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Am 13. April 1981 feierte die französische Homo-Zeitung Le Gai Pied zweijähriges Bestehen. Während eines aus diesem Anlass veranstalteten Gala-Abends im Pariser >Théatre Le Palace< sprang der Schriftsteller Yves Navarre auf die Bühne und verlas eine Botschaft des französischen Sozialistenchefs François Mitterand (vier Wochen vor Mitterands Wahl zum Staatspräsidenten):

"Ich möchte Ihnen hiermit zu dem Engagement und dem notwendigen Erfolg Ihrer Demonstration vom 4.4.1981 ebenso gratulieren wie zu Ihrem heutigen Festtag. Ich bin in Gedanken bei Ihnen. Der Kampf für Ihre Sache und Frohsinn gehören zusammen. Ich bitte Yves Navarre für mich zu bezeugen, dass ich mich Ihrer Suche nach einer neuen Form menschlichen Zusammenlebens mit Sympathie anschliesse. Hindernisse, die dem entgegenstehen, müssen gegebenenfalls durch gesetzgeberische Massnahmen beseitigt werden. Mit freundlichen Grüssen, Ihr Francois Mitterand."

Letzter Satz dieses Beitrages von Gerd Talis: " ... Es ist noch ein weiter Weg, bis der deutsche Bundespräsident den Homosexuellen Grussadressen schreibt. Wir müssen den Grund dafür auch bei uns selber suchen."


Die Auseinandersetzung um die Abtreibung polarisierte die Gesellschaft bis in die 1990er Jahre in zwei Lager (konservativ/bürgerlich/„rechts“ und „links“). 

Wenzel Böhmak (Pseudonym), der regelmässig ganz grossartige, informative und 'schwul-historisch' bedeutsame Beiträge in DON veröffentlichte, war in einigen Lebensbereichen einem radikal konservativen Denken verhaftet, was während meiner Redakteurszeit dazu führte, dass ich auch schon mal ein Manuskript von ihm ablehnte.

"Kein JA zur Abtreibung" ist nicht nur eine ziemlich bescheuerte, abstruse Vermischung zweier (und mehr!) Probleme - Abtreibung und Homosexualität - sondern obendrein in Diktion und Wortwahl unverantwortlich, unflätig und abstossend **, ganz abgesehen davon, dass die Auseinandersetzung über Abtreibung m. E. in einem schwulen Magazin nullkommanichts verloren hat.

** Beispiele
Abtreibung = Homo-Zukunfts-Killer ... Selbstausrottung der Deutschen
Alice Schwarzer = ... du bist keine Hexe. Du bist etwas viel Schlimmeres: Herrenmensch à la Goebbels, der dich um deine Perfektion beneiden müsste in seinem Grab
Atomrüstung - Müssen wir Deutschen sterben, damit die USA und China leben? Übertreiben wir nicht in punkto Atom-Kraft-Lager-Bereitschaft?

Schlussworte des Autors: " ... Ich bin dagegen, dass Europa [???] abgetrieben wird. Schluss mit jeder Art von Abtreibungen in Europa. Homosexuelle, lasst euch nicht mehr in die Mäuschenfallen der Prinzipienreiter locken! Und lasst die Frauen Frauen sein."


Links: ein Aufruf eines Aktionskomitees, verantwortlich Prof. Dr. Helmut Kentler, zur Streichung des § 175 StGB

Bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 10. Mai 1981 verzeichnete die F.D.P. massive Stimmeneinbrüche und kam mit 5,6% nur noch knapp über die 5%-Hürde. Der Beitrag von Tassilo analysiert Gründe: " ...Das Versprechen der F.D.P. vor dem 5. Oktober 1980 [Bundestagswahl] hat sicher manchen Wähler bestimmt, sein Kreuzchen für die Liberalen abzugeben. Kurz danach jedoch erfuhr man, dass das selbstverständliche Menschenrecht der Homosexuellen auf Gleichberechtigung nach einer schnoddrigen Bemerkung von Helmut Schmidt [die dieser bis heute leugnet!] unter den Tisch gefallen war ... Politiker, die sich so verhalten, dürfen sich nicht wundern, wenn sie nicht mehr geachtet werden ... "




Mike Gernsler über den 21jährigen Star-Pianist, den Kroaten Ivo Pogorelich: "... Wenn Ivo die Bühne betritt, erinnert er an einen Popper. Sein Selbstbewusstsein ist beeindruckend - ein aufregender Pianist. Sein verhalten zu seinen Zuhörern ist absolut 'cool'; doch wenn er in hautengen schwarzen Lederhosen - obenrum mit einer weissen Bluse drapiert - Chopin spielt, sind die Menschen aller Altersgruppen von ihm einfach hingerissen ... "

BENT in Berlin: " ... Relativ wenig Notiz nahmen die Medien ... von der Homosexuellen-Tragödie >Bent<, die ... nun in der Werkstatt des Schillertheaters auf die Bühne gebracht wurde. Das Stück von Martin Sherman behandelt das Thema der Schwulenverfolgung im Dritten Reich ... "