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Donnerstag, 27. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 7). Talis tritt ab. Ein "Autorenteam" tritt an.


DON 7/1983 erscheint im Juli 1983.

Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist wieder die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" mit Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M. A. Reimer), Andy Mueller und Gerd Talis (der nur noch aus formalen Gründen im Impressum steht).



Layout, Bildauswahl, Umbruch ... "darf" ich wieder machen.

Bei einschneidenden Veränderungen einer Zeitschrift ist es eigentlich üblich, dass der Verleger ein paar Worte dazu sagt. Umso vielsagender ist, dass Henry Ferling zur Trennung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) kein Wort in DON verliert. Warum sich Inhalt und Layout der Juli-Nummer entscheidend vom Juni-Heft unterscheiden, kann man (auch zwischen den Zeilen) obigem Vorwort entnehmen.

Nach dem desaströsen Einbruch der DON-Verkaufsauflage (44% Verlust in drei Jahren) hatte Henry Ferling mich (Jens M. A. Reimer) händeringend gebeten, wieder die Redaktion, eine Überarbeitung der Gestaltung, das Layout und die Bildbestückung zu übernehmen. Hilfe sagte ich ihm nur für eine kurze Übergangsperiode zu, da ich bereits mit der eigenen Firma und vielen anderen Objekten aus- und überlastet war. Da ich namentlich nicht mehr im Impressum erscheinen wollte, einigten wir uns auf den Ausdruck "Autorenteam" (anstelle Redaktion / Redaktionsteam).
 

Die Leserbrief-Seiten sind unter neuer Regie - jetzt wird zurückgeschossen (vgl. Leserbrief-Anmerkungen in der Mai-Ausgabe 1983). Nun attackieren ein paar "bestellte Leserbriefe" die letzten DON-Ausgaben unter dem Redaktionsleiter Talis.

"Auf das neue redaktionelle Konzept von DON kann man wohl zu recht gespannt sein. DON scheint interessanter zu werden. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg, obwohl es wahrscheinlich sehr schwierig sein wird, sowohl beim Verleger ein neues Konzept durchzusetzen und vor allem dem Leser das neue Image zu präsentieren. Bruno Gmünder, Verleger der Städteportrait-Reihe 'von hinten', Berlin."


"Eine Abrechnung mit Zarah Leander und ihren schwulen Verehrern anlässlich ihres 2. Todestages ... Ach Zarah! Hast Du das verdient? Und natürlich haben sich auch die Homo-Gazetten ihrer angenommen. Haben sich schier einen abgewichst. besonders hervorgetan hat sich DU & ICH. Mit 'Exklusiv-Interviews' und dem Abdruck ganzer Tourneepläne, mit Lobhudeleien über ihr Buch und grosser Ankündigung über ihr Comeback, als die alte Frau schon kaum mehr sehen konnte. Ein grosser Kübel Tränen floss durch schwule Blätter, als die Leander vor zwei Jahren in die ewigen Jagdgründe einging. In DU & ICH gleich seitenweis ... Wie soll man das eigentlich begreifen, wenn die Nachkriegs-Schwulen-Generation, also jene Homosexuellen, die das 'Tausendjährige Reich' überlebt hatten, ausgerechnet dieser Frau mit verzücktem Schleierblick zu Füssen fielen? ... Es will einem einfach nicht in den Kopf. Denn in einer Zeit, in der Homosexuelle als Volksschädlinge diffamiert und verfolgt wurden, in der sie zu Tausenden verurteilt, anschliessend in Konzentrationslager abtransportiert und dort zur Strecke gebracht wurden, in genau jenen Adolf-selig-Zeiten war die Leander ganz obenauf. Hat mitgemischt, im Sinne des Führers ... der Verklärung des 3. Reichs und dem Endsieg zuliebe ... "


Razzia bei Florenz: Von 49 festgenommenen Dirnen auf dem Strassenstrich entpuppten sich auf dem Revier 49 als Männer.

Schlüssellochperspektive: In seinem Buch >The Love You Make - an Insider's Story of the Beatles< berichtet Peter Brown, einst Assistent des Beatles-Managers Brian Epsein u.a. " ... von gleichgeschlechtlichen Aktivitäten John Lennons: Angeblich war er der Geliebte von Brian Epstein ... Lennon hätte nur zeitweilig ein Verhältnis mit Epstein gehabt, um - nach seiner Aussage - >zu sehen, wie das ist< ... Um so mehr verwundert es, wie der Gitarrist seine homosexuellen Erfahrungen selbst gewertet haben soll: >Ich habe das Experiment genossen.<"

Schwulenkartei: "Den Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus scheinen die Straftäter-Karteien keine Ruhe zu lassen. Immer wieder traktieren Sie den Innensenat mit Fragen über Speicherungsdauer, Löschungsbedingungen und Karteienverbund ... So wurde nun bekannt, dass Homosexuelle in der Sexualstraftäter-Kartei unter dem Kennzeichen >C< geführt werden ... "

Südafrika: "Die südafrikanische Eisenbahnpolizei soll 60 Männer und Frauen aus dem Dienst entlassen haben, weil sie gleichgeschlechtlich veranlagt sind ... "


< Der im Sinne der menschlichen Verfassung 'vollkommene' Johannes Gross (1932-1999), stockkonservativer Publizist und Journalist (u.a. STERN), im obigen Artikel "antischwuler Intoleranzbolzen" genannt, der als Herausgeber und Chefredakteur des STERN gerade noch verhindert wurde: "Homosexualität ist für mich etwas Minderes im Sinne des Unvollkommenen einer menschlichen Verfassung"

DON rechnet ab - mit den Illustrierten STERN, BUNTE, NEUE REVUE, QUICK, PRALINE, WOCHENEND, BRAVO ... - in Sachen schwuler Themen:
" ... Die Aufgeschlossenheit des STERN gegenüber der homosexuellen Minderheit und schwulen Themen kann gar nicht den Bach heruntergehen, denn sie hat nie existiert ... QUICK und NEUE REVUE ... greifen schwule Themen überhaupt nur auf, wenn sie einen publikumswirksamen Knüller daraus fabrizieren können. Zum Beispiel Tuntenbälle ... PRALINE ... WOCHENEND ... aber auch die Jugendzeitschrift BRAVO ... können, wenn's um Schwule geht, getrost mit dem journalistischen Niveau der BILD-Zeitung verglichen werden. Nur noch dämlicher. Die Familie Burda, ihre Mitarbeiter und Redakteure von die BUNTE ... wissen wahrscheinlich nicht einmal, wie man das Wörtchen 'schwul' buchstabiert ... In der Rückschau muss festgestellt werden: der STERN-Report >Wir sind schwul< [Oktober 1978] war nichts weiter, als ein publikumswirksamer Illu-Schocker, der den Verkauf ankurbeln sollte ... "


Am 6. März 1983 (vorgezogene Neuwahlen nach dem Seitenwechsel der FDP) wurde die Union (CDU und CSU) mit 48,8% der Stimmen stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag und Helmut Kohl Kanzler, der landauf, landab die "geistig-moralische Wende" predigte. Mit in der Regierung (wieder/natürlich/wie immer) die FDP.

" ... 'Der Spiegel' meinte, >seiner Regierungserklärung zufolge möchte Kohl so weitermachen ... mit Nichtstun und Zuwarten< ... Wir dürfen Vertrauen zu Kanzler Kohl haben, dass zumindest für uns [Schwule] auch in Zukunft nichts läuft ... Kohl würde sich wohl eher die Zunge abbeissen, als die Schwulen in den Mund zu nehmen ... Und dann wäre da auch noch die FDP. Ihre grossartigen Schwulen-Wahlparolen von 1980 hatte sie vor dem 6. März auf Sparflamme heruntergedreht. Wer da glaubt, dass die FDP in der neuen Koalition mit der Entdiskriminierung der Schwulen auch nur einen Zoll breit weiterkommt, der muss schon ein gerüttelt Mass an Gottvertrauen haben ... Wenn man die gegenwärtige politische Situation und das rechtsdriftende Klima der 'Koalition der Mitte' genau analysiert, dann muss man schon viel Naivität besitzen, um an eine Abschaffung des § 175 zu glauben ... "


Modell Laszlo, 27, Ungar, Tänzer, Go-Go-Boy, in meinem Münchner Fotostudio.


In bundesdeutschen Spitzenschwulenzirkeln sind sie bekannt, wie bunte Hunde: Der schwule Beckenskelettforscher Dr. Willhart Siegmar Schlegel und seine Werbeposaune Heinz F. S. Liehr (alias Rico de Positano, Lebensgefährte von Johannes Werres). In diesem nicht stattgefundenen DON-Gespräch [Satire!] werden die beiden einer schwulen Würdigung unterzogen.

Schlegel, Werres und Liehr wohnten ein Vierteljahrhundert lang gemeinsam unter einem Dach; in einer Villa im vornehmen Kronberg/Taunus, was mit obiger Abb. der Gartentürschilder nachgewiesen werden sollte.


Ein grossartiger Artikel von Rosa von Praunheim, entnommen dem neu erschienenen Szeneführer 'Berlin von hinten', mit freundlicher Genehmigung des Bruno Gmünder Verlag.

"Im Juli 1971 wurde Rosa von Praunheims Film >Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt< oder >Das Glück in der Toilette< beim 'Internationalen Forum des jungen Films' in Berlin uraufgeführt. Ausgehend von seinen Problemen mit sich und den Berliner Schwulen versuchte er die Verklemmungen, Ängste und Hilflosigkeit in der gesellschaft zu untersuchen. >Heute<, sagt er, >10 Jahre später, würde ich den Film viel bissiger und radikaler machen.< Desillusioniert, aber ohne Bitterkeit erzählt er von seinen Berliner Erfahrungen ... "


"Als Kind hat er Marionetten gebastelt. Er zeichnete Köpfe auf Karton, schnitt sie aus und formte sie in Ton. Als Regisseur machte er Köpfe zu den Stars seiner Filme. Groteske Gesichter, zahnlose und edle, dekadente und aufregende, unförmige und liebliche, schockierende und faszinierende Gesichter ... Aus dem Buch >Fellini's Faces< zeigen wir einige Knaben- und Männergesichter ... "

Diese Seiten habe ich zu Ehren meines Lieblings-Regisseurs, Federico Fellini, in DON hineingeschmuggelt.

Sonntag, 2. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 2)


DON 2/1983 erscheint im Februar 1983. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

  
Links: Es muss (weiter) gespart werden. Vierfarbfotos werden durch sog. Duoton- oder Duplex-Bilder ersetzt - Graustufenfotos, die zusammen mit nur einer Schmuckfarbe gedruckt werden. Solche Zweifarbbilder hatte das Magazin etwa zehn Jahre zuvor oft gedruckt.


Anlass dieses Beitrags von Dirk Strehlau, (Mitglied des 'Arbeitskreis Homosexualität' der Jungdemokraten in NRW und Mitunterzeichner des u.a. in DON veröffentlichten Aufrufs "diesmal F.D.P." wählen) ist der Koalitionsbruch, der in der damaligen BRD hohe politische Wellen schlug.

Hintergrund dieses Beitrags: Am 1. Oktober 1982 wurde Bundeskanzler Helmut Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvortum gestürzt. Nach 13 Jahren Sozialliberale Koalition wechselten Hans-Dietrich Genscher und seine FDP hatten - nur 2 Jahre nachdem die Bürger eine rot-gelbe Koalition (zusammen 53,5%) gewählt hatten - die Seite gewechselt und von der SPD zu CDU/CSU "rübergemacht". Genscher bescherte der Bundesrepublik 16 Jahre lang einen Bundeskanzler Helmut Kohl. Zahlreiche Abgeordnete und Partei-Mitglieder verliessen damals die FDP.

"Im Bundestagswahlkampf 1980 veröffentlichten die Magazine DON, Du & Ich, Gay-Journal usw. eine Wählerinitiative für die F.D.P. mit dem Hinweis, dies sei die einzige der etablierten Parteien, die sich für Lesben und Schwule einsetze. Jetzt, da die F.D.P. den lange geplanten Coup des Koalitionsbruchs in Bonn unter Dach und Fach gebracht hat, da eine konservative Regierung mit rechten Ultras in entscheidenden Positionen wieder für Ruhe und Ordnung sorgen wird, da viele F.D.P. Parteimitglieder die Sinnlosigkeit eines Verbleibs in der F.D.P. erkannt haben und ausgetreten sind, da Gerhart Baum nur noch als Feigenbaum zurückblieb: Jetzt wird es langsam Zeit, Rechenschaft abzulegen, damit so etwas nicht noch einmal passiert ... "


"Beispielgebend für die >Humanistische Union< hat deren niedersächsischer Landesverband in einem zum Jahresende veröffentlichten Memorandum Gründe und Hintergründe aufgezeigt, welche die baldige Fortsetzung der vor mehr als zehn Jahren begonnenen Strafrechtsreform erforderlich machen. Dieses >Memorandum für ein humanes Sexualstrafrecht< prangert vor allem die Sinnlosigkeit der Paragraphen 174, 175, 176, 180 und 182 StGB an, erhebt Bedenken gegen die §§ 183 und 184 StGB - und will durch diese Kritik eine völlige Neugestaltung des Sexual-Strafrechts anregen. Wir halten den Text für eine der wichtigsten Verlautbarungen seit langem, bedauern es aber, ihn nur erheblich gekürzt wiedergeben zu können. DON-Redaktion"



Zum aberhundertsten Mal beschäftigt sich Gerd Talis (= Gerhard Friede) (in immer neuen Variationen) mit der Schwulenbewegung. " ... Hat sie jemals bestanden? Gab es da jemals zündende Ideen, die mitgerissen hätten? Nein: Idologien ... "

Mehrfach - u.a. in DON 9/1982 und DON 1/1983 - habe ich >Talis falsche Themensetzung< erwähnt und auf die absackende Verkaufsauflage hingewiesen. Mittlerweile brennen dem Verleger Henry Ferling sämtliche Birnen durch. Alles Bitten, Flehen und Werben bei seinem Redakteur Gerd Talis (= Gerhard Friede), sich endlich der Zeitschrift DON, vor allem jedoch ihrer Leser zu widmen, treffen in Heidelberg auf taube Ohren. (Das ist allerdings nur einer von mehreren Streitpunkten zwischen Verleger und Redakteur.) 

Da es Ferling nicht liegt, seinen freiberuflichen DON-Redakteur holterdipolter herauszuwerfen, bittet er einen befreundeten bekannten Journalisten und Zeitschriftenverleger um eine Analyse der letzten drei DON-Jahrgänge. 

Eine Kopie des Original-Briefes dieser Anlayse ist in meinem Besitz. Da sie die Situation, in der sich das DON-Magazin befindet, gut charakterisiert, erscheint dieser Brief als nächster Blog-Eintrag.


Mittwoch, 29. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 12)


DON 12/1982 erscheint im Dezember 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


offenbar muss gespart werden. In DON erscheinen - anstelle von Farbfotos - plötzlich wieder sog. Duoton- oder Duplex-Bilder - Graustufenfotos, die zusammen mit einer Schmuckfarbe gedruckt werden - wie das Magazin sie etwa zehn Jahre zuvor oft druckte.


Der Juso-Bundeskongress "fordert die SPD-Bundestagsfraktion zur Mitarbeit auf, dass im Grundgesetzt (Artikel 3) neben den dort schon erwähnten Diskriminierungsverboten die 'sexuelle Neigung' mitaufgenommen, dass der § 175 StGB ersatzlos gestrichen und jede Art von Homoregistrierung bei Polizei und anderen Behörden abgeschafft wird."

Anmerkung: Am 1. 10. 1982 wird Bundeskanzler Helmut Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvortum gestürzt. Hans-Dietrich Genscher und seine FDP hatten - nur 2 Jahre nachdem die Bürger eine rot-gelbe Koalition (zusammen 53,5%) gewählt hatten - die Seite gewechselt und von der SPD zu CDU/CSU "rübergemacht". Helmut Kohl wird Bundeskanzler.

Gay Community News: "Nach 10 Jahren aktivster Arbeit sind jetzt die Redaktions- und Vertriebsräume der homosexuellen Wochenzeitung in Boston (USA) durch Brandstiftung zerstört worden ... "

Münchens Verein für sexuelle Gleichberechtigung (VSG) "betreut auch homosexuelle Strafgefangene im bayerischen Raum ... Diesem Strafgefangenen wurden vom VSG auch Homo-Zeitschriften zugeschickt - nur erhielt er sie nicht ... Der VSG bekam ... Bescheid, die Amberger Anstalt habe die Blätter zu den Effekten des Knastinsassen genommen ... Ambergs Knastleitung konterte, der Strafgefangene habe erklärt >dass er auf die Aushändigung der Zeitschriften keinen Wert lege< ... Dem VSG liegt inzwischen eine Erklärung des Strafgefangenen vor, nach der ihm ... mitgeteilt worden sei, die ihm zugesandten Zeitschriften seien >verboten< ... Wer sich ... erinnert weiss noch, dass vor zwei Jahren Karlheinz A. Barwasser seinen Kampf um Aushändigung schwuler Zeitschriften ... gegen die Justizbehörden des Landes NRW 'gewonnen' hatte ... "

John D. Stamford, "der Herausgeber des 'Spartacus International Gay Guides', läutete die Sturmglocken. >Piraten sind am Werk< ... sie machen Raubdrucke vom 'Spartacus' und verkaufen sie unter Preis. Als Sitz dieser Druck-Piraten hat Stamford den berüchtigten Londoner Stadtteil Soho ausfindig gemacht ... "

Für Interessenten: Die GANZE Geschichte (in 7 Teilen) vom SPARTACUS International Gay Guide, von seinem Gründer John D. Stamford und wie Bruno Gmünder das Schnäppchen seines Lebens machte:
1. Teil: Die GANZE Geschichte vom SPARTACUS, von seinem Gründer John D. Stamford und ...
2. Teil: Die GANZE Geschichte ...
3. Teil: Die GANZE Geschichte ...
4. Teil: Die GANZE Geschichte ...
5. Teil: Die GANZE Geschichte ...
6. Teil: Die GANZE Geschichte ...
Fazit: Bruno Gmünder, John D. Stamford und der Spartacus ...


"DON-Verleger Henry Ferling hatte Hans-Georg Behrs mit 'Ein Herz für Schwule' überschriebene Ironie-Geschichte bei der Lektüre des Magazins 'Titanic' so lustig gefunden, dass er spontan beschloss, sie - mit Genehmigung des Autors - in den September-DON zu übernehmen. Kleine Seitenhiebe, meinte er, würden die schwulen Leser schon vertragen können, soviel Selbstironie brächten sie auf. Dem war nicht so, wie wir durch Leserzuschriften belegen können. Viele hielten die Behr-Story für eine 'echte Verarschung'. Als DON-Autor trat Gelang auf den Plan: 'Das kann so nicht stehen bleiben", sagte er und schrieb seine köstliche Erwiderung 'Ein Herz für Normale' (vgl. DON 11). Jetzt hält DON-Autor Wenzel Böhmak den Heteros ihr Selbstverständnis vor: 'Erbarmen mit den Nullbumsern!' ruft er, wo er doch eigentlich hart, aber gerecht, mit ihrem stelzigen Männlichkeitsgehabe zu Gericht geht ... "

Sehr persönliche Anmerkung: Für den Otto Normalmensch bleibt, die läppisch niedrigen Verkaufsauflagen von Satirezeitschriften belegen das, knüppelharte Satire à la Titanic ein Buch mit sieben Siegeln. Schlimmer noch, bekommt er davon etwas zu sehen oder zu lesen, flippt er komplett aus. Insofern konnte ein in DON nachgedruckter Titanic-Artikel über Schwule nur zu Ausschlag und Erbrechen der DON-Leser führen. fröhlich


Unbedingt lesen: 'Staaten der Sehnsucht, Reisen durch Gay Amerika', Edmund White, S. Fischer, Frankfurt 1982. (White gilt als einer der wichtigsten homosexuellen Autoren des ausgehenden 20. und frühen 21. Jahrhunderts.)

Männer.Liebe. "Der Rowohlt-Verlag hat sich schon häufig um schwule Literatur verdient gemacht. Neuerdings bringt er dazu auch noch solide gemachte Lebenshilfe .. " 382 Seiten, von Matthias Frings und Elmar Kraushaar, ein 'Handbuch für Schwule und alle, die es werden wollen', ein Bestseller, der hier erstaunlich - wie nebenbei - nur kurz erwähnt wird.

Hamburg ahoi! "Über 300 Seiten 'stark' ist der jetzt im Verlag rosa Winkel, Berlin, erschienene 'schwule Lotse durch die Hansestadt' ... hat auch einen 'Sonderteil: Sylt' - trotzdem kostet ... zehn Mark. Und es macht Spass, in dem ... mit viel Liebe gemachten band zu lesen ... Geschichten und Geschichte Hamburgs ... "

Die Potenzklinik. "Für 25 Mark bekommt man vom Albino-Verlag, Berlin ... Bruce Elliot verfasste ... boshaft-komische Geschichte eines verheirateten Psychiaters, der keinen mehr hochbekommt und deshalb .... heimlich eine 'Potenzklinik' aufsucht ... seine sexuelle 'Erlösung' findet der Psychiater in den Armen eines kräftigen Hafenarbeiters ... "

Rechtsratgeber für Schwule: Recht Schwul. "Recht war bisher eher gegen als für Homosexuelle. Noch heute hält die Angst, als 'Schwule' bekannt zu werden, viele davon ab, sich zu wehren, wenn ihnen Unrecht widerfährt. Die Juristen der Gruppe 'SchwIPs', Richter und Jurastudenten, Rechts- und Staatsanwälte, rücken der Rechtsunsicherheit der Homosexuellen ... zu Leibe und zeigen ... wie man sein gutes Recht erhält ... " Verlag rosa Winkel, Berlin, DM 19,80.

Bestgehütetes Geheimnis: Sexueller Kindesmissbrauch. "Ein Buch, das sich vor unangenehmen Wahrheiten nicht scheut, ist Florence Rushs im sub rosa Frauenverlag, Berlin ... Den über 300 Seiten merkt man an: Es ist ein Buch der Frauenbewegung. Und die geht auch mit allen pädosexuellen Bestrebungen hart ins Gericht ... "


" ... war die 'Belletristik' in Halle 6 versammelt. Hierhin gehören auch die drei Homo-Verlage ... rosa Winkel, Foerster und Albino - alle interessanterweise in Berlin (West) ansässig. Egmont Fassbinder (oberes Foto rechts) ... Foerster-Verlag (Kurt-Joachim Foerster im mittleren Bild, rechts) (damals noch nicht so fett), welcher das Homo-Antiquariat Feucht (Rainer G. Feucht, Bildmitte) und den Pan-Verlag mit dem 'gay journal' zu Gast hatte. Sehr exquisit Stand und Verlag von Albino, wo die Neuerscheinung des Zarah-Leander-Buches ein besonderes Interesse fand ... "

Anmerkung: Der 1981 gegründete Bruno Gmünder Verlag („Wir sind homo, wir machen homo und wir wollen dem Homo zum Buch verhelfen.“) war nicht auf der Buchmesse vertreten.

Mittwoch, 8. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 6)


DON 6/1982 erscheint im Juni 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


"Zu den umstrittensten Romanen des zwanzigsten Jahrhunderts zählt sicherlich >Querelle de Brest< von dem französischen Schriftsteller und Dramatiker Jean Genet. Die einen preisen ihn als literarisches Meisterwerk, andere verdammen ihn als unmoralisch und gewaltverherrlichend ... die ungeschminkte Schilderung von Sexualität, Gewalt und Leidenschaft, ihre wilde Hemmungslosigkeit, liess eine Realisierung als Filmwerk bisher unmöglich scheinen ... "

Querelle war Rainer Werner Fassbinders einundvierzigster und letzter Film. Er starb am 10. Juni 1982 (1945-1982) in München während der Arbeit an der Querelle-Endfertigung im Alter von 37 Jahren.



Von wegen (immer) homofreundliche FDP: Ende September 1981 hat der FDP-Landesfachausschuss für Innen- und Rechtspolitik mehrheitlich eine Abschaffung des § 175 StGB abgelehnt. "Die Ausschussmehrheit wird dabei wesentlich bestimmt durch jugendpsychiatrische belegte Gründe des Jugendschutzes der unter 18jährigen, häufig noch nicht endgültig homosexuell orientierten Deliktsopfer". Der Ausschuss-Beschluss steht im Widerspruch zum Parteiprogramm der Liberalen.

Typisch römisch-katholisch: Aufgrund "sittlicher Bedenken" des Straßburger Bischofs Leon Arthur Elchinger gegen die Vorbereitungstagung für den IGA-Weltkongress (International Gay Association of Women And Men, später ilga) wurde den 150 Teilnehmern aus 16 Ländern die Unterbringung im Heim für christliche junge Arbeiter und in einem Feriendorf untersagt. Der fromme Hirte hatte die Teilnehmer als 'Kranke' bezeichnet.

Schockierende Eindrücke von Touristen über japanische Verhaltensweisen: " ... Nasenschleimhochziehen, Spucken und Urinieren in der Öffentlichkeit, Rülpsen und Husten, Suppeschlürfen und - wo immer es geht - das ungenierte betrachten der "geheimsten Teile" des anderen. S/M-Freunde, im Zeitungsbericht als Homosexuelle generalisiert, fänden grossen Gefallen an der Unterwürfigkeit ihrer Sexpartner."

Franz-Josef-Strauss-Partei diffamiert die 'Grünen' als >schwule Haschpartei<: "... Tatsächlich setzen sich die 'Grünen' für eine Legalisierung von Haschisch und für eine gesellschaftliche Gleichstellung der Homosexuellen ein. Damit bieten sie - unbeabsichtigt - nicht nur allen Schwulen-Feinden Gelegenheit, Homosexualität in die Nähe von Rauschgift zu zerren und auch auf diese Weise zu diffamieren, für die CSU-ler sind sie deswegen auch nur noch >eine Sekte, die den Anspruch darauf verwirkt hat, sich um den Sitz und Stimme in der bayerischen Volksvertretung zu bewerben< ... "

Datensammelwut schon vor Orwells 1984: " ... setzt die Polizei ihr Bemühen fort, 'präventiv', das heisst vorbeugend, über Angehörige von Minderheiten, die jemals 'kriminalpolitisch auffallen könnten', Daten zu sammeln und zu speichern. Der zu Ostern erschienene SPIEGEL weiss ganz konkret über neueste Fälle ... "

Die Homosexuelle Selbsthilfe e.V. (HS, 1980 in Berlin gegründet) traf sich zum Jahresende 1981 im Freien Tagungshaus 'Waldschlösschen'.

Zum Jahresende 1981 traf sich die SCHWIPS (Schwule Initiative gegen den Paragraphen-Sumpf) im unterfränkischen Schloss Trautskirchen. " ... Dabei wurde an dem Rechtsratgeber für Schwule in allen Lebensstellungen und -lagen >RECHT schwul< weitergearbeitet. Das Buch, das im Jahr 1982 im Verlag rosa Winkel erscheinen wird ... "


Die DON-Ausgaben des Jahres 1982 sind randvoll mit banalen Homo-Geschichten (wie diese von Walter Hilbrecht) und nicht weniger banalen Buben-Aktfotos. Die abgebildeten 2 Seiten >News<, der Fassbinder-Film und die (historische) Lifka-Erzählung bilden die einzigen 'anspruchsvollen' Ausnahmen der Juni-Nummer.


Eine Erzählung von Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) aus der Zeit vor tausend Jahren, als die Wikinger unter Rollo in die Normandie einfielen. " ... Unvorstellbare Grausamkeiten kennzeichnen den blutigen Weg dieser nordischen Eroberer, bei denen die Männerliebe zu mörderischen Exzessen entartete ... "

Sonntag, 5. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 4)


DON 4/1982 erscheint im April 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Die grosse Zahl der Kontaktanzeigen resultiert im Wesentlichen daher, dass in DON die Kontaktanzeigen aus ADAM mitveröffentlicht wurden.


Beitrag von Wenzel Böhmak (= Pseudonym). Über seine 'erstaunlichen' Gedankengänge (die Gerd Talis nun regelmässig für veröffentlichungswürdig hielt) habe ich mich hier schon geäussert. Dem füge ich noch ein paar Beispielsätze aus obigem Beitrag hinzu:

"... Was ist die Leuchtkraft der Sonne im Vergleich zu einem strahlenden Jungmann? ... Selbst das herrliche Foto des Jupiter-Mondes 10 ... ist null neben den schönsten Fotos von DON ... Hauptsächlich die Machtlosen tragen weltweit dieselben Textilien am Leib ... Wir müssen uns an den frühen Afrikanern ein Beispiel nehmen, die sich am ganzen, persönlichen, eigenen Leib zur eigenen Arbeit auf Hochglanz gebracht haben ... "



Typische Fotos von "Studio VISA 2000, Niederlande", das ausschliesslich Fotos von sehr jungen Jugendlichen verbreitete.


Eine wunderbare Erzählung und ein Foto von Karlheinz A. Barwasser
In obigem Wikipedia-Eintrag, wie auch anderen Webseiten-Erwähnungen, wird Barwassers schwule Orientierung und dass er einst für schwule Publikationen schrieb, auffällig vermieden. Siehe auch Der Spiegel 3/1981: Strafvollzug - Andersartige Art


Das französische Parlament hat - Dank seiner neuen sozialistischen Mehrheit - den Artikel 331, Absatz 2, des französischen Strafgesetzbuches, gestrichen. Dieser Homosexuellen-Passus war erst 1941 unter dem Vichy-Regime des Marschall Pétain eingefügt worden. Zuvor - seit der Revolution - wurden Homosexuelle in Frankreich nicht verfolgt.
        Ab jetzt beträgt das Schutzalter für männliche und weibliche Jugendliche in Frankreich 15 Jahre, was im Beitrag so kommentiert wird: " ... den Pädophilen ist durch die neue, beide Geschlechter gleichstellende Altersgrenze von 15 Jahren >jede Hoffnung genommen<. Pädo-Emanzipation hat in der Französischen Republik der Gegenwart keine Chance ..."

Auch im Absatz "Elf 'Kinder' verführt" (rechte Seite) geht es um Pädophilie und die Pädo-Bewegung.

Der FDP-Landesverband Hamburg fordert in seinem Programm zur Bürgerschaftswahl: "Homosexuelle müssen in Ausbildung, Beruf und täglichem Leben als gleichwertig anerkannt werden. Die FDP bürgt dafür, dass sie in den Parlamenten jeden Fall von Diskriminierung aufgreifen und bekämpfen wird ..."

"Für eine aktive Minderheiten-Politik hat sich der Bremer Sozialsenator Henning Scherf (SPD) ausgesprochen. Die Homosexuellen sollten sich mit ihrer speziellen Thematik nicht von den allgemeinen Minderheitenproblemen abgrenzen ... "

(Ausgerechnet) "Josef Kardinal Höffner hat die Gesellschaft kritisiert, sie würde an der Diskriminierung der Frau festhalten ... Das durch die Werbung ... vermittelte Frauenbild entstelle die Frau zum 'Ding` ... "

"Nur zwei der 26 Schweizer Kantone befürworten die Vorschläge zu einer Rechtsreform ... die 'Schutzaltergrenze' auf 14 Jahre herabzusetzen, für bestimmte Fälle den Inzest straffrei zu machen, die Pornovorschriften zu lockern und die männliche Prostitution zuzulassen. Darüber empörte sich das Schweizer Bürgertum, das das 40 Jahre alte Sexualstrafrecht unangetastet lassen will ... "

"Das Schwurgericht der 15. Strafkammer in München hat den 35-jährigen Schriftsteller Peter Schult wegen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit homosexuellen Handlungen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt ... "


Woraus diese Liebeserklärung an die Strassenjungen entnommen ist, wird leider nicht mitgeteilt. Autor ist der homosexuelle belgische Schriftsteller Georges Eekhoud (1854 bis 1927, Bild), dessen Leben lesenswert (!) ausführlich im französisch-sprachigen Wikipedia gewürdigt wird (die deutsche Wikipedia-Version ist nichtssagend).

" ... Auf diesem Nährboden wuchs eine bezaubernde Blume, ein perfekt gebauter kleiner Strassenjunge, der niedlichste der ganzen Bande, ein gottgewordener Dieb, immer auf der Strasse und nie ohne etwas zum Naschen, Früchte oder Süssigkeiten, aus irgendeinem Laden entwendet ... "

Dienstag, 3. Dezember 2013

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 3)


DON 3/1982 erscheint im März 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.



"Liebe DON-Redaktion, Sie werden sich vielleicht wundern, dass ich als Frau schreibe. Ich habe einen Bruder, der schwul ist und sich des öfteren Ihr Magazin kauft ... Die Januar-Ausgabe finde ich sehr gelungen. Nur die beiden Beiträge von Wenzel Böhmak gefielen mir ganz und gar nicht. Das 'Janusgesicht' halte ich für völlig überflüssig. Dass W. B. auch zur Abtreibungsproblematik eine eigene Meinung hat ... gestehe ich ihm durchaus zu. Aber dann bitte nicht so unsachlich und undifferenziert, so polemisch: einerseits beklagen sich die Homosexuellen über Hetze und Diffamierung. Und dann machen sie es genauso wie die anderen ... "

Werte DON-Redaktion! Als langjähriger Leser möchte ich mir nun heute einige Kritiken ... erlauben  ... die Aufmachung, die Konzeption des Heftes! Sie erscheint mir zunehmend öde **. Ihr braucht endlich ein zeitgemässes Gesicht! ... "
(Lieber Briefschreiber, glaube uns, dass wir solche Kritik nicht etwa ungerne hören ... dies hier umsomehr, als wir daran einen Vorschlag knüpfen können **: Es gibt doch Dutzende oder Hunderte von Homos, die Grafiker, Layouter usw. sind. Wer uns realisierbare Ideen zukommen lässt, wie man in der gebotenen Wirtschaftlichkeit etwas Neues für das DON-Gesicht konzipieren kann, der ist uns hochwillkommen ... ")

** Gerd Talis (= Gerhard Friede) wurden - mit Übernahme der Redaktion ab dem Januarheft 1980 - auch die Aufgaben Layout und grafische Gestaltung übertragen. Abgesehen davon, dass er seine eigene schwule Zeitung, Gay Journal, auch nur laienhaft "zusammenzimmerte", hatte Talis weder von Zeitschriftengestaltung, noch von Layout oder Typographie die geringste Ahnung. Der lieblose Heft-Umbruch erfolgte, indem er die Satzfahnen nach Lust und Laune in uralte Layout-Vordrucke (von Anfang 1973) einklebte. In der Regel musste dieses "öde" Ergebnis dann noch in stundenlanger Korrekturarbeit von der Druckerei Ferling mühsam "zurechtgebogen" werden.



Ende Januar 1982 hatte der Generalvikar der Erzdiözses Köln, ein Prälat Feldhoff, der Katholischen Studentengemeinde Bonn (KSG) ein gemeinsam mit der Arbeitsgemeinsschaft Homosexuelle und Kirche (HuK) geplantes Seminar zum Thema 'Glaubhaft leben; Schwul sein - Christ sein?' verboten und mit Konsequenzen gedroht. Das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche, aber auch fundamentalistischer Protestanten, zu Homosexuellen, war Anfang der 80er Jahre eher noch von mittelalterlichen Ansichten geprägt.

Das Seminar der Kölner HuK fand dann - ohne katholische Studenten - am 24. Januar statt, "in Räumen, in denen sich auch die Evangelische Studentengemeinde trifft", und zwar mit dem Eröffnungsvortrag 'Homosexuelle als Sündenböcke von Gesellschaft und Kirche' von der Ethnologin Dr. Gisela Bleibtreu-Ehrenberg.


Auf Veranlassung des Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion, Helmut Kohl, führte Fraktionsgeschäftsführer Philipp Jenninger im April 1981 über die ersatzlose Streichung des Schandparagraphen 175 StGB ein Gespräch mit einem Mitglied der Hamburger Junge Union, Christian Hoffmann, zugleich Mitglied der Gruppe RAUSS. " ... In diesem Gespräch stellte Herr Dr. Jenninger eine Anhörung der Fraktion zu dieser Frage in Aussicht, danach wolle man versuchen, sie interfraktionell zu lösen ... " Im Dezember 1981 stellte Jenninger dann in einem Brief an die schwule Presse klar, " ... dass sich die Fraktion bereits ausführlich mit dieser Frage beschäftigt habe und - weil es keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse gebe - eine Reform des § 175 ablehnen müsse ... "

Die ersten olympischen Spiele für Lesben und Schwule, die 'Gay Games', sollen vom 28. August bis 5. September 1982 in San Francisco stattfinden.

Am 1. Januar 1982, beim weltberühmten Neujahrskonzert der Wiener Philhamoniker, sprangen zwei nackte junge Männer von der 'Homosexuellen Initiative' (HOSI) auf das Konzertpodium und entrollten ein rosafarbenes Transparent mit der Aufschrift >Mehr Menschenrechte für Schwule<. Wenn das österreichische Fernsehen nicht zufällig in diesem Moment eine Ballettszene eingeblendet und dadurch die Direktübertragung kurz unterbrochen hätte, hätten 150 Millionen Menschen die Demonstration in den 22 angeschlossenen Fernsehländern miterlebt.

"Zu einem Koalitionswechsel wird es in der laufenden Legislaturperiode nicht kommen. So haben führende Liberale von der Presse hochgespielte Gerüchte ... kommentiert. Die Unionsparteien sollen ihren Wunsch, die FDP zu sich 'herüberzuziehen', mit der Feststellung unterstrichen, sie könnten sich mit den Freien Demokraten in dreissig Minuten auf ein gemeinsames Regierungsprogramm einigen ... "
Anmerkung zur Geschichte: Es waren keine Gerüchte. Alle FDP-Dementies waren falsch. Die Liberalen hatten sich längst mit der Union verständigt. Am 1. Oktober 1982 wurde Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) - mit den Stimmen der FDP (seither genannt 'Umfallerpartei') - zum neuen Regierungschef gewählt.


Eine Erzählung von Karlheinz A. Barwasser
In obigem Wikipedia-Eintrag, wie auch anderen Webseiten-Erwähnungen, wird Barwassers schwule Orientierung und dass er einst für schwule Publikationen schrieb, auffällig vermieden. Siehe auch Der Spiegel 3/1981: Strafvollzug - Andersartige Art

Sonntag, 3. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Hefte 6 bis 7)


DON 6/1981 erscheint im Juni 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Drei der sieben 'Leserbriefe' sind Informationen/Verlautbarungen von Homosexuellen-Gruppen.

Aus der Reihe fällt ein 'Leserbrief' von Kurt-Joachim Foerster (der sich hier als Berliner bezeichnet). Der schwule (Porno)Versender (ab 1975) und Verleger (ab 1977) hat "Kataloge gewälzt", um den DON-Lesern einen Preisvergleich für (schwule) Reisen von Swing Tours Reisen, Mainz und Man Tours, Berlin, dezidiert vorzurechnen "den ich Ihnen nicht vorenthalten will".

Warum?



Das ist die Kurzgeschichte von him / him applaus, vom Mai 1970 bis zum April 1981, von dem Sex-Verleger Helmut Rosenberg, den Chef/Redakteuren Udo Erlenhardt, Dieter-Michael Specht, Hans-Peter Reichelt und Michael Hartleben. Geschrieben hat sie Johannes Werres und zwar unter einem seiner unzähligen Pseudonyme: Urs Kent. Schon das ist erstaunlich, denn der Autor (der nie je in him etwas veröffentlicht hat / veröffentlichen durfte?) schreibt diesen Beitrag informativ, sachlich und (ausnahmsweise mal) ohne Häme. Ebenso erstaunlich ist, dass der gegenwärtige DON-Macher Gerd Talis, der Hans-Peter Reichelt persönlich kannte, das Ende dieses ausgezeichneten und in seiner Bebilderung unvergleichlichen Schwulenmagazins nicht selber kommentiert.


Das Farbfoto - Hund mit Halberektion - ist eine typische Mike Arlen Aufnahme.


Meyers Grosses Universal Lexikon (die 15 Bände erschienen von 1981–86) "galt als ein Werk, das auf liberaler Grundlage und in erzieherioscher Absicht fortschrittliches Wissen und aufgeklärte Geisteshaltung förderte." Während der Artikel über Homosexualität "von wohltuender Abgewogenheit geprägt ist", sind Einträge über Perversion, Transvestismus, Masochismus und Sadismus noch alten Denkschemen (gesundes Volksempfinden) verhaftet.

Top-Versand-Anzeige: "V-Body, aufregender Body & Playdress, auch als Slip-Hemd-Kombination tragbar oder zu Jeans als Muskelhemd (siehe links). Superelastisch, lackschwarz, feuchtglänzender Wet-Look (83% Perlon und 17% Lycra, gechintzt), mit rotem Top-Man-Zeichen (Flockprägung) ..."

In der Anzeige modeln Laien. Die im Katalog 1981/82 posierenden Profi-Models durften nicht in schwulen Magazin-Anzeigen erscheinen.


"Das deutsche Nachrichten-Magazin beschäftigte sich in seiner Ausgabe Nr. 16 vom 13. April 1981 gleich zweimal mit 'unserem' Thema ... die Beiträge 'Verfall und Untergang' auf den Seiten 87-91 sowie 'Zug abgefahren' (246-251) ... Wir zitieren uns wesentlich erscheinende Abschnitte hier nochmals ... "

Dank Digitalisierung können beide Artikel online im SPIEGEL-Archiv nachgelesen werden.



DON 7/1981 erscheint im Juli 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Am 13. April 1981 feierte die französische Homo-Zeitung Le Gai Pied zweijähriges Bestehen. Während eines aus diesem Anlass veranstalteten Gala-Abends im Pariser >Théatre Le Palace< sprang der Schriftsteller Yves Navarre auf die Bühne und verlas eine Botschaft des französischen Sozialistenchefs François Mitterand (vier Wochen vor Mitterands Wahl zum Staatspräsidenten):

"Ich möchte Ihnen hiermit zu dem Engagement und dem notwendigen Erfolg Ihrer Demonstration vom 4.4.1981 ebenso gratulieren wie zu Ihrem heutigen Festtag. Ich bin in Gedanken bei Ihnen. Der Kampf für Ihre Sache und Frohsinn gehören zusammen. Ich bitte Yves Navarre für mich zu bezeugen, dass ich mich Ihrer Suche nach einer neuen Form menschlichen Zusammenlebens mit Sympathie anschliesse. Hindernisse, die dem entgegenstehen, müssen gegebenenfalls durch gesetzgeberische Massnahmen beseitigt werden. Mit freundlichen Grüssen, Ihr Francois Mitterand."

Letzter Satz dieses Beitrages von Gerd Talis: " ... Es ist noch ein weiter Weg, bis der deutsche Bundespräsident den Homosexuellen Grussadressen schreibt. Wir müssen den Grund dafür auch bei uns selber suchen."


Die Auseinandersetzung um die Abtreibung polarisierte die Gesellschaft bis in die 1990er Jahre in zwei Lager (konservativ/bürgerlich/„rechts“ und „links“). 

Wenzel Böhmak (Pseudonym), der regelmässig ganz grossartige, informative und 'schwul-historisch' bedeutsame Beiträge in DON veröffentlichte, war in einigen Lebensbereichen einem radikal konservativen Denken verhaftet, was während meiner Redakteurszeit dazu führte, dass ich auch schon mal ein Manuskript von ihm ablehnte.

"Kein JA zur Abtreibung" ist nicht nur eine ziemlich bescheuerte, abstruse Vermischung zweier (und mehr!) Probleme - Abtreibung und Homosexualität - sondern obendrein in Diktion und Wortwahl unverantwortlich, unflätig und abstossend **, ganz abgesehen davon, dass die Auseinandersetzung über Abtreibung m. E. in einem schwulen Magazin nullkommanichts verloren hat.

** Beispiele
Abtreibung = Homo-Zukunfts-Killer ... Selbstausrottung der Deutschen
Alice Schwarzer = ... du bist keine Hexe. Du bist etwas viel Schlimmeres: Herrenmensch à la Goebbels, der dich um deine Perfektion beneiden müsste in seinem Grab
Atomrüstung - Müssen wir Deutschen sterben, damit die USA und China leben? Übertreiben wir nicht in punkto Atom-Kraft-Lager-Bereitschaft?

Schlussworte des Autors: " ... Ich bin dagegen, dass Europa [???] abgetrieben wird. Schluss mit jeder Art von Abtreibungen in Europa. Homosexuelle, lasst euch nicht mehr in die Mäuschenfallen der Prinzipienreiter locken! Und lasst die Frauen Frauen sein."


Links: ein Aufruf eines Aktionskomitees, verantwortlich Prof. Dr. Helmut Kentler, zur Streichung des § 175 StGB

Bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 10. Mai 1981 verzeichnete die F.D.P. massive Stimmeneinbrüche und kam mit 5,6% nur noch knapp über die 5%-Hürde. Der Beitrag von Tassilo analysiert Gründe: " ...Das Versprechen der F.D.P. vor dem 5. Oktober 1980 [Bundestagswahl] hat sicher manchen Wähler bestimmt, sein Kreuzchen für die Liberalen abzugeben. Kurz danach jedoch erfuhr man, dass das selbstverständliche Menschenrecht der Homosexuellen auf Gleichberechtigung nach einer schnoddrigen Bemerkung von Helmut Schmidt [die dieser bis heute leugnet!] unter den Tisch gefallen war ... Politiker, die sich so verhalten, dürfen sich nicht wundern, wenn sie nicht mehr geachtet werden ... "




Mike Gernsler über den 21jährigen Star-Pianist, den Kroaten Ivo Pogorelich: "... Wenn Ivo die Bühne betritt, erinnert er an einen Popper. Sein Selbstbewusstsein ist beeindruckend - ein aufregender Pianist. Sein verhalten zu seinen Zuhörern ist absolut 'cool'; doch wenn er in hautengen schwarzen Lederhosen - obenrum mit einer weissen Bluse drapiert - Chopin spielt, sind die Menschen aller Altersgruppen von ihm einfach hingerissen ... "

BENT in Berlin: " ... Relativ wenig Notiz nahmen die Medien ... von der Homosexuellen-Tragödie >Bent<, die ... nun in der Werkstatt des Schillertheaters auf die Bühne gebracht wurde. Das Stück von Martin Sherman behandelt das Thema der Schwulenverfolgung im Dritten Reich ... "