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Freitag, 28. März 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 9).


DON 9/1983 erscheint im September 1983. Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist wieder die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam".


Schwul & seriös. Wer ist das? "1982 erschien ein neues Magazin am schwulen Pressehimmel - TORSO. Man durfte gespannt sein, denn man werde alles anders und viel besser machen, schrieb TORSO ... Bedenklich stimmte von Anfang an, dass Michael Föster [Verleger und Chefredakteur in einer Person] ... so vollmundig Ansprüche formulierte. Unter anderem, TORSO sei 'schwul und seriös'. Betroffen machte, dass er sich wiederholt mit pauschaler Geringschätzung über alles ausliess, was jemals vor TORSO erschienen und was neben TORSO auf dem Markt ist ... er hatte nicht bedacht, dass einer, der die Latte so hoch anlegt, daran auch gemessen wird ... "

Anmerkung: TORSO wurde ursprünglich von Michael Föster, Theo Düppe, Bruno Gmünder und Christian von Maltzahn ins Leben gerufen, erschien jedoch niemals im Bruno Gmünder Verlag, was in der gmünderschen Verlagsgeschichte (Wikipedia) nach wie vor fälschlich behauptet wird. Im Dezember 1983 erschien, nach nur 16 Ausgaben, die letzte TORSO-Nummer.

Detaillierte Recherchen zu dieser kurzlebigen schwulen Publikation und ihrer 'Erfinder' finden sich im Blog brunoleaks (Stichworte TORSO, Michael Föster)


Schwules Sexualleben in den sog. Klappen (d.h. in öffentlichen Pissoirs, WCs, Urinalen...) hat mich drei Jahrzehnte lang auf die Palme gebracht, weshalb ich hier - zwischen Artikel-Vorspann und Textbeginn - folgende Sechs-Punkt-Zeilen eingeschoben habe:  
"Der Autor entschuldigt sich von vornherein für die Vielzahl deftiger Ausdrücke in diesem Beitrag. Er ist der Ansicht, dass man diesem anrüchigen Kapitel schwulen Verhaltens nicht mit vornehmen Formulierungen gerecht werden kann."

"Solange Klappen-Kontakte als etwas 'Normales' gelten, solange Pissoir- und Fäkalbudenadressen in schwulen Reiseführern aufgelistet werden und Schwulengruppen sich für das schwanzgeile Klappenpublikum einsetzen ... solange werden Homosexuelle von der Gesellschaft in eine perverse Ecke geschoben. Alle Homosexuellen! Auf Kosten jener verschwindend kleinen Minderheit, die sich vom Urin- und Fäkaldunst öffentlicher Aborte angezogen fühlt ... "

" ... Guido Vael, vertrat jahrelang den VSG, eine Schwulengruppe, die allem Anschein nach ein sehr intimes Verhältnis zum Toilettensex zu haben scheint. Eben dieser Verein hat schon mehrfach in der Münchner Öffentlichkeit gegen gewisse Polizeipraktiken von sich reden gemacht. Zum Beispiel, wenn Beamte auf ihren Klappenkontrollfahrten schwule Pinkelbrüder verwarnten. Wohlgemerkt, der VSG vertrat - öffentlich - die Interessen schwulen Fäkalbudenbesucher. Und auch in dem jüngsten Fall zieht man nicht etwa beschämt den Kopf ein, sondern macht aus den 'Stachus-Schwulen' auch noch bedauernswerte Verfolgte, indem man sagt, solche CSU-Ausdrücke bewegten sich >an der Grenze zur Volksverhetzung< ... "

Anmerkung: Dieser dreiseitige Klappensex-Artikel führte zu einer heftigen Kontroverse zwischen DON (in der Person des Autors Jens M. A. Reimer) und dem VSG. Bei den fünf abgebildeten 'Häuschen' handelt es sich um die seinerzeit von Klappenschwulen meistfrequentierten Münchner Bedürfnisanstalten.


AIDS: "Nach Auffassung von Bundesgesundheitsminister Heiner Geißler stellt AIDS keine Gefahr für die Empfänger von Blutkonserven des Deutschen Roten Kreuzes dar ** ... Die Bedeutung des Blutspendens überwiege bei weitem das 'minimale Restrisiko', das für den Empfänger von Bluttransfusionen bestünde ... Geißler bat die Homosexuellen zwar um eine 'gewisse Zurückhaltung', aber Zustände, wie sie zur Zeit in Amerika herrschten, kenne man hier noch nicht ... "

** Anmerkung: Eine typische Politiker-Sprechblase, die sich in Folge als tödlicher Unsinn herausstellen sollte.

Diskussionsverbot für Homosexualität: "Der Präsident der Giessener Justus-Liebig-Universität, Prof. Karl Alewell, verbot dem Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) zwei Diskussionsveranstaltungen zum Thema Homosexualität ... Ein solches Thema ... falle nicht in den Aufgabenbereich der Studentenschaft ... Eine zweite Podiumsdiskussion ... verbat sich Prof. Karl Alewell, weil der Veranstaltungstag (Fronleichnam) ein gesetzlich geschützter kirchlicher Feiertag sei ... "

Die König-Ludwig-Richard-Wagner-Karikatur ist von dem bekannten Cartoonisten Rudi Hurzlmeier, der zur gleichen Zeit auch für ADAM Karikaturen zeichnete.


Neben Christa Meves und Gerhard Naujokat profilierte sich Monsignore Prof. phil. et theol. Georg Siegmund (1903 - 1989) in den Nachkriegsjahrzehnten als einer der führenden katholischen Homophoben, der als frommer Christenmensch gegen Schwule (soziale Infektion, Perverse, widernatürliche Unzucht usa.) hetzte was das Zeug hielt und so für eine Stabilisierung des homophoben Fundaments der römisch-katholischen Kirche - und damit der westdeutschen Gesellschaft ingesamt - verantwortlich ist. Mit 24 promovierte Siegmund zum Doktor der Philosophie, mit 25 erhielt er die Priesterweihe.

Siemund: "Wer es unternimmt, das 'Tabu Homosexualität' abzubauen, reisst damit eine wichtige Barriere der Menschlichkeit nieder und wird mitschuldig an der Erkrankung der Gesellschaft."

DER SPIEGEL 50/1980 erwähnt Siegmund als christlichen Verteidiger der Teufelsaustreibung in Zusammenhang mit einem dadurch ausgelösten Todesfall.


" ... In Erinnerung an 'Stonewall' begehen Lesbierinnen und Schwule alljährlich ... den 'Christopher Street Liberation Day' ... 1979 demonstrierten bereits 125.000 Menschen in New York ... " DON veröffentlicht vom 'Gay & Lesbian Pride March' 1983 4 Seiten Momentaufnahmen.


"Woche für Woche schmiert sich ein gewisser Robert N. Tanner in 'Wochenend' durch die schwulen Sündenpfuhle, aus denen die 'Lustseuche' AIDS herausdampft ... Seit Monaten schon wälzt das überaus schwulenfeindliche Skandalblatt 'Wochenend' mit einer kaum zu überbietenden Perfidität die >Gefahr durch die neue tödliche Lustseuche<, AIDS ... aus ..."

Das Farbfoto stammt von Jens M. A. Reimer


"Sind Schwulengruppe nur eine Fortsetzung der alten Sub-Mentalität und Sexfixiertheit unter Homosexuellen? Oder sind auch andere Ansätze denkbar? Werner und Ernst von der Gruppe HALT ** zeigen am Beispiel des Münchner Schwulenvereins VSG auf, warum junge Homosexuelle von diesem Szenetreiben angewidert sind. Zugleich diskutieren sie Möglichkeiten, wie schwule Emanzipation, Engagement und Sexualität in neue Bahnen gelenkt werden können ... "

In diesem Zwiegespräch rechnen Werner und Ernst knüppelhart mit dem VSG ab.

** Erläuterung: 1982 gab es interne Querelen zwischen der Führung und den jüngeren Mitgliedern im VSG. Der Vorstand schloss die Theater- und Jugendgruppe nach Kritik aus dem Verein aus. Diese gründeten als Reaktion eine eigene Gruppe, die HALT (Homosexuelle Alternative),


"Eine interessante Mischung war es schon, was sich da zum 'Forum Literatur und Homosexualität' ... im Waldschlösschen bei Göttingen eingefunden hatte. Das reichte vom sehr preussischen Vortragsreisenden von Wangenheim bis zum pfiffig-bayerischen Dr. Gustl Angstmann (alter Haidhauser Arbeiteradel). Dieser noch junge Münchner hatte in den siebziger Jahren die nun auch schon wieder legendäre Homo-Teestube am Glockenbach organisiert. Mittlerweile ist Angstmann frischgebackener Autor ... "

Ein einmalig grossartiger Beitrag von DON-Autor Wenzel Böhmak (= Pseudonym) über das 'Forum', über den Verleger Egmont Fassbinder (Vetter des grossen Rainer Werner Fassbinder) vom rosa Winkel Verlag und einem Abstecher Bömaks ins schwule Berlin.

Neben Böhmak, Fassbinder und dem Autor Wolfgang von Wangenheim auch in Göttingen anwesend: Prof. Dr. Popp von der Gesamthochschule Siegen, Autor Ullrich-Enderwitz, das Verleger-Paar Bruno Gmünder und Christian von Maltzahn, Raoul Hübner ("Blickwechsel - Mit Schwulen in Barcelona") ...

Donnerstag, 27. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 7). Talis tritt ab. Ein "Autorenteam" tritt an.


DON 7/1983 erscheint im Juli 1983.

Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist wieder die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" mit Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M. A. Reimer), Andy Mueller und Gerd Talis (der nur noch aus formalen Gründen im Impressum steht).



Layout, Bildauswahl, Umbruch ... "darf" ich wieder machen.

Bei einschneidenden Veränderungen einer Zeitschrift ist es eigentlich üblich, dass der Verleger ein paar Worte dazu sagt. Umso vielsagender ist, dass Henry Ferling zur Trennung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) kein Wort in DON verliert. Warum sich Inhalt und Layout der Juli-Nummer entscheidend vom Juni-Heft unterscheiden, kann man (auch zwischen den Zeilen) obigem Vorwort entnehmen.

Nach dem desaströsen Einbruch der DON-Verkaufsauflage (44% Verlust in drei Jahren) hatte Henry Ferling mich (Jens M. A. Reimer) händeringend gebeten, wieder die Redaktion, eine Überarbeitung der Gestaltung, das Layout und die Bildbestückung zu übernehmen. Hilfe sagte ich ihm nur für eine kurze Übergangsperiode zu, da ich bereits mit der eigenen Firma und vielen anderen Objekten aus- und überlastet war. Da ich namentlich nicht mehr im Impressum erscheinen wollte, einigten wir uns auf den Ausdruck "Autorenteam" (anstelle Redaktion / Redaktionsteam).
 

Die Leserbrief-Seiten sind unter neuer Regie - jetzt wird zurückgeschossen (vgl. Leserbrief-Anmerkungen in der Mai-Ausgabe 1983). Nun attackieren ein paar "bestellte Leserbriefe" die letzten DON-Ausgaben unter dem Redaktionsleiter Talis.

"Auf das neue redaktionelle Konzept von DON kann man wohl zu recht gespannt sein. DON scheint interessanter zu werden. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg, obwohl es wahrscheinlich sehr schwierig sein wird, sowohl beim Verleger ein neues Konzept durchzusetzen und vor allem dem Leser das neue Image zu präsentieren. Bruno Gmünder, Verleger der Städteportrait-Reihe 'von hinten', Berlin."


"Eine Abrechnung mit Zarah Leander und ihren schwulen Verehrern anlässlich ihres 2. Todestages ... Ach Zarah! Hast Du das verdient? Und natürlich haben sich auch die Homo-Gazetten ihrer angenommen. Haben sich schier einen abgewichst. besonders hervorgetan hat sich DU & ICH. Mit 'Exklusiv-Interviews' und dem Abdruck ganzer Tourneepläne, mit Lobhudeleien über ihr Buch und grosser Ankündigung über ihr Comeback, als die alte Frau schon kaum mehr sehen konnte. Ein grosser Kübel Tränen floss durch schwule Blätter, als die Leander vor zwei Jahren in die ewigen Jagdgründe einging. In DU & ICH gleich seitenweis ... Wie soll man das eigentlich begreifen, wenn die Nachkriegs-Schwulen-Generation, also jene Homosexuellen, die das 'Tausendjährige Reich' überlebt hatten, ausgerechnet dieser Frau mit verzücktem Schleierblick zu Füssen fielen? ... Es will einem einfach nicht in den Kopf. Denn in einer Zeit, in der Homosexuelle als Volksschädlinge diffamiert und verfolgt wurden, in der sie zu Tausenden verurteilt, anschliessend in Konzentrationslager abtransportiert und dort zur Strecke gebracht wurden, in genau jenen Adolf-selig-Zeiten war die Leander ganz obenauf. Hat mitgemischt, im Sinne des Führers ... der Verklärung des 3. Reichs und dem Endsieg zuliebe ... "


Razzia bei Florenz: Von 49 festgenommenen Dirnen auf dem Strassenstrich entpuppten sich auf dem Revier 49 als Männer.

Schlüssellochperspektive: In seinem Buch >The Love You Make - an Insider's Story of the Beatles< berichtet Peter Brown, einst Assistent des Beatles-Managers Brian Epsein u.a. " ... von gleichgeschlechtlichen Aktivitäten John Lennons: Angeblich war er der Geliebte von Brian Epstein ... Lennon hätte nur zeitweilig ein Verhältnis mit Epstein gehabt, um - nach seiner Aussage - >zu sehen, wie das ist< ... Um so mehr verwundert es, wie der Gitarrist seine homosexuellen Erfahrungen selbst gewertet haben soll: >Ich habe das Experiment genossen.<"

Schwulenkartei: "Den Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus scheinen die Straftäter-Karteien keine Ruhe zu lassen. Immer wieder traktieren Sie den Innensenat mit Fragen über Speicherungsdauer, Löschungsbedingungen und Karteienverbund ... So wurde nun bekannt, dass Homosexuelle in der Sexualstraftäter-Kartei unter dem Kennzeichen >C< geführt werden ... "

Südafrika: "Die südafrikanische Eisenbahnpolizei soll 60 Männer und Frauen aus dem Dienst entlassen haben, weil sie gleichgeschlechtlich veranlagt sind ... "


< Der im Sinne der menschlichen Verfassung 'vollkommene' Johannes Gross (1932-1999), stockkonservativer Publizist und Journalist (u.a. STERN), im obigen Artikel "antischwuler Intoleranzbolzen" genannt, der als Herausgeber und Chefredakteur des STERN gerade noch verhindert wurde: "Homosexualität ist für mich etwas Minderes im Sinne des Unvollkommenen einer menschlichen Verfassung"

DON rechnet ab - mit den Illustrierten STERN, BUNTE, NEUE REVUE, QUICK, PRALINE, WOCHENEND, BRAVO ... - in Sachen schwuler Themen:
" ... Die Aufgeschlossenheit des STERN gegenüber der homosexuellen Minderheit und schwulen Themen kann gar nicht den Bach heruntergehen, denn sie hat nie existiert ... QUICK und NEUE REVUE ... greifen schwule Themen überhaupt nur auf, wenn sie einen publikumswirksamen Knüller daraus fabrizieren können. Zum Beispiel Tuntenbälle ... PRALINE ... WOCHENEND ... aber auch die Jugendzeitschrift BRAVO ... können, wenn's um Schwule geht, getrost mit dem journalistischen Niveau der BILD-Zeitung verglichen werden. Nur noch dämlicher. Die Familie Burda, ihre Mitarbeiter und Redakteure von die BUNTE ... wissen wahrscheinlich nicht einmal, wie man das Wörtchen 'schwul' buchstabiert ... In der Rückschau muss festgestellt werden: der STERN-Report >Wir sind schwul< [Oktober 1978] war nichts weiter, als ein publikumswirksamer Illu-Schocker, der den Verkauf ankurbeln sollte ... "


Am 6. März 1983 (vorgezogene Neuwahlen nach dem Seitenwechsel der FDP) wurde die Union (CDU und CSU) mit 48,8% der Stimmen stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag und Helmut Kohl Kanzler, der landauf, landab die "geistig-moralische Wende" predigte. Mit in der Regierung (wieder/natürlich/wie immer) die FDP.

" ... 'Der Spiegel' meinte, >seiner Regierungserklärung zufolge möchte Kohl so weitermachen ... mit Nichtstun und Zuwarten< ... Wir dürfen Vertrauen zu Kanzler Kohl haben, dass zumindest für uns [Schwule] auch in Zukunft nichts läuft ... Kohl würde sich wohl eher die Zunge abbeissen, als die Schwulen in den Mund zu nehmen ... Und dann wäre da auch noch die FDP. Ihre grossartigen Schwulen-Wahlparolen von 1980 hatte sie vor dem 6. März auf Sparflamme heruntergedreht. Wer da glaubt, dass die FDP in der neuen Koalition mit der Entdiskriminierung der Schwulen auch nur einen Zoll breit weiterkommt, der muss schon ein gerüttelt Mass an Gottvertrauen haben ... Wenn man die gegenwärtige politische Situation und das rechtsdriftende Klima der 'Koalition der Mitte' genau analysiert, dann muss man schon viel Naivität besitzen, um an eine Abschaffung des § 175 zu glauben ... "


Modell Laszlo, 27, Ungar, Tänzer, Go-Go-Boy, in meinem Münchner Fotostudio.


In bundesdeutschen Spitzenschwulenzirkeln sind sie bekannt, wie bunte Hunde: Der schwule Beckenskelettforscher Dr. Willhart Siegmar Schlegel und seine Werbeposaune Heinz F. S. Liehr (alias Rico de Positano, Lebensgefährte von Johannes Werres). In diesem nicht stattgefundenen DON-Gespräch [Satire!] werden die beiden einer schwulen Würdigung unterzogen.

Schlegel, Werres und Liehr wohnten ein Vierteljahrhundert lang gemeinsam unter einem Dach; in einer Villa im vornehmen Kronberg/Taunus, was mit obiger Abb. der Gartentürschilder nachgewiesen werden sollte.


Ein grossartiger Artikel von Rosa von Praunheim, entnommen dem neu erschienenen Szeneführer 'Berlin von hinten', mit freundlicher Genehmigung des Bruno Gmünder Verlag.

"Im Juli 1971 wurde Rosa von Praunheims Film >Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt< oder >Das Glück in der Toilette< beim 'Internationalen Forum des jungen Films' in Berlin uraufgeführt. Ausgehend von seinen Problemen mit sich und den Berliner Schwulen versuchte er die Verklemmungen, Ängste und Hilflosigkeit in der gesellschaft zu untersuchen. >Heute<, sagt er, >10 Jahre später, würde ich den Film viel bissiger und radikaler machen.< Desillusioniert, aber ohne Bitterkeit erzählt er von seinen Berliner Erfahrungen ... "


"Als Kind hat er Marionetten gebastelt. Er zeichnete Köpfe auf Karton, schnitt sie aus und formte sie in Ton. Als Regisseur machte er Köpfe zu den Stars seiner Filme. Groteske Gesichter, zahnlose und edle, dekadente und aufregende, unförmige und liebliche, schockierende und faszinierende Gesichter ... Aus dem Buch >Fellini's Faces< zeigen wir einige Knaben- und Männergesichter ... "

Diese Seiten habe ich zu Ehren meines Lieblings-Regisseurs, Federico Fellini, in DON hineingeschmuggelt.

Montag, 27. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 11)


DON 11/1982 erscheint im November 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


"Drei Meisterwerke neuer Aktfotografie"
Herrlich ironisch (???) dieser Überschriftentexter. Fotos Studio VISA 2000, Breda/NL


Homo-Beziehung sittenwidrig. Zwei Freunde fahren gemeinsam in den Urlaub. Da dem einen das Geld fehlt, bekommt er es von dem anderen geliehen. Am Urlaubsort kommt es zum Zerwürfnis. Nach Rückkehr fordert der Geldgeber seine Kohle zurück, aber der Schuldner zahlt nicht. Die Sache kommt vor's Amtsgericht Worms. "Im Namen des Volkes" entscheidet Amtsrichter Schiltz: Ob Darlehen oder Schenkung, beide "Verträge" sind nichtig - wegen Sittenwidrigkeit. Denn: Die gemeinsame Reise diente dazu eine homosexuelle Beziehung zu pflegen. Das aber ist sittenwidrig ...

Frau von Praunheim. "Rosa von Praunheim hat sich wieder im Fernsehen produziert ... im TV-Kulturmagazin 'Arena' ... eine Diskussion über 'Die neuen Nackten' (wurde) zu einer Wurfbude mit verbalen Fäkalien umfunktioniert. Der schwule Filmemacher ergötzte sich an seinen wiederholten Rufen >Scheisse, Scheisse!< ... seine ... Mitstreiterin hielt dem Publikum vor, >Ihr denkt auch nur ans Ficken!< ... Praunheim ... der sich als Damen ansprechen liess (>Frau von Praunheim, bitte!<) und Helga Goetze, die sich an 'Deutschlands gesuperte Sau' ... vorstellte ... "

Schweiz. "In Zürich hat den Pfarrer Hans van der Geest seine theologische und ethische Argumentation für die gesellschaftliche Gleichbehandlung der Homosexuellen sein Amt gekostet ... "

Amtsgericht Hamburg: <Der Mieter ist grundsätzlich berechtigt, einen Lebensgefährten gleichen Geschlechts in die Wohnung aufzunehmen. Es kommt nicht darauf an, welcher Art die Lebensgemeinschaft des Mieters ist.<

Wahlkampf in Bayern. " ... Hier geht es um das Grab des jüngst verstorbenen Münchner Filmemachers Rainer Werner Fassbinder, genauer um den Platz für die Beisetzung seiner Urne. Die hat zwischen der SPD und der CSU-geführten Münchner Stadtverwaltung zu einer heftigen Kontroverse geführt ... ob Fassbinders Asche auf dem Künstlerfriedhof München-Bogenhausen einen Platz finden darf oder nicht ... (die CSU) stösst sich daran, dass auch seine Homosexualität >über München hinaus bekannt< geworden sei ... "

Hinrichtungen im Iran. "In den persischen Kleinstädten Rasht und Bakhtara sind sechs Frauen im Namen Allahs hingerichtet worden ... Der totalitäre Ayatollah ... hat am 12. Mai 1982 ... zwei weitere Homosexuelle, diesmal in Tahiz, ermorden lassen ... Seit der sogenannten islamischen Revolution mussten im Iran etwa zweihundert Schwule ihr Leben lassen ... "


"DON veröffentlicht nachstehend den Brief eines unverkennbar deutlich linksstehenden neuen Lesers, dem bisher nicht bekannt war, dass DON eine liberale Zeitschrift ist, welche durch möglichst umfassende Information und Diskussion die freie Meinungsbildung mündiger Bürger unterstützt. In diesem Sinne hat DON einen Exponenten rechtskonservativer Richtung gebeten (siehe anschliessende Seiten) zu dem Vorwurf des Berliner Linksschwulen Stellung zu nehmen, dass die Rechte sozusagen der Erbfeind der gleichgeschlechtlichen Erotik sei ... "

In dem rechtsseitigen Beitrag geht es u.a. auch um Hans Blüher


Bilder der ersten Gay Games, 28.8. - 5.9.1982 in San Francisco, USA, mit 1.350 Teilnehmern


Gay Model Guide, der 'Branchenführer für Ihn', pink-rose-Press-Verlag Hamburg (Peter Schmeding), 380 Seiten + 128seitiges Extraheft 'Gay Europe Guide', 9,80 DM.
Warum ein 'Branchenführer' Model Guide (Modell-Führer) betitelt wird, blieb mir damals wie heute verschlossen.

Ebenso bleibt mir verschlossen, was eine Buchbesprechung von Erich von Dänikens abstrusen (heterosexuellen) Fantastereien in einem Schwulenmagazin verloren hat.

Hamburg von hinten, Bruno Gmünder Verlag, 256 Seiten, 10 DM: " ... Leider merkt man diesem recht guten Reise- und Lesebuch die Eile an, in der es auf den Markt kommen musste, um dem vom Thema her gleichartigen 'Hamburg ahoi' aus dem Berliner rosa-Winkel-Verlag zuvorzukommen ... "

Rechte Seite: "Noch bis zum 5. November ist in Berlin die Ausstellung 'Streiflichter - der Mann in Licht und Schatten' zu sehen. In den neugestalteten Räumen der AHA .... zeigt sie Fotografien von Dieter Bachnick ... "
Seine 'Streiflichter' erschienen 1985 auch als Bildband bei Trifolium. Viel mehr gibt das Internet über Bachnik nicht her.



Links Titelseite der ADAM-Sonderausgabe "Anbändeln, Aufreissen, Abschleppen", zu 100% von Jens M. A. Reimer konzipiert, geschrieben und gestaltet.

"Erstmals haben dieses Jahr 'Olympische Spiele für Homosexuelle' stattgefunden ... Doch kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt ... in diesem Fall die Olympischen Komitees auf amerikanischer und internationaler Ebene. Sie wandten sich in einer bis dahin beispiellosen Hetzaktion gegen das 'Olympisch' zur Bezeichnung der Homo-Spiele ... sie würden es >für unwürdig und geschäftsschädigend< halten, dass sich die Veranstalter den Titel 'Olympiade' an die Sporthosen hängen wollten ... Tatsächlich gibt es in den USA ... seit 1950 so eine Art olympischen Titelschutz ... Damit kamen diese Begriffe in den Rang eines Markenzeichens ... "

Montag, 9. April 2012

DON - The German Gay Magazine 1973 (Heft 5 bis 8)


DON 5/73 erscheint im Mai 1973. Untertitel "Magazin für Freunde".
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


Liebe DON's, des >SPIEGELS< Wort gilt manchem Deutschen bekanntlich als Evangelium, und das, obwohl dieses Blatt nachweislich mitunter Unfung verbreitet, nicht selten Meinungen manipuliert und bisweilen noch links von der Regierung steht [1973 = Kabinett Brandt II, sozialliberale Koalition] ... dass der lange vorbereitete Homosexuellen-Report in Nr. 11 doch recht unbefriedigend ausgefallen ist [DON wird in diesem Report homosexuelle Gartenlaube genannt] ... Der >SPIEGEL< mit seinem Report ist darum im Grunde auch nur reine Schaumschlähgerei im üblichen modischen Trend - von dem Sich-Aufplustern "gegen die Gesellschaft", wie es zumal im Rosa-von-Praunheim-Schinken zum Ausdruck kam, und von der zu einer "wissenschaftlichen Aussage" hochgeschwindelten Umfrage der von eigenen Gnaden zu Soziologen ernannten Agitprop-Homofunktionäre Martin Dannecker und Reimut Reiche ... Ein Mann wie Dannecker, der als Demonstrant mit einem Verein namens namens Rotzschwul auf die Strasse geht, um zu demonstrieren ... der seine Ergebnisse mit vorgefasster Meinung deutet, der andere Wissenschaftler weder kennt noch solche neben sich duldet, der die deutschen Homos von heute für promiscue hält ... Aber das Schlimmste ... dieses Blatt ... manipuliert wieder einmal in frech-oberflächlicher Weise die Wahrheit, indem es den Trend der Linken, der Pseudowissenschaftler, mitmacht und unkritisch kolportiert ... Deshalb bellen wir [= Johannes Werres] jedoch mutig den Mond an, wenn es sein muss. Auch wenn die Wahrheit offenbar zur Hure geworden ist. Herzlichst: Ihr DON-Redaktion.

Der Artikel "Homosexuelle - Befreit - aber geächtet", SPIEGEL-Titel 11/1973 - Bekennt, dass ihr anders seid - ist im Internet abrufbar.

Originalton dieses Vorwortes: der (hier in diesem Blog bereits mehrfach erwähnte) rechts-konservative Johannes Werres, der zwar nie je im DON-Impressum auftauchte, sich auf dieser prominenten Vorwortseite wiederholt aber als Wortführer der Redaktion gibt. Bei diesem Text glaubt man sich in ein politisierendes CSU-Kampfmedium versetzt, nur dass ein solches nicht 60% seines Inhalts mit laienhaften Bubenaktfotos füllen würde. Dabei ist Werres nur verdammt sauer, dass (sein in diesem Blog bereits mehrfach erwähnter Freund und Arbeitgeber) Dr. Willhart Siegmar Schlegel und dessen homowissenschaftliche Erkenntnisse mit keinem Wort in dem SPIEGEL-Report erwähnt werden.

Erstaunlich ist aber auch, dass der Verleger Henry Ferling (HF-Druck), der ebenso wie Spiegel-Verleger Rudolf Augstein ein kämpferisch-überzeugtes liberales FDP-Mitglied ist, so einen Text - unkommentiert - durchgehen liess.



Offener Brief an Rosa von Praunheim und Martin Dannecker
"Wollen Sie uns weismachen, alle deutschen Homos seien links?" 
von Norbert Weissenhagen (= Johannes Werres, siehe Vorwort oben)

"Drei Stunden lang hatte der Zuschauer kaum Zeit, eine einzige Minute lang nachzudenken. Sie hauten ihm mit ihrem Gequatsche den Faden immer wieder kaputt. Entschuldigen Sie darum bitte, wenn mir erst heute, zwei Wochen später, etwas zu Ihrem Film [Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt] einfällt.
Zunächst einmal begreife ich nicht, warum Sie sich "Rosa" nennen, wo Sie doch nicht im Fummel auftreten. Fühlen Sie sich als Frau? Und warum benutzen Sie überhaupt ein Pseudonym? [die Frage stellt hier einer, der sich mit einem Dutzend Pseudonymen ausgestattet hatte]
...was Sie mit dem Film vor aller Augen getrieben haben, ist Nestbeschmutzung in Reinkultur. Dazu sind eben nur "schuwle Säue" fähig, die zu verkörpern Sie sich ja nicht entblöden ... Sie haben kein recht in unserem Namen zu sprechen. Wollen Sie uns weismachen, alles deutschen Homos seien links? ...  Merken Sie denn nicht, wie Sie von Ihren heterosexuellen Mitstreitern der Systemveränderung nur als Mittel zum zweck benutzt und ausgebeutet werden? ... Sollen wir etwa Ihre Promiskuität nachahmenswert und ethisch wertvoll finden? ... Da Ihre linken Homo-Mitstreiter ja bevorzugt unter sich, innerhalb Ihrer Altersstufen, bleiben und jedem misstrauen, der über 30 ist, treiben Sie mit Ihrer Madigmacherei der festen Freundschaft sämtliche älteren Homosexuellen in die Einsamkeit, Not und frühen Selbstmord ... Ausserdem bin ich nicht des Glaubens, das Heil der heutigen Homosexuellen liege darin sich zu organisieren. das läuft doch nur auf eine mehr oder weniger verkappte Suche nach neuen Bettpartnern aus ... Sie sind Utopisten, Phantasten. Anarchisten, Fanatiker ... Der Antikapitalismus dieser Ihrer linken Minderheit wird von uns nicht geteilt. der homosexuelle Katitalist beutet keinen Mitmenschen aus [OHO!] ... Wir verlangen auch, dass das von Ihnen schiefgerückte Bild des Homosexuellen durch weitere Sendungen wieder gerade gerückt wird ... denn Sie wollen sich ja nicht die Finger schmutzig machen ... Die Heteros verdonnern kann jeder Dümmling. Ihre Motive verstehen, das konnten Sie offenbar nicht. Sie konnten nur pubertär auf ihnen herumtrampeln. Herzlichen Dank für das Chaos, das Sie uns hinterlassen haben ..."

Anmerkung und Ergänzung: "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" ist ein im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks gedrehter Film von Regisseur Rosa von Praunheim. Er liess sich für diesen Film von dem Soziologen und späteren Sozialwissenschaftler Martin Dannecker beraten.

Uraufgeführt wurde der Film am 3. Juli 1971 im Rahmen der Berlinale. Im Fernsehen wurde der Film das erste Mal am 31. Januar 1972 im 3. Programm des WDR zu später Stunde ausgestrahlt. Die ARD strahlte den Film ein Jahr später am 15. Januar 1973 aus im 1. Programm aus, worauf sich der Bayerische CSU-Sender (wer sonst?) aus dem gemeinsamen TV-Programm ausklinkte.





DON 6/73 erscheint im Juni 1973.
Neuer Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


Liebe DON's ... wenn diese Zeilen gedruckt werden ... [wird] Der Bundestag ... über das Schicksal des "restlichen" Paragraphen 175 entschieden haben - oder auch nicht. Wenn alles programmgemäss verläuft, bekommen wir ein Schutzalter von 18 Jahren ... Immerhin haben sich die Unionsparteien wenigstens dazu bereit erklärt, die männliche Prostitution zu entkriminalisieren ... damit entfiele ein weiterer Anlass, Homosexuelle zu erpressen und auch umzubringen ... die sogenannte Absehensklausel, von der SPD eingebracht, fördert ebenfalls feste Partnerschaften, namentlich für Jugendliche der Altersstufen 14 bis 18 Jahre ... die nicht mehr so unbedingt vor homosexuellen Kontakten geschützt zu werden brauchen. Mit dieser Klausel haben wir eine Art "bedingtes" Schutzalter erreicht, das bis 14 Jahre heruntergeht ... sofern von ausserhalb nicht quergeschossen wurde, etwa von Seiten der realitätsblinden deutschen Homosexuellenverbände (einiger linker, wollte ich einschränkend sagen) ... Klugheit und Besonnenheit ist das Gebot der Stunde, nicht Radikalismus, meint die Redaktion (= Johannes Werres)


In diesem "heissen Tipp" über Bangkok geht es u.a. um die zauberhafte Reisebekanntschaft zu dem Thai-Buben Dusit (... Jeden Tag schlief er mit mir im Hotelzimmer. Immer wieder erfand er neue Varianten bei unserem Liebesspiel ... ). Immerhin steht diese simple Erzählung in ziemlich kassem Gegensatz zu den schon 1972/73 im Spartacus-Magazin und dem Spartacus Gay Guide des John D. Stamford empfohlenen sexuellen Vorzügen und Freiheiten sowie Billigbumspreisen in Ländern, die keine Minderjährigen-Schutzgesetze kennen (Thailand, Sri Lanka usw.)

Mehr über den Spartacus:

1. Teil: Die GANZE Geschichte vom SPARTACUS, von seinem Gründer John D. Stamford und ...
2. Teil: Die GANZE Geschichte ...
3. Teil: Die GANZE Geschichte ...
4. Teil: Die GANZE Geschichte ...
5. Teil: Die GANZE Geschichte ...
6. Teil: Die GANZE Geschichte ...
Fazit: Bruno Gmünder, John D. Stamford und der Spartacus ...


Interessante Neuigkeiten: 
Gleichberechtigung für Heteros in (österreichischen) Gefängnissen [wenn schwule Gefangene "paarweise auf dem Strohsack" liegen dürfen, verlangen Hetreos nicht mehr für die Verwendung von Onanievorlagen bestraft zu werden]
Erpresser scheitern [2 minderjährige Erziehungsanstaltinsassen, die einen 50jährigen schwulen Kölner erpressen wollten, wurden gefasst]
Homosexueller Geheimnisträger der Bundeswehr erstochen [Was - laut 'Deutscher Anzeiger' - zu denken gäbe, dass seitens des Bundesverteidigungsministeriums Menschen mit zwear erlaubten, aber immerhin doch abartigen Neigungen zu Geheimnisträgern gemacht würden]
Frau sucht homosexuellen Freund [in einem Leserbrief an die 'Neue Revue'!]
Mit Gewalt gegen die Linken [In Heidelberg versammelte Homo-Gruppen hatten "alle Hände voll zu tun, den Einfluss der linken Gruppen (Rotzschwul, Dannecker) auszuschalten" ... im von Johannes Werres hier mehrfach erwähnten links-aversiven Stil]
4. Strafrechtsänderungsgesetz "schneller zur Endberatung" [vgl. Vorwort dieser DON-Ausgabe 6/1073]


Das einzige, was an diesem über eine Doppelseite aufgeblasenen Foto scharf ist, ist das Gesicht; alles andere geht in Über- bzw. Unterbelichtung unter.


Zur Verblüffung dieses Blog-Betreibers sind 72% der auf dieser Doppelseite inserierenden Kontakt-Suchenden zwischen 20 und 30 Jahre alt und nur 28% älter bzw. ohne Altersangabe.


Diese attraktive "Foto-Location", eine von dem DON-"Fotografen" offenbar bevorzugte Billig-Pension (Waschbecken im Zimmer, Klo auf dem Gang), taucht in diesen DON-Jahren wiederholt im Heft auf. Wobei die ersten zwei Aufnahmen hier noch annehmbar, aber je nackiger die "Fotomodelle" werden, grundsätzlich sämtliche Grautöne weggeblitzt sind, weil der "Fotograf" keine Ahnung hat, wie man helle/weisse Haut fotografiert.



DON 7/73 erscheint im Juli 1973.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


Liebe DONs! Ja, jeder von uns möchte heute gerne ein DON sein, ein Herr, und sich bedienen lassen, aber wo sind die, die noch bedienen? Es gibt keine, und eigentlich wollen wir das ja auch nicht so recht. Dass es da Unterschiede zwischen den menschen gibt ... alle sollen gleichberechtigt sein ... alle sind gleich geboren. Sind sie es wirklich? ... Nun die jungen Leute haben sich da ihre eigene Weltanschauung zurechtgezimmert ... Es gibt nicht nur eine Subkultur, es gibt viele nebeneinander (obwohl mir das Wort nicht behagt) ... Die jungen Homosexuellen haben sich regelrecht eingekapselt ... die Älteren und Alten kennen sie nicht, interessieren sie nicht, mögen sie nicht ...
Herzlichst, Euer Hans-Heinz Bär (= Johannes Werres, zu diesem Zeitpunkt 50 Jahre alt) von der DON-Redaktion


In diesem Beitrag (natürlich von Johannes Werres) geht es um Pädophile. Einerseits werden Homosexualität und Pädophilie (und sogar Bisexualität!) in diesem Text "zu einem Brei zusammengerührt", andererseits  geht es um den "doppelt geächteten", leidenden, suizidgefährdeten Pädophilen, der bedauert wird, u.a. weil ihm kein "Päderastenzusammenschluss" zur Verfügung steht. Es geht um viel Verständnis und gute Ratschläge ("kann sich helfen, dass er etwa im Urlaub ins Ausland fährt oder ganz auswandert").

Die andere Seite, die der Minderjährigen, Pubertierenden und Jugendlichen - konkret: Kindermissbrauch, Kindersex-Käuflichkeit in Armutsländern, Kinderhandel u.ä.m. werden in diesem Text salopp mit ein paar Zeilen abgehakt: "Es soll hier nun keineswegs etwas verharmlost werden. Gerade dieses Thema der sexuellen Kontakte zu Kindern in der Vorpubertät ist äusserst delikat und sollte sorgfältig abgehandelt werden..."

Wichtig zum Verständnis: Diese Sichtweisen waren zu jener Zeit - ganz allgemein unter Homosexuellen, auch in linken Schwulengruppen, wie sogar in heterosexuellen linken Kreisen - weit verbreitet undsozusagen 'normal'. Wie Bruno Gmünder das in seiner Münchner Zeit als Maoist und auch in den Anfangsjahren seines Verlages sah, steht hier: Noch so ein Gmünder-Märchen: Bruno und die Knabenliebe


Informationsfreiheit contra Jugendschutz. Zur Indizierung der Zeitschrift "Du & ich" von (natürlich) Johannes Werres:
"Zum dritten Mal in diesem Jahre wurde in Bonn eine homosexuelle Zeitschrift indiziert, nach zwei Ausgaben "Pikbube" nun "Du & ich"..."

In dem Beitrag werden die Indizierungs-Urteile der Bundesprüfstelle und die personelle Besetzung der Prüfstelle kritisch hinterfragt. Mit keinem Wort erwähnt der Autor jedoch die Gründe bzw. Inhalte, weswegen diese Magazine indiziert und damit  nicht weiter verkauft werden durften.

Pikbube, über das im Internet leider nullkommanichts mehr zu finden ist,  war ein Magazin, das sich thematisch an Männer wandte, die eine Vorliebe für (sehr) junge Knaben hatten. Es enthielt ausschliesslich 'Bubifotos'.
  
DU & ICH veröffentlichte in den Redakteursjahren von Alexander Ziegler ** schwerpunktmässig Fotos von epheben/knabenhaften Jungen, oft haarscharf an der Grenze zu kleinen Buben. Wirklich beendet wurde das erst, als DU & ICH 2002 vom Jackwerth-Verlag übernommen wurde. Ich gehe also davon aus, dass die Indizierungen beider Titel aufgrund von 'Bubifotos' zustande kamen: Aufnahmen von Modellen unter 18 Jahren (bzw. solchen, die so aussahen, als hätten sie das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht) durften nicht veröffentlicht werden.

** Mit Alexander Ziegler beschäftigt sich DON, Mai 1979, Seiten 10 bis13, ausführlich.


DON veröffentlichte natürlich auch einzelne Aufnahmen von attraktiven und reizstarken Modellen. Einige Fotos waren auch (technisch) scharf bzw. ordentlich reproduziert. Die Masse der Fotos sowie die Wiedergabe/Druckqualität jedoch war - wie hier immer wieder dargestellt - dürftig und dilettantisch.


Ein Buchtitel der (Herren?) Richter und Bachmann lautet "Die Handschrift verrät es", während in diesem DON-Beitrag nur der "Versuch einer graphologischen Untersuchung" unternommen wird... obwohl die folgenden Aussagen an (kurioser) Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig lassen: "aktive Partner, starker Potenz in Richtung Analverkehr und Fellatio" oder "Mund- und Analverkehr wird bevorzugt, aber auch die Onanie geschätzt" oder "besonders der Mundverkehr liegt ihm". Weitere Sexinteressengebiete wie Fusserotik, Wäschefetischist oder Spermaschlucken sind den Autoren offenbar gerade nicht eingefallen ...

Persönliche Nachbemerkung: Grafologie, auch Schriftpsychologie genannt, beschäftigt sich mit der Analyse der Handschrift zum Zweck der psychologischen Diagnostik und Beratung ... und nicht zur Erkundung bestimmter Verhaltensformen bzw. (sexueller) Praktiken. Grafologie ist seit langer Zeit umstritten. Sog. Metaanalysen der meisten wissenschaftlichen Studien zeigen, dass es keinen Beweis für die behaupteten Zusammenhänge zwischen Handschrift und Persönlichkeitsmerkmalen gibt. Daher wird die Graphologie heutzutage als Pseudowissenschaft angesehen.


Der linke Beitrag ist insofern amüsant ("eine gewisse Pikanterie"), da sich der Mann mit dem Busen zunächst in DON als Homosexueller, und folgend dann in NEUE REVUE als Frauenliebhaber 'verkauft' hat.

In "Urlaub ganz ohne" wird nicht grundlos über den seinerzeit berühmtesten europäischen FKK-Park/Strand Koversada (Kroatien, im Tito-Jugoslawien) geschwärmt, denn er war auch lange Zeit eines der angesagtesten Rammel-Reiseziele für Schwule.


DON 8/73 erscheint im August 1973.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.
Titelfoto TOM men's shop, Zürich.


Liebe DON's ... dass aber ihre Käufer [von homophilen Zeitschriften] so gut wie ausschliesslich Homosexuelle sind, niemals auch Heterosexuelle. Um unsere homophilen Zeitschriften steht also ein unsichtbares Sperrgitter, eine Art elektrisches Kraftfeld oder auch eine Ghettomauer, die uns absperrt gegenüber der normalen Aussenwelt ... die Heterosexuellen nehmen überhaupt nicht zur Kenntnis, was oft auch gerade für ihre Augen, Ohren und Hirne geschrieben wird. Das ist hoffnungslos und entmutigend, ja sogar irgendwie entsetzlich traurig ... Wie kommen wir stärker ... an die sogenannten Normalen, die uns verachten, ignorieren, nicht beachten wollen? ... Ich glaube, wir müssen uns mehr als je zuvor derjenigen versichern, die uns wohlgewogen sind, die - obwohl eindeutig heterosexuell - ein offenes Ohr für die Nöte der Homosexuellen haben ...

Autor ist Johannes Werres. Er, der gewiss nicht dumm ist, glaubt allen Ernstes - wie seinerzeit übrigens auch die Verleger von DON, DU & ICH und him (!) - dass ein (im Vergleich zu anderen Zeitschriften sauteures) Magazin mit schwulen Liebesgeschichten, erotischen Reisetipps für Schwule, randvoll mit Nacktfotos von Jungen und Jüngeren, irgendein Interesse bei heterosexuellen Menschen wecken könnte.

Im übrigen offenbaren dieses Vorwort - ungewollt - des (unnormalen) schwulen Autors Weltsicht: draussen bei den Heterosexuellen, da ist für ihn die normale Aussenwelt.


"Es blitzt etwas nackte..." ein Beitrag von Gay Guy (= Johannes Werres)

"... Da wir gerade beim Thema sind: homosexuelle Schauspieler - ein Wort zu Marlon Brando und seiner Partnerin [Maria] Schneider im "Letzten Tango" [Der letzte Tango in Paris] ... er war eine Ohrfeige ins Gesicht des guten geschmacks und Wasser auf die Mühlen derjenigen, die heute ein recht zu haben glauben, alles und jede(n) umzuhacken. Wer diesen Film lobt, tritt sich selber in den Hintern. Noch mehr paterre können wir nicht gehen, es fehlt nur noch der Koitus auf offener Strasse ... Marlon Brando ist schwul, seine Partnerin ebenfalls. Beide gaben es in einem Interview zu und erklärten ihre Abgebrühtheit, Kaltschnäuzigkeit, Gefühllosigkeit ... Welch angenehmes Gefühl muss der Zuschauer wieder einmal von Homosexuellen bekommen haben! ... Bedanken wir uns bei diesen Prominenten! ..."

In der rechten Spalte: Von Schwulen, Verbrechern, Konservativen und einem gewissen Herrn Neumann. Hans Fahnenbruck von der Loge 70 schrieb an DON.
Schwerpunktmässig dreht es sich um den Berliner Wachmann Jürgen Neumann (*1945), der 1971 die (rechtsnationale) "Deutsche Homophile Organisation" (DHO) gründete.

Interessierte finden hier Schwule Rechtsradikale in Hamburg - Teil der Community? einen spannenden (langen!) Aufsatz über schwule Nazis und rechtslastige und -radikale Homosexuelle in der BRD von Dr. Gottfried Lorenz.




Sollen Homosexuelle Lehrer (Pfarrer, Politiker, Ärzte usw.) werden? Ein Beitrag von Jochen Freimuth (= Johannes Werres)
" ... Wer eine ausgesprochene Zuneigung zu geschlechtsunreifen Kindern, aber auch zu pubertierenden Jungen verspürt, sollte sich ernstlich prüfen, ob er in diesen Beruf hineingeht. Die Situation ist heute so, dass die Gesetze immer noch strenge Anwendung finden, wenn auch die wissenschaftliche Diskussion um die Fragwürdigkeit solcher Gesetze in Gang gekommen ist (vgl. die Arbeiten der Niederländer Brongersma "Das verfemte Geschlecht", Bernard, Brongersma u.a. "Sex met kinderen", Bernard "Pädophilie - eine Krankheit?", in "Sexualmedizin" und "Betrifft: Erziehung"...)
Auch in diesem Artikel rutscht Werres vom angekündigten Thema Homosexualität ganz automatisch hinüber zur Pädophilie. Brongersma und Bernard gehörten seinerzeit zu den bekanntesten Verfechtern von Pädo-Beziehungen (zu Kindern).