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Freitag, 25. Januar 2013

DON - The German Gay Magazine 1978 (Heft 2)


DON 2/78 erscheint imFebruar 1978. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976

Etwa ab diesem Jahrgang 1978 werden die Reproduktions- und damit auch die Druckqualität des Farbteils deutlich besser.


Die Zahl der gedruckten Exemplare (Druckauflage) ist bekannt, auch jene Mengen, die in den Vertrieb (Vertriebsauflage), an Abonnenten und als Belege verschickt werden. Bekannt sind auch die tatsächlich vom Handel verkauften (Verkaufsauflage) Stückzahlen. Was der DON-Verlag nicht weiß - und mit dieser Aktion ein wenig aufzuhellen versucht - wieviele Personen eine DON-Ausgabe in die Hand nehmen (Zahl der Leser).


„Lieder aus der Hose“, titelt die Münchener AZ über Peter Maffays Auftritt.

Dem Pastorensohn und Kapitänleutnant der Bundesmarine, Oskar Bering, mit ‘ausgeprägtem Transsexualismus’, wird die Geschlechtsumwandlung (erstmals?) von der AOK bezahlt. Die Claudia Kim des Jahres 1977 sagt allerdings: „Ich würde heute keine Trassexuellen zu einer Operation raten. In Deutschland rutscht man sozial ab und bleibt trotz aller Bemühungen ein Außenseiter.“

Mit zwei- bis dreijähriger Verspätung entdeckt nun auch DER SPIEGEL (siehe DON 6/76) die Schnüffel-Szene. Laut dem Magazin erreicht ein neues Party-Rauschmittel Westdeutschland: Poppers ...

Die >Vereinigung Europäischer Bürgerinitiativen zum Schutz der Menschenwürde< in Bayerisch Gmein hilft Eltern, die ihre Kinder vor der schulischen Sexualaufklärung schützen wollen.

Freeze your own cock-sickles at home with this fabulous six inch cock-sickle mold ... comes with a lsit of succulent cock-sickle recipes ... Great for parties or for what ever turns you on ...

Vance Packard, amerikanischer Soziologe und Journalist, bekannt für seinen Bestseller „Die geheimen Verführer“, bringt ein noch brisanteres Buch „The People Shapers“ (Die Menschenformer) heraus, über Wissenschaftler, die mit Tabletten, Hirnoperationen und Elektroschocks unnormales Verlaten korrigieren wollen.


DON verreißt (gnadenlos) Ernst Weibels „Das Recht, anders zu sein“ (schade um das schöne Papier) und bejubelt (hin- und hergerissen) Bruno Vogels „Alf“. Der Roman „Alf“ erschien erstmals 1929, erlebte in den 20er und 30er Jahren mehrere Auflagen und wurde anläßlich des 79. Geburtstages seines Autors vom Achenbach-Verlag neu aufgelegt.


Homomeinungen über Homogruppen. Fortsetzung der DON-Serie „Das Homogruppen(un)wesen“. Hier nehmen Stellung

Patrick Schneider, der 1973, zusammen mit anderen, die ‘Homosexuelle Aktion’ ins Leben gerufen hat. Besondere Bedeutung für die Akzeptanz seiner homosexuellen Rolle hatte eine schwule Selbsterfahrungsgruppe, über die er hier berichtet.

DON-Autor Wenzel Böhmak (Pseudonym), besuchte zwei Jahre lang Diskussionsgruppen des VSG München, deren Mitglieder ihn für ‘rechtslastig’ halten. Böhmak meint, dass Homos eine Spezialrolle, integriert in die Gesellschaft, spielen sollten, nicht aber eine Befreiungsbewegungsimitation. (Anmerkung: Richtig ist, dass Böhmak alles andere als 'links' war.)

DON-Autor Thomas Wagner, studierter Theologe, engagiert sich für einen Dialog zwischen Kirche und Homosexuellen, hält Kontakt zu verschiedensten Grupopen und bemüht sich in der religiös-kirchlichen Homosexuellengruppe INTEGRITY/Arbeitskreis Homosexualität und Gesellschaft.



Egon Posselt, gebürtiger Tiroler, als Maler Autodidakt, hat im Oktober 1977 in ‘Lemmys Künstlertreff’, Wuppertal, seine homoerotische Austellung eröffnet. Dem Kritiker des ‘Wuppertaler Tageblatt’ hat er erlaubt ... „mich als homosexuellen Künstler herauszustellen; es muss mit dem Versteckspiel doch einmal Schluß gemacht werden; wir müssen aus der Isolation heraus, mit den Menschen reden, damit sie sehen, wir sind die gleichen Menschen wie sie auch ...“


Und das nicht nur zur Weihnachtszeit, köstliche Satire von DON-Autor Stefan Troßbach. Troßbach besucht im Münchner Fasching eine Homo-Bar. Eher eine 'bezaubernde' kleine Charakterstudie der wundersamen (Münchener) Homo(bar)welt, als eine Satire - weil die Realität in diesen Etablissements pure Satire ist. Oder umgekehrt.


Sonntag, 2. Dezember 2012

DON - The German Gay Magazine 1977 (Heft 7 bis 8)


DON 7/77 erscheint im Juli 1977. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


Ein Leser fragt "Glauben Sie im Ernst, dass die sogenannte Reform von 1969 in Sachen Homosexualität inzwischen so reiche Früchte an Toleranz getragen hätte ? ..."

"Dazu eine Gegenfrage an den Schreiber: ... Haben Sie im Ernst erwartet, dass nach der Paragraphenreform eine Toleranzwelle über uns schwappt? Ich kann meinen Nachbarn nicht zwingen, mir gegenüber eine tolerante Haltung einzunehmen. Und das Gesetz vermag es schon überhaupt nicht. Ich kann meinen Nachbarn ... höchstens für mich, meine Art oder meine Einstellung gewinnen. Toleranz kann man nicht diktieren. Man kann sie bestenfalls erzeugen. und damit stellt sich die Frage, was die Homophilen seit 1969 selbst getan haben, um die Bevölkerung für sich (und ihre Anliegen) zu gewinnen? Wie haben wir diese acht Jahre genutzt? Und welches Bild bieten wir heute der Öffentlichkeit? ... Das vielfältige Aufblühen und Absterben homophiler Gruppen ... ist nur ein Zeichen dafür, wie stark Einzelinteressen über dem Gesamtinteresse dominieren ... Beziehungslosigkeit ist eine homophile Eigenart. Mangelhaft ausgeprägter Gemeinschaftssinn eine andere. Beides geht Hand in Hand. ich sage das nicht vorwurfsvoll, sondern stelle nur fest und ziehe daraus Schlüsse ..."

 

Gott entnahm eine Rippe von Adam und schuf daraus Eva ("Man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist"). Dieses mosaische Seemannsgarn wird von Religionen und Mackermännern (immer noch) als Beweis für die Vorrangstellung des Mannes (und gerne auch zur Unterdrückung der Frau) missbraucht.

Der Beitrag "Jede Frau war zuerst ein Mann", in einem Homo-Magazin wohl in der Vermittlung zu verstehen, dass alle Menschen männliche und weibliche Hormone (Eigenschaften) besitzen, entsprach den damaligen Erkenntnissen. Die wurden allerdings in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ziemlich über den Haufen geworfen: Eva war zuerst da (Bild der Wissenschaft, 1997)

Aus dem vorgenannten Internet-Beitrag: "Der Aufbau der äußeren Genitalien im fünften und sechsten Schwangerschaftsmonat folgt der gleichen Strategie: Männliche und weibliche Genitalien entstehen aus einer gemeinsamen embryonalen Struktur. Penis und Hodensack können sich nur dann bilden, wenn Testosteron vorhanden ist. Sonst entwickeln sich Klitoris sowie die inneren und äußeren Schamlippen."


In der Bertelsmann Lexikothek, Themenband "Gesundheit" von 1975, steht: "Homosexualität und Unzucht mit Tieren (Sodomie) wurden vor zehn Jahren noch gerichtlich verfolgt. Inzwischen sind diese Verhaltensweisen nicht mehr strafbar, und man belächelt sie eher als Eigentümlichkeiten ..."

Homosexuelle Soldaten in der deutschen Wehrmacht: der Vowinckel-Verlag, Neckargemünd, bringt diesen Titel von dem Militärhistoriker Professor Franz Wilhelm Seidler, Dozent an der Bundeswehr-Hochschule, heraus. Siehe auch Der Spiegel 19/1977: Rosa Winkel

Männercharme heisst das Theaterstück des 'Schwulenkollektivs Brühwarm', das im Hamburger Kommunikationszentrum aufgeführt wurde. DON übernimmt eine Kritik von Peter Föhrding aus MANN und will später eine eigene Besprechung bringen ...

Am 7. März haben die Dreharbeiten für den Fernsehfilm Die Konsequenz begonnen. Alexander Ziegler, der das gleichnamige Buch schrieb, spielt die Rolle des Häftlings Lemmi. Jürgen Prochnow spielt den Häftling Martin, Ernst Hannawalt den Sohn des Gefängniswärters ...

Mit 69 Jahren hat der schwule französische Ex-Diplomat und Schriftsteller Roger Peyrefitte (1907-2000) ("Heimliche Freundschaften"), berühmt auch für viele Skandale, seine kostbare und einzigartige Sammlung erotischer Literatur-Raritäten versteigern lassen.


Patrick Schneider taucht mit anspruchsvollen Beiträgen wiederholt als Autor in DON auf.




DON 8/77 erscheint im August 1977. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


Onanierender Japaner, rechte Seite, unten links. "Die manuellen Praktiken im Land der aufgehenden Sonne unterscheiden sich von der europäischen Praxis eigentlich nur in der eleganten Griffhaltung. Selbst bei solcherart Lustbarkeiten kann sich der Japaner ein asiatisches Lächeln nicht verkneifen. Schwungvoll ist aber nicht nur der Faltenwurf dieses Hand an sich legenden Herrn, sondern auch das spritzige Ergebnis seiner Beobachtungen. Oder schaut er nur gedankenverloren hinauf zum Gipfel des Fuji-san?"

Bums annodazumal: eine amüsante Kommentierung alter erotischer Darstellungen.


Neben diesem total verschwommenen Rückenakt erscheint rechtsseitig eine Anzeige des Top-Versand, Sitz ist noch 8034 Germering (= Unterpfaffenhofen), in der - oben - die Nummer 4 des von mir (für Günter Goebel) entwickelten und jahrelang gemachten Pornomagazins HOM OH! (verbotenerweise) angeboten wird, während unten die ersten Sexyslips (Piccolo) auftauchen, die wir damals von einer oberbayerischen Näherei bezogen, die hauptsächlich für Beate Uhse produzierte.


Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer) versucht mit diesem Beitrag das "schwule Selbstbewusstsein" der DON-Leser in ihrer ausserordentlichen Rolle als "gutverdienende, konsumfreudige Stützen der Wirtschaft" zu fördern ... (eine auch heute noch oft auftauschende Verallgemeinerung).


Franz Beckenbauer erzählt dem STERN (23/1977) über sein "Verhältnis" mit Gerd Müller "Die letzte Nacht mit Gerd Müller im Ehebett. Sieben Jahre haben wir es miteinander ausgehalten ... Wir haben den anderen wohl besser gekannt als die eigene Ehefrau..." um dann im STERN 25/1977 die Hüllen fallen zu lassen, um mit (fast) Nackedeibildern aufzufallen.

Florida verbietet per Gesetz (schon verdammt frühzeitig!) "gleichgeschlechtliche Ehen und die Adoption von Kindern durch Homosexuelle"

Matrosen der Bundesmarine müssen künftig auf die scharfe Marinekluft - weitkragige, taillenbetonte Hemdbluse, hautenge weitbeinige Latzhosen usw. - verzichten.

Mit Kinder-Sex, Kinderfrauen, Nymphchen und Lolitas beschäftigte sich - genüsslich auf 7 Seiten - Der SPIEGEL, 22/1977: " ... So schätzt die amerikanische Polizei ... in Los Angeles gäbe es über 3000 Poseure und Akteure unter 14 Jahren ... Immer ungenierter bestimmen Halbwüchsige das Strich-Bild amerikanischer Großstädte,, wobei die Knabenprostitution bereits 70 Prozent ausmacht ... Als die Polizei in Los Angeles einen zehnjährigen mexikanischen Jungen aufgriff, kam sie sogar auf die Spur eines neuen Sklavenhandels. Der Knabe war im Kofferraum eines Wagens über die mexikanische Grenze geschmuggelt und für 500 Dollar an einen reichen Homophilen ... verkauft worden ... " Auch für die DON-Redaktion ist Pädophilie und Homosexualität noch ein und dasselbe.


Hier wird nicht ein schwules Lieblings-Sex-Thema (wie kriege ich den Hetero ins Bett) behandelt, sondern der Versuch unternommen, den Leser durch übertriebene Schilderung von allerlei Klischees grundsätzlich gegen Vorurteile (Klischees) ein wenig zu sensibilisieren.


Mehr über die Jungs und den Fotografen (Manfred Rudat) siehe DON 11/1976. 


Bei dem Beitrag handelt es sich keineswegs um schwule Wunsch-Phantasien, vielmehr ... "Im April 1976, auf dem Jahrestreffen amerikanischer Historiker, veröffentlichte Professor B.R. Burg von der amerikanischen Arizona State University erste Ergebnisse seiner umfangreichen Forschung über das Sexualleben der Piraten im 17. Jahrhundert. Er stellte DON das Manuskript seines Vortrages zur Verfügung, aus dem wir in dieser und weiteren Folgen die wichtigsten Teile veröffentlichen werden ... "

Montag, 27. August 2012

DON - The German Gay Magazine 1976 (Heft 7 bis 8)


DON 7/76 erscheint im Juli 1976.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973
Redaktion, Bildredaktion, Leserbetreuung siehe DON 12/1975


Wenn ich hier zum wiederholten Mal sage, dass auch dieses Vorwort nicht von Guy GilbertGünter Goebel verfasst wurde, komme ich mir langsam ziemlich fies vor. Aber dass da "Herzlichst Ihr Guy Gilbert" drunter steht, hat wahrscheinlich folgenden Grund: Das erste Thema  - Engagement für Minderheiten und die "ekelerregende Art" von Journalisten "einem sensationslüsternen Leserkreis einen schwulen Sündenpfuhl aufzutischen" - stammt von mir, während der letzte Absatz - "Sicherstellung" von DON bei kleinen Kiosbesitzern - von dem Verleger  Henry Ferling ergänzt wurde.


Um Käufer zu angeln und zu halten ging man - bei den marktrelevanten Homo-Zeitschriften (DU&ICH, him, ADAM und DON) - bei der Bildauswahl gerne bis dicht an die gesetzlich zulässige Schwellungsgrenze. Das Modell mit leichter "Schwellung" war seinerzeit ein recht bekannter Kölner (Düsseldorfer?) Callboy, der seiner Kundschaft u.a. auch hübsche Türkenbuben zur "Unterhaltung" bot. Bekannt geworden ist er auch durch Mitwirkung in den ersten deutschen Schwulenpornos (Super-8-Filme); unter der "Regie" des Produzenten Günter Goebel.


Eine Übersetzung aus dem (heterosexuellen) 'San Francisco Chronicle' (seit 1880 Nordkaliforniens auflagenstärkste Zeitung), in dem  die Autorin Ruth Stein über Anstrengungen staatlicher, kirchlicher und vor allem auch homosexueller Organisationen berichtet, junge Prostituierte (14-18 Jahre), zumeist heterosexuelle Jungs, die von zuhause ausgerissen waren, zu ihren Familien zurückzubringen und wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Folgende Abbildung, linke Spalte = Schluss der Übersetzung, die vermutlich von Johannes Werres stammt.


Manuskripte mit Homo-Geschichten machten den Verleger  Henry Ferling besonders glücklich. Diese DON-Ausgabe war mal wieder mit fünf solcher Stories aufgefüllt.


Ich fantasiere über eine "Transvestitenpille" und "Lutschmäuse" in Hinterindien, informiere über Virilismus (eine ausgeprägte Androgenisierung der weiblichen Körper- und Geschlechtsmerkmale, welche sich deutlich maskulin verändern) und "Greg", die 181 cm grosse aufblasbare, elektronisch aktive Männerpuppe, über Scherzartikel, Gebäck und Aschenbecher in Penisform sowie den 'locking butt plugger' für Herren und Sklaven 'for that unendurable ecstasy'.


Über den Österreicher Hans John = Hans Möstl = Johann Möstl, der hier in einem Portrait vorgestellt wird, steht schon etwas beim Vorwort zu DON 5/1975. Und obwohl obiger Text ganz offensichtlich von mir stammt, muss ich zugeben, dass ich Möstl weder persönlich kennengelernt habe, noch jemals eine Ahnung davon hatte, was er bei DON eigentlich machte bzw. zu dem Magazin beigetragen hat.

Einige Aktfotos in DON mögen von dem "Fotografen und Filmer" stammen, die Masse der Bebilderung zwischen 1972 und 1976 stammte aus unterschiedlichsten Quellen, z.T. von Bildagenturen sowie von zahlreichen Laien- und Semiprofi-Fotografen. "Hans fotografiert zwar hauptberuflich für DON", wie es im obigen Text heisst, ist gelogen. Möstl fotografierte hauptsächlich  nackte Mädchen.

Warum das Möstl-Märchen vom 'DON-Bildredakteur' über mehrere Jahre und per Impressums-Eintrag permanent wiederholt wurde, war mir immer ein Rätsel. Möglicherweise hat er in diesen Jahren auch beim Layout mitgewirkt (wie bei ADAM). Ich vermute, er war u.a. jener Kameramann, der für Günter Goebel die ersten deutschen Schwulenpornos (Super 8) filmte (?).


Linke Seite: Hier beginnt meine längere Auseinandersetzung mit der Münchner Schwulengruppe VSG (= Verein für sexuelle Gleichberechtigung, im Artikel fälschlich VGS) und der ...

">Emanzipation< heisst das Organ der homosexuellen Aktionsgruppen von München, Nürnberg, Stuttgart, Tübingen und Würzburg, das wir unseren Lesern im Mai-Heft empfohlen haben, und mit dessen Ausgabe 2/76 sich unser Redakteur Jens hier einmal kritisch euseinandersetzt:
Was ich nicht mag, ist das Wort >Einseitigkeit<. In allen Lebensbereichen. Und schon gar nicht im homosexuellen bereich. Denn eben diese Einseitigkeit wird uns von anderen vorgeworfen. Das Emazipations-Heft ist engagiert und in mehreren Passagen hilfreich informierend. Aber der überwiegende Teil ist - einseitig. Von Leuten gemacht, die scheinbar eine das Gesichtsfeld einengende homosexuelle Brille tragen ... "

Besonders auf die Palme hatte mich der Emanzipations-Artikel "Freund und Helfer, Deine Klappe" gebracht. Der Autor fordert Freizügigkeit und Gleichheit und meinte - das Recht auf schwulen Geschlechtsverkehr in öffentlichen Bedürfnisanstalten. Davon wird in folgenden DON-Ausgaben noch die Rede sein.

Als einseitig kritisiere ich auch den 6seitigen Beitrag zur "Erklärung des Vatikan", ein Papier, das neben der Verdammung von Homosexualität, gleichermassen diskriminierend Onanie, vorehelichen Geschlechtsverkehr und überhaupt menschliche Liebesbeziehungen (soweit sie nicht in der Ehe stattfanden) verurteilte.

Nicht minder sauer reagiere ich auf einen Nachdruck aus dem REVOLT Schwulenmagazin "Gespräch in Berlin (DDR)", der die Homosexuellen in der DDR - einseitig - quasi als Märtyrer darstellt, wobei ich aus der Erfahrung des im Westteil aufgewachsenen Berliners doch am eigenen Leib erfahren hatte, dass die Zustände in Ost-Berlin längst liberaler gehandhabt wurden, als im bundesrepublikanisch geprägten West-Berlin.

Rechte Seite: Der Verfasser des Beitrags "Das Holz, aus dem die Superstars geschnitzt sind" (der nullkommanichts mit Homosexualität zu tun hat), ist angeblich Kurt-Joachim Foersters. Nun hat sich dieser Mann wahrlich nicht als Autor einen Namen gemacht. Und da ich tatsächliche 'Ergüsse' Foersters kenne, halte ich es für ausgeschlossen, dass  dieser flott und flüssig formulierte Artikel, der obendrein eine profunde Kenntnis von Filmgeschichte und Schauspielern voraussetzt, aus Foersters Feder stammt.


DON 8/76 erscheint im August 1976.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973
Redaktion, Bildredaktion, Leserbetreuung siehe DON 12/1975


"Lieber Leser! Dieser Tage bekamen wir eine bittere Pille verschrieben. Dr. T. M. aus Berlin hatte über uns diagnostiziert: .., die Stories sind stilistisch allesamt grauenhaft, läppisch, künstlich munter, tunrig, kitschig, oberflächlich, voll Lüge, unerotisch und ohne Substanz. Die Fotos zeigen unappetitliche, ungepflegte und törichte Gestalten ... Raritäten der Geschmacklosigkeit ... primitiver Geilheit ... zum Kotzen eitel und nichts als schwul ... DON existiert von der Not und Einsamkeit vieler Schwuler und nicht weil es grossartig ist. Oh, Eitelkeit! Selbst Ihre Kritik ist selbstgefällig ..."

Selbstverständlich wehre ich mich gegen diese undifferenzierte, deftig-polemische Kritik: "... Dr. T.M. möchte DON im Stil von Westermanns Monatesheften sehen ... Viel scheint Dr. T.M. vom Menschen allerdings selbst nicht zu halten, haut er mit seiner Kritik doch nicht nur unserer Redaktion das Magazin um die Ohren, sondern diskriminiert damit zehntausende (!) von DON-Lesern. Wie wahr sagt doch Helmut Schmidt: Hochschulabsolventen sollen sich endlich das Elitedenken abschminken. ..."

Allerdings erinnere ich mich, diese Leserkritik ganz bewusst auf prominenter Vorwortseite plaziert zu haben, und zwar nicht nur um damit auf eine DON Leserumfrage überzuleiten (siehe weiter unten "Wie es Euch gefällt"), sondern weil sie meiner (ganz privaten) DON-Beurteilung nicht ganz so unähnlich war. 

Mit nicht gar so drastischen Worten hatte ich in den zurückliegenden Monaten gegenüber  Henry Ferling wieder und wieder argumentiert, dass mit diesem Bildmaterial (das Farbfoto neben obigem Vorwort illustriert Dr. T. M's. Mängelliste hervorragend!) und diesen Inhalten keine Auflagensteigerung zu erreichen sei. Darum geht es einem Verleger doch schliesslich. Der Leserbrief des Dr. T. M. - er war ja nicht der einzige, der sich sehr kritisch über DON ausliess - kam mir gerade recht, um ihn allen die DON (ohne Ziel und Richtung) machten, "um die Ohren zu hauen".




6 Jahre nach dem berühmten "Schwulen-Aufstand" in der New Yorker Christopher Street beschreibt DON-Autor Patrick Schneider erstmals (!) in dem Schwulenmagazin DON was sich damals zugetragen und wie es sich auf die Schwulenbewegung, zunächst in den USA, letztendlich aber auch in weiten Teilen der westlichen Welt auszuwirken begann. Die negative Überschrift ist für mich, da ich den ganzen Beitrag nicht mehr vorzuliegen habe, nicht nachvollziehbar.


Meine Idee, der Mai-Ausgabe einen Fragebogen beizufügen und so die Heft-Käufer DON beurteilen zu lassen, hatte - siehe obige Anmerkungen zum Vorwort - nur einen einzigen Grund: ich wollte den Verleger dazu bewegen, der Zeitschrift eine neue Richtung und eine neue Optik geben. Sowohl die Ausarbeitung der Fragen, vor allem jedoch die Auswertung (und Analyse) der Antworten bedeuteten für mich, wie es eingangs heisst, eine "Heidenarbeit", bei der ich übrigens von keinem unterstützt wurde (und schon gar nicht von dem links abgebildeten Johann Möstl).

Exakte Zahlen erinnere ich selbstverständlich nicht mehr, aber dass wir 876 ausgefüllte Fragebogen erhielten, ist eine (masslose) Übertreibung. Dass ich die Umfrageergebnisse - im Sinne des Magazins - manipuliert habe, da bin ich ziemlich sicher. Ich kann jedoch nicht mehr sagen, bei welchen und wievielen Fragethemen und - wenn ja - wie dezent oder stark. Insofern sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu geniessen.

Die sowohl im Vorwort als auch hier eingangs zitierten Negativ-Kritiken waren mit Sicherheit Ausnahmen. Wer regelmässig (sehr viel!) Geld für eine Zeitschrift ausgibt, schreibt nicht 'das Blatt ist Mist'. Das grosse Problem solcher Umfragen ist, dass ihre Ergebnisse nicht repräsentativ sind. In der Mehrzahl beteiligen sich nämlich aktive Menschen (ausfüllen, Briefumschlag, Briefmarke, Briefkasten), vor allem auch solche, die entweder sehr begeistert sind oder endlich mal ihre Kritik loswerden wollen.