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Montag, 21. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 4)


DON 4/1984 erscheint im April 1984 im Verlag Henry Ferling, Darmstadt. Die Redaktionsleitung mit Dorin Popa sitzt in Herrsching am Ammersee. Mitarbeiter sind Peter Thaler (der Name sagt mir nichts mehr) und Achim Ehlert (= Ejo Eckerle).

Ab dieser April-Ausgabe habe ich die Mitarbeit an dem schwulen Magazin eingestellt. D.h. nach 11jährigem Engagement (inkl. einer dreieinhalb-jährigen Unterbrechung während der Talis-Redaktionszeit), das ergibt summa summarum 90 DON-Ausgaben.

Dass ich im Juli 1983 (als Michael Albert) noch einmal voll eingestiegen bin (neues Layout, mit neuen Autoren und Fotografen) ist nur als Freundschaftsdienst für den Menschen Henry Ferling zu verstehen, der nach den dramatischen Auflagenverlusten in der Ära Talis ziemlich rat- und hilflos war.


" ... Sämtliche Sanyassins Berlins waren in die bewegungseigene Disco >Far Out< geladen worden ... 'Einschneidende Massnahmen' seien zu beratschlagen ... es ging um AIDS! Nach Lederclubs und Gesundheitsorganisationen hatte sich nun auch Bhagwan Shree Rajneesh eine Meinung zu dieser lebensbedrohenden Krankheit gemacht ... die Sanyassins wären als promiskuive Bevölkerungsgruppe ähnlich gefährdet wie die Schwulen etwa ... Lösung: Man transzendiert den Sex, trockenbumsen ist angesagt ... Lösung: Präser und Gummihandschuhe ... Kein Wort über Ansteckungstheorien und Forschungsergebnisse, keine konkreten Informationen konnten die Anhänger mit ins Bett nehmen ... "


Aufnahmen von meinem Freund Tony Patrioli, Mailand, dessen Webseite ich HIER empfehle.


Tom of Finland: " ... die erste bundesdeutsche Ausstellung von Toms Original-Zeichnungen ... Galerie Janssen * ... "
                                                  * gegründet Ende der 70er Jahre von Volker Janssen und auch im Jahr 2014 immer noch an gleicher Stelle.

Zivildienst: " ... aufgrund der Vorkommnissse der letzten Zeit geht die Selbstorganisation der Zivildienstleistenden davon aus, dass viele Schwule sich für den Zivildienst entscheiden, um der schwulenfeindlichen, männerstrotzenden Bundeswehr zu entgehen ... auch im Zivildienst nicht ihrer Orientierung entsprechend leben, da viele heterosexuelle Kollegen ... die Diskriminierung genauso praktizieren wie bei der Truppe ... "

Frankfurt: "Die >Klappe<, das schwule Filmprogramm in Frankfurt, sucht Amateurfilme von Schwulen und Lesben ... für das Filmfest ist der September '84 vorgesehen ... "

AIDS: "Zur Vermeidung von AIDS-Übertragungen durch Bluttransfusionen und -präparate wird die Münchner Gesundheitsbehörde künftig die Urinproben von Blutspendern auf erhöhte Neopterinwerte untersuchen ... "

AIDS: "Affen-AIDS, in seinen Symptomen dem AIDS bei Menschen ähnlich, wird durch ein sogenanntes Retrovirus ausgelöst ... Forscher der University of California ... entdeckten diesen bisher unbekannten Erreger ... "

Rosa Winkel: "Am Institut für Erziehungswissenschaften in Münster wird eine Dissertation über das Schicksal der Homosexuellen im Dritten Reich erarbeitet ... Angesichts der vollkommen ungesicherten Materiallage .... bittet das Institut um Unterstützung ... "



Linke Seite: "Die Zeit der Muskelmänner scheint angebrochen zu sein. Selbst der grösste Trendverweigerer kann seine Augen nicht vor dem neuen Männerkult verschliessen, der in Filmen vorgehechelt, auf Plakaten vorgeführt und in Zeitschriften vorgeschrieben wird. Nicht selten wird dabei dieser Sport-Appeal ins schwul-geile Eck gedrängt ... "

Rechte Seite: "Mann-Sein heisst die Devise. Stark, muskulös und schön ... Die Schwulen haben es inzwischen begriffen und bevölkern eifrig die zahlreichen Bodybuilding-Studios. Ein neuer Typus Mann hat sich in unseren Köpfen festgesetzt. Er scheint direkt den amerikanischen Hochglanzprodukten aus der COLT- und FALCON-Schmiede entsprungen ... "


Foto Mike Arlen, London


"Die 34. ... 'Berlinale' ... hatten diesmal nicht so viel Schwules im Film anzubieten wie im vergangenen Jahr. Der sehr literarische, umstrittene Streifen >Giarres< von Reinhard von der Marwitz wurde genauso abgelehnt, wie die Filmgroteske >Der Sprinter< und die sehr amerikanisch wirkende Komödie >Crash< von Rüdiger Tuchel und Christian Sievers, über ein Filmteam und unerfüllte (schwule) Liebe. Diese Filme wurden ebenso wie Lothar Lamberts >Paso Doble< nur auf der Messe gezeigt ... Olaf Stüben sah sich für die DON-Leser auf der Berlinale um ... "


"Schwules Kino - meist hört man mehr darüber, als man tatsächlich zu sehen bekommt. Abgedrängt in Spätvorstellungen führen schwule Filme immer noch ein Gettodasein  ... Was man an schwulen Filmen gemeinhin zu sehen bekommt, sind immer die ewig gleichen Streifen, bis zum Erbrechen ... Diese Situation war für die beiden Frankfurter Bert Tonak und Michael Kloss der entscheidende Auslöser, es mit einem schwulen Kinoprogramm zu versuchen ... "


Eine ziemlich wahre Geschichte: Im Libanonfeldzug 1982 zwang Israel die PLO zum vollständigen Rückzug. 10 Wochen lang wurde der Westen Beiruts von den Israelis belagert und in Schutt und Asche gelegt. Der junge Libanese Ahmed, der einen guten Job in einem Textilhandelsbüro gehabt hatte, musste fliehen - nach Deutschland. Zwei Jahre lang durfte er als Asylant hier keine Beschäftigung annehmen ...

Donnerstag, 17. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 2)


DON 2/1984 erscheint im Februar 1984 im Verlag Henry Ferling, Darmstadt. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" aus: Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M.A. Reimer), Achim Ehlert (= Ejo Eckerle) und Dorin Popa.

Titelseitenfoto Mike Arlen, London


Quick-Reporter Peter Franz steigt hinab in den "Seuchensumpf" Berlin.

"Wenn QUICK ... seinen Lesern Homosexuelles auftischt, dann dampft es mächtig aus der schwulen Klischee- und Zerrbildküche. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der homosexuellen Minderheit hat in diesem bunten Illu-Blatt noch nie stattgefunden. Die 2,5 Millionen bundesdeutschen Schwulen existieren für die QUICK-Redaktion nur dann, wenn man mit ihnen Leser aufgeilen kann. Oder wenn sich mit ihnen ein Schocker fabrizieren lässt. Wie jetzt vor Weihnachten. Da hat es QUICK wieder einmal fertiggebracht, antischwulen Sprengstoff mit tränenverschmierter Druckerschwärze hochgehen zu lassen ... "

Anmerkung: Die Illustrierte QUICK, 1946 bis 1992, gehörte ab 1966 zu dem volksverblödenden Journaille-Repertoire des Hamburger Heinrich Bauer Verlag


"Tanztheater und Travestie, Feiern und Diskussionen, Fassbinder-Drama und Unbekanntes stand Ende Dezember im experimentierfreudigen Frankfurter Theater am Turm auf dem Programm. Unter Leitung von Elmar Kraushaar mischten sich Männer, Frauen, Nichtschwule, Bewegungsprominenz und schillerndes Unbekanntes zu einem Potpourri homosexueller Künste ... "


Fortsetzung der Serie ab DON 10/1983: Textauszüge aus "Handbuch der gesamten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellungen", Band III, Die Homosexualität des Mannes und des Weibes von Sanitätsrat Dr. med Magnus Hirschfeld, 2. Auflage, Louis Marcus Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1920.

Farbfoto: Gambera, Sizilien


Hirschfeld: " ... Manche Urninge bedienen sich zu ihrer Verständigung der Anschlagsäule, wo sie mit Bleistift nur dem Eingeweihten verständliche Zeichen und Zeitbestimmungen hinkritzeln. Häufiger aber leistet, wenn auch wohl fast stets unbewusst, die Presse den Urningen Mittlerdienste. In manchen Blättern findet man fast täglich mehrere Inserate, die homosexuellen Zwecken dienen ... Älterer Herr, kein Damenfreund, sucht Bekanntschaft mit Gleichgesinnten .... Älterer Junggeselle wünscht gleichgesinnten Anschluss ... Junggeselle, gut. Ges., sucht freundschaftl. Verkehr m. led. gleichges. Herrn in älteren Jahren ... "

Die Karikatur stammt von dem bekannten Cartoonisten Rudi Hurzlmeier, der zur gleichen Zeit auch für ADAM Karikaturen zeichnete.


Die Kießling-Affaire, von 1983 bis 26. März 1984, in deren homophober Drecksbrühe u.a. das >Amt für Sicherheit der Bundeswehr<, die Kölner Kriminalpolizei, die Kölner Schwulenkneipen >TomTom< und >Café Wüsten<, der Verteidigungsminster Manfred Wörner (CDU), der schwule Schauspieler Alexander Ziegler und der Stricher Achim Müller mitmischten.

"Monate vor der freiwillig vorgeschlagenen vorzeitigen Pensionierung musste Vier-Sterne-General Günter Kießling am 30. Dezember in Bonn die Entlassungsurkunde entgegennehmen. Ohne jedes militärische Zeremoniell wurde er, einer der höchsten deutschen Offiziere, aus dem Dienst entlassen. Als 'Sicherheitsrisiko', das die deutsche Presse nach verschiedenen Andeutungen in der mutmasslichen Homosexualität Kießlings begründet zu sehen glaubte ..."

Mittwoch, 6. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Heft 8)


DON 8/1981 erscheint im August 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.



"An die Verbrechen, die unter der NS-Diktatur homosexuellen Menschen angetan worden sind, erinnern die Verfasser des folgenden Aufrufs. Das bittere Wort, nach dem für die Homosexuellen das "Dritte Reich" noch nicht vorbei sei, lasse sie nicht unberührt ... "

Erstunterzeichner, s. letzter Absatz:
Farbfoto rechte Seite: Mike Arlen


17.-21. Juni 1981, 19. Evangelischer Kirchentag, Hamburg, Motto "Fürchte dich nicht"

Eindrücke von der Hamburger Schwulen- und Lesbenwoche. 16. Juni 1981:  " ... das Auditorium Maximum der Uni Hamburg ... füllt sich langsam mit ungewöhnlichem, weil nicht-studentischem Publikum: schwule Männer in der Überzahl, etliche Frauen, wenig Heterosexuelle. Thema des Abends:§ 175 - Unrecht ohne Ende. Es ist unangenehm halbvoll, 'nur' 800 mögen es sein, nicht überraschend, der Kirchentag beginnt ja erst am nächsten Tag ... "


* Homos auf dem Kirchentag: Das Kreuz mit den Parteien
* Die finnische Regierung verstösst mit ihrer Behandlung von Schwulen gegen die Schlussakte der UN über Menschenrechte
* Weisses Haus dementiert US-Präsident Ronald Reagans Anti-Gay-Äusserungen
* Am 12.6.1981 eröffnet in Hamburg der schwule Buchladen "Männerschwarm"
* Norwegen berät einen Gesetzentwurf, der Diskriminierung Homosexueller strafbar machen würde
* "Mehrere Hundert schwule und lesbische Juden ... nahmen an ihrer 6. internationalen Konferenz ... in Philadelphia teil ... "
* Bekanntes katholisches Geschwafel: Die Kirche muss sich " ... mit Anstand um eine vernünftige Sinngebung des Grenzfalles Homosexualität bemühen."


Interessenten stelle ich eine lesbar grosse Bilddatei dieser Seite zur Verfügung.


Linkes Farbfoto: Manfred Rudat


So sicher wie der Hase zu Ostern, tauchte in den Homo-Publikationen der Nachkriegsjahrzehnte regelmässig das Schwulen-Idol Zarah Leander  auf. Der während der Nazi-Diktatur vom Massenmörder Hitler verehrte, umjubelte, höchstbezahlte weibliche Filmstar Nazi-Deutschlands wurde von den schwulen Schreibern ausschliesslich im Tenor hin- und hergerissener Homo-Verzückung gefeiert ... wie auch in diesem Nachruf, der ohne ein einziges kritisches Wort, dafür aber mit grossformatigen Glamourbild glänzt.

Anstelle des ebenso daherjubelnden, harmlos-unkritischen Wikipedia-Eintrages setze ich hier den Link zu einem Beitrag in DIE WELT vom 14.3.2007: Die grosse Lüge der Zarah Leander

BUECHER

Über die niemals zu irgend einer Bedeutung, geschweige denn erwähnenswerten Auflage, gelangte Modezeitschrift Der Mann:
"... Acht Seiten hat >Der Mann< diesem unserem Thema in einem Sonderheft 'Special' eingeräumt. Eine der wenigen 'normalen' Zeitschriften, die in letzter Zeit einmal objektiv, rein sachlich und vorurteilsfrei über uns, die Homosexuellen, berichtet hat."
Auf dem Titel hat >Der Mann< das Homothema dann aber lieber nicht erwähnt.

Auch Du, Cäsar... "... Der Inhalt umfasst die grossen Leitfiguren von der Antike, der Renaissance bis in die Gegenwart, von Plato, Alexander, Cäsar, Leonardo, Michelangelo, Friedrich II, Ludwig II bis Krupp, Röhm, von Cramm, Gide, Cocteau, Genet, die Thomas-Mann-Familie [!] und Gustav Gründgens."

Der Eigene "des Berliner Buchhändlers und Schriftstellers Adolf Brand (1874 - 1945) erschien erstmals im Jahre 1896 und wurde unter dem Druck des Nationalsozialismus Ende 1931 eingestellt. Nun hat der Publizist und Literaturwissenschaftler Joachim S. Hohmann (der Link führt zu DON 3/1977) dieses dokumentarische Lebenswerk ... wieder zusammengetragen und um zusätzliches Bild- und Textmaterial sowie faktenreiche Essays erweitert ... "
Erschienen im Foerster-Verlag Frankfurt/Berlin (siehe Kurt-Joachim Foerster)

Sonntag, 3. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Hefte 6 bis 7)


DON 6/1981 erscheint im Juni 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Drei der sieben 'Leserbriefe' sind Informationen/Verlautbarungen von Homosexuellen-Gruppen.

Aus der Reihe fällt ein 'Leserbrief' von Kurt-Joachim Foerster (der sich hier als Berliner bezeichnet). Der schwule (Porno)Versender (ab 1975) und Verleger (ab 1977) hat "Kataloge gewälzt", um den DON-Lesern einen Preisvergleich für (schwule) Reisen von Swing Tours Reisen, Mainz und Man Tours, Berlin, dezidiert vorzurechnen "den ich Ihnen nicht vorenthalten will".

Warum?



Das ist die Kurzgeschichte von him / him applaus, vom Mai 1970 bis zum April 1981, von dem Sex-Verleger Helmut Rosenberg, den Chef/Redakteuren Udo Erlenhardt, Dieter-Michael Specht, Hans-Peter Reichelt und Michael Hartleben. Geschrieben hat sie Johannes Werres und zwar unter einem seiner unzähligen Pseudonyme: Urs Kent. Schon das ist erstaunlich, denn der Autor (der nie je in him etwas veröffentlicht hat / veröffentlichen durfte?) schreibt diesen Beitrag informativ, sachlich und (ausnahmsweise mal) ohne Häme. Ebenso erstaunlich ist, dass der gegenwärtige DON-Macher Gerd Talis, der Hans-Peter Reichelt persönlich kannte, das Ende dieses ausgezeichneten und in seiner Bebilderung unvergleichlichen Schwulenmagazins nicht selber kommentiert.


Das Farbfoto - Hund mit Halberektion - ist eine typische Mike Arlen Aufnahme.


Meyers Grosses Universal Lexikon (die 15 Bände erschienen von 1981–86) "galt als ein Werk, das auf liberaler Grundlage und in erzieherioscher Absicht fortschrittliches Wissen und aufgeklärte Geisteshaltung förderte." Während der Artikel über Homosexualität "von wohltuender Abgewogenheit geprägt ist", sind Einträge über Perversion, Transvestismus, Masochismus und Sadismus noch alten Denkschemen (gesundes Volksempfinden) verhaftet.

Top-Versand-Anzeige: "V-Body, aufregender Body & Playdress, auch als Slip-Hemd-Kombination tragbar oder zu Jeans als Muskelhemd (siehe links). Superelastisch, lackschwarz, feuchtglänzender Wet-Look (83% Perlon und 17% Lycra, gechintzt), mit rotem Top-Man-Zeichen (Flockprägung) ..."

In der Anzeige modeln Laien. Die im Katalog 1981/82 posierenden Profi-Models durften nicht in schwulen Magazin-Anzeigen erscheinen.


"Das deutsche Nachrichten-Magazin beschäftigte sich in seiner Ausgabe Nr. 16 vom 13. April 1981 gleich zweimal mit 'unserem' Thema ... die Beiträge 'Verfall und Untergang' auf den Seiten 87-91 sowie 'Zug abgefahren' (246-251) ... Wir zitieren uns wesentlich erscheinende Abschnitte hier nochmals ... "

Dank Digitalisierung können beide Artikel online im SPIEGEL-Archiv nachgelesen werden.



DON 7/1981 erscheint im Juli 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Am 13. April 1981 feierte die französische Homo-Zeitung Le Gai Pied zweijähriges Bestehen. Während eines aus diesem Anlass veranstalteten Gala-Abends im Pariser >Théatre Le Palace< sprang der Schriftsteller Yves Navarre auf die Bühne und verlas eine Botschaft des französischen Sozialistenchefs François Mitterand (vier Wochen vor Mitterands Wahl zum Staatspräsidenten):

"Ich möchte Ihnen hiermit zu dem Engagement und dem notwendigen Erfolg Ihrer Demonstration vom 4.4.1981 ebenso gratulieren wie zu Ihrem heutigen Festtag. Ich bin in Gedanken bei Ihnen. Der Kampf für Ihre Sache und Frohsinn gehören zusammen. Ich bitte Yves Navarre für mich zu bezeugen, dass ich mich Ihrer Suche nach einer neuen Form menschlichen Zusammenlebens mit Sympathie anschliesse. Hindernisse, die dem entgegenstehen, müssen gegebenenfalls durch gesetzgeberische Massnahmen beseitigt werden. Mit freundlichen Grüssen, Ihr Francois Mitterand."

Letzter Satz dieses Beitrages von Gerd Talis: " ... Es ist noch ein weiter Weg, bis der deutsche Bundespräsident den Homosexuellen Grussadressen schreibt. Wir müssen den Grund dafür auch bei uns selber suchen."


Die Auseinandersetzung um die Abtreibung polarisierte die Gesellschaft bis in die 1990er Jahre in zwei Lager (konservativ/bürgerlich/„rechts“ und „links“). 

Wenzel Böhmak (Pseudonym), der regelmässig ganz grossartige, informative und 'schwul-historisch' bedeutsame Beiträge in DON veröffentlichte, war in einigen Lebensbereichen einem radikal konservativen Denken verhaftet, was während meiner Redakteurszeit dazu führte, dass ich auch schon mal ein Manuskript von ihm ablehnte.

"Kein JA zur Abtreibung" ist nicht nur eine ziemlich bescheuerte, abstruse Vermischung zweier (und mehr!) Probleme - Abtreibung und Homosexualität - sondern obendrein in Diktion und Wortwahl unverantwortlich, unflätig und abstossend **, ganz abgesehen davon, dass die Auseinandersetzung über Abtreibung m. E. in einem schwulen Magazin nullkommanichts verloren hat.

** Beispiele
Abtreibung = Homo-Zukunfts-Killer ... Selbstausrottung der Deutschen
Alice Schwarzer = ... du bist keine Hexe. Du bist etwas viel Schlimmeres: Herrenmensch à la Goebbels, der dich um deine Perfektion beneiden müsste in seinem Grab
Atomrüstung - Müssen wir Deutschen sterben, damit die USA und China leben? Übertreiben wir nicht in punkto Atom-Kraft-Lager-Bereitschaft?

Schlussworte des Autors: " ... Ich bin dagegen, dass Europa [???] abgetrieben wird. Schluss mit jeder Art von Abtreibungen in Europa. Homosexuelle, lasst euch nicht mehr in die Mäuschenfallen der Prinzipienreiter locken! Und lasst die Frauen Frauen sein."


Links: ein Aufruf eines Aktionskomitees, verantwortlich Prof. Dr. Helmut Kentler, zur Streichung des § 175 StGB

Bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 10. Mai 1981 verzeichnete die F.D.P. massive Stimmeneinbrüche und kam mit 5,6% nur noch knapp über die 5%-Hürde. Der Beitrag von Tassilo analysiert Gründe: " ...Das Versprechen der F.D.P. vor dem 5. Oktober 1980 [Bundestagswahl] hat sicher manchen Wähler bestimmt, sein Kreuzchen für die Liberalen abzugeben. Kurz danach jedoch erfuhr man, dass das selbstverständliche Menschenrecht der Homosexuellen auf Gleichberechtigung nach einer schnoddrigen Bemerkung von Helmut Schmidt [die dieser bis heute leugnet!] unter den Tisch gefallen war ... Politiker, die sich so verhalten, dürfen sich nicht wundern, wenn sie nicht mehr geachtet werden ... "




Mike Gernsler über den 21jährigen Star-Pianist, den Kroaten Ivo Pogorelich: "... Wenn Ivo die Bühne betritt, erinnert er an einen Popper. Sein Selbstbewusstsein ist beeindruckend - ein aufregender Pianist. Sein verhalten zu seinen Zuhörern ist absolut 'cool'; doch wenn er in hautengen schwarzen Lederhosen - obenrum mit einer weissen Bluse drapiert - Chopin spielt, sind die Menschen aller Altersgruppen von ihm einfach hingerissen ... "

BENT in Berlin: " ... Relativ wenig Notiz nahmen die Medien ... von der Homosexuellen-Tragödie >Bent<, die ... nun in der Werkstatt des Schillertheaters auf die Bühne gebracht wurde. Das Stück von Martin Sherman behandelt das Thema der Schwulenverfolgung im Dritten Reich ... "

Sonntag, 25. August 2013

DON - The German Gay Magazine 1980 (Heft 8)


DON 8/1980 erscheint im August 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Eine Übereinstimmung zeigt die neue Redaktion (Gerd Talis) mit der alten (Jens M. A. Reimer): kritisch hinterfragen beide immer wieder homosexuelles (Trieb)Verhalten, die Sub (Subkultur) und den homospeziellen Tunten-Fummel-Spleen ... was in der Vergangenheit manch ein Leser als vorwurfsvoll und belehrend kritisierte.

" ... Wir beschweren uns übers Getto - und haben uns dort so behaglich eingerichtet, dass wir den Tag verfluchen, der diese Mauern einreisst. Wie anders ist es zu erklären, dass man - wenns der Schwulen-Kalender vorschreibt - im Fummel aufgeschminkt zum 'gay pride' daherparadiert, als handele es sich nicht um eine Homo-Demonstration, sondern um die Freizeit-Veranstaltung eines Transvestiten-Cabarets ... Klappen und Parks sind 'in' wie zu Adenauers Zeiten ... Wir stecken ganz schön im Getto, über das wir uns nach aussen hin so aufregen. Es ist genüsslich schwül im Bau ... Wir können nicht mit Straps am Schenkel und Knaben-Porno unterm Arm im Konzentrationslager für Wiedergutmachung demonstrieren ... "


Vier Jahre lang konnten sich DON-Leser von den einseitig konservativen, reaktionären, alles Linke heruntermachenden Pamphleten des Johannes Werres erholen, aber nur ein gutes halbes Jahr hat es gedauert, bis die neue Redaktion dem Mann wieder ein Forum bietet.

Das Thema hier 'Drogen und Drogensucht der Jugend' (was hat das in einem schwulen Magazin verloren?) wird mit Werres bekanntem Aversions-Vokabular unterfüttert: Jazz, Halbstarkenkrawalle, Sexwelle, APO, Studentenrevolten, organisierter Terrorismus linker Jugendlicher, antiautoritäre Erziehung, gammeln-fixen-hitchhiken usw. usw.


Bei der Auswahl des Bildmaterials greift die neue Redaktion (offenbar mit geschlossenen Augen) in die alten DON-Bild-Kisten: Aufnahmen werden wiederholt (oben) oder schamlos abgekupfert (unten links, ein COLT-Bild, das sich durch seinen Moiré-Effekt entlarvt). Rechts unten typisches Mike Arlen Foto, von Mike Arlen erschienen auch viele in ADAM.


"Homo-Rechte jetzt!" Unter dieser Losung fand sich Ende Juni etwa eine halbe Million homosexueller Frauen und Männer zusammen, um 'gay pride' (schwuler Stolz) zu demonstrieren. Wer die Aufnahmen in Hamburg gemacht hat, bleibt unbekannt.

Anmerkung: Erster Christopher Street Day mit 500.000 Besuchern fand 1979 in Berlin statt.


Homo-Geschichte von Walter Hilbrecht