Posts mit dem Label Peter Schult werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Peter Schult werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 4. Mai 2014
DON - The German Gay Magazine 1984, Heft 7/8, ist die letzte DON-Ausgabe im Verlag Henry Ferling.
Die Juli/August-Doppelnummer erscheint im Juli 1984 im Verlag Henry Ferling, Darmstadt. Die Redaktionsleitung mit Dorin Popa sitzt in Herrsching am Ammersee.
Rückseitenfoto der Mai/Juni-Ausgabe Jens M. A. Reimer
Peter Schult ist tot. "Der Anarchist, Päderast und Schriftsteller hat sein Leben für die Bemühung gelassen, die Problematik der Pädasterie öffentlich thematisieren zu wollen ... Jürgen Arnold, als Freund und Anwalt Peter Schults ... erinnert sich .... 'Der Hass, das Bestrafungsbedürfnis, das sich an Peters Person festmachte und das wohl jeden Päderasten trifft, der nicht nur literarisch seinen Neigungen huldigt, hat jedenfalls keine sachliche Grundlage. Eher entschleiern sich scheinbar normale Persönlichkeitsstrukturen als neurotisch bis pathologisch in der Irrationalität, mit der sie auf solche Menschen reagieren. Eine Unmenge von schriftlichen, in juristische Gewänder gekleidete Begründungen, von erregten Plädoyers, von geforderten Strafen, die teils die von Tötungsdelikten übersteigen, haben mich diese Erkenntnis gründlich gelehrt ... ' Schult konnte als freier Mann sterben ... am 25. April in München."
Ergänzung: Lesenswert, DER SPIEGEL 12/1984: Schicksalhafter Ablauf
Farbfoto Tony Patrioli, Mailand
Zu dem rot unterstrichenen Satz habe ich gegenüber Henry Ferling schriftlich klargestellt: " ... Ich kenne Herrn Foerster nicht. Ich habe ihn auch nie kennengelernt. Und ich verspüre auch kein Verlangen, ihn kennenzulernen. D.h. Ich war nie ein Freund von Kurt-Joachim Foerster, und ich pflege mir meine Freunde selber auszusuchen ... "
Ergänzend dazu: Zu Henry Ferling hatte ich immer ein exzellentes geschäftliches Verhältnis. Allerdings war ich nie mit ihm 'befreundet', zumal ich es grundsätzlich abgelehnt habe, mit meinen Kunden/Auftraggebern private/freundschaftliche Kontakte zu pflegen.
Richtig ist, dass ich - auf wiederholte dringliche Bitten Ferlings - Herrn Foerster ein schriftliches Angebot zur Weiterführung des ADAM-Redaktion ausgearbeitet und unterbreitet habe.
New York: "Seit zwei Jahren müssen sich alle Organisationen, die mit der Stadt New York in geschäftlichen Beziehungen stehen, schriftlich dazu verpflichten, Homosexuelle bei Personaleinstellungen nicht zu benachteiligen.,.. "
Europäische Gemeinschaft: "In einer Entschliessung mit 114 gegen 25 Stimmen bei 22 Enthaltungen hat das Europa-Parmanet in Strassburg die EG-Länder aufgefordert, alle Gesetze abzuschaffen, die rechtliche Sanktionen gegen homosexuelle Handlungen zwischen einverstandenen Erwachsenen vorsehen ... "
DDR: "Zu ihrem zweiten Treffen kamen die Mitarbeiter der kirchlichen Lesben- und Schwulenkreise in der DDR am 14./15. April 1984 zusammen ... "
Rechte Seite: "... Vier Jahre schwule Buchkultur in München: Ist doch der SODOM-Buchladen nach Männerschwarm in Hamburg der zweitälteste einschlägige Buchladen in der BRD [falsch: der erste und älteste ist der 1978 in Berlin gegründete (ursprünglich Prinz) Eisenherz Buchladen]. Und das ist, nach etlichen Durchsuchungen, Beschlagnahmungen im Wert von tausenden von Mark (ersatzlos) und mehreren Prozessen, teils bereits im Anfangsjahr, wirklich ein Grund zum Feiern. SODOM ist nicht totzukriegen ... "
Linke Seite: Über die beiden Bronze-Statuen von Riace, gefunden von einem Hobbytaucher am 16. August 1972 etwa 300 Meter vor der Küste bei Riace, Provinz Reggio Calabria (Italien) und ihre für italienische Männer so bedeutungsvollen grossen 'Eier'.
Rechte Seite: Über die Brandstetter-Titel in der Goldmann-Krimireihe von Joseph Hansen (US-amerikanischer Schriftsteller). Der Protagonist, Dave Brandstetter, ist ein schwuler Privatdetektiv der Kriminalliteratur.
Ergänzung: Fire Island, eine 32 Meilen lange Düne vor Long Island, ist das Öko-Paradies der New Yorker; eine Sommerfrische für Protestanten, Juden und Schwule, die etwas erleben oder unter sich bleiben wollen ... schreibt Henryk M. Broder (auch noch im Jahr) 2003 in DER SPIEGEL: Pleasantville der Wirklichkeit
Anstelle eines Gay-Guide-Sammelsuriums schwuler Kontakt-Tipps: "Italia - wie sieht es wirklich aus? Was kann das sonnige Land dem Touristen wirklich bieten? DON fragte einen 'echten' Römer [Vincenzo Rosa] aus der Via Veneto der 'Ewigen Stadt' ... Man sollte Vincenzens Ratschläge befolgen, denn sie helfen, dass man 'Italien von innen her' erleben kann ... "
Fotos: Tony Patrioli, Mailand
Montag, 14. April 2014
DON - The German Gay Magazine 1984 (Heft 1)
DON 1/1984 erscheint im Januar 1984 im Verlag Henry Ferling, Darmstadt. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" aus: Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M.A. Reimer), Achim Ehlert (= Ejo Eckerle) und neu Dorin Popa *.
* Dorin Popa, Jahrgang 1961, übernimmt mit der Januar-Ausgabe die Redaktionsleitung (und den Umbruch) von DON, erscheint in dieser Funktion jedoch erst im Impressum der März-Ausgabe.
(" ... Richtig gelernt habe ich den Journalismus nie. Kein Studium, keine Journalistenschule, kein Volontariat, sondern vom Gymnasium an einfach gemacht. Weshalb ich nun schon über dreißig Jahre im Printbereich arbeite... " Dorin Popa im September 2012)
Das Titelbild zeigt Ryuichi Sakamoto in dem Film >Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence<. Die exakte Übersetzung des japanischen Filmtitels lautet: >Fröhliche Weihnachten auf dem Schlachtfeld<.
"Mit diesen mehr oder minder fröhlichen Schnappschüssen aus dem schwulen San Francisco wünschen wir - die DON-Macher - Ihnen allen ein mehr oder weniger fröhliches 1984 ..."
Wien: "Grund zur Sorge besteht für die Rosa-Lila-Villa, das Wohn- und Kommunikationszentrum Wiener Homosexueller. Nachdem während des Papstbesuchs ein Transparent >Jesus liebt auch Schwule und Lesben< verkündete, und zuvor noch ganze fünf Beschwerden aus der Nachbarschaft ... im Rathaus eingetrudelt waren, beschloss die Gemeinde den Abriss des Zentrums ... "
Berlin: "Auch nach Gründung eines >Instituts für Sexualwissenschaft e.V.< ... sieht die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft das Vermächtnis Hirschfelds, aus den verbliebenen Mitteln seiner Stiftung einen Lehrstuhl für Sexualwissenschaft an der Berliner Universität einzurichten, als nicht erfüllt an ... "
Münster: " ... Einen neuen Aspekt der Person und der Kunst Fassbinders offenbart eine ihm gewidmete Skulptur des Bildhauers Richard Serra. Eigens für den Innenhof des Westfälischen Landesmuseums konzipiert, besteht das Kunstwerk aus drei hohen Stahlplatten ... "
Peter Schult: "DIE GRÜNEN im Bundestag unterstützen das Gnadengesuch des an Krebs erkrankten Peter Schult ... dass jede längere Inhaftierung im krassen Missverhältnis zu seinen Straftaten und zu seiner nur noch kurzen Lebenserwartung stünde, fordern sie für den ... Todkranken Haftverschonung ... "
Bundeswehr 1 "Ob man nun seine Lust, vor anderen zu paradieren, von der Sub auf den Kasernenhof verlegen will oder staatsbürgerliche Pflichten zu erfüllen trachtet: Der Dienst an der Waffe kann für den Schwulen zum Schrecken werden, der im Selbstmord endet. Denn zu oft erwarten den Wehrpflichtigen oder den zeitsoldaten, auf dem Karriereweg vom Rotarsch zum Lametta-Träger, Vorurteile und Unterdrückung, Schikanen und Benachteiligung. trotz aller Phrasen vom 'Bürger in Uniform' ... "
Bundeswehr 2 "Die Paraderolle des schwulen Soldaten scheint der ehemalige Bundeswehr-Hauptmann Michael Lindner * gepachtet zu haben, der in kaum einem Artikel oder Buch zu diesem Thema ungehört bliebt - zuletzt in einem lesenswerten Beitrag des rororo-Bands >Unbändig männlich<. DON möchte einmal die Erfahrungen anderer hören und unterhielt sich mit Franz und Stefan über ihr Schwulsein vor, während und nach der Dienstzeit in oliv ... "
* Der Link leitet zu einem ZEIT-Artikel vom Januar 1984. Im Internet gibt es eine Reihe weiterer Artikel zu dem Thema und dem Hauptmann in diesen Jahren.
"Aids, der unbekannte, lebensgefährliche Killer, gegen den bisher noch kein Kraut gewachsen ist, hat sich einen festen Platz in den Medien erobert. Nach reisserischen Presseberichten, aber auch bemüht sachlichen Darstellungen ... von denen man das nicht unbedingt erwartet hätte, z.B. dem STERN, kommt jetzt der Run der Bücher. Während Rowohlt, rosa Winkel und angeblich auch Goldmann noch am Werkeln sind, liegt bereits die erste akribische Bestandsaufnahme dieser Seuche vor ... "
Satire: "Gefühle bringen die Männer oft zum Waschsalon. Der eine weiss nicht, was er tun soll, der andere zerfliesst vor Sehnsucht. Was eine Begegnung anrichten kann, in der ein junger romantischer Mann seine heimlichen Sehnsüchte nachts erfüllt bekommt, kann sich niemand vorstellen - aber knipsen! Lesen Sie, wie das gigantische Feuer der Liebe durch den Waschsalon tobt, wie eine überschäumende Liebe beim Hauptwaschgang den Damm der Gefühle sprengt ... "
Alle Jahre wieder ... heisst es für den Großstadtschwulen "Nach Hause!" ... zurück in die piefige Provinzstadt, in der er einst aufwuchs, in der ihn die Erinnerungen und die Eltern erwarten: "Weihnachten, Neujahr, Tage des trauten Beisammenseins, Rückkehr an die vertrauten Stätten der Kindheit. Und wenn sich die Dämmerung über dem Markt senkt, steigen die alten Ängste und Leidenschaften auf ... "
Mein Fotomodell; siehe DON 11/1983, Titel und Innenseite 2
Dienstag, 8. April 2014
DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 11).
DON 11/1983 erscheint im November 1983. Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam".
Helmut Kohls Losung von der 'geistig-moralische Wende' zeigt Wirkung [seit dem 6.3.1983 ist Kohl Bundeskanzler]. Sozialökonomen fordern, dass der Versicherte die Behandlung für 'Selbstbeschädigungen wie Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Lungen- und Bronchialkrebs, Sportunfälle und Geschlechtskrankheiten' künftig selber zahlen soll. Aus dem Ministerium des Ministers Blüm verlautete, dass man der Idee grundsätzlich zustimme .... Beängstigende Aussichten angesichts des akuten Aids-Dramas und der zunehmenden Aids-Panikmache.
Guido Vael antwortet (für den VSG e.V. ?) auf den Artikel >Widerwärtiger als 'soziallästig'< im September-DON. Er attestiert der Ausdrucksweise des Artikels/Autors 'Menschenverachtung'.
Zeitgleich schwappt zu diesem und anderen kontroversen September-Artikeln eine Leserbriefwelle in die DON-Redaktion, deren Verfasser mit Ausdrücken wie 'Rufmord ... Dreckschleuder ... Schwule in den Dreck ziehen ... Schmierenblatt ... ' munter um sich werfen. Dazu die Redaktion:
"... es macht den Anschein, dass DON seine Münchener Leserschaft im September veracht- wenn nicht verzwölffacht hat. Denn in diesem Monat rauschte ein wahrer Sturzbach empörter Lerserbriefe [von Uli Grünert, Georg Cruse, Alfi von Wiedersperg, Thomas Kylau...] auf uns hernieder. Zu 90 Prozent aus München. Der Schein trügt! Denn die Brieflawine aus München wurde inszeniert ... Uns tut es leid um manch interessanten Gedanken in Münchener Briefen, der es gelohnt hätte, ihn einer breiten Leserschicht bekanntzumachen. Aber an einer ferngesteuerten Inszenierung werden wir uns nicht beteiligen ... "
Die Karikatur stammt von dem bekannten Cartoonisten Rudi Hurzlmeier, der zur gleichen Zeit auch für ADAM Karikaturen zeichnete.
Berlin Museum: "Nach Auffassung des Berliner Museumsdirektors Rolf Bothe hat ein Stadtmuseum die Aufgabe >Aspekte der verdrängten Geschichte einer Minderheit darzustellen und ins allgemeine Bewusstsein zu rücken<. Bothe plant, zusammen mit verschiedenen Gruppen, für 1984 im Berlin Museum die Ausstellung >Homosexuelle Männer und Frauen in Berlin 1850-1950; Geschichte, Alltag, Kultur< ... Es soll die in ihrer Art bisher umfangreichste werden ... Wegen dieses Ausstellungsvorhabens werde die Leitung des 'Berlin Museum' teilweise anonym angegriffen ... warum der Innensenator solche Ausstellung nicht verbiete und warum öffentliche Gelder dafür ausgegeben werden ... "
Peter Schult, 1928-1984: " ... Schult, der derzeit wegen homosexueller Vergehen nach § 175 in Berlin Plötzensee einsitzt ... immer wieder schoss er aus der Gefängniszelle heraus auf die Justizbehörden, in Artikeln und Buchbeiträgen ... Peter Schult ist schwer an Lungenkrebs erkrankt. Er hat nur noch ein bis zwei Jahre zu leben. Dass es soweit kommen konnte, ist nach Schults Ansicht ... Schuld der bayerischen Justizbehörden. Bei frühzeitiger Behandlung des Krebses hätte Schult gute Überlebenschancen gehabt ... Das Krankheitsbild wurde bereits im Juni 1981 von der Anstaltsärztin im Münchner Gefängnis Stadelheim entdeckt ... Die Befunde bleiben bis auf den heutigen Tag verschwunden ... "
Eine ziemlich wahre Geschichte über ein Wochenende zwischen Lust und Frust ... eine Disco- und Kneipentour zwischen Angst und Hoffnung. Und eine Analyse. Oder: Der ganz normale schwule Wahnsinn.
" ... Die Mechanismen von Sprachlosigkeit, Verklemmung und unterdrückter Gier funktionieren überall in der Sub*. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das Wort 'Kommunikation' ist in der schwulen Szene ein Fremdwort. Und in einigen Läden wird das schwule Schweigen durch dröhnende Musik forciert ... Allabendlich senkt sich weltweit die alles Ursprüngliche, Spontane und Menschliche abwürgende Atmosphäre schwuler Amüsierbetriebe über ihre Besucher. Es ist wie eine ansteckende Krankheit ... Da unterwerfen wir uns tagsüber total einer heterosexuellen Umwelt. Hier dürfen wir nicht. Um uns dann abends und nachts in das Korsett einer homosexuellen Frustkultur zu zwängen ... wo wir uns angeblich ausleben können, machen wir uns das Leben sozusagen selbst und gegenseitig zur Qual ... "
* schwule Subkultur
Doppelseitenbilder oben Trocadero und Kleist-Casino Berlin. Doppelseitenbilder unten: Ali Baba und Mrs. Henderson München.
KLAR & WAHR, eine Zeitschrift zum besseren Verständnis, herausgegeben von einem 'Ambassador College' in Bonn, ist kostenlos, weil sie "durch Zehnten und Opfer der Mitglieder der Weltweiten Kirche Gottes und anderer getragen wird", beschäftigt sich auf 4 Seiten mit dem Thema AIDS.
"Was die Homosexuellen vergessen haben, schreibt der Autor Donald D. Schroeder, ist, dass Gott der Schöpfer des menschlichen Lebens und der menschlichen Geschlechtlichkeit ist. Er hat die Ehe eingesetzt und hat Gesetze in Kraft treten lassen, die gesunde und treue Ehe- und Sexualbeziehungen zwischen Mann und Frau regeln. Der Mensch will sich über Gottes Gesetze hinwegsetzen. Das geht aber nicht. Sie lassen nicht mit sich spassen ... Die einzig sichere Lösung für diese oder andere gesellschaftliche und sexuelle Unglücke ist Vorbeugen. Und das heisst, nach Gottes Gesetzen ... ein reines und seuchenfreies Geschlechtsleben führen ... Der Autor versucht, durch irreführende und falsche Auslegung von Bibeltexten, seinen Lesern weiszumachen, dass es homosexuelle Praktiken waren, die Gottes Zorn erregten ... Er liess ein katastrophales Strafgericht [Sodom] über sie kommen und löschte ihr Leben aus ... Was seinerzeit eine grosse Feuerbrunst besorgte, nämlich die Ausrottung der Perversen, besorgt heute AIDS ... "
Fortsetzung von DON 10/1983: Textauszüge aus "Handbuch der gesamten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellungen", Band III, Die Homosexualität des Mannes und des Weibes von Sanitätsrat Dr. med Magnus Hirschfeld, 2. Auflage, Louis Marcus Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1920.
"Längst gibt es mehr, als die althergebrachte Subkultur der Bars und Kneipen, der Saunen und Parks. In immer mehr Städten erlebt die schwule Szene ihr 'Coming out'. Heraus aus der sexuell geprägten Abkapselung. Hinein in Kultur und Kirchen, in Medien, Politik und manch anderen öffentlichen Bereich. Das Paradebeispiel ungeheurer Szenenvielfalt ist Berlin. Wir aber beginnen mit München ... Es geht darum eine interessante Entwicklung zu veranschaulichen ... "
München 1983: geschätzte 60.000 schwule Mitbürger, ca. 52 Bars, Diskotheken, Cafés, acht Klappen, vier Saunen, zwei Sexshops ... vier Aktionsgruppen mit unterschiedlicher Zielsetzung (HALT = Homosexuelle Alternative, HuK = Homosexuelle und Kirche, VSG ....) ... der Englische Garten, schwule Autoren, die schwule Buchhandlung 'Sodom', ungeniert schwule Kontaktanzeigen in der 'Münchner Stadtzeitung', schwules Theater ...
Die Aufnahmen zeigen: die 'Deutsche Eiche', das Rumford Denkmal im Englischen Garten, den Buchladen 'Sodom', den Eingang zum 'Verein für sexuelle Gleichberechtigung'.
Satire - Die Politiker und AIDS:
Labels:
175 StGB,
AIDS,
Gott,
Guido Vael,
Helmut Kohl,
Peter Schult,
schwule Subkultur,
Sodom,
Sodom Buchladen,
VSG
Sonntag, 5. Januar 2014
DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 4)
DON 4/1982 erscheint im April 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.
Die grosse Zahl der Kontaktanzeigen resultiert im Wesentlichen daher, dass in DON die Kontaktanzeigen aus ADAM mitveröffentlicht wurden.
Beitrag von Wenzel Böhmak (= Pseudonym). Über seine 'erstaunlichen' Gedankengänge (die Gerd Talis nun regelmässig für veröffentlichungswürdig hielt) habe ich mich hier schon geäussert. Dem füge ich noch ein paar Beispielsätze aus obigem Beitrag hinzu:
"... Was ist die Leuchtkraft der Sonne im Vergleich zu einem strahlenden Jungmann? ... Selbst das herrliche Foto des Jupiter-Mondes 10 ... ist null neben den schönsten Fotos von DON ... Hauptsächlich die Machtlosen tragen weltweit dieselben Textilien am Leib ... Wir müssen uns an den frühen Afrikanern ein Beispiel nehmen, die sich am ganzen, persönlichen, eigenen Leib zur eigenen Arbeit auf Hochglanz gebracht haben ... "
Typische Fotos von "Studio VISA 2000, Niederlande", das ausschliesslich Fotos von sehr jungen Jugendlichen verbreitete.
Eine wunderbare Erzählung und ein Foto von Karlheinz A. Barwasser
In obigem Wikipedia-Eintrag, wie auch anderen Webseiten-Erwähnungen, wird Barwassers schwule Orientierung und dass er einst für schwule Publikationen schrieb, auffällig vermieden. Siehe auch Der Spiegel 3/1981: Strafvollzug - Andersartige Art
Das französische Parlament hat - Dank seiner neuen sozialistischen Mehrheit - den Artikel 331, Absatz 2, des französischen Strafgesetzbuches, gestrichen. Dieser Homosexuellen-Passus war erst 1941 unter dem Vichy-Regime des Marschall Pétain eingefügt worden. Zuvor - seit der Revolution - wurden Homosexuelle in Frankreich nicht verfolgt.
Ab jetzt beträgt das Schutzalter für männliche und weibliche Jugendliche in Frankreich 15 Jahre, was im Beitrag so kommentiert wird: " ... den Pädophilen ist durch die neue, beide Geschlechter gleichstellende Altersgrenze von 15 Jahren >jede Hoffnung genommen<. Pädo-Emanzipation hat in der Französischen Republik der Gegenwart keine Chance ..."
Auch im Absatz "Elf 'Kinder' verführt" (rechte Seite) geht es um Pädophilie und die Pädo-Bewegung.
Der FDP-Landesverband Hamburg fordert in seinem Programm zur Bürgerschaftswahl: "Homosexuelle müssen in Ausbildung, Beruf und täglichem Leben als gleichwertig anerkannt werden. Die FDP bürgt dafür, dass sie in den Parlamenten jeden Fall von Diskriminierung aufgreifen und bekämpfen wird ..."
"Für eine aktive Minderheiten-Politik hat sich der Bremer Sozialsenator Henning Scherf (SPD) ausgesprochen. Die Homosexuellen sollten sich mit ihrer speziellen Thematik nicht von den allgemeinen Minderheitenproblemen abgrenzen ... "
(Ausgerechnet) "Josef Kardinal Höffner hat die Gesellschaft kritisiert, sie würde an der Diskriminierung der Frau festhalten ... Das durch die Werbung ... vermittelte Frauenbild entstelle die Frau zum 'Ding` ... "
"Nur zwei der 26 Schweizer Kantone befürworten die Vorschläge zu einer Rechtsreform ... die 'Schutzaltergrenze' auf 14 Jahre herabzusetzen, für bestimmte Fälle den Inzest straffrei zu machen, die Pornovorschriften zu lockern und die männliche Prostitution zuzulassen. Darüber empörte sich das Schweizer Bürgertum, das das 40 Jahre alte Sexualstrafrecht unangetastet lassen will ... "
"Das Schwurgericht der 15. Strafkammer in München hat den 35-jährigen Schriftsteller Peter Schult wegen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit homosexuellen Handlungen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt ... "
Woraus diese Liebeserklärung an die Strassenjungen entnommen ist, wird leider nicht mitgeteilt. Autor ist der homosexuelle belgische Schriftsteller Georges Eekhoud (1854 bis 1927, Bild), dessen Leben lesenswert (!) ausführlich im französisch-sprachigen Wikipedia gewürdigt wird (die deutsche Wikipedia-Version ist nichtssagend).
" ... Auf diesem Nährboden wuchs eine bezaubernde Blume, ein perfekt gebauter kleiner Strassenjunge, der niedlichste der ganzen Bande, ein gottgewordener Dieb, immer auf der Strasse und nie ohne etwas zum Naschen, Früchte oder Süssigkeiten, aus irgendeinem Laden entwendet ... "
Mittwoch, 20. November 2013
DON - The German Gay Magazine 1981 (Heft 12)
DON 12/1981 erscheint im Dezember 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.
Der schon mehrfach hier erwähnte Homo-Lore-Roman-Schreiber Walter Hilbrecht war in San Francisco und gibt jede Menge ordentlicher Besucher-Tipps. Allerdings auf dem Niveau eines sauber verfassten Schüleraufsatzes.
San Francisco: "Sommer und Winter - Tag und Nacht: Interessantes für jeden Geschmack" ...
Der eklatante Niveauunterschied von DON-Beiträgen - in Sprache, Stil und Intellekt (extrem schwankend zwischen 'Frau im Spiegel' und 'Frankfurter Rundschau') - wird für das Magazin zu einem echten Problem, da es die einst homogene Zielgruppe langsam aber sicher aufreibt.
Rosenstrauss "... für besondere politische Leistungen auf dem Gebiet der homosexuellen Emazipation erhält für die gesamte parlamentarische Versammlung des Europarates deren Präsident, Frau Simone Veil ... für das stetige Vorantreiben der Diskussion um ersatzlose Streichung des Sonderparagraphen 175 StGB in Bonn erhält die politische Referentin der Friedrich Naumann-Stiftung, Frau Renate Augstein-Thalacker ... für couragiertes Auftreten im Namen der homosexuellen Emanzipation erhält der nordirische Gay Jeffrey Dudgeon ... "
Buchmesse Frankfurt " ... hat gezeigt: Homo-Bücher sind von dort nicht mehr wegzudenken! Was vor Jahren noch als Wagnis angesehen wurde, hat sich inzwischen voll etabliert - die beiden grossen deutschen Homo-Buchverlage, der Foerster-Verlag und der Verlag rosa Winkel (beide Berlin) hatten dieses Jahr in Frankfurt starkfrequentierte Stände aufgeschlagen ... Kurt-Joachim Foerster bezeichnete darum diese Buchmesse ... als 'Durchbruch ins allgemeine Sortiment'. 1981 sei man erstmals weit über die bisherige 'Repräsentationsübung' hinausgedrungen ..."
Herbert Wehner, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, hat gegenüber Weisses Kreuz (Evangelischer Fachverband für Sexualethik und Seelsorge Weißes Kreuz e. V.)" ... brieflich zum Ausdruck gebracht, dass er den Zielen der Homosexuellen-Organisationen keinerlei Chancen einräume."
Im Schwulenbuchladen Sodom beschlagnahmte die Münchner Polizei Arbeitshefte für die Sekundarstufe "Prostitution, Pornographie", das Buch "Sexualität" von Prof. Ernst Bornemann, den (Kinder-Nackedei)-Fotoband "Zeig mal!" von Will McBridge und "Wider die linken Spiesser - für eine sexuelle Revolution/Ich liebe Jungs" von Peter Schult und Olaf Stüben. Beschlagnahmt wurden auch Schults Erzählung "Eiszeit", in der er seine Probleme als alternder Päderast beschreibt, und das Münchner (linke) "Blatt", das die Geschichte nachgedruckt hatte, samt Konfiszierung der Abonnentenkartei.
Bornemann, McBridge, Schult, Stüben ... waren Teil der von Alice Schwarzer (schon 1980) bezeichneten "Kinderfreunde-Connection" ("ein Netz von Wissenschaftlern und Autoren, die den Sex von Erwachsenen mit Kindern verharmlosen, ja propagieren"). Alle waren pädophil bzw. engagierten sich für Pädosex oder publizierten freizügig zum Thema. Also jenem brisanten Stoff, der im Wahlkampf des Jahres 2013 vom CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wieder hochgekocht wurde, mit dem einzigen Ziel, den Grünen zu schaden.
Der Autor des obigen "polemischen Beitrags", Olaf Stüben, wird auch in dem SPIEGEL-Artikel "Moralische Irrfahrt" (vom 30.09.2013) erwähnt: " ... In der Zeitung arbeitete zudem der bekennende Pädosexuelle Olaf Stüben, der im November 1979 den Beitrag "Ich liebe Jungs" veröffentlichte, das "Manifest eines Pädophilen", wie die "taz" zwei Jahrzehnte später einräumte ... "
Unerträgliche 'Buchbesprechung" von Wenzel Böhmak (= Pseudonym). Der kommentiert ganz begeistert ein paar Äusserungen in Sachen Homosexualität des 'schwer rechtslastigen Hetero Franz Schönhuber' (1923-2005), die in dessen Autobiographie "ICH WAR DABEI" 1981 erschienen.
Aufgrund dieses Buches wurde Schönhuber fristlos aus dem Bayerischen Rundfunk entlassen (ihm wurde Rechtsextremismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen). In Folge gründete er Die Republikaner (REP) und trat häufiger in rechtsextremen politischen Kreisen auf. Zur Bundestagswahl 2005 trat er in Dresden als Direktkandidat für die NPD an.
Geistreiche Besprechung des Romans "Zum Greifen nah" des offen schwulen, schwarzen Autors James Baldwin (1924-1987) von Ulrich Arthur Lehmann.
Urs Kent (= Johannes Werres) über den 1981 in der rororo-panther-Reihe des Rowohlt-Verlag erschienenen ersten Ratgeber von Schwulen für Menschen im Coming Out: "SCHWUL - NA UND?" von Thomas Grossmann, " ... das dem Leser Mut machen will, die eigene Sexualität ehrlich zu entdecken und offen zum Entdecken zu stehen ... ". Im Internet findet sich eine Auflagenangabe "mittlerweile sind 76.000 Exemplare im Umlauf", leider ohne ein Bezugsdatum.
Letztere begann mit Corny Littmann und Gunter Schmidt als Zwei-Mann-Show. 7 Jahre später, 1988, eröffnete Littmann dann das berühmte Privattheater Schmidt Theater.
Montag, 11. November 2013
DON - The German Gay Magazine 1981 (Heft 10)
DON 10/1981 erscheint im Oktober 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.
"Prof. Rolf Italiaander [wieder ein Wikipedia-Eintrag der das 'Privatleben' komplett negiert, dabei war Italiaander engagierter Homosexueller] schreibt in seinem Buch 'Afrika hat viele Gesichter' auch über 'Randbemerkungen zur Bisexualität der Afrikaner'. Dieses Buch hat mich veranlasst, aus meinen 20jährigen Afrikaerfahrungen zu berichten ..."
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Tuareg.
* In Hamburg gründet sich die erste Selbsthilfegruppe von Eltern und Angehörigen homosexuell empfindender Kinder.
* Schwuler FBI-Mitarbeiter mit Pauschalabfindung entlassen.
* "Der pädophile Peter Schult aus München muss sein Knabenliebe wieder einmal mit Knast bezahlen... "
* Kanadisches Parlament lehnt Schutzbestimmungen für Schwule in der neuen Verfassung ab.
* Der US-amerikanische Bundesstaat Delaware diskutiert einen Gesetzentwurf, wonach man den moralischen Verfall von homosexuellen Gefangenen eindämmen will.
* Griechenland verabschiedet Gesetz "zum Schutz vor Geschlechtskrankheiten", das sich speziell gegen Schwule richtet, wonach u.a. Strafen vorgesehen sind, für eine Person die "eine Provokation für die Öffentlichkeit" darstellt oder durch "unsittliche Körperhaltungen und Bewegungen" auffällt.
* In der Türkei erklären die faschistischen Militärbehörden Istanbul zum Sperrgebiet für Schwule.
* In den USA des Ronald Reagan und seiner 'Moralischen Mehrheit' werden Bücher, Zeitschriften und Filme auf den Index von Schulen/Schulbibliotheken gesetzt; bevorzugt solche mit homosexueller Thematik.
* Erstmals wirbt in der DDR eine Publikation - die Ostberliner Zeitung "Für Dich" - um Verständnis für Homosexuelle. (Die Nazi-Version des § 175 wurde in der DDR erstmals 1957 und dann nochmal 1968 entschärft.)
Wie werde ich schwul? Über die tausend irrsten Theorien, wie und warum Mann schwul wird.
* "Die Kellerassel" von Jürgen Haug, Azid Presse Amsterdam, Roman über einen Homosexuellen, der ein Doppelleben führt (findet man noch 'gebraucht' bei amazon)
* "Sarius, eine altrömische Tragödie", von Ralf König, eines seiner ersten Schwul-Comic-Werke, erschienen 1980 im Info-Verlag, Marl (und 1981 im Vogel-Verlag)
"Barmbeker Kuss, Szenen aus dem Knast" von Hans Eppendorfer (= Hans-Peter Reichelt, 1942 - 1999) , Taschenbuch bei Rowohlt (Startauflage 25.000)
* Der erste schwule Gesundheitsratgeber "Sumpf Fieber" (Sumpffieber = Tropenkrankheit) erschien bereits 1978 im Verlag rosa Winkel (1975 - 2005), Berlin. "Eine Gruppe homosexueller Medizinstudenten aus Berlin hat einen Antwortkatalog auf spezielle Fragen homosexueller Hygiene zusammengestellt ... nun verbessert in dritter Auflage... "
Über den schwulen niederländischen Liedermacher Robert Long (1943 - 2006) (= Jan Gerrit Bob Arend Leverman), der mit Beginn der 80er Jahre auch Erfolge in Deutschland feierte. Hier über seine zweite deutsche LP 'Homo Sapiens'.
Abonnieren
Posts (Atom)














































