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Mittwoch, 8. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 6)


DON 6/1982 erscheint im Juni 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


"Zu den umstrittensten Romanen des zwanzigsten Jahrhunderts zählt sicherlich >Querelle de Brest< von dem französischen Schriftsteller und Dramatiker Jean Genet. Die einen preisen ihn als literarisches Meisterwerk, andere verdammen ihn als unmoralisch und gewaltverherrlichend ... die ungeschminkte Schilderung von Sexualität, Gewalt und Leidenschaft, ihre wilde Hemmungslosigkeit, liess eine Realisierung als Filmwerk bisher unmöglich scheinen ... "

Querelle war Rainer Werner Fassbinders einundvierzigster und letzter Film. Er starb am 10. Juni 1982 (1945-1982) in München während der Arbeit an der Querelle-Endfertigung im Alter von 37 Jahren.



Von wegen (immer) homofreundliche FDP: Ende September 1981 hat der FDP-Landesfachausschuss für Innen- und Rechtspolitik mehrheitlich eine Abschaffung des § 175 StGB abgelehnt. "Die Ausschussmehrheit wird dabei wesentlich bestimmt durch jugendpsychiatrische belegte Gründe des Jugendschutzes der unter 18jährigen, häufig noch nicht endgültig homosexuell orientierten Deliktsopfer". Der Ausschuss-Beschluss steht im Widerspruch zum Parteiprogramm der Liberalen.

Typisch römisch-katholisch: Aufgrund "sittlicher Bedenken" des Straßburger Bischofs Leon Arthur Elchinger gegen die Vorbereitungstagung für den IGA-Weltkongress (International Gay Association of Women And Men, später ilga) wurde den 150 Teilnehmern aus 16 Ländern die Unterbringung im Heim für christliche junge Arbeiter und in einem Feriendorf untersagt. Der fromme Hirte hatte die Teilnehmer als 'Kranke' bezeichnet.

Schockierende Eindrücke von Touristen über japanische Verhaltensweisen: " ... Nasenschleimhochziehen, Spucken und Urinieren in der Öffentlichkeit, Rülpsen und Husten, Suppeschlürfen und - wo immer es geht - das ungenierte betrachten der "geheimsten Teile" des anderen. S/M-Freunde, im Zeitungsbericht als Homosexuelle generalisiert, fänden grossen Gefallen an der Unterwürfigkeit ihrer Sexpartner."

Franz-Josef-Strauss-Partei diffamiert die 'Grünen' als >schwule Haschpartei<: "... Tatsächlich setzen sich die 'Grünen' für eine Legalisierung von Haschisch und für eine gesellschaftliche Gleichstellung der Homosexuellen ein. Damit bieten sie - unbeabsichtigt - nicht nur allen Schwulen-Feinden Gelegenheit, Homosexualität in die Nähe von Rauschgift zu zerren und auch auf diese Weise zu diffamieren, für die CSU-ler sind sie deswegen auch nur noch >eine Sekte, die den Anspruch darauf verwirkt hat, sich um den Sitz und Stimme in der bayerischen Volksvertretung zu bewerben< ... "

Datensammelwut schon vor Orwells 1984: " ... setzt die Polizei ihr Bemühen fort, 'präventiv', das heisst vorbeugend, über Angehörige von Minderheiten, die jemals 'kriminalpolitisch auffallen könnten', Daten zu sammeln und zu speichern. Der zu Ostern erschienene SPIEGEL weiss ganz konkret über neueste Fälle ... "

Die Homosexuelle Selbsthilfe e.V. (HS, 1980 in Berlin gegründet) traf sich zum Jahresende 1981 im Freien Tagungshaus 'Waldschlösschen'.

Zum Jahresende 1981 traf sich die SCHWIPS (Schwule Initiative gegen den Paragraphen-Sumpf) im unterfränkischen Schloss Trautskirchen. " ... Dabei wurde an dem Rechtsratgeber für Schwule in allen Lebensstellungen und -lagen >RECHT schwul< weitergearbeitet. Das Buch, das im Jahr 1982 im Verlag rosa Winkel erscheinen wird ... "


Die DON-Ausgaben des Jahres 1982 sind randvoll mit banalen Homo-Geschichten (wie diese von Walter Hilbrecht) und nicht weniger banalen Buben-Aktfotos. Die abgebildeten 2 Seiten >News<, der Fassbinder-Film und die (historische) Lifka-Erzählung bilden die einzigen 'anspruchsvollen' Ausnahmen der Juni-Nummer.


Eine Erzählung von Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) aus der Zeit vor tausend Jahren, als die Wikinger unter Rollo in die Normandie einfielen. " ... Unvorstellbare Grausamkeiten kennzeichnen den blutigen Weg dieser nordischen Eroberer, bei denen die Männerliebe zu mörderischen Exzessen entartete ... "

Mittwoch, 20. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Heft 12)


DON 12/1981 erscheint im Dezember 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Der schon mehrfach hier erwähnte Homo-Lore-Roman-Schreiber Walter Hilbrecht war in San Francisco und gibt jede Menge ordentlicher Besucher-Tipps. Allerdings auf dem Niveau eines sauber verfassten Schüleraufsatzes.

San Francisco: "Sommer und Winter - Tag und Nacht: Interessantes für jeden Geschmack" ...

Der eklatante Niveauunterschied von DON-Beiträgen - in Sprache, Stil und Intellekt (extrem schwankend zwischen 'Frau im Spiegel' und 'Frankfurter Rundschau') - wird für das Magazin zu einem echten Problem, da es die einst homogene Zielgruppe langsam aber sicher aufreibt.



Rosenstrauss "... für besondere politische Leistungen auf dem Gebiet der homosexuellen Emazipation erhält für die gesamte parlamentarische Versammlung des Europarates deren Präsident, Frau Simone Veil ... für das stetige Vorantreiben der Diskussion um ersatzlose Streichung des Sonderparagraphen 175 StGB in Bonn erhält die politische Referentin der Friedrich Naumann-Stiftung, Frau Renate Augstein-Thalacker ... für couragiertes Auftreten im Namen der homosexuellen Emanzipation erhält der nordirische Gay Jeffrey Dudgeon ... "

Buchmesse Frankfurt " ... hat gezeigt: Homo-Bücher sind von dort nicht mehr wegzudenken! Was vor Jahren noch als Wagnis angesehen wurde, hat sich inzwischen voll etabliert - die beiden grossen deutschen Homo-Buchverlage, der Foerster-Verlag und der Verlag rosa Winkel (beide Berlin) hatten dieses Jahr in Frankfurt starkfrequentierte Stände aufgeschlagen ... Kurt-Joachim Foerster bezeichnete darum diese Buchmesse ... als 'Durchbruch ins allgemeine Sortiment'. 1981 sei man erstmals weit über die bisherige 'Repräsentationsübung' hinausgedrungen ..."

Herbert Wehner, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, hat gegenüber Weisses Kreuz (Evangelischer Fachverband für Sexualethik und Seelsorge Weißes Kreuz e. V.)" ... brieflich zum Ausdruck gebracht, dass er den Zielen der Homosexuellen-Organisationen keinerlei Chancen einräume."


Im Schwulenbuchladen Sodom beschlagnahmte die Münchner Polizei Arbeitshefte für die Sekundarstufe "Prostitution, Pornographie", das Buch "Sexualität" von Prof. Ernst Bornemann, den (Kinder-Nackedei)-Fotoband "Zeig mal!" von Will McBridge und "Wider die linken Spiesser - für eine sexuelle Revolution/Ich liebe Jungs" von Peter Schult und Olaf Stüben. Beschlagnahmt wurden auch Schults Erzählung "Eiszeit", in der er seine Probleme als alternder Päderast beschreibt, und das Münchner (linke) "Blatt", das die Geschichte nachgedruckt hatte, samt Konfiszierung der Abonnentenkartei.

Bornemann, McBridge, Schult, Stüben ... waren Teil der von Alice Schwarzer (schon 1980) bezeichneten "Kinderfreunde-Connection" ("ein Netz von Wissenschaftlern und Autoren, die den Sex von Erwachsenen mit Kindern verharmlosen, ja propagieren"). Alle waren pädophil bzw. engagierten sich für Pädosex oder publizierten freizügig zum Thema. Also jenem brisanten Stoff, der im Wahlkampf des Jahres 2013 vom CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wieder hochgekocht wurde, mit dem einzigen Ziel, den Grünen zu schaden.

Der Autor des obigen "polemischen Beitrags", Olaf Stüben, wird auch in dem SPIEGEL-Artikel "Moralische Irrfahrt" (vom 30.09.2013) erwähnt: " ... In der Zeitung arbeitete zudem der bekennende Pädosexuelle Olaf Stüben, der im November 1979 den Beitrag "Ich liebe Jungs" veröffentlichte, das "Manifest eines Pädophilen", wie die "taz" zwei Jahrzehnte später einräumte ... "


Unerträgliche 'Buchbesprechung" von Wenzel Böhmak (= Pseudonym). Der kommentiert ganz begeistert ein paar Äusserungen in Sachen Homosexualität des 'schwer rechtslastigen Hetero Franz Schönhuber' (1923-2005), die in dessen Autobiographie "ICH WAR DABEI" 1981 erschienen.

Aufgrund dieses Buches wurde Schönhuber fristlos aus dem Bayerischen Rundfunk entlassen (ihm wurde Rechtsextremismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen). In Folge gründete er Die Republikaner (REP) und trat häufiger in rechtsextremen politischen Kreisen auf. Zur Bundestagswahl 2005 trat er in Dresden als Direktkandidat für die NPD an.

Geistreiche Besprechung des Romans "Zum Greifen nah" des offen schwulen, schwarzen Autors James Baldwin (1924-1987) von Ulrich Arthur Lehmann.

Urs Kent (= Johannes Werres) über den 1981 in der rororo-panther-Reihe des Rowohlt-Verlag erschienenen ersten Ratgeber von Schwulen für Menschen im Coming Out: "SCHWUL - NA UND?" von Thomas Grossmann, " ... das dem Leser Mut machen will, die eigene Sexualität ehrlich zu entdecken und offen zum Entdecken zu stehen ... ". Im Internet findet sich eine Auflagenangabe "mittlerweile sind 76.000 Exemplare im Umlauf", leider ohne ein Bezugsdatum.

"Nach den noch etwas laienhaften Versuchen von 'Brühwarm' und den leicht über die Stränge des guten Geschmacks schlagenden Darbietungen des 'Hamburger Tuntenchors' nun die professioneller werdenden Gruppen 'Trio Infernal' und 'Familie Schmidt' ... "

Letztere begann mit Corny Littmann und Gunter Schmidt als Zwei-Mann-Show. 7 Jahre später, 1988, eröffnete Littmann dann das berühmte Privattheater Schmidt Theater.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Hefte 3 bis 5)


DON 3/1981 erscheint im März 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Den ganzen Textriemen, der da unter "DON Kurzreisen nach London" steht, nennt man Schleichwerbung (§ 4, 3 UWG; als redaktioneller Inhalt gestaltete Werbeanzeige), eine Spezialität des Günter Goebel, der nun wieder in DON 'mitmischt', siehe folgend 'Tommys Brief-Box:


Für einen Profi schnell durchschaubar: Alle diese angeblichen "Leserbriefe/fragen" sind frei erfunden und die Antworten aus sexualkundlichen Artikeln oder Abhandlungen abgeschrieben (zuständig ist das "DON Postfach, 6 Frankfurt 700229, des Günter Goebel). Sämtliche Fragen betreffen banale oder sonderbare sexuelle Themen: Haben Südländer grössere Potenz ... was ist ein Säurespritzer ... gibt es ein Buch der Liebeskunst für Homosexuelle ... 


Autor dieser Geschichte: H.-A. Hütt


DON 4/1981 erscheint im April 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Das farbverfälschte Foto ist nicht durch eine schlechte Kopie entstanden, sondern entspricht dem Original-Druck.


Einer von zahlreichen brillanten Essays, die Gerd Talis anstelle von Vorworten in DON veröffentlichte. Ausgehend vom 'Internationalen Jahr der Behinderten', das gleichzeitig auch 'Preußen-Jahr' ist, entwickelt er über verschiedene Perspektiven (behinderte Schwule, homosexueller Jugend- und 'Schönheits'wahn, preußische Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Liebe, Schnüffelmanie der Justiz...) einen interessanten Gedankengang hin zur 'widernatürlichen Unzucht der Gleichgeschlechtlichen', dem 'Kampf gegen die Perversion' und der Forderung den § 175 endlich aus dem Strafgesetzbuch zu streichen.


Für die Bildredaktion zeichnen im Impressum nach wie vor "Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Johann Möstl), beide Frankfurt/Main" verantwortlich. Bei den drei Aufnahmen handelt es sich um laienhaft  kopierte (abgekupferte) COLT-Fotos.


Das erotisch "aufregende" Großposter für's Homo-Zimmer ... (mit Schrankwand)

Diese DON-Ausgabe wurde mit sieben (!), teilweise ellenlangen Homo-Geschichten (u.a. von Walter Hilbrecht, Karl-Heinz Barwasser, Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) und K.R. Adam) aufgefüllt.


Grandiose, ausgewogen-begeisterte Filmkritik von jemandem, der sich Tassilo nennt (Gerd Talis?)

 Taxi zum Klo (1980), Hauptdarsteller, Autor und Regisseur Frank Ripploh (1949-2002)
"... Homosexuelle sind: Sexbesessene, Tunten, Exhibitionisten, Genitalfixierte, HWG-ler, Kinderverführer, Bindungsunfähige, Sadomasochisten, Abortstammgäste usw. Und wie erscheinen sie in diesem Film? Sie erscheinen als: sexbesessen, tuntig, exhibitionistisch, genitalfixiert, promisk, kinderverführerisch, bindungsunfähig, brutal, pornointeressiert, abortstammgästig usw. ... "


DON 5/1981 erscheint im Mai 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg. 

Das Titelseitenfoto zeichnet sich durch totale Unschärfe aus.


"Warum verstecken wir uns? sagte mir neulich ein Bekannter, mit dem ich über die trüben Aussichten der Homo-Emanzipation 1981 sprach ... es gehört gar nicht so viel Mut dazu, sich zu seiner Vorliebe für Gleichgeschlechtliches zu bekennen; mehr Menschen, als Sie meinen und vermuten, haben homosexuelle Bedürfnisse, und das ist normal und gut so ... Beginnen Sie selbst mit dem Durchbruch! ... Sie werden sehen, dass Ihre Befürchtungen sich nicht erfüllen. Erleben Sie Ihr Coming out  - und Ihr Alltag wird leichter ..."

Drei Aspekte sind interessant. Gerd Talis, ein offen schwul lebender schwuler Journalist und Medienmacher, vermeidet auch 1981 das Wort schwul ... er benutzt häufig die Bezeichnung Gleichgeschlechtliche und er spricht den DON-Leser nach wie vor mit Sie an, wie er es in einer Schwulengruppe oder Schwulenbar nie täte.


Wenzel Böhmak (= Pseudonym) beschäftigte sich über viele Jahre in DON mit (schwul)-historischen Themen, zumeist in lockerer Erzählweise, hier - SS, Nazis, Arbeitslager, schwule Beziehung Pole/deutscher Capo, Heinrich Himmler - sogar in Form einer Geschichte.

Anmerkung: Lesenswert ist das Buch "Die Brüder Himmler, eine deutsche Familiengeschichte", geschrieben von Heinrichs Enkelin Katrin Himmler, 2007 erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag.


Die ursprünglich 6 bis 8 Seiten DON'S NEWS sind auf 2 bis 3 Seiten zusammengeschrumpft: Befruchtung durch Transsexuellen ... Tote Frau war ein Mann ... US-amerikanische 'Nationalsozialistische Liga' ... Misshandlung und Missbrauch von Jugendlichen im indischen Knast ... Homos in Israel haben es schwerer (als in der Bundesrepublik) ... Chicagoer Polizeichef fordert 'Einfühlungsvermögen in Gay-Fragen' ... Englischer Vikar erklärt Blackburn zum 'zweiten Sodom und Gomorrha' (wg. eines Gay-Abends in einem Nachtclub) ... Die sexuelle Revolution hat keine bessere Aufklärung gebracht ... 


Sowohl die linke COQ-Anzeige, als auch die ganzseitige Macho-Toys-Anzeige bieten (ungeniert) Pornographie * an, was selbst bis heute (2013) gesetzlich verboten ist und nach wie vor strafrechtlich verfolgt wird (§184, Verbreitung pornographischer Schriften). Seinerzeit wurden auch Verlage, die solche Werbung veröffentlichten, strafrechtlich verfolgt.

* COQ International und Showboy. COLT Men, Olympus, Spurs sowie 2 COLT-Filme (Gunnar und Lars zeigen, was Lust und Homosex ist. Laden Sie sich ein zu dieser einmaligen Orgie ... COLT-Modelle bei heisser Homo-Action)

Montag, 30. September 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Hefte 1 und 2)


DON 1/1981 erscheint im Januar 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Briefe an DON
Berlin - die bärenstarke Stadt
DONs News
Neues Jahr - neues Leben
Kinder, wie die Zeit vergeht!
Coming out - wie ich homosexuell wurde
DON Mix
Die Nacht mit Oliver (Story)
Freundschaftsanzeigen
Neue Bücher in DON
Schlafwagenabteil nach Athen (Story)
Bambi - Gefägniserinnerungen an Österreich


Autor Andy Müller
" ... abgesehen davon, dass Berlin keine Polziestunde hat und man deshalb rund um die Uhr in diese Subkultur eintauchen kann, besteht der Hauptanziehungspunkt der halbierten Stadt vor allem darin, dass man hier erfährt, was es heisst, schwul zu leben, einen offen schwulen Alltag zu erleben. Nicht, dass Berlin das schwule Paradies wäre, so weit ist es noch nicht, aber man spürt, dass die Richtung stimmet, etwas von dem freien Geist der Weltstadt der 'Roaring Twenties' in die Achtziger hinübergetrettet werden konnte ... "


Autor Walter Hilbrecht


Autor Hans Daniel
Auffällig in Talis (= Gerhard Friede) Redaktionszeit ist - ich habe es schon im 1980er Jahrgang erwähnt - dass permanent neue Autoren(namen) - oft nur einmal - auftauchen und dann nie wieder. Personen (?), von all denen ich, weder vorher noch nachher, jemals etwas im schwulen Medienzirkus gehört oder gelesen habe.


Dies ist einer von vielen brillanten Beiträgen Gerd Talis (= Gerhard Friede) - vom Brauchtum des Karnevals spinnt er einen geistreichen Faden zum Widernatürlichen; Hintergrund ist natürlich die Homosexualität.

Schon im zweiten Jahr der Talis-Redaktionsleitung hatte ich den Verleger Henry Ferling dezent gewarnt, dass solche intellektuellen Artikel einerseits das Gros der DON-Leser (wie ich sie im Laufe vieler Jahre kennengelernt hatte) überfordern und sich andererseits mit dem Niveau der zumeist billigen DON-Bebilderung und den trivialen DON-Geschichten regelrecht 'beissen'.

Das war sicherlich einer der gewichtigen Gründe, warum die Verkaufsauflage von DON zunächst langsam sank, in den folgenden zwei Jahren dann allerdings rapide absackte. Zum Ende des Jahres 1983 wird es hier im Blog Ausführliches dazu geben, zumal mir aus dieser Zeit noch die komplette Korrespondenz Talis/Ferling sowie Ferling/Reimer - quasi dokumentarisch belegbar - zur Verfügung steht.


Autor?
Die sexuelle Revolution (etwa ab 1968), einhergehend mit dem 'schick gewordenen' Drogenkonsum, steigerte sich in den 70ern bis Anfang der 80er Jahre auch in New York zur totalen Entfesselung. Typisch dafür steht das legendäre New Yorker 'Studio 54', der Welt berümtester Nachtclub, in dem es Jungen mit Jungen, Mädchen mit Mädchen, Schwarze und Weisse, Kapitalisten und Marxisten, Promis mit Chinesen - und klar Heterosexuelle ..... trieben. Damit begann das Zeitalter der Singles und der Vereinsamung des Einzelnen (Thema dieses Beitrags): " ... Auf eine halbe Million wird die Zahl der Singles geschätzt, die hier zwischen den steinernen Wohntürmen in Grau und Rot ihr bisschen Glück suchen ... "


DON 2/1981 erscheint im Februar 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Autor Wolfgang Kärcher


Bildkunstwerke: kein Kommentar


Der Österreicher Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) beschreibt, wie Friedrich Alfred Krupp (1854-1902 / Krupp war weder 'Baron', noch ein 'von') Capri 'entdeckte' und dort sei 'Zweites Reich der Liebe' gründete.

Die dem Industriellen zugeschriebenen Orgien auf Capri und bezahlten sexuellen Kontakte mit sehr jungen Männern sind nach wie vor umstritten: Der einsame Tod des Friedrich Alfred Krupp | WAZ.de

Donnerstag, 12. September 2013

DON - The German Gay Magazine 1980 (Heft 10)


Die Titelseiten werden immer unattraktiver, der Inhalt immer liebloser und flacher: Ein Vorwort und eine Seite zum gross angekündigten Titelthema "Stellungnahme der Parteien FDP, SPD, CDU/CSU", aber seitenweise Füllung mit schwülen Herz-Schmerz-Homo-Geschichten.

DON 10/1980 erscheint im Oktober 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Die nach wie vor im Impressum als "ständige Redaktionsmitglieder" erscheinenden Namen (Jens Reimer, Andy Müller, Tommy Brauner und Stefan Troßbach) sind längst keine Redaktionsmitglieder mehr; von ihnen erscheinen nur noch in seltenen Ausnahmefällen Beiträge.


 " Die erste Phase der >Aktion '80<, liebe Leser, endet mit den Oktober-Ausgaben der Publikationen der deutschen Homophilen-Presse. Diese Vorwahlperiode brachte in den wesentlichen Punkten eindeutige Ergebnisse: die F.D.P. steht voll und ganz hinter unserem gesellschaftlichen Programm. Die SPD, die sich Drängen der 'Schwuso'-Gruppen (erst) auf dem Bundesparteitag 1981 eingehender mit dem Homo-Thema befassen will, wartet auf die Aktivitäten ihres bisherigen Koalitionspartners [FDP]. CDU und CSU dagegen bleiben im freiwilligen Abseits ... "

Aktion '80: siehe dazu DON 4 und DON 9/1980.

Wo Gerd Talis all die Homo-Geschichten-Erzähler - Hans Hack, Peter Sterr, Martin Kärcher ... und der für seinen schwulen Hedwig-Courths-Mahler-Stil schon öfter erwähnte Walter Hilbrecht - aufgetrieben hat und wer diese Personen sind, ist mir (auch heute noch) ein Rätsel. 

Ich bebildere diese inflationäre Inhaltlosigkeit ganz bewusst, um den Stilbruch zu den vorangegangenen Erscheinungsjahren von DON zu dokumentieren.


SPD-Standpunkt, wie seit ewigen Zeiten, hinterherhinkend und hinhaltend. Erst eine Absage an die Organisatoren der 'Beethovenveranstaltung', dann folgend eine unkonkrete 'Gesprächsbereitschaft'.

CDU- und CSU-Standpunkt - wie gehabt (und nahezu unverändert bis heute = 2013) - schwankend zwischen totaler Verweigerung und Desinteresse, vor allem jedoch der Auffassung "dass die C-Parteien für weitere Homo-Diskriminierung die Türen geöffnet halten wollen".

Sonntag, 25. August 2013

DON - The German Gay Magazine 1980 (Heft 8)


DON 8/1980 erscheint im August 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Eine Übereinstimmung zeigt die neue Redaktion (Gerd Talis) mit der alten (Jens M. A. Reimer): kritisch hinterfragen beide immer wieder homosexuelles (Trieb)Verhalten, die Sub (Subkultur) und den homospeziellen Tunten-Fummel-Spleen ... was in der Vergangenheit manch ein Leser als vorwurfsvoll und belehrend kritisierte.

" ... Wir beschweren uns übers Getto - und haben uns dort so behaglich eingerichtet, dass wir den Tag verfluchen, der diese Mauern einreisst. Wie anders ist es zu erklären, dass man - wenns der Schwulen-Kalender vorschreibt - im Fummel aufgeschminkt zum 'gay pride' daherparadiert, als handele es sich nicht um eine Homo-Demonstration, sondern um die Freizeit-Veranstaltung eines Transvestiten-Cabarets ... Klappen und Parks sind 'in' wie zu Adenauers Zeiten ... Wir stecken ganz schön im Getto, über das wir uns nach aussen hin so aufregen. Es ist genüsslich schwül im Bau ... Wir können nicht mit Straps am Schenkel und Knaben-Porno unterm Arm im Konzentrationslager für Wiedergutmachung demonstrieren ... "


Vier Jahre lang konnten sich DON-Leser von den einseitig konservativen, reaktionären, alles Linke heruntermachenden Pamphleten des Johannes Werres erholen, aber nur ein gutes halbes Jahr hat es gedauert, bis die neue Redaktion dem Mann wieder ein Forum bietet.

Das Thema hier 'Drogen und Drogensucht der Jugend' (was hat das in einem schwulen Magazin verloren?) wird mit Werres bekanntem Aversions-Vokabular unterfüttert: Jazz, Halbstarkenkrawalle, Sexwelle, APO, Studentenrevolten, organisierter Terrorismus linker Jugendlicher, antiautoritäre Erziehung, gammeln-fixen-hitchhiken usw. usw.


Bei der Auswahl des Bildmaterials greift die neue Redaktion (offenbar mit geschlossenen Augen) in die alten DON-Bild-Kisten: Aufnahmen werden wiederholt (oben) oder schamlos abgekupfert (unten links, ein COLT-Bild, das sich durch seinen Moiré-Effekt entlarvt). Rechts unten typisches Mike Arlen Foto, von Mike Arlen erschienen auch viele in ADAM.


"Homo-Rechte jetzt!" Unter dieser Losung fand sich Ende Juni etwa eine halbe Million homosexueller Frauen und Männer zusammen, um 'gay pride' (schwuler Stolz) zu demonstrieren. Wer die Aufnahmen in Hamburg gemacht hat, bleibt unbekannt.

Anmerkung: Erster Christopher Street Day mit 500.000 Besuchern fand 1979 in Berlin statt.


Homo-Geschichte von Walter Hilbrecht