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Montag, 27. Januar 2014
DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 11)
DON 11/1982 erscheint im November 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.
"Drei Meisterwerke neuer Aktfotografie"
Herrlich ironisch (???) dieser Überschriftentexter. Fotos Studio VISA 2000, Breda/NL
Homo-Beziehung sittenwidrig. Zwei Freunde fahren gemeinsam in den Urlaub. Da dem einen das Geld fehlt, bekommt er es von dem anderen geliehen. Am Urlaubsort kommt es zum Zerwürfnis. Nach Rückkehr fordert der Geldgeber seine Kohle zurück, aber der Schuldner zahlt nicht. Die Sache kommt vor's Amtsgericht Worms. "Im Namen des Volkes" entscheidet Amtsrichter Schiltz: Ob Darlehen oder Schenkung, beide "Verträge" sind nichtig - wegen Sittenwidrigkeit. Denn: Die gemeinsame Reise diente dazu eine homosexuelle Beziehung zu pflegen. Das aber ist sittenwidrig ...
Frau von Praunheim. "Rosa von Praunheim hat sich wieder im Fernsehen produziert ... im TV-Kulturmagazin 'Arena' ... eine Diskussion über 'Die neuen Nackten' (wurde) zu einer Wurfbude mit verbalen Fäkalien umfunktioniert. Der schwule Filmemacher ergötzte sich an seinen wiederholten Rufen >Scheisse, Scheisse!< ... seine ... Mitstreiterin hielt dem Publikum vor, >Ihr denkt auch nur ans Ficken!< ... Praunheim ... der sich als Damen ansprechen liess (>Frau von Praunheim, bitte!<) und Helga Goetze, die sich an 'Deutschlands gesuperte Sau' ... vorstellte ... "
Schweiz. "In Zürich hat den Pfarrer Hans van der Geest seine theologische und ethische Argumentation für die gesellschaftliche Gleichbehandlung der Homosexuellen sein Amt gekostet ... "
Amtsgericht Hamburg: <Der Mieter ist grundsätzlich berechtigt, einen Lebensgefährten gleichen Geschlechts in die Wohnung aufzunehmen. Es kommt nicht darauf an, welcher Art die Lebensgemeinschaft des Mieters ist.<
Wahlkampf in Bayern. " ... Hier geht es um das Grab des jüngst verstorbenen Münchner Filmemachers Rainer Werner Fassbinder, genauer um den Platz für die Beisetzung seiner Urne. Die hat zwischen der SPD und der CSU-geführten Münchner Stadtverwaltung zu einer heftigen Kontroverse geführt ... ob Fassbinders Asche auf dem Künstlerfriedhof München-Bogenhausen einen Platz finden darf oder nicht ... (die CSU) stösst sich daran, dass auch seine Homosexualität >über München hinaus bekannt< geworden sei ... "
Hinrichtungen im Iran. "In den persischen Kleinstädten Rasht und Bakhtara sind sechs Frauen im Namen Allahs hingerichtet worden ... Der totalitäre Ayatollah ... hat am 12. Mai 1982 ... zwei weitere Homosexuelle, diesmal in Tahiz, ermorden lassen ... Seit der sogenannten islamischen Revolution mussten im Iran etwa zweihundert Schwule ihr Leben lassen ... "
"DON veröffentlicht nachstehend den Brief eines unverkennbar deutlich linksstehenden neuen Lesers, dem bisher nicht bekannt war, dass DON eine liberale Zeitschrift ist, welche durch möglichst umfassende Information und Diskussion die freie Meinungsbildung mündiger Bürger unterstützt. In diesem Sinne hat DON einen Exponenten rechtskonservativer Richtung gebeten (siehe anschliessende Seiten) zu dem Vorwurf des Berliner Linksschwulen Stellung zu nehmen, dass die Rechte sozusagen der Erbfeind der gleichgeschlechtlichen Erotik sei ... "
In dem rechtsseitigen Beitrag geht es u.a. auch um Hans Blüher
Bilder der ersten Gay Games, 28.8. - 5.9.1982 in San Francisco, USA, mit 1.350 Teilnehmern
Gay Model Guide, der 'Branchenführer für Ihn', pink-rose-Press-Verlag Hamburg (Peter Schmeding), 380 Seiten + 128seitiges Extraheft 'Gay Europe Guide', 9,80 DM.
Warum ein 'Branchenführer' Model Guide (Modell-Führer) betitelt wird, blieb mir damals wie heute verschlossen.
Ebenso bleibt mir verschlossen, was eine Buchbesprechung von Erich von Dänikens abstrusen (heterosexuellen) Fantastereien in einem Schwulenmagazin verloren hat.
Hamburg von hinten, Bruno Gmünder Verlag, 256 Seiten, 10 DM: " ... Leider merkt man diesem recht guten Reise- und Lesebuch die Eile an, in der es auf den Markt kommen musste, um dem vom Thema her gleichartigen 'Hamburg ahoi' aus dem Berliner rosa-Winkel-Verlag zuvorzukommen ... "
Rechte Seite: "Noch bis zum 5. November ist in Berlin die Ausstellung 'Streiflichter - der Mann in Licht und Schatten' zu sehen. In den neugestalteten Räumen der AHA .... zeigt sie Fotografien von Dieter Bachnick ... "
Seine 'Streiflichter' erschienen 1985 auch als Bildband bei Trifolium. Viel mehr gibt das Internet über Bachnik nicht her.
Links Titelseite der ADAM-Sonderausgabe "Anbändeln, Aufreissen, Abschleppen", zu 100% von Jens M. A. Reimer konzipiert, geschrieben und gestaltet.
"Erstmals haben dieses Jahr 'Olympische Spiele für Homosexuelle' stattgefunden ... Doch kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt ... in diesem Fall die Olympischen Komitees auf amerikanischer und internationaler Ebene. Sie wandten sich in einer bis dahin beispiellosen Hetzaktion gegen das 'Olympisch' zur Bezeichnung der Homo-Spiele ... sie würden es >für unwürdig und geschäftsschädigend< halten, dass sich die Veranstalter den Titel 'Olympiade' an die Sporthosen hängen wollten ... Tatsächlich gibt es in den USA ... seit 1950 so eine Art olympischen Titelschutz ... Damit kamen diese Begriffe in den Rang eines Markenzeichens ... "
Mittwoch, 15. Januar 2014
DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 8)
DON 8/1982 erscheint im August 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.
"Im antiken Griechenland hat Europa angefangen: Wissenschaft, Demokratie, Kunst, Sport - alles, was bei uns anders ist als im Orient. Im alten Griechenland war die Familie heilig und die die Freundschaft - es ist das ewige Land der Sehnsucht für uns Schwule geblieben ... im hellen Sonnenlicht von Hellas ist der >Westen< an den Start gegangen: klug, mutig, nackt ... Wie viele Schwule suchen das alte Griechenland mit ganzer Seele ... "
Weniger schwärmerisch als Wenzel Böhmak (= Pseudonym) über die Entwicklung der europäischen Zivilisation - das klassische Griechenland
Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass in jener Zeit die DON-Autoren - nicht grundsätzlich, aber immer häufiger - die Wörter homophil und Homosexuelle durch schwul und Schwule ersetzen.
Fotos und Bebilderung füllen 24 von 56 Seiten dieser Ausgabe (= 43%)
Gay Games: Am 28. August 1982 sollen im 'Kezar-Stadion' von San Francisco das Feuer der 'Ersten Schwulen Olympischen Spiele' entzündet werden. " ... >Mitmachen ist alles!< hatte Coubertin gefordert; die Organisatoren in Kalifornien behaupten mehr: bei den 'Gay Olympics' ist der wahre olympische Geist des alten Hellas! ... "
Anmerkung: Ursprünglich sollte die den Olympischen Spielen nachempfundene Veranstaltung Gay Olympics heißen, aber das Nationale Olympische Komitee ließ die Verwendung des Namensteils Olympics gerichtlich untersagen. Die Veranstaltungen Behinderter sowie geistig und mehrfach Behinderter - Paraolympics und Special Olympics - durften dann später sehr wohl diesen Namensteil enthalten.
gay journal ist eine von Gerd Talis gegründete, verlegte, produzierte und journalistisch nahezu allein gefüllte Schwulen-Zeitung: "Weil es 'gay journal' seit 1972 gibt, feiert der pan-Verlag, der die erste und einzige deutschsprachige Homo-Zeitung herausgibt, diesen Sommer sein Jubiläum ... treffen sich alle Freunde vom 3. - 5. September 1982 in Heidelberg ... gibt es ein grosses Homo-Festival ... "
Über das gay journal und Gerd Talis finden sich im Internet bis heute ausschliesslich Hinweis-Splitter in meinen History-Blogs von DON und ADAM. Das gay journal ist - komplett - im Archiv des Schwulen Museum Berlin einzusehen.
Gay Pride: "Die grössten deutschen Demonstrationen anlässlich des 'Gay Pride' fanden sieses Jahr im Juni in Berlin, Hamburg und Nürnberg statt ... "
Die Sünden der Anfangsjahre von DON werden in der Ära Gerd Talis wiederholt: Hier vier Fotos - "knabenhafter Anmutung" - die seit Jahren - permanent wiederholt - in schwulen Magazinen auftauchen. Der DON-Käufer bezahlt immer wieder für gleiche Inhalte. Dementsprechende Beschwerdebriefe werden - wie einst - ignoriert.
Dienstag, 3. Dezember 2013
DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 3)
DON 3/1982 erscheint im März 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.
"Liebe DON-Redaktion, Sie werden sich vielleicht wundern, dass ich als Frau schreibe. Ich habe einen Bruder, der schwul ist und sich des öfteren Ihr Magazin kauft ... Die Januar-Ausgabe finde ich sehr gelungen. Nur die beiden Beiträge von Wenzel Böhmak gefielen mir ganz und gar nicht. Das 'Janusgesicht' halte ich für völlig überflüssig. Dass W. B. auch zur Abtreibungsproblematik eine eigene Meinung hat ... gestehe ich ihm durchaus zu. Aber dann bitte nicht so unsachlich und undifferenziert, so polemisch: einerseits beklagen sich die Homosexuellen über Hetze und Diffamierung. Und dann machen sie es genauso wie die anderen ... "
Werte DON-Redaktion! Als langjähriger Leser möchte ich mir nun heute einige Kritiken ... erlauben ... die Aufmachung, die Konzeption des Heftes! Sie erscheint mir zunehmend öde **. Ihr braucht endlich ein zeitgemässes Gesicht! ... "
(Lieber Briefschreiber, glaube uns, dass wir solche Kritik nicht etwa ungerne hören ... dies hier umsomehr, als wir daran einen Vorschlag knüpfen können **: Es gibt doch Dutzende oder Hunderte von Homos, die Grafiker, Layouter usw. sind. Wer uns realisierbare Ideen zukommen lässt, wie man in der gebotenen Wirtschaftlichkeit etwas Neues für das DON-Gesicht konzipieren kann, der ist uns hochwillkommen ... ")
** Gerd Talis (= Gerhard Friede) wurden - mit Übernahme der Redaktion ab dem Januarheft 1980 - auch die Aufgaben Layout und grafische Gestaltung übertragen. Abgesehen davon, dass er seine eigene schwule Zeitung, Gay Journal, auch nur laienhaft "zusammenzimmerte", hatte Talis weder von Zeitschriftengestaltung, noch von Layout oder Typographie die geringste Ahnung. Der lieblose Heft-Umbruch erfolgte, indem er die Satzfahnen nach Lust und Laune in uralte Layout-Vordrucke (von Anfang 1973) einklebte. In der Regel musste dieses "öde" Ergebnis dann noch in stundenlanger Korrekturarbeit von der Druckerei Ferling mühsam "zurechtgebogen" werden.
Ende Januar 1982 hatte der Generalvikar der Erzdiözses Köln, ein Prälat Feldhoff, der Katholischen Studentengemeinde Bonn (KSG) ein gemeinsam mit der Arbeitsgemeinsschaft Homosexuelle und Kirche (HuK) geplantes Seminar zum Thema 'Glaubhaft leben; Schwul sein - Christ sein?' verboten und mit Konsequenzen gedroht. Das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche, aber auch fundamentalistischer Protestanten, zu Homosexuellen, war Anfang der 80er Jahre eher noch von mittelalterlichen Ansichten geprägt.
Das Seminar der Kölner HuK fand dann - ohne katholische Studenten - am 24. Januar statt, "in Räumen, in denen sich auch die Evangelische Studentengemeinde trifft", und zwar mit dem Eröffnungsvortrag 'Homosexuelle als Sündenböcke von Gesellschaft und Kirche' von der Ethnologin Dr. Gisela Bleibtreu-Ehrenberg.
Auf Veranlassung des Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion, Helmut Kohl, führte Fraktionsgeschäftsführer Philipp Jenninger im April 1981 über die ersatzlose Streichung des Schandparagraphen 175 StGB ein Gespräch mit einem Mitglied der Hamburger Junge Union, Christian Hoffmann, zugleich Mitglied der Gruppe RAUSS. " ... In diesem Gespräch stellte Herr Dr. Jenninger eine Anhörung der Fraktion zu dieser Frage in Aussicht, danach wolle man versuchen, sie interfraktionell zu lösen ... " Im Dezember 1981 stellte Jenninger dann in einem Brief an die schwule Presse klar, " ... dass sich die Fraktion bereits ausführlich mit dieser Frage beschäftigt habe und - weil es keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse gebe - eine Reform des § 175 ablehnen müsse ... "
Die ersten olympischen Spiele für Lesben und Schwule, die 'Gay Games', sollen vom 28. August bis 5. September 1982 in San Francisco stattfinden.
Am 1. Januar 1982, beim weltberühmten Neujahrskonzert der Wiener Philhamoniker, sprangen zwei nackte junge Männer von der 'Homosexuellen Initiative' (HOSI) auf das Konzertpodium und entrollten ein rosafarbenes Transparent mit der Aufschrift >Mehr Menschenrechte für Schwule<. Wenn das österreichische Fernsehen nicht zufällig in diesem Moment eine Ballettszene eingeblendet und dadurch die Direktübertragung kurz unterbrochen hätte, hätten 150 Millionen Menschen die Demonstration in den 22 angeschlossenen Fernsehländern miterlebt.
"Zu einem Koalitionswechsel wird es in der laufenden Legislaturperiode nicht kommen. So haben führende Liberale von der Presse hochgespielte Gerüchte ... kommentiert. Die Unionsparteien sollen ihren Wunsch, die FDP zu sich 'herüberzuziehen', mit der Feststellung unterstrichen, sie könnten sich mit den Freien Demokraten in dreissig Minuten auf ein gemeinsames Regierungsprogramm einigen ... "
Anmerkung zur Geschichte: Es waren keine Gerüchte. Alle FDP-Dementies waren falsch. Die Liberalen hatten sich längst mit der Union verständigt. Am 1. Oktober 1982 wurde Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) - mit den Stimmen der FDP (seither genannt 'Umfallerpartei') - zum neuen Regierungschef gewählt.
Eine Erzählung von Karlheinz A. Barwasser
In obigem Wikipedia-Eintrag, wie auch anderen Webseiten-Erwähnungen, wird Barwassers schwule Orientierung und dass er einst für schwule Publikationen schrieb, auffällig vermieden. Siehe auch Der Spiegel 3/1981: Strafvollzug - Andersartige Art
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