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Freitag, 11. Juli 2014

Gerd Talis, richtig: Gerhard Friede, DON-Akteur


Hinter dem Pseudonym Gerd Talis verbarg er vor der gesamten schwulen Branche - permanent und konsequent - seine Identität. Tatsächlich heisst/hiess (?) der Journalist, Verleger und Sex-Shop-Betreiber in der Heidelberger Dreikönigstrasse 2, Tel. 06221 - 13704: Gerhard Friede, geboren am 19. Februar 1934.



In DON 1/1980 stellt sich ein Gerd Talis (Foto DON 9/1982) als der neue 'Magazin-Macher' vor:

"  ... Vor zehn  Jahren arbeitete ich als Südeuropa-Korrespondent für Presse und Rundfunk in Spanien, als ich u.a. von dem mir bis dahin unbekannten 'Nachseptember-Magazin' [= DU & ICH] um einen Bericht über 'Warme Orte an Europas Südküste' gebeten wurde. Bei nächster Gelegenheit schaute ich mir die Redaktion davon in Deutschland an - um bald darauf mit dem gesamten Team nach Köln überzusiedeln; wir bereiteten von dort aus die Fortführung eines Magazins vor, das den Namen 'Sonny' trug. 'Sonny' aber ist der Vorgänger Ihres DON ... Mir persönlich ging es damals jedoch um etwas anderes: Die Homosexuellen in Deutschland sollten durch ein Nachrichtenblatt regelmässig über emanzipatorische Vorgänge in aller Welt unterrichtet, dadurch den sogenannten Heterosexuellen gleichzeitig die Furcht vor der (eigenen) Homosexualität genommen werden: 1972 entstand das Monatsblatt 'gay journal' ... Womit wir beim Programm wären. Wir möchten DON zu einem wirklichen Forum der Homosexuellen machen ... Tausend Dinge bewegen uns, mit denen keiner alleine fertig wird. Artikulieren wir uns also, kommen wir zum Gespräch! Im DON. Wir brauchen diese 'Arbeit an uns' ... Ihr Gerd Talis"

In dieser Vorstellung gibt Gerd Talis kaum Privates oder Berufliches von sich preis. Und bis heute weiss ich über ihn nur, dass er u.a. in Karlsruhe einen Sex-Shop betrieb. Oft las ich sein zwar ungemein laienhaft produziertes gay journal, in dem ich jedoch seine 'Schreibe' ebenso gut fand, wie seine Gedanken, die Ausgewogenheit seiner Argumente und sein schwules Engagement. Aus diesen Gründen empfahl ich ihn Henry Ferling als meinen Nachfolger. Bereits Anfang 1979 hatte ich dem DON-Verleger gesagt, dass ich (Jens M. A. Reimer) die DON-Redaktion spätestens zum Jahresende abgeben müsse, da mir meine zahllosen 'Jobs' über den Kopf wuchsen.

Am 10. Oktober 1979 transportierte ich persönlich die kompletten Redaktionsunterlagen zu einem gewissen Gerd Talis nach Heidelberg. Ich erinnere mich nur, dass das Treffen kurz, knapp, kühl und erstaunlich unpersönlich war.

Die (einzige deutsche) schwule Zeitung gay journal erschien monatlich zwischen Februar 1972 und September 1987, also auch in jenen drei Jahren, in denen Gerd Talis das DON von A bis Z machte; d.h. Redaktion, Beiträge, Umbruch, Bildauswahl, Autoren- und Fotografen-Kontakte usw.

Abb. oben die Null-Nummer - unten letzte die Ausgabe, hier steht "12. Jahrgang", obwohl inzwischen 16 Jahre vergangen sind.

Interessant ist das Impressum, denn die Zeitung erschien im pan publications Lothar Gassel Verlag und Vertrieb, später nur Pan Verlag. Redaktion: Gerd Talis, Lothar Gassel (???), Georg Rotheisen (= Pseudonym von Erich Lifka - Link zu DON 5/1980), Nathan Schalom (???), Urs Kent (= wahrscheinlich Johannes Werres). Agenturen: GP (gaypress) [= Gerd Talis] und GNG (Gay News Germany) [= Johannes Werres]. Letzterer war auch regelmässig mit persönlich signierten Kommentaren, Leserbriefen u.a. im Blatt vertreten.


Es gibt Stimmen, die vermuten, Gerd Talis und Lothar Gassel seien damals ein und dieselbe "Person" gewesen (???).

Auch unter der Heidelberger Talis-Adresse Dreikönigstrasse 2 gab es einen "Gay Shop", der regelmässig im gay journal Anzeigen schaltete.

Welche Weltbedeutung Talis seiner kleinen Zeitung beimass, zeigt sich in dieser immer wieder im Blatt erschienenen halbseitigen Anzeige, wo er sich nicht genierte, das gay journal mit seinerzeit führenden Schwulenzeitungen - wie Advocate - zu vergleichen.

Der sog. Gerd Talis begann seine DON-Tätigkeit mit der Januar-Ausgabe 1980. Schon im zweiten Halbjahr 1980 begann die Verkaufsauflage spürbar abzubröckeln. In den Folgejahren rutschte sie kontinuierlich weiter ab. Beginnend im Jahr 1981 entwickelte sich zwischen dem Verleger Ferling und dem Blattmacher Talis ein heftiger Briefwechselstreit über haufenweis Probleme (ich besitze davon alle Kopien, da ich mit Ferling engen Kontakt pflegte).

Der sog. Talis war ein hervorragender Journalist, aber vom Blattmachen hatte er null Ahnung. Vor allen Dingen verschwendete er nicht den geringsten Gedanken an die Erwartungen, Bedürfnisse und Interessen der Leser/Kunden/Käufer. Sein o.g. 'Programm': "...Wir möchten DON zu einem wirklichen Forum der Homosexuellen machen ..." interessierte die Schwulen herzlich wenig.

Im dritten Talis-Jahr, nachdem die Verkaufsauflage um 40% auf knapp 7.000 Exemplare abgesackt war, zog Verleger Henry Ferling endlich die Reissleine. Es war eine bittere Trennung.

Abb. Im Juli 1980 bei der Veranstaltung "Parteien auf dem Prüfstand" in der Bonner Beethovenhalle. Von links: Hans-Peter Reichelt (him applaus), Wolfgang Selitsch (der eigentlich Fotograf war, hier Chefredakteur DU & ICH) und der sog. Gerd Talis (DON und gay journal)

Gerd Talis war einer von mehreren Mitautoren in dem von Joachim S. Hohmann herausgegebenen Buch "Pädophile heute", erschienen 1980 im Foerster Verlag.

Auch hat Gerd Talis "Homo-Literatur" geschrieben: "Heisser Sommer" (siehe Personalie am Anfang dieses Blogs) erschien 1976 im (eigenen???) Pan-Verlag und gehört offenbar zu einer Buchreihe "Homo-book-hit No. 4"

Im Verzeichnis von "Deutsche National Bibliothek" findet sich sein Name als Übersetzer bei  dem Sex-Roman "Heisser Saft für feurige Lenden", von Wade Graham, Star-Verlag 1972, in der Reihe "Jet-Sex, Nr. 2"

Donnerstag, 3. Juli 2014

Henry Ferling, DON-Verleger


Henry Ferling, * 4.3.1913 - ?, Druckereibesitzer in Darmstadt, verheiratet mit Herma Ferling, eine Tochter, engagiertes FDP-Mitglied, Verleger der beiden schwulen Magazine DON (ab Heft 1/1973 bis Heft 7+8/1984) und ADAM (ab Heft 15/1977 bis 50/1984) (beide 1984 verkauft an Kurt-Joachim Foerster), siedelte 1984 auf seinen Altersruhesitz in Miami Beach, Florida.

Ich gehe davon aus, dass DON, spätestens mit der Ausgabe 1/1972, bereits in der Darmstädter Druckerei des Henry Ferling hergestellt wurde. Im Mai 1972 taucht der HF-Druck (die Druckerei des Henry Ferling) als Mitherausgeber im Impressum auf.

Henry Ferling, ein im besten Sinne liberaler, immer ausgleichender, ungemein sympathischer Druckermeister, war Besitzer eines kleinen Hauses mit angeschlossener mittelgrosser Druckerei im 'Gewerbegebiet Südwest' von Darmstadt. Das Wort 'liberal' bekommt hier eine besondere Bedeutung, insofern es in den 70er und 80er Jahren verdammt schwer war, überhaupt eine Druckerei zu finden, die bereit war, Publikationen mit homosexueller Thematik zu drucken (so etwas galt als Pornographie und 'Schweinkram').

Henry Ferlings Interesse an der Zeitschrift DON, an seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Günter Goebel, sein Kauf des Titels (Ende 1972) und dem Bemühen weitere Homo-Publikationen in den Markt zu bringen, bestand darin, seine Firma mit eigenen, regelmässig erscheinenden Druckobjekten von schwankenden Auftragslagen unabhängiger zu machen. Die eigenen Zeitschriften boten Sicherheit für eine gleichmässig ausgelastete Druckerei, zumal man Teile der eigenen Objekte in auftragsschwachen Zeiten z. B. vorab produzieren konnte.

Und obwohl Ferling selbst nicht die geringste Beziehung zum Thema Homosexualität hatte und weder Erfahrungen als Grafiker/Layouter, noch als Journalist oder Verleger besass, hat er ab DON 1/1973 - schwerpunktmässig bis zur Ausgabe 11/1975 - das Heft teilweise gestaltet, Fotos ausgesucht, Texte ausgesucht und redigiert, aber auch selber Vorworte und manch einen Text geschrieben. Selbst nach meinem Eintritt in die Redaktion ab Heft 12/1975 und meinen Bemühungen um Neuausrichtung, um qualifiziertere Autoren, Fotografen  und ein modernes Layout, mischte er gerne (still und leise) in fast allen Bereichen mit.

Um eine Zeitschrift wirtschaftlich betreiben und dem Leser zu einem vertretbaren Preis anbieten zu können, ist sie auf kommerzielle Anzeigen angewiesen. Darauf setzten auch die Herausgeber ihre Hoffnungen, der ab 1969 neu auf dem Markt erscheinenden schwulen Periodika. Allerdings hofften sie Jahrzehnte lang vergeblich auf Anzeigenkunden von Markenherstellern, Modefirmen, Dienstleistungsanbietern usw. Nahezu alle veröffentlichten Inserate stammten aus der Szene: von schwulen Bars, Saunen, Sex-Shops, Ferienhäusern, Versandgeschäften, Callboys oder später z.B. Telefonsexanbietern. Um Anzeigenpräsenz zu demonstrieren, wurden alle schwule Zeitschriften mit Eigenanzeigen gefüllt. Kurt-Joachim Foerster und Bruno Gmünder beispielsweise, setzten ihre Periodika exzessiv als Reklametrommeln für den Verkauf eigener Angebote (Druckwerke, Sex-Toys, Porno...) ein.

Keiner von beiden, weder Günter Goebel, noch Henry Ferling, hatten je ein verlegerisches Konzept für die Zeitschrift DON, geschweige denn für eine einzelne Ausgabe. Goebels Interesse für den Markt schwuler Publikationen, Kenntnisse über Konkurrenzsituation und Zielgruppe (bzw. mögliche Zielgruppen) waren gleich null - von den Erwartungen, Interessen und Bedürfnissen seiner Zielgruppe ganz zu schweigen. Ferlings Interesse wurde nur kurzfristig geweckt, wenn man ihn damit konfrontierte. Beide 'träumten' von 2-3 Millionen homosexuellen Männern im Land (BRD West) und waren überzeugt, dass ein gewisser Prozentsatz davon potentielle Käufer ihrer Blätter sein müssten.

So lange Henry Ferling über die Inhalte von DON selber entschied, wurde das Magazin "aus der Schublade heraus" gemacht. Das heisst: Was sich in vier Wochen an Texten und Bildern angesammelt hatte, wurde in die nächste zu produzierende Ausgabe gesteckt. Am augenscheinlichsten zeigt sich diese Ideen- und Konzeptlosigkeit in der 'Bebilderung'; besonders auf den oft regelrecht verkaufsabträglichen Titelseiten. Aber auch an der Vielzahl schwuler (und schwülstiger) Geschichten oder Nachdrucken aus Zeitschriften und Büchern. Je mehr schreibende Leser, Möchtegernschreiber und tatsächliche Autoren Manuskripte an den Verlag geschickt hatten, desto mehr von diesem Material wurde in das aktuell zu produzierende Heft hineingestopft. Da man - konzeptionslos - die Verkaufsauflage auch auf Dauer nie spürbar hochschrauben konnte, brachte man anstelledessen immer wieder neue, zusätzliche Homo-Titel auf den Markt - beispielsweise ADONIS und ADAM - die nicht nur mit ähnlichen schwulen Magazinen anderer Verlage konkurrierten, sondern zu allem Überfluss auch noch den eigenen Objekten Konkurrenz machten.

* In den vier Jahren von Januar 1976 bis Dezember 1979 hat Henry Ferling die Redaktion, Konzeption und Gestaltung von DON komplett mir (Jens M. A. Reimer) übertragen.

* In den drei Jahren 1980 bis Ende 1982 lag die Gesamtverantwortung bei Gerd Talis (= Gerhard Friede); jene Jahre, in denen die Verkaufsauflage bis an die Schmerzgrenze (unter 7.000 verkaufte Exemplare) abrutschte.

* Auf dringenden Wunsch Ferlings übernahm ich ab 1983 sukzessive erst wieder die Gestaltung und Bebilderung, letztendlich dann auch die Redaktion. Da ich im Impressum nicht mehr erscheinen wollte, wurde dort ein 'Redaktions-Team' genannt.

* Der Übergang zu Dorin Popa war fliessend, der 1984 die Redaktion der letzten DON-Ausgaben in der Ferling-Ära verantwortete.

Am 4. März 1984 feierte Henry Ferling seinen 71. Geburtstag. Die Übergabe der Druckerei an einen Nachfolger war geregelt. Anfang Februar 84 hatten er mit seiner Frau in Florida Urlaub gemacht und dort auch ihren künftigen Alterssitz organisiert. Nur für seine beiden Verlagsobjekte hatte er noch keinen Käufer gefunden. Das chaotische Ende wird in "Wie das DON-Magazin vom Ferling-Verlag zum Foerster-Verlag kam" kurz beschrieben.

Der obige "Abschiedstext" war einer der typisch ferlingschen Alleingänge. Dazu habe ich (Jens M. A. Reimer) ihm schriftlich mitgeteilt:

" ... Ich kenne Herrn Foerster nicht. Ich habe ihn auch nie kennengelernt. Und ich verspüre auch kein Verlangen, ihn kennenzulernen. D.h. Ich war nie ein Freund von Kurt-Joachim Foerster, und ich pflege mir meine Freunde selber auszusuchen ... " 

Bitterer Nachgeschmack

In einem Ferling-Brief (19.4.1984) an mich schreibt er u.a.: 

" ... wie sehr ich Ihr Können, Ihre Leistungen für DON und ADAM als von niemandem als von Ihnen allein erbringbar ansah und ansehe ... "

"... Herr Reimer, eine Tätigkeit in einem solchen engagierten Ausmaß zu solchen 'Honorarsätzen' kann man nicht einmal seinem besten Freund zumuten ... "

" ... ich Ihnen ausdrücklich bestätigen, mit welch bewundernswerter Akribie Sie Ihre Tätigkeit stets ausübten, wie Sie in bei unserem Verhältnis kaum nötig gewesener Sorgfalt Kosten aufgliederten, wie Sie mit über alles Mass hinaus im Verkehr mit Autoren den ramponiert gewesenen Ruf des Verlags korrekt und seriös wieder herstellten ... "

Billiges Wortgeklingel 

Henry Ferling hat immer korrekt meine (niedrig kalkulierten) Rechnungen bezahlt. Und anlässlich geschäftlicher Besprechungen durfte ich dreimal in seinem Haus übernachten. 

Das war's.

Nur was im jeweiligen Heft gedruckt stand, wurde auf Zentimeter, Heller und Pfennig abgerechnet. D.h. Henry Ferling hat NIE einen einzigen Pfennig für Redaktionskosten (Telefon, Porto, Schreibarbeiten ...), nie für redaktionell notwendige Reisen (u.a. zu ihm, zu Fotografen und Recherchen, Übergabe an Nachfolger Talis ... ), nie den immensen Zeitaufwand für Autoren und Fotografen (Suche, Korrespondenz, Abrechnungen, Belegversand ... ) bezahlt - - - geschweige denn auch nur nachgefragt, wie man denn trotz all dieser Ausgaben zurechtkomme.

Henry Ferling hat mir persönlich nie ein Geschenk, eine Flasche Wein, eine Sondergratifikation oder (was in der Branche vermutet und herumgetratscht wurde) eine kostenlose Anzeige für unseren Top-Versand ......... zukommen lassen.

Vielmehr hat Henry Ferling versucht, dem "treuen Freund" (Formulierung im Schreiben vom 19.4.84) die beiden Titel DON und ADAM zunächst für die originelle Fantasiesumme 160.000,- DM anzudrehen, über die er am 5.3.1984 an Dorin Popa schreibt: 

           „... niemand würde mir DON abkaufen, wenn er sieht, dass auch jetzt noch die monatlichen Erlöse nur die Druck-, Honorar- und Vertriebskosten decken ... nicht solche für den Büroapparat, eine normal bezahlte kaufmännische Kraft, geschweige denn vielleicht 500 Mark im Monat für den Verleger ... “

Henry Ferling hat sich von dem "treuen Freund" (der sich viel zu oft uneigennützig für seine beiden Verlagsobjekte engagierte, der ihn in vielen Dingen beriet, Ausarbeitungen für ihn machte, neue Redakteure, Autoren und Fotografen an Land zog, Verlagsanzeigen und -prospekte kostenlos für ihn gestaltete ... )

- - - weder verabschiedet 
- - - noch seine Florida-Adresse verraten 
- - - geschweige denn jemals ein Lebenszeichen aus den USA geschickt.

Dienstag, 1. Juli 2014

Johannes Werres, DON-Akteur


Johannes Werres, rechts, * 12.9.1923 (in Köln?) bis1990 (Positano/Italien? siehe folgenden Bio-Auszug)

... mit Lebenspartner Heinz Liehr, 1921-1990 (? siehe folgenden Bio-Auszug), links, ursprünglich "Intimfreund" von Dr. Willhart S. Schlegel (1912-2011).

Werres und Liehr haben sich 1958 kennengelernt. Die Aufnahme oben ist von 1989, aufgenommen in Positano, wohin die beiden 1984 übersiedelten. Foto im Archiv von Schwules Museum, Berlin


Ergänzung: Die in obiger Biographie erwähnte Frankfurter Neue Presse wurde 1946 als konservativer Gegenpart zur links-liberalen Frankfurter Rundschau gegründet.

Weder sein richtiger Name, noch eines seiner zahllosen Pseudonyme, standen jemals im Impressum des homosexuellen Magazins DON. Johannes Werres, Pseudonyme Hans Daniel, Jack, Jack Argo, Norbert Weissenhagen, Julius Wiesenbach, Hans Heinz Bär, Gay Guy, Hans Daniels, Bode Reinholt, das Kürzel JW ... und ... Urs Kent? Georg Gay? Klaus Ohnehage? Alexander? Jochen Freimuth? F. Isenberger? Richard Lang?

Und dennoch hat dieser radikal anti-linke Homosexuelle - der sich in DON-Vorworten als Meinungs- und Wortführer der Redaktion ausgab und u.a. als "wissenschaftlicher Mitarbeiter" von Dr. Willhart S. Schlegel sehr spezielle homo"wissenschaftliche" Erkenntnisse verbreitete - von den Herausgebern Günter Goebel und Henry Ferling total unbeeinflusst und ohne einen einzigen Widerpart im Blatt - über 3 Jahrgänge hinweg, dem Magazin DON mit konsequent einseitiger, konservativ-bourgeoiser, römisch-katholisch geprägter Meinungsmache seinenn Stempel aufgedrückt. Das dadurch entstandene stockkonservative Image klebte DON auch noch in vielen Nach-Werres-Jahren an.


Nach meinem ersten Abschied von DON, als ich (Jens M. A. Reimer) Anfang 1980 die Redaktion an Gerd Talis (= Gerhard Friede) (Heidelberg, siehe auch gay journal) übergab, liess dieser erneut Johannes Werres seine krankhaften Aversionen gegen alles 'Linke' in DON verbreiten. Das ging so bis 1983, als Talis die Redaktion entzogen wurde.

Beide Namen - Johannes Werres und Heinz S. F. Liehr - stehen allerdings ab 12/1977 als Autoren im Impressum von unter uns (kurz darauf unter uns ADAM

Meine Suche nach Johannes Werres führte zunächst zu den Artikeln von Ernst Ostertag auf der Webseite "Es geht um Liebe", Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte (siehe Verzeichnisse/Personenregister) - führte aber auch nicht weiter. Durch zufällige Eingabe des Namens Hans Heinz Bär stiess ich auf einer Google "Books-Ergebnisseite" auf die obige Kurzbiographie. Sie bestätigt meinen Verdacht, dass Johannes Werres seine schwulen und schwulenpolitischen Beiträge mit immer neuen Autoren-Namen garnierte, und seinem markanten Schreibstil zufolge - gepaart mit mehr oder minder heftigen Ausfällen gegen 'Linke' - nicht nur die hier oben aufgeführten.

Werres selbst bezeichnete sich als (homosexueller) 'Aktivist der ersten Stunde'. Er war Journalist und Übersetzer, gebildet, schreibbegabt und verbreitete in mehreren Schwulenpublikationen sein extrem einseitig wertkonservatives Weltbild und Gedankengut. In dem 'Redaktionsleiter', Günter Goebel, fand er einen politisch und schwulen-politisch total desinteressierten Textabnehmer, wie überhaupt Goebel textliche Inhalte der von ihm herausgegebenen Publikationen grundsätzlich nicht interessierten (Hauptsache war, dass die Seiten gefüllt wurden).

Werres schrieb u.a. für die Päderastenzeitschrift Pikbube des Helmut W. Bendt, die erstmals 1970 erschien und nach mehreren Indizierungsanträgen 1974 eingestellt wurde.

Warum auch (ab Heft 1/1973) der Darmstädter Druckereibesitzer und Verleger Henry Ferling, Familienvater und sehr engagiertes liberales FDP-Mitglied, Werres-Texte bis ins Jahr 1974 (meinem beginnenden DON-Engagement) unbesehen druckte, habe ich nie verstanden.


Ergänzend zu der obigen Biographie: Etwa ab 1958 lebte "das Kleeblatt" Werres, Schlegel und Liehr zusammen in Hamburg. Ab 1963 (?) in der grossen Villa mit Garten des Konstitutionsbiologen und Neurologen Dr. Willhart S. Schlegel im 'vornehmen' Kronberg, Luftkurort im Hochtaunus bei Ffm. (Abb.)

1984 - nach 26jährigem Gemeinschaftsleben - wurden Werres und sein Lebenspartner Heinz Liehr (Pseudonym Rico), der erotisch schwülstige Homogeschichten auch für DON schrieb, aus der Kronberger Villa herausgeworfen (Schlegel hatte sich einen jüngeren Liebhaber zugelegt). Beide siedelten nach Positano/Italien um.


Das 25-seitige Original seines selbst getippten Lebenslaufes kann man - in seinem Nachlass - in Schwules Museum Berlin lesen.

Der Leser wird sich fragen, warum ich Johannes Werres schwul-journalistisches Wirken in diesem Blog immer wieder despektierlich kommentiere. Nicht etwa weil er ein Meinungsmacher und -manipulator von einzigartig konservativer Einäugigkeit war, unfähig und unwillig sich mit anderen Meinungen und Weltanschauungen auch nur ansatzweise ernsthaft auseinanderzusetzen, sondern weil er - so wie er sich auch in zahllosen DON-Beiträgen artikulierte - alle seine vermeintlich "linken Gegner" diffamierte und zu Deppen stempelte. Beispiele dafür bietet dieses Blog in grosser Zahl.

Alle Blog-Einträge werden - soweit Neues entdeckt wird - ergänzt bzw. korrigiert.


Johannes Werres als Soldat, Foto: Schwules Museum Berlin.



Dieses Foto (Quelle: http://schwulengeschichte.ch/services/bildergalerie/teil-4/) mit der Bildunterschrift: "KREIS-Herbstfest vom 1.10.1955: "Die Entscheidung" (Game of Fools), Theaterstück von James Fugaté / James Barr, 1922-1995. Darsteller v.l.n.r: André Méan; Kari Schwytter; Karl Meier = Rolf, 1897-1974; Röbi Rapp; Richard Frick; "Wolf"; Eduard Meyer = André und sitzend Johannes Werres = Jack Argo, 1923-1990.
Fotograf: Edmund Mos"

In der Aufzählung der Darsteller steht "Wolf" (dritter von rechts) für Heinz Liehr.

Mehr über Der KREIS (Homosexuellenzeitschrift, Schweiz)

Donnerstag, 27. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 7). Talis tritt ab. Ein "Autorenteam" tritt an.


DON 7/1983 erscheint im Juli 1983.

Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist wieder die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" mit Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M. A. Reimer), Andy Mueller und Gerd Talis (der nur noch aus formalen Gründen im Impressum steht).



Layout, Bildauswahl, Umbruch ... "darf" ich wieder machen.

Bei einschneidenden Veränderungen einer Zeitschrift ist es eigentlich üblich, dass der Verleger ein paar Worte dazu sagt. Umso vielsagender ist, dass Henry Ferling zur Trennung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) kein Wort in DON verliert. Warum sich Inhalt und Layout der Juli-Nummer entscheidend vom Juni-Heft unterscheiden, kann man (auch zwischen den Zeilen) obigem Vorwort entnehmen.

Nach dem desaströsen Einbruch der DON-Verkaufsauflage (44% Verlust in drei Jahren) hatte Henry Ferling mich (Jens M. A. Reimer) händeringend gebeten, wieder die Redaktion, eine Überarbeitung der Gestaltung, das Layout und die Bildbestückung zu übernehmen. Hilfe sagte ich ihm nur für eine kurze Übergangsperiode zu, da ich bereits mit der eigenen Firma und vielen anderen Objekten aus- und überlastet war. Da ich namentlich nicht mehr im Impressum erscheinen wollte, einigten wir uns auf den Ausdruck "Autorenteam" (anstelle Redaktion / Redaktionsteam).
 

Die Leserbrief-Seiten sind unter neuer Regie - jetzt wird zurückgeschossen (vgl. Leserbrief-Anmerkungen in der Mai-Ausgabe 1983). Nun attackieren ein paar "bestellte Leserbriefe" die letzten DON-Ausgaben unter dem Redaktionsleiter Talis.

"Auf das neue redaktionelle Konzept von DON kann man wohl zu recht gespannt sein. DON scheint interessanter zu werden. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg, obwohl es wahrscheinlich sehr schwierig sein wird, sowohl beim Verleger ein neues Konzept durchzusetzen und vor allem dem Leser das neue Image zu präsentieren. Bruno Gmünder, Verleger der Städteportrait-Reihe 'von hinten', Berlin."


"Eine Abrechnung mit Zarah Leander und ihren schwulen Verehrern anlässlich ihres 2. Todestages ... Ach Zarah! Hast Du das verdient? Und natürlich haben sich auch die Homo-Gazetten ihrer angenommen. Haben sich schier einen abgewichst. besonders hervorgetan hat sich DU & ICH. Mit 'Exklusiv-Interviews' und dem Abdruck ganzer Tourneepläne, mit Lobhudeleien über ihr Buch und grosser Ankündigung über ihr Comeback, als die alte Frau schon kaum mehr sehen konnte. Ein grosser Kübel Tränen floss durch schwule Blätter, als die Leander vor zwei Jahren in die ewigen Jagdgründe einging. In DU & ICH gleich seitenweis ... Wie soll man das eigentlich begreifen, wenn die Nachkriegs-Schwulen-Generation, also jene Homosexuellen, die das 'Tausendjährige Reich' überlebt hatten, ausgerechnet dieser Frau mit verzücktem Schleierblick zu Füssen fielen? ... Es will einem einfach nicht in den Kopf. Denn in einer Zeit, in der Homosexuelle als Volksschädlinge diffamiert und verfolgt wurden, in der sie zu Tausenden verurteilt, anschliessend in Konzentrationslager abtransportiert und dort zur Strecke gebracht wurden, in genau jenen Adolf-selig-Zeiten war die Leander ganz obenauf. Hat mitgemischt, im Sinne des Führers ... der Verklärung des 3. Reichs und dem Endsieg zuliebe ... "


Razzia bei Florenz: Von 49 festgenommenen Dirnen auf dem Strassenstrich entpuppten sich auf dem Revier 49 als Männer.

Schlüssellochperspektive: In seinem Buch >The Love You Make - an Insider's Story of the Beatles< berichtet Peter Brown, einst Assistent des Beatles-Managers Brian Epsein u.a. " ... von gleichgeschlechtlichen Aktivitäten John Lennons: Angeblich war er der Geliebte von Brian Epstein ... Lennon hätte nur zeitweilig ein Verhältnis mit Epstein gehabt, um - nach seiner Aussage - >zu sehen, wie das ist< ... Um so mehr verwundert es, wie der Gitarrist seine homosexuellen Erfahrungen selbst gewertet haben soll: >Ich habe das Experiment genossen.<"

Schwulenkartei: "Den Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus scheinen die Straftäter-Karteien keine Ruhe zu lassen. Immer wieder traktieren Sie den Innensenat mit Fragen über Speicherungsdauer, Löschungsbedingungen und Karteienverbund ... So wurde nun bekannt, dass Homosexuelle in der Sexualstraftäter-Kartei unter dem Kennzeichen >C< geführt werden ... "

Südafrika: "Die südafrikanische Eisenbahnpolizei soll 60 Männer und Frauen aus dem Dienst entlassen haben, weil sie gleichgeschlechtlich veranlagt sind ... "


< Der im Sinne der menschlichen Verfassung 'vollkommene' Johannes Gross (1932-1999), stockkonservativer Publizist und Journalist (u.a. STERN), im obigen Artikel "antischwuler Intoleranzbolzen" genannt, der als Herausgeber und Chefredakteur des STERN gerade noch verhindert wurde: "Homosexualität ist für mich etwas Minderes im Sinne des Unvollkommenen einer menschlichen Verfassung"

DON rechnet ab - mit den Illustrierten STERN, BUNTE, NEUE REVUE, QUICK, PRALINE, WOCHENEND, BRAVO ... - in Sachen schwuler Themen:
" ... Die Aufgeschlossenheit des STERN gegenüber der homosexuellen Minderheit und schwulen Themen kann gar nicht den Bach heruntergehen, denn sie hat nie existiert ... QUICK und NEUE REVUE ... greifen schwule Themen überhaupt nur auf, wenn sie einen publikumswirksamen Knüller daraus fabrizieren können. Zum Beispiel Tuntenbälle ... PRALINE ... WOCHENEND ... aber auch die Jugendzeitschrift BRAVO ... können, wenn's um Schwule geht, getrost mit dem journalistischen Niveau der BILD-Zeitung verglichen werden. Nur noch dämlicher. Die Familie Burda, ihre Mitarbeiter und Redakteure von die BUNTE ... wissen wahrscheinlich nicht einmal, wie man das Wörtchen 'schwul' buchstabiert ... In der Rückschau muss festgestellt werden: der STERN-Report >Wir sind schwul< [Oktober 1978] war nichts weiter, als ein publikumswirksamer Illu-Schocker, der den Verkauf ankurbeln sollte ... "


Am 6. März 1983 (vorgezogene Neuwahlen nach dem Seitenwechsel der FDP) wurde die Union (CDU und CSU) mit 48,8% der Stimmen stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag und Helmut Kohl Kanzler, der landauf, landab die "geistig-moralische Wende" predigte. Mit in der Regierung (wieder/natürlich/wie immer) die FDP.

" ... 'Der Spiegel' meinte, >seiner Regierungserklärung zufolge möchte Kohl so weitermachen ... mit Nichtstun und Zuwarten< ... Wir dürfen Vertrauen zu Kanzler Kohl haben, dass zumindest für uns [Schwule] auch in Zukunft nichts läuft ... Kohl würde sich wohl eher die Zunge abbeissen, als die Schwulen in den Mund zu nehmen ... Und dann wäre da auch noch die FDP. Ihre grossartigen Schwulen-Wahlparolen von 1980 hatte sie vor dem 6. März auf Sparflamme heruntergedreht. Wer da glaubt, dass die FDP in der neuen Koalition mit der Entdiskriminierung der Schwulen auch nur einen Zoll breit weiterkommt, der muss schon ein gerüttelt Mass an Gottvertrauen haben ... Wenn man die gegenwärtige politische Situation und das rechtsdriftende Klima der 'Koalition der Mitte' genau analysiert, dann muss man schon viel Naivität besitzen, um an eine Abschaffung des § 175 zu glauben ... "


Modell Laszlo, 27, Ungar, Tänzer, Go-Go-Boy, in meinem Münchner Fotostudio.


In bundesdeutschen Spitzenschwulenzirkeln sind sie bekannt, wie bunte Hunde: Der schwule Beckenskelettforscher Dr. Willhart Siegmar Schlegel und seine Werbeposaune Heinz F. S. Liehr (alias Rico de Positano, Lebensgefährte von Johannes Werres). In diesem nicht stattgefundenen DON-Gespräch [Satire!] werden die beiden einer schwulen Würdigung unterzogen.

Schlegel, Werres und Liehr wohnten ein Vierteljahrhundert lang gemeinsam unter einem Dach; in einer Villa im vornehmen Kronberg/Taunus, was mit obiger Abb. der Gartentürschilder nachgewiesen werden sollte.


Ein grossartiger Artikel von Rosa von Praunheim, entnommen dem neu erschienenen Szeneführer 'Berlin von hinten', mit freundlicher Genehmigung des Bruno Gmünder Verlag.

"Im Juli 1971 wurde Rosa von Praunheims Film >Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt< oder >Das Glück in der Toilette< beim 'Internationalen Forum des jungen Films' in Berlin uraufgeführt. Ausgehend von seinen Problemen mit sich und den Berliner Schwulen versuchte er die Verklemmungen, Ängste und Hilflosigkeit in der gesellschaft zu untersuchen. >Heute<, sagt er, >10 Jahre später, würde ich den Film viel bissiger und radikaler machen.< Desillusioniert, aber ohne Bitterkeit erzählt er von seinen Berliner Erfahrungen ... "


"Als Kind hat er Marionetten gebastelt. Er zeichnete Köpfe auf Karton, schnitt sie aus und formte sie in Ton. Als Regisseur machte er Köpfe zu den Stars seiner Filme. Groteske Gesichter, zahnlose und edle, dekadente und aufregende, unförmige und liebliche, schockierende und faszinierende Gesichter ... Aus dem Buch >Fellini's Faces< zeigen wir einige Knaben- und Männergesichter ... "

Diese Seiten habe ich zu Ehren meines Lieblings-Regisseurs, Federico Fellini, in DON hineingeschmuggelt.

Montag, 3. Februar 2014

In 3 Jahren Talis-Redaktion verlor DON 40% seiner Verkaufsauflage. Henry Ferling zieht Konsequenzen.

Da mir die Aufgaben unserer expandierenden Firma Top-Versand über den Kopf wuchsen, bat ich 1979 den Verleger Henry Ferling, die DON-Rdaktion abgeben zu können. Da Ferling keinen Nachfolger wusste, empfahl ich ihm Gerd Talis (= Gerhard Friede), Verleger, Redakteur und Journalist des Gay Journal, den ich selbst zwar nicht kannte, dessen journalistische Qualitäten, seine Unabhängigkeit und sein Engagement ich jedoch schätzte.

Die DON-Redaktion wurde nach Heidelberg verlegt, Talis begann seine DON-Tätigkeit mit der Januar-Ausgabe 1980, während ich nun nur noch das zweimonatlich erscheinende ADAM machte.

Schon im zweiten Halbjahr 1980 begann DONs Verkaufsauflage spürbar abzubröckeln. In den Folgejahren rutschte sie kontinuierlich weiter ab. Beginnend im Jahr 1981 entwickelte sich zwischen Ferling und Talis - über meherere Probleme - ein heftiger Briefwechselstreit (von dem ich alle Kopien besitze, da ich mit Ferling engen Kontakt pflegte). Im Februar bat Henry Ferling einen (befreundeten) bekannten Journalisten, Redakteur und Zeitschriftenverleger um eine 'Analyse' der letzten drei DON-Jahrgänge und der Redaktionskosten.

Wie ein Aussenstehender die Situation bei DON beurteilte, steht in den folgenden 5 Briefseiten. Kurz darauf erfolgte - notgedrungen - die Trennung von dem sehr verbitterten Gerd Talis (= Gerhard Friede) .


Sonntag, 2. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 2)


DON 2/1983 erscheint im Februar 1983. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

  
Links: Es muss (weiter) gespart werden. Vierfarbfotos werden durch sog. Duoton- oder Duplex-Bilder ersetzt - Graustufenfotos, die zusammen mit nur einer Schmuckfarbe gedruckt werden. Solche Zweifarbbilder hatte das Magazin etwa zehn Jahre zuvor oft gedruckt.


Anlass dieses Beitrags von Dirk Strehlau, (Mitglied des 'Arbeitskreis Homosexualität' der Jungdemokraten in NRW und Mitunterzeichner des u.a. in DON veröffentlichten Aufrufs "diesmal F.D.P." wählen) ist der Koalitionsbruch, der in der damaligen BRD hohe politische Wellen schlug.

Hintergrund dieses Beitrags: Am 1. Oktober 1982 wurde Bundeskanzler Helmut Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvortum gestürzt. Nach 13 Jahren Sozialliberale Koalition wechselten Hans-Dietrich Genscher und seine FDP hatten - nur 2 Jahre nachdem die Bürger eine rot-gelbe Koalition (zusammen 53,5%) gewählt hatten - die Seite gewechselt und von der SPD zu CDU/CSU "rübergemacht". Genscher bescherte der Bundesrepublik 16 Jahre lang einen Bundeskanzler Helmut Kohl. Zahlreiche Abgeordnete und Partei-Mitglieder verliessen damals die FDP.

"Im Bundestagswahlkampf 1980 veröffentlichten die Magazine DON, Du & Ich, Gay-Journal usw. eine Wählerinitiative für die F.D.P. mit dem Hinweis, dies sei die einzige der etablierten Parteien, die sich für Lesben und Schwule einsetze. Jetzt, da die F.D.P. den lange geplanten Coup des Koalitionsbruchs in Bonn unter Dach und Fach gebracht hat, da eine konservative Regierung mit rechten Ultras in entscheidenden Positionen wieder für Ruhe und Ordnung sorgen wird, da viele F.D.P. Parteimitglieder die Sinnlosigkeit eines Verbleibs in der F.D.P. erkannt haben und ausgetreten sind, da Gerhart Baum nur noch als Feigenbaum zurückblieb: Jetzt wird es langsam Zeit, Rechenschaft abzulegen, damit so etwas nicht noch einmal passiert ... "


"Beispielgebend für die >Humanistische Union< hat deren niedersächsischer Landesverband in einem zum Jahresende veröffentlichten Memorandum Gründe und Hintergründe aufgezeigt, welche die baldige Fortsetzung der vor mehr als zehn Jahren begonnenen Strafrechtsreform erforderlich machen. Dieses >Memorandum für ein humanes Sexualstrafrecht< prangert vor allem die Sinnlosigkeit der Paragraphen 174, 175, 176, 180 und 182 StGB an, erhebt Bedenken gegen die §§ 183 und 184 StGB - und will durch diese Kritik eine völlige Neugestaltung des Sexual-Strafrechts anregen. Wir halten den Text für eine der wichtigsten Verlautbarungen seit langem, bedauern es aber, ihn nur erheblich gekürzt wiedergeben zu können. DON-Redaktion"



Zum aberhundertsten Mal beschäftigt sich Gerd Talis (= Gerhard Friede) (in immer neuen Variationen) mit der Schwulenbewegung. " ... Hat sie jemals bestanden? Gab es da jemals zündende Ideen, die mitgerissen hätten? Nein: Idologien ... "

Mehrfach - u.a. in DON 9/1982 und DON 1/1983 - habe ich >Talis falsche Themensetzung< erwähnt und auf die absackende Verkaufsauflage hingewiesen. Mittlerweile brennen dem Verleger Henry Ferling sämtliche Birnen durch. Alles Bitten, Flehen und Werben bei seinem Redakteur Gerd Talis (= Gerhard Friede), sich endlich der Zeitschrift DON, vor allem jedoch ihrer Leser zu widmen, treffen in Heidelberg auf taube Ohren. (Das ist allerdings nur einer von mehreren Streitpunkten zwischen Verleger und Redakteur.) 

Da es Ferling nicht liegt, seinen freiberuflichen DON-Redakteur holterdipolter herauszuwerfen, bittet er einen befreundeten bekannten Journalisten und Zeitschriftenverleger um eine Analyse der letzten drei DON-Jahrgänge. 

Eine Kopie des Original-Briefes dieser Anlayse ist in meinem Besitz. Da sie die Situation, in der sich das DON-Magazin befindet, gut charakterisiert, erscheint dieser Brief als nächster Blog-Eintrag.


Samstag, 1. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 1)


DON 1/1983 erscheint im Januar 1983. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


BAP " ... Begonnen hatte alles ... als ein gewisser Wolfgang Niedecken im Vorprogramm eines Kölner Gastspiels ... mit eigenen Songs auftrat. Dieser Wolfgang Niedecken war eigentlich Maler und betrieb die Singerei ... nebenbei. Doch seine Lieder, die voller Witz, Hintersinn und Poesie ... das sympathische und ungeschminkte Auftreten der Gruppe ... 
... ein kleiner, ins Hochdeutsche übersetzter Auszug aus ... 'Kristallnacht' ..."

... In der Ruhe vor dem Sturm, was ist das?
Ganz klammheimlich verlässt jemand die Stadt.
Honoratioren incognito hasten vorbei,
wenn die Volksseele, allzeit bereit,
Richtung Siedepunkt, wütet und schreit:
Heil, Halali! Und grenzenlos geil nach Vergeltung brüllt, 
zitternd vor Neid in der Kristallnacht.
Doch die, die alles, was anders ist stört,
die mit dem Strom schwimmen, wie es sich gehört,
für die Schwule Verbrecher sind,
für die Ausländer Aussatz sind,
die brauchen jemand, der sie verführt ...


Nackt-Frühstück. "Ein Amerikaner aus Nebraska will jetzt sein Recht aufs Nacktsein einklagen. Douglas Metzger hatte beim Frühstücken nackt in seiner Wohnung gesessen, als ... Polizisten an seiner Tür klingelten ... Das Gericht hatte ... Douglas zu einer Geldstrafe ... verurteilt ... Das Bezirksgericht bestätigte den Schuldspruch ... "

Witwenrente. "Der kalifornische ... Smith (34) lebte 5 Jahre lang mit seinem Freund zusammen. Dann war sein Lebensgefährte ... ums Leben gekommen. Smith hatte daraufhin Witwenrente beantragt. Sie ist ihm jetzt bewilligt worden ... "

GAY, SEX, CIA ... "Weil dort niemand solche Auto-Nummer haben will, sind im US-Bundesstaat Colorado tausend Kfz.-Schilder mit der Buchstabenkombination GAY wieder ... eingestampft worden ... Derzeit in den Reagan-USA alle unerwünschten Buchstaben-Kombinationen ausgemerzt werden ... "

Spanien. " ... Zu den Institutionen, die bisweilen noch abseits der Menschenrechte stehen, wird die 'Guardia Civil' gezählt, von der jetzt wieder 3 Angehörige vor Gericht gestellt wurden, weil sie 3 Homos auf brutale Weise ermordet haben ... "
(Anmerkung: 1975 starb Diktator Francisco Franco. 1978 wurde Spanien parlamentarische Monarchie)

San Francisco. "350.000 Dollar hat der Bürgermeister ... Frau Dianne Feinstein, zur Förderung städtischer Gesundheitseinrichtungen für die Homos der Stadt zur Verfügung gestellt ... "

Zeig Mal! ">Show me!<, das grossformatige >Bilderbuch für Kinder und Eltern<, darf in New York ab sofort nicht mehr in den Buchläden ausgestellt und verkauft werden ... fällt das reich mit Fotografien nackter Kinder ** versehene Buch dort unter eine Bestimmung, welche 'die Förderung sexueller Praktiken bei Kindern unter 16 Jahren' verbietet ... "

(** Empfehlenswert nachzulesen Zeig Mal und Fotograf Will McBride)


Linke Seite:

Der moralisierende Gerd Talis (= Gerhard Friede) zum xten Mal über "... Durch Selbstprofilierungssucht werden wir zersplittert bis hin zum politischen Chaos ... Die schwule Gegnerschaft hat uns nichts eingebracht ... wir können nichts erreichen, wenn wir wie Abziehbilder des antihomosexuellen Voururteils auftreten ... weshalb ich alle 'Männer in Amt und Würden' bitte, den Leitartikel vom November-DON ... "

Der DON-Redaktionsleiter schreibt nicht für die DON-Leserschaft, sondern wendet sich an Schwule, die dieses Magazin so gut wie nie je zur Hand nehmen. Vgl. meine Anmerkungen zu "Eine grosse Familie" in DON 9/1982 ...
... und die Verkaufsauflage von DON sinkt weiter.

Rechte Seite:
Urs Kent über Dr. Magnus Hirschfeld. "Im Buch der und des Offiziellen steht das neue Jahr ganz im Zeichen von Martin Luther ... am 6. Mai 1933 brannten in allen grossen Städten des Deutschen Reiches ganz besondere Scheiterhaufen ... So ging vor 50 Jahren auch das Werk eines Mannes in Flammen auf ... des weit über Europa hinaus bekannten Sexualwissenschaftlers Dr. Magnus Hirschfeld. Denn Hirschfeld war Jude, war Homosexueller und war Freigeist ..."

Die lesenswerte Hirschfeld-Würdigung ist mit mehreren Seitenhieben gegen die "eindeutig links bis ultra-links angesiedelte Schwulenbewegung" (Schwulenbewegung in Anführungsstrichen) garniert, weshalb ich hinter Urs Kent Johannes Werres als den tatsächlichen Autor vermute. Für diese Annahme habe ich aber bis dato keinen Beleg.


Karlheinz A. Barwasser schreibt die Geschichte eines heterosexuellen jungen Mannes, der sich plötzlich - körperlich - zu einem älteren Mann hingezogen fühlt.


"Im Herbst des Jahres 1982 erlebten wir die Öffnung zum Bösen hin: die grenznahe niederländische Stadt Enschede hatte den >konktrollierten< Verkauf von hasch und Marihuana (sogenannten >weiche< Drogen) an niederländische Jugendliche freigegeben ... "

Auch in diesen ebenso namenlosen, wie engagierten Beitrag sind heftige Seitenhiebe gegen "die Linken" eingeflochten, weshalb ich auch hier Johannes Werres als Autor vermute.

Die rechtsseitige Schwänze- und Ärsche-Bildersammlung - betitelt "Jahresausblick" - dürfte in diesem sich texlich so seriös gebenden Magazin als redaktionelle "Perle" gelten.

Sonntag, 19. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 9)


DON 9/1982 erscheint im September 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Gerd Talis (= Gerhard Friede) lädt hier noch einmal zum >Zehnjährigen< seiner schwulen Zeitung gay journal ein (siehe auch DON 8/1982) - wohl deshalb erscheint auf dieser Seite erstmals ein aktuelles Foto von ihm.

Wiederholt habe ich in diesem Blog den jounalistischen Qualitäten des Gerd Talis (= Gerhard Friede) Lob gezollt. Auch in "Eine grosse Familie" sind seine Gedanken, Argumentation und 'Schreibe' ausgezeichnet.

Nachdem ich durch die Arbeit an diesem Blog zahlreiche Talis-Vorworte direkt nacheinander gelesen habe, fällt mir auf, dass der schwule Journalist wie ein nervender Wanderprediger oft mit ein und demselben Thema unterwegs ist - in dem immer ähnlichen Jammertenor: Die nicht existente Gemeinschaft der Homosexuellen. Die uneinige, zersplitterte Homo-Bewegung. Es gibt in Deutschland auch 1982 keine grosse schwule Familie, keine 'gay society', klagt Talis.

Das ist richtig. Zeigt aber auch, wie wenig sich der Redakteur mit seinen DON-Lesern und deren Erwartungen identifiziert. Denn in ihrer überwältigenden Mehrheit interessieren die sich  (wie die Masse der Schwulen) weder für die Schwulenbewegung, noch für einen gemeinsamen 'Kampf' um Gleichberechtigung. Und wenn man ihnen das allzu penetrant vorsetzt (vorhält?), dann verabschieden sie sich  ...

... was sich an DONs stetig weiter sinkender Verkaufsauflage ablesen lässt. Ein Thema, über das bald noch zu berichten sein wird.


"Dieser Artikel erschien in der Juli-Ausgabe des Satiremagazins TITANIC. Wir fanden ihn so locker, listig und lästig, dass wir uns gleich an den Autor (österreichischer Journalist und Sachbuchautor, heterosexuell) Hans-Georg Behr (u.a. Verfasser des bei Econ erschienenen >Weltmacht Droge<) herangemacht haben. Behr gab uns freundlicherweise die Genehmigung zum Nachdruck.

Weil wir selbst von Verlag und Redaktion gewisse Lesehemmungen hatten, erlauben Sie uns, Ihnen zwei wichtige Erkenntnisse mit auf den Leseweg zu geben: Vergessen Sie bitte nicht schon nach der ersten Hälfte Ihre gute Kinderstube. Lesen Sie bis zum Ende! Da bietet Behr Möglichkeiten, sich wieder abzuregen. Und verfolgen Sie sehr aufmerksam, wieviele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Behr auf die schwule Schippe nimmt, ohne dass nur ein einziger Name fällt.

Ob Behr nun die schiere Ga´lle über Schwule kippt ... oder ob er dem schwulen Volk peinliche Wahrheiten vor den Latz knallt... darüber, so hoffen wir, wird in DON eine hitzige Leserdiskussion entbrennen.

DON-Redaktion"


"In ... der >Weltbühne<, erschien am 26. April 1932 ... ein Artikel von Kurt Tucholsky über Ernst Röhm, den Hauptmann der Reichswehr, den Staabschef der SA und Freund Adolf Hitlers. ... 'Durch die radikale Links-Presse', so kritisierte ... Tucholsky, 'gehen seit einiger Zeit Anschuldigungen, Witze, Hiebe auf den Hauptmann Röhm ... Doch wollen mir die Witze über Röhm nicht gut schmecken. Seine Veranlagung widerlegt den Mann gar nicht ... Wir bekämpfen den schändlichen Paragraphen Hundertfünfundsiebzig, wo wir nur können, also dürfen wir auch nicht in den Chor jener mit einstimmen, die einen Mann deshalb ächten wollen, weil er homosexuell ist ...' "


Was hat die HuK mit der Nato zu tun? Von Leserbriefschreiber Johannes Werres

"Der Koordinationskreis der erstmals 1980 in Berlin an die Öffentlichkeit getretenen 'Kirche von unten' mit seinen 43 Gruppen, von der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Hochschul- und Studentengemeinden über den 'Bensberger Kreis' katholischer Intellektueller und die 'Christen für den Sozialismus' bis zur Arbeitsgemeinschaft 'Homosexuelle und Kirche' möchte das traditionsreiche Treffen der katholischen Laien (den Katholikentag) am 4. September in Düsseldorf zu einem Tribunal über den NATO-Doppelbeschluss 'umfunktionieren', liest man in der WELT am 8. Juni 1982.

Da fragt man sich doch allen Ernstes: Was hat die Homosexualität mit der Nato zu tun? Wozu müssen die katholischen Homosexuellen sich hinter sachfremde Zielsetzungen stellen und vor den Karren linker (sozialistischer) Bestrebungen spannen lassen? Sind denn die Ziele der Homosexuellen innerhalb der katholischen Kirche so unwichtig geworden oder haben sie sich gar bereits erledigt, dass man jetzt schon zu anderen Themen übergeht?

Ganz abgesehen davon, dass beileibe nicht alle Katholiken oder Homosexuellen diesen hirnverbrannten Unsinn der sogenannten Friedensbewegung mitmachen wollen - weshalb und wozu werden hier wieder einmal mehr lohnenswerte Ziele mit sachfremden, völlig abseits liegenden Thematiken verquickt und verraten? Schuster bleib bei deinen Leisten! HuK, befasse dich intensiv und ausschliesslich mit dem Thema, für das zu kämpfen du angetreten bist, mit der Integration der Homosexuellen in die Kirche(n) und mit der ständigen Diskussion mit den Theologen beider Konfessionen. Ich habe über diese Tätigkeit bislang noch sehr wenig zu hören bekommen.
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Ich spreche im Namen der 'schweigenden Mehrheit' und verbitte mir mit den meisten Homosexuellen eine solche Verquickung und Identifizierung. Homosexuelle sind an sich friedliebend, auch wenn sie ihr Vaterland verteidigen. Johannes Werres"
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PS. Die Fragestellung ist durchaus berechtigt. Aber für Johannes Werres gibt es kein Thema auf dieser Welt, in dem er nicht die bösen, irren Linken (Sozialisten) unterzubringen versteht.


Die Photoshop-Korrekturen dieses Doppelseiten-Fotos will Google - trotz aller mir bekannter Tricks - um's Verrecken nicht annehmen.

Praktisches Studium: " ... Um die Theorie aus den Psychologiekursen durch lebende Beispiele zu untermauern, machte Professor Singer (kalifornische Staatsuniversität, Long Beach) mit seinen Studenten ausgedehnte Lehrausflüge in Kontaktbars, Homolokale und Partnertauschclubs. Dort hielten sich seine Studenten >bei der Selbsterfahrung tüchtig ran, denn für persönliche Erfahrungsberichte bekommen wir die besten Noten< ... "

Arsch versohlen. 40jähriger Staatsanwalt in Kleve wurde handgreiflich: " ... Jugendliche mussten die Hosen runterlassen, dann versohlte der Ankläger ihnen den nackten Hintern. Sechs solcher >Erziehungsfälle< gab der Strafverfolger ... freimütig zu ...wird nun auch untersucht, ob der >Erziehungs-Abart strafbare sexuelle Komponenten< zugrunde liegen."

Strichjungen: " ... der Staat züchtet sich seine >Unterwelt< zu einem Grossteil selber. Jugendheime, sogenannte Erzeihungsstätten, zu Bismarcks Zeiten eine soziale Errungenschaft, sind auch heute noch Plätze für den Nachwuchs in der mann-männlichen Prostitution ... "

Überflutung des Marktes mit jugendgefährdenden Darstellungen: "Jetzt erheben sich Forderungen, eine freiwillige Selbstkontrolle des grossen Videokassettenmarktes durch hersteller und Vertreiber einzurichten. Angesichts des zunehmenden Angebots von Pornographie, sadistischen Sexualdarstellungen und Brutalität dürfte dieser Markt nicht sich selbst überlassen sein ... "

Südamerikanische Homos: " ... Wenn man in rio sich die Jacke 'nur etwas schwul' über die Schultern hängt, kann man allerdings gleich - 'wegen Homo-Verdachts' - von der Polizeistreife angehalten, befragt und 'aufgeklärt' werden ... ansonsten ist man relativ frei, sogar in nichthomosexuellen Lokalen nimmt an einer Umarmung und entsprechenden Liebkosungen kein Mensch Anstoss ... In Argentinien dagegen herrscht die schärfste Homo-Verfolgung, die man sich denken kann. Und die gibt Anlass zu Erpressungen und Beraubungen von Seiten der Zivilpolizei (!) ... "

Rechts unten, grau unterlegt, das Gay-Weekend-Programm in Heidelberg anlässlich des 10jährigen Jubiläums der Schwulenzeitung Gay Journal von Gerd Talis (= Gerhard Friede).