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Samstag, 1. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 1)


DON 1/1983 erscheint im Januar 1983. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


BAP " ... Begonnen hatte alles ... als ein gewisser Wolfgang Niedecken im Vorprogramm eines Kölner Gastspiels ... mit eigenen Songs auftrat. Dieser Wolfgang Niedecken war eigentlich Maler und betrieb die Singerei ... nebenbei. Doch seine Lieder, die voller Witz, Hintersinn und Poesie ... das sympathische und ungeschminkte Auftreten der Gruppe ... 
... ein kleiner, ins Hochdeutsche übersetzter Auszug aus ... 'Kristallnacht' ..."

... In der Ruhe vor dem Sturm, was ist das?
Ganz klammheimlich verlässt jemand die Stadt.
Honoratioren incognito hasten vorbei,
wenn die Volksseele, allzeit bereit,
Richtung Siedepunkt, wütet und schreit:
Heil, Halali! Und grenzenlos geil nach Vergeltung brüllt, 
zitternd vor Neid in der Kristallnacht.
Doch die, die alles, was anders ist stört,
die mit dem Strom schwimmen, wie es sich gehört,
für die Schwule Verbrecher sind,
für die Ausländer Aussatz sind,
die brauchen jemand, der sie verführt ...


Nackt-Frühstück. "Ein Amerikaner aus Nebraska will jetzt sein Recht aufs Nacktsein einklagen. Douglas Metzger hatte beim Frühstücken nackt in seiner Wohnung gesessen, als ... Polizisten an seiner Tür klingelten ... Das Gericht hatte ... Douglas zu einer Geldstrafe ... verurteilt ... Das Bezirksgericht bestätigte den Schuldspruch ... "

Witwenrente. "Der kalifornische ... Smith (34) lebte 5 Jahre lang mit seinem Freund zusammen. Dann war sein Lebensgefährte ... ums Leben gekommen. Smith hatte daraufhin Witwenrente beantragt. Sie ist ihm jetzt bewilligt worden ... "

GAY, SEX, CIA ... "Weil dort niemand solche Auto-Nummer haben will, sind im US-Bundesstaat Colorado tausend Kfz.-Schilder mit der Buchstabenkombination GAY wieder ... eingestampft worden ... Derzeit in den Reagan-USA alle unerwünschten Buchstaben-Kombinationen ausgemerzt werden ... "

Spanien. " ... Zu den Institutionen, die bisweilen noch abseits der Menschenrechte stehen, wird die 'Guardia Civil' gezählt, von der jetzt wieder 3 Angehörige vor Gericht gestellt wurden, weil sie 3 Homos auf brutale Weise ermordet haben ... "
(Anmerkung: 1975 starb Diktator Francisco Franco. 1978 wurde Spanien parlamentarische Monarchie)

San Francisco. "350.000 Dollar hat der Bürgermeister ... Frau Dianne Feinstein, zur Förderung städtischer Gesundheitseinrichtungen für die Homos der Stadt zur Verfügung gestellt ... "

Zeig Mal! ">Show me!<, das grossformatige >Bilderbuch für Kinder und Eltern<, darf in New York ab sofort nicht mehr in den Buchläden ausgestellt und verkauft werden ... fällt das reich mit Fotografien nackter Kinder ** versehene Buch dort unter eine Bestimmung, welche 'die Förderung sexueller Praktiken bei Kindern unter 16 Jahren' verbietet ... "

(** Empfehlenswert nachzulesen Zeig Mal und Fotograf Will McBride)


Linke Seite:

Der moralisierende Gerd Talis (= Gerhard Friede) zum xten Mal über "... Durch Selbstprofilierungssucht werden wir zersplittert bis hin zum politischen Chaos ... Die schwule Gegnerschaft hat uns nichts eingebracht ... wir können nichts erreichen, wenn wir wie Abziehbilder des antihomosexuellen Voururteils auftreten ... weshalb ich alle 'Männer in Amt und Würden' bitte, den Leitartikel vom November-DON ... "

Der DON-Redaktionsleiter schreibt nicht für die DON-Leserschaft, sondern wendet sich an Schwule, die dieses Magazin so gut wie nie je zur Hand nehmen. Vgl. meine Anmerkungen zu "Eine grosse Familie" in DON 9/1982 ...
... und die Verkaufsauflage von DON sinkt weiter.

Rechte Seite:
Urs Kent über Dr. Magnus Hirschfeld. "Im Buch der und des Offiziellen steht das neue Jahr ganz im Zeichen von Martin Luther ... am 6. Mai 1933 brannten in allen grossen Städten des Deutschen Reiches ganz besondere Scheiterhaufen ... So ging vor 50 Jahren auch das Werk eines Mannes in Flammen auf ... des weit über Europa hinaus bekannten Sexualwissenschaftlers Dr. Magnus Hirschfeld. Denn Hirschfeld war Jude, war Homosexueller und war Freigeist ..."

Die lesenswerte Hirschfeld-Würdigung ist mit mehreren Seitenhieben gegen die "eindeutig links bis ultra-links angesiedelte Schwulenbewegung" (Schwulenbewegung in Anführungsstrichen) garniert, weshalb ich hinter Urs Kent Johannes Werres als den tatsächlichen Autor vermute. Für diese Annahme habe ich aber bis dato keinen Beleg.


Karlheinz A. Barwasser schreibt die Geschichte eines heterosexuellen jungen Mannes, der sich plötzlich - körperlich - zu einem älteren Mann hingezogen fühlt.


"Im Herbst des Jahres 1982 erlebten wir die Öffnung zum Bösen hin: die grenznahe niederländische Stadt Enschede hatte den >konktrollierten< Verkauf von hasch und Marihuana (sogenannten >weiche< Drogen) an niederländische Jugendliche freigegeben ... "

Auch in diesen ebenso namenlosen, wie engagierten Beitrag sind heftige Seitenhiebe gegen "die Linken" eingeflochten, weshalb ich auch hier Johannes Werres als Autor vermute.

Die rechtsseitige Schwänze- und Ärsche-Bildersammlung - betitelt "Jahresausblick" - dürfte in diesem sich texlich so seriös gebenden Magazin als redaktionelle "Perle" gelten.

Mittwoch, 29. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 12)


DON 12/1982 erscheint im Dezember 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


offenbar muss gespart werden. In DON erscheinen - anstelle von Farbfotos - plötzlich wieder sog. Duoton- oder Duplex-Bilder - Graustufenfotos, die zusammen mit einer Schmuckfarbe gedruckt werden - wie das Magazin sie etwa zehn Jahre zuvor oft druckte.


Der Juso-Bundeskongress "fordert die SPD-Bundestagsfraktion zur Mitarbeit auf, dass im Grundgesetzt (Artikel 3) neben den dort schon erwähnten Diskriminierungsverboten die 'sexuelle Neigung' mitaufgenommen, dass der § 175 StGB ersatzlos gestrichen und jede Art von Homoregistrierung bei Polizei und anderen Behörden abgeschafft wird."

Anmerkung: Am 1. 10. 1982 wird Bundeskanzler Helmut Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvortum gestürzt. Hans-Dietrich Genscher und seine FDP hatten - nur 2 Jahre nachdem die Bürger eine rot-gelbe Koalition (zusammen 53,5%) gewählt hatten - die Seite gewechselt und von der SPD zu CDU/CSU "rübergemacht". Helmut Kohl wird Bundeskanzler.

Gay Community News: "Nach 10 Jahren aktivster Arbeit sind jetzt die Redaktions- und Vertriebsräume der homosexuellen Wochenzeitung in Boston (USA) durch Brandstiftung zerstört worden ... "

Münchens Verein für sexuelle Gleichberechtigung (VSG) "betreut auch homosexuelle Strafgefangene im bayerischen Raum ... Diesem Strafgefangenen wurden vom VSG auch Homo-Zeitschriften zugeschickt - nur erhielt er sie nicht ... Der VSG bekam ... Bescheid, die Amberger Anstalt habe die Blätter zu den Effekten des Knastinsassen genommen ... Ambergs Knastleitung konterte, der Strafgefangene habe erklärt >dass er auf die Aushändigung der Zeitschriften keinen Wert lege< ... Dem VSG liegt inzwischen eine Erklärung des Strafgefangenen vor, nach der ihm ... mitgeteilt worden sei, die ihm zugesandten Zeitschriften seien >verboten< ... Wer sich ... erinnert weiss noch, dass vor zwei Jahren Karlheinz A. Barwasser seinen Kampf um Aushändigung schwuler Zeitschriften ... gegen die Justizbehörden des Landes NRW 'gewonnen' hatte ... "

John D. Stamford, "der Herausgeber des 'Spartacus International Gay Guides', läutete die Sturmglocken. >Piraten sind am Werk< ... sie machen Raubdrucke vom 'Spartacus' und verkaufen sie unter Preis. Als Sitz dieser Druck-Piraten hat Stamford den berüchtigten Londoner Stadtteil Soho ausfindig gemacht ... "

Für Interessenten: Die GANZE Geschichte (in 7 Teilen) vom SPARTACUS International Gay Guide, von seinem Gründer John D. Stamford und wie Bruno Gmünder das Schnäppchen seines Lebens machte:
1. Teil: Die GANZE Geschichte vom SPARTACUS, von seinem Gründer John D. Stamford und ...
2. Teil: Die GANZE Geschichte ...
3. Teil: Die GANZE Geschichte ...
4. Teil: Die GANZE Geschichte ...
5. Teil: Die GANZE Geschichte ...
6. Teil: Die GANZE Geschichte ...
Fazit: Bruno Gmünder, John D. Stamford und der Spartacus ...


"DON-Verleger Henry Ferling hatte Hans-Georg Behrs mit 'Ein Herz für Schwule' überschriebene Ironie-Geschichte bei der Lektüre des Magazins 'Titanic' so lustig gefunden, dass er spontan beschloss, sie - mit Genehmigung des Autors - in den September-DON zu übernehmen. Kleine Seitenhiebe, meinte er, würden die schwulen Leser schon vertragen können, soviel Selbstironie brächten sie auf. Dem war nicht so, wie wir durch Leserzuschriften belegen können. Viele hielten die Behr-Story für eine 'echte Verarschung'. Als DON-Autor trat Gelang auf den Plan: 'Das kann so nicht stehen bleiben", sagte er und schrieb seine köstliche Erwiderung 'Ein Herz für Normale' (vgl. DON 11). Jetzt hält DON-Autor Wenzel Böhmak den Heteros ihr Selbstverständnis vor: 'Erbarmen mit den Nullbumsern!' ruft er, wo er doch eigentlich hart, aber gerecht, mit ihrem stelzigen Männlichkeitsgehabe zu Gericht geht ... "

Sehr persönliche Anmerkung: Für den Otto Normalmensch bleibt, die läppisch niedrigen Verkaufsauflagen von Satirezeitschriften belegen das, knüppelharte Satire à la Titanic ein Buch mit sieben Siegeln. Schlimmer noch, bekommt er davon etwas zu sehen oder zu lesen, flippt er komplett aus. Insofern konnte ein in DON nachgedruckter Titanic-Artikel über Schwule nur zu Ausschlag und Erbrechen der DON-Leser führen. fröhlich


Unbedingt lesen: 'Staaten der Sehnsucht, Reisen durch Gay Amerika', Edmund White, S. Fischer, Frankfurt 1982. (White gilt als einer der wichtigsten homosexuellen Autoren des ausgehenden 20. und frühen 21. Jahrhunderts.)

Männer.Liebe. "Der Rowohlt-Verlag hat sich schon häufig um schwule Literatur verdient gemacht. Neuerdings bringt er dazu auch noch solide gemachte Lebenshilfe .. " 382 Seiten, von Matthias Frings und Elmar Kraushaar, ein 'Handbuch für Schwule und alle, die es werden wollen', ein Bestseller, der hier erstaunlich - wie nebenbei - nur kurz erwähnt wird.

Hamburg ahoi! "Über 300 Seiten 'stark' ist der jetzt im Verlag rosa Winkel, Berlin, erschienene 'schwule Lotse durch die Hansestadt' ... hat auch einen 'Sonderteil: Sylt' - trotzdem kostet ... zehn Mark. Und es macht Spass, in dem ... mit viel Liebe gemachten band zu lesen ... Geschichten und Geschichte Hamburgs ... "

Die Potenzklinik. "Für 25 Mark bekommt man vom Albino-Verlag, Berlin ... Bruce Elliot verfasste ... boshaft-komische Geschichte eines verheirateten Psychiaters, der keinen mehr hochbekommt und deshalb .... heimlich eine 'Potenzklinik' aufsucht ... seine sexuelle 'Erlösung' findet der Psychiater in den Armen eines kräftigen Hafenarbeiters ... "

Rechtsratgeber für Schwule: Recht Schwul. "Recht war bisher eher gegen als für Homosexuelle. Noch heute hält die Angst, als 'Schwule' bekannt zu werden, viele davon ab, sich zu wehren, wenn ihnen Unrecht widerfährt. Die Juristen der Gruppe 'SchwIPs', Richter und Jurastudenten, Rechts- und Staatsanwälte, rücken der Rechtsunsicherheit der Homosexuellen ... zu Leibe und zeigen ... wie man sein gutes Recht erhält ... " Verlag rosa Winkel, Berlin, DM 19,80.

Bestgehütetes Geheimnis: Sexueller Kindesmissbrauch. "Ein Buch, das sich vor unangenehmen Wahrheiten nicht scheut, ist Florence Rushs im sub rosa Frauenverlag, Berlin ... Den über 300 Seiten merkt man an: Es ist ein Buch der Frauenbewegung. Und die geht auch mit allen pädosexuellen Bestrebungen hart ins Gericht ... "


" ... war die 'Belletristik' in Halle 6 versammelt. Hierhin gehören auch die drei Homo-Verlage ... rosa Winkel, Foerster und Albino - alle interessanterweise in Berlin (West) ansässig. Egmont Fassbinder (oberes Foto rechts) ... Foerster-Verlag (Kurt-Joachim Foerster im mittleren Bild, rechts) (damals noch nicht so fett), welcher das Homo-Antiquariat Feucht (Rainer G. Feucht, Bildmitte) und den Pan-Verlag mit dem 'gay journal' zu Gast hatte. Sehr exquisit Stand und Verlag von Albino, wo die Neuerscheinung des Zarah-Leander-Buches ein besonderes Interesse fand ... "

Anmerkung: Der 1981 gegründete Bruno Gmünder Verlag („Wir sind homo, wir machen homo und wir wollen dem Homo zum Buch verhelfen.“) war nicht auf der Buchmesse vertreten.

Montag, 6. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 5)


DON 5/1982 erscheint im Mai 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Der erzkonservative christ-demokratische Oberbürgermeister von Frankfurt am Main, Walter Wallmann (1932-2013), lässt per Verwaltungsanordnung die (seinerzeit heterosexuellen) Peep-Shows (60 Sekunden geilgucken für eine Mark) schliessen, weil es die Würde der sexuell stimulierenden Gymnastikdamen verletzten würde, wenn sie dabei von anonymen Fensterlochgockern beobachtet werden. Talis: " ... In diesem Moment piepen (peepen) bei uns die Warngeräte. Achtung: die gesellschaftspolitische Spirale der sechziger Jahre ("Mehr persönliche Freiheit für den einzelnen Bürger!") wird zugeschraubt - so hat bisher jede demokratische Rezession begonnen ... "


Ein durch und durch unerotischer Bericht über die japanische Kampfsportart mit diesen quasi-nackigen männlichen Fleischbergen - Sumō - von Thorsten Alexander (einer jener zahlreichen Autorennamen, die in Talis' drei DON-Jahren einmal und nie wieder auftauchen).


Kurzgeschichte von Karlheinz A. Barwasser (zum Autor siehe auch DON 4/1982)


Buchbesprechungen/empfehlungen

Meisterküche im Elsaß - Besprechungsexemplare von Koch-, Back- und Rezeptbüchern erhielt die DON-Redaktion im Laufe der Jahre von diversen Verlagen regelmässig zugeschickt. (Typisch Schwule - die kochen gerne?)

Rosa Winkel - Rosa Listen - Verlag Rowohlt TB-V, Reinbek, 1981 - Homosexuelle und 'gesundes Volksempfinden' von Auschwitz bis heute. Autoren sind der schwulenbewegte (Wetterbeobachter, Schriftsteller, Lehrer, Historiker und Publizist) Hans-Georg Stümke (1941-2002, die taz bezeichnete ihn als einen „der wichtigsten Köpfe der bundesrepublikanischen Homobewegung) und Rudi Finkler (Autor u.a. von "Unbändig männlich").

Homosexuelle Liebe von Hans Georg Wiedemann im Kreuz Verlag Stuttgart/Berlin: "Hans Georg Wiedemann bemüht sich ... um eine Neuorientierung in der christlichen Ethik ... Dieses überraschend gute Lehrbuch gehört in die Hand jeder Kirchenleitung, jedes Pfarrers, jedes Beraters - und auch eines jeden jener 'Christen', die ausgerechnet aufgrund der biblischen Botschaft die Verteufelung der Homosexualität betreiben ... " 

"Nancy Friday, eine amerikanische Sexforscherin, kann einen schon ins "Traumland der Lust" versetzen ... mit ihrem gleichnamigen Buch, das jetzt bei Scherz erschienen ist. Die sehr einfühlsame Autorin bringt in ihrem Zweitwerk allerhand aus dem Zwischenfeld von Hetero- und Homosexualität (was etwas anderes sein kann als schlichte Bisexualität). Nancy Friday hat die Leute ausgefragt, sie bringt exakte Fallschilderungen ... "

Sonntag, 5. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 4)


DON 4/1982 erscheint im April 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Die grosse Zahl der Kontaktanzeigen resultiert im Wesentlichen daher, dass in DON die Kontaktanzeigen aus ADAM mitveröffentlicht wurden.


Beitrag von Wenzel Böhmak (= Pseudonym). Über seine 'erstaunlichen' Gedankengänge (die Gerd Talis nun regelmässig für veröffentlichungswürdig hielt) habe ich mich hier schon geäussert. Dem füge ich noch ein paar Beispielsätze aus obigem Beitrag hinzu:

"... Was ist die Leuchtkraft der Sonne im Vergleich zu einem strahlenden Jungmann? ... Selbst das herrliche Foto des Jupiter-Mondes 10 ... ist null neben den schönsten Fotos von DON ... Hauptsächlich die Machtlosen tragen weltweit dieselben Textilien am Leib ... Wir müssen uns an den frühen Afrikanern ein Beispiel nehmen, die sich am ganzen, persönlichen, eigenen Leib zur eigenen Arbeit auf Hochglanz gebracht haben ... "



Typische Fotos von "Studio VISA 2000, Niederlande", das ausschliesslich Fotos von sehr jungen Jugendlichen verbreitete.


Eine wunderbare Erzählung und ein Foto von Karlheinz A. Barwasser
In obigem Wikipedia-Eintrag, wie auch anderen Webseiten-Erwähnungen, wird Barwassers schwule Orientierung und dass er einst für schwule Publikationen schrieb, auffällig vermieden. Siehe auch Der Spiegel 3/1981: Strafvollzug - Andersartige Art


Das französische Parlament hat - Dank seiner neuen sozialistischen Mehrheit - den Artikel 331, Absatz 2, des französischen Strafgesetzbuches, gestrichen. Dieser Homosexuellen-Passus war erst 1941 unter dem Vichy-Regime des Marschall Pétain eingefügt worden. Zuvor - seit der Revolution - wurden Homosexuelle in Frankreich nicht verfolgt.
        Ab jetzt beträgt das Schutzalter für männliche und weibliche Jugendliche in Frankreich 15 Jahre, was im Beitrag so kommentiert wird: " ... den Pädophilen ist durch die neue, beide Geschlechter gleichstellende Altersgrenze von 15 Jahren >jede Hoffnung genommen<. Pädo-Emanzipation hat in der Französischen Republik der Gegenwart keine Chance ..."

Auch im Absatz "Elf 'Kinder' verführt" (rechte Seite) geht es um Pädophilie und die Pädo-Bewegung.

Der FDP-Landesverband Hamburg fordert in seinem Programm zur Bürgerschaftswahl: "Homosexuelle müssen in Ausbildung, Beruf und täglichem Leben als gleichwertig anerkannt werden. Die FDP bürgt dafür, dass sie in den Parlamenten jeden Fall von Diskriminierung aufgreifen und bekämpfen wird ..."

"Für eine aktive Minderheiten-Politik hat sich der Bremer Sozialsenator Henning Scherf (SPD) ausgesprochen. Die Homosexuellen sollten sich mit ihrer speziellen Thematik nicht von den allgemeinen Minderheitenproblemen abgrenzen ... "

(Ausgerechnet) "Josef Kardinal Höffner hat die Gesellschaft kritisiert, sie würde an der Diskriminierung der Frau festhalten ... Das durch die Werbung ... vermittelte Frauenbild entstelle die Frau zum 'Ding` ... "

"Nur zwei der 26 Schweizer Kantone befürworten die Vorschläge zu einer Rechtsreform ... die 'Schutzaltergrenze' auf 14 Jahre herabzusetzen, für bestimmte Fälle den Inzest straffrei zu machen, die Pornovorschriften zu lockern und die männliche Prostitution zuzulassen. Darüber empörte sich das Schweizer Bürgertum, das das 40 Jahre alte Sexualstrafrecht unangetastet lassen will ... "

"Das Schwurgericht der 15. Strafkammer in München hat den 35-jährigen Schriftsteller Peter Schult wegen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit homosexuellen Handlungen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt ... "


Woraus diese Liebeserklärung an die Strassenjungen entnommen ist, wird leider nicht mitgeteilt. Autor ist der homosexuelle belgische Schriftsteller Georges Eekhoud (1854 bis 1927, Bild), dessen Leben lesenswert (!) ausführlich im französisch-sprachigen Wikipedia gewürdigt wird (die deutsche Wikipedia-Version ist nichtssagend).

" ... Auf diesem Nährboden wuchs eine bezaubernde Blume, ein perfekt gebauter kleiner Strassenjunge, der niedlichste der ganzen Bande, ein gottgewordener Dieb, immer auf der Strasse und nie ohne etwas zum Naschen, Früchte oder Süssigkeiten, aus irgendeinem Laden entwendet ... "

Dienstag, 3. Dezember 2013

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 3)


DON 3/1982 erscheint im März 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.



"Liebe DON-Redaktion, Sie werden sich vielleicht wundern, dass ich als Frau schreibe. Ich habe einen Bruder, der schwul ist und sich des öfteren Ihr Magazin kauft ... Die Januar-Ausgabe finde ich sehr gelungen. Nur die beiden Beiträge von Wenzel Böhmak gefielen mir ganz und gar nicht. Das 'Janusgesicht' halte ich für völlig überflüssig. Dass W. B. auch zur Abtreibungsproblematik eine eigene Meinung hat ... gestehe ich ihm durchaus zu. Aber dann bitte nicht so unsachlich und undifferenziert, so polemisch: einerseits beklagen sich die Homosexuellen über Hetze und Diffamierung. Und dann machen sie es genauso wie die anderen ... "

Werte DON-Redaktion! Als langjähriger Leser möchte ich mir nun heute einige Kritiken ... erlauben  ... die Aufmachung, die Konzeption des Heftes! Sie erscheint mir zunehmend öde **. Ihr braucht endlich ein zeitgemässes Gesicht! ... "
(Lieber Briefschreiber, glaube uns, dass wir solche Kritik nicht etwa ungerne hören ... dies hier umsomehr, als wir daran einen Vorschlag knüpfen können **: Es gibt doch Dutzende oder Hunderte von Homos, die Grafiker, Layouter usw. sind. Wer uns realisierbare Ideen zukommen lässt, wie man in der gebotenen Wirtschaftlichkeit etwas Neues für das DON-Gesicht konzipieren kann, der ist uns hochwillkommen ... ")

** Gerd Talis (= Gerhard Friede) wurden - mit Übernahme der Redaktion ab dem Januarheft 1980 - auch die Aufgaben Layout und grafische Gestaltung übertragen. Abgesehen davon, dass er seine eigene schwule Zeitung, Gay Journal, auch nur laienhaft "zusammenzimmerte", hatte Talis weder von Zeitschriftengestaltung, noch von Layout oder Typographie die geringste Ahnung. Der lieblose Heft-Umbruch erfolgte, indem er die Satzfahnen nach Lust und Laune in uralte Layout-Vordrucke (von Anfang 1973) einklebte. In der Regel musste dieses "öde" Ergebnis dann noch in stundenlanger Korrekturarbeit von der Druckerei Ferling mühsam "zurechtgebogen" werden.



Ende Januar 1982 hatte der Generalvikar der Erzdiözses Köln, ein Prälat Feldhoff, der Katholischen Studentengemeinde Bonn (KSG) ein gemeinsam mit der Arbeitsgemeinsschaft Homosexuelle und Kirche (HuK) geplantes Seminar zum Thema 'Glaubhaft leben; Schwul sein - Christ sein?' verboten und mit Konsequenzen gedroht. Das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche, aber auch fundamentalistischer Protestanten, zu Homosexuellen, war Anfang der 80er Jahre eher noch von mittelalterlichen Ansichten geprägt.

Das Seminar der Kölner HuK fand dann - ohne katholische Studenten - am 24. Januar statt, "in Räumen, in denen sich auch die Evangelische Studentengemeinde trifft", und zwar mit dem Eröffnungsvortrag 'Homosexuelle als Sündenböcke von Gesellschaft und Kirche' von der Ethnologin Dr. Gisela Bleibtreu-Ehrenberg.


Auf Veranlassung des Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion, Helmut Kohl, führte Fraktionsgeschäftsführer Philipp Jenninger im April 1981 über die ersatzlose Streichung des Schandparagraphen 175 StGB ein Gespräch mit einem Mitglied der Hamburger Junge Union, Christian Hoffmann, zugleich Mitglied der Gruppe RAUSS. " ... In diesem Gespräch stellte Herr Dr. Jenninger eine Anhörung der Fraktion zu dieser Frage in Aussicht, danach wolle man versuchen, sie interfraktionell zu lösen ... " Im Dezember 1981 stellte Jenninger dann in einem Brief an die schwule Presse klar, " ... dass sich die Fraktion bereits ausführlich mit dieser Frage beschäftigt habe und - weil es keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse gebe - eine Reform des § 175 ablehnen müsse ... "

Die ersten olympischen Spiele für Lesben und Schwule, die 'Gay Games', sollen vom 28. August bis 5. September 1982 in San Francisco stattfinden.

Am 1. Januar 1982, beim weltberühmten Neujahrskonzert der Wiener Philhamoniker, sprangen zwei nackte junge Männer von der 'Homosexuellen Initiative' (HOSI) auf das Konzertpodium und entrollten ein rosafarbenes Transparent mit der Aufschrift >Mehr Menschenrechte für Schwule<. Wenn das österreichische Fernsehen nicht zufällig in diesem Moment eine Ballettszene eingeblendet und dadurch die Direktübertragung kurz unterbrochen hätte, hätten 150 Millionen Menschen die Demonstration in den 22 angeschlossenen Fernsehländern miterlebt.

"Zu einem Koalitionswechsel wird es in der laufenden Legislaturperiode nicht kommen. So haben führende Liberale von der Presse hochgespielte Gerüchte ... kommentiert. Die Unionsparteien sollen ihren Wunsch, die FDP zu sich 'herüberzuziehen', mit der Feststellung unterstrichen, sie könnten sich mit den Freien Demokraten in dreissig Minuten auf ein gemeinsames Regierungsprogramm einigen ... "
Anmerkung zur Geschichte: Es waren keine Gerüchte. Alle FDP-Dementies waren falsch. Die Liberalen hatten sich längst mit der Union verständigt. Am 1. Oktober 1982 wurde Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) - mit den Stimmen der FDP (seither genannt 'Umfallerpartei') - zum neuen Regierungschef gewählt.


Eine Erzählung von Karlheinz A. Barwasser
In obigem Wikipedia-Eintrag, wie auch anderen Webseiten-Erwähnungen, wird Barwassers schwule Orientierung und dass er einst für schwule Publikationen schrieb, auffällig vermieden. Siehe auch Der Spiegel 3/1981: Strafvollzug - Andersartige Art

Mittwoch, 30. Oktober 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Hefte 3 bis 5)


DON 3/1981 erscheint im März 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Den ganzen Textriemen, der da unter "DON Kurzreisen nach London" steht, nennt man Schleichwerbung (§ 4, 3 UWG; als redaktioneller Inhalt gestaltete Werbeanzeige), eine Spezialität des Günter Goebel, der nun wieder in DON 'mitmischt', siehe folgend 'Tommys Brief-Box:


Für einen Profi schnell durchschaubar: Alle diese angeblichen "Leserbriefe/fragen" sind frei erfunden und die Antworten aus sexualkundlichen Artikeln oder Abhandlungen abgeschrieben (zuständig ist das "DON Postfach, 6 Frankfurt 700229, des Günter Goebel). Sämtliche Fragen betreffen banale oder sonderbare sexuelle Themen: Haben Südländer grössere Potenz ... was ist ein Säurespritzer ... gibt es ein Buch der Liebeskunst für Homosexuelle ... 


Autor dieser Geschichte: H.-A. Hütt


DON 4/1981 erscheint im April 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Das farbverfälschte Foto ist nicht durch eine schlechte Kopie entstanden, sondern entspricht dem Original-Druck.


Einer von zahlreichen brillanten Essays, die Gerd Talis anstelle von Vorworten in DON veröffentlichte. Ausgehend vom 'Internationalen Jahr der Behinderten', das gleichzeitig auch 'Preußen-Jahr' ist, entwickelt er über verschiedene Perspektiven (behinderte Schwule, homosexueller Jugend- und 'Schönheits'wahn, preußische Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Liebe, Schnüffelmanie der Justiz...) einen interessanten Gedankengang hin zur 'widernatürlichen Unzucht der Gleichgeschlechtlichen', dem 'Kampf gegen die Perversion' und der Forderung den § 175 endlich aus dem Strafgesetzbuch zu streichen.


Für die Bildredaktion zeichnen im Impressum nach wie vor "Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Johann Möstl), beide Frankfurt/Main" verantwortlich. Bei den drei Aufnahmen handelt es sich um laienhaft  kopierte (abgekupferte) COLT-Fotos.


Das erotisch "aufregende" Großposter für's Homo-Zimmer ... (mit Schrankwand)

Diese DON-Ausgabe wurde mit sieben (!), teilweise ellenlangen Homo-Geschichten (u.a. von Walter Hilbrecht, Karl-Heinz Barwasser, Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) und K.R. Adam) aufgefüllt.


Grandiose, ausgewogen-begeisterte Filmkritik von jemandem, der sich Tassilo nennt (Gerd Talis?)

 Taxi zum Klo (1980), Hauptdarsteller, Autor und Regisseur Frank Ripploh (1949-2002)
"... Homosexuelle sind: Sexbesessene, Tunten, Exhibitionisten, Genitalfixierte, HWG-ler, Kinderverführer, Bindungsunfähige, Sadomasochisten, Abortstammgäste usw. Und wie erscheinen sie in diesem Film? Sie erscheinen als: sexbesessen, tuntig, exhibitionistisch, genitalfixiert, promisk, kinderverführerisch, bindungsunfähig, brutal, pornointeressiert, abortstammgästig usw. ... "


DON 5/1981 erscheint im Mai 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg. 

Das Titelseitenfoto zeichnet sich durch totale Unschärfe aus.


"Warum verstecken wir uns? sagte mir neulich ein Bekannter, mit dem ich über die trüben Aussichten der Homo-Emanzipation 1981 sprach ... es gehört gar nicht so viel Mut dazu, sich zu seiner Vorliebe für Gleichgeschlechtliches zu bekennen; mehr Menschen, als Sie meinen und vermuten, haben homosexuelle Bedürfnisse, und das ist normal und gut so ... Beginnen Sie selbst mit dem Durchbruch! ... Sie werden sehen, dass Ihre Befürchtungen sich nicht erfüllen. Erleben Sie Ihr Coming out  - und Ihr Alltag wird leichter ..."

Drei Aspekte sind interessant. Gerd Talis, ein offen schwul lebender schwuler Journalist und Medienmacher, vermeidet auch 1981 das Wort schwul ... er benutzt häufig die Bezeichnung Gleichgeschlechtliche und er spricht den DON-Leser nach wie vor mit Sie an, wie er es in einer Schwulengruppe oder Schwulenbar nie täte.


Wenzel Böhmak (= Pseudonym) beschäftigte sich über viele Jahre in DON mit (schwul)-historischen Themen, zumeist in lockerer Erzählweise, hier - SS, Nazis, Arbeitslager, schwule Beziehung Pole/deutscher Capo, Heinrich Himmler - sogar in Form einer Geschichte.

Anmerkung: Lesenswert ist das Buch "Die Brüder Himmler, eine deutsche Familiengeschichte", geschrieben von Heinrichs Enkelin Katrin Himmler, 2007 erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag.


Die ursprünglich 6 bis 8 Seiten DON'S NEWS sind auf 2 bis 3 Seiten zusammengeschrumpft: Befruchtung durch Transsexuellen ... Tote Frau war ein Mann ... US-amerikanische 'Nationalsozialistische Liga' ... Misshandlung und Missbrauch von Jugendlichen im indischen Knast ... Homos in Israel haben es schwerer (als in der Bundesrepublik) ... Chicagoer Polizeichef fordert 'Einfühlungsvermögen in Gay-Fragen' ... Englischer Vikar erklärt Blackburn zum 'zweiten Sodom und Gomorrha' (wg. eines Gay-Abends in einem Nachtclub) ... Die sexuelle Revolution hat keine bessere Aufklärung gebracht ... 


Sowohl die linke COQ-Anzeige, als auch die ganzseitige Macho-Toys-Anzeige bieten (ungeniert) Pornographie * an, was selbst bis heute (2013) gesetzlich verboten ist und nach wie vor strafrechtlich verfolgt wird (§184, Verbreitung pornographischer Schriften). Seinerzeit wurden auch Verlage, die solche Werbung veröffentlichten, strafrechtlich verfolgt.

* COQ International und Showboy. COLT Men, Olympus, Spurs sowie 2 COLT-Filme (Gunnar und Lars zeigen, was Lust und Homosex ist. Laden Sie sich ein zu dieser einmaligen Orgie ... COLT-Modelle bei heisser Homo-Action)