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Sonntag, 13. Januar 2013

DON - The German Gay Magazine 1978 (Heft 1)


DON 1/78 erscheint im Januar 1978. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976

Etwa ab diesem Jahrgang 1978 werden die Reproduktions- und damit auch die Druckqualität des Farbteils deutlich besser.


Über Publikumsreaktionen und SchwulenNICHTreaktionen auf die ARD-Ausstrahlung des Wolfgang-Petersen-Filmes Die Konsequenz (nach Alexander Ziegler) und die (wiederholte) Ausschaltung des Bayerischen Rundfunks bei einem Homo-Thema

„ … Dabei geht es nicht primär um den Film. Sondern darum, dass nach Untersuchungen im Bundesland Bayern die größten Vorurteile gegen Homosexuelle bestehen. Konsequenterweise hätte bayerische Bürger >Die Konsequenz< und eine öffentliche Diskussion weit notwendiger gehabt … scheint mir, dass meine DON-Vorworte [einen] Nachdenk-Effekt nicht auslösen … dass ich oft das Gefühl habe, Nachdenkenswertes in den Wind zu schreiben. Dass es den meisten Homosexuellen in der Bundesrepublik zu gut geht, und dass sie längst vergessen haben, dass man sie vor nicht einmal vierzig Jahren – zusammen mit Juden, Zigeunern und anderen ‚Untermenschen‘ – wie Vieh in die Konzentrationslager schleppte … „
 

DON-Leser (die hier mit anderen DON-Lesern in Kontakt treten können) werden immer mutiger/freizügiger: Rainer, 23, Offenbach(auf der Leiter). Horst, 32, Fernsehtechniker, Cuxhaven. Rolf, 19, Lüdenscheid(mit Brille). Karl, 45, Bonn. Ilias, Bamberg, (rechte Seite, unten liegend) schickt haufenweis Nackedeifarbfotos, die HF-Druck (Henry Ferling) allerdings nicht in schwarzweiß zu reproduzieren fähig ist.


Knüppeldickevolle sechs Seiten anlässlich der (erneuten) Ausblendung des Bayerischen Rundfunk aus dem ARD-Programm = Boykott auf Kosten der Steuerzahler. DON hatte – wie viele andere – vorher einen Protestbrief an den BR gerichtet sowie den Herren Vöth (Intendant) und Oeller (Fernsehdirektor)Fragen zu den erstaunlich unterschiedlichen offiziellen Ausblendungs-Begründungen gestellt, die selbstverständlich nicht beantwortet wurden.

Anstelle Wolfgang Petersens schwulthematischer >Die Konsequenz< zeigt der BR >Der Sternsteinhof<.

Münchener AZ „Vorurteil gegen Männerliebe – BR blendet sich aus dem TV-Film ‚Die Konsequenz‘ aus“.

In der Süddeutschen Zeitung füllt die BR-Ausblendung 4 Tage lang spaltenweis die Kommentar-, Leserbrief- und Kulturseiten.

Hans Tross (erzkonservative CSU-Posaune) im Leitartikel vom 9. November im CSU-nahen Münchner Merkur: „ … Zugegeben, der BR hätte weitaus häufiger Anlass sich auszuschalten. Doch immerhin hat er es nun bei einem besonders widerwärtigen TV-‚Kunstwerk‘ getan. Der ‚mündige‘ Zuschauer sollte sich nicht brüskiert fühlen, sondern nur etwa an die vielen unbeaufsichtigten Kinder vor den Fernsehgeräten denken. Unbeaufsichtigt, weil es viel zu wenig mündige Eltern gibt.“>

„ … Unter der Überschrift ‚Das ganze Theater wegen 40 Sekunden‘ (GONG 48/1977) berichtet Jürgen Woldt, dass der Film >Die Konsequenz< schon Wochen vorher im Münchner Funkhaus allein wegen des Themas männliche Homosexualität, Aktivitäten auslöste …“

Westfälische Rundschau: Gute Absichten verwirklicht

Darmstädter Echo: Positives Echo auf Homosexuellen-Film

„ … Wir [DON] meinen, die Debatte über künstlerische Qualitäten des Films – oder wie es die bayerische Presse zum Teil darstellte – über eine Bevormundung des bayerischen Bürgers ist zweit- und drittrangig. Der entscheidende Punkt ist, dass das Bayerische Fernsehen nicht willens ist, das Zerrbild vom Homosexuellen und die weitverbreitete bayerische Intoleranz gegen Homosexuelle abzubauen. Ganz im Sinne der katholischen Kirche möchte man das Bild vom perversen, krankhaften und abartigen Homosexuellen aufrechterhalten …“
 


Einmal abgesehen davon, dass ich damals keine qualifizierten schwulen Autoren kannte, und dass, wenn es sie gab, hätten sie schon gar nicht für ein schwules Magazin à la DON geschrieben. Und so suchte ich auch wegen des miserablen Images von DON ebenso händeringend wie vergeblich nach schwulen Autoren, was wiederholt dazu führte, dass ich manche Ausgabe als Autor
Jens M. A. Reimer (Original), Tommy Brauner, Gerry Gregor und … [notgedrungen] selber füllen musste.

Versuch einer Auseinandersetzung: „Blättert man deutsche Homozeitschriften durch, blättert man ziemlich umsonst. Denn für die auflagenstarken Blätter neben DON – him/applaus, DU & ICH und MANN sind die Schwulengruppen, Kommunikationszentren, Teestuben, Aktionsgruppen oder wie immer sie sich nennen, kein Thema. Jedenfalls nicht Thema einer Auseinandersetzung … alles was den MANN-Männern über Gruppenaktivitäten aus der Feder läuft, ist eine einzige Begeisterung. Für andere hingegen scheinen die Gruppen nur in Form von Anschriften, Treffzeiten, Selbstdarstellungen und Resolutionen zu existieren … DON hat im vergangenen Jahr das Gruppenthema mehrmals aufgegriffen … Dafür haben wir von den Bielefelder Schwulen ein paar geharnischte Briefseiten geerntet … Die Politisierung hat die Gruppen sich sowohl vom Kern homosexueller Anliegen, als auch von real Machbaren immer weiter entfernen lassen. Die politische Zielsetzung dominiert, und der Außenstehende hat den Eindruck, dass das Wort ‚schwul‘, wie auch die gegenwärtige homosexuelle Problematik, nur noch eine Garnierung, nicht aber mehr Inhalt ihrer Aktivitäten ist … haben sich die hier gemeinten schwulen Gruppen nicht nur meilenweit von dem ‚homosexuellen Fußvolk‘ entfernt … sondern ganz bewusst zwischen sich – den elitären Schwulengruppen – und den ‚gewöhnlichen Homosexuellen‘ einen Keil getrieben … „

 


„Die nachfolgenden Abschnitte übernehmen wir – mit freundlicher Genehmigung des Thomas-Verlag – aus dem jüngst erschienenen Buch >der HOMO-sexuelle< von Bert Bruder … Das Buch wurde in erster Linie für Heterosexuelle geschrieben, um den Nebel der Unwissenheit über Homosexuelle und ihr Leben ein wenig zu durchstoßen. Gleichzeitig ist es für Homosexuelle die derzeit wohl amüsanteste Aufklärungsquelle… „

 


Die DON-Ausgaben bringen jetzt oft bis zu 6 Seiten Aktualitäten (= in der Presse Aufgelesenes), Ernstes, Politisches, Komisches…
 
Manfred Wörner, CDU, hier noch nur Vorsitzender des Bundestags-Verteidigungsausschusses, posiert in der Herrenmodezeitschrift DER HERR als Model (im Anzug mit Spitzenfasson, Pattentaschen und Rückenschlitz). Später posierte er in der schwülstigen Kießling-Ziegler-Affäre als peinlichster  Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland.

Anzeige: In Oldenburg gibt es bereits eine Supersexfilm-Show (9-21 Uhr) und Homosexfilm-Show (21-22 Uhr) für 5 Mark (Bier oder Cola inklusive), Häuschen neben Hindenburgstraße

Die ‚New York Herold Tribune‘ berichtet – auf der Titelseite! – über ‚Weibliche Möven unterstützen Gay Power Bewegung‘. Forscher haben herausgefunden, dass 14% der Möven auf Santa Barbara Island lesbisch sind …

DER SPIEGEL bezeichnet Rod Stewart als >Der Sänger für Männer<. „ … Im Scheinwerferlicht jedoch tritt der Rocksänger mit homosexuellem Anstrich auf. Auch seine Song-Auswahl demonstriert Lust am Mann … Seine schwüle Erotik wirkt vor allem auf männliche Fans (und nicht nur auf Homosexuelle). Der Auftritt der Diva Stewart in schwarzem, brustfreien Leder und rosa [nicht lesbar] das Haar zu einer Ananas toupiert, auf- und abschwellendem bonbonfarbenem Licht … Waren Mick Jagger und David Bowie auf der kommerziell einträglichen bisexuellen Welle geschwommen, geht Stewart noch einen Schritt weiter und propagiert Homoerotik …“

Der Mannesmannsuperkerl Ernest Hemingway (Selbstmord 1961) hat ein Manuskript hinterlassen – das Werk ist eine Utopie – das den Versuch eines jungen Liebespaares schildert, die Geschlechterrollen zu vertauschen. „ … die beiden lieben sich auf eine neue, ungewöhnliche Weise, die sie als schamlos bezeichnet, er wiederum glaubt, dass es seiner Geliebten Spass macht, ihn zu verderben …“
Eine US-Badezubehörfirma brachte ‚Hautfarben für Liebende‘ auf den Markt, mit denen sich Paare beim gemeinsamen Bad gegenseitig bunte Kunstwerke auf die Leiber schmieren sollen: ‚Gönnen Sie sich das Vergnügen mit Ihrem Liebhaber so in Berührung zu kommen … schlüpfrig, sinnlich und auf das Köstlichste duftend.‘

Nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal: „Bei den letzten Miß-Wahlen im englischen Seebad Brighton mischte sich der 19jährige Kunststudent Paul Frecker unter die 34 weiblichen Bewerberinnen … und erreichte sogar das Finale der schönsten Zehn …“

Samstag, 6. Oktober 2012

DON - The German Gay Magazine 1977 (Heft 1 bis 2)


DON 1/77 erscheint im Januar 1977. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976

So wie es bei Erscheinen einer neuen DON-Ausgabe immer Gründe gab mich gewaltig aufzuregen, geht es mir noch heute, bspw. wenn ich diese erschreckend abschreckende Titelseite betrachte. Null Ahnung von Gestaltung, Schriften, Werbewirkung ... und nullkommanull Ahnung von den Erwartungen eines Schwulen, dem man dieses Magazin schmackhaft machen möchte. Ich stelle dem Januar-


Titel des Jahres 1977 mal ein paar willkürlich herausgegriffene US-amerikanische Gay-Magazintitel gegenüber, die bereits Jahre zuvor (1957, 1960, 1964, 1968, 1972, 1976) erschienen sind. Auch dies keine hochauflagigen Objekte, ausgenommen vielleicht Mandate, das im US-Markt damals schon etabliert war:


Eine Anzeigensammlung von Anfang des 20. Jahrhunderts; u.a. aus Jugend, Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben. Nacktfoto-Magazine wurden damals als 'Studien für Künstler und Kunstfreunde' oder 'Photographische Aufnahmen nach dem Leben, männlich, weiblich, Kind' angeboten; männliche Aktfotos als 'Italienische und deutsche nur künstlerische Modellstudien ... R. Wagner, Kunsthandlung, Maximiliansplatz 19, München'.


Der Name des Notizen-Autors Loy Wenker klingt verdächtig frei erfunden...

Besprechung des Films 'Je t'aime moi non plus' (1976) mit Joe Dallesandro, der übrigens schon als 15/16-jähriges Aktmodell vor der Kamera Bob Mizers (Athletic Model Guild) stand. Die stark homo-erotischen und sehr 'nackigen' Dallesandro-Filme Flesh, Lonesome Cowboys und Trash, in die es uns hocherregt hieinzog, waren allerdings schon 7 bzw. 8 Jahre zuvor in den Kinos gelaufen.

Anlässlich der Berliner Filmfestwochen schrieb eine Tageszeitung ...
"Festwochen für viele - weshalb nicht auch für SCHWULE und TUNTEN? Beide Ausdrücke sind dem beigegebenen Pamphlet zur filmischen Laienarbeit Rosa von Praunheims entnommen. Das unter dem Titel 'Underground and Emigrants' miserabel abfotografierte New Yorker Offoff-Broadway ist nicht viel mehr als eine Dokumentation künstelnder Abnormität. Voll von Symptomen der Scharlatanerie, wenn auch gelegentlich gesunder Geschäftssinn (LA MAMMA etc) die Oberhand gewinnt. Im übrigen banales Geschwätz mit ein paar Stars von vorgestern und immer wieder das von homoerotisch schwangerer Atmosphäre triefende Pinten-Theater für Tunten. Wo blieb da die angebliche Kreativität? Nichts desto trotz wurde dieser Film - ein Teil des sogenannten 'Downtown Manhattan Programmes' - großspurig als Welturaufführung deklariert."


So das potthässliche Farbfoto mit kackbraunem Plüschsofa nicht zu schnellem Weiterblättern animierte ...

... Eine ziemlich homophobe Theater-Kritik in der 'Fuldaer Zeitung' über das Stück 'Bitte nicht stören' mit Carl Heinz Schroth ...

... aus dem Anzeigenteil der 'Schwäbischen Neuen Presse': "Charmanter Boy, 24, bietet älteren Herren nicht alltägliche Freizeitgestaltung..." ...

... die 'Kasseler Stadtzeitung' berichtet über den 'Homophilen Beratungsdienst' (auch für Angehörige) eines Uwe C. Lengen, der im gleichen Blatt für seinen 'Pferdestall' (smarter Treff für Männer) inseriert ...

... der 'STERN' über Strichjungen und Callboys, wie sie leben, wie sie dazu wurden ... usw.


"Glauben oder Nichtglauben - das ist hier die Frage. Laut einer demoskopischen Umfrage sollen sich - mehr oder minder belustigt - fast 705 aller Bundesbürger darüber informieren, was ihnen die Tages- und Wochenhoroskope prophezeien ... Lesen Sie also, was der DON-Astrologe in seiner Gerüchte-Küche über Ihre Zukunft zusammenorakelt hat ..."

Es ist mir ziemlich peinlich, was ich da an Horoskopmist vor bal 40 Jahren zusammengedichtet habe...


Die verschiedenen Pseudonyme (hier Tommy, früher Tommys Brief-Box, auch Tommy Brauner) - neben meinem Klarnamen - dienten auch der Verschleierung, dass DON in den zwei/drei Jahren des redaktionellen Übergangs kaum Autoren zur Verfügung standen.


DON 2/77 erscheint im Februar 1977. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


Meine Dauerkritik an DON gegenüber  Henry Ferling führte dazu, dass ich 1977 grössere Teile des Bildmaterials auswählen und mehr Seiten layouten konnte: Beispielsweise die Themenüberschriften des Februar-Titels, die Gestaltung des obigen Story-Vorspanns und die Doppelseiten von "19/169, blond...".

Eines von zahllosen Problemen war, dass in der Ferling-Druckerei, die zugleich den Satz machte, nur banale, langweilige Standardschriften zur Verfügung standen. Verlag und Druckerei konnten es sich auch nicht leisten, Überschriftzeilen bei den damals sehr teuren Foto-Setzereien zu bestellen. Um die Optik des Magazins wenigstens teilweise zu modernisieren, blieb mir nichts anderes übrig, als die Hauptüberschriften in zeitaufwendiger Arbeit von den seinerzeit gebräuchlichen (selbst bezahlten, teuren) 'Letraset'-Bogen - Buchstabe für Buchstabe - abzureiben.



Es ist die Zeit, da Udo Jürgens Schlager 'sozialkritisch' wurden...

"Normale Schnulzen sind 'out'. Heisse Themen sind 'in'. Austrias Udo hat uns da schon einiges vorgeträllert. Aber Bernd Clüver gibt sich noch progressiver. Der ehemalige 'Junge mit der Mundharmonika' bläst nun eine warmherzige Melodie in des Bundesbürgers gute Stube: Mike und sein Freund **. Die Plattenmacher erhoffen sich einen warmen Umsatzregen von der homophilen Exotik ... Meine Meinung zu diesem kreativen Tiefflug hat Karl Dall von den 'Insterburgs' intoniert: >Diese Platte ist ein Hit! Diese Platte nimmt dir mit! Diese Platte mußte koofen. Diese Platte ist für die Doofen.< Möge BRAVO-Bernds Liedchen von dem komischen Typ mit den getönten Haaren auch geschäftlich ein Trauerspiel bleiben, denn in punkto Klimaverbesserung dürfte sich solch schwules Schmalz als weit grösserer Flop erweisen...." 

** In Wikipedia heisst es dazu: Aufmerksamkeit erregte Bernd Clüver im Oktober 1976 durch die Veröffentlichung der Single Mike und sein Freund, eine Coverversion des Rubettes-Titels Under One Roof. Erstmals sang ein deutscher Schlagersänger über Homosexualität. Obwohl das Lied in den deutschen Charts bis auf Rang 44 stieg, durfte er damit weder in der ZDF-Hitparade noch in der Sendung disco auftreten. Vielmehr musste der Sänger „landauf, landab in Interviews versichern, daß er nicht ‚so‘ sei.“

Dienstag, 31. Juli 2012

DON - The German Gay Magazine 1975 (Heft 11 bis 12)


DON 11/75 erscheint im November 1975.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Bild, Anzeigen, Leserbetreuung und Text wie DON 4/1975

Das Heft enthält nur noch 2 Seiten Kontaktanzeigen.


"Liebe DON-Leser! Vergangene Woche sassen wir ... im Hausgarten unseres Verlegers beisammen, sieben Mann hoch, das ganze Redaktionsteam. Wir sollten mal nach den guten Verkaufssteigerungsraten von DON Bilanz ziehen und diskutieren, wie wir weiter machen. Offenbar ist der Durchbruch gelungen, DON vom Image eines "konservativen" Blattes zu befreien, das uns wohl jahrelang anhaftete. Wir meinen, frischer, freier, aktueller geworden zu sein und bei den Bildmodellen eine glückliche Hand bewiesen zu haben. Die Leserpost ist zu einem noch nie dagewesenen Prozentsatz zustimmend positiv und lobend. Das macht natürlich Spass und spornt an. Es ging dann weiter darum, wie man am besten auf diesem Wege fortfährt. Neue Konzepte wurden besprochen, neue Ideen durchdiskutiert, Anregungen von Ihnen erörtert ...
Übrigens haben wir uns auch ein wenig Selbstlob gegönnt über die Idee, im Mai unseren ersten REISE-DON als Sondernummer herausgebracht zu haben, der sich als grosser Schlager erwiesen hat und uns ermutigte, jetzt eine zweite Nummer anzubieten ... Wir waren die ersten, die den Mut für eine solche Sache aufbrachten.
Wenn wir jetzt darüber nachdenken, wie DON einmal war, wenn wir alte Ausgaben zur Hand nehmen - dann meinen wir, Sie sollten mal einen Freund, der aus verstaubtem Urteil DON als "konservativ" oder als "Gartenlaube unter den Monatszeitschriften" bezeichnet, einige neue Ausgaben zeigen. Denn sicher wollen Sie sich doch nicht als unkritischen Allerweltstyp einstufen lassen, weil Ihnen DON gefällt ..."
Es grüsst Sie herzlich Ihr Guy Gilbert

* Bei allem Respekt, aber so etwas zu schreiben war "Redaktionsleiter" Guy Gilbert = Günter Goebel weit überfordert. Der Text stammt von Verleger  Henry Ferling.

* Tatsächlich fand dieses (übrigens erstes und letztes) Treffen (dieser Art) nicht "vergangene Woche", sondern am 14. August 1975 statt. Ich war (auf eigene Kosten) nach Frankfurt/M. geflogen - entgegen dem Rat meines Arztes (und trat deshalb erst am folgenden Montag den dringenden Krankenhausaufenthalt an). Wer diese "sieben Mann" waren, erinnere ich nicht mehr. Das DON-"Redaktionsteam" war ja nur ein Fantasiegebilde.

* Schon zwei Jahre zuvor hatte DER SPIEGEL geschrieben: "... Die Spannung zwischen missionarischem Selbstverständnis der Redaktion und roten Zahlen im Verlag spiegelt sich in den Homo-Heften wieder: Mal ähneln sie dänischer Porno-Produktion, mal deutscher Gartenlaube. Und der ewige Streit, ob es tunlicher sei, sich der Gesellschaft anzupassen oder ihr zu trotzen, führt zu permanentem Eiertanz der Redaktionen ..." Der spannende (!) Artikel "Homosexuelle - Befreit - aber geächtet", SPIEGEL-Titel 11/1973 - Bekennt, dass ihr anders seid - ist im Internet abrufbar. Mehr dazu auch hier, beim Vorwort von DON 5/1973.

Während den Verleger Ferling, der DON Anfang 1972 übernommen hatte, vier Jahre lang weder Inhalt, noch "Richtung" des Magazins besonders interessierten, war dem "Redakteur" Guy Gilbert = Günter Goebel sowie allen anderen der Textteil schnurzpiepegal, Hauptsache man konnte das Bilderheft mit ein paar Buchstaben auffüllen. Das besorgte - nachhaltig imagebildend, eifrigst und von niemandem beeinträchtigt - der hier im Blog immer wieder erwähnte rechtskonservative Johannes Werres (u.a. unter einer Vielzahl von Pseudonymen). Über viele Monate hinweg hatte ich Henry Ferling immer wieder beschworen, auf diesen Autor weitgehendst zu verzichten.

* Ich wiederhole mich: Die beiden Sonderausgaben >Reise-Tipps für Homo-Trips< wurden, auf Wunsch des Verlegers Henry Ferling, komplett von mir geschrieben und gestaltet ... allerdings hatte ich mir mehr als 90% (!) der beschriebenen Reiseziele durch Berge von Reiseführern, Bildbänden und Reisemagazinen angelesen - - - d.h. die hatte ich nie zuvor besucht!!!

* "Neue Konzepte wurden besprochen" ist eine sehr ambitionierte, um nicht zu sagen amüsante Bemerkung: Bis zu diesem Sommertag im Jahre 1975 hatte es nämlich nie ein DON-Konzept (o.ä.) gegeben.  ...



Keine Ahnung, wessen Pseudonym Georg Gay ist.
"Viermal, so berichtet der SPIEGEL (33/75), wurde ein junger Mann zu Haftstrafen verurteilt, weil er etwas mit minderjährigen Jungen hatte. Danach versuchten Psychiater seinen Sexualtrieb umzuleiten. Als auch das nicht den gewünschten 'Erfolg' brachte, kam er auf den Tisch: mittels Stromstoss wurde ein Stückchen seines Gehirns zerstört. Die 'Heilung' besteht darin, dass der Sexualtrieb stark gedämpft wird, die homosexuelle Ausrichtung bleibt unverändert, der junge Mann kann sie nur nicht mehr ausleben. Er ist ein Wrack.
Jemand, der sich besonders auf dem Felde der Gehirnchirurgie hervortut, ist der Göttinger Professor Fritz Douglas Roeder. Er hält Homosexualität nach wie vor für eine Krankheit ... und behandelt vor allem Homosexuelle, die unter ihrem Triebleben 'leiden und deshalb beim Arzt Hilfe suchen' und 'deren Verhalten sich nicht mehr mit der Ausübung ihres Berufes und mit ihren Aufgaben in der gemeinschaft vereinbaren lässt' (Roeder lt. SPIEGEL) ..."

Mehr über den Neurochirurg Fritz Douglas Roeder, der mit der sog. 'Schmorsonde' Sexualtäter und Homosexuelle 'kurierte', ist in SPIEGEL 18/1980 nachzulesen.


Briefkastenonkel Tommy (Brauner) = Jens M. A. Reimer. Während der Verleger Ferling und ich bereits die Worte homosexuell bzw. Homosexueller verwendeten, bleibt Johannes Werres - hier im letzten Absatz von Gay News Germany - unverrückbar bei homophil. Unter Freunden, in schwulen Bars und Kneipen sprach damals kein Mensch von Homophilen.

"Die Haarlemer Sittenpolizei hat den 37jährigen Joop L. M. de K. festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, in seinem Haus am Haarlemse Herensingel 157 eine grosse Anzahl minderjähriger Jugendlicher zur Prostition gezwungen zu haben ... Er bot ihnen Taschengeldaufbesserung, in Wiklichkeit verdienten die Jungen ... zwischen 300 und 400 Gulden pro Mal; einen grossen Teil davon steckte Joop in seine Tasche ... Er liess von den Schäferstündchen Fotos anfertigen ... damit bedrohte und erpresste er seine minderjährigen Zwangsstricher ..."


Für Deutschland, nehme ich an, dürfte das die Premiere für schwule Kreuzfahrten gewesen sein. Der Anzeigentext ist so seriös formuliert, dass er für jede Hetero-Kreuzfahrt hätte werben können.


DON 12/75 erscheint im Dezember 1975.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
NEU > Redaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel), Frankfurt/Main und Jens M. A. Reimer, München. Bildredaktion: Hans John (= Hans Möstl). Leserbetreuung: Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer). Anzeigen: Hilde Malzbender (die existierte tatsächlich in Darmstadt)


Mein erstes Vorwort in DON, in dem ich mit dem Aufruf zum Organspende-Ausweis bewusst einen anderen Akzent setzen wollte. Im Nachhinein jedoch wird mir bewusst, dass ich mich damit um alle wirklich wichtigen Themen, die Schwulen damals noch heftig unter den Nägeln brannten  - Emanzipation, Diskriminierung, Selbstbewusstsein, Coming Out usw. - herumgedrückt habe. Die Notwendigkeit diese Probleme gerade in einem Magazin für Schwule zu behandeln, war in meinem Denken noch längst nicht angekommen.


Bildreihe von links: Günter Goebel, Jens M. A. Reimer, Hans/Johann Möstl.
In dieser Dezember-Ausgabe bestreite ich - inkl. der Geschichte "Auf Mutters Matratze" [mein erstes (sehr unerfreuliches) schwules Sexerlebnis] - bereits über die Hälfte des Textbeiträge ... u.a. den Organspendeaufruf (unter den Portraits), Tommy's Tipps und Tricks, Weihnachtsbasar ...