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Freitag, 11. Juli 2014

Gerd Talis, richtig: Gerhard Friede, DON-Akteur


Hinter dem Pseudonym Gerd Talis verbarg er vor der gesamten schwulen Branche - permanent und konsequent - seine Identität. Tatsächlich heisst/hiess (?) der Journalist, Verleger und Sex-Shop-Betreiber in der Heidelberger Dreikönigstrasse 2, Tel. 06221 - 13704: Gerhard Friede, geboren am 19. Februar 1934.



In DON 1/1980 stellt sich ein Gerd Talis (Foto DON 9/1982) als der neue 'Magazin-Macher' vor:

"  ... Vor zehn  Jahren arbeitete ich als Südeuropa-Korrespondent für Presse und Rundfunk in Spanien, als ich u.a. von dem mir bis dahin unbekannten 'Nachseptember-Magazin' [= DU & ICH] um einen Bericht über 'Warme Orte an Europas Südküste' gebeten wurde. Bei nächster Gelegenheit schaute ich mir die Redaktion davon in Deutschland an - um bald darauf mit dem gesamten Team nach Köln überzusiedeln; wir bereiteten von dort aus die Fortführung eines Magazins vor, das den Namen 'Sonny' trug. 'Sonny' aber ist der Vorgänger Ihres DON ... Mir persönlich ging es damals jedoch um etwas anderes: Die Homosexuellen in Deutschland sollten durch ein Nachrichtenblatt regelmässig über emanzipatorische Vorgänge in aller Welt unterrichtet, dadurch den sogenannten Heterosexuellen gleichzeitig die Furcht vor der (eigenen) Homosexualität genommen werden: 1972 entstand das Monatsblatt 'gay journal' ... Womit wir beim Programm wären. Wir möchten DON zu einem wirklichen Forum der Homosexuellen machen ... Tausend Dinge bewegen uns, mit denen keiner alleine fertig wird. Artikulieren wir uns also, kommen wir zum Gespräch! Im DON. Wir brauchen diese 'Arbeit an uns' ... Ihr Gerd Talis"

In dieser Vorstellung gibt Gerd Talis kaum Privates oder Berufliches von sich preis. Und bis heute weiss ich über ihn nur, dass er u.a. in Karlsruhe einen Sex-Shop betrieb. Oft las ich sein zwar ungemein laienhaft produziertes gay journal, in dem ich jedoch seine 'Schreibe' ebenso gut fand, wie seine Gedanken, die Ausgewogenheit seiner Argumente und sein schwules Engagement. Aus diesen Gründen empfahl ich ihn Henry Ferling als meinen Nachfolger. Bereits Anfang 1979 hatte ich dem DON-Verleger gesagt, dass ich (Jens M. A. Reimer) die DON-Redaktion spätestens zum Jahresende abgeben müsse, da mir meine zahllosen 'Jobs' über den Kopf wuchsen.

Am 10. Oktober 1979 transportierte ich persönlich die kompletten Redaktionsunterlagen zu einem gewissen Gerd Talis nach Heidelberg. Ich erinnere mich nur, dass das Treffen kurz, knapp, kühl und erstaunlich unpersönlich war.

Die (einzige deutsche) schwule Zeitung gay journal erschien monatlich zwischen Februar 1972 und September 1987, also auch in jenen drei Jahren, in denen Gerd Talis das DON von A bis Z machte; d.h. Redaktion, Beiträge, Umbruch, Bildauswahl, Autoren- und Fotografen-Kontakte usw.

Abb. oben die Null-Nummer - unten letzte die Ausgabe, hier steht "12. Jahrgang", obwohl inzwischen 16 Jahre vergangen sind.

Interessant ist das Impressum, denn die Zeitung erschien im pan publications Lothar Gassel Verlag und Vertrieb, später nur Pan Verlag. Redaktion: Gerd Talis, Lothar Gassel (???), Georg Rotheisen (= Pseudonym von Erich Lifka - Link zu DON 5/1980), Nathan Schalom (???), Urs Kent (= wahrscheinlich Johannes Werres). Agenturen: GP (gaypress) [= Gerd Talis] und GNG (Gay News Germany) [= Johannes Werres]. Letzterer war auch regelmässig mit persönlich signierten Kommentaren, Leserbriefen u.a. im Blatt vertreten.


Es gibt Stimmen, die vermuten, Gerd Talis und Lothar Gassel seien damals ein und dieselbe "Person" gewesen (???).

Auch unter der Heidelberger Talis-Adresse Dreikönigstrasse 2 gab es einen "Gay Shop", der regelmässig im gay journal Anzeigen schaltete.

Welche Weltbedeutung Talis seiner kleinen Zeitung beimass, zeigt sich in dieser immer wieder im Blatt erschienenen halbseitigen Anzeige, wo er sich nicht genierte, das gay journal mit seinerzeit führenden Schwulenzeitungen - wie Advocate - zu vergleichen.

Der sog. Gerd Talis begann seine DON-Tätigkeit mit der Januar-Ausgabe 1980. Schon im zweiten Halbjahr 1980 begann die Verkaufsauflage spürbar abzubröckeln. In den Folgejahren rutschte sie kontinuierlich weiter ab. Beginnend im Jahr 1981 entwickelte sich zwischen dem Verleger Ferling und dem Blattmacher Talis ein heftiger Briefwechselstreit über haufenweis Probleme (ich besitze davon alle Kopien, da ich mit Ferling engen Kontakt pflegte).

Der sog. Talis war ein hervorragender Journalist, aber vom Blattmachen hatte er null Ahnung. Vor allen Dingen verschwendete er nicht den geringsten Gedanken an die Erwartungen, Bedürfnisse und Interessen der Leser/Kunden/Käufer. Sein o.g. 'Programm': "...Wir möchten DON zu einem wirklichen Forum der Homosexuellen machen ..." interessierte die Schwulen herzlich wenig.

Im dritten Talis-Jahr, nachdem die Verkaufsauflage um 40% auf knapp 7.000 Exemplare abgesackt war, zog Verleger Henry Ferling endlich die Reissleine. Es war eine bittere Trennung.

Abb. Im Juli 1980 bei der Veranstaltung "Parteien auf dem Prüfstand" in der Bonner Beethovenhalle. Von links: Hans-Peter Reichelt (him applaus), Wolfgang Selitsch (der eigentlich Fotograf war, hier Chefredakteur DU & ICH) und der sog. Gerd Talis (DON und gay journal)

Gerd Talis war einer von mehreren Mitautoren in dem von Joachim S. Hohmann herausgegebenen Buch "Pädophile heute", erschienen 1980 im Foerster Verlag.

Auch hat Gerd Talis "Homo-Literatur" geschrieben: "Heisser Sommer" (siehe Personalie am Anfang dieses Blogs) erschien 1976 im (eigenen???) Pan-Verlag und gehört offenbar zu einer Buchreihe "Homo-book-hit No. 4"

Im Verzeichnis von "Deutsche National Bibliothek" findet sich sein Name als Übersetzer bei  dem Sex-Roman "Heisser Saft für feurige Lenden", von Wade Graham, Star-Verlag 1972, in der Reihe "Jet-Sex, Nr. 2"

Samstag, 15. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 4)


DON 4/1983 erscheint im April 1983. Die Redaktionsleitung hat offiziell noch Gerd Talis (Heidelberg).

Die Bildauswahl, der Umbruch und grosse Teile des Inhalts werden bereits von jenem "Autorenteam" gestaltet, das offiziell erst im Impressum des Juli-Heftes erscheint.

Siehe auch Blog-Eintrag DON 2/1983: In 3 Jahren Talis-Redaktion verlor DON 40% seiner Verkaufsauflage. Henry Ferling zieht Konsequenzen.



Fotoserie von Paul Kaethner (Melbourne/Australien)


Das Berlin-Museum "bereitet für April 1984 eine Ausstellung ... 'Homosexuelle Männer und Frauen in Berlin 1850-1950' vor ... es werden noch Zeugnisse und Dokumente über die Verfolgung der Homosexuellen während der Dritten Reiches ..."
[Anmerkung: Das >Schwule Museum Berlin< wurde erst 1985 eröffnet.]

Rosa von Praunheim in 'Le Monde' über das 'neue deutsche Kino' "Welch ein grauenhafter Geschmack: Fassbinder, Wenders, Syberberg, das ist doch nichts. Herzog ist ein Faschist, Helma Sanders eine Idiotin, Schroeter unverständlich ... Ich hoffe, dass ich noch Zeit haben werde, vier oder fünf Filme zu drehen ... denn der Krieg wird bald kommen. Ich denke daran mit Vergnügen. Der Frieden langweilt die Leute ... "
[Anmerkung: Tatsächlich hat Holger Mischwitzki bis 2012 mindestens weitere 28 Filme gedreht ... tatsächlich hat er seine eigenen Werke immer grandios gefunden ... tatsächlich hat er sein Leben lang viel (Schwachsinn) dahergeredet, um die Aufmerksamheit auf sich zu lenken.]

San Francisco: "Scott Smith bekommt als hinterbliebener Freund und ehemaliger Geschäftspartner von Harvey Milk eine Sterberente vom US-Bundesstaat Kalifornien ... 1978 war er ... zusammen mit dem Bürgermeister Georg Moscone und dem Stadtrat Dan White im Rathaus ermordet worden ... "

Berliner Uni: " ... ein 'Referat für die Belange homosexueller Studenten' im AStA will der Senator [Kewenig, CDU] nicht akzeptieren. Er hat seine Bestätigung der Satzung für die TU-Studentenschaft mit der Einschränkung versehen, er könne zwar ein 'Referat für soziale Minderheiten ...' anerkennnen, nicht aber das von den Studenten geforderte 'Schwulenreferat' ... "

Sittenwidrig: "Das Langericht in Mainz hat unter Beachtung des 'Wandels in der Sexualgesinnung' das 'Wormser Urteil' aufgehoben, in dem ein Amtsrichter Geldgeschäfte zwischen zwei Homosexuellen für sittenwidrig erklärt hatte ... "

Die Universität Marburg/Lahn "hat ihren Literaturstudenten ... den Auftrag erteilt, Leben und Werk des österreichischen Schriftstellers Erich Lifka zu erforschen ... "
[Anmerkung: Erich Lifka (Link zu DON 5/1980), 1924-2007, schrieb u.a. auch für DON und ADAM]

AIDS: "Das Bundesgesundheitsblatt Nr. 12 ... weist die Ärzteschaft in einer 'Schnellinformation' auf >unbekannte Krankeitserreger als Ursache von tödlich verlaufenden Immuneffekten< hin. Besonders betroffen sind >männliche Homosexuelle, Einwanderer aus Haiti, Abhängige von Suchtmitteln und andere< ..."

[Anmerkung: Auf den News-Seiten erscheint - warum auch immer? - erstmals wieder mein Pseudonym Michael Albert, das aus meinen Anfangsjahren bei DON und ADAM stammt. Mehr dazu im Juli-Heft 1983. Siehe auch Hinweise unter der April-Titelseite]


Eine ziemlich wahre Erzählung von mir über zauberhafte und weniger zauberhafte Eigenschaften der "ragazzi und giovani, uomini und soldati". Über italienische Männer zwischen 14 und 40. Über die aus Sicht nicht nur schwuler Germanen "sogenannten Schwachmacher". Mit 14 hatte ich begonnen Italienisch zu lernen und gut dreissig Jahre lange so eine Art von Italiensucht gepflegt.

Titelfoto, Foto rechts und mehr Friedrich Hardt

Autor Wenzel Böhmak (= Pseudonym) mit einem seiner vielen kruden Meinungsbeiträge:

"Als amerikanische Missionare und kommunistische Kommissare ... in China noch keinen Einfluss hatten, da war es üblich, dass bei schönem Wetter junge und gesunde ältere Fischer, Matrosen, Bauern unbekleidet arbeiteten ... dass der Besitz eines guten Körpers ein Reichtum ist, dessen niemand sich in der Öffentlichkeit zu schämen braucht ... Durch unsere Kleidervorschriften werden heutzutage auf dem ganzen Erdball die Menschen künstlich konsumgeil gemacht ... Von China aus gesehen sind wir 'Westler' heute wieder die eigentliche 'Dritte Welt'. Mit all unseren Herzschrittmachern und künstlichen Herzen, unseren mechanischen Fortbewegungmitteln, unseren Kitsch-Luxus-Techniken, unseren Textil-Orgien bringen wir das Volk aus dem Reich der Mitte zum Lächeln ... "


Solche Serien-Zeichnungen von einem gewissen Dietmar hatte ich auch schon zuhauf für ADAM betextet und dort veröffentlicht.

Donnerstag, 23. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 10)


DON 10/1982 erscheint im Oktober 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Das 'Gay Weekend', veranstaltet von Gerd Talis in Heidelberg (s. DON 8/1982), hat stattgefunden (u.a. mit dabei DON-Verleger Henry Ferling und Frau). " ... Das bedeutendste Homo-Fest in der Geschichte von Alt-Heidelberg hatte nur eine Macke: wir waren keine 'grosse' Familie. Wenn ich ... das Bild also korrigiere, so muss ich dennoch sagen: diese kleine Familie hatte es in sich! ... Wir hatten ein prächtiges Publikum. Einige Hundert waren es insgesamt schon ... "

" ... Vor fünf Jahren ... rief ich die 'GROSSE Familie' der Homosexuellen zu verstärktem Handeln im politischen Raum ... Die verfummelte schwule Vielfalt der vergangenen Jahre, die in Wahrheit eine neidvolle Zerstrittenheit dokumentierte, hat hierzulande ein Homo-Bild produziert, das von der Allgemeinheit abgelehnt wird ..."

" ... Man sollte auch in den eigenen Reihen endlich ernstnehmen, dass homosexuelles Verhalten tatsächlich mindestens die Hälfte aller Menschen betrifft und in dieser Mehrheit beispielsweise Fummeltrienen (so die Eigenbezeichnung) und Transsexuelle und Klappenfreunde und Pädosexuelle Minderheiten bilden, die nach unserer Meinung sehr wohl ein Existenzrecht haben, nicht aber das Recht ihre Eiigenart (vom Besonderen bis hin zum Absonderlichen) der homosexuellen Allgemeinheit als 'verbindliches Image' überzustülpen ... "


Lübeck: " ... Wer also hilft mit, eine unabhängige Initiativgruppe in Lübeck zu gründen? ... Klaus Beerfeltz, Kleine Burgstrasse 6, 2400 Lübeck 1"

Inventur: "Literatur, nicht für Moralisten! Junger Harzer (21) verschenkt ... diverse Homo-Magazine der Jahrgänge 1975 bis 1981) an Jünglinge mit wenig Taschengeld ... "

Das Porto für einen 20g-Brief steigt von 60 auf 80 Pfennige.

Problemlösung per Brief: "Sind Sie alt, einsam und verlassen? Haben Sie Probleme? Schreiben Sie mir! Manfred H. Böser, Südwerk 1, 7712 Blumenberg 2"

Stellenangebot für Schwule: " ... Für Bürofachgeschäft im Sauerland Mitarbeiter für den Innen- und Aussendienst. Nicht fachliche Kenntnisse, sondern gutes Auftreten und Selbstsicherheit sind wichtig  ... (der) Geschäftsinhaber ... der sich Bewerber etwa so vorstellt: 35 Jahre alt, ca. 186cm gross, um 90 kg schwer."


Sind Homos erpressbar?
"Homos gelten an 'sicherheitsempfindlichen' Plätzen als Risiko - zurecht? So, wie das Vorurteil die Homosexuellen zu 'Kinder-Verführern' macht, lässt es sie - im Vergleich mit der übrigen Bevölkerung - auch als besonders erpressbar erscheinen. Erpressbarkeit aber ist - auf staatliche Ebene übertragen - ein Sicherheitsrisiko. Wer ist erpressbar? Jede Person, die etwas verbergen muss, weil dieses Etwas, würde es bekannt werden, ihr Schaden zufügen könnte. Damit ist ganz klar: Erpressbarkeit hat mit sexueller Orientierung direkt überhaupt nichts zu tun. Als Homosexueller ist man wegen seiner Orientierung nur dort erpressbar, wo Homosexualität durch die Gesellschaft zu etwas Minderwertigem, Verfolgbarem gemacht worden ist ... "


Modell Luigi aus Zürich. Fotograf?


Herpes: "Wieder gibt es eine neue 'Seuche gegen die Lust'. Sie drückt sich durch Bläschen aus, wird von daher 'Bläschenkrankheit genannt und gilt als die neueste Geschlechtskrankheit ... weil sie hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr übertragen wird ... 20 Millionen Amerikaner sind daran schon erkrankt, zehn Millionen Europäser, eineinhalb Millionen Deutsche ... "

Reinhold Vöth, 1930-1997, 18 lange Jahre erzkonservativer, katholischer Intendant des CSU-Senders Bayerischen Rundfunk:" ... jedenfalls hat der Intendant des BR nun äusserst brüsk den Rausschmiss des Ziegler-Films (Die Konsequenz) aus dem Fernsehprogramm vor Zuschauern verteidigt ... Und bei den Gründen dafür gehe es um dieselben, welche auch die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) ... veranlasst hätten, den Film als >für Jugendliche unter 16 Jahren ungeeignet< einzustufen ... dann fragt man sich doch, warum es in der Bundesrepublik so diametral entgegengesetzte Rundfunkgesetze geben muss ... "

Amsterdam " ... als Sex-Umschlagplatz Nummer Eins in Europa hinlänglich bekannt, beherbergt nach Auskunft des 'Deutschen Hilfsvereins' erschreckend viel deutsche Prostituierte. Annähernd 300 sind es schon, die ... ein ... Gewerbe betreiben. Ein Drittel, so der DHV, sind junge Männer ... "

Hamburg: "Wie die 'Unabhängige Homosexuelle Alternative' (UHA) aus Hamburg berichtete, wurden beim diesjährigen Demonstrationsmarsch zum Gedenken an 'Stonewall' ein 13- und ein 16jähriger Junge festgenommen ... Als Motiv ... nannte die Polizei ... >Austausch von provozierenden Zärtlichkeiten<. Ein konkretes Strafvergehen wusste man indes nicht zu nennen ... Allerdings ... hätten die beiden Kinder >jugendgefährdende Schriften< bei sich geführt ... ein Flugblatt der schwul-lesbischen Schülergruppe 'Schwusel' ... eine Schrift, die von Jugendlichen selbst verfasst worden war ..."

Stadtindianer: "Nach langer Untersuchungshaft ... ist der 34jährige Chef der Nürnberger 'Indianerkommune' Ende Juli ... zu eineinhalb Jahren Freiheitstarfe ohne Bewährung verurteilt worden. Dem ... Ulrich Reschke * waren sexueller Missbrauch von Kindern und hhomosexuelle Handlungen mit Jugendlichen zur Last gelegt worden... "

* Der Reschke-Link leitet zu dem Artikel der taz vom April 2010 "Kuscheln mit Indianern", als die Debatte um Pädo-Aktivisten im linken Millieu der 70er und 80er Jahre wieder aufflammte.


" ... Wer sucht netten Anstreicher/Tapeziererboy, 25 Jahre? ... "

"Suche ... gläubige, aufgeschlossene Christen, die wie ich sich vorstellen könnten oder wünschen, ein geistliches Leben in brüderlicher Gemeinschaft zu führen... "

"... Symp., gepfl. Masseur, 29/180/80, zieml. verschmust, sehr zärtl., kraftvoll bestückt, Reizwäscheliebh., hat Mass.-Termine frei ... Auch ausgefallene Wünsche angenehm ... "

" ... Seriöser, junggeblieb. 50er bietet mask. Leder/Jeansboy ab 18, stramm. Hosenfan mit echt. Veranl., individ. Nacherz. altbew. Methoden. Heim- bzw. Internatszögl. ... erwünscht ... "


"Mit seinen fesselnden Erzählungen über grosse Männer der Weltgeschichte, die Homosexuelle waren, versteht es Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) immer wieder seine Leser in den Bann zu ziehen. Auch dieser bericht über das Leben und Sterben des heroischen Freiheitskämpfers ... ist auf historischen Fakten begründet ... "

Dieses begeisterte Vorwort dürfte aus der Feder des Verlegers Henry Ferling stammen.


Erläuterung: Der irische Sir Roger Casement (1864 bis 1919), britischer Diplomat, später irischer Nationalist, von den Briten als Verräter und von den Iren als Nationalheld angesehen, wurde er 1916 des Hochverrats angeklagt und gehängt. Gegen ihn wurde u.a. eine Diffamierungskampagne wg. Homosexualität entfesselt.

Mittwoch, 8. Januar 2014

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 6)


DON 6/1982 erscheint im Juni 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


"Zu den umstrittensten Romanen des zwanzigsten Jahrhunderts zählt sicherlich >Querelle de Brest< von dem französischen Schriftsteller und Dramatiker Jean Genet. Die einen preisen ihn als literarisches Meisterwerk, andere verdammen ihn als unmoralisch und gewaltverherrlichend ... die ungeschminkte Schilderung von Sexualität, Gewalt und Leidenschaft, ihre wilde Hemmungslosigkeit, liess eine Realisierung als Filmwerk bisher unmöglich scheinen ... "

Querelle war Rainer Werner Fassbinders einundvierzigster und letzter Film. Er starb am 10. Juni 1982 (1945-1982) in München während der Arbeit an der Querelle-Endfertigung im Alter von 37 Jahren.



Von wegen (immer) homofreundliche FDP: Ende September 1981 hat der FDP-Landesfachausschuss für Innen- und Rechtspolitik mehrheitlich eine Abschaffung des § 175 StGB abgelehnt. "Die Ausschussmehrheit wird dabei wesentlich bestimmt durch jugendpsychiatrische belegte Gründe des Jugendschutzes der unter 18jährigen, häufig noch nicht endgültig homosexuell orientierten Deliktsopfer". Der Ausschuss-Beschluss steht im Widerspruch zum Parteiprogramm der Liberalen.

Typisch römisch-katholisch: Aufgrund "sittlicher Bedenken" des Straßburger Bischofs Leon Arthur Elchinger gegen die Vorbereitungstagung für den IGA-Weltkongress (International Gay Association of Women And Men, später ilga) wurde den 150 Teilnehmern aus 16 Ländern die Unterbringung im Heim für christliche junge Arbeiter und in einem Feriendorf untersagt. Der fromme Hirte hatte die Teilnehmer als 'Kranke' bezeichnet.

Schockierende Eindrücke von Touristen über japanische Verhaltensweisen: " ... Nasenschleimhochziehen, Spucken und Urinieren in der Öffentlichkeit, Rülpsen und Husten, Suppeschlürfen und - wo immer es geht - das ungenierte betrachten der "geheimsten Teile" des anderen. S/M-Freunde, im Zeitungsbericht als Homosexuelle generalisiert, fänden grossen Gefallen an der Unterwürfigkeit ihrer Sexpartner."

Franz-Josef-Strauss-Partei diffamiert die 'Grünen' als >schwule Haschpartei<: "... Tatsächlich setzen sich die 'Grünen' für eine Legalisierung von Haschisch und für eine gesellschaftliche Gleichstellung der Homosexuellen ein. Damit bieten sie - unbeabsichtigt - nicht nur allen Schwulen-Feinden Gelegenheit, Homosexualität in die Nähe von Rauschgift zu zerren und auch auf diese Weise zu diffamieren, für die CSU-ler sind sie deswegen auch nur noch >eine Sekte, die den Anspruch darauf verwirkt hat, sich um den Sitz und Stimme in der bayerischen Volksvertretung zu bewerben< ... "

Datensammelwut schon vor Orwells 1984: " ... setzt die Polizei ihr Bemühen fort, 'präventiv', das heisst vorbeugend, über Angehörige von Minderheiten, die jemals 'kriminalpolitisch auffallen könnten', Daten zu sammeln und zu speichern. Der zu Ostern erschienene SPIEGEL weiss ganz konkret über neueste Fälle ... "

Die Homosexuelle Selbsthilfe e.V. (HS, 1980 in Berlin gegründet) traf sich zum Jahresende 1981 im Freien Tagungshaus 'Waldschlösschen'.

Zum Jahresende 1981 traf sich die SCHWIPS (Schwule Initiative gegen den Paragraphen-Sumpf) im unterfränkischen Schloss Trautskirchen. " ... Dabei wurde an dem Rechtsratgeber für Schwule in allen Lebensstellungen und -lagen >RECHT schwul< weitergearbeitet. Das Buch, das im Jahr 1982 im Verlag rosa Winkel erscheinen wird ... "


Die DON-Ausgaben des Jahres 1982 sind randvoll mit banalen Homo-Geschichten (wie diese von Walter Hilbrecht) und nicht weniger banalen Buben-Aktfotos. Die abgebildeten 2 Seiten >News<, der Fassbinder-Film und die (historische) Lifka-Erzählung bilden die einzigen 'anspruchsvollen' Ausnahmen der Juni-Nummer.


Eine Erzählung von Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) aus der Zeit vor tausend Jahren, als die Wikinger unter Rollo in die Normandie einfielen. " ... Unvorstellbare Grausamkeiten kennzeichnen den blutigen Weg dieser nordischen Eroberer, bei denen die Männerliebe zu mörderischen Exzessen entartete ... "

Freitag, 22. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 1)


DON 1/1982 erscheint im Januar 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Modell Luigi aus Zürich, Fotograf?


Dass Redakteur Gerd Talis und Verleger Henry Ferling ihr OK zur Veröffentlichung dieser durchgeknallten Widerwärtigkeiten gegeben haben, bleibt für mich ein Rätsel. Autor ist Wenzel Böhmak (= Pseudonym, hier nur mit den Initialen W.B.), der sich hier u.a. als Frauenhasser outet.

Böhmak vergleicht zwei antike Bilder: eine Jesusdarstellung (mit Frauen und Engeln) und eine mittelalterliche Tötungs-Szene (junge Frau wird von Brücke gestürzt).

In seiner "Symbol-Analyse" rührt er ebenso fanatisch wie sinnlos alles durcheinander: Jesus als "idealer, süsser Linkischwuli ... [mit] lieben kleinen Zuckerschwänzchen" ... geschlechtslose Engel als phallengeile Frauen ... die Mutterbindung von Homosexuellen ... einen Todesvollstrecker (der die Frau von der Brücke stösst) als "mutmasslich rechtsradikaler Arschficker" ... Frauen als "widernatürliche Kraftabzapferinnen" jüngerer Männer ... die Todeskandidatin auf der Brücke "diese Frau muss ... den Hintersinn ihres geringeren Hirngewichts nicht richtig erkannt haben" und - Böhmaks Lieblingsthema - die Abtreibung "ausgeschabt und wegchemisiert" ... um dann in 2 Schluss-Sätzen endlich bei Gott Janus (2/3 Bildseite) und dem Forum Romanum (1/4 Bildseite) zu landen.

Unbegreiflich!


Meiner langjährigen Erfahrung und dem Gefühl nach wurden 3 der 4 Leserbriefe von der Redaktion verfasst.

Im DON Club informiert die "gay liberation front e.V. Köln" über Veranstaltungstermine. Ein 50jähriger sucht im Raum Herford/Bünde eine "unauffällige" Homo-Bar. Ein Astrologe sucht Geburtsdaten von Schwulen für eine "astrologische Statistik". Das schwule Reisebüro Swing Tours vermarktet Ägyptenflüge. Und Alexander Ziegler sucht Originalberichte homosexueller ehemaliger KZ-Insassen - "etwa eine Schreibmaschinenseite  ... die bei Verwendung selbstverständlich honoriert werden."


Die Reagan-Administration (am 20. Januar 1981 wurde Ex-Schauspieler Ronald Reagan als 40. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt) intensiviert ihre 'moralische Säuberungsmassnahmen': u.a Verschärfung der Einreisebestimmungen für Schwule und Entzug staatlicher Förderung für Bildungseinrichtungen, die sexuelle Handlungen zwischen Homosexuellen und unverheirateten Heteros befürworten ,,,

17jähriger Wiener Stricher, der unter polizeilichem Zwang Namen von Kunden preisgegeben hatte, erhängt sich in Gefängniszelle, wo er wg. 'gewerbsmässiger Unzucht' einsass.

Der ausführliche Nachruf für den Bildhauer und Grafiker Gerhard Marcks (1889-1981, 1914 Heirat, ein Sohn) in einem Schwulenmagazin ist (für mich) nicht nachvollziehbar.

"Das Hosenausziehen und Gesässzwicken" während des Fußballspiels wude ... schwer bestraft ... Inzwischen hat die FIFA ihren ... Beschluss, nach dem das Küssen und Befummeln der Spieler nach einem ... Tor verboten sei, wieder rückgängig gemacht ... "

"Die Mitgliederversammlung der Arbeitsgruppe 'Homosexuelle und Kirche' protestiert ... gegen die Resolution des Geschäftsführenden Vorstands der 'Deutschen Evangelischen Allianz' ** ... diese ... unterstelle der Bewegung zur Abschaffung des § 175 StGB grundsätzlich inhumane, kriminelle Motive und diffamiere durch ihren Wortlaut alle Homosexuellen ... "

** Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) ist ein evangelikales Netzwerk von evangelisch-reformatorisch gesinnten Christen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften.

Wolfgang Selitsch verlässt nach nur 2 Jahren die DU & ICH Redaktion. Nachfolger wird der bisherigerige Layouter Philipp Salomon. Die Spekulationen im Schlusssatz werden ohne jede Begründung einfach so angehängt: " ... Vom neuen, durch Philipp Salomon verantworteten Team erwarten Insider eine verstärkte Politisierung der Leserschaft, womit eine gefährliche Ideologisierung der homosexuellen Emanzipationsbewegung verbunden sein könnte."



Schwuler Ringen
"Ein Leserbrief zum Thema Ringkampf unter Homos ... erhielt viel Zustimmung ... Den interessanten Bericht eines Catchfreundes den wir nachfolgend bringen ... " ist eine historisierende Verherrlichung des exklusiven Männersports Ringkampf - Kräftemessen, sado-masochistische Neigungen, Killerinstinkt, der 'Unterlegene' - wobei es dem Autor im Kern um schwulen Sex geht: " ... Ich habe im Laufe der Jahre mehrmals Heteros auf die Matte gelockt, nur um mit ihnen einen engeren Körperkontakt zu bekommen ... Die Begegnung auf der Matte ist daher mehr als nur eine Spielart der Homoszene, mehr als der Wunsch auf einen knackigen Typ. Sie greift an die Wurzeln der menschlichen Instinkte und Triebe, zeigt Wege zu intensiven Freundschaften ... Allen Ringerfreunden wünsche ich sportliche und faire Begegnungen von Saft und Kraft!"

"Diese Erzählung von Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) behandelt von der Geschichtsschreibung bisher wenig beachtete Ereignisse aus der Zeit um die Jahrhundertwende - Ereignisse um  Fürst Philipp zu Eulenburg, den Berater Kaiser Wilhelm II., Hauptfigur des damaligen unseligen 'Eulenburg-Skandals'. DON ist glücklich, diese Darstellung ** von Erich Lifka veröffentlichen zu können, weil der Autor eine Form gefunden hat, die jeden Leser fesseln dürfte. Der Umfang macht den Abdruck in zwei Teilen notwendig ... "

** Lifka beginnt diesen ersten Teil seiner Erzählung mit einer gnadenlosen Glorifizierung des Kaisertums Österreich (Österreichisch Ungarische Monarchie) und Eulenburgs, eines Kaiser-hörigen, prototypischen Repräsentanten der ostelbischen Junkerklasse.

Samstag, 16. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Heft 11)


DON 11/1981 erscheint im November 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Ihr Schlitzohren!  
"Eigentlich sollte man Euch ja zu Eurem Erfindergeist gratulieren. Erst macht ihr das DON, dann den ADAM als Zweitmonatsschrift - und jetzt finde ich den ehemaligen Pornotitel 'hom oh' als Vierteljahreszeitschrift erstmals am Kiosk (weil mir dort die Redaktionsanschrift so verdächtig vorkam, griff ich zum Telefon - und siehe da: das neue 'hom oh' ist in Wahrheit mit Eurer Bild- und Anzeigenredaktion von DON und ADAM identisch!) Hoffentlich aber habt Ihr bedacht, dass sich ausser mir auch noch andere allmählich verarscht fühlen... "

Die "Anmerkung der Redaktion" entpuppt sich - obwohl der Vorwurf des Lesers nur halb richtig ist - als ein ziemlich peinliches Drumrumgerede. Tatsächlich steht der Verleger des im Leserbrief erwähnten "hom oh", die Foto- und Presse-Studio GmbH, Postfach 700366, 6000 Frankfurt/Main 70 (= Günter Goebel), sowohl im Impressum von DON als auch in ADAM und zwar zuständig "für Bildmaterial und Kontaktanzeigen".


Wenzel Böhmak (= Pseudonym) verfasst eine mehr als krude Deutungs-Fantasie über einen Serien-Mörder im schwulen Millieu, nach dem die Münchner Polizei seit 3 Jahren ergebnislos fahndet - verpackt in einen (frei erfundenen) Homo-Krimi.


Der schwule Fotograf (Autodidakt) Olaf Stüben stellt im Berliner Prinz Eisenherz Buchladen Fotos zum Thema 'Mauerkinder' aus.

"... In England hat ein 79jähriger bereits seine 30. Schwangerschaft hinter sich! Nur bekommt er ... selber keine Kinder; sein Unterleib schwillt vielmehr jedesmal an, wenn ein weibliches Mitglied seiner familie Nachwuchs erwartet ... " Diese Scheinschwangernachricht wird mit einem fetten europäischen Pädophilen illustriert, der zwei exotische Knaben umarmt.

"Während der der jahreszeitlich bedingten Nachrichtenflaute hat ein deutsches Boulevardblatt Ende Juli >blonde deutsche Jungs als Sex-Sklaven nach USA verkauft<, eine makabre Zeitungs-Ente zur 'Saure-Gurken'-Zeit. Etwa 50 Jungen, so wusste das Blatt (hier unerwähnt: BILD!!!), würden Jahr für Jahr in Deutschland gekidnappt, um reichen Homosexuellen in den USA als Sex-Sklaven zu dienen ... "

Gauner in Frankfurt, die sich als Polizisten ausgeben, drohen einem Mann, weil der sich >zu lange< in einer öffentlichen Toilette aufgehalten habe, mit Personalfeststellung, Geldbusse und Gefängnis, lassen ihn dann aber für abgezockte 950 DM laufen. " ... Vier Tage lang brauchte der völlig verschüchterte Betrogene, ehe er sich ein herz fasste, die Sache der Polizei zu melden. Man muss sich nur fragen, wie es möglich ist, dass im Jahre 1981 jemand soviel Angst hat, eventuell als Homo angesehen zu werden und noch heute glaubt, das sei strafbar ... "

Anzeige "5 Jahre Foerster-Verlag, [des Kurt-Joachim Foerster] 3 Bücher jetzt nur DM 20 ..."
In Wikipedia beginnt die Geschichte des Foerster-Verlages mit der Gründung eines "Fotokunst"-Verlages erst im Jahr 1977 (nicht 1976).

Der Foerster-Verlag, Berlin, bewirbt einen Kalender "Knaben in der Kunst" "mit zauberhaften Motiven nach Wilhelm von Gloeden".

COQ International, Holbaek Dänemark, bewirbt seine Porno-Produkte.


Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) macht in seiner Erzählung aus Alexander von Humboldt (ungeniert) einen sexuell aktiven Schwulen.

aus Wikipedia: " ... Mit dem Theologiestudenten Wilhelm Gabriel Wegener schloss er im Februar 1788 einen „ewigen Freundschaftsbund“. Unter anderem deswegen und weil Humboldt bis zu seinem Lebensende Junggeselle blieb, wird in einem Teil der Forschungsliteratur die Ansicht vertreten, dass Alexander von Humboldt latent homosexuell gewesen sei. So sieht zum Beispiel Bernd-Ulrich Hergemöller Anhaltspunkte für homoerotische Beziehungen nicht nur mit Wegener, sondern auch mit Israel (Johannes) Stieglitz, Johann Carl Freiesleben, dem Offizier Reinhard von Haeften sowie in Paris mit dem Chemiker Joseph Louis Gay-Lussac, mit dem er vier Jahre in einer Wohnung lebte, und mit dem Maler Carl von Steuben ... "  


>Die Haut< als Film von der Regisseurin Liliana Cavani, nach Curzio Malapartes Roman >Die Haut< von 1949. " ... habe ich mir die Taschenbuchausgabe gekauft ... Schon im ersten Teil sah ich den Film, den ich machen wollte, vor mir. Neapel, wie es von den Allierten befreit wurde, wurde für mich lebendig. Es ist eine herrliche Geschichte, die da erzählt wird, von Menschen, die zu arm sind, als etwas anderes als ihre Haut zu verkaufen ... "

"Auf deutsch-biederes Bordell-Niveau ist der >Blaue Engel< aus der Heinrich Mann-Verfilmung in Rainer-Werner Fassbinders Kino-Remake >Lola< heruntergekommen: der bekannte homosexuelle Filmemacher versetzt die Lola aus den fünfziger Jahren in die Gegenwart ... Andererseits gilt gerade diese >Lola< als das bisher einzige Film-Soziogramm der gegenwärtigen Bundesrepublik, die Fassbinder als Tummelplatz der Oberflächlichen, Amoralischen und Korrupten hinstellt ... "

Mittwoch, 30. Oktober 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Hefte 3 bis 5)


DON 3/1981 erscheint im März 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Den ganzen Textriemen, der da unter "DON Kurzreisen nach London" steht, nennt man Schleichwerbung (§ 4, 3 UWG; als redaktioneller Inhalt gestaltete Werbeanzeige), eine Spezialität des Günter Goebel, der nun wieder in DON 'mitmischt', siehe folgend 'Tommys Brief-Box:


Für einen Profi schnell durchschaubar: Alle diese angeblichen "Leserbriefe/fragen" sind frei erfunden und die Antworten aus sexualkundlichen Artikeln oder Abhandlungen abgeschrieben (zuständig ist das "DON Postfach, 6 Frankfurt 700229, des Günter Goebel). Sämtliche Fragen betreffen banale oder sonderbare sexuelle Themen: Haben Südländer grössere Potenz ... was ist ein Säurespritzer ... gibt es ein Buch der Liebeskunst für Homosexuelle ... 


Autor dieser Geschichte: H.-A. Hütt


DON 4/1981 erscheint im April 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

Das farbverfälschte Foto ist nicht durch eine schlechte Kopie entstanden, sondern entspricht dem Original-Druck.


Einer von zahlreichen brillanten Essays, die Gerd Talis anstelle von Vorworten in DON veröffentlichte. Ausgehend vom 'Internationalen Jahr der Behinderten', das gleichzeitig auch 'Preußen-Jahr' ist, entwickelt er über verschiedene Perspektiven (behinderte Schwule, homosexueller Jugend- und 'Schönheits'wahn, preußische Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Liebe, Schnüffelmanie der Justiz...) einen interessanten Gedankengang hin zur 'widernatürlichen Unzucht der Gleichgeschlechtlichen', dem 'Kampf gegen die Perversion' und der Forderung den § 175 endlich aus dem Strafgesetzbuch zu streichen.


Für die Bildredaktion zeichnen im Impressum nach wie vor "Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Johann Möstl), beide Frankfurt/Main" verantwortlich. Bei den drei Aufnahmen handelt es sich um laienhaft  kopierte (abgekupferte) COLT-Fotos.


Das erotisch "aufregende" Großposter für's Homo-Zimmer ... (mit Schrankwand)

Diese DON-Ausgabe wurde mit sieben (!), teilweise ellenlangen Homo-Geschichten (u.a. von Walter Hilbrecht, Karl-Heinz Barwasser, Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) und K.R. Adam) aufgefüllt.


Grandiose, ausgewogen-begeisterte Filmkritik von jemandem, der sich Tassilo nennt (Gerd Talis?)

 Taxi zum Klo (1980), Hauptdarsteller, Autor und Regisseur Frank Ripploh (1949-2002)
"... Homosexuelle sind: Sexbesessene, Tunten, Exhibitionisten, Genitalfixierte, HWG-ler, Kinderverführer, Bindungsunfähige, Sadomasochisten, Abortstammgäste usw. Und wie erscheinen sie in diesem Film? Sie erscheinen als: sexbesessen, tuntig, exhibitionistisch, genitalfixiert, promisk, kinderverführerisch, bindungsunfähig, brutal, pornointeressiert, abortstammgästig usw. ... "


DON 5/1981 erscheint im Mai 1981. Die Redaktion (inkl. der 'künstlerischen Bildauswahl') unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg. 

Das Titelseitenfoto zeichnet sich durch totale Unschärfe aus.


"Warum verstecken wir uns? sagte mir neulich ein Bekannter, mit dem ich über die trüben Aussichten der Homo-Emanzipation 1981 sprach ... es gehört gar nicht so viel Mut dazu, sich zu seiner Vorliebe für Gleichgeschlechtliches zu bekennen; mehr Menschen, als Sie meinen und vermuten, haben homosexuelle Bedürfnisse, und das ist normal und gut so ... Beginnen Sie selbst mit dem Durchbruch! ... Sie werden sehen, dass Ihre Befürchtungen sich nicht erfüllen. Erleben Sie Ihr Coming out  - und Ihr Alltag wird leichter ..."

Drei Aspekte sind interessant. Gerd Talis, ein offen schwul lebender schwuler Journalist und Medienmacher, vermeidet auch 1981 das Wort schwul ... er benutzt häufig die Bezeichnung Gleichgeschlechtliche und er spricht den DON-Leser nach wie vor mit Sie an, wie er es in einer Schwulengruppe oder Schwulenbar nie täte.


Wenzel Böhmak (= Pseudonym) beschäftigte sich über viele Jahre in DON mit (schwul)-historischen Themen, zumeist in lockerer Erzählweise, hier - SS, Nazis, Arbeitslager, schwule Beziehung Pole/deutscher Capo, Heinrich Himmler - sogar in Form einer Geschichte.

Anmerkung: Lesenswert ist das Buch "Die Brüder Himmler, eine deutsche Familiengeschichte", geschrieben von Heinrichs Enkelin Katrin Himmler, 2007 erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag.


Die ursprünglich 6 bis 8 Seiten DON'S NEWS sind auf 2 bis 3 Seiten zusammengeschrumpft: Befruchtung durch Transsexuellen ... Tote Frau war ein Mann ... US-amerikanische 'Nationalsozialistische Liga' ... Misshandlung und Missbrauch von Jugendlichen im indischen Knast ... Homos in Israel haben es schwerer (als in der Bundesrepublik) ... Chicagoer Polizeichef fordert 'Einfühlungsvermögen in Gay-Fragen' ... Englischer Vikar erklärt Blackburn zum 'zweiten Sodom und Gomorrha' (wg. eines Gay-Abends in einem Nachtclub) ... Die sexuelle Revolution hat keine bessere Aufklärung gebracht ... 


Sowohl die linke COQ-Anzeige, als auch die ganzseitige Macho-Toys-Anzeige bieten (ungeniert) Pornographie * an, was selbst bis heute (2013) gesetzlich verboten ist und nach wie vor strafrechtlich verfolgt wird (§184, Verbreitung pornographischer Schriften). Seinerzeit wurden auch Verlage, die solche Werbung veröffentlichten, strafrechtlich verfolgt.

* COQ International und Showboy. COLT Men, Olympus, Spurs sowie 2 COLT-Filme (Gunnar und Lars zeigen, was Lust und Homosex ist. Laden Sie sich ein zu dieser einmaligen Orgie ... COLT-Modelle bei heisser Homo-Action)