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Samstag, 12. April 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 12)


DON 12/1983 erscheint im Dezember 1983. Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam".

Illustation der Titelseite: Roger Payne


"Die neue Diskussion erinnert an dunkle Zeiten. Damals forderten die Nationalsozialisten von der deutschen Familie erhöhte Produktionsanstrengungen. Nachwuchsproduktion! Dem Führer und der Partei zuliebe. Frisch aufbereitet hat das Thema Heiner Geißler; CDU-Generalsekretär und Familienminister. Er, der schon Pazifisten ("haben Auschwitz erst möglich gemacht") und SPD ("fünfte Kolonne Moskaus") entsetzliche Feindetiketten aufklebte, hat jetzt einen neuen Volksfeind ausgemacht: Die Kinderlosen. Sie betrieben in Wahrheit die Entvölkerung der Bundesrepublik durch Nichtvermehrung ... Statt Kinder in die Welt zu setzen, verjubeln sie ihre Knete und lassen sich im Alter die Rente von anderer Leute Kinder zahlen ... Zu den hinterhältigsten 'Argumenten' der Schwulengegener ... gehört jenes: Dass Homosexuelle schon allein deshalb 'nutzlos' wären, weil sie den Sex nur um der lieben Lust willen betreiben, ergo keinen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen (Nachwuchs)-Nutzen  produzieren ... "

Anmerkung: Dr. Heiner Geißler, Jahrgang 1930, ein Mann der heute den altersweisen lieben Polit-Opa miemt, war in den Jahren 1977 bis 1989 als Generalsekretär der CDU (unter Helmut Kohl) einer der fürchterlichsten Hetzer und Demagogen, den die Bundesrepublik Deutschland hervorgebracht hat.   

Farbfoto. Der Beginn meiner Laufbahn als Laienfotograf, 1975 oder 76: Gerhard, 187cm, Lehrling aus München, mein allererstes Akt-Modell (mit Katze Minna als Beisitzerin).


"Dieser Beitrag wurde ursprünglich für ein Buch verfasst, das Herrn Müller und Frau Schulze - also die ganz gewöhnlichen Heterosexuellen - über Homosexualität informieren sollte. Es handelt von den Ursachen und Folgen der Verfolgung, Verurteilung und Aburteilung homosexuell orientierter Menschen in den letzten 3.000 Jahren. Einerseits soll dieser Beitrag der Auffrischung unseres eigenen gedächtnisses dienen und uns ein paar Fakten für Auseinandersetzungen in die Hand geben, andererseits kann er Ihren heterosexuellen Eltern, Freunden oder Bekannten auch die Augen öffnenen ..."


Fortsetzung von DON 10+11/1983: Textauszüge aus "Handbuch der gesamten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellungen", Band III, Die Homosexualität des Mannes und des Weibes von Sanitätsrat Dr. med Magnus Hirschfeld, 2. Auflage, Louis Marcus Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1920.

" ... unter den internationalen Bühnenstädten ist während der Festspielzeit vor allem Bayreuth ein sehr beliebter Sammelplatz von Uraniern, die teils allein, teils mit ihren Freunden dahin kommen. Besonders soll auf sie die 'Männeroper' Parsifal eine grosse Wirkung und Anziehungskraft ausgeübt haben ... Auch die Volksbäder, Schwimmhallen und Brausebäder bilden nicht selten Treffpunkte Homosexueller; doch werden sie weniger zwecks sexueller Betätigung aufgesucht, als um sich am Anblick sympathischer Gestalten zu weiden ... Bezeichnend war, dass in einem der ersten Berliner Lichtluftbäder in der aufgehängten Badeordnung ein Paragraph enthalten war, welcher lautete: >Homosexuelle Herren werden ersucht, sich ihre Anlage nicht merken zu lassen.< ...."


Frankfurter Buchmesse 1983 mit einem Gemeinschaftsstand der Arbeitsgemeinschaft schwuler Verlage, der die Gay Men's Press, die Rimbaud Presse und die Verlage Gmünder, Pusteblume und Rosa Winkel vereinigt, aufgelockert durch die Postkarten der Edition Richard Hermes.

Aussen vor eine Einzelkoje des Albino-Verlag, der mit >Die Potenzklinik< für einen kleinen Skandal sorgte, während unserem Berichterstatter dort eher seine Zarah-Leander-Biographie und französische Kunstbände weiterer Nazi-Stars, wie Arno Breker und italienischer Bildhauer mit faschistischen Herrenmenschenskulpturen sauer aufstossen.


siehe Titelankündigung - Klappensex: Schwule Autoren laben sich an Latrinenthemen. Nach den Auseinandersetzungen zwischen dem Münchner VSG e.V. und DON über schwulen Geschlechtsverkehr in öffentlichen Pissoirs, hat sich dieser Autor einmal in der umfangreichen schwulen Klappen-Literatur gesuhlt. Sein Fazit:

" ... Ich habe den schweren Verdacht, dass gerade diejenigen, die so locker ihre Abort-Artikel runterreissen, die grössten Probleme mit sich und ihrer Sexualität haben. Sie dokumentieren nicht sexuelle Befreiung, sondern die totale Unfähigkeit mit Menschen klarzukommen. Die Erlösung von heterosexuellen Normen betreiben sie mit ihrem Unterleib. Und das verkaufen sie ihren schwulen Mitmenschen als Weg zur Selbstverwirklichung. Es ist schon faszinierend, wie sich Emanzipation ihrer Meinung nach entwickelt: Aus dem Dunst von Urin und Fäkalien ... "

Rechte Seite: Anzeige des Top-Versand, München, für seinen 24seitigen Herbst-Winter-Prospekt



siehe Titelankündigung. USA: Ist dieses Gay-Life wirklich so nachahmenswert? Anhand zahlloser US-amerikanischer Magazine und Zeitungen, Zeitschriften und Publikationen beschäftigt sich Niels Mauermann mit der grassierenden Kommerzialisierung des schwulen Lebens in den Vereinigten Staaten, und dem Aufstieg einer regelrechten Schwulen-Industrie.

Donnerstag, 27. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 7). Talis tritt ab. Ein "Autorenteam" tritt an.


DON 7/1983 erscheint im Juli 1983.

Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist wieder die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" mit Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M. A. Reimer), Andy Mueller und Gerd Talis (der nur noch aus formalen Gründen im Impressum steht).



Layout, Bildauswahl, Umbruch ... "darf" ich wieder machen.

Bei einschneidenden Veränderungen einer Zeitschrift ist es eigentlich üblich, dass der Verleger ein paar Worte dazu sagt. Umso vielsagender ist, dass Henry Ferling zur Trennung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) kein Wort in DON verliert. Warum sich Inhalt und Layout der Juli-Nummer entscheidend vom Juni-Heft unterscheiden, kann man (auch zwischen den Zeilen) obigem Vorwort entnehmen.

Nach dem desaströsen Einbruch der DON-Verkaufsauflage (44% Verlust in drei Jahren) hatte Henry Ferling mich (Jens M. A. Reimer) händeringend gebeten, wieder die Redaktion, eine Überarbeitung der Gestaltung, das Layout und die Bildbestückung zu übernehmen. Hilfe sagte ich ihm nur für eine kurze Übergangsperiode zu, da ich bereits mit der eigenen Firma und vielen anderen Objekten aus- und überlastet war. Da ich namentlich nicht mehr im Impressum erscheinen wollte, einigten wir uns auf den Ausdruck "Autorenteam" (anstelle Redaktion / Redaktionsteam).
 

Die Leserbrief-Seiten sind unter neuer Regie - jetzt wird zurückgeschossen (vgl. Leserbrief-Anmerkungen in der Mai-Ausgabe 1983). Nun attackieren ein paar "bestellte Leserbriefe" die letzten DON-Ausgaben unter dem Redaktionsleiter Talis.

"Auf das neue redaktionelle Konzept von DON kann man wohl zu recht gespannt sein. DON scheint interessanter zu werden. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg, obwohl es wahrscheinlich sehr schwierig sein wird, sowohl beim Verleger ein neues Konzept durchzusetzen und vor allem dem Leser das neue Image zu präsentieren. Bruno Gmünder, Verleger der Städteportrait-Reihe 'von hinten', Berlin."


"Eine Abrechnung mit Zarah Leander und ihren schwulen Verehrern anlässlich ihres 2. Todestages ... Ach Zarah! Hast Du das verdient? Und natürlich haben sich auch die Homo-Gazetten ihrer angenommen. Haben sich schier einen abgewichst. besonders hervorgetan hat sich DU & ICH. Mit 'Exklusiv-Interviews' und dem Abdruck ganzer Tourneepläne, mit Lobhudeleien über ihr Buch und grosser Ankündigung über ihr Comeback, als die alte Frau schon kaum mehr sehen konnte. Ein grosser Kübel Tränen floss durch schwule Blätter, als die Leander vor zwei Jahren in die ewigen Jagdgründe einging. In DU & ICH gleich seitenweis ... Wie soll man das eigentlich begreifen, wenn die Nachkriegs-Schwulen-Generation, also jene Homosexuellen, die das 'Tausendjährige Reich' überlebt hatten, ausgerechnet dieser Frau mit verzücktem Schleierblick zu Füssen fielen? ... Es will einem einfach nicht in den Kopf. Denn in einer Zeit, in der Homosexuelle als Volksschädlinge diffamiert und verfolgt wurden, in der sie zu Tausenden verurteilt, anschliessend in Konzentrationslager abtransportiert und dort zur Strecke gebracht wurden, in genau jenen Adolf-selig-Zeiten war die Leander ganz obenauf. Hat mitgemischt, im Sinne des Führers ... der Verklärung des 3. Reichs und dem Endsieg zuliebe ... "


Razzia bei Florenz: Von 49 festgenommenen Dirnen auf dem Strassenstrich entpuppten sich auf dem Revier 49 als Männer.

Schlüssellochperspektive: In seinem Buch >The Love You Make - an Insider's Story of the Beatles< berichtet Peter Brown, einst Assistent des Beatles-Managers Brian Epsein u.a. " ... von gleichgeschlechtlichen Aktivitäten John Lennons: Angeblich war er der Geliebte von Brian Epstein ... Lennon hätte nur zeitweilig ein Verhältnis mit Epstein gehabt, um - nach seiner Aussage - >zu sehen, wie das ist< ... Um so mehr verwundert es, wie der Gitarrist seine homosexuellen Erfahrungen selbst gewertet haben soll: >Ich habe das Experiment genossen.<"

Schwulenkartei: "Den Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus scheinen die Straftäter-Karteien keine Ruhe zu lassen. Immer wieder traktieren Sie den Innensenat mit Fragen über Speicherungsdauer, Löschungsbedingungen und Karteienverbund ... So wurde nun bekannt, dass Homosexuelle in der Sexualstraftäter-Kartei unter dem Kennzeichen >C< geführt werden ... "

Südafrika: "Die südafrikanische Eisenbahnpolizei soll 60 Männer und Frauen aus dem Dienst entlassen haben, weil sie gleichgeschlechtlich veranlagt sind ... "


< Der im Sinne der menschlichen Verfassung 'vollkommene' Johannes Gross (1932-1999), stockkonservativer Publizist und Journalist (u.a. STERN), im obigen Artikel "antischwuler Intoleranzbolzen" genannt, der als Herausgeber und Chefredakteur des STERN gerade noch verhindert wurde: "Homosexualität ist für mich etwas Minderes im Sinne des Unvollkommenen einer menschlichen Verfassung"

DON rechnet ab - mit den Illustrierten STERN, BUNTE, NEUE REVUE, QUICK, PRALINE, WOCHENEND, BRAVO ... - in Sachen schwuler Themen:
" ... Die Aufgeschlossenheit des STERN gegenüber der homosexuellen Minderheit und schwulen Themen kann gar nicht den Bach heruntergehen, denn sie hat nie existiert ... QUICK und NEUE REVUE ... greifen schwule Themen überhaupt nur auf, wenn sie einen publikumswirksamen Knüller daraus fabrizieren können. Zum Beispiel Tuntenbälle ... PRALINE ... WOCHENEND ... aber auch die Jugendzeitschrift BRAVO ... können, wenn's um Schwule geht, getrost mit dem journalistischen Niveau der BILD-Zeitung verglichen werden. Nur noch dämlicher. Die Familie Burda, ihre Mitarbeiter und Redakteure von die BUNTE ... wissen wahrscheinlich nicht einmal, wie man das Wörtchen 'schwul' buchstabiert ... In der Rückschau muss festgestellt werden: der STERN-Report >Wir sind schwul< [Oktober 1978] war nichts weiter, als ein publikumswirksamer Illu-Schocker, der den Verkauf ankurbeln sollte ... "


Am 6. März 1983 (vorgezogene Neuwahlen nach dem Seitenwechsel der FDP) wurde die Union (CDU und CSU) mit 48,8% der Stimmen stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag und Helmut Kohl Kanzler, der landauf, landab die "geistig-moralische Wende" predigte. Mit in der Regierung (wieder/natürlich/wie immer) die FDP.

" ... 'Der Spiegel' meinte, >seiner Regierungserklärung zufolge möchte Kohl so weitermachen ... mit Nichtstun und Zuwarten< ... Wir dürfen Vertrauen zu Kanzler Kohl haben, dass zumindest für uns [Schwule] auch in Zukunft nichts läuft ... Kohl würde sich wohl eher die Zunge abbeissen, als die Schwulen in den Mund zu nehmen ... Und dann wäre da auch noch die FDP. Ihre grossartigen Schwulen-Wahlparolen von 1980 hatte sie vor dem 6. März auf Sparflamme heruntergedreht. Wer da glaubt, dass die FDP in der neuen Koalition mit der Entdiskriminierung der Schwulen auch nur einen Zoll breit weiterkommt, der muss schon ein gerüttelt Mass an Gottvertrauen haben ... Wenn man die gegenwärtige politische Situation und das rechtsdriftende Klima der 'Koalition der Mitte' genau analysiert, dann muss man schon viel Naivität besitzen, um an eine Abschaffung des § 175 zu glauben ... "


Modell Laszlo, 27, Ungar, Tänzer, Go-Go-Boy, in meinem Münchner Fotostudio.


In bundesdeutschen Spitzenschwulenzirkeln sind sie bekannt, wie bunte Hunde: Der schwule Beckenskelettforscher Dr. Willhart Siegmar Schlegel und seine Werbeposaune Heinz F. S. Liehr (alias Rico de Positano, Lebensgefährte von Johannes Werres). In diesem nicht stattgefundenen DON-Gespräch [Satire!] werden die beiden einer schwulen Würdigung unterzogen.

Schlegel, Werres und Liehr wohnten ein Vierteljahrhundert lang gemeinsam unter einem Dach; in einer Villa im vornehmen Kronberg/Taunus, was mit obiger Abb. der Gartentürschilder nachgewiesen werden sollte.


Ein grossartiger Artikel von Rosa von Praunheim, entnommen dem neu erschienenen Szeneführer 'Berlin von hinten', mit freundlicher Genehmigung des Bruno Gmünder Verlag.

"Im Juli 1971 wurde Rosa von Praunheims Film >Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt< oder >Das Glück in der Toilette< beim 'Internationalen Forum des jungen Films' in Berlin uraufgeführt. Ausgehend von seinen Problemen mit sich und den Berliner Schwulen versuchte er die Verklemmungen, Ängste und Hilflosigkeit in der gesellschaft zu untersuchen. >Heute<, sagt er, >10 Jahre später, würde ich den Film viel bissiger und radikaler machen.< Desillusioniert, aber ohne Bitterkeit erzählt er von seinen Berliner Erfahrungen ... "


"Als Kind hat er Marionetten gebastelt. Er zeichnete Köpfe auf Karton, schnitt sie aus und formte sie in Ton. Als Regisseur machte er Köpfe zu den Stars seiner Filme. Groteske Gesichter, zahnlose und edle, dekadente und aufregende, unförmige und liebliche, schockierende und faszinierende Gesichter ... Aus dem Buch >Fellini's Faces< zeigen wir einige Knaben- und Männergesichter ... "

Diese Seiten habe ich zu Ehren meines Lieblings-Regisseurs, Federico Fellini, in DON hineingeschmuggelt.

Mittwoch, 6. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1981 (Heft 8)


DON 8/1981 erscheint im August 1981. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.



"An die Verbrechen, die unter der NS-Diktatur homosexuellen Menschen angetan worden sind, erinnern die Verfasser des folgenden Aufrufs. Das bittere Wort, nach dem für die Homosexuellen das "Dritte Reich" noch nicht vorbei sei, lasse sie nicht unberührt ... "

Erstunterzeichner, s. letzter Absatz:
Farbfoto rechte Seite: Mike Arlen


17.-21. Juni 1981, 19. Evangelischer Kirchentag, Hamburg, Motto "Fürchte dich nicht"

Eindrücke von der Hamburger Schwulen- und Lesbenwoche. 16. Juni 1981:  " ... das Auditorium Maximum der Uni Hamburg ... füllt sich langsam mit ungewöhnlichem, weil nicht-studentischem Publikum: schwule Männer in der Überzahl, etliche Frauen, wenig Heterosexuelle. Thema des Abends:§ 175 - Unrecht ohne Ende. Es ist unangenehm halbvoll, 'nur' 800 mögen es sein, nicht überraschend, der Kirchentag beginnt ja erst am nächsten Tag ... "


* Homos auf dem Kirchentag: Das Kreuz mit den Parteien
* Die finnische Regierung verstösst mit ihrer Behandlung von Schwulen gegen die Schlussakte der UN über Menschenrechte
* Weisses Haus dementiert US-Präsident Ronald Reagans Anti-Gay-Äusserungen
* Am 12.6.1981 eröffnet in Hamburg der schwule Buchladen "Männerschwarm"
* Norwegen berät einen Gesetzentwurf, der Diskriminierung Homosexueller strafbar machen würde
* "Mehrere Hundert schwule und lesbische Juden ... nahmen an ihrer 6. internationalen Konferenz ... in Philadelphia teil ... "
* Bekanntes katholisches Geschwafel: Die Kirche muss sich " ... mit Anstand um eine vernünftige Sinngebung des Grenzfalles Homosexualität bemühen."


Interessenten stelle ich eine lesbar grosse Bilddatei dieser Seite zur Verfügung.


Linkes Farbfoto: Manfred Rudat


So sicher wie der Hase zu Ostern, tauchte in den Homo-Publikationen der Nachkriegsjahrzehnte regelmässig das Schwulen-Idol Zarah Leander  auf. Der während der Nazi-Diktatur vom Massenmörder Hitler verehrte, umjubelte, höchstbezahlte weibliche Filmstar Nazi-Deutschlands wurde von den schwulen Schreibern ausschliesslich im Tenor hin- und hergerissener Homo-Verzückung gefeiert ... wie auch in diesem Nachruf, der ohne ein einziges kritisches Wort, dafür aber mit grossformatigen Glamourbild glänzt.

Anstelle des ebenso daherjubelnden, harmlos-unkritischen Wikipedia-Eintrages setze ich hier den Link zu einem Beitrag in DIE WELT vom 14.3.2007: Die grosse Lüge der Zarah Leander

BUECHER

Über die niemals zu irgend einer Bedeutung, geschweige denn erwähnenswerten Auflage, gelangte Modezeitschrift Der Mann:
"... Acht Seiten hat >Der Mann< diesem unserem Thema in einem Sonderheft 'Special' eingeräumt. Eine der wenigen 'normalen' Zeitschriften, die in letzter Zeit einmal objektiv, rein sachlich und vorurteilsfrei über uns, die Homosexuellen, berichtet hat."
Auf dem Titel hat >Der Mann< das Homothema dann aber lieber nicht erwähnt.

Auch Du, Cäsar... "... Der Inhalt umfasst die grossen Leitfiguren von der Antike, der Renaissance bis in die Gegenwart, von Plato, Alexander, Cäsar, Leonardo, Michelangelo, Friedrich II, Ludwig II bis Krupp, Röhm, von Cramm, Gide, Cocteau, Genet, die Thomas-Mann-Familie [!] und Gustav Gründgens."

Der Eigene "des Berliner Buchhändlers und Schriftstellers Adolf Brand (1874 - 1945) erschien erstmals im Jahre 1896 und wurde unter dem Druck des Nationalsozialismus Ende 1931 eingestellt. Nun hat der Publizist und Literaturwissenschaftler Joachim S. Hohmann (der Link führt zu DON 3/1977) dieses dokumentarische Lebenswerk ... wieder zusammengetragen und um zusätzliches Bild- und Textmaterial sowie faktenreiche Essays erweitert ... "
Erschienen im Foerster-Verlag Frankfurt/Berlin (siehe Kurt-Joachim Foerster)

Dienstag, 20. März 2012

DON - The German Gay Magazine 1973 (Heft 1 bis 4)


DON 1/73 erscheint im Januar 1973. Untertitel "Magazin für Freunde".

Herausgeber ist ab jetzt HF-Druck, 61 Darmstadt, Kleyerstrasse. HF-Druck, bis zur Ausgabe 1/1974 noch genant zurückhaltend, steht für die Druckerei des Henry Ferling, der das Magazin nun bis 1984 verlegen wird.

Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


Inhalt, Druck- und Fotoqualität auf bescheidenstem Niveau: Von den insgesamt 52 Seiten des Magazins sind 34 Seiten (nahezu ausschliesslich) ganzseitige Fotos = 65 % des Heftes. Hinzu kommen 3 Seiten Kontaktanzeigen und 6 (sechs!) Geschichten. Sowohl für die Fotos ...


... als auch für die Geschichten (zumeist geschrieben von Lesern) werden lächerliche Honorare gezahlt. Es ist das Jahr, in dem 'Der Spiegel' u.a. DON als "homosexuelle Gartenlaube" bezeichnet.


Die Geschichten werden überwiegend auf ausschliesslich textgefüllten Doppelseiten zusammengepresst.


Die Druckqualität, insbesonders der Schwarz-Weiss-Fotos, ist überwiegend kümmerlich. Hier ein Doppelseitenbeispiel für Aufnahmen, in denen nahezu sämtliche Grau(zwischen)töne fehlen.


"DON besuchte die neue Sudfass Sauna ... Wir fanden in gepflegtem Rahmen unter guten Freunden Atmosphäre und Spannung ... "

Dem Inhaber der Sudfass Sauna in Pulheim bei Köln - "eine wahre Stätte der Erholung und Entspannung" - gehörte zuvor die Sudfass Sauna in Frankfurt/Main (siehe DON 6/1972).


DON 2/73 erscheint im Februar 1973. Untertitel "Magazin für Freunde".
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


"Über 600 Gäste umjubelten bei der Jahres-Club-Veranstaltung des 'Club Amsterdam' in Frankfurt ... Zarah Leander ... Genau 12 Minuten dauerten die Ovationen am Schluss und immer wieder ertönte der Ruf 'Zarah, Zarah' ... Fast ein Drittel der Gäste kam im Fummel ... Manches Kostüm war erst am Vortage aus Paris, Berlin oder Wien eingeflogen worden ... Viele Blumensträusse gab es für Zarah Leander, die ob des dankbaren Publikums ganz gerührt war ..."

Der verzückte Autor dieser Leander-Lobhudelei war Guy Gilbert (= Günter Goebel)

Dass Sara Stina Hedberg ihren Karrierehöhepunkt zwischen 1936 bis Ende 1942 in Deutschland (die grösste Diva des 3. Reich) in vollen Zügen genoss - als die Nazis u.a. alle jüdischen Künstler aus Deutschland vertrieben hatten,  Juden zu Hunderttausenden verfolgt, interniert und ermordet wurden und Homosexuelle im KZ landeten - hat die selbst nach Kriegsende weiter (von der Adenauer-Regierung) unterdrückten schwulen Fans herzlich wenig interessiert.


Im krassen Gegensatz zu den überwiegend seichten, rührseligen Geschichten stehen die Sach-Beiträge u.a. von Johannes Werres und die seitenweis ausgetragenen Kontroversen um die darin vertretenen Ansichten, hier von einem Rüdiger Funiok S.J. (?) ... die der auf Nacktbilder fixierte DON-Käufer wahrscheinlich schnell überblätterte.


Immer öfter wagt man sich (auch) bei DON, Aufnahmen von männlichen Modellen mit mehr oder weniger starken "Schwellungen" zu drucken. Das war seinerzeit ein ziemlich gefährlicher Versuch die Verkaufsauflage zu steigern, da alle Homo-Publikationen von offiziellen und selbsternannten Sittenwächtern argwöhnisch kontrolliert wurden, und manch eine Ausgabe nicht selten schon wegen eines minimalen genitalen Erregungsgrades zensiert und mit Verkaufsverbot belegt wurde (Pornographie... jugendgefährdend...)


Erfreuliche Vielfalt? In diesen Jahren beschäftigt sich der Autor Norbert Weissenhagen (= Johannes Werres) permanent mit der homosexuellen Szene, hier mit den 26 nach 1969 entstandenen 'homophilen deutschen Organisationen', dem IHWO ("den einen zu bürgerlich, den anderen zu rechts"), Hauptsitz Hamburg, dem s.d.h. = Schutzbund Deutscher Homophiler, Gründer Heinz Reber, Berlin u.a. 

Weissenhagen/Werres bedauert, dass sich die zahlreichen "Gruppen und Grüppchen ... noch nicht mit dem HSM in Verbindung gesetzt haben (wie die Arbeitsgemeinschaft der Bisexuellen, die DON ins Leben rief)". Am Artikelende wird nämlich der "Arbeitskreis für Bisexuelle und verheiratete Homosexuelle (i.Gr.)" von Rico (= Heinz Liehr, Lebenspartner von Johannes Werres). Anschrift dieses Arbeitskreises ist 6242 Kronberg, Mainblick 15, der Wohnsitz des Trios Werres/Liehr/Dr. Schlegel).


Da sich die mit Abstand meisten Leserbriefe in ermüdender Wiederholung mit den nackigen Fotomodellen (zu jung, zu alt, zu athletisch, zu dick... ) beschäftigten **, wurden selbst in meinen DON-Zeiten nicht wenige Leserzuschriften frei erfunden. Welche Briefe echt und welche von der Redaktion dazugedichtet wurden, ist im Nachhinein natürlich nicht mehr zu klären. Auffällig häufig stehen - in DON wie anderen Homo-Magazinen - Leserjubelbriefe wie

"... Ich lese alle Zeitschriften für uns - von denen ich DON den Vorzug gebe ... Ihr Farbfoto des Mannes mit Bart und Bierglas in den Händen und tätowierter Brust in der letzten Nummer war einfach toll..."

" ... schon lange bin ich Leser von him, du + ich und partner. Nahm neulich am Bahnhof Eure DON, weil keine andere da war. Wie dankbar bin ich, DON in die Hände bekommen zu haben! Kaum kann ich es erwarten ..." 

" ... ich freue mich, daß ich DON kennenlernte. Fotografisch und drucktechnisch hervorragend ... Die Mehrkosten wird jeder wohl gerne entrichten ..."

"... mit Abschluß von 12/72 will ich Euch gratulieren! Habe jede Ausgabe bewundert, Eure Kraft und Ehrlichkeit. Bei uns in Holland gibt es auch viele Hefte, aber alle sind fantasielos oder pervers ..."

** Eine Antwort der Redaktion (scheinbar von der Putzfrau formuliert?):
" ... Was die Modelle anlangt: jedes Bild, das wir bringen, ist ausgewählt aus 6-10 verschiedenen Aufnahmen. Und da nicht jeder an sich gut aussehende Typ fotografiert ebenso gut wirkt, müssen wir zwangsläufig hin und wieder schon einmal einen Jungen in einer anderen Szene bringen, wenn sich zeigt, dass unser Material für die Bildauswahl der nächsten Nummer nicht in vollem Umfang den Anforderungen entspricht, die ihr mit Recht stellt. Ehe wir ein technisch oder ästhetisch unzureichendes Foto in die Druckerei geben, tauschen wir es dann lieber, gegen eines das besser ist, auch wenn ihr den gleichen Jungen schon mal saht. Jedes Heft ist eine Auswahl des besten aus ca. 80-90 Fotos, von denen die Hälfte wir selber machen ... Du siehst, wir sind ganz ehrlich ..."


DON 3/73 erscheint im März 1973. Untertitel "Magazin für Freunde".
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


"Liebe Freunde! Mit nun 15 Ausgaben von DON international in unserem Verlag blicken wir nicht ganz ohne Befriedigung zurück. 780 Seiten wollten gestaltet sein: Bilder waren auszuwählen, Textbeiträge zu redigieren, ein ausgewogenes Gleichgewicht jedes Heftinhalts herzustellen hinsichtlich der Berücksichtigung möglichst vieler Interessen. Immer war unser Leitgedanke dabei, uns auf einer Linie zu bewegen, die uns ... nicht mit Porno-Zeitschriften vergleichen lässt ..."

In diesem Vorwort wird - indirekt - zugegeben, dass die Remittenden-Quote nach wie vor etwa um die 50% liegt:

" ... immer erst nach genau 90 Tagen feststeht, wie eine DON-Nummer wirklich bei Euch angekommen ist: Wenn die Rücklieferungen nicht verkaufter Exemplare alle beim Vertrieb zurückgelaufen sind! Die Traumgrenze, nur 30% der gelieferten Hefte nach 60-90 Tagen wiederzubekommen, ist noch nicht erreicht ..."



Der Erotic-Shop in der Kölner Norbertstrasse bietet hier neben neckischem und "apartem" Penisverhüllungsschmuck (ursprünglich wohl vor die Muschi gedacht) ein Homo-Hörspiel auf Langspielplatte, "die müde Gesellschaften in Schwung bringt", einen Herrenmaskuliner "mit besonders grossem Innendurchmesser", einen Vibrator mir Penisüberzug, ein Kunstglied "naturgetreu nachgebildet", Sexkapseln "für den Mann zur Erhaltung und Steigerung der sexuellen Leistungsbereitschaft" und 4 Trink-Ampullen "Sex-Tonikum für moderne Menschen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit".


Jedes Foto dieser Doppelseite musste für diesen Post einzeln bearbeitet werden, um sie hier überhaupt sichtbar zu machen, dermassen unterschiedlich war deren Aufnahme- und Druckqualität.

Die homojournalistische Sprache 1973 ist noch schwer verklemmt. Von Homosexuellen ist noch keine die Rede. Der Club Savoy, die "Sauna für den Herrn ... ist von Freunden für Freunde" geschaffen. Sie ist "Freizeitwert"  ... "ungefähr ein Drittel kommt wegen der Gesundheit. Die anderen kommen wegen des Luxus, dabei so mancher, der mehr Interesse an jungen männlichen Gästen hat, als an seiner Gesundheit". Die ausschliesslich jugendlichen, angeblichen "Gäste" wurden wohl eher (als Fotomodelle) zu Werbezwecken herangeschafft.




DON 4/73 erscheint im April 1973. Untertitel "Magazin für Freunde".
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972.


Hinweise auf TOM Zürich und seinen Inhaber Thomas Wetzel findest du bei  TOM men’s shop, Zürich, (der Link führt zu Details in DON 4/1978).
 

Linker Beitrag "Splendid isolation" oder warum in der Schweiz die Lesbierinnen für sich bleiben wollen ist von Jack Argo (= Johannes Werres), der sozusagen die 'homopolitische' Linie des Magazins DON in den Jahren alleine bestimmte, in denen Günter Goebel Herausgeber und/bzw. Redaktionsleiter war. Siehe DON 4/1972, vorletzter Text.


Die Les Humphries Singers waren eine Gesangsgruppe, die von dem damals in Hamburg lebenden Engländer Les Humphries (1940-2007) (Bild) im Jahr 1969 gegründet wurde. Von Manuel Thaler ("Jeder Sonnenstrahl ist ein Versprechen") und Lynsey de Paul ("Sugar Me") habe selbst ich noch nie etwas gehört.


Das Mittelseitenfoto, ein über zwei Farbseiten (die damals für viel Geld produziert wurden) aufgeblasener 'Rückenakt mit kopflosem Zweitmodell'.

Eine Filmkritik in der "Frankfurter Neue Presse" (damals konservatives Gegenstück zur links-liberalen "Frankfurter Rundschau") zu Rosa von Praunheims "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt"

Kommentiert wird das in DON (natürlich) von Johannes Werres, der den Film übrigens noch weit schärfer verrissen hat, als hier  "... Es liegt mir fern, den Film Rosa von Praunheims in der vorliegenden Form zu entschuldigen; in diesem Punkt gebe ich der Kritik A. völlig recht. Das fängt beim Namen "Rosa" an und hört beim Neomarxismus auf ...", um anschliessend die damals weit verbreitete Homosexuellen-Sicht des Rudolf Andersch 'auseinanderzupflücken', wobei er - Thema verfehlt - komplett in das Thema Bisexualität ausweicht.