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Mittwoch, 27. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 2)


DON 2/1982 erscheint im Februar 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Leserbrief: Pseudowissenschaftlich - rechtslastig
"Lieber Gerd [Talis], von wem stammt denn diese rührselige Ethno-Schnulze, die Ihr so hochtrabend 'Männliche Homosexualität bei den Afrikanern' nennt? Etwa gar von dem im Vorwort so dikret erwähnten 'Professor' mit den Initialen R.I.? So wissenschaftlich werde ich meine belanglosen Ficks demnächst auch aufbereiten ... Könnt Ihr Euch keinen Korrektor leisten oder sind Euch die dummen und unnötigen Satzfehler Eurer Setzer und Monteure, dazu vertauschte Zeilen usw., völlig wurscht? ... Wer ist denn der Herr Böhmak, dessen rechtslastiges Politgeschwätz ('Die Muslim wetzen wieder die Messer') in Heft 11/81 über uns ausgegossen wird? Mein Gott, dem scheint ja das Geschrei 'Türken vor Wien' noch in den Ohren zu gellen ... V.K.Mü."


"Wenn die gesamte Homo-Presse bei uns, lieber Leser, wie Verkaukaufszahlen zeigen, bis zu sechzigzausend ** Männer erreicht (Sie hatten sicher vier- bis fünfmal so viel geschätzt, aber leider ist es so), dann hat DON daran einen erheblichen Anteil ...

** Talis schreibt ehrlicherweise nicht sechzigtausend Käufer, auch nicht sechzigtausend Exemplare, sondern "sechzigtausend Männer erreicht". Es werden also sechzigtausend Leser erreicht. Talis geht also 1982 bei der Zahl sechzigtausend von im Schnitt zwei Lesern pro tatsächlich verkauftem Exemplar aus; so gesehen halte ich diese Grössenordnung für ziemlich realistisch.


Homo-Schriften beschlagnahmt: "Gegenwärtig erfreuen sich besonders zwei Methoden bei der Justiz besonderer Beliebtheit, um Homo-Artikulation mundtot zu machen: die Einschüchterung des Zeitschriftenhandels und die Diffamierung gewisser Homopublikationen als 'pornographische Schriften'. So wieder geschehen im Herbst 1981 in Koblenz, als man gegen einen Zeitschriftenhändler ein Ermittlungsverfahren 'wegen Anfangsverdacht eines Vergehens der Verbreitung pornographischer Schriften' eröffnete. Dazu wurde gerichtlich 'die Durchsuchung der geschäftsräume sowie anderer Räume des Beschuldigten und der ihm gehörenden Sachen sowie die Beschlagnahme der u.a. nachstehenden Beweismittel angeordnet'  ... [darunter Gay Journal und DON International] ... Für Homo-Publikationen wie DON und Gay Journal ist es ein Schlag ins Gesicht, sich auf der Liste von Sex-Postillen wiederzufinden...

"Die Homosexuelle Aktionsgruppe Bonn stellte anlässlich des Staatsbesuches [23. und 24.11.1981] des sowjetischen Staats- und Parteichefs Breschnew in Bonn an den dortigen Botschafter Semjonow brieflich folgende Fragen ... "
Der Brief blieb (soweit DON bekannt) unbeantwortet.

Henning Scherf, bundesweit bekannter und beliebter Bremer SPD-Politiker, erst Senator, von 1995-2005 Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, fordert auf der Bundeskonferenz der sozialdemoktaischen Arbeitskreise gegen die Diskriminierung Homosexueller, dass "der immer noch existierende § 175 StGB endlich abgeschafft" werde.
   Scherf ist Vater dreier Kinder, darunter eine lesbische Tochter, die mit ihrer Lebenspartnerin auch Kinder hat.


"Im Altertum hatten die Männer viel mehr Gelegenheit, sich allesamt gegenseitig nackt zu sehen als heutzutage, wo im Gefolge des Christentums vor allem der unbekleidete weibliche Körper massenweis gedruckt wird ... Interessant deshalb die Diskussion um die beiden prächtigen, griechischen Bronzemänner **, die erst kürzlich im Meer der Küste Siziliens gefunden worden sind ... "
** Bronzestatuen von Riace


Hans-Joachim möchte im Rems-Murr-Kreis eine schwule Initiative gründen

Februarprogramm des VSG München (Verein für sexuelle Gleichberechtigung)

Die Projektgruppe Bibliographie - Homosexuelle Belletristik - an der Universität/Gesamthochschule Siegen, unter Professor Wolfgang Popp, sammelt " ... alle bis einschliesslich 1980 erschienenen deutschsprachigen belletristischen Texte, in denen a) homosexuelle Figuren (Schwule und Lesben), b) Atmosphäre und c) Situationen vorkommen ..."

Brasilianische Homo-Gruppen suchen Briefkontakte "mit Gays aus aller Welt"

'gay liberation front Köln' will über 'Der einsame Schwule' diskutieren



Fortsetzung der Erzählung von Erich Lifka über die von der Geschichtsschreibung bisher wenig beachtete Ereignisse aus der Zeit um die Jahrhundertwende - Ereignisse um  Fürst Philipp zu Eulenburg, den Berater Kaiser Wilhelm II., Hauptfigur des damaligen unseligen 'Eulenburg-Skandals' (vgl. DON 1/1982)

Emerich Simon Damian Joseph Graf von Stadion-Thannhausen (1838-1901)


Diese Doppelseite kann man getrost als PR-Artikel des schwulen Reisebüros Swing Tours bezeichnen, mit Buchungsangebot bei 'DON-Verlag Henry Ferling, Relax Sun Trips, Postfach 4219, 61 Darmstadt' (bei 'Relax Sun Trips' handelte es sich um eine Wohnmobil-Vermietung, die der Drucker und Verleger Henry Ferling in Israel betrieb und für die auch in DON und ADAM geworben wurde.). " ... Wir [d.h. Henry Ferling?] haben die Swing Tours getestet; sie haben sich als erfolgreiche und zuverlässige Veranstalter erwiesen ... " In dem Text kommt alleine achtmal der Name Swing Tours vor.

Freitag, 22. November 2013

DON - The German Gay Magazine 1982 (Heft 1)


DON 1/1982 erscheint im Januar 1982. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Modell Luigi aus Zürich, Fotograf?


Dass Redakteur Gerd Talis und Verleger Henry Ferling ihr OK zur Veröffentlichung dieser durchgeknallten Widerwärtigkeiten gegeben haben, bleibt für mich ein Rätsel. Autor ist Wenzel Böhmak (= Pseudonym, hier nur mit den Initialen W.B.), der sich hier u.a. als Frauenhasser outet.

Böhmak vergleicht zwei antike Bilder: eine Jesusdarstellung (mit Frauen und Engeln) und eine mittelalterliche Tötungs-Szene (junge Frau wird von Brücke gestürzt).

In seiner "Symbol-Analyse" rührt er ebenso fanatisch wie sinnlos alles durcheinander: Jesus als "idealer, süsser Linkischwuli ... [mit] lieben kleinen Zuckerschwänzchen" ... geschlechtslose Engel als phallengeile Frauen ... die Mutterbindung von Homosexuellen ... einen Todesvollstrecker (der die Frau von der Brücke stösst) als "mutmasslich rechtsradikaler Arschficker" ... Frauen als "widernatürliche Kraftabzapferinnen" jüngerer Männer ... die Todeskandidatin auf der Brücke "diese Frau muss ... den Hintersinn ihres geringeren Hirngewichts nicht richtig erkannt haben" und - Böhmaks Lieblingsthema - die Abtreibung "ausgeschabt und wegchemisiert" ... um dann in 2 Schluss-Sätzen endlich bei Gott Janus (2/3 Bildseite) und dem Forum Romanum (1/4 Bildseite) zu landen.

Unbegreiflich!


Meiner langjährigen Erfahrung und dem Gefühl nach wurden 3 der 4 Leserbriefe von der Redaktion verfasst.

Im DON Club informiert die "gay liberation front e.V. Köln" über Veranstaltungstermine. Ein 50jähriger sucht im Raum Herford/Bünde eine "unauffällige" Homo-Bar. Ein Astrologe sucht Geburtsdaten von Schwulen für eine "astrologische Statistik". Das schwule Reisebüro Swing Tours vermarktet Ägyptenflüge. Und Alexander Ziegler sucht Originalberichte homosexueller ehemaliger KZ-Insassen - "etwa eine Schreibmaschinenseite  ... die bei Verwendung selbstverständlich honoriert werden."


Die Reagan-Administration (am 20. Januar 1981 wurde Ex-Schauspieler Ronald Reagan als 40. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt) intensiviert ihre 'moralische Säuberungsmassnahmen': u.a Verschärfung der Einreisebestimmungen für Schwule und Entzug staatlicher Förderung für Bildungseinrichtungen, die sexuelle Handlungen zwischen Homosexuellen und unverheirateten Heteros befürworten ,,,

17jähriger Wiener Stricher, der unter polizeilichem Zwang Namen von Kunden preisgegeben hatte, erhängt sich in Gefängniszelle, wo er wg. 'gewerbsmässiger Unzucht' einsass.

Der ausführliche Nachruf für den Bildhauer und Grafiker Gerhard Marcks (1889-1981, 1914 Heirat, ein Sohn) in einem Schwulenmagazin ist (für mich) nicht nachvollziehbar.

"Das Hosenausziehen und Gesässzwicken" während des Fußballspiels wude ... schwer bestraft ... Inzwischen hat die FIFA ihren ... Beschluss, nach dem das Küssen und Befummeln der Spieler nach einem ... Tor verboten sei, wieder rückgängig gemacht ... "

"Die Mitgliederversammlung der Arbeitsgruppe 'Homosexuelle und Kirche' protestiert ... gegen die Resolution des Geschäftsführenden Vorstands der 'Deutschen Evangelischen Allianz' ** ... diese ... unterstelle der Bewegung zur Abschaffung des § 175 StGB grundsätzlich inhumane, kriminelle Motive und diffamiere durch ihren Wortlaut alle Homosexuellen ... "

** Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) ist ein evangelikales Netzwerk von evangelisch-reformatorisch gesinnten Christen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften.

Wolfgang Selitsch verlässt nach nur 2 Jahren die DU & ICH Redaktion. Nachfolger wird der bisherigerige Layouter Philipp Salomon. Die Spekulationen im Schlusssatz werden ohne jede Begründung einfach so angehängt: " ... Vom neuen, durch Philipp Salomon verantworteten Team erwarten Insider eine verstärkte Politisierung der Leserschaft, womit eine gefährliche Ideologisierung der homosexuellen Emanzipationsbewegung verbunden sein könnte."



Schwuler Ringen
"Ein Leserbrief zum Thema Ringkampf unter Homos ... erhielt viel Zustimmung ... Den interessanten Bericht eines Catchfreundes den wir nachfolgend bringen ... " ist eine historisierende Verherrlichung des exklusiven Männersports Ringkampf - Kräftemessen, sado-masochistische Neigungen, Killerinstinkt, der 'Unterlegene' - wobei es dem Autor im Kern um schwulen Sex geht: " ... Ich habe im Laufe der Jahre mehrmals Heteros auf die Matte gelockt, nur um mit ihnen einen engeren Körperkontakt zu bekommen ... Die Begegnung auf der Matte ist daher mehr als nur eine Spielart der Homoszene, mehr als der Wunsch auf einen knackigen Typ. Sie greift an die Wurzeln der menschlichen Instinkte und Triebe, zeigt Wege zu intensiven Freundschaften ... Allen Ringerfreunden wünsche ich sportliche und faire Begegnungen von Saft und Kraft!"

"Diese Erzählung von Erich Lifka (Link zu DON 5/1980) behandelt von der Geschichtsschreibung bisher wenig beachtete Ereignisse aus der Zeit um die Jahrhundertwende - Ereignisse um  Fürst Philipp zu Eulenburg, den Berater Kaiser Wilhelm II., Hauptfigur des damaligen unseligen 'Eulenburg-Skandals'. DON ist glücklich, diese Darstellung ** von Erich Lifka veröffentlichen zu können, weil der Autor eine Form gefunden hat, die jeden Leser fesseln dürfte. Der Umfang macht den Abdruck in zwei Teilen notwendig ... "

** Lifka beginnt diesen ersten Teil seiner Erzählung mit einer gnadenlosen Glorifizierung des Kaisertums Österreich (Österreichisch Ungarische Monarchie) und Eulenburgs, eines Kaiser-hörigen, prototypischen Repräsentanten der ostelbischen Junkerklasse.