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Dienstag, 1. Juli 2014

Johannes Werres, DON-Akteur


Johannes Werres, rechts, * 12.9.1923 (in Köln?) bis1990 (Positano/Italien? siehe folgenden Bio-Auszug)

... mit Lebenspartner Heinz Liehr, 1921-1990 (? siehe folgenden Bio-Auszug), links, ursprünglich "Intimfreund" von Dr. Willhart S. Schlegel (1912-2011).

Werres und Liehr haben sich 1958 kennengelernt. Die Aufnahme oben ist von 1989, aufgenommen in Positano, wohin die beiden 1984 übersiedelten. Foto im Archiv von Schwules Museum, Berlin


Ergänzung: Die in obiger Biographie erwähnte Frankfurter Neue Presse wurde 1946 als konservativer Gegenpart zur links-liberalen Frankfurter Rundschau gegründet.

Weder sein richtiger Name, noch eines seiner zahllosen Pseudonyme, standen jemals im Impressum des homosexuellen Magazins DON. Johannes Werres, Pseudonyme Hans Daniel, Jack, Jack Argo, Norbert Weissenhagen, Julius Wiesenbach, Hans Heinz Bär, Gay Guy, Hans Daniels, Bode Reinholt, das Kürzel JW ... und ... Urs Kent? Georg Gay? Klaus Ohnehage? Alexander? Jochen Freimuth? F. Isenberger? Richard Lang?

Und dennoch hat dieser radikal anti-linke Homosexuelle - der sich in DON-Vorworten als Meinungs- und Wortführer der Redaktion ausgab und u.a. als "wissenschaftlicher Mitarbeiter" von Dr. Willhart S. Schlegel sehr spezielle homo"wissenschaftliche" Erkenntnisse verbreitete - von den Herausgebern Günter Goebel und Henry Ferling total unbeeinflusst und ohne einen einzigen Widerpart im Blatt - über 3 Jahrgänge hinweg, dem Magazin DON mit konsequent einseitiger, konservativ-bourgeoiser, römisch-katholisch geprägter Meinungsmache seinenn Stempel aufgedrückt. Das dadurch entstandene stockkonservative Image klebte DON auch noch in vielen Nach-Werres-Jahren an.


Nach meinem ersten Abschied von DON, als ich (Jens M. A. Reimer) Anfang 1980 die Redaktion an Gerd Talis (= Gerhard Friede) (Heidelberg, siehe auch gay journal) übergab, liess dieser erneut Johannes Werres seine krankhaften Aversionen gegen alles 'Linke' in DON verbreiten. Das ging so bis 1983, als Talis die Redaktion entzogen wurde.

Beide Namen - Johannes Werres und Heinz S. F. Liehr - stehen allerdings ab 12/1977 als Autoren im Impressum von unter uns (kurz darauf unter uns ADAM

Meine Suche nach Johannes Werres führte zunächst zu den Artikeln von Ernst Ostertag auf der Webseite "Es geht um Liebe", Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte (siehe Verzeichnisse/Personenregister) - führte aber auch nicht weiter. Durch zufällige Eingabe des Namens Hans Heinz Bär stiess ich auf einer Google "Books-Ergebnisseite" auf die obige Kurzbiographie. Sie bestätigt meinen Verdacht, dass Johannes Werres seine schwulen und schwulenpolitischen Beiträge mit immer neuen Autoren-Namen garnierte, und seinem markanten Schreibstil zufolge - gepaart mit mehr oder minder heftigen Ausfällen gegen 'Linke' - nicht nur die hier oben aufgeführten.

Werres selbst bezeichnete sich als (homosexueller) 'Aktivist der ersten Stunde'. Er war Journalist und Übersetzer, gebildet, schreibbegabt und verbreitete in mehreren Schwulenpublikationen sein extrem einseitig wertkonservatives Weltbild und Gedankengut. In dem 'Redaktionsleiter', Günter Goebel, fand er einen politisch und schwulen-politisch total desinteressierten Textabnehmer, wie überhaupt Goebel textliche Inhalte der von ihm herausgegebenen Publikationen grundsätzlich nicht interessierten (Hauptsache war, dass die Seiten gefüllt wurden).

Werres schrieb u.a. für die Päderastenzeitschrift Pikbube des Helmut W. Bendt, die erstmals 1970 erschien und nach mehreren Indizierungsanträgen 1974 eingestellt wurde.

Warum auch (ab Heft 1/1973) der Darmstädter Druckereibesitzer und Verleger Henry Ferling, Familienvater und sehr engagiertes liberales FDP-Mitglied, Werres-Texte bis ins Jahr 1974 (meinem beginnenden DON-Engagement) unbesehen druckte, habe ich nie verstanden.


Ergänzend zu der obigen Biographie: Etwa ab 1958 lebte "das Kleeblatt" Werres, Schlegel und Liehr zusammen in Hamburg. Ab 1963 (?) in der grossen Villa mit Garten des Konstitutionsbiologen und Neurologen Dr. Willhart S. Schlegel im 'vornehmen' Kronberg, Luftkurort im Hochtaunus bei Ffm. (Abb.)

1984 - nach 26jährigem Gemeinschaftsleben - wurden Werres und sein Lebenspartner Heinz Liehr (Pseudonym Rico), der erotisch schwülstige Homogeschichten auch für DON schrieb, aus der Kronberger Villa herausgeworfen (Schlegel hatte sich einen jüngeren Liebhaber zugelegt). Beide siedelten nach Positano/Italien um.


Das 25-seitige Original seines selbst getippten Lebenslaufes kann man - in seinem Nachlass - in Schwules Museum Berlin lesen.

Der Leser wird sich fragen, warum ich Johannes Werres schwul-journalistisches Wirken in diesem Blog immer wieder despektierlich kommentiere. Nicht etwa weil er ein Meinungsmacher und -manipulator von einzigartig konservativer Einäugigkeit war, unfähig und unwillig sich mit anderen Meinungen und Weltanschauungen auch nur ansatzweise ernsthaft auseinanderzusetzen, sondern weil er - so wie er sich auch in zahllosen DON-Beiträgen artikulierte - alle seine vermeintlich "linken Gegner" diffamierte und zu Deppen stempelte. Beispiele dafür bietet dieses Blog in grosser Zahl.

Alle Blog-Einträge werden - soweit Neues entdeckt wird - ergänzt bzw. korrigiert.


Johannes Werres als Soldat, Foto: Schwules Museum Berlin.



Dieses Foto (Quelle: http://schwulengeschichte.ch/services/bildergalerie/teil-4/) mit der Bildunterschrift: "KREIS-Herbstfest vom 1.10.1955: "Die Entscheidung" (Game of Fools), Theaterstück von James Fugaté / James Barr, 1922-1995. Darsteller v.l.n.r: André Méan; Kari Schwytter; Karl Meier = Rolf, 1897-1974; Röbi Rapp; Richard Frick; "Wolf"; Eduard Meyer = André und sitzend Johannes Werres = Jack Argo, 1923-1990.
Fotograf: Edmund Mos"

In der Aufzählung der Darsteller steht "Wolf" (dritter von rechts) für Heinz Liehr.

Mehr über Der KREIS (Homosexuellenzeitschrift, Schweiz)

Donnerstag, 27. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 7). Talis tritt ab. Ein "Autorenteam" tritt an.


DON 7/1983 erscheint im Juli 1983.

Der Verlag Henry Ferling in Darmstadt ist wieder die für alles zuständige Anschrift. Den Inhalt gestaltet ein "Autorenteam" mit Robert Adler (= Roland Armin Adler), Michael Albert (= Jens M. A. Reimer), Andy Mueller und Gerd Talis (der nur noch aus formalen Gründen im Impressum steht).



Layout, Bildauswahl, Umbruch ... "darf" ich wieder machen.

Bei einschneidenden Veränderungen einer Zeitschrift ist es eigentlich üblich, dass der Verleger ein paar Worte dazu sagt. Umso vielsagender ist, dass Henry Ferling zur Trennung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) kein Wort in DON verliert. Warum sich Inhalt und Layout der Juli-Nummer entscheidend vom Juni-Heft unterscheiden, kann man (auch zwischen den Zeilen) obigem Vorwort entnehmen.

Nach dem desaströsen Einbruch der DON-Verkaufsauflage (44% Verlust in drei Jahren) hatte Henry Ferling mich (Jens M. A. Reimer) händeringend gebeten, wieder die Redaktion, eine Überarbeitung der Gestaltung, das Layout und die Bildbestückung zu übernehmen. Hilfe sagte ich ihm nur für eine kurze Übergangsperiode zu, da ich bereits mit der eigenen Firma und vielen anderen Objekten aus- und überlastet war. Da ich namentlich nicht mehr im Impressum erscheinen wollte, einigten wir uns auf den Ausdruck "Autorenteam" (anstelle Redaktion / Redaktionsteam).
 

Die Leserbrief-Seiten sind unter neuer Regie - jetzt wird zurückgeschossen (vgl. Leserbrief-Anmerkungen in der Mai-Ausgabe 1983). Nun attackieren ein paar "bestellte Leserbriefe" die letzten DON-Ausgaben unter dem Redaktionsleiter Talis.

"Auf das neue redaktionelle Konzept von DON kann man wohl zu recht gespannt sein. DON scheint interessanter zu werden. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg, obwohl es wahrscheinlich sehr schwierig sein wird, sowohl beim Verleger ein neues Konzept durchzusetzen und vor allem dem Leser das neue Image zu präsentieren. Bruno Gmünder, Verleger der Städteportrait-Reihe 'von hinten', Berlin."


"Eine Abrechnung mit Zarah Leander und ihren schwulen Verehrern anlässlich ihres 2. Todestages ... Ach Zarah! Hast Du das verdient? Und natürlich haben sich auch die Homo-Gazetten ihrer angenommen. Haben sich schier einen abgewichst. besonders hervorgetan hat sich DU & ICH. Mit 'Exklusiv-Interviews' und dem Abdruck ganzer Tourneepläne, mit Lobhudeleien über ihr Buch und grosser Ankündigung über ihr Comeback, als die alte Frau schon kaum mehr sehen konnte. Ein grosser Kübel Tränen floss durch schwule Blätter, als die Leander vor zwei Jahren in die ewigen Jagdgründe einging. In DU & ICH gleich seitenweis ... Wie soll man das eigentlich begreifen, wenn die Nachkriegs-Schwulen-Generation, also jene Homosexuellen, die das 'Tausendjährige Reich' überlebt hatten, ausgerechnet dieser Frau mit verzücktem Schleierblick zu Füssen fielen? ... Es will einem einfach nicht in den Kopf. Denn in einer Zeit, in der Homosexuelle als Volksschädlinge diffamiert und verfolgt wurden, in der sie zu Tausenden verurteilt, anschliessend in Konzentrationslager abtransportiert und dort zur Strecke gebracht wurden, in genau jenen Adolf-selig-Zeiten war die Leander ganz obenauf. Hat mitgemischt, im Sinne des Führers ... der Verklärung des 3. Reichs und dem Endsieg zuliebe ... "


Razzia bei Florenz: Von 49 festgenommenen Dirnen auf dem Strassenstrich entpuppten sich auf dem Revier 49 als Männer.

Schlüssellochperspektive: In seinem Buch >The Love You Make - an Insider's Story of the Beatles< berichtet Peter Brown, einst Assistent des Beatles-Managers Brian Epsein u.a. " ... von gleichgeschlechtlichen Aktivitäten John Lennons: Angeblich war er der Geliebte von Brian Epstein ... Lennon hätte nur zeitweilig ein Verhältnis mit Epstein gehabt, um - nach seiner Aussage - >zu sehen, wie das ist< ... Um so mehr verwundert es, wie der Gitarrist seine homosexuellen Erfahrungen selbst gewertet haben soll: >Ich habe das Experiment genossen.<"

Schwulenkartei: "Den Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus scheinen die Straftäter-Karteien keine Ruhe zu lassen. Immer wieder traktieren Sie den Innensenat mit Fragen über Speicherungsdauer, Löschungsbedingungen und Karteienverbund ... So wurde nun bekannt, dass Homosexuelle in der Sexualstraftäter-Kartei unter dem Kennzeichen >C< geführt werden ... "

Südafrika: "Die südafrikanische Eisenbahnpolizei soll 60 Männer und Frauen aus dem Dienst entlassen haben, weil sie gleichgeschlechtlich veranlagt sind ... "


< Der im Sinne der menschlichen Verfassung 'vollkommene' Johannes Gross (1932-1999), stockkonservativer Publizist und Journalist (u.a. STERN), im obigen Artikel "antischwuler Intoleranzbolzen" genannt, der als Herausgeber und Chefredakteur des STERN gerade noch verhindert wurde: "Homosexualität ist für mich etwas Minderes im Sinne des Unvollkommenen einer menschlichen Verfassung"

DON rechnet ab - mit den Illustrierten STERN, BUNTE, NEUE REVUE, QUICK, PRALINE, WOCHENEND, BRAVO ... - in Sachen schwuler Themen:
" ... Die Aufgeschlossenheit des STERN gegenüber der homosexuellen Minderheit und schwulen Themen kann gar nicht den Bach heruntergehen, denn sie hat nie existiert ... QUICK und NEUE REVUE ... greifen schwule Themen überhaupt nur auf, wenn sie einen publikumswirksamen Knüller daraus fabrizieren können. Zum Beispiel Tuntenbälle ... PRALINE ... WOCHENEND ... aber auch die Jugendzeitschrift BRAVO ... können, wenn's um Schwule geht, getrost mit dem journalistischen Niveau der BILD-Zeitung verglichen werden. Nur noch dämlicher. Die Familie Burda, ihre Mitarbeiter und Redakteure von die BUNTE ... wissen wahrscheinlich nicht einmal, wie man das Wörtchen 'schwul' buchstabiert ... In der Rückschau muss festgestellt werden: der STERN-Report >Wir sind schwul< [Oktober 1978] war nichts weiter, als ein publikumswirksamer Illu-Schocker, der den Verkauf ankurbeln sollte ... "


Am 6. März 1983 (vorgezogene Neuwahlen nach dem Seitenwechsel der FDP) wurde die Union (CDU und CSU) mit 48,8% der Stimmen stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag und Helmut Kohl Kanzler, der landauf, landab die "geistig-moralische Wende" predigte. Mit in der Regierung (wieder/natürlich/wie immer) die FDP.

" ... 'Der Spiegel' meinte, >seiner Regierungserklärung zufolge möchte Kohl so weitermachen ... mit Nichtstun und Zuwarten< ... Wir dürfen Vertrauen zu Kanzler Kohl haben, dass zumindest für uns [Schwule] auch in Zukunft nichts läuft ... Kohl würde sich wohl eher die Zunge abbeissen, als die Schwulen in den Mund zu nehmen ... Und dann wäre da auch noch die FDP. Ihre grossartigen Schwulen-Wahlparolen von 1980 hatte sie vor dem 6. März auf Sparflamme heruntergedreht. Wer da glaubt, dass die FDP in der neuen Koalition mit der Entdiskriminierung der Schwulen auch nur einen Zoll breit weiterkommt, der muss schon ein gerüttelt Mass an Gottvertrauen haben ... Wenn man die gegenwärtige politische Situation und das rechtsdriftende Klima der 'Koalition der Mitte' genau analysiert, dann muss man schon viel Naivität besitzen, um an eine Abschaffung des § 175 zu glauben ... "


Modell Laszlo, 27, Ungar, Tänzer, Go-Go-Boy, in meinem Münchner Fotostudio.


In bundesdeutschen Spitzenschwulenzirkeln sind sie bekannt, wie bunte Hunde: Der schwule Beckenskelettforscher Dr. Willhart Siegmar Schlegel und seine Werbeposaune Heinz F. S. Liehr (alias Rico de Positano, Lebensgefährte von Johannes Werres). In diesem nicht stattgefundenen DON-Gespräch [Satire!] werden die beiden einer schwulen Würdigung unterzogen.

Schlegel, Werres und Liehr wohnten ein Vierteljahrhundert lang gemeinsam unter einem Dach; in einer Villa im vornehmen Kronberg/Taunus, was mit obiger Abb. der Gartentürschilder nachgewiesen werden sollte.


Ein grossartiger Artikel von Rosa von Praunheim, entnommen dem neu erschienenen Szeneführer 'Berlin von hinten', mit freundlicher Genehmigung des Bruno Gmünder Verlag.

"Im Juli 1971 wurde Rosa von Praunheims Film >Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt< oder >Das Glück in der Toilette< beim 'Internationalen Forum des jungen Films' in Berlin uraufgeführt. Ausgehend von seinen Problemen mit sich und den Berliner Schwulen versuchte er die Verklemmungen, Ängste und Hilflosigkeit in der gesellschaft zu untersuchen. >Heute<, sagt er, >10 Jahre später, würde ich den Film viel bissiger und radikaler machen.< Desillusioniert, aber ohne Bitterkeit erzählt er von seinen Berliner Erfahrungen ... "


"Als Kind hat er Marionetten gebastelt. Er zeichnete Köpfe auf Karton, schnitt sie aus und formte sie in Ton. Als Regisseur machte er Köpfe zu den Stars seiner Filme. Groteske Gesichter, zahnlose und edle, dekadente und aufregende, unförmige und liebliche, schockierende und faszinierende Gesichter ... Aus dem Buch >Fellini's Faces< zeigen wir einige Knaben- und Männergesichter ... "

Diese Seiten habe ich zu Ehren meines Lieblings-Regisseurs, Federico Fellini, in DON hineingeschmuggelt.

Samstag, 4. August 2012

DON - The German Gay Magazine 1976 (Heft 1 bis 2)


DON 1/76 erscheint im Januar 1976.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Redaktion, Bildredaktion, Leserbetreuung siehe DON 12/1975.


"Lieber DON-Leser! Ich weiss nicht, wie alt Sie sind. Aber das spielt keine Rolle. Ob Sie nun 26 oder 62 Jahre auf dem Buckel haben: Das sogenannte Altersproblem geht uns alle an. Ich weiss, es ist ein >heisses Eisen<. Aber ich meine es ist an der Zeit, es anzupacken. Die ganz Jungen unter uns, die beschäftigen sich damit natürlich nicht. Bis man in die Zwanziger kommt, ist das kein Thema. Verständlich! Und die die Dreissig übersprungen haben? Unter ihnen kursiert einer der fatalsten Sprüche, die mir jemals zu Ohren gekommen sind: >Wenn's soweit ist, nehme ich sowieso Schlaftabletten. Lieber hänge ich mich auf, als alt zu werden.< ... Und die Älteren unter uns? Der Grossteil von ihnen resigniert ... Ihr Jens"

Aus unserem schwulen Bekanntenkreis, der eher zufällig, aber ganz regelmässig in ein, zwei Münchener Kneipen zusammentraf, hatten sich damals tatsächlich zwei - kurz über dreissig Jahre alt - mit dieser Argumentation das Leben genommen, was mir seinerzeit "schwer an die Nieren ging".


Details zu dem (regelmässigen) Autor Thomas Wagner, einem katholischen Theologen, stehen bei DON 5/1974

"Anlass zu meinen Überlegungen ist die in letzter Zeit entfachte Diskussion über verschiedene Formen der Gehirnchirurgie, der auch ein Teil des DON-Vowortes von Nr. 10/1975 und des Artikels >Schwule unterm Messer< in 11/1975 zuzzurechnen ist..."


Keine Ahnung, wer hinter dem Pseudonym Ole Jensen steckt.

"Und es begab sich ... da sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot (1. Buch Mose). Der erste Brudermord in der geschichte der Menschheit geschah aus purem Neid: Gott hatte das Opfer, das ihm Abel brachte angenommen. Kains Opfergabe verschmähte er ... "


Im Laufe des Jahres 1976 nehmen die schwulen Geschichten wieder deutlich mehr Seiten ein. Den Höhepunkt bildet die Mai-Ausgabe mit 6 Geschichten.


Autor Ansgar Stein? Flotte Schreibe:

"Die chirurgischen Hexenküchen Casablancas haben Hochkonjunktur. Es wird in drei Schichten gearbeitet. Denn wer auf sich hält, lässt sich, so er als bedauernswerter Mann das Licht der Welt erblickte, nun flugs zur Frau machen. Mein Freund und Gönner Charlie, ehedem noch gewöhnlicher Prinzipal in einer Damenmiederfabrikation, ist heute Millionär. Immerhin kam Charlie als erster auf den glorreichen gedanken, Charterflüge für Weiblichkeitsfanatiker zu arrangieren. Wer ein paar blaue Riesen locker macht, liegt schon wenige Stunden später im reinweissen Flügelhemdchen auf dem Operationstisch. Und noch ein kleines Weilchen später ist aus Alfred Frieda, aus Hubert Berta und aus Wilhelm Wilhelmine geworden. Hoffentlich baut sich das weltweite mannbarkeitspotential auf diese Weise nicht bis zum flauen Nullpunkt ab. Schrecklicher Gedanke... Wie dem auch sei: Die spalten unserer Zeitungen und Klatschgazetten sind voll der Kunde, wie sich aus munteren Knäblein muntere Mägdlein machen lassen ..."


DON 2/76 erscheint im Februar 1976.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Redaktion, Bildredaktion, Leserbetreuung siehe DON 12/1975.

Ab dieser Ausgabe, immerhin 2 Jahre lang, bis einschliesslich der Nummer 12/1977, erscheint im Impressum auch eine "Redaktionsvertretung": JOWI, 1 Berlin 33, Sassnitzer Strasse 9. Was JOWI zum DON-Inhalt beigetragen hat? Immerhin kommt mir das Namenskürzel bekannt vor, und ich hoffe später eine Ergänzung anzufügen.



Dr. Willhart Siegmar Schlegel-Freund Johannes Werres nimmt den "Konstitutionsbiologen" Schlegel in Schutz, der da behauptete, "eine homosexuelle Verhaltensbereitschaft komme überwiegend bei einem ganz bestimmten Konstitutionstyp vor, und dieser sei angeboren ... ein verhältnismässig grosser Beckenausgang ist dem Zwischenstufenangehörigen eigen, jenem Typ, mit dem die genannten homosexuelle Verhaltensbereitschaft einhergeht ... Die menschliche Gesellschaft ruht, nach Schlegel, u.a. auf zwei Säulen: auf der Familie und auf dem bisexuellen Männerbund ..."

Mehr über Johannes Werres

"Seltsame Angriffe" dürfte der letzte Werres-Beitrag in DON gewesen sein.


Seinerzeit typischer DON-Beitrag: mehr (oder weniger) abgeschrieben aus dem Boulevardblatt "Wiener Wochenblatt"


Aufruf: "Manchen beflügelt es - das Dichterroß Pegasus. Und er schickt uns seine Manuskripte. Die Skala reicht von kämpferisch bis banal, von Schulaufsatz bis Pornographie, von Geist bis Rechtsschreibsalat, von politischem Engagement bis zu schwulem Slang. Aus diesem Papierberg filtern wir manch neuen Mitarbeiter heraus, der dazu beiträgt, dass unser Textteil lesenswert ist. Aber nichts ist so gut, dass es nicht auch noch besser gemacht werden könnte. Und deshalb suchen wir weiter Autoren. Keine 'Kapazitäten', denn die können wir mit Sicherheit nicht bezahlen. Keine 'Künstler', denn wir wollen, dass uns alle DON-Leser klar verstehen, keine Sonntagsdichter ..."

Händeringend suche ich nach schreibfähigen schwulen Autoren, gleich welcher Ausrichtung, um DON weiter von Banalitäten, Abschreiberei, Herz-Schmerz-Homogeschichten und politischer Einäugigkeit zu entlasten.


Erstes Interview mit einem DON-Leser, der im Heim aufgewachsen, auch auf den Strich gegangen ist und sich hier als Bisexueller outet, der eine feste Freundin hat, aber auch gerne mit südländischen Typen Sex hat.

Mittwoch, 9. Mai 2012

DON - The German Gay Magazine 1974 (Heft 1 bis 4)


DON 1/74 erscheint im Januar 1974.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Herausgeber unverändert HF-Druck, wie DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972


In DON 4/1972 - nur 3 Ausgaben nachdem Guy Gilbert = Günter Goebel die Redaktionsleitung übernommen hat - taucht erstmals ein Beitrag von Johannes Werres auf. Seither wird in dem Magazin ganz regelmässig für den nicht nur in Schwulenkreisen umstrittenen Arztes und "Wissenschaftlers" Dr. Willhart Siegmar Schlegel (Werres Freund und Arbeitgeber) und seine Thesen - Reklame gemacht, wenn Schlegel nicht (siehe "Die Bisexualität des Mannes") sogar selber zu Wort kommt.

Nach intensiver Durcharbeit  der letzten 21 Ausgaben stelle ich erstaunt fest: Bei den von Werres und Schlegel behandelten Sachthemen dominiert - in dem Schwulenmagazin (!) DON - das Thema Bisexualität.



Hat DON ein Alibi nötig?

"Einige freundschaftliche Bemerkungen an unsere geschätzten Kollegen von >him< zum Beitrag in ihrer Ausgabe vom Dezember 1973, Seite 30 uf.: >Homosexuelle Publizistik in Deutschland<.

Bei einer sich kritisch gebenden Würdigung deutscher homophiler Zeitschriften aus der Feder eines amerikanischen Journalisten namens Kent A. Zneider (Pseudonym?), aus Los Angeles - angeblich mit dem Chefredakteur einer deutschen Homo-Zeitschrift befreundet - kommt unser DON garnicht besonders gut weg. Dies ganz offenbar, weil wir dem geschätzten Kritiker nicht intellektuell genug erscheinen.

Ganz bescheiden möchten wir unsere Meinung dahingehend Ausdruck geben, dass wir es nun einmal für richtig halten, uns von den anderen beiden Zeitschriften für Homosexuelle zu unterscheiden. Weder wollen wir den sterilen, hoch in den Wolken schwebenden Intellektualismus, der nur von wenigen Philologiestudenten verstanden und goutiert wird, noch liegt uns daran, mit effektvollen, der Sensationspresse abgeschauten journalistischen Stilmitteln nur einen ganz bestimmten Prozentsatz homosexueller Leser für uns zu gewinnen. ....

.... Es ist bekannt, dass sich die >Intellektuellen< immer als etwas Besseres vorkommen. Mögen sie! Das homosexuelle >Fussvolk< lässt sie gewähren. Sie und die zahllosen, meist aus Studenten gebildeten homosexuellen Emanzipationsgruppen und Initiativzellen, Aktionen usw., sie sollen ruhig in Ideologie machen und sich abstrakter Ideen wegen in die Haare geraten... "

Dieser Artikel ist - ausnahmsweise - einmal nicht von Johannes Werres. Der mir wohl vertrauten Diktion und Verbindlichkeit nach hat ihn der Druckereibesitzer und DON-Verleger Henry Ferling [ab der nächsten Ausgabe erscheint er erstmals mit vollem Namen im Impressum!] verfasst. Das FDP-Mitglied Ferling betrachtete das Magazin auch als ernsthaftes Engagement und war auf sein Produkt ziemlich stolz.

In diesen Zeilen erklärt sich auch, warum Johannes Werres in diesen Jahren sein konservatives Gedankengut - inkl. wütender Aversionen gegen alles Linke und die schwulen Emanzipationsgruppen - ungefiltert und uneingeschränkt in DON-Beiträgen abladen durfte (siehe hierzu Werres Beitrag "Utopien, Theorien, Notwendigkeiten" in der folgenden Februar-Ausgabe). 1974 noch teilte Ferling diese Ansichten weitgehend. Allerdings hat er, ganz im Gegensatz zu Werres, in den folgenden Herausgeberjahren seine Einstellung differenziert und den Realitäten angepasst, denn tatsächlich waren es ja die "in Ideologie machenden Emanzipationsgruppen mit ihren abstrakten Ideen", die das Coming Out der Schwulen aus ihrer gesellschaftlichen und politischen Isolation in Deutschland eingeleitet haben.



DON 2/74 erscheint im Februar 1974.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Herausgeber ist jetzt offiziell der Druckereibesitzer Henry Ferling, Darmstadt. Vorher HF-Druck, siehe DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972


Siehe hierzu den Beitrag "Hat DON ein Alibi nötig?" in der vorangehenden Januar-Ausgabe.

"Utopien, Theorien, Notwendigkeiten" ist - erstmals in DON - in einem verbindlichen, die Diskussion suchenden Werres-Ton gehalten. Ich vermute, der Herausgeber Ferling hat ihn dazu angeregt. Was Werres nicht hindert - kurz vor Artikelschluss - doch noch etwas auszuteilen:

"Damit bin ich bei einem weiteren Punkt: der homophilen Buchproduktion ... Was wir brauchen, sind Sachbücher mit deutlich aktueller Alltagsbezogenheit, Bücher die sich mit Fragen beschäftigen, die den Homosexuellen auf den Nägeln brennen. Bedauerlicherweise kann ein Fassbinder ja keine entsprechenden Filme drehen, die wir dringender brauchen als Filme über Knabenmörder ... Auf Streifen wie den von Praunheim können wir weitgehend verzichten ..."


Es gibt keine Verführung zur Homosexualität!
"Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, § 175 Absatz 1, 1 des StGB sei verfassungskonform, wird aus Kreisen von Betroffenen heftig attackiert. Vor allem wenden sich diese Homosexuellen ... gegen die wissenschaftlich veraltete Thse von der Möglichkeit, einen Jugendlichen während der Pubertät durch sogenannte homosexuelle Verführung lebenslang fixieren zu können. Diese pseudowissenschaftliche These, so der Publizist Johannes Werres, werde nur bei uns in Deutschland verfolgt ..." schreibt der Autor des Beitrags, Johannes Werres, mit Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse und die Einstellung dazu in den USA und den Niederlanden.

Kehrtwende durch junge Jesuiten?
Tatsächlich hat sich diese Frage - hier aufgehängt an einer nachdenklichen Publikation "Sexualmoral ohne Normen", herausgegeben von jungen katholischen Theologen, Jesuiten der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt/Main - nie und nimmer gestellt, denn es waren immer nur Einzelne, die sich - zumeist sehr dezent - ein Nachdenken über die strikte katholische Sexualdoktrin erlaubten. Schon 4 Jahre später - im Jahre 1978 - übernimmt der homophobe Pole, Johannes Paul II., den Vorsitz der Jahrhunderte alten, grössten Schwulen-Diskriminierungs-Organisation. Und sein bayerischer Nachfolger - Papst Benedikt XVI. - hat u.a. die Anti-Schwulen-Agitation auf die Spitze getrieben.


Edwin Hardy Amies (1909 - 2003) war ein britischer Mode-Designer, der Anfang 1946 sein 'couture fashion house business Hary Amies Ltd.' für luxuriöse, hervorragend geschneiderte Damen- und Herrenmode in London eröffnete. Den Ursprungsladen in der Savile Row gibt es heute noch, spezialisiert auf klassische Herrenmode. Seine Homosexualität behandelt er bis in die letzten Jahre seines Lebens sehr diskret.

Die Vorstellung der "Modesilhouette ... von unserem Auslandskorrespondenten Jean-Poule Theodorius aus London" würde ich als ziemlich exotisch bezeichnen: "Das Frühjahr steht vor der Tür ... Die Linie des neuen Anzugtyps ist natürlich. Stoffmaterial und Farben sind vielversprechend ... bestechende Eleganz, egal ob Sie sich für grün, braun oder grau entscheiden ... Achten Sie bei Ihrem nächsten Anzug- oder Hosenkauf auf diese Kriterien ..."


" ... Vier Monate sahen sich Singapurs Journalisten [Zeitung "New Nations"] in der Subkultur der dortigen Homosexuellen um ..." Die Beiträge in "New Nations" wurden übersetzt und bearbeitet von Johannes Werres.

"Ohje Freunde, ihr schlaucht mich ganz schön. Eure Fragen werden von Mal zu Mal komplizierter ... " Das war geflunkert. Solche 'schönen' Leserfragen hat es kaum gegeben, ich habe sie zumeist frei erfunden - wie ich hier schon einmal schrieb.


DON 3/74 erscheint im März 1974.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972


Hier gleich noch ein Text des Druckereibesitzers und DON-Herausgebers Henry Ferling (siehe obiges DON 1/74, Hat DON ein Alibi nötig?)

Dieser Beitrag hat zu Reaktionen geführt, die Ferling veranlassen, den Lesern (wieder einmal) die erheblichen Probleme darzustellen, die Publikationen mit einem kleinen Leserkreis auf dem Zeitschriftenmarkt haben: Von der Muss-Bestückung quasi jeden Kiosks von Flensburg bis Garmisch, von Aachen bis Zwiesel (BRD vor der Wiedervereinigung) mit DON-Exemplaren ... warum 50% mehr gedruckt und verteilt werden, als tatsächlich verkauft werden (Remittenden) ... die Abrechnung durch die Grossisten erst 2-3 Monate nach Auslieferung ... der Mangel an kommerziellen Anzeigen (wichtigste Einnahmequelle aller gösserer und grosser Zeitungen und Zeitschriften, wie Stern und Spiegel) ... bis zu den vielfältigen Herstellungskosten für Papier, Satz, Lithographie, Druck, Redaktion, Bebilderung ...


Suche Freund...
ein Report über Partnersuche von GAY NEWS (= Johannes Werres)

"Was DON hiermit unternimmt, hat bisher noch keine deutsche Homosexuellen-Zeitschrift versucht: alle Möglichkeiten einer kritischen Prüfung zu unterziehen, durch die man heute zu einem Sexualpartner gelangen kann.

Das ist ein ziemliches Stück Arbeit und gar nicht ungefährlich, teilweise zumindest heikel. Nach vier Monaten Vorbereitungszeit sind wir noch nicht sehr viel weiter gekommen ... Einige Unternehmen passen; wir müssen sie erneut anschreiben oder sogar besuchen ..."

Weder gibt der Artikel auf die Frage in der Überschrift irgendeine Antwort, geschweige denn Anhaltspunkte auf "kritische Prüfung". Anstelledessen zählt er Orte auf, wo Schwule sich treffen ("in Parks gehen, bestimmte Bedürfnisanstalten aufsuchen..."), bejammert dass die Leser nicht mitmachen / nichts berichten, Firmen keine Antworten geben, erzählt über einen noch nicht erschienenen German Gay Guide und druckt den Werbebrief eines Euro-Kontaktservice (Büro Fehrle) und weitere 2 Adressen von [fragwürdigen?] Vermittlern ab.


"Die Kirche sollte in Zukunft verantwortungsbewusste und dauerhafte Partnerbindungen akzeptieren und die homosexuellen Christen zu allen Sakramenten zulassen..." wird aus einem Leserbrief an >Publik-Forum<, einer "Zeitschrift füt linksliberale, fortschrittliche deutsche Katholiken" zitiert.

Ein verheirateter Verwaltungsamtsrat (56), gegen den wegen dringenden Tatverdachts, einen 22jährigen Metzger, zu dem er gleichgeschlechtliche Beziehungen unterhielt, niedergestochen zu haben, Haftbefehl erlassen worden war, hat sich mit einem Pflanzenschutzmittel vergiftet.

An Händen und Füssen gefesselt, in zwei Schlafsäcke verpackt, einen Plastikbeutel über dem Kopf, wollte sich ein 29 Jahre alter masochistisch veranlagter Automatenaufsteller auspeitschen lassen, aber nach dem dritten Schlag war er schon erstickt..

Vier Morde an jungen Männern, die "an Orten, wo sich Homosexuelle treffen" stattfanden. "...auch steht bei den Opfern fest, dass sie homosexuell veranlagt waren, bzw. in einschlägigen Kreisen verkehrten".



DON 4/74 erscheint im April 1974.
Untertitel "Das grosse deutsche Magazin für Männer und ihre Freunde"
Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt. Entspricht HF-Druck, siehe DON 1/1973
Redaktionsleitung und Redaktionsanschrift wie DON 10/1972


Die DON-Ausgabe enthält alleine 7 Homo-Geschichten.


Klaus Ohnehage (Pseudonym von Johannes Werres?), denn am Schluss werden das Lexikon der Sexualität und andere Werke von Dr. Willhart Siegmar Schlegel empfohlen) thematisiert werden Sex im Park, im Dunkeln, in Bedürfnisanstalten ("Ohne einen gewissen Sexstau ist das nicht zu schaffen"), Onanie ("Zur Onanie treibtes viele nur dann, wenn die Drüsen überlaufen wollen..."), Pornographie und Onanie, Oananie-Apparaturen ("ein Apparat kennt die eigenen Sexzonen nicht"), Gruppensex, Promiskuität... "An all den erwähnten sexuellen Verkehrsarten fehlen wesentliche Elemente des Vorspiels, des sexuellen Vollzuges und der instinktiven Endhandlung."

Der eher an moralische Belehrung erinnernde Text liest sich wie von einem, der "studierte Theologie in Bonn, nach der Teilnahme am 2. Weltkrieg Eintritt ins Priesterseminar, wurde 1947 wegen Homosexualität noch vor der Priesterweihe ausgeschlossen". Vgl. Biographie in meinem Blog-Eintrag Johannes Werres

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Loriot hätte zu dieser Überschrift sein berühmtes "Ach was!" gesagt.

Gemäss dem Thema, seiner Ausführung und der Diktion (und der Plattitüden) tippe ich auf Johannes Werres als Autor:

"Auch von jungen Leuten kann das Altwerden nicht geleugnet werden ... Die Aussicht, noch fünfzig oder sechzig Jahre Jahre vor sich zu haben, ist verführerisch ... Männerfreundschaften sind leichter geschlossen, als Ehen und noch viel leichter gelöst ... Dem instinkgetrübten Zivilisationsmenschen bleibt es vorbehalten, alleine nach der Lust des befriedigenden Triebes zu streben und sein Leben zu verlüsteln ... Da ist das alte Mütterchen, abgerackert und einsam in seinem möblierten Zimmer: noch stolz darauf, dass es ein leben lang nichts weiter kannte als Sorge für Mann und Kinder. Es lebte nur seinen Bemutterungstrieben und versündigte sich an seine Menschtum ... Man sagt, dass das Alter für den Homophilen penibler sei als für den Heterosexuellen ..."

Wie schon früher einmal gesagt, hielt ich den Verleger und Druckereibesitzer Henry Ferling für einen klugen, intelligenten Mann. Dass er Werres Texte - am laufenden Band - unbesehen druckte, ist mir im Nachhinein ein Rätsel.