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Donnerstag, 6. Februar 2014

DON - The German Gay Magazine 1983 (Heft 3)


DON 3/1983 erscheint im März 1983. Die Redaktionsleitung hat noch Gerd Talis (Heidelberg).

Teile des Inhalts werden jedoch bereits von jenem "Autorenteam" gestaltet, das offiziell erst im Impressum des Juli-Heftes erscheint. Die Bebilderung ist Gerd Talis bereits entzogen worden.

Siehe auch vorhergehenden Blog-Eintrag vom 3.2.2014: In 3 Jahren Talis-Redaktion verlor DON 40% seiner Verkaufsauflage. Henry Ferling zieht Konsequenzen.



Die Fotos der Titelseite (Modell in Top-Man-Klamotten), der Mittelseiten (Modell Werner, München) und linke Farbseite (Modell Karlheinz, Köln) wurden von Jens M. A. Reimer gemacht.

Rechte Seite: "Marcel Fugère wurde 1938 in Quebec (Canada) geboren, studierte Tanz und war bis 1970 damit in London, Montreal, Dortmund und Wuppertal erfolgreich.. Nach einer einjährigen Indien-Reise beschloss er Fotograf zu werden ... Bei uns veröffentlichte er u.a. Reportagen und Fotoserien im 'Stern', im 'Spiegel' und im 'Zeit-Magazin' ... Erstmals ist eine gute Auswahl von ...Portrait- und Aktaufnahjmen in der Galerie Janssen, Pariser Str. 45, Berlin 15, zu sehen."


AHA, Berlin: "... Seit Jahren bemühe sich Berlins grösster Schwulenverein um die Anerkennung von Gemeinnützigkeit ... Ende 1982 erber erhielt die Gruppe einen ablehnenden Bescheid ... In der Begründung ... wird der AHA vorgeworfen, die von ihr geforderte Entkriminalisierung menschlicher Sexualität bedeute eine >Preisgabe schutzwürdiger Rechtsgüter< ... "

Schwule Ritter: " ... das burgen- und sagenreiche mittlere Ruhrtal ... Ruine Hardenstein ... eine >erschröckliche< Sage von einer >sündigen Liebe zweier Ritterburschen< ... Wenemar, der älteste Sohn des Burgherrn auf Hardenstein, sei der warmherzige Busenfreund des jungen, bildschönen Knappen Diethart ... gewesen ... "

Gai Pied"... ist Frankreis Homo-Zeitung 'Gai Pied' zu Europas grösstem und häufigst erscheinenden Homosexuellenblatt geworden. Mit einer Auflage von 70.000 Exemplaren hat es die bisher in Europa führenden 'Gay News' (London) weit überrundet ... "

Herpes: "Ein Impfstoff gegen die 'Bläschenkrankheit', die von Viren verursachte und sexuell übertragbare Herpes, soll jetzt ... erprobt werden ... "

Junge Union: "Auch Teile der 'Jungen Union' verlangen [Zusatzbemerkung: nun endlich!] die Streichung des § 175 StGB im Rahmen einer Neuordnung des Sexualstrafrechts ... "

Rosa Listen: "Der innenpolitische Sprecher der Freien Demokraten, Burkhard Hirsch, hat sich ... beschwert, dass die Polizei des CDU-geführten Bundeslandes Niedersachsen eine 'Punkerkartei' angelegt habe ... In fataler Weise wird mit der 'Punkerkartei' eine von Vorurteilen bestimmte Richtung fortgesetzt, die sich auch in Baden-Württemberg bei der Erstellung von 'rosa Listen' wiederfindet ... " 

Indonesien: "Sprechen Sie Indonesisch? Dann können Sie die 'Gaya Hidup Ceria' lesen, das neue Nachrichtenblatt der Homogruppe 'Lamda Indonesia'. Dete Oetomo (Foto) ist dort Redakteur ... "



Gay Man / MANN: "Ein erster Schock auf dem Homo-Porno-Markt in Deutschland: Die Zeitschrift 'Gay Man' aus Schweden (Revolt-Verlag) hat mit ihrer 90. Nummer im November 1982 das Erscheinen eingestellt. Übrig bleiben auf diesem Sektor 'Cock' (COQ), 'Hom oh!' und 'Boy-oh-Boy!'. ... 'Gay Man' hiess ursprünglich 'Mann', und als eine deutsche, gleichnamige Modezeitschrift protestierte, 'Man International' ... 'Gay Man' war keineswegs von vornherein als reine Porno-Postille angelegt ... "

Anmerkung: Über den schwedischen Revolt-Verlag (Revolt Press) und seine schon frühzeitig herausgegebenen Schwulen-Publikationen - auch in Deutsch, unter Mitarbeit schwuler Autoren aus Deutschland - findet sich leider nichts im Internet. Gay Man / Mann / Man International bot neben umfangreichen seriösen Informationen und Berichten sowie guter Schwulenliteratur immer auch explizit rattengeiles Bildmaterial, denn neben Dänemark (Freigabe 1966 bzw. 1968) war Schweden das zweite europäische Land, in dem Pornographie freigegeben wurde.



Die Märchenklappe, Felix Rexhausen (1932 - 1992): "Endlich hat Felix Rexhausen (51), der Hamburger Autor, seine vielen hintergründigen Homo-Storys zu einem Buch zusammengestellt und als 'Gesammelte Werke Band I' unter dem Titel 'Märchenklappe' im Verlag rosa Winkel, Berlin, herausgebracht ... "

Bibliographie zur Homosexualität, Verzeichnis des deutschsprachigen nichtbelletristischen Schrifttums zur weiblichen und männlichen Homosexualität aus den Jahren 1466 bis 1975, Manfred Herzer: "... zum Thema Homosexualität sind Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Sachbüchern geschrieben worden; ihr Inhalt ist stets zugleich ein Spiegel, in dem das Thema die 'Problematik', jeweils zur Entstehungszeit des Buches gesehen wurde. Manfred Herzer hat sich der ... Mühe unterzogen, Autoren und Titel dieser Riesenmenge an Sachbüchern zu orten ... beim Verlag rosa Winkel, Berlin, erschienen ... "

Rosa Winkel / Rosa Listen. Homosexuelle und 'gesundes Volksempfinden' von Auschwitz bis heute, Hans-Georg Stümke und Rudi Finkler "... sind die Autoren dieses sage und schreibe 512 Seiten starken Werkes, und man muss dem Rowohlt-Verlag ... ein grosses Verdienst zumessen ... Es beginnt mit der Geschichte des Aufbruchs eines 'Dritten Geschlechts' in der zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik ...[bis zur] ... gegenwärtigen Situation in der Bundesrepublik ... mit zahlreichen Beispielen, Zitaten, Belegen, Gerichtsurteilen bis in die jüngste Zeit ... "

Italia Gay 1983 " ... dem unterhaltsamen Reiseführer durch den 'warmen Stiefel'. Die 250 Seiten ... erinnern ... stark den den deutschsprachigen 'Gay Model Guide': Geschichten, Informationen, Daten, Adressen ... Anzeigen, Fotos ... Grafica Nouva, Torino ... "


Der Autorenname, Dr. Gerhard Wildfang, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Pseudonym. Der Beitrag beschäftigt sich mit "der Aufrichtung des männlichsten aller Glieder". Er beginnt bei den alten Ägyptern und endet bei den "heutzutage feilgebotenen, frei-verkäuflichen Fleischeslustpillen und Scharfmachertropfen ... das ganze hirnlose Brimborium ... "

Mittwoch, 18. September 2013

DON - The German Gay Magazine 1980 (Hefte 11 und 12)


DON 11/1980 erscheint im November 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.


Jeans-Allergie: "Hautärzte raten allen Jeans-Freunden dringend, nicht 'unten ohne' unter den Jeans zu gehen ... "

Persönliche Animositäten gegenüber tuntigen Kollegen und Regisseuren: "Albert Mol, bekannter niederländischer Schauspieler, Kabarettist und Damenimitator möchte nicht >unter denen und mit denen spielen< ... "

Müdmänner: "Hetero-Männer schlafen abends, nach einer WamS-Meldung, neuerdings lieber ein, als mit ihrer Angetrauten Sex zu machen ... "

Rosa Listen und Stuttgarter Zeitung vom 16.8.1980: In >Zwei Seiten eines widerlichen Geschäfts< heisst es 'Einige Bedürfnisanstalten sind inzwischen die reinsten Männerbordelle geworden. Wir haben hier internationales Publikum' ... [deshalb] "beobachten städtische Behörden und Sittenpolizei ständig insgesamt 60 Bedürfnisanstalten ... "

Der polnische Johannes Paul II., 1978 zum Papst gewählt, will Deutschland vom 15. bis 18. November besuchen. " ... Sollten Homos etwa in den Kirchenzeitungen Leserbriefe veröffentlichen? Sollten sie Transparente zeigen? ... Die HuK-Gruppen (Homosexuelle und Kirche) sind angesprochen."

 Rosa Listen II : "Innerhalb der Hamburger Schwulen- und Lesben-Gruppe 'Unabhängige Homosexuelle Alternative (UHA)' wurde eine feste Arbeitsgruppe 'Rosa Listen' gegründet ... "


Cruising ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 1980. Regie führte William Friedkin, der auch das Drehbuch schrieb. Erzählt wird die Geschichte eines Serienmörders, der in den 1970er Jahren in New York homosexuelle Männer tötete. Den Polizisten, der die in der schwulen Lederszene spielende brutale Mordserie aufklären soll, spielt Al Pacino.

Auch K.R. Adam, der Autor dieses Beitrags, war und ist mir bis heute ein Unbekannter.


">Mit dem Tuntenexpress nach Schwesterland<, so hiess es unlängst im Artikel einer deutschen Schwulenzeitschrift. Gemeint war ein Sonderzug mit Tanzwagen, der während der Sommermonate regelmässig sonntagmorgens von Hamburg nach Westerland auf Sylt fährt ... "


DON 12/1980 erscheint im Dezmber 1980. Die Redaktion unter der Leitung von Gerd Talis (= Gerhard Friede) (siehe auch gay journal) befindet sich in Heidelberg.

In der 12. Ausgabe unter der Regie von Gerd Talis (= Gerhard Friede) , erscheint erstmals ein korrigiertes Impressum.: "Ständige Redaktionsmitarbeiter" R. K. Adam, Wenzel Böhmak [= Pseudonym], Walter Hilbrecht [Homo-Geschichten], Urs Kent, Andy Müller.


Berichtet wird über einen Homo-Puff im niederländischen Den Haag, in dem schwuler Sex verkauft wird. Der geile Bericht und die bebilderten schnuckligen Prostituierten lassen eher den Eindruck einer Bordell-Reklame bzw. einer Besuchs-Empfehlung entstehen. Jedenfalls findet sich in all den Zeilen kein einziges hinterfragendes, geschweige denn kritisches Wort.


Autor K. R. Adam


Hier gelangen wir zu einer DON-Spezialität, die sich während der 4 Jahre währenden DON-Talis-Redaktion peu à peu ausweitete: Der (manchmal seitenweise) Abdruck/Nachdruck von Pressemitteilungen, Papieren, Briefen und Äusserungen von Parteien/Politikern u.ä.

Rechte Seite unten: Erstmals erscheint in DON eine Anzeige für das gay journal, eine Schwulen-Zeitung, erschienen zwischen 1972 und 19**, herausgegeben und weitgehend alleine geschrieben von Gerd Talis (= Gerhard Friede). Im Web findet sich - ausser in DONs gay-history.blogspot.com - kein einziger Hinweis auf das gay journal, noch auf Gerd Talis (= Gerhard Friede).




" ... wird noch immer heiss debattiert, ob man sich nun als schwul oder als homosexuell (homophil, homotrop usw) bezeichnen soll. Regt 'schwul' die Leute auf? Ist 'homosexuell' gar 'seriöser'? Geht es bei dieser Debatte wirklich um die Sache? Sind es Wortklaubereien? Schreiben Sie uns Ihre Meinung! ... " Es folgen ein die Begriffe erläuternder Beitrag und ein (erster) Leserbrief.

Donnerstag, 11. Juli 2013

DON - The German Gay Magazine 1979 (Heft 9)


"Ich trinke Jägermeister, weil 175 warme Brüder menschlich normaler sind als ein kalter Krieger": Der Rücktitel von DON 8/1979 zeigt die erste von zahlreichen Nachahmungen (obige Aufnahme m.E. Manfred Rudat ?) der seinerzeit viel beachteten Jägermeister-Kampagne "Ich trinke Jägermeister weil ... Jägermeister. Einer für alle".

Hier findet sich die schwule ADAM-Persiflage auf jene Kultkampagne: "Meiner für alle" - "Ich trinke Tommy's, weil..."

Da DON immer mehr aktuelle Sachthemen bringt, lasse ich Nackedeibildseiten jetzt weitgehend weg. 

DON 9/1979 erscheint im September 1979.


34 Jahre nach Kriegsende machen sie wieder von sich reden: In dem ZDF-Beitrag 'Schwarze Kluft und Knobelbecher' vom 3. Juli  erklärte ein Vertreter rechtsradikaler Gruppen "Asoziale und Homosexuelle kämen in ein Arbeitslager bzw. in ein Umerziehungslager".

" ... Solchen Leuten räumen die Medien wieder Platz ein. Das wird mit der notwendigen Aufklärung gerechtfertigt ... Aber komisch: Wieviel Platz haben die Medien, seit Bestehen dieser Republik, der Aufklärung über Homosexualität oder gar der damaligen Vernichtung von Homosexuellen eingeräumt? ..."

" ... jeder Homosexuelle müsste bei solcher Äusserung zusammenzucken. Aber allem Anschein nach reagiert unsereins nur mit einem Achselzucken. Vieles spricht dafür, dass auch wir das grösste Homosexuellen-Pogrom der Neuzeit total verdrängt haben. Einen Hinweis darauf gibt die Reaktion auf unsere Juni-Umfrage ... Nicht einmal 30 Zuschriften auf die DON-Umfrage über Schwulenlisten stehen ... im Monatsdurchschnitt 30 Meinungsbriefe über DONs Nacktmodelle gegenüber ... "


1979 setzte sich der homohetzende Franz-Josef Strauß in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit 135:102 Stimmen als Kanzlerkandidat der CDU/CSU gegen den von Helmut Kohl favorisierten niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht durch und trat damit bei der Bundestagswahl 1980 als Herausforderer von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) an.

" ... Und nun stellen Sie sich einmal .... vor: Irgendwann, sagen wir einmal morgen Abend, so gegen halbsechs, da klingelt es an Ihrer Türe ... Umringt von grimmigen, schwerbewaffneten Spezialisten der GSG9 tritt DER KANDIDAT auf Ihrem Abtreter auf der Stelle, einen Strauss Wicken in der Hand, einfach nett und sympathisch ... 'Ja, Grüss Gott, Herr Wonnemann ... Mei, kannt'i a bisserl nei'komma zu Eahna? ... Wissen S', mi daad halt interessieren, was jetzt nacha Sie von der Homosexuellen-Emanzipation halt'n daad'n ...' Sie werden gleich merken, dass es dem Kandidaten sichtlich schwerfällt, Ihren Freund nicht einen warmen Bruder ... zu titulieren ... "


"Mit den Schwulen-Listen [siehe Rosa Liste] ist das wie mit dem Ungeheuer von Loch-Ness: Unheimlich. Niemand hat sie je gesehen, niemand in der Hand gehabt und doch tauchen sie immer wieder auf ... Das kuriose ist nur, dass solche Meldungen und Vermutungen immer wieder auf den Seiten ganz 'normaler' Presseerzeugnisse auftauchen ... Am 18. Mai ging daher die [oben] links unten abgedruckte Anfrage an die Innenminister der 11 Bundesländer und an Präsident Dr. Herold vom Bundeskriminalamt ... "

Das Handbuch der Kriminalistik sah noch 1978 die Führung von Homosexuellenkarteien als notwendige Maßnahme zur Wahrnehmung der polizeilichen Sicherungsaufgaben an. Eintragungen im Strafregister wurden nach 1969 tatsächlich gelöscht. Die polizeilichen Datensammlungen wurden allerdings nicht oder nur teilweise vernichtet.

Der IGVP-Skandal: Für die Polizeibehörden Bayerns, Thüringens und Nordrhein-Westfalens waren Homosexuelle eine besondere Tätergruppe. Die Ermittler verwendeten ein Computerprogramm mit einem speziellen Register für Schwule und Lesben, ihre Treffpunkte wurden als potenzielle Tatorte klassifiziert.


Wolfgang, 25, von mir fotografiert, möchte durch diese Veröffentlichung im Raum Köln/Düsseldorf einen Freund finden ... (siehe oben, neben 'Neonazis und Nackte')


Über die Selbstunterdrückung der Schwulen
" ... Im Februar-DON haben wir einen Leserbrief von Wolfgang Müller, 21, Wolfsburg, abgedruckt, der sich selbst als radikale Emanze bezeichnet. Darin hatte Wolfgang der Redaktion angelastet, dass DON 'von der Verklemmtheit seiner Leser lebt' und - mit Zielrichtung auf diese 'verklemmten' Leser - diesen Spiessertum, Materialismus, Selbstverleugnung und totale Anpassung an die gesellschaftlichen Normen vorgeworfen. In unserer Anmerkung zu diesem Brief hiess es damals u.a. 'Der selbstbewusste Autor wird gebeten, sich einmal den Kopf darüber zu zerbrechen, wie er weniger selbstbewussten Homosexuellen Mut machen kann, anstelle ihnen derart ans Bein zu pinkeln'. Was bei diesem Kopfzerbrechen herausgekommen ist, präsentieren wir hier ..."


Anna Rheinsberg: "Liebe Leser! Ich schreibe hin und wieder für DON. Bis jetzt waren meine Beiträge Erzählungen. Vielleicht hat sich der eine oder andere von Ihnen gewundert, warum ausgerechnet eine Frau für ein homosexuelles Magazin schreibt ... Ich will Ihnen einmal erzählen, wie es dazu gekommen ist, dass ich mit homosexuellen Männern Kontakt bekam. Den Ausschlag gab ein Jugendfreund ... "


Homolulu, das erste internationale Homosexuellen-Treffen in Frankfurt am Main, 23. bis 29. Juli 1979, Sonderbericht unseres Mitarbeiters Andy Müller

Dienstag, 25. Juni 2013

DON - The German Gay Magazine 1979 (Heft 7)


Dr. Klaus Thomas vollbringt Wunder ... heilt Homosexualität durch Handauflegen
Hans Surén, ein eingeölter FKK-Fan
Schwulen-Listen und der Homo-Stempel im Ausweis
Horst Schlötelburg, genannt Schlö
Erster Staatsanwalt Dr. Wimmer: Homos = gefährliche pädophile Triebtäter

DON 7/1979 erscheint im Juli 1979.
Das Titelmodell war Barkeeper in einer schwulen Kneipe Münchens.


 "Vor sieben Jahren ... veröffentlichte der Satiriker Felix Rexhausen in HIM ein frei erfundenes Gespräch zweier Abgeordneter: Ein HS in den Personalausweis! Die Rubrik 'unveränderliche Kennzeichen' sei, so Rexhausen, doch ein idealer Ausweisplatz für den Homo-Sexuellen-Stempel. Weniger amüsant lesen sich die mit schöner Regelmässigkeit durch die bundesdeutsche Presse geisternden Vermutungen  über die Existenz von Schwulen-Listen ... "

Den Textauszug - betreffend Schwulen-Datei in Inpol, Homo-Karteien in allen Landeskriminalämtern, Homosexuellen-Register - aus der Serie "Das Stahlnetz stülpt sich über uns ... über die westdeutschen Polizei- und Geheimdienst-Computer (II)" entnahmen wir dem SPIEGEL 19/1979, komplett nachzulesen im Internet.


Offener "Brief" an Alexander Ziegler in Sachen DON 5/1979 :

"Lieber Kollege Ziegler! 
     Sie haben uns in 'du & ich' ein so nettes Brieflein gewidmet - obwohl Sie doch mehrmals öffentlich verlautbaren liessen, dass DON für Sie nichts als Luft sei. Nunja, wir verstehen das menschliche Bedürfnis, schliesslich war Ihre Schreibblase randvoll.
     Aber mit dem Zielen, lieber Ziegler, da hapert's noch ein bissel! Denn was Sie da zusammengestrullt haben, ist doch nun weissgott nicht mehr als eine journalistische Pfütze. Wenn Sie schon keine Gegenargumente haben, hätten wir zumindest ein dialektisches Kunststück erwartet. Aber das ist wohl zuviel verlangt [...
     ....] Achgott, achgottchen, verleumdet wurden Sie schon wieder einmal? Warum kommen Sie denn dann nicht mit einer Klage? Sie haben ja nicht einmal die Traute - geschweige denn die Argumente - um eine Gegendarstellung in DON zu verlangen.
     Es bleibt also bei unseren Behauptungen, dass Sie private Gespräche missbrauchen, um Ihren Gesprächspartnern damit in den Hintern zu treten. Und es bleibt dabei, dass Sie Ihre privaten Telefonate von Dritten mithören lassen.
     Nicht zu vergessen Ihre rührselige Geschichte von den trauernden Hinterbliebenen. Wie sollen Sie bei soviel Leid auch mit der Quelle Ihres Coburger Pressezitates herausrücken?
     Wir bemühen diesmal einen Ihrer Lieblingssprüche: "Die Distanz zwischen uns und unserem Gegenüber bestimmt immer der andere!" Demzufolge können Sie zukünftig ungestört in Ihrer Schweizer Schokoladenwelt herumkrackseln.
                                                                             Alles Liebe: Ihre DON-Redaktion"


"Es war einmal ein Major, der zog aus, um das Edle des germanischen Körpers zu preisen und zu formen. Der Katalog seiner nackten Forderungen reichte vom Barfussgehen über Nacktwanderungen und Abschaffung der Badebekleidung bis hin zur totalen Nacktheit am Arbeitsplatz ... Ältere DON-Leser werden sich an den 'Nackten Hans' noch erinnern ..."

Hans Surén, 1885 - 1972, deutscher Offizier, Buchautor ** und Vorkämpfer des eingeölten Naturismus.

** "Der Mensch und die Sonne", erschienen 1924, erreichte bis Kriegsende 61 Auflagen mit 250.000 Exemplaren, wurde 1936 mit stark rassistischem Einschlag überarbeitet und mit zahlreichen Zitaten aus Hitlers "Mein Kampf" ergänzt.


Fotos Gambera, Sizilien


Der Schriftsteller Horst Schlötelburg, u.a. Buchautor von "Der HOMOsexuelle", "Gegendarstellung", "Der Mörder und die Heiligen" und "Briefe nach jenseits", schrieb seinerzeit hin und wieder für DON. Im Internet findet man über ihn (leider) nur noch Bruchstückhaftes:

Von der Würdelosigkeit des Schreibens
Horst Schlötelburg
Im Bekanntenkreis kurz Schlö genannt, 1931 geboren und 1982 gestorben, hat in diesem Essay seine Erfahrungen zusammengefaßt — er lebte tatsächlich (bescheiden) ausschließlich vom Schreiben —, seinem (immerwährenden) Ärger Luft gemacht. Honoriert wurde diese Brandrede vom Bayerischen Rundfunk, der sie Ende der siebziger (Anfang der achtziger?) Jahre — im großartig fulminant-wütenden Vortrag von Hans Korte — sendete. Renate Mayer-Zaky † hat sie in ihrer 1992 im Münchner Littera-Verlag erschienenen Dokumentation Vergewaltigung eines Genies veröffentlicht.
Näheres aus seinem Leben ist uns nicht bekannt. Bis auf die Tatsache, daß er ein zwar alles andere als pflegeleichter, aber nicht zuletzt deshalb wohl äußerst spannender Zeitgenosse war.

DIE ZEIT, 9.7.1971, Horst Schlötelburg, "Kopak-Pakote"


In diesem Beitrag berichten wir über die ebenso abstrusen wie verdummenden Thesen über Homosexualität, Homosexuelle und Homo-Heilung des Dr. med. Dr. phil. Klaus Thomas, Mediziner, Psychologe, Psychothrapeut, evangelischer Theologe und Leiter der Berliner Lebensmüdenbetreuung.

Immerhin findet sich in DER SPIEGEL 21/1964 eine sehr positive Besprechung seines Buches "Handbuch der Selbstmordverhütung"


Der Mannheimer Erste Staatsanwalt Dr. Wolf Wimmer argumentiert in der Fachzeitschrift "Kriminalistik" über die Unverzichtbarkeit von Homo-Karteien: "es geht nichts über ein mit griffelspitzerischer Sorgfalt geführtes Homosexuellen-Register. Denn aus diesen Kreisen, das ist nun einmal nicht zu leugnen, kommen die gefährlichen, pädophilen Triebtäter". Deshalb dürfe sich die Polizei vom "hochbrisanten Sektor" derartiger Sexualdaten nicht fernhalten.

Die in diesem Zusammenhang sachlich gestellten Nachfragen der DON-Redaktion, mit Schreiben vom 15. Mai 1979, hat Wimmer (verständlicherweise) nie beantwortet.

Nachtrag: In diesem Jahrtausend hat sich Wimmer einem neuen Spezialgebiet zugewandt, 2006 veröffentlichte er (zusammen mit einem Prof. Prokop) das Buch "Der moderne Okkultismus", Parapsychologie und Paramedizin, das bei amazon einmal als "Polemik pur" und einmal als "Polemik statt Wissenschaft" rezensiert wird.

Montag, 29. April 2013

DON - The German Gay Magazine 1978 (Heft 12)


DON 12/78 erscheint im Dezember 1978. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


Schwule Satire zum STERN-Titel "Wir sind schwul": 682 Männer bekennen öffentlich, dass sie homosexuell sind (vgl. Vorwort DON 11/1978). Zeichnungen Stefan Troßbach, Texte Reimer.


Dieser Leserbrief  - Homopresse züchtet Angst-Homos - ist der Beginn auch unserer Auseinandersetzung mit den "ungewöhnlichen journalistischen Praktiken" des Alexander Ziegler in DU & ICH:



Von DON-Autor Stefan Trossbach, frei nach Edgar Allen Poe. Fotos Jean-Daniel Cadinot.


"Mit Grauen erinnern wir uns des Dritten Rechs. Damals - im Oktober 1934 - als die Gestapo im Auftrage Himmlers die Weisung erliess, alle Homosexuellen in Listen zu erfassen, begann das grösste Homo-Pogrom der Neuzeit. Heute, 45 Jahre später, gibt es zwar keine ähnliche Weisung, aber immer wieder tauchen Vermutungen auf, dass die Organe der Exekutive Homosexuelle in Listen erfassen ... Vorwürfe, Dementis, Behauptungen, Widerlegungen ... Das Fazit des Spektakulums: Immer mehr Homosexuelle in der Bundesrepublik sind verunsichert. Immer mehr Homosexuelle trauen sich nicht mehr zur Polizei ... "

Vorgeschichte zu den tatsächlich in der Bundesrepublik geführten Schwulenkarteien (auch Rosa Listen)

Donnerstag, 18. April 2013

DON - The German Gay Magazine 1978 (Heft 11)


DON 11/78 erscheint im November 1978. Verleger ist Henry Ferling, Darmstadt, siehe DON 1/1973. Redaktion: Jens M. A. Reimer, R.v. Lindenau (= Henry Ferling), Tommy Brauner (= Jens M. A. Reimer), Bildredaktion: Guy Gilbert (= Günter Goebel) und Hans John (= Hans Möstl), Details bei DON 9/1976


Schwule Selbstherrlichkeit 78:  "... das bisschen Toleranz, das die Bevölkerung uns mittlerweile entgegenbringt, führe ich allein auf die Bemühungen der Schwulenbewegung zurück ... " Michael Janiszewski (VSG-Mitglied) im 'Fliegenpilz'

"Mit dem publizistischen Paukenschlag >Wir sind schwul< ergriff erstmals eine deutsche Zeitschrift voll Partei für die homosexuelle Minderheit. Und noch dazu die grösste: der STERN mit rund 1,4 Millionen verkauften Exemplaren. Er schrieb: 'Sie werden angepöbelt, verspottet, sie verlieren ihren Arbeitsplatz und werden vom Staat sogar bespitzelt.' Und wie einst im STERN Frauen öffentlich erklärten >Wir haben abgetrieben<, bekannten nun 682 Männer öffentlich, dass sie homosexuell sind. Mit vollem Namen, Alter und Beruf. 54 von ihnen auch mit Bild und Kommentar ... Schon fünf Wochen vor dieser Veröffentlichung hatte die DON-Redaktion Wind davon bekommen. Aber nur durch einen Zufall. Das heisst: Niemand hat uns informiert. Niemand hat von unseren Lesern Unterschriften erbeten. Niemand um unsere Beteiligung angefragt. Ich sage dies keineswegs weil wir uns etwa 'übergangen' fühlen, sondern weil es ein bezeichnendes Licht auf die derzeitige Situation der deutschen Homosexuellen wirft. Da stehen auf der einen Seite die Emanzipations-Homo- und Schwulen-Gruppen (mit denen hat der STERN das durchgezogen; die meisten der 682 sich zur Homosexualität Bekennenden dürften zu diesen Gruppen gehören), und auf der anderen Seite stehen die rund 1,2 Millionen 'gewöhnlichen Homosexuellen'. Dazwischen ist eine tiefe Kluft ... Der kritische Punkt, scheint mir, ist die Abkapselung der Schwulen von den Homosexuellen ... Mitleidig bis verächtlich schauen sie auf das 'gemeine Homovolk' herab ... "


"Das Wirken jüdischer Intellektueller, die nach Hitlers sogenannter Machtergreifung als Emigranten in Frankreich, England und den USA lebten, ist bislang schon weitgehend erforscht und beschrieben worden ... So wurde erst jetzt, im Frühjahr 1978, in der Pariser Kunst-Szene eine kleine Sensation bekannt: Das Schaffen und - in Bruchstücken - das Leben des jüdischen Malers August H., der 1934 vor der Gestapo nach Paris geflohen war und hier 25 Jahre lang ein künstlerisches Doppelleben führte. Tagsüber stand H. ... an der Place du Tertre auf dem Montmartre und pinselte für Touristen und Kunsthändler kelien Idyllen ... Nachts aber zeichnete sich H. ... sein 'Innenleben' von der Seele, seine Wünsche, Lüste und sexuellen Empfindungen. Über Jahre hinweg fertigte er Hunderte von homoerotischen, zum Teil absurden oder perversen, Zeichnungen und Aquarellen, die er vermutlich zu seinen Lebzeiten nie einem anderen Menschen gezeigt hat ... August H. wäre vermutlich auf immer vergessen geblieben, wenn nicht im März 1978 - 19 Jahre nach seinem Tode - auf einer Pariser Kunstauktion 200 Aquarelle und Zeichnungen mit ausschliesslich homoerotischen, pornographischen Themen angeboten worden wären ... gelang es dem berühmten Homofotografen Jean-Daniel Cadinot und seinem Freund Philippe de Mazière ... sämtliche Werke ... zu ersteigern ... Nach Themenkreisen geordnet erscheinen alle Werke in 6 Heften in dreimonatigem Abstand, kommentiert von Cadinot und Mazière ..."

Verfasser obigen Beitrags Georg Guhert (†), der viele Jahre den Alleinvertrieb sämtlicher Cadinot-Produkte in Deutschland, Österreich, Schweiz (und?) innehatte.


Erinnerungen an die berühmteste Putzfrau (Autor?): " ... Claire Schlichting [seit März 2015 hat sie nun endlich auch einen umfangreichen Wikipedia-Eintrag] kam am 18. Mai 1907 in Wuppertal-Elberfeld zur Welt ... mit siebzehn war Claire Soubrette, heiratete den Schauspieler Herbert Schlichting und war mit achtzehn schon Mutter eines Sohnes ... 1929 ... spielte Claire das Dienstmädchen in 'Der müde Theodor'. Dieser Rolle und vor allem dem darin kreiierten Kostüm, der flickenbesetzten Schürze, blieb sie ihr Leben lang treu ... Die kleine Claire wurde mit 26 Jahren zur 'komischen Alten' ... und später [nach dem Krieg] in Berlin, wo sie als unterhaltsame Gastronomin eine Prominenten-Pension führte. Damals war sie oft im alten Trocadero am Winterfeldtplatz zu Besuch, wo sie ihre Jungens - die Homosexuellen - zur Gaudi unterhielt ... Am 22. April dieses Jahres ... starb 'Deutschlands berühmteste Putzfrau' im Alter von 73 Jahren ... Wir haben einen guten Freund verloren. Vielleicht hat uns Claire auch deshalb etwas besser verstanden, weil sie ... von 1942 bis 1945 in einem Konzentrationslager sass; aus politischen Gründen."


In den 70er und 80er Jahren erschienen regelmässig (pseudo-psychologische) Leser-Tests in nahezu allen Illustrierten. Soweit ich mich erinnere, haben wir viele (u.a. aus 'Jasmin', 1968-73) übernommen und für die schwule Leserschaft 'umgebaut'.


Rückblende: Vor 15 Jahren
... im April 1963, stellte eine Jugendzeitschrift [twen] den § 175 zur Diskussion...
... im STERN Nr. 30/1963 eine Reportage >Zum Weekend bleibt man unter sich< (" ... Englische Privatschulen produzieren nicht nur eine führungsfähige Elite, sondern eine ungewöhnliche Menge an Homosexuellen ... ") ...
... in der Tageszeitung 'Politiken' (Kopenhagen) ein Bericht über den US-amerikanischen "Zollkontrolleur Erwin Fisherman aus New York  ... der im vergangenen Jahr in der Auslandspost 38.241 Sendungen mit pornographischem Material ausfindig gemacht und beschlagnahmt habe ... " (74% aus Skandinavien)


Die Geschichte des am 16. September 1856 auf der Burg Volkshagen, bei Wismar, geborenen Wilhelm von Gloeden († 1931 Taormina) in 3 Teilen.